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Holmenkollen

Als wir Pauschaltouristen waren: Städtereise Highlights von Oslo

Zu einer Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo gehören 4 Stunden Landgang in Norwegens Hauptstadt. Viele Passagiere nutzen sie für eine Stadtrundfahrt. Bei Ankunft warten die Busse bereits vorm Terminal. Es geht ziemlich zackig los. Und richtig spät retour. Als Einzelperson würde man sich gar nicht wagen, so kurz vor knapp zurück an Bord zu kommen. D.h. die Stadtrundfahrt reizt die wenige Zeit vor Ort maximal aus.     Natürlich ist es unmöglich, die Highlights von Oslo in wenigen Stunden abzuklappern. Und doch können einheimische Guides in dieser Zeit eine Menge Wissenswertes vermitteln. Unsere Stadtführerin hatte die gleiche Zahnlücke wie Morten Harket von a-ha. Ihr Deutsch war fabelhaft. Der leichte Akzent bezaubernd. Während ihre Worte unsere erste innere Skizze von Oslo zeichneten, schraubte sich der Bus hinauf auf den Hausberg, den Holmenkollen.   Higlight: High! Light! Das Licht auf dem Holmenkollen   Im Rahmen der Stadtrundfahrt werden drei Stopps zwischen 30 und 45 Minuten eingelegt. Wären wir auf eigene Faust losgezogen, hätten wir andere Ziele angesteuert. Ich hätte mich nicht freiwillig vom Wasser entfernt und Volko …

Mini-Kreuzfahrt_von_Kiel_nach_Oslo

Schiffsmeldung: auf Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo

Enthält Werbung | Wer sich häufiger in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt herumtreibt, kommt gar nicht drum herum, irgendwann über eine Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo nachzudenken. Die weiß-blauen Mega-Fähren der Color Line Reederei gehören an der Förde zum Stadtbild wie andernorts etwa Rathäuser oder Kirchen. Nur dass sie diese in einigen Städten überragen würden – sind die Gigantinnen doch 15 Decks hoch.     Sieht man vom Fördeufer aus die Color Fantasy (mit bis zu 2.700 Passagieren) vorüberziehen oder die Color Magic (die sogar knapp 3.000 Passagiere befördern kann), reisen die Gedanken beinahe zwangsläufig mit aufs offene Meer hinaus. Vorbei an Langeland und durch Dänemarks Großen Belt, vom Kattegat (Katzenloch) ins Skagerrak – das nächtliche Schweden vor der Reling und am Horizont das Land der Trolle, Fjorde und Ölmagnaten.     Die Schwesternschiffe stellen die einzige Fährverbindung von Deutschland nach Norwegen dar. Sie pendeln im Gleichtakt; den Bauch gefüllt mit Autos, Wohnmobilen, LKW und Omnibussen. Die eine legt um 14.00 Uhr in Kiel ab; die andere in Oslo. Etwa bei der dänischen Insel Anholt treffen sie einander. …

Egebergparken

Ekebergparken – unser Lieblingsplatz in Oslo

Ich habe mich in einen Park verliebt. Einen Wald voller Skulpturen hoch über Oslo. Mit unfassbaren Ausblicken auf Stadt, Fjord, Badeinseln und Berge ist der Ekebergparken ein Glücksgarant für alle, die es nordisch mögen. Und falls man dazu noch Interesse an Kunst hat, wird ein Besuch dort oben zu einem überwältigenden Erlebnis.     Die Kombination von Kunst und Natur ist ja immer eine feine Sache. Aber der Einklang von Landschaft und Skulpturen im Ekebergpark, ist definitiv eine Klasse für sich. Man muss kein großer Kunstkenner sein, um das zu spüren. Ein wenig Neugier reicht schon. Den Rest macht der Park.     Die bewaldeten Hänge im Südosten von Oslo sind seit Urzeiten ein wichtiger Rückzugsort für die Bevölkerung gewesen. 2013 kam ein norwegischer Milliardär auf die Idee, einen Park mit 30 Kunstwerken anzulegen (und zu finanzieren). Irgendwann einmal sollen es 80 Skulpturen und Installationen werden; derzeit sind es 39. Sie liegen weiträumig verstreut; mal versteckt, mal spektuaklär inszeniert.     Norweger haben wirklich was übrig für Kunst – im ideellen wie auch monetären Sinne. …

Scarborough

A Gentle Guide to Scarborough (South Bay)

Scarborough klingt nach Möwen und Wellen. Nach dem Tuckern von Schiffsmotoren und Kinderlachen. Nach Hold me now von den Thompson Twins und Slot Machines in den Spielhallen unten am Strand. Scarborough klingt nach harter Arbeit und noch härterer Arbeitslosigkeit. Klingt nach silbernen Löffeln, die in Teetassen rühren. Öffnet sich downtown – egal zu welcher Uhrzeit – für Sekunden die Tür eines Pubs, klingt Scarborough wie die betrunkenen Reste einer Party morgens um 5.   Are you going to Scarborough fair?   Scarborough klingt liebevoll wie die zittrigen Stimmen älterer Badegäste, die ihre Hunde zu sich rufen. Klingt nach der Stille in den Parkanlagen, wo es zum guten Ton gehört, jedem Entgegenkommenden einen schwärmerischen Gedanken über die Schönheit des ersten Seebads Großbritanniens mitzugeben. Und wenn man sich in Nordengland noch kurz über das Wetter austauscht, klingt „lovely“ wie „loovleeeh“ und aus „nasty“ wird „naasteeeh“. Nur nach Simon & Garfunkel klingt Scarborough, die Königin der Yorkshire Coast, nicht.     Das Ballade vom Scarborough fair ist uralt. Ihr Verfasser unbekannt. Bereits 300 Jahre nach Gründung der Wikinger-Siedlung Skarðaborg wurde …

Yorkshire

Dem Frühling entgegen: Tipps für die Yorkshire Coast

Yorkshire?, echote meine Lieblings-Budni-Verkäuferin und das Lächeln, mit dem sie eben noch die Shampoo- und Duschgelfläschen in Handgepäcksgröße über den Scanner gezogen hatte, bekam etwas Ratloses. Sie zögerte einen winzigen Augenblick, so als hätte sie zunächst nach einer netteren Formulierung gesucht, sich dann aber doch für die Wahrheit entschieden. Also, da beneide ich Dich jetzt ehrlich gesagt nicht. Denn wer möchte den März schon in Nordengland verbringen; konkret an der Yorkshire Coast – wo der Ostwind ungebremst auf Großbritannien trifft? Nicht die Masse, so viel ist klar.   Der Nordosten im Nordwesten: Yorkshires wilde Küste   Zwar behauptet ein englischer Wikipedia-Eintrag, es würde sich bei der Yorkshire Coast um einen weltberühmten Küstenabschnitt handeln, aber ich habe den Löwenanteil meines Lebens verbracht, ohne überhaupt von seiner Tauglichkeit als Urlaubsziel zu ahnen. Mit knapp 100 km Länge eignete sich die Yorkshire Coast eigentlich super für einen Kurztrip, wäre sie nicht so gespickt mit Highlights. Wer alles sehen will, braucht mindestens eine Woche. Wer weniger Zeit hat, muss sich entscheiden.     Tipp für Melancholiker: Abgesehen von Oscars …

Flamborough

Die weißen Klippen von Flamborough Head

Einer Theorie (unter vielen) nach leitet sich der Name Flamborough vom sächsischem Begriff Flaen – für Pfeil – ab. Folgte man diesem in geradem Flug von der charakteristischen Landspitze 700 km über die Nordsee, würde man auf Helgoland treffen.     Obwohl ich das erst später im Hotelzimmer nachlesen werde, fühlen wir uns schon an Deutschlands einzige Hochseeinsel erinnert, als wir dem Pfad vom Leuchtturm zur alten Nebelsignalstation folgen. Natürlich, die Klippen von Flamborough Head sind etwa drei Mal höher; auch sind sie nicht rot sondern weiß. Und so ist es wohl eher das Gefühl von Abgeschiedenheit und Weite, das uns an Schleswig-Holsteins Außenposten denken lässt.     Es ist nicht viel los auf dem Wanderweg zwischen den Seebädern Filey und Bridlington, der die Kreideklippen auf einer Länge von 13 km begleitet. Dabei werden jetzt jeden Tag die ersten Papageientaucher erwartet. Nirgends in Britannien brüten sie in größerer Zahl als bei den höchsten Klippen des Landes.     Flamborough Outer Headland: Puffins Paradise     Papageientaucher sehen zwar drollig aus, gehören aber zu den geheimnisvollsten …

Hvide Sande

Holmsland Klit, Hvide Sande und das Gegenteil von Hygge

Als vor einigen Jahren Hygge schwer in Mode kam, war ich schwer erstaunt, dies dänischste aller Gefühle zum übergroßen Teil auf instagramtaugliche Konsumgüter reduziert zu sehen. Denn mein Bild von Dänemark hat sich aus unzähligen Glücksmomenten an der Westküste Jütlands zusammengesetzt. Und da gab´s zwar immer Hygge – aber bis heute kann ich da nicht besonders viele Dinge entdecken, die der Hygge-Karrikatur mancher Magazine entsprechen.     Natürlich haben die Dänen Stil. Sind vermutlich sogar Stil-Weltmeister. Ihre Häuser sind durchaus schön eingerichtet. Der Charme liegt jedoch in der Reduktion. Dachte ich. Und dass die Dänen nicht jede Saison neue Stehrümchen, Decken, Kissen und Tassen kaufen. Meinem Eindruck nach haben sie nämlich ganz und gar nichts gegen Gebrauchsspuren. Stehen auf Klassiker. Das ist auch bei Menschen so. Dänische Frauen sind im Alter mindestens genauso schön wie in der Jugend; ich weiß nicht genau, wie sie´s machen. Aber es hat nichts mit Hyaloron oder jugendlichen Accessoires zu tun. Sie wirken einfach, als sei der Nordwind ihr Hairstylist und die Sonne die Make-up-Artistin, die ihnen Lachfalten um die …

Henne Strand

Dänemark, die Queen und ich: Henne Strand im Winter

Und nur einmal angenommen, ich hätte alles Geld der Welt, ich könnte in Palästen leben und die ganze Welt läge mir zu Füßen… dann wäre es noch immer mein königlichstes Vergnügen morgens zum Brötchenholen von Houstrup nach Henne Strand zu laufen. Denn es macht mich eben wenig so glücklich wie ein Sonnenaufgang am Meer und Füchse, Rehe und Pferde, die durch Dünen ziehen.     Einen halben Punkt Abzug gibt es in der B-Note, weil ich mit dem Auto zum Strand gekommen bin. Besser wäre natürlich, an so einem Morgen weder Lärm noch Gestank zu verbreiten. Von unserem Ferienhäuschen führen auch wunderbare Pfade durch ein Naturschutzgebiet hierher. Doch die sind logischerweise nicht beleuchtet. Hätte ich auf ausreichendes Tageslicht gewartet, hätte ich es nicht bis zu diesem ganz besonderen Moment an den Strand geschafft…     … diese unfassbar schönen Minuten, in denen sich die ersten Sonnenstrahlen über die Dünen schieben. Von Houstrup (wo in der Vorweihnachtszeit kein Bäcker geöffnet hat, auch kein anderes Geschäft und höchstens 10% der Ferienhäuser bewohnt sind) bis nach Henne Strand …

Lolland

Mit´m Rad rüber nach Rödby: Mikroabenteuer auf Lolland

Zu einem Fehmarntrip gehört unbedingt ein Besuch bei den dänischen Nachbarn drüben auf Lolland. Ein Tagesausflug auf die viertgrößte dänische Ostseeinsel kann exakt der Definition eines Mikroabenteuers des Ober-Mikroabenteurers Alistair Humphrey entsprechen. So war es jedenfalls vorgestern bei uns; nämlich: easy, günstig, ein bisschen aufregend – und es hat uns ziemlich glücklich gemacht.   Ein günstiges Vergnügen: 12 Euro für Lolland   Günstig ist ja immer Ansichtssache. Deshalb vorab eine Kalkulation. Pro Person fallen an a) Leihrad: 6 Euro; erhältlich beim 2Rad-Freund, direkt in Puttgarden, nicht einmal 2 km entfernt vom Fährbahnhof. b) Tagesticket der Scandlines: 6 Euro (manche Sachen kosten eben doch weniger, als man glaubt.) Beim Ticketkauf wird es ein bisschen abenteuerlich, weil Scandlines nicht recht auf Radfahrer eingestellt scheint. Rein intuitiv steuerten wir zunächst den Fußgänger-Terminal an; wurden aber zurück zu den Kraftfahrzeugen geschickt, die sich in X Spuren vor den Kassenhäuschen einreihen. Es fühlt sich in etwa an, als würde man auf einer sehr breiten Autobahn im Stau stehen (mit dem Rad). Was aber noch nicht das Aufregendste war.     …

Liseberg

Ehrfürchtig hopsen: Weihnachten in Liseberg

Zu den unzähligen Vorzügen einer Kindheit in Göteborg gehört Liseberg, Schwedens ältester Vergnügungspark. Während für Kinder in Norddeutschland die Zeit spätestens ab dem Nikolaustag quälend langsam vergeht, verfliegt sie in Liseberg wie eine Schneeflocke im Wind. (Witzigerweise ist es für Erwachsene genau anders herum: In Norddeutschland rast der Dezember dahin; in Liseberg bleibt die Uhr stehen. Oder wird sogar zurückgedreht. Um ein paar Jahrzehnte.)     Jedenfalls fühle ich mich maximal 8 Jahre alt, als wir uns um 14.55 Uhr in die Mega-Menge vor den Pforten Lisebergs einreihen. Innerlich stöhne ich. Am liebsten würde ich mich vordrängeln. Aber ich lasse mir – auf eine vermutlich Mr. Bean-artige Weise – nichts anmerken. Erstens bin ich eigentlich erwachsen. Zweitens verhalten sich in Schweden selbst winzigste Besucher ausgesprochen manierlich. Und drittens möchte ich Volko keine Gelegenheit geben, die Frage zu stellen, die absolut auf der Hand liegt: Sag mal, müssen wir wirklich hier rein?     Was für eine Frage! Klar, müssen wir. Unbedingt. Schnell. Dabei würde ich in Deutschland lieber Gras essen, als einen Vergnügungspark zu betreten. Aber …