Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ostsee

Steinberghaff

Frühling, Sommer, Herbst und Steinberghaff

Der kleine, verschwiegene Strand von Steinberghaff liegt  – wie viele Strände in Angeln – ein wenig ab vom Schuss. Daher wird er in erster Linie von Eingeweihten angesteuert. Oder von Leuten, die zwanghaft jedem Wegweiser „Zum Strand“ folgen müssen. Es gibt einige solcher Wegweiser „Zum Strand“ entlang der B199, die hier oben „Nordstraße“ genannt wird. Es lohnt sich immer, ihnen zu folgen, denn alle Strände sind ausgesprochen entzückend; auf diese zurückhaltende Art, die der Gegend zu eigen ist. Der Strand vor Steinberghaff ist der heimeligste. Er befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Kappeln und Flensburg. Von dort geht es 2,5 km durch Felder und Dörflichkeit direkt zum Strandhotel.     Das Strandhotel markiert das nördliche Ende von Steinberghaff. Das Haus liegt etwas erhöht; nach Norden abgeschirmt von Baumriesen. Es wurde wohl über die Jahrzehnte sukzessive kaputtrenoviert. Alles, was neu ist, schein zu rabiat gegen den zarten Zauber, der an einigen, wenigen Stellen noch durchschimmert. Etwa in Gestalt kleiner Holzpavillons, die einst als Erfrischungsbuden fungierten. Dem Hörensagen nach wird der Pavillon des Biergartens zur Weihnachtszeit …

Surendorf

Cyanea Capillata – Norddeutschlands „weißer Hai“

Seit Wochen knallt die Sonne vom Himmel und hat das Meer auf 23 Grad erwärmt. Kristallklar ist das Wasser heute; beinahe unbewegt. Oder anders gesagt: ein Traum. Und doch wagt sich niemand hinein. Nicht einmal mit den Füßen. Wenn jetzt Roy Scheider und Richard Dreyfuss wild diskutierend an den Strand spaziert kämen, würde mich das gar nicht wundern. Denn genau wie auf Amity Island sind sich auch an den deutschen Küsten die Experten uneins über das Ausmaß der Bedrohung. Und man weiß ja (wenn man den weißen Hai kennt), wohin das führen kann. Bisher weht nur die gelbe Flagge über dem Strand von Surendorf. Das bedeutet noch kein Badeverbot, sondern lediglich: Achtung, Achtung, die Situation ist brenzlig. Im wortwörtlichsten Sinn. Denn Cyanea Capillata ist ausgeschwärmt, besser bekannt als Feuerqualle.     Feuerqallen sind an Nord- und Ostsee nichts Außergewöhnliches. Bei auflandigen Winden driften sie zu Tausenden vom offenen Meer an die Küsten. Nur sind sie diesen Sommer auffallend groß. „Wir haben diesen Sommer besonders warme Temperaturen, wie jeder mitbekommt. Von daher wachsen die Tiere schneller“, …

Priwall

Ich urlaube halbtags: Rundwanderung auf dem Priwall

Italienische Gefühle waren das Letzte, was ich mir von einer Rundwanderung auf dem Priwall versprochen habe. Doch als ich über den Markt von Travemünde zur Fähre schlendere, wehen mich so alte Erinnerungen an. Es ist kurz nach 08.00 Uhr. Und schon unheimlich warm. Die Marktstände verwandeln die Vorderreihe an der Trave in eine Duftgalerie. Es riecht nach südlichen Früchten und frischem Gemüse, nach Brot, Kräutern und geräuchertem Fisch. In den Cafés und Restaurants werden gerade erst die Tische hergerichtet. Körbe mit Sonderangeboten und Kleiderständer werden die vor die Geschäfte gerollt. Und es geht doch nichts darüber, ab und zu seine Vorurteile zu überprüfen. Denn dass ich an einem hochsommerlichen Morgen freiwillig und vollkommen entspannt durch Travemünde flaniere und mich dabei wie im Urlaub fühle, hätte ich nicht gedacht.   88 km jenseits von St. Pauli: Urlaubsgefühle und der  Priwall   Normalerweise meide ich die Lübecker Bucht in der Hochsaison. Sie ist mir dann zu voll, zu laut, zu unromantisch. Nur ist in diesem heißen Sommer ja nichts normal. Er ist ein einziger Ausnahmezustand. Da ist …

StrandHaus

Das StrandHaus in Dänisch-Nienhof: Platz für Sommerkinder

Man müsste im August geboren sein, dachte ich neulich bei einem Geburtstagsessen im StrandHaus Schwedeneck in Dänisch-Nienhof. An meinem eigenen Geburtstag hätte über die Einladung wohl niemand „Hurra“ gerufen. Nicht mal ich selbst. Dabei wollte ich schon ewig in den winzigen, winzigen Ort zwischen Eckernförde und Kiel. Aber wer wäre schon scharf drauf, im winterlichen Feierabendverkehr über die Autobahn zu zockeln, nur um am Ende irgendwo im Dunklen zu speisen? Eben.   Man müsste im Sommer Geburtstag haben   Dann würde kein Gast wegen Grippe absagen oder aufgrund von vereisten Straßen. Ganz im Gegenteil. Alle würden sich ein Bein ausreißen, um über-rechtzeitig einzutreffen (so dass sie vorm Essen schnell noch in die Ostsee hüpfen könnten). Und überhaupt – ein Dinner am Sommermeer – das gehört doch zu den allerbesten Dingen im Leben. Gerade auch im StrandHaus Schwedeneck.     Dänisch-Nienhof scheint auf den ersten Blick wenig spektakulär. Eine Ansammlung von Häusern bloß, die durch nichts Spezielles im Gedächtnis bleiben. Und das ist aus dramaturgischen Gründen auch gut so. Es dämpft für einen Moment die Erwartungshaltung. Um …

Ostholstein

Hightime in Ostholstein – antizyklisch trotzdem ein Traum

Eigentlich wollte ich heute vom zweiten Tag meiner Wanderung auf dem E1 erzählen, aber inzwischen haben die Hundstage den Norden voll im Griff. Daher ziehe ich einen Badeausflug nach Ostholstein vor. Wem steht denn schon der Sinn nach stundenlangen Wanderungen, wenn das Thermometer täglich über 30 Grad klettert? Jetzt will man ins Wasser. Und zwar zackig. Dafür bietet sich Ostholstein einfach an. Hier liegen die Ostseestrände, die von Hamburg aus am schnellsten zu erreichen sind. Auch deshalb kracht speziell die Lübecker Bucht im Hochsommer aus allen Nähten – aber in gewissen Momenten bleibt sie ein Vergnügen. Gerade jetzt.   Morgens um 07.00 ist Scharbeutz noch in Ordnung   Wie ich in den vergangenen Jahren genaustens beobachtet habe, eignet sich längst nicht jeder Sommer, um in den Sonnaufgang zu schwimmen. Aber dieser Sommer hat ja mit normalen Sommern nichts gemein. Im Moment ist es großartig und kostet nicht einmal wirklich Überwindung. Höchstens die Überwindung, den Wecker auf eine so unchristliche Zeit einzustellen, dass man rechtzeitig am Strand sitzt, um die Sonne aufgehen zu sehen (derzeit kurz …

Schleisteig

Fördesteig, Ostseesteig, Schleisteig, Tag 4

Die Fehlinvestition meines Lebens war die Regenjacke, die ich mir extra für Fördesteig, Ostseesteig und Schleisteig zugelegt habe. Auch am vierten Tag unserer Wanderung ist nicht eine einzige Wolke am Himmel zu entdecken. Aber ich will nicht meckern. Ausgeruht und ausgeschlafen machen wir uns auf den letzten Teil der Reise. Nur knappe 20 km werden es heute.     Warum es die Dreiteilung in Fördesteig, Ostseesteig und Schleisteig überhaupt gibt, ist einerseits logisch, da die Abschnitte eben die Flensburger Förde, die Ostsee und die Schlei begleiten. Andererseits  gehören die Wege zusammen, tragen das gleiche Logo, die gleiche Beschilderung. Nur die Namen ändern sich. Ich kenne überhaupt keinen anderen Langstreckenwanderweg, der es so genau nimmt. Bzw. der es so kompliziert macht. Ich meine, der Heidschnuckenweg führt ja auch nicht ausschließlich durch die Heide. Heißt aber trotzdem von Anfang bis Ende gleich. Das ist für Ortsunkundige leicht zu verstehen. Und für Touristiker leicht zu vermarkten. Aber das nur nebenbei.   Ein Weg, drei Namen: Fördesteig = Ostseesteig = Schleisteig   Jedenfalls. Den Ostseesteig haben wir gestern schon …

Morgenrot

24 h Wanderlust in Hohwacht: Columbia Hike & Run

Vergangenes Wochenende haben wir an einem 24-h-Wanderevent in Hohwacht teilgenommen. Naja, nicht so richtig teilgenommen. Sondern eher beobachtet, wie so was abläuft und wer da so mitläuft. Und ab und zu sind wir auch mal selbst marschiert. Denn dazu waren wir von den Veranstaltern eingeladen worden. Konkret ins Hotel Hohe Wacht hoch über der Hohwachter Bucht.   Teilnehmer von Columbia Hike & Run konnten – auch am Vortag und in der Folgenacht – zu extrem guten Konditionen im Hotel logieren. Sie konnten es natürlich auch lassen. Schließlich wollten sie durchgehend wandern. Und für Ruhepausen gab es ein Schlafsacklager. Als wir eintrafen, freuten sich besonders mitgereiste Freunde und Angehörige, die nicht 24 h wandern & runnen wollten, über die tolle Unterbringung. Denn im Kurpark vor dem Hotel lässt sich bestens chillen.     Im Kurpark befand sich auch die Homebase mit Anmeldung, Ruhezone, Massageliegen und den Ständen der Sponsoren, die so gut wie alles zum Ausprobieren anboten, was der 24-h-Wanderer so braucht: etwa Laufschuhe, Isomatten, Rucksäcke oder Stirnlampen für die Nachtetappe.     Mit dem Starterpaket erhielten wir Wanderkarten, Pflegeprodukte, Essensmarken, Energie-Riegel und …

schleswig-holstein

Schleswig-Holstein: 130 Dinge, die offenbar glücklich machen

Seit einigen Tagen ist es halb-amtlich: Schleswig-Holstein macht glücklich. Dabei bietet der Gewinner des Bundesvision-Glücks-Contest weder die besten Karrierechancen im Land noch die höchsten Gehälter oder besonders viel Zerstreuung und schon gar nicht das schönste Wetter. Und doch … Das ist nun keine bahnbrechende Erkenntnis … Glück liegt eben in anderen Dingen. Den kleinen Sachen.   Und letztlich läuft alles aufs Meer hinaus     Das Meer. Die See. Der Ozean. Die Qualle. Der Queller. Der Strand. Der Wurm. Das Watt. Der Kormoran. Die Muschel. Die Alge. Der Sand.     Die Woge. Der Schweinswal. Das Dünental. Der Strandkorb. Die Sandburg. Die Flut. Die Robbe. Der Tümmler. Geräucherter Aal. Strandaster. Stranddistel. Strandgut.     Die Weite. Die Ferne. Der Horizont. Der Dampfer. Das Baden ein Schock. Der Hafen. Die Mädchen. Nordseeblond. Die Tide. Die Reede. Das Dock.     Die Nordsee. Die Ostsee. Das Heidekraut. Die Sandbank. Der Ölfleck. Der Teer. Der Felsen. Der Bernstein. Die Seemansbraut. Der alte Mann und das Meer.     Das Brausen. Das Toben. Der Blanke Hans. Seepferdchen und Seeigel. …

Moewe

Der absolut Schlimmste von allen: Weißenhäuser Strand

Ich glaube, wir haben ihn gefunden, unseren absoluten Alptraumstrand; nämlich Weißenhäuser Strand, eine Ferienanlage mit der Anmutung eines sozialen Brennpunkts in der Hohwachter Bucht. Wobei das natürlich nur unsere persönliche Meinung ist.     Kant sagte: „Über Geschmack lässt sich nicht disputieren“. Geschmacksurteile sind subjektiv und empirisch auf einen Einzelfall, eine Landschaft, ein Kunstwerk bezogen: „Das Geschmacksurteil ist also kein Erkenntnisurteil, mithin nicht logisch, sondern ästhetisch.“ Aber trotzdem… Oder gerade…     Weißenhäuser Strand, das sind 1.200 Ferienwohnungen direkt aus der Siebziger-Architekturhölle, ein Hotel, ein Spaßbad und anderen Remmi-Demmi-Sachen, über die wir nichts sagen können, weil wir es nicht lange genug in der Anlage aushielten, um uns alles anzusehen.     Der Freizeit- und Ferienpark wurde mitten in die Dünenheide des Naturschutzgebietes Weißenhäuser Brök geklotzt. Wie sah er wohl aus, der Mensch, der die Genehmigung erteilte?     Selbst der Strand hat was Trauriges; und das muss man erst mal hinkriegen. Denn die Hohwachter Bucht ist von Natur aus eigentlich wunderbar. Weißenhäuser Strand grenzt allerdings östlich an den Truppenübungsplatz Putlos; ist also mit einem Zaun …

Jenseits des Priwalls eine andere Welt: an der Mündung der Trave

Man muss sich das mal vorstellen (also, man muss sich das wirklich mal vorstellen), dass hier der Eiserne Vorhang begann. KM 0 der deutsch-deutschen Teilung. An einem Ostseestrand auf einer Halbinsel wurde das Land zerrissen, Europa getrennt, die Welt in Ost und West gespalten. Das muss man sich mal vorstellen! Es will mir aber schwer in den Kopf, wie wir da so mit dem Fähre über die Trave schippern. Auf der Liste der bizarren Orte ist der Priwall einer der Absurdesten.     Die Halbinsel Priwall ist zu 96% von Wasser umgeben. Mit den übrigen 4% dockt sie an das Festland von Mecklenburg-Vorpommern an. Territorial gehört der Priwall aber seit Urzeiten zu Schleswig-Holstein. Genauer zu Lübeck. Noch genauer zu Lübecks Stadteil Travemünde (der wiederum keine Anbindung an Lübeck hat sondern 20 km von der Hansestadt entfernt liegt). Sozusagen ist der Priwall eine Enklave in der Enklave. Ein Symbol für die Willkür von Grenzziehungen. Und ein Beispiel für ihre Konsequenzen. Noch heute, 26 Jahre nach dem Mauerfall, hat man das Gefühl, dass jenseits des Priwalls eine …