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Der letzte Sommertag in der Lübecker Bucht

Sonnenschirm

Für Meteorologen beginnt heute der Herbst, für Hamburger das neue Schuljahr und das Hamburger Abendblatt titelt „Ein voller Erfolg“, mit einem Foto der Lübecker Bucht, so entsetzlich wie ein Hieronymus Bosch.

Nie, nie, nie würden wir uns an einen derart überfüllten Strand begeben, wie das Abendblatt ihn heute (leider nicht online) zeigt. Doch gestern waren wir genau da. Und das verbloggen wir heute mal schnell, damit sich keiner den letzten Strandtag aufgrund falscher Vorstellungen durch die Lappen gehen lässt. Denn mit Ferienende beginnt eben auch die beste Zeit der Lübecker Bucht.

 

Moewe

 

(Für hastige Leser; alles was wir sagen wollen, ist: falls Du es irgendwie einplanen kannst, gönn Dir noch mal einen Sommertag am Meer. Am besten wählst Du einen Wochentag. Ehrlich, es lohnt sich, einen Urlaubstag dafür zu „opfern“. Denn das Abendblatt hat schon irgendwie Recht: am Wochenende ist die Lübecker Bucht mittlerweile ganzjährig überlaufen, so dass man kaum die Wellen rauschen hört.)

 

Die Lübecker Bucht am letzten Mittwoch im August

 

Wir fuhren gestern nach Timmendorf, dem Epizentrum der Lübecker Bucht, dem Stadtstrand der Hamburger, wo man für Ostseeverhältnisse unterdurchschnittlich wenig Sandalenträger in kurzen Hosen antrifft. Dafür sehen eine Menge Leute so aus, als würden sie eine Arztpraxis in Eppendorf betreiben. Mag sein, dass es sogar so ist.

 

Luebecker Bucht

 

Im Timmendorf ist man nun mal am schnellsten von Hamburg aus gesehen. Sogar der Flix-Bus braucht nur 55 min. Mit dem Auto ist man noch schneller. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum man hinfährt.

Viele Hamburger haben einfach eine spezielle Beziehung zu dem Ort, der eigentlich Timmendorfer Strand heißt (was Hamburger aber nie sagen würden. Man sagt Timmendorf. Oder noch kürzer: Timmdorf.).

 

Baederdampfer

 

Als Hamburger kennt sich aus im teuersten Badeort der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste und weiß, dass es in der Saison keinen Sinn macht, nach einem kostenfreien Parkplatz im Zentrum zu suchen. Besser man parkt gleich oben an der Eissporthalle. Das ist ok. Weil Timmendorf nämlich so schön ist, dass man jeden Weg gern geht.

 

Strandkorb

 

Die Strandabschnitte in Timmendorf sind beinahe alle mit Strandkörben zugepflastert. Das sieht hübsch aus, nervt aber, wenn man´s nicht so mit Tuchfühlung hat. Wir steuern daher lieber einen kleinen Strandabschnitt kurz hinter der Promenade an. Sie verläuft zwischen  Dünengürtel und Waldsaum, zwischen Strandzugängen und Badevillen. Es riecht nach Kiefern und Ostsee.

 

 

Wo die Strandallee endet, beginnt genau genommen schon Scharbeutz. Aber noch nicht so richtig. Nicht in dem Sinne, dass da schon Scharbeutzer Häuser oder Gastronomiebetriebe wären. Mal abgesehen vom Spaßbad Ostseetherme und dem Hotel Gran Belveder im Teneriffa-Style (das wir – obwohl optisch kein Kracher –  für Winterwochenenden empfehlen können.)

 

Ostseetherme Strand

 

Kurz dahinter, gleich neben dem Hundestrand, liegt dann „unser“ Strandabschnitt. Ganz ohne Strandkörbe. Er ist als Sportstrand deklariert. Und hat wohl auch irgendwas mit einer Jugendherberge zu tun. Wir haben da aber noch nie größere Gruppen erlebt. Höchstens mal ein paar spielende Kinder (wobei wir den Strand eben auch nur im Spätsommer kennen.)

 

Zwischen Timmendorf und Scharbeutz

 

Der Strandabschnitt ist nicht lang. Nur ein paar Hundert Meter. Und immer etwas weniger frequentiert als das sonst so üblich ist in Timmendorf und Scharbeutz. Er liegt halt irgendwie dazwischen. Von idyllischer Einsamkeit kann man hier auch nicht reden. Aber wo kann man das an deutschen Stränden schon?! Sowieso: wenn man mal aufhört, an der Lübecker Bucht rumzumäkeln, sie einfach als eine Art Badesee wahrnimmt, kriegt sie 10 von 10 Punkten. Jedenfalls im Spätsommer.

 

Scharbeutz

10.00 Uhr in Scharbeutz. Alle guten Plaetze am Duenenrand sind noch frei.

 

Badesee-feeling hin und her. Am Ende schwappt eben doch Meerwasser in der Lübecker Bucht. Auch wenn sie wieder mal sanft und unbewegt daher kommt, bleibt sie doch immer salzig und kühl. Und das ist gegen Ende des Sommers überhaupt der wichtigste Grund, um noch einmal an den Strand zu fahren. Nichts Besseres als der Moment, wenn man endlich mit dem Kopf untertaucht. Zur Boje schwimmt. Und irgendwann auf dem Rückweg erstaunt feststellt: Ich will jetzt eigentlich gar nicht mehr raus. Ich friere nicht.

 

Scharbeutz

15.15 Uhr: Nicht ganz einsam. Aber auch nicht furchtbar voll.

 

Dass ich gar nicht friere, passiert mir in der Ostsee nur Ende August und Anfang September. Wir sind gestern mal die letzten vier Jahre durchgegangen und stellten fest: die letzte Augustwoche und die erste Septemberwoche haben fast immer gutes Wetter im Gepäck. Gleich einen Knoten ins Taschentuch für´s nächste Jahr: nicht so viele Aufträge in dem Zeitraum annehmen.

 

SUP mit Hund

 

Kann sein, dass „unser“ Strandabschnitt auch aufgrund der hohen Bäume im Rücken nicht so gut besucht ist wie die anderen. Hier fallen die Schatten noch früher auf den Sand als es ohnehin schon in der Lübecker Bucht der Fall ist. Zum Sommerende beginnt es bereits kurz nach 16.00 Uhr am Dünensaum – und zieht dann ziemlich schnell bis zur Wasserkante weiter.

 

Wasserrutsche

 

Deswegen füllen sich die Restaurants in der Lübecker Bucht bereits recht früh. Während ich mich an die (hüstel) Neuorientierung von Scharbeutz nicht recht gewöhnen kann, gehörte in Timmendorf Schicki-Micki schon immer dazu. Ich kenne das nicht anders, darum macht es mir auch gar nichts aus. Im Gegenteil, wir finden das recht amüsant.

 

Kurpark

Alles wie immer, der Kurpark von Timmendorf

 

Gewisse Ecken verändern sich hier nie. Genau wie gewisse Leute den Look „ihrer Zeit“ quasi konserviert haben. Und nun führen sie ihn begeistert vor und schauen ebenso begeistert was die Anderen denn so drauf haben in Sachen „Schick der 70er, 80er, 90er und ein bisschen was von heute“.

 

Speisen & Getränke in Timmendorf

 

Dazu passt seit 1972 ein Kaltgetränk auf der Terrasse des Nautic Garden. Eine Nacht im Nautic ist seit mindestens drei Generationen ein echter Initiationsritus für Hamburger und Schleswig-Holsteiner. Gerade hat das Restaurant nach Renovierung neu eröffnet und in ein paar Wochen will man mit dem Club wieder an legendäre Zeiten anknüpfen. Mal sehen ob´s klappt. Das Nautic Garden klappt schon mal ganz gut. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich hier noch mal sitze. Mit Abendsonne im Gesicht und Sade Adu im Ohr.

 

 

Im Ortsteil Niendorf wird die Musik noch mit der Hand gemacht. Protestsongs are blowing in the wind. Das passt gut zu Fisch bei Klüver nebst Hafenblick. Weil Klüver (noch) nicht Gosch ist, schmeckt´s. Wer will, kann mitten rein in die Meute und lernt mindestens seine Sitznachbarn kennen. Es hat aber auch niemand was dagegen, wenn man sich einen Stuhl schnappt, um irgendwo abseits am Wasser zu essen.

 

 

Und während wir da so sitzen und die Nacht hereinbricht und alles entspannti-manti ist, freuen wir uns auf einmal so für die Glücklichen, die gerade in der Lübecker Bucht Urlaub machen dürfen. Das muss doch klasse sein, hier morgen wieder aufzuwachen.

 

 

Denn auch wenn die Meteorologen den Sommer gestern für beendet erklärt haben, dauert er doch kalendarisch bis zum 22. September. Und so lang der Mann mit der Gitarre noch Protestsongs spielt, ist der Sommer in der Lübecker Bucht nicht vorbei.

 

16 Kommentare

  1. Wie schön zu lesen. Für uns ist auch das Ende der Saison der Anfang unserer Saison. Endlich keine Staus, keine Gebühren und viel Platz an den Stränden.
    Und der Erfolg? Schade, dass Schleswig-Holstein sich vermarktet anstatt Gäste einzuladen. Schade, dass man von Erfolg spricht anstatt von glücklichen Gästen. Schleswig-Holstein wird ganz erfolgreich das auf Dauer zerstören, was es so erfolgreich macht. Und dann werden die Gäste dorthin fahren, wo sie eingeladen sind, anzukommen und zu bleiben.

    • Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr zum Ferienende durchatmet. (Wobei ich die Holsteinische Schweiz ja immer noch als sehr entspannt und entspannend empfinde. Nur Eure Strände… da wird wirklich übertrieben.) Dann genieß mal den Nachsaison-Beginn!

  2. Das waren jetzt genau die Fotos, die ich nach dem Wimmelbild im Abendblatt gebraucht habe. Nur schade, dass die Sonne an der Ostsee schon am Nachmittag verschwunden ist. Da zieht es mich dann doch eher auf die andere Seite.

  3. Das waren ganz bestimmt Ärzte aus Eppendorf, miittwochsnachmittags ist doch immer überall geschlossen! Ihr macht es richtig: weg von den Strandkörben und hin zum ‚richtigen‘ Strand, auch wenn’s schon früher schattig wird. Ein schöner Bericht!

  4. Weishaupt-Bülk sagt

    Huhu Steffi,

    und wir waren schon am Dienstag da. Kein Stau und schwuppdiwupp im Meer.
    Das einzige was gefehlt hat, war die Brandung. Aber es war auch so ganz toll.
    Ich hatte so eine Sensucht nach dem Meer.
    Und zum Abschluß für einen Drink ins Cafe‘ Wichtig“ , also ich finde schon, dass die eher aus Düsseldorf kommen, ganz schön schräg!

    So schöne Bilder!
    Der Vergleich mit Bosch ist echt klasse! Stimmt irgendwie!

    Spätsommer ist ganz, ganz schön, vor allem, wenn man keinen Sommer hatte.

    Liebe Grüß
    Mari

  5. Liebe Stefanie, das ist so schön geschrieben und so wahr. Obwohl ich „gleich um die Ecke“ wohne, war ich in diesem Jahr sehr wenig an meinem geliebten Meer. Baustellen, Staus, schlechtes Wetter und der Massentourismus haben mich davon abgehalten. Aber Du hast mich daran erinnert, dass die meisten jetzt wieder weg sind und endlich Ruhe einkehrt. Früher war ich gern am Strand zwischen Timmendorf und Scharbeutz, habe dann später bei Mario in Scharbeutz noch das leckerste Eis der Welt gegessen. Seit Schicki-Micki in Scharbeutz eingezogen ist, zieht es mich nicht mehr dorthin und mittlerweile gibt es auch an ruhigeren Orten das leckerste Eis der Welt ;). Und wenn dann erst mal Til Schweiger sein Hotel in Timmendorfer Strand hochgezogen hat, dann wird es auch den letzten Eppendorfer Arzt nicht mehr in Hamburg halten am Wochenende 😉 Danke für den schönen Artikel und die schönen Bilder von „meiner“ Lübecker Bucht.

    • Na, das ist ja ne Nachricht, Ilona. Hab gleich mal nach Schweigers Plänen gegoogelt. Voll seltsam irgendwie. Dazu passt, das Michael Ammer die Eröffnung vom Nautic Club organsiert. Bleibt also alles beim Alten (wie Hamburg in den 90ern). Danke für diese sehr amüste Information. 🙂

  6. Moin Stefanie,

    da bin ich ganz bei euch. In der Lübecker Bucht ist am Schönsten, wenn die Saison zu Ende geht. Schöne Bilder, schöne Eindrücke. Puh… baden habe ich nicht ein einziges Mal geschafft dieses Jahr.

    Liebe Grüße,
    Claudia

    • Ein Trauerspiel, was? Dabei sind wir ja schon viel unterwegs. Ich bin bei 3 X Ostsee, 0 X Nordsee. Und ich glaub, da kommt auch nichts mehr dazu. Aber man soll den Sommer ja nicht vor dem Herbst tadeln 🙂

  7. Hallo Stefanie,
    ein schöner Beitrag zum Timmendorfer Strand und herrliche Bilder. Wir haben uns vor zwei Jahren auch mal an einem Augusttag in die Gegend gewagt – ich fand es wunderschön, aber leider viel zu voll. Wir sind schnell zurück nach Travemünde geflüchtet. Da war es am Strand deutlich entspannter. Vielleicht sollte ich auch mal einen Versuch im September wagen.
    Viele Grüße
    Katharina

    • Ja, wenn Dir das möglich ist, Katharina, dann versuch mal den September. Der Juni ist auch toll – aber da ist die Ostsee noch so kalt. Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße, Stefanie

  8. Pingback: Timmendorfer Strand, der schnellste Beach für Hamburger

  9. Pingback: Einsame Strände an der Ostsee in Schleswig-Holstein -

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