Alle Artikel mit dem Schlagwort: Nordsee

Wanderung um den Ellenbogen

Wanderung um den Ellenbogen: nördlicher wird´s nicht

Ich hätte ja schwören können, dass ich die Wanderung um den Ellenbogen längst beschrieben habe. Die Umrundung der Nordspitze von Sylt ist nämlich sicherlich die Wanderung, die ich am häufigsten in meinem Leben unternommen habe. Aber ich verliere wohl langsam selbst den Überblick über das, was sich im Laufe der Zeit auf dem Blog angesammelt hat. Also bitte; hier ist sie. Und zwar so, wie ich sie am liebsten habe: in der kälteren Jahreshälfte bei schlüpferblauem Himmel.     Die Wanderung um den Ellenbogen kann im Grunde überall in List beginnen. Wer am Ende nicht vollkommen erledigt sein möchte, startet an der Weststrandhalle. Parkplätze sind vorhanden. Eine Bushaltestelle auch (Linie 5 ab List/Hafen). Die Runde ist dann etwa 13,5 km lang. In normalem Tempo dauert der Spaß demnach 3, 5 Stunden.     Die Wanderung um den Ellenbogen liebe ich so, weil hier die Welt endet, wie wir sie kennen. Oder sie beginnt hier. Es kommt auf den persönlichen Standpunkt an. Jedenfalls ist es der nördlichste Punkt von Deutschland. Gefühlt eigentlich schon Dänemark. Zumal man …

SPO

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen

In 11 Tagen beginnt der Sommer. Ist das nicht verrückt? Noch verrückter: kein Norddeutscher muss sich in diesem Jahr Gedanken darüber machen, wie er wird, denn er ist ja schon. Gefühlt jedenfalls. Seit Wochen sind die Temperaturen hoch. Der Himmel ist fast immer blau. Müßiggänger lächeln. Gärtner verzweifeln. Schüler hoffen auf Hitzefrei. Und längst habe ich die ersten Punkte der 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen, abhaken können. Früher als jemals zuvor.     Eine Freundin von mir stellte mal die Theorie auf, die erste Nektarine des Jahres sei die Allerwichtigste. Erwischt man eine leckere Frucht, wird man im Laufe des Sommers immer wieder zugreifen. Ist die erste Nektarine hart und sauer (oder noch schlimmer: mehlig), wird man zögerlich. Es könnte sogar sein, dass man die Saison vorübergehen läßt, ohne eine weitere Nektarine zu essen. Und diese Theorie kann man nicht nur auf Melonen übertragen. Sondern auch auf´s Anbaden. Der erste Kontakt mit dem Meer ist der allerwichtigste Tag des norddeutschen Sommers.   10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen: 1. Anbaden   Der …

Inselhopping für Microabenteurer: Best of Nordfriesische Inseln

Echtes Inselhopping ist in Deutschland nur an der Westküste Schleswig-Holsteins möglich, wo vier Nordfriesische Inseln, zehn Halligen sowie einige Nachbar-Eilande erobert werden wollen. Anders als die großen Ostseeinseln sind die Nordseeinseln nicht mit dem Auto zu erreichen. Den Ostfriesischen Inseln wiederum haben sie voraus, dass zwischen ihnen Fähren pendeln. Nur in Nordfriesland kann man also von einer Insel zur anderen hüpfen, ohne je das Festland zu betreten und gleichzeitig das wunderbare Gefühl erleben, zeitweise vom „normalen Leben“ abgeschnitten zu sein. Wer abends die letzte Fähre (bzw. den letzten Zug auf Sylt) verpasst, kommt nicht mehr runter vom Paradies. Es kommt auch keiner mehr rauf. Die nordfriesischen Inseln sind ein exklusives (wenn auch nicht zwingend teures) Vergnügen.   Inselhopping Nordfriesische Inseln – die Basics   Inselhopping auf den Nordfriesischen Inseln ist nur im Sommerhalbjahr möglich und nicht mit dem Auto. Am besten läuft es mit dem Rad. Wer kein eigenes besitzt, findet in jedem Inselhafen einen Fahrradverleih. Um Unterkünfte sollte man sich frühzeitig kümmern. Sogar auf Campingplätzen kann in der Hochsaison – etwa in Kampen – …

Als der Typ mit dem Schnurrbart mal die Elbmündung besuchte

Forscht man im Netz nach der Elbmündung spucken die Suchmaschinen zu 99,9% Ergebnisse aus, die sich mit Cuxhaven und „um zu“ beschäftigen, ganz so als würde es kein nördliches Ufer geben. Dabei war dieser Küstenabschnitt von Schleswig-Holstein mal eine echte Vorzeigegegend. Jedes Kind in Deutschland kannte den Namen der Kooge. Und da kann man mal sehen: Ruhm ist vergänglich. Selbst der größte Teufel von allen wird nach einer gewissen Zeit zum Typen mit dem Schnurrbart. So jedenfalls nannten ihn zwei Jugendliche, denen partout nicht der Name Adolf Hitler einfallen wollte. Eine Freundin belauschte die Unterhaltung der beiden in einem Schnellrestaurant. Es gibt doch seltsame Sachen.     Zum Beispiel das südliche Dithmarschen, wo sich Elbe und Nordsee im etwa gleichen Verhältnis mischen wie Menschen mit Schafen und man selbst an einem Sonnabend im August ziemlich für sich sein kann. Genau danach war mir vergangenes Wochenende.     Ich erreichte die Wasserkante mit dem vagen Plan, in Brunsbüttel ein Rad zu leihen, um die Küste hinauf zu treiben, entschied mich letztlich aber, mit dem Auto weiterzufahren. …

das hamburgische Wattenmeer

Das Hamburgische Wattenmeer oder: wie kommt man von Neuwerk weg?

Das Hamburgische Wattenmeer ist das größte Naturschutzgebiet Hamburgs. Ein Nationalpark sogar. Von der UNESCO als Weltnaturerbe geadelt. 90% von insgesamt 13.750 ha sind als Schutzzone deklariert. Ich bin nicht sicher, ob die Salzwiesen rund um das Badehäuschen von Neuwerk dazu gehören. Einerseits muss man da ja wohl irgendwie hinkommen. Andererseits kann ich keinen speziellen Weg entdecken. Sicherheitshalber bewundere ich den Sonnenaufgang vom Deich aus. Wir haben ja noch den ganzen Tag. Unser Schiff geht erst in 13 Stunden. Viel Zeit für eine 3qkm kleine Insel. So viel Zeit, dass einen die reine Seelenruhe überkommt. Seit wir gestern angekommen sind, liegt unsere Taktzahl deutlich unter normalem Tempo. Der Himmel wechselt von rot über rosa zu blaugrau.     Die Ölplattform Mittelplate am Horizont wirkt auf mich wie ein mahnender Zeigefinger. Sie liegt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dort übernehmen gerade Parteien das Ruder, die sich klar für neue Bohrungen ausgesprochen haben. Auch wenn dafür das Gesetz gebeugt werden muss. Und darüber könnte ich trübsinnig werden.   Das Hamburgische Wattenmeer: bedrohte Wunderwelt   Zwei Jungs in Profi-Outdoor-Outfits erklimmen den Deich. Sie wollen raus …

Neuwerk

Hamburgs stillster Stadtteil oder: Wie kommt man nach Neuwerk?

In meiner Vorstellung bin ich immer nach Neuwerk gewandert. Also, wattgewandert – von Cuxhaven über sandigen Boden – bei Sonnenschein versteht sich, mit kühlem Nordseewind im Gesicht. Aber so einfach ist das gar nicht. Das hatte ich schon letztes Jahr festgestellt, als ich mir zuerst einen Termin für den Kurztrip nach Neuwerk freischaufelte – und danach den Tidenkalender checkte, um festzustellen: jeden Monat ist die Insel für einige Tage unerwanderbar. Dieses Jahr stellte ich es schlauer an. Und wir wären auch ganz bestimmt nach Neuwerk gelaufen, hätte uns nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Regen & Kälte waren angesagt, was nicht so schön ist, weil der Wattwanderweg eben nicht über eine sandige, weite Fläche führt. Sondern durch schlickiges, schlammiges Gluckerwatt und durch Priele, in denen man schon mal bis zum Knie versinken kann. Dazu war ich zu schisserig. Und deswegen nahmen wir das Schiff.     Die Flipper braucht von Cuxhaven bis Neuwerk etwa 1,5 Stunden. Normalerweise. Bei uns war irgendwas mit dem Wetter. Zunächst bekamen wir davon nichts mit, außer dass …

Borkum im Winter

North by Northwest: Lohnt sich Borkum im Winter?

Ein Kurztrip nach Borkum im Winter will gut überlegt sein, habe ich festgestellt, als ich neulich mit meiner Tante dorthin reiste. Zwar klingt der Satz: „Ich fahr mit meiner Tante nach Ostfriesland“ etwa so exotisch wie „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad.“ Im Fall von Borkum ist die Reise aber ähnlich aufregend wie ein Trip nach Übersee. Wobei die Ozeanüberquerung bequem und rasant erscheint – verglichen mit dem Ewigkeitstrip von Hamburg auf die größte Ostfriesische Insel.     In meinem konkreten Reisefall (St. Pauli – Borkum) kamen unheimlich viele Verkehrsmittel ins Spiel: U-Bahn zum Hauptbahnhof (10 Minuten), metronom nach Bremen (80 Minuten), Regionalzug nach Emden (130 Minuten), Schienenersatzverkehr  zum Fähranleger (15 Minuten), Ultralangsam-Fähre (130 Minuten), Inselbahn (15 Minuten), Taxi (10 Minuten). Inklusive Verspätungen und Wartezeiten auf Bahnhöfen und in Häfen läpperte sich das Ganze auf exakt 8 Stunden von Tür zu Tür. (Auf dem Rückweg lief es noch etwas unglücklicher. Da wurden es mehr als 9 Stunden.)     Obwohl man sich vor Pauschalurteilen ja immer hüten sollte, lege ich mich dennoch für die Anreise …

schleswig-holstein

Schleswig-Holstein: 130 Dinge, die offenbar glücklich machen

Seit einigen Tagen ist es halb-amtlich: Schleswig-Holstein macht glücklich. Dabei bietet der Gewinner des Bundesvision-Glücks-Contest weder die besten Karrierechancen im Land noch die höchsten Gehälter oder besonders viel Zerstreuung und schon gar nicht das schönste Wetter. Und doch … Das ist nun keine bahnbrechende Erkenntnis … Glück liegt eben in anderen Dingen. Den kleinen Sachen.   Und letztlich läuft alles aufs Meer hinaus     Das Meer. Die See. Der Ozean. Die Qualle. Der Queller. Der Strand. Der Wurm. Das Watt. Der Kormoran. Die Muschel. Die Alge. Der Sand.     Die Woge. Der Schweinswal. Das Dünental. Der Strandkorb. Die Sandburg. Die Flut. Die Robbe. Der Tümmler. Geräucherter Aal. Strandaster. Stranddistel. Strandgut.     Die Weite. Die Ferne. Der Horizont. Der Dampfer. Das Baden ein Schock. Der Hafen. Die Mädchen. Nordseeblond. Die Tide. Die Reede. Das Dock.     Die Nordsee. Die Ostsee. Das Heidekraut. Die Sandbank. Der Ölfleck. Der Teer. Der Felsen. Der Bernstein. Die Seemansbraut. Der alte Mann und das Meer.     Das Brausen. Das Toben. Der Blanke Hans. Seepferdchen und Seeigel. …

Meldorfer Bucht

Mein erster Grünstrand und die Meldorfer Bucht

Die Meldorfer Bucht scheint unter den unzähligen Urlaubsregionen, die mit dem Modewort Entschleunigung werben, die eine zu sein, die es wirklich ernst meint. Wir spüren es sofort, als wir 99 km nordwestlich von St. Pauli aus dem Auto steigen. Ruhig geht es auf dem Markplatz zu. Entspannt. Beim Italiener gibts einen Platz in der Sonne und hervorragenden Kaffee, garniert mit Schnacks. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr neben Jesus sitzen, begrüßt der Inhaber der Pizzeria neue Gäste, und schlägt dabei Volko leicht auf die Schulter, als seien die Beiden seit Urzeiten bekannt. Der Mann, der am Nebentisch lacht, heißt Jürgen und kam gestern aus dem Urlaub zurück. Das wissen wir inzwischen. Und noch einiges mehr. Kleinstadtleben. So wie es sein soll.     Meldorf ragt aus der Masse strukturschwacher Kleinstädte wie der berühmte Meldorfer Dom aus der Marsch. Als einzige Gemeinde Schleswig-Holsteins darf sich Meldorf CittáSlow nennen. Die aus Italien stammende Bewegung steht für die Förderung heimischer Produkte, regionaler Einkaufskultur und Einzelhandel statt Franchise-Ketten. Auch Bildung, Kultur, Freizeitmöglichkeiten und Nachhaltigkeit sind wichtige Bausteine. Kurz: Kleinstädte sollen …

Glimmerton & Kaolinsand: Nationaler Geotop Morsum-Kliff

Wo Sylt für Zugreisende beginnt (nämlich am Ende des Hindenburgdamms) ragt das Morsum-Kliff am Wattenmeer auf. Es ist weder so überwältigend wie das Rote Kliff von Kampen noch so hübsch anzusehen wie das Weiße Kliff in Braderup, erdgeschichtlich jedoch viel bedeutender. Privatinitiativen ist es zu verdanken, dass die Steilküste noch existiert und heute Teil eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands ist. Eigentlich sollte das Kliff beim Bau des Hindenburgdamms in den 1920er Jahren nämlich abgetragen und als Baumaterial verwendet werden. Was äußerst betrüblich gewesen wäre. Denn das Morsum-Kliff ist geologisch gesehen einzigartig in Europa.     Ein Spaziergang am Morsum-Kliff ist prima für Leute, die nicht so gern spazieren gehen. Auf knappen 5 km geht es extrem vielfältig zu. Zum 43 Hektar großen Areal des Naturschutzgebietes gehört neben dem Kliff ein großer Teil der Dünen- und Heidelandschaft oberhalb der Abbruchkante. Sie ist natürlich am schönsten zur Blüte im August. Dafür hat man sie im Januar ganz für sich allein. Genau wie den kostenfreien Parkplatz vom Hotel und Restaurant Morsum-Kliff. Dort wird auf Tafeln ausführlich über das Kliff …