Norddeutschland, Ostsee, Rausgehen, Schleswig-Holstein
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Frühschwimmen in Timmendorfer Strand

In den Sonnenaufgang zu schwimmen gehört zu unseren erklärten Hochsommer-Vergnügen. Das ist – Kitsch hin oder her – als würde man in kühles Gold tauchen. In der Regel gibt´s ja jährlich nur eine Handvoll richtig, richtig warmer Nächte in Norddeutschland, so dass man das Ganze auch gar nicht auf die lange Bank schieben sollte. Also los zum nächstgelegenen Beach – für Hamburger ist das Timmendorfer Strand.

 

 

Fährt man 1 Stunde vor Sonnenaufgang (gestern um 04.09 Uhr) in St. Pauli los, sitzt man 5 Minuten bevor es beginnt am Strand. (Die 5 Minuten planen wir aus dramaturgischen Gründen ein. Es ist eben superkrass, wenn die Sonne sich über den Horizont schiebt).

 

 

An und für sich ist Timmendorf während der Sommerferien eine Zumutung. Doch morgens ist die Welt in der Lübecker Bucht echt ziemlich in Ordnung. Am Strand schlafen höchstens ein paar Jungs aus dem Nautic. Alle anderen Badegäste wollen auch nur ihre Ruhe haben. Es ist einfach ein guter Ort, um den Morgen kommen zu lassen. Und der Himmel sieht aus wie gemalt.

 

Kaffee gibts übrigens ab 05.00 Uhr (WE ab 06.00 Uhr) am Kiosk Strandallee/Birkenallee

Kaffee gibts übrigens ab 05.00 Uhr (WE ab 06.00 Uhr) am Kiosk Strandallee/Birkenallee

 

Wenn um 09.00 die Strandkorbvermieter anrücken, hauen wir in der Regel wieder ab. Zum einen sind uns 4 Stunden Strand eh genug. Zum anderen mögen wir gern noch durch Timmendorf schlendern (bevor die Hamburger kommen).

 

Vor Jahren hat mir mal der Bankett-Manager vom Maritim erzählt, die Suite des Hotels wäre seit Urzeiten den gesamten Sommer an ein altes Ehepaar aus Kalifornien vermietet. Das kann man an einem Morgen wie diesem echt verstehen.

PS.: Als wir hier standen, quälte sich schon eine 30 (!)- km-lange Autoschlange von Hamburg bis Bad Oldesloe. Wir waren fassungslos, als wir später an den armen Leuten vorbeifuhren. Zumal es uns um 09.30 Uhr eh schon zu heiß am Strand geworden war (aber das ist – wie alles – natürlich Geschmacksache).
Die Badende

 

Aktualisierung 2019:

Wer keine Lust hat, schon um 09.30 Uhr zurückzufahren, wartet mit dem Frühschwimmen bis zur letzten Augustwoche (dann ist die Ostsee ohnehin am wärmsten) und es wird wieder einigermaßen erträglich rund um den Timmendorfer Strand. Wo, verraten wir hier.

Wer keine Lust (oder Möglichkeit hat), wandert der Meute einfach davon. Ganz großartig ist zum Beispiel die Steilküstentour von Timmendorfer Strand nach Travemünde.

Wer keine Lust aufs Wandern hat, zieht sich beim Eintreffen in die Holsteinische Schweiz zurück. Ich weiß, ich weiß, die liegt nicht an der Ostsee. Aber so ein Tag, den man an der See beginnt und am See fortführt, ist wirklich ein Traum. Man kann´s ja jedenfalls mal ausprobieren!

22 Kommentare

  1. Ulf Pape sagt

    Georg Trakl ist einer dieser Dichter des deutschen Expressionismus, die das Leiden ernst genommen haben. Er ging darin auf, wie die Sonne hier bei dir über der Ostsee. Voller Macht und erschütternder Schönheit. Sonne ist Leben. Sonne ist der Fortgang unserer Existenz. Trakl hat die Sonne über den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs aufgehen sehen. Dort versorgte er als Militärpharmazeut die Verwundeten. Daran zerbrach er. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits Gedichte geschrieben, so dunkel und fein, dass sie bis heute in aller Welt als der Nachlass eines ungeheuren Genies gelesen werden. Mit 27 Jahren starb er. Von Kokain zerfressen – und zurück bleiben seine Verse von rasender Schwermut.

    Es gibt nur ein einziges Gedicht in seinem Werk, das von Hoffnung erzählt. Es beschreibt, wie die ersten Strahlen der Morgensonne auf die Erde treffen.

    Das Morgenlied

    Nun schreite herab, titanischer Bursche,
    Und wecke die vielgeliebte Schlummernde dir!
    Schreite herab, und umgürte
    Mit zartlichten Blüten das träumende Haupt.
    Entzünde den bangenden Himmel mit
    lodernder Fackel,
    Daß die erblassenden Sterne tanzend ertönen
    Und die fliegenden Schleier der Nacht
    Aufflammend vergehen,
    Daß die zyklopischen Wolken zerstieben,
    In denen der Winter, der Erde entfliehend,
    Noch heulend droht mit eisigen Schauern,
    Und die himmlischen Fernen sich auftun in leuchtender Reinheit.

    Und steigst dann, Herrlicher du, mit fliegenden Locken
    Zur Erde herab, empfängt sie mit seligem Schweigen
    Den brünstigen Freier, und in tiefen Schauern erbebend
    Von deiner so wilden, sturmrasenden Umarmung,
    Öffnet sie dir ihren heiligen Schoß.
    Und es erfaßt die Trunkene süßeste Ahnung,
    Wenn Blütenglühender du das keimende Leben
    Ihr weckest, des hohe Vergangenheit
    Höherer Zukunft sich zudrängt,
    Das dir gleich ist, wie du dir selber gleichst,
    Und deinem Willen ergeben, stets Bewegter,
    Daß an ihr ein ewig Rätselvolles
    In hoher Schönheit sich wieder künftig erneuert.

    • Lieber Ulf, vielen Dank für den längsten Kommentar der Welt. Ein schönes Gedicht ist das.
      Aber ist das nicht ulkig – Ich würde nie die Sonne als jungen Mann sehen. Sie ist für
      mich eher eine (mittelalte) Frau. Und sie käme bei mir auch nie auf die Erde „herab“ (sic) – sondern
      immer „herauf“.
      Da kann man mal sehen: Manche sind eben durch Expressionisten sozialisiert und andere durch
      Peterchens Mondfahrt.

      • Ich war 2006 das letzte Mal dort. Kann nicht sagen, wie es heute dort ist. Ich wohne inzwischen im Süden und habe es du den großen bayerischen Seen weitaus kürzer. Der Gardasee ist auch nur 400 km entfernt 😉

    • Ja, ich genieße das mittlerweile auch sehr. Es gab aber viele Jahre, in denen ich das kaum genutzt habe. Kann ich heute gar nicht mehr nachvollziehen. Aber besser spät als nie, nä?!

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