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Hightime in Ostholstein – antizyklisch trotzdem ein Traum

Ostholstein

Eigentlich wollte ich heute vom zweiten Tag meiner Wanderung auf dem E1 erzählen, aber inzwischen haben die Hundstage den Norden voll im Griff. Daher ziehe ich einen Badeausflug nach Ostholstein vor.

Wem steht denn schon der Sinn nach stundenlangen Wanderungen, wenn das Thermometer täglich über 30 Grad klettert? Jetzt will man ins Wasser. Und zwar zackig. Dafür bietet sich Ostholstein einfach an.

Hier liegen die Ostseestrände, die von Hamburg aus am schnellsten zu erreichen sind. Auch deshalb kracht speziell die Lübecker Bucht im Hochsommer aus allen Nähten – aber in gewissen Momenten bleibt sie ein Vergnügen. Gerade jetzt.

 

Morgens um 07.00 ist Scharbeutz noch in Ordnung

 

Wie ich in den vergangenen Jahren genaustens beobachtet habe, eignet sich längst nicht jeder Sommer, um in den Sonnaufgang zu schwimmen. Aber dieser Sommer hat ja mit normalen Sommern nichts gemein. Im Moment ist es großartig und kostet nicht einmal wirklich Überwindung. Höchstens die Überwindung, den Wecker auf eine so unchristliche Zeit einzustellen, dass man rechtzeitig am Strand sitzt, um die Sonne aufgehen zu sehen (derzeit kurz nach 5 Uhr).

 

 

Wir haben es vergangenen Sonntag nicht ganz geschafft. Es war an uns vorbeigegangen, dass irgendein Wahnsinnkandidat entschieden hat, die A24 ab dem Horner Kreisel für den gesamten Juli und August zu sperren. Der Umweg über Glinde kostet uns die entscheidende Viertelstunde. Es war dann im Grunde sowieso egal, weil wir am vielleicht einzigen wolkigen Morgen des gesamten Sommers 2018 in Scharbeutz eintrafen. Aber Himmel, war die Luft hier herrlich!

 

 

An klaren Tagen ist der Sonnenaufgang in der Lübecker Bucht oft recht dramatisch. Auch sonst eignen sich viele ihre Strände allerbestens zum Frühschwimmen. Die Ostsee ist am Morgen noch nicht ausgeleuchtet, d.h. man könnte etwaige spitzige Steine am Grunde nicht sehen. Aber Steine gibt es zwischen Timmendorf und Scharbeutz ja so gut wie gar nicht. Der Boden ist ganz geriffelter Sand.

 

 

Jedenfalls: der verhuschte Sonnaufgang machte das Schwimmen nicht schlechter, sondern nur anders. Sanfter. Und ich muss sagen, als die Sonne ihre ersten Strahlen ausstreckte, war ich eine Weile ziemlich fassungslos vor Glück.

 

Besetzt

Die besten Plätze sind schon früh besetzt

 

Schon um halb acht löste der Tag den Morgen ab. Es wurde spürbar wärmer und am Strand liefen die ersten Urlaubsgäste ein. Da gibts diese spezielle Seniorenfraktion mit dem Teint von gebrannten Mandeln, die in Bademänteln kommen und vorm Schwimmen 70er-Jahre-Gymnastikübungen machen. Sie scheinen irgendwie nachzuwachsen. Denn genauso sahen sie schon in meiner Kindheit aus. Und das ist sehr, sehr lange her. Dort ihr Anblick löst bis heute bei mir verlässlich Erinnerungen an große Ferien aus.

 

 

Überhaupt fühlt sich Scharbeutz in den Morgenstunden noch „wie früher“ an. Erst gegen 09.00 Uhr verwandelt es sich in das heutige Babel, wo auch noch die letzte Baulücke zugeklotzt wird. Ganz so, als würden sie dort denken: Ist jetzt ja auch schon egal.

 

09.00 Uhr: Ab zu den versteckteren Schönheiten von Ostholstein

 

Ostholstein ist die einzige mir bekannte Region, in der ich ganz ohne Bedauern das Meer verlasse – denn gleich dahinter beginnt die Holsteinische Schweiz. Ihre Seen sind zwar auch recht beliebte Urlaubsziele, aber längst nicht so überlaufen wie die Lübecker Bucht. Bisher waren wir noch immer hingerissen, wenn wir dort einen neuen Ort ansteuerten und so war es auch in Bosau (allerdings nicht auf den allerersten Blick).

 

Bosau

 

Interessanterweise war die Luft um einige Grad kühler und viel frischer als am Meer. Vielleicht ein Geschenk der uralten Baumriesen der Seelandschaft. Die Wiesen waren aber auch hier verbrannt. Zu unserem Glück hatte das Strandbistro am Strandbad noch nicht geöffnet. Sonst wären wir vielleicht gar nicht dem schmalen Feldweg ins Dorf gefolgt.

 

 

Die Vögel zwitscherten um die Wette mit den Kirchenglocken der wunderschönen St. Petri Kirche hoch über dem See. Und als wir den Anleger der Bosau-Fahrt erreichten, bekam ich beinahe einen Schock, so romantisch kam mir das alles vor.

 

 

Während ich in Hamburg seit Wochen die pralle Sonne meide, konnte ich sie in Strauers Hotel am See gut aushalten bzw. richtig genießen. Das Haus gibt sich optisch ein bisschen 80er (was recht modern ist für die Holsteinische Schweiz). Das Frühstück macht sich jedoch um einiges besser als Vieles, was man in trendigeren Locations serviert bekommt und ist mit 18,50 absolut nicht zu teuer.

 

 

Ich hätte hier ewig hier sitzen können. Oder mit dem nächsten Dampfer auf große Fahrt gehen. Oder noch besser ein Kanu oder SUP-Board ausleihen. Das ist an der Jugendherberge für sagenhafte 2 Euro pro Stunde möglich. Aber Teile von uns mussten noch an den Schreibtisch; und ich langsam mal ins Bett.

 

Bosau

Gebongt.

 

Und so verließen wir Ostholstein gegen Mittag, erreichten Hamburg also pünktlich zur Siesta – exakt 10 Stunden nachdem unser Ausflug begonnen hatte und ohne dass wir auch nur eine Minute lang das Gefühl gehabt hätten, es wäre uns zu trubelig gewesen. Geht also doch. Selbst jetzt.

 

PS.: Wer sich trotz Megasommer noch immer nicht in die Ostsee traut, sollte mal bei Zweikuesten.de vorbeischauen. (Dort sind auch alle gut aufgehoben, die nicht so nah an der Nord- oder Ostsee leben, dass ein Tagesausflug drin wäre. In der Rubrik „Haus am Meer“ empfiehlt die Crew des schönen Reise- und Lifestylemagazins ihre Lieblingsbleiben.)

9 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben, danke für Deinen Strand-Badebeitrag. Ich war, glaube ich, noch nie so oft in der Ostsee schwimmen, wie diesen Megasommer. Und ich genieße es jedes Mal soooooo sehr!!! Am Liebsten morgens oder abends, ich mag die trubeligen Strände nicht so sehr und dann kann man es sehr genießen und abschalten. Über Bosau habe ich auch schon einmal was geschrieben. Ich liebe die Holsteinische Schweiz! Schön, dass Ihr von Beidem berichtet. Genießt weiterhin die Sonne! Liebe Grüße aus Neustadt sendet Finja

    • Liebe Finja, ich habe Deine Bosau-Bericht noch sehr genau im Kopf. Und werde ganz sicher noch mal auf die roten Bänke zurückkommen. Irgendwann, wenn es mal nicht mehr so heiß ist und man wieder spazieren kann. Liebe Grüße zurück (Du hast es vielleicht gut da oben), Stefanie

  2. Ich liebe eure Beiträge!
    Das müsste jetzt mal gesagt werden!
    Und übrigens: euer Buch ist mega!

    Liebe Grüße Eva

  3. Pingback: 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen -

  4. Ich muss sagen, Landschaftlich ist die Ostseeküste defintiv abwechslungsreicher als die Nordseeküste. Sonnenaufgang statt -untergang. Touristenströme sind ähnlich. Einzig die fehlenden Gezeiten schlagen mir aufs Gemüt.

    • Das schlägt Dir aufs Gemüt, wirklich? Ist ja interessant. Ich finde es gerade immer so praktisch, dass die Ostsee keine Badezeiten vorgibt. Obwohl ich das Wattenmeer natürlich auch toll finde. Ich kann mich gar nicht entscheiden, ob ich die Nordsee oder die Ostsee lieber mag. Die Ostsee ist schöner – die Nordsee gewaltiger. Deswegen ist Schleswig-Holstein so toll, finde ich. Da hat man immer beides in der Nähe.

  5. So herrlich, Deine Impressionen, liebe Stefanie. Irgendwie hatte ich ein déja-vu bei den Senioren im Bademantel. Da ist was dran – die müssen tatsächlich nachwachsen, weil sie ganz offensichtlich nicht aussterben. 😉

    Liebe Abendgrüße, Martina

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