Alle Artikel in: Nordsee

SPO

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen

In 11 Tagen beginnt der Sommer. Ist das nicht verrückt? Noch verrückter: kein Norddeutscher muss sich in diesem Jahr Gedanken darüber machen, wie er wird, denn er ist ja schon. Gefühlt jedenfalls. Seit Wochen sind die Temperaturen hoch. Der Himmel ist fast immer blau. Müßiggänger lächeln. Gärtner verzweifeln. Schüler hoffen auf Hitzefrei. Und längst habe ich die ersten Punkte der 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen, abhaken können. Früher als jemals zuvor.     Eine Freundin von mir stellte mal die Theorie auf, die erste Nektarine des Jahres sei die Allerwichtigste. Erwischt man eine leckere Frucht, wird man im Laufe des Sommers immer wieder zugreifen. Ist die erste Nektarine hart und sauer (oder noch schlimmer: mehlig), wird man zögerlich. Es könnte sogar sein, dass man die Saison vorübergehen läßt, ohne eine weitere Nektarine zu essen. Und diese Theorie kann man nicht nur auf Melonen übertragen. Sondern auch auf´s Anbaden. Der erste Kontakt mit dem Meer ist der allerwichtigste Tag des norddeutschen Sommers.   10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen: 1. Anbaden   Der …

Inselhopping für Microabenteurer: Best of Nordfriesische Inseln

Echtes Inselhopping ist in Deutschland nur an der Westküste Schleswig-Holsteins möglich, wo vier Nordfriesische Inseln, zehn Halligen sowie einige Nachbar-Eilande erobert werden wollen. Anders als die großen Ostseeinseln sind die Nordseeinseln nicht mit dem Auto zu erreichen. Den Ostfriesischen Inseln wiederum haben sie voraus, dass zwischen ihnen Fähren pendeln. Nur in Nordfriesland kann man also von einer Insel zur anderen hüpfen, ohne je das Festland zu betreten und gleichzeitig das wunderbare Gefühl erleben, zeitweise vom „normalen Leben“ abgeschnitten zu sein. Wer abends die letzte Fähre (bzw. den letzten Zug auf Sylt) verpasst, kommt nicht mehr runter vom Paradies. Es kommt auch keiner mehr rauf. Die nordfriesischen Inseln sind ein exklusives (wenn auch nicht zwingend teures) Vergnügen.   Inselhopping Nordfriesische Inseln – die Basics   Inselhopping auf den Nordfriesischen Inseln ist nur im Sommerhalbjahr möglich und nicht mit dem Auto. Am besten läuft es mit dem Rad. Wer kein eigenes besitzt, findet in jedem Inselhafen einen Fahrradverleih. Um Unterkünfte sollte man sich frühzeitig kümmern. Sogar auf Campingplätzen kann in der Hochsaison – etwa in Kampen – …

Amrum im Winter

Allein unter Insulanern: Amrum im Winter

Insel-Trilogie Teil 3; heute mal mit harten Fakten für einen Trip nach Amrum im Winter. Euren Kommentaren zu den ersten beiden Amrum-Beiträgen habe ich entnommen, dass ich längst nicht die Einzige bin, die schon ewig mal nach Amrum wollte. Und das ist zu Recht so. Die kleinste nordfriesische Insel lohnt sich maximal. Im Winter bloß eben nicht für jede/n.   Amrum im Winter – für wen ist das was?   Optimal scheint mir die Winterreise für Paare (die sich gut verstehen). Oder für krasse Einzelgänger (solche, die nichts dagegen haben, wenn sie mal ein paar Tage mit keiner Menschenseele sprechen – denn das kann geschehen). Und schließlich mag es auch noch mit guten Freunden schön sein (jedoch nur wenn man nicht davon träumt, in sonnigen Strandkörben Prosecco zu trinken. Solch ein Spirenzchen is nich auf Amrum im Winter.) Im Winter ist Ruhe im Karton. Und falls man genau das sucht – ist man genau richtig.   Unterkommen: Hauptsache Nebel   Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Sämtliche Buchungsportale sind total schwach auf der …

Amrum Odde

Also, mich macht´s glücklich: Wanderung um die Amrum Odde

Dass eine Wanderung um die Amrum Odde mich glücklich machen würde, wusste ich schon als ich die Nordspitze der Insel vor etwa 2 Jahren zum ersten Mal aus der Ferne sah. Das war auf Föhr, in Utersum, nahe der Stelle, wo die beliebten Wattwanderungen auf die Nachbarinsel starten. Die kleinste und die zweitgrößte Nordfriesische Insel kommen sich hier sehr nah. Ich halte die – geführte – Wattführung durchaus für eine erlebenswerte Sache. Doch ich suche auf Kurztrips immer auch eine Portion (relative) Einsamkeit. Besonders wenn ich eine Naturschönheit zum ersten Mal erlebe. Die Amrum Odde, das war mir gleich klar, wollte ich für mich – und nicht im Pulk – entdecken.     Um norddeutsche Naturschönheiten für sich zu haben, ist der Januar ideal. Andererseits ist da die Sache mit dem Wetter. Oft genug steht das Barometer auf veränderlich. Das heißt auf den Nordfriesischen Inseln, dass sich das Wetter im Viertelstundentakt ändert – mit einer Heftigkeit, die es unmöglich macht, irgendetwas zu planen.   Ganz im Norden bei Norddorf: die Amrum Odde   Das Beste …

Dagebuell Mole

Anreise nach Amrum

Die Anreise nach Amrum dauert in etwa so lang wie die Anreise nach New York. Für Hamburger. – Für Kölner, Leipziger oder Münchner dauert sie länger, viel länger. Die Nordfriesinnen zieren sich alle ein wenig, das ist ja gerade das Schöne an Inseln und am wenigsten leicht zu haben ist Amrum. Vielleicht hat es deshalb Ewigkeiten gedauert, bis ich mich endlich auf den Weg zur Strandkönigin mache – obwohl ich das doch schon so lange vorhatte.   Die Anreise nach Amrum beginnt mit dem Schritt vor die eigene Haustür   Wie jede wunderschöne Sache beginnt auch die Anreise nach Amrum mit einem Schritt über die eigene Schwelle und dem prüfenden Blick nach oben. 14. Januar. 09.45 Uhr. Himmel: blau. Luft: kühl. Läuft alles wie geplant bisher. Die Möwen scheinen etwas gemächlicher durch die Luft zu segeln als wochentags. 3-Zimmer-Wohnung, Goldmarie, Gay-Sex-Kino, Quick Lunch für 5 Euro. Vor einer der letzten noch geöffneten Bars steht eine Gruppe Jungs. Hände in den Taschen, die Schultern hochgezogen. Eine leicht derangierte junge Dame steigt aus einer Stretchlimousine (Junggesellinnenabschied, ganz …

St. Peter Ording

Kurtaxe in SPO oder: Was ein Sonnenuntergang kostet

Es ist Ende Oktober, kurz vor fünf und der Herr da im Kassenhäuschen an der Promenade von St. Peter-Ording Bad will mir doch tatsächlich 2 Euro Kurtaxe abknöpfen. Für eine Tageskarte. Ich bin schon an einem Sommervormittag irritiert, wenn ich Eintritt in die Natur zahlen soll. An einem Herbstabend verstimmt es mich geradezu.     Auf meine Verstimmung ist man in SPO vorbereitet. Jemand hat ellenlange Rechtfertigungen an die Wand des Kassenhäuschens geschlagen wie Luther seine Thesen. Nur das die schlüssiger scheinen als die „Vorteile“ meiner Tageskarte. Darunter so absurde Sachen wie ermässigter Einlass in diversen Dorfmuseen, die bereits seit einer Stunde geschlossen haben oder Preisnachlass für kostenpflichtige Kurveranstaltungen, die irgendwann (jedoch nicht heute) stattfinden. Etwa 7/8 der genannten Vorteile kommen für mich nicht zum Tragen. Genau wie ja auch 7/8 des Tages bereits vergangenen sind.     Am ehesten überzeugt mich noch der Vorteil gereinigter sanitärer Anlagen. Es ist nur so, stelle ich beim Faktencheck fest, dass die Öffentliche Toilette an der Promenade nicht gerade gereinigt daherkommt. Und weil mich noch immer die ungeheuer popelige …

Badestelle Vollerwiek

Badestelle Vollerwiek und was für den November in Norddeutschland spricht

Der November in Norddeutschland ist besser als sein Ruf, dachte ich neulich, als wir jenseits des Eidersperrwerks die erste Abzweigung nahmen, um eine neue Badestelle zu entdecken. Allein dass wir – trotz Himmelsblau und Windstille und ganz kurz von St. Peter Ording – einen Umweg ins Unbekannte wagten, war schon mal bemerkenswert.     Im Sommer bin ich immer unruhig. Ich will so schnell wie möglich zum besten Strandkorb am besten Strand. Und ich checke während der Anfahrt permanent den Horizont, aus lauter Panik dort könnte eine Wolke auftauchen. Doch dafür gibt es ab sofort gar keinen Grund mehr. Mit dem November kommt die Ruhe. Sie nahm uns sofort gefangen, als wir in Vollerwiek den Deich erreichten.     Der schlechte Ruf unterscheidet den November vom März. Dabei ist der März unwirtlicher als der November. Vermutlich wirkt im Frühling das Prinzip Hoffnung. Auch bin ich ja nicht die Einzige, die uralte Vorurteile verinnerlicht hat. Die Vorstellungen gleichen kindlichen Bastelkalendern. Da wird der März mit hellen Farben, evtl. ersten, bunten Blüten visualisiert, in manchen Jahren auch …

Als der Typ mit dem Schnurrbart mal die Elbmündung besuchte

Forscht man im Netz nach der Elbmündung spucken die Suchmaschinen zu 99,9% Ergebnisse aus, die sich mit Cuxhaven und „um zu“ beschäftigen, ganz so als würde es kein nördliches Ufer geben. Dabei war dieser Küstenabschnitt von Schleswig-Holstein mal eine echte Vorzeigegegend. Jedes Kind in Deutschland kannte den Namen der Kooge. Und da kann man mal sehen: Ruhm ist vergänglich. Selbst der größte Teufel von allen wird nach einer gewissen Zeit zum Typen mit dem Schnurrbart. So jedenfalls nannten ihn zwei Jugendliche, denen partout nicht der Name Adolf Hitler einfallen wollte. Eine Freundin belauschte die Unterhaltung der beiden in einem Schnellrestaurant. Es gibt doch seltsame Sachen.     Zum Beispiel das südliche Dithmarschen, wo sich Elbe und Nordsee im etwa gleichen Verhältnis mischen wie Menschen mit Schafen und man selbst an einem Sonnabend im August ziemlich für sich sein kann. Genau danach war mir vergangenes Wochenende.     Ich erreichte die Wasserkante mit dem vagen Plan, in Brunsbüttel ein Rad zu leihen, um die Küste hinauf zu treiben, entschied mich letztlich aber, mit dem Auto weiterzufahren. …

das hamburgische Wattenmeer

Das Hamburgische Wattenmeer oder: wie kommt man von Neuwerk weg?

Das Hamburgische Wattenmeer ist das größte Naturschutzgebiet Hamburgs. Ein Nationalpark sogar. Von der UNESCO als Weltnaturerbe geadelt. 90% von insgesamt 13.750 ha sind als Schutzzone deklariert. Ich bin nicht sicher, ob die Salzwiesen rund um das Badehäuschen von Neuwerk dazu gehören. Einerseits muss man da ja wohl irgendwie hinkommen. Andererseits kann ich keinen speziellen Weg entdecken. Sicherheitshalber bewundere ich den Sonnenaufgang vom Deich aus. Wir haben ja noch den ganzen Tag. Unser Schiff geht erst in 13 Stunden. Viel Zeit für eine 3qkm kleine Insel. So viel Zeit, dass einen die reine Seelenruhe überkommt. Seit wir gestern angekommen sind, liegt unsere Taktzahl deutlich unter normalem Tempo. Der Himmel wechselt von rot über rosa zu blaugrau.     Die Ölplattform Mittelplate am Horizont wirkt auf mich wie ein mahnender Zeigefinger. Sie liegt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dort übernehmen gerade Parteien das Ruder, die sich klar für neue Bohrungen ausgesprochen haben. Auch wenn dafür das Gesetz gebeugt werden muss. Und darüber könnte ich trübsinnig werden.   Das Hamburgische Wattenmeer: bedrohte Wunderwelt   Zwei Jungs in Profi-Outdoor-Outfits erklimmen den Deich. Sie wollen raus …

Neuwerk

Hamburgs stillster Stadtteil oder: Wie kommt man nach Neuwerk?

In meiner Vorstellung bin ich immer nach Neuwerk gewandert. Also, wattgewandert – von Cuxhaven über sandigen Boden – bei Sonnenschein versteht sich, mit kühlem Nordseewind im Gesicht. Aber so einfach ist das gar nicht. Das hatte ich schon letztes Jahr festgestellt, als ich mir zuerst einen Termin für den Kurztrip nach Neuwerk freischaufelte – und danach den Tidenkalender checkte, um festzustellen: jeden Monat ist die Insel für einige Tage unerwanderbar. Dieses Jahr stellte ich es schlauer an. Und wir wären auch ganz bestimmt nach Neuwerk gelaufen, hätte uns nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Regen & Kälte waren angesagt, was nicht so schön ist, weil der Wattwanderweg eben nicht über eine sandige, weite Fläche führt. Sondern durch schlickiges, schlammiges Gluckerwatt und durch Priele, in denen man schon mal bis zum Knie versinken kann. Dazu war ich zu schisserig. Und deswegen nahmen wir das Schiff.     Die Flipper braucht von Cuxhaven bis Neuwerk etwa 1,5 Stunden. Normalerweise. Bei uns war irgendwas mit dem Wetter. Zunächst bekamen wir davon nichts mit, außer dass …