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Wesselburenerkoog

Wesselburenerkoog: Windräder & Wattknistern

Die Ferienhäuser am Ende der Dammstraße im Wesselburenerkoog wirken wie eine Musterhaussiedlung in der Mohave-Wüste. Wiesen, Felder, Deiche – alles, was normalerweise grün leuchtet, ist verbrannt. Längst zählt man hier oben die regenfreien Tage nicht mehr in Wochen, sondern in Monaten.

 

Deich

Brennendheißer Nordseedeich

 

Nur wenige Autos parken am Zugang der letzte Badestelle vor der Eider. Das Strandbistro Deichkate liegt verwaist. Später wird eine „Geschlossene Gesellschaft“ erwartet. In einiger Entfernung formiert sich eine Gruppe Wattwanderer. Man erkennt es an dem Mann mit dem Spaten in der Hand, auf den sich die Leute sich sternförmig zubewegen – im gleichen Schneckentemop wie die Windkraftanlagen, die sich nirgends zahlreicher in den Himmel zu strecken scheinen als im Wesselburenerkoog.

 

Eidersperrwerk

Als wäre man auf einem fremden Planeten gelandet

 

Dithmarschen – ohnehin nicht arm an schräg-schönen und ganz schön schrägen Orten – gibt an seiner Nordgrenze noch einmal alles, was diesen Landstrich speziell macht, bevor jenseits des Sperrwerks die gefälligere Halbinsel Eiderstedt beginnt. Wer sich abseits des Mainstreams wohlfühlt, ist diesseits der Eider gut aufgehoben.

 

Badestelle Wesselburenerkoog

 

Auf der Plusseite des Wesselburenerkooges stehen: keine Parkplatzgebühren, keine Kurtaxe und eine menschenleere Badestelle – so eine Kombi ist selten an einem Sommer-Sonnabend um 10.00 Uhr. Zugegeben: die Nordsee ist mal wieder weg und wenn sie zurückkommt, wird es ganz bestimmt auch hier voller werden. Doch ich bin trotzdem ein einziges Aufatmen, als wir den ersten Schritt in die Salzwiesen tun.

 

Salzwiesen

 

Wie ein englischer Rasen sehen die Salzwiesen zwar auch nicht gerade aus, aber sie sind doch sehr viel grüner als der Rest von Norddeutschland. Dieser Anblick tut genauso gut wie die Luft, die mir nicht kühler scheint als im überhitzten Hamburg, sich jedoch deutlich frischer anfühlt.

Ich habe irgendwo gelesen, die Sommer von 2003 und 2006 wären eigentlich heißer gewesen. Interessanterweise finde ich weder in meinen Erinnerungen noch meinen Tageüchern auch nur den leisesten Hinweis darauf. Es liegt wohl daran, dass man ab einem gewissen Alter absolut nicht mehr jünger wird.

Stück für Stück entfernt man sich von der Egozentriertheit, die das Leben so schön einfach macht. Sorgt sich immer mehr um´s Große. Ganze.

 

Nordsee

 

Man liest dieser Tage ja dauernd, dass Wetter nicht mit Klima zu verwechseln ist. Aber ich finde, die Erwärmung der Welt ist so greifbar geworden mit diesem Sommer. Mit jedem wolkenlosen Tag vorstellbarer. Realer mit jedem Bericht von Fischsterben und Waldbränden und Badeverboten und braunen Blättern, die schon seit Juli von den Bäumen fallen.

 

Norddeutschland – eine Sommerdystopie

 

Gerade wer nicht als Leugner des Klimawandels in Erscheinung tritt, muss sich von diesen Gedanken ab und zu erholen. Man wird ja sonst ganz schwermütig. Und dafür ist Dithmarschen wie gemacht. Weil man hier nur einen Deich überwinden muss, um die Welt zu vergessen. Für den Moment.

 

Wattenmeer

 
Dithmarschen hört auf wie es beginnt, denke ich. An der Mündung eines Flußes. Mit langgestreckten Salzwiesen und Windkrafträdern am Horizont. Mit unendlicher Leere. Und diesem Moment, in dem der Streß von Wochen urplötzlich einfach von einem abfällt, als wäre nichts gewesen. Das funktioniert an der Elbmündung genau wie an der Eider. Oder irgendwo dazwischen.

 

Dithmarschen – die Nordsee zwischen Elbe und Eider

 

Es funktioniert auch in jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Da muss man nur mal auf Ulrikes Blog Watt & Meer stöbern. Sie wohnt in Wesselburen, ist zur Zeit aber am Pazifik unterwegs. Ich hatte versprochen, während ihrer Abwesenheit, mal nach der Nordsee zu schauen. Urlaubsvertretung sozusagen. Und obwohl die Flut das Wasser erst in Stunden zurückbringen wird, habe ich doch das Gefühl am Meer zu sein.

 

Watt

 

Die Wattwanderer defilieren in langer Prozession an uns vorbei – weit hinaus auf den Meeresboden. Der Wind trägt noch Sprachfetzen und Kinderlachen an Land, als die Menschen schon lange zu kleinen Pünktchen geworden sind. Das Wattknistern ist lauter als die Autos in der Ferne.

 

Wesselburener Koog

 

Fuhlensee

Und da verzichtete sie weise… Wanderung von Preetz nach Plön

Solotour auf dem E1, Tag 2, Frühstück war super, Laune ist bestens, auf dem Zettel: Wanderung von Preetz nach Plön (25 km). Exakt um 08.00 Uhr erreiche ich die kleine, weiße Brücke zwischen Küchensee und Lanker See, an der ich gestern vom E1 Richtung Hotel abgebogen bin.

Ich freue mich generell immer auf den zweiten Tag einer Wanderung – heute aber ganz besonders. Denn Preetz ist ein Tor zur Holsteinischen Schweiz. Und ich bin ein erklärter Fan.

 

 

Die Holsteinische Schweiz ist für mich die drittschönste Region Schleswig-Holsteins. (Dicht gefolgt von der Halbinsel Eiderstedt (Platz 4). Übertrumpft nur noch von der Region Angeln (Platz 2) und den Nordfriesischen Inseln (Platz 1). Die Plätze 5 – 10 variieren je nach Wetter, Jahreszeit und Laune).

Schon auf den ersten Schritten durch ein Wohngebiet in Schellhorn und dann entlang der Landstraße setzt das typische Holsteinische-Schweiz-Feeling ein. So richtig ist es dann da, als der Weg gegenüber der Halbinsel Freudenholm in einen Mischwald führt. Uralte Baumriesen, romantische Seeblicke, eine leicht schläfrige, nostalgische Stimmung. So empfinde ich das Östliche Hügelland von Holstein.

Bis jetzt war ich noch immer hin und weg, wenn ich einen weiteren der insgesamt 200 Seen kennen gelernt habe. Und so ist es auch heute beim Lanker See, den ich auf den ersten Kilometern fast immer im Blick habe und dessen westliches Gebiet nahezu komplett unter Naturschutz steht.

 

Durchs 200-Seen-Land: Wanderung von Preetz nach Plön

 

Kurz vorm Stiftungsland Lanker See nähert sich im Schritttempo eine Limousine. Ob ich auf dem E1 unterwegs sei, fragt der Fahrer nach kurzer Begrüßung. Ja? Dann erkläre er mir am besten mal, wie ich „dahinten über die Koppel“ komme.  Denn „das Schild sieht man nicht so gut. Is´n büschn verwittert, nech.

Er hat diese typische – gar nicht mal unnette – Schleswig-Holsteinische Gutsherrenart drauf und ich frage mich, ob er vielleicht von seiner eigenen Koppel spricht. Jedenfalls scheint er sich gut auszukennen auf dem Reiterhof, den der E1 im Zickzack durquert. Die Erklärungen führen mich sicher über einen Parours, an Ställen vorbei und über Weiden.

Ich komme mir vor wie in England, wo es ja recht normal ist, dass Wanderwege durch Privatbesitz mäandern. Dazu passt die Behauptung, die Ausschilderung sei ein „büschn verwittert“, denn das ist gelinde gesagt ein büschn untertrieben, geradezu britisches Understatement .

 

E1

Beispiel für ein gut erkennbares Andreaskreuz. Andere sind viel schlechter zu finden oder fehlen gleich ganz.

 

Jenseits des Reiterhofs liegt das Camp Lanker See. Ich hatte vor der Wanderung mit dem Gedanken gespielt, auf dem Campingplatz zu übernachten, das Ganze dann allerdings verworfen, weil ich  Schwierigkeiten mit Gemeinschaftstoiletten habe. (Für kernigere Typen ist aber alles im Camp, was man braucht, inkl. Kiosk/ Kneipe. Die Stimmung scheint mir recht entspannt. Und man kann Pods inkl. Bettwäsche mieten.)

Ich pausiere am kleinen Badestrand und beneide die Robustrinder,  die am gegenüberliegenden Ufer baden. Es ist wirklich heiß. Dabei ist es erst 09.00 Uhr. So bin ich nicht unzufrieden, als der Weg mich wieder in waldgrünen Schatten führt.

 

Camp Lanker See

Badestrand Camp Lanker See

 

Der folgende Abschnitt ist wie verzaubert. Und gar nicht wie Norddeutschland. Wanderschuhe sind hier durchaus angebracht. Es geht ganz schön auf und ab. Und eine Karte wäre auch nicht schlecht, denn die Beschilderung ist spärlich. Besonders schwierig ist das, wo Armeen kleinster Fröschlein über den Weg hüpfen. Da muss man aufpassen, keinen zu zertreten und wenn man eine Sekunde zu lang auf den Boden schaut, kann man den Weg leicht verlieren.

 

Keine gute Idee: Wanderung von Preetz nach Plön ohne Karte

 

Völlig unvermutet schlängelt sich der E1 irgendwo hinauf oder hinunter, wo man es nie für möglich gehalten hätte. Einmal laufe ich echt lange in die falsche Richtung und merke es erst, als der Weg sich in einem Feld verliert. Danach bietet mir mein Schrittzähler keine Kontrollmöglichkeiten mehr. Es ist nun unmöglich zu sagen, wie viele der gelaufenen Kilometer ich wirklich von der Strecke abziehen kann. D.h. ich weiß nicht, wie viele ich noch vor mir habe. Für mich ein irritierendes Gefühl.

 

Wielener See

Jenseits von Jedem und verborgen in dichtem Wald: am Wielener See kam ich mir vor wie einem Märchen.

 

Die heutige Etappe gleicht einer Schnitzeljagd für Erwachsene in traumhaft schöner Kulisse. Zeitweise jagt ein Andreaskreuz das andere. Dann wieder kann ich über lange Distanzen keines entdecken. Taucht endlich eine Wegmarkierung auf, fällt es mir manchmal schwer zu deuten, in welche Richtung sie weist. Nicht, dass ich große Stücke auf meinen Orientierungssinn hielte. Aber ich bin schon Wanderwege gelaufen, ohne mich zu verirren. Also ausschließlich an mir kanns nicht liegen.

 

Fuhlensee

Das Bistro am Fuhlensee ist sicher ein schöner Rastplatz, wenn es geöffnet hat.

 

Gegen 11.00 Uhr tauche ich aus dem Waldschatten in die offene Hügellandschaft. Mir ist sofort zu warm. Umso lieber mache ich einen kleinen Abstecher die Lindenalle hinunter zum Fuhlensee. Ein Wegweiser verspricht Kaffee, Eis und Fischbrötchen.

Ich hatte bei oberflächlicher Recherche aufgeschnappt, dass es sich bei dem Bistro am Fuhlensee um eine beliebte Station von Wasserwanderern handelt. Nie wäre ich darauf gekommen, die Öffnungszeiten für einen Freitag im Juli zu checken. Aber hinterher ist man natürlich immer schlauer. Das Bistro hat leider geschlossen. Sehr schade ist das. Die Holzbude liegt wunderschön (und hat entweder keine Internetpräsenz oder diese gut versteckt).

 

Durststrecke zwischen Fuhlensee und kleinem Plöner See

 

So bin ich also auf meinen eigenen Wasservorräte angewiesen und lerne: bei Hitze reichen 1,5 Liter gar nicht besonders lange. Auch in anderer Hinsicht folgt eine Durststrecke. Mehrmals bin ich vollkommen sicher, dass ich eine Abzweigung verpasst habe. Denn es kann doch nicht sein, dass ein Wanderweg über 5 km der Landstraße folgt?! Denke ich. Doch genau so ist es.

Die Straße ist zwar wenig befahren und die Aussicht über weite, geschwungene Felder herrlich. Doch es ist auch ziemlich heiß so ganz ohne Schatten. Und dass es keinen Fußweg gibt, ist auch nicht so toll. Erstens federt Asphalt nicht besonders. Zweitens heißt es nicht umsonst: Gott schütze uns vor Sturm und Böen und Wagen aus dem Kreise Plön. Immer wenn einer kommt, möchte ich in die Böschung springen. Sie heizen wie die Wahnsinnigen hier oben. Besonders ältere Damen.

 

Linden

 

Es ist 12.30 Uhr als ich nach nunmehr 17 km von der größeren Landstraße auf eine kleinere Straße geleitet werde und dann endlich wieder in die Walachai bzw. auf einen superschönen Birkenpfad gelange. Der sieht ein bisschen zu angelegt, um wirklich Natur zu sein. Besser vorbereitete Wanderer würden jetzt ihr Butterbrot an einem der süßen Uferplätze auswickeln. Und mir tun langsam die Füße weh.

 

Kleiner Ploener See

Kleiner Ploener See

 

Am Ende des Uferweges fehlt mal wieder die Beschilderung. So laufe ich in die falsche Richtung und lerne auf diese Art Gut Wittmold kennen, gelegen auf einer Halbinsel im kleinen Plöner See. Ich würde den Schlenker nicht unbedingt als Fehler bezeichnen.

 

Gut Wittmold

 

Auf Gut Wittmold treffen seit einigen Jahren Landwirtschaft, Kunst und verschiedene Seminarangebote aufeinander. Und das Gutshaus selbst wäre das perfekte Etappenziel gewesen. Hätte ich eines der 5 Zimmer gemietet – könnte ich jetzt so wunderbar den Rest des Tages auf oder im See verbringen.

 

Zwischenfazit: Wanderung von Preetz nach Plön

 

  • Alleine Wandern ist super.
  • Sich nicht ordentlich vorbereiten, geht gar nicht.
  • Das gilt speziell für Karten.
  • Oder eben GPS-Daten.  (Die verweigerte ich bisher, weil es mir zu organisiert vorkam – ich dachte, man könne nichts erleben, wenn man total auf Nummer Sicher geht –  aber inzwischen denke ich, das Gegenteil ist der Fall. Die Befürchtung, den Weg zu verlieren, hat mich über weite Strecken so sehr beschäftigt, dass ich die Natur gar nicht genug würdigen konnte.) Jedenfalls: Ich verlinke diesbezgülich zum Blog draussenlust.de von Alex. Er ist die Etappe umgekehrt gelaufen, also von Plön nach Preetz – und zwar im Winter.
  • Ausdrücklich sei auch noch auf Silkes guten Rat in den Kommentaren hingewiesen, die Etappen im Sommer kürzer zu stecken, damit Zeit für alle Badestellen bleibt.

 

Fehlt noch mein unrühmliches Ende: Nach dem Abstecher über das Gut gelange ich zurück auf die Landstraße, gar nicht so weit von der Stelle entfernt, wo ich sie verlassen habe. Wieder geht es am Straßenrand entlang. Wieder brausen ältere, einheimische Damen an mir vorbei. Wieder ist kein Schatten in Sicht.

Nach knapp 20 km erreiche ich die B76. Ich habe keine Ahnung, wie weit es von hier auf dem E1 nach Plön ist. Entlang der Hauptverkehrsstraße sind es 4 km. Die scheinen zwar alles andere als verführerisch. Aber ich habe den Eindruck, dass ich mehr heute nicht hinkriege. Also mache ich es wie die 2 Ameisen in Altona auf der Chaussee: Ich verzichte auf den letzten Teil der Reise. Ein bisschen weiser als zuvor.

 

Ploen

Den schönsten Bahnsteig Schleswig-Holsteins hat der Prinzenbahnhof mit Blick auf den Großen Plöner See

 

PS: Wäre ich nicht an der B76 abgeknickt, wäre es im ganz im Sinne von Murphys Law so weiter gegangen:

Nach deren Überquerung geht es weiter zum schönsten Abschnitt dieser Etappe mit ständigen Ausblicken auf Plön und die umliegenden Seen.

So sagt es die offizielle E1-Hompage. Aber was soll´s. Nach Plön komme ich sowieso zu und zu gern zurück. Und irgendwann hole ich den schönsten Teil dann nach.

 

Ostholstein

Hightime in Ostholstein – antizyklisch trotzdem ein Traum

Eigentlich wollte ich heute vom zweiten Tag meiner Wanderung auf dem E1 erzählen, aber inzwischen haben die Hundstage den Norden voll im Griff. Daher ziehe ich einen Badeausflug nach Ostholstein vor.

Wem steht denn schon der Sinn nach stundenlangen Wanderungen, wenn das Thermometer täglich über 30 Grad klettert? Jetzt will man ins Wasser. Und zwar zackig. Dafür bietet sich Ostholstein einfach an.

Hier liegen die Ostseestrände, die von Hamburg aus am schnellsten zu erreichen sind. Auch deshalb kracht speziell die Lübecker Bucht im Hochsommer aus allen Nähten – aber in gewissen Momenten bleibt sie ein Vergnügen. Gerade jetzt.

 

Morgens um 07.00 ist Scharbeutz noch in Ordnung

 

Wie ich in den vergangenen Jahren genaustens beobachtet habe, eignet sich längst nicht jeder Sommer, um in den Sonnaufgang zu schwimmen. Aber dieser Sommer hat ja mit normalen Sommern nichts gemein. Im Moment ist es großartig und kostet nicht einmal wirklich Überwindung. Höchstens die Überwindung, den Wecker auf eine so unchristliche Zeit einzustellen, dass man rechtzeitig am Strand sitzt, um die Sonne aufgehen zu sehen (derzeit kurz nach 5 Uhr).

 

 

Wir haben es vergangenen Sonntag nicht ganz geschafft. Es war an uns vorbeigegangen, dass irgendein Wahnsinnkandidat entschieden hat, die A24 ab dem Horner Kreisel für den gesamten Juli und August zu sperren. Der Umweg über Glinde kostet uns die entscheidende Viertelstunde. Es war dann im Grunde sowieso egal, weil wir am vielleicht einzigen wolkigen Morgen des gesamten Sommers 2018 in Scharbeutz eintrafen. Aber Himmel, war die Luft hier herrlich!

 

 

An klaren Tagen ist der Sonnenaufgang in der Lübecker Bucht oft recht dramatisch. Auch sonst eignen sich viele ihre Strände allerbestens zum Frühschwimmen. Die Ostsee ist am Morgen noch nicht ausgeleuchtet, d.h. man könnte etwaige spitzige Steine am Grunde nicht sehen. Aber Steine gibt es zwischen Timmendorf und Scharbeutz ja so gut wie gar nicht. Der Boden ist ganz geriffelter Sand.

 

 

Jedenfalls: der verhuschte Sonnaufgang machte das Schwimmen nicht schlechter, sondern nur anders. Sanfter. Und ich muss sagen, als die Sonne ihre ersten Strahlen ausstreckte, war ich eine Weile ziemlich fassungslos vor Glück.

 

Besetzt

Die besten Plätze sind schon früh besetzt

 

Schon um halb acht löste der Tag den Morgen ab. Es wurde spürbar wärmer und am Strand liefen die ersten Urlaubsgäste ein. Da gibts diese spezielle Seniorenfraktion mit dem Teint von gebrannten Mandeln, die in Bademänteln kommen und vorm Schwimmen 70er-Jahre-Gymnastikübungen machen. Sie scheinen irgendwie nachzuwachsen. Denn genauso sahen sie schon in meiner Kindheit aus. Und das ist sehr, sehr lange her. Dort ihr Anblick löst bis heute bei mir verlässlich Erinnerungen an große Ferien aus.

 

 

Überhaupt fühlt sich Scharbeutz in den Morgenstunden noch „wie früher“ an. Erst gegen 09.00 Uhr verwandelt es sich in das heutige Babel, wo auch noch die letzte Baulücke zugeklotzt wird. Ganz so, als würden sie dort denken: Ist jetzt ja auch schon egal.

 

09.00 Uhr: Ab zu den versteckteren Schönheiten von Ostholstein

 

Ostholstein ist die einzige mir bekannte Region, in der ich ganz ohne Bedauern das Meer verlasse – denn gleich dahinter beginnt die Holsteinische Schweiz. Ihre Seen sind zwar auch recht beliebte Urlaubsziele, aber längst nicht so überlaufen wie die Lübecker Bucht. Bisher waren wir noch immer hingerissen, wenn wir dort einen neuen Ort ansteuerten und so war es auch in Bosau (allerdings nicht auf den allerersten Blick).

 

Bosau

 

Interessanterweise war die Luft um einige Grad kühler und viel frischer als am Meer. Vielleicht ein Geschenk der uralten Baumriesen der Seelandschaft. Die Wiesen waren aber auch hier verbrannt. Zu unserem Glück hatte das Strandbistro am Strandbad noch nicht geöffnet. Sonst wären wir vielleicht gar nicht dem schmalen Feldweg ins Dorf gefolgt.

 

 

Die Vögel zwitscherten um die Wette mit den Kirchenglocken der wunderschönen St. Petri Kirche hoch über dem See. Und als wir den Anleger der Bosau-Fahrt erreichten, bekam ich beinahe einen Schock, so romantisch kam mir das alles vor.

 

 

Während ich in Hamburg seit Wochen die pralle Sonne meide, konnte ich sie in Strauers Hotel am See gut aushalten bzw. richtig genießen. Das Haus gibt sich optisch ein bisschen 80er (was recht modern ist für die Holsteinische Schweiz). Das Frühstück macht sich jedoch um einiges besser als Vieles, was man in trendigeren Locations serviert bekommt und ist mit 18,50 absolut nicht zu teuer.

 

 

Ich hätte hier ewig hier sitzen können. Oder mit dem nächsten Dampfer auf große Fahrt gehen. Oder noch besser ein Kanu oder SUP-Board ausleihen. Das ist an der Jugendherberge für sagenhafte 2 Euro pro Stunde möglich. Aber Teile von uns mussten noch an den Schreibtisch; und ich langsam mal ins Bett.

 

Bosau

Gebongt.

 

Und so verließen wir Ostholstein gegen Mittag, erreichten Hamburg also pünktlich zur Siesta – exakt 10 Stunden nachdem unser Ausflug begonnen hatte und ohne dass wir auch nur eine Minute lang das Gefühl gehabt hätten, es wäre uns zu trubelig gewesen. Geht also doch. Selbst jetzt.

 

PS.: Wer sich trotz Megasommer noch immer nicht in die Ostsee traut, sollte mal bei Zweikuesten.de vorbeischauen. (Dort sind auch alle gut aufgehoben, die nicht so nah an der Nord- oder Ostsee leben, dass ein Tagesausflug drin wäre. In der Rubrik „Haus am Meer“ empfiehlt die Crew des schönen Reise- und Lifestylemagazins ihre Lieblingsbleiben.)

Preetz

Solotour auf dem E1: Wanderung von Kiel nach Preetz

Heute begebe ich mich auf einen der längsten Wanderwege der Welt. Auf den Europäischen Fernwanderweg, den E1, der auf 8.000 km und durch sieben europäische Länder vom Nordkap nach Sizilien führt. Und ich gehe allein!

Die nicht so dramatische Variante: Heute begebe ich mich auf eine zweitägige Wanderung von Kiel nach Preetz (16,7 km) bzw. von Preetz nach Plön (24,6 km).

Da ich noch nie länger als 8 Stunden allein gewandert bin (noch nie mit einer Übernachtung zwischendrin), ist das ist für mich mikroabenteuerlich genug. Gerade richtig für zwei weitere herrliche Sommertage in diesem unfassbar herrlichen Sommer.

 

Tag 1: Wanderung von Kiel nach Preetz

 

Start & Ziel sind hervorragend an die Bahn angeschlossen. Ich muss noch nicht einmal den Fahrplan checken. Von Hamburg fährt bummelig alle halbe Stunde ein Zug nach Kiel. Genauso wird es in Plön sein, wo ich hoffentlich morgen nachmittag ankomme.

Die Etappe Kiel – Preetz startet am Ostufer der Kieler Förde in Wellingsdorf. Am Wochenende muss man vom Hauptbahnhof den Bus dorthin nehmen. Unter der Woche spaziert man einfach aus dem Bahnhofsgebäude raus und dann immer am Westufer entlang bis zum Anleger Reventlou. Dort pendelt wochentags eine Fähre nach Wellingsdorf.

 

Kiel

 

Der kurze Spaziergang erhöht das Tagespensum um 2,5 km. Der erste Kilometer ist im Grunde gräßlich. Ab dem wunderbaren Schiffahrtsmuseum aber ist Wasserkante angesagt – der Hauptgrund, warum ich Kiel liebe. Und gegen eine zehminütige Schiffsreise auf dem Sonnedeck der Schwentinelinie ist auch nicht viel einzuwenden. Höchstens, dass ich eine leichte Wehmut verspüre. In der Ferne leuchtet die offene See. Vielleicht hätte ich mich doch lieber für zwei Strandtage entscheiden sollen?

 

Kiellinie

 

Ich gehe schon in Dietrichsdorf von Bord. Die Haltestelle liegt nur ein paar (besonders schöne) Schritte von der Endstation entfernt. Ich weiß von unserer (sehr empfehlenswerten) Radtour auf dem Fördewanderweg, dass man zu Fuß ebenso schnell ist wie mit dem Schiff. Außerdem gehe ich so jeden Zentimeter (oder sagt man: Deziliter?) der Schwentinemündung ab.

Die 62 km lange Schwentine spielt die Hauptrolle auf diesem Abschnitt des E1. Sie begleitet die folgenden vier Etappen und durchquert dabei 12 Seen. Los gehts jenseits der alten Schwentinebrücke. Das Andreaskreuz, ein weißes X auf schwarzem Grund, das den E1 markiert, am Westufer der Schwentine ist gar nicht zu übersehen.

 

 

Ich tauche in den E1 ein wie in einen dunklgrünen Tunnel. Hier unten am Fluss ist nichts verbrannt oder verdorrt. Die Natur grünt und blüht und wuchert wie verrückt. Doch ab und zu, wenn sie Blicke auf die Schwentine freigibt, denke ich, dass ich lieber auf dem Wasser wäre. Es ist ungewöhnlich für mich, beim Wandern etwas anderes zu wollen. Eigentlich wandere ich ja eben deshalb so gerne, weil ich derweil nie etwas anderes will als gerade dies.

 

 

Ich brauche eine Weile um zu verstehen, warum ich nicht so recht in den Flow gerate. Es ist das Alleinsein. Wandert man in Gesellschaft, dreht sich alles von der ersten Sekunde an nur noch um den Weg und das Gespräch. Allein muss ich erst mal meinen Alltagsproblemchen „davonwandern“.  Ich übe mich darin, das zu schätzen, was ich habe. Als da wären: Julisonne auf einem einsamen Feldweg. Ein leichter, willkommener Wind.  Ein schattenspendener Wald. Und da wird es besser.

Allein auf einem der längsten Wanderwege der Welt (E1)

 

Pünktlich zum Mittagessen erreiche ich die Oppendorfer Mühle, ein beliebtes Ausflugslokal in idyllischer Lage. Es ist rappelvoll. Ich ergattere einen Tisch am Wasser neben den zwei einzigen Gästen unter 80.

„Essen dauert heute leider etwas länger“, entschuldigt sich die Kellnerin. Das weiß ich bereits, weil das Paar am Nebentisch sich eben darüber in einer Tour ärgert. Ich frage, was am schnellsten ginge. Bestelle das. Und als es mir schon Minuten später serviert wird, ruft der Herr von nebenan: „Aber wir haben vor der Dame bestellt.“

Die beiden wüten sich so richtig ein. Ab einem gewissen Punkt wird die Frau recht laut, was dem Mann wiederum peinlich ist. Er versucht, sie zu beschwichtigen. Das bringt sie nur noch mehr in Rage. Schließlich springt sie auf und stürmt in die Gaststube, um das immer noch nicht gelieferte Essen zu stornieren. Da beende ich gerade meine Mahlzeit und denke: Alleine Wandern ist gar nicht so schlecht.

 

Ausflugstipp zwischen Kiel und Preetz: NSG Altarm der Schwentine

 

Vielleicht war das die Initialzündung. Denn nach einem kurzen Anstieg auf der Straße biege ich ins Naturschutzgebiet „Altarm der Schwentine“ – und bin hingerissen. Unter den hohen Hängen des Schwentinentals fühle mich überhaupt nicht mehr wie in Schleswig-Holstein, sondern wie im Märchen. Das als Kulturdenkmal eingestufte Wasserkraftwerk I kündigt die Rastorfer Mühle an.

 

 

Hier ließ Bernhard Hohwaldt, Gründer der Hohwaldt Werke, um 1900 die Schwentine zur Energiegewinnung stauen. Vor seiner Villa fließt sie in Beton gefasst. (Hintergründe finden sich hier.) In einer traumschönen Bogendachscheune gegenüber, befindet sich die Obstquelle, ein toller Hofladen.

Der angrenzende Wildtierpark Schwentinental kostet keinen Eintritt, was für Hamburger schwer zu glauben ist – für Wanderer aber praktisch, denn der E1 führt mitten hinduch. Alles in allem ein tolles Ausflugsziel; besonders für kleinere Kinder und kindliche Gemüter wie mich.

 

 

Einen Bootsverleih gibts natürlich auch. Die Tretboote gondeln über den gestauten Rosensee, an dessen Ufer ich mich der extralauten B202 nähere. Jenseits der Unterführung werde ich endlich langsamer. Physisch wie gedanklich.

Bisher bin ich durch bewohnte Gebiete gewandert. Jetzt bin ich wirklich in der Natur. Der Weg führt nun beinahe ausschließlich durch Wälder, was in der Hitze ein Segen ist. Manchmal kann ich die Schwentine sehen. Meistens nicht. Auf den knapp 8 km nach Preetz treffe ich 3 Menschen.

 

Etappenziel Schusterstadt Preetz

 

Ich erblicke Preetz in Gestalt des Adeligen Klosters. Die Anlage ist wirklich wunderschön. Im Torhaus liegen Flyer für einen kleinen, verführerischen Rundgang aus. Aber ich spüre langsam meine Beine. Zwar steht mein Schrittzähler erst auf 21,5 km. Das ist für mich normalerweise keine Überanstrengung. Vielleicht war´s die Hitze. Oder das leichte Auf- und Ab (218 Höhenmeter. Immerhin.). Jedenfalls ziehts mich enorm ins Hotel.

 

 

Zu schade ist das mit meiner Ermüdung. Das Kloster, der schöne Marktplatz, die 3 Seen (vor allem die Badestelle am Lanker See) und ein Papiertheatermuseum hätten mehr Aufmerksamkeit verdient. Und ich weiß eigentlich gar nicht, was ich mir dabei gedacht habe, ohne Karte auf den E1 zu gehen. Die Ausschilderung war zwar prima. Aber meine Unterkunft im benachbarten Schellhorn ist natürlich nicht ausgeschildert. Und so laufe ich noch ein paar Mal in die Irre (was nur an mir und nicht an den sehr guten Erklärungen der sehr netten Preetzer liegt), bis ich endlich mein Hotelzimmer beziehe.

 

Kuechensee

 

Es ist 18.30 Uhr, als ich mich für 5 min mal aufs Bett lege. Und 20.15 Uhr als ich die Augen wieder öffne. Jetzt muss ich mich sputen. In Schleswig-Holstein schließen die Küchen früh.

Ich hätte auf Lotte hören sollen, denke ich während ich entspannt und gedanklich aufgeräumt im Gartenrestaurant des Hotels die Gespräche an den Nebentischen belausche.

Lottes Berichte von ihrer ersten Solotour auf dem König-Ludwig-Weg hatten mir überhaupt erst den letzten Schubs gegeben, mich auch mal allein an was Längeres zu wagen. Und sie hatte extra erwähnt, dass sie ihre Tagesetappen bewusst kurz gehalten hat, um genügend Puste für die Attraktionen vor Ort zu haben. Recht hat sie! Weiß ich jetzt.

Die Altherrenrunde am Stammtisch klingelt mit einem Glöckchen. D.h. sie wollen ne Runde Schnaps. Es ist die x-te. Statt Prost zu sagen, singen sie:  „Zum See. Trallala. Zum See. Trallala. Zum See. Zum See. Trallalalala.“ Es ist echt so unglaublich, wie weit man sich zu Fuß von seinem Alltagsleben entfernen kann. Und wenn man das alleine macht, spürt man das noch viel intensiver.

 

Fakten, Fakten, Fakten: Wanderung von Kiel nach Preetz

 

Distanz: 16,7 km (eigentlich. Aber nicht vergessen: + X km von der Haustür bis zum Bahnhof. + evtl. 2,5 km Kiel Hbf – Anleger Reventlou. + X km Preetz City bis Unterkunft).

Gehzeit: 5 Std. inkl Pausen (eigentlich. Aber nicht vergessen: s.o.)

Offizielle Homepage des E1: Hiking Europe. Die Etappenbeschreibung Kiel – Preetz fehlt leider, der Weg ist aber recht gut ausgeschildert.

Unterkunft: Das Landhaus Schellhorn kann ich empfehlen. Bisschen 80er zwar. Aber ansonsten alles, was die Wanderin braucht. Sauberes, großes Zimmer. Anständige Küche. Gutes Frühstück. 69,– inkl. Außerdem ein Supermarkt in Laufnähe – sehr praktisch, um am kommenden Morgen Wasser zu kaufen. Falls man kein Buch mitgenommen hat, um den Rucksack möglichst leicht zu halten: das kleine rote Holzhäuschen auf dem Parkplatz gegenüber des Supermarktes ist die bestsortierte und bestgepflegte Bücherkiste der Welt.

die Reit

Die Reit, die Hohe und die Frage, was relevant ist

Die Reit in Hamburg Allermöhe ist eines der kleinsten Naturschutzgebiete der Stadt. So klein und abgelegen, dass die weite Anreise aus dem Hamburger Westen, Süden oder Norden im Verhältnis zum Vergnügen vor Ort kaum lohnenswert scheint.

Warum auch sollte man einen weiten Weg auf sich nehmen, wenn man ohenhin eine Handvoll Naturschutzgebiete in direkter Nachbarschaft aufsuchen kann?! So geht es nämlich fast jedem Hamburger. (Prozentual gesehen hat kein Bundesland auch nur annährend so viele Flächen unter Naturschutz gestellt wie Hamburg. Wer hätte das gedacht?!)

 

die Reit

 

Angesichts ihrer geringen Größe und Abgelegenheit könnte man die Reit als nicht weiter relevant für das Wohlbefinden der Hamburger einstufen. Werber, Journalisten und andere Medienmenschen werden das vermutlich tun. Ich glaube, Relevanz ist eine ihrer Lieblingsvokabeln.

 

Die Reit oder die Frage, was relevant ist

 

Jedenfalls lese und höre ich ständig, wie Medienleute alles Mögliche auf Relevanz abklopfen  – Themen/ Texte/ Bilder und Produkte – sogar Menschen. So urteilte ein Juror in der letzten Staffel von Germanys Next Topmodell über eine Kandidatin: „Sie hat ein total relevantes Gesicht“.

 

Dove Elbe

 

Da fragt man sich natürlich, wie ein irrelevantes Gesicht ausssehen mag. Oder anders: Wer entscheidet eigentlich, was relevant ist?

Bei Germanys Next Top Modell ist es einfach: Heidi Klum. Sie verriet in besagter Folge: „Ich bin ja ständig auf Flohmärkten Sachen am Suchen“.

Und da kann man mal sehen: Relevanz ist eine individuelle Kiste. Mich zum Beispiel interessieren Sachen nicht so. Lieber bin ich „in Naturschutzgebieten Gefühle am Suchen“. Dabei wird die Reit auf einmal ziemlich relevant.

 

die Reit

Die Reit ist einfach zauberhaft

 

Taucht man in das Dickickt des Birken- und Weidenbruchwaldes ein, fühlt es sich so heimlich an. Der Boden federt unter jedem Schritt. Frösche quaken. Mücken sirren. Und es erwischt einen die Erinnerung daran, wie es mit 5 Jahren war – auf dem Weg zum geheimsten Geheimversteck.

Ist man tatsächlich 5 Jahre alt, empfindet man die Reit ganz sicher auch nicht als „zu klein“ – sondern als unfassbar verschwenderischen Dschungel. Ein tolles Erlebnis für Kinder und kindliche Gemüter.

 

die Hohe

Die Hohe (eine Pumpe) sorgt für ideale Lebensbedingungen in der Reit

 

Dem Wortsinn nach ist etwas relevant, wenn es „in einem wichtigen, bedeutsamen Zusammenhang mit dem Objekt oder Thema steht“. Was die Bedeutsamkeit der Reit betrifft, sind Kammmolch und Tüpfelsumpfhuhn, Uferschnepfe und Moderlieschen sich einig: sie ist überlensbenswichtig.

 

Beste Zeit für einen Ausflug in die Reit: März – Oktober

 

Die Reit wird von Dove- und Gose-Elbe umarmt, liegt also ohnehin ganz zauberhaft. Am zauberhaftesten ist die Gegend im Sommer. Dann ist die Deichstraße für den Autoverkehr gesperrt  – für Radfahrer und Wanderer ist das superduperrelevant. Einen Tourenvorschlag gibt´s bei Michael wandert.

 

Allermoehe

 

Wir entdeckten die Reit – und ihre Nachbarin die Hohe – als wir letzten Sommer für unseren Ausflugsführer ganz Hamburg abgrasten. Und obwohl sie so winzig ist, dass sie es nur mit einem Nebensatz ins Buch schaffte, ist sie mir stärker im Gedächtnis geblieben als viele andere grüne Inseln. Womit sich für mich mal wieder bestätigt hat, dass die Größe nicht relevant ist.

 

Geltinger Bucht

7 Tage, 7 Töpfe: Speisen mit Meerblick in der Geltinger Bucht

An der knapp 17 km langen Wasserkante der Geltinger Bucht gibt es keinen einzigen Laden in Laufnähe. Dafür aber 8 Restaurants/ Bistros und 4 Kioske/ Imbisse, wobei die Unterscheidung nicht immer ganz trennscharf ausfällt. Das reicht also locker für eine ganze Woche Dinner bzw. Lunch mit Meerblick. Oder 7 kleinste Fluchten, bei denen man nebenbei auch noch jeden Stein und jede Muschel der Geltinger Bucht kennenlernt – denn die Gastronomie verteilt sich recht gleichmäßig entlang der Küstenlinie.

 

Kleinste Auszeiten in der Geltinger Bucht (nach dem Essen sollst Du ruhn – oder 1.000 Schritte tun)

 

Was die höchst unterschiedlichen Spots vereint: nach dem Essen kann man hier prima „ruhn – oder 1.000 Schritte tun.“ (Man kann das natürlich auch vor dem Essen machen oder das Essen ausfallen lassen. Hauptsache man biegt mal ab in diese verschwiegene Ecke, wo freundliche Wesen – ich wüßte wirklich gern, wer – ganz besondere Ruheplätze der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.) Los geht´s am nördlichen Ende in Habernis Au.

 

1. Südwesterhaus Habernis

 

Im Südwesterhaus in Habernis mixen eine Schwarzwälderin und ein Saarländer ihre Heimatküchen mit einem Schuss fränzösischer Leichtigkeit und guten Weinen. Für Hamburger und andere Hippster hält Gastgeberin Steffi Tannenzäpfle bereit.  Auf der Karte stehen extrem leckere Flammkuchen-Varianten und Saisonales wie Schupfnudeln mit Spargel. Regenphasen lassen sich im Südwesterhaus auf Oma-Sofas vor einer gut sortierten Bücherwand überbrücken.

 

 

1.000 Schritte tun

Wie überall in der Geltinger Bucht, ist es auch in Habernis egal, welche Richtung man einschlägt. Es gibt hier im Grunde nichts Hässliches. Am Romantischsten ist der Strandspaziergang über Stock und Stein nach Neukirchen. (Falls der Kiosk am Campingplatz hinter dem Südwesterhaus geöffnet hat, Kaltgetränk mitnehmen.)

 

 

Bester Ruheplatz:

Zwischen dem verfallenen Anleger und dem Trauplatz  von Neukirchen haben wunderbare Menschen zwei Hängestühle in den Bäumen befestigt. Verweile im Nu steht auf dem einen, der andere baumelt in einiger Entfernung. Beim Blick über die Förde nach Dänemark spannt die Seele ganz wie bei Eichendorff „weit ihre Flügel aus“.

 

 

 

2. Schwarzer Rabe Norgaardholz

 

Seit der Schwarze Rabe neue Betreiber gefunden hat, kann man dort ohne Bedenken essen gehen. Die Küche ist auf die für die Region typische Art einfach, der Fisch mit einer Selbstverständlichkeit frisch, wie man sie z.B. in Hamburg (und/oder bei Gosch) gar nicht kennt. Wer nur eine Kleinigkeit möchte, bestellt La Flute, ein 70er-Jahre-artiges Baguette, das die Jahrzehnte überall rund um Flensburg überdauert hat.

 

 

1.000 Schritte:

Norgaardholz besitzt den schönsten Strand in der Geltinger Bucht, einmal rauf und runter sind wohl ziemlich genau 2.000 Schritte. Wer mehr Bewegung braucht, springt vom einzigen Badesteg der Bucht in die Ostsee oder leiht sich in der Seebadeanstalt ein SUP-Board. Kinder freuen sich über den Spielplatz, der den Schwarzen Raben vom Wasser trennt. Dort hat tagsüber auch ein Kiosk geöffnet.

 

 

Bester Ruheplatz:

Im Strandrosenwall, der parallel zum Strand verläuft, versteckt sich eine kleine Sitzgruppe. Wer immer sie dort aufgestellt hat: herzlichen Dank! Windlichter mitbringen, ggf. auch eine Decke  – es kann gut sein, dass man im Schutz von Rosa Rugosa bis in die Nacht sitzen mag.

 

3. Strandhotel Steinberghaff

 

Sauerfleisch ist in Angeln auf beinahe jeder Speisekarte zu finden. Im Strandhotel wird es vom Hotelier himself zubereitetet. Er hat den Klassiker aus Omas Sommerküche in 28 Jahren vor Ort perfektioniert. Dabei stammt er eigentlich aus Berlin. Vor dort hat er logischerweise auch ein Currywurst-Geheimrezept mitgebracht.

 

 

1.000 Schritte:

Das Strandhotel liegt idyllischer als alle anderen Restaurants in der Geltinger Bucht. Genau wie ganz Steinberghaff einen Tick schöner ist als alle anderen Dörfer. Hier dreht man am besten mal eine Runde durch den Ort und läßt sich von Traumhäuschen bezirzen.

 

 

Bester Ruheplatz:

Die Schaukelbänke am Strand sind ideal für einen Sundowner oder den Kaffee nach dem Essen. (Gibts beides beim Imbiss & Kiosk von Mark und Jenny in der Fischerstraße). Ist das Plateau im Wasser bereits besetzt, kann man die Wartezeit mit einem Strand/Waldspaziergng in südliche Richtung überbrücken. Es ist nicht weit bis zu einem steinernen Picknickplatz unter uralten Bäumen. Und weil der so bezaubernd ist, bleibt man vielleicht auch gleich ganz da.

 

 

4. Gaststättenschwemme um Gelting Mole

 

Rund um den Seglerhafen von Gelting Mole finden sich gleich drei Einkehrmöglichkeiten. Das Restaurant Sonne & Meer liegt auf dem Hafengelände. Dort hat es mir vor etwa 20 Jahren mal gar nicht schlecht geschmeckt. Ich glaube, die Speisekarte hat sich seither nicht verändert. Das Ostseehotel Hunhoi hingegen hat die heimische Küche schon ins Heute übersetzt. D.h. es gibt z.B. Burger und man achtet auf saisonale und regionale Zutaten. Über das Fähr-Café Bonsberg kann ich nicht´s sagen. Außer dass es Raucher-Zimmer gibt – wie ich an einem Schild las.

 

 

1000 Schritte:

Gelting Mole ist der einzige Spot, an dem man etwas von der realen Welt mitbekommt – in Form der sicht- und hörbaren Nordstraße. Hier stoppen die meisten Zufallsgäste, denn es ist auch die einzige Stelle, wo Wasser und Restaurants von der Straße einsichtbar sind. Durchreisende sollten nach dem Essen unbedingt ein bisschen länger nordwärts laufen. Der Deichweg ist eine komtemplative Sache und wenn der Pfad erst ins Land abknickt, ist die Nordstraße vergessen.

 

 

Bester Ruheplatz:

Der kleine Strand von Ohrfeldhaff ist nach 2,2 km erreicht. Spätestens hier wird man vom eigentlichen Zauber der Geltinger Bucht erfasst. Es ist, als würde die Sandkörnchen hier noch langsamer durch die Sanduhren rieseln als anderswo. Und vor allem so wunderbar still.

 

5. Wackerpulco Wackerballig

 

Drinnen schön, draußen schön, Rooftop-Terrasse und ein Altersdurchschnitt unter 70 – das gibts in der Geltinger Bucht nur im Wackerpulco. Die Traumlage mitten auf dem Wasser macht das Bistro im Jachthafen von Wackerballig zum Lieblingsplatz von fast jedem. Auf der kleinen Karte findet sich schon was, im Zweifel geht ja immer Backfisch.

 

 

1000 Schritte tun:

Man müsste mal nachzählen – kommt man auf 1.000 Schritte, wenn man die Marina einmal abläuft. Ich vermute schon? Und falls nicht, geht man eben 2X. Weil das auf Planken und schwankenden Stegen solchen Spaß bringt.

 

 

Bester Ruheplatz:

Bei Sonne ist die obere Terrasse des Wackerpulcos im Grunde schon der beste Ruheplatz. Bei Regen, Kälte, Wind versprechen eine kleine Schutzhütte und die alte Kanzel des Leuchtturms von Kalkgrund die totale Geborgenheit. Zu finden auf dem Steg gegenüber des Restaurants.

 

 

6. Dat Strandhus Wackerballig

 

Nach Wackerballig kommt man gerne zweimal. 1. weil man in der gesamten Geltinger Bucht nur im Strandhus in Strandkörben speisen kann. 2. weil Dat Strandhus verlässlich – außer Mittwoch – geöffnet hat. (Bei den anderen Restaurants empfiehlt es sich immer, vorher kurz durchzurufen. 1. kann auch an Öffnungstagen eine geschlossene Gesellschaft anstehen. 2. schlägt der Personalmangel in Angeln voll durch. Wie viele Ruhetage die Gastronomen aus diesem Grund einlegen müssen, ist ziemlich krass.) Ach, ja, empfehlenswert im Strandhus: 1. Steak. 2. Fisch.

 

 

1000 Schritte tun:

Wackerballig ist (auch nicht wirklich aber) noch am ehesten als Urlaubsort zu bezeichnen. Jenseits von Ferienhausgebiet und Campingplatz gehts dann aber wieder in die reine Natur – hier könnte man 12 km an der Wasserkante spazieren, bis die nächsten Wohnwagen auftauchen. Die ersten 1,8 km tuns allerdings auch (danach knickt der Weg in den Wald).

 

 

Bester Ruheplatz:

Auf dem Spazierweg Richtung Grahlenstein finden sich viele Ruhebänke mit Meerblick. Haltet Ausschau nach der einen speziellen Bank mit einem Holzkasten an der Seite. Darin befinden sich Sitzkissen. Die kann man gut gebrauchen, weil der Sonnenuntergang rund um Wackerballig ein abendfüllendes Programm darstellt.

 

7. Birklein Picknick-Station  Geltinger Birk

 

Dass der ehemalige Birk-Kiosk eine Weile geschlossen hatte und gerade erst als Birklein Picknick-Station Neueröffnung gefeiert hat, ist völlig an mir vorbeigegangen. Aber so hat es mir ein Mensch aus München (das muss man sich mal vorstellen) berichtet und so steht es auch in der Zeitung.  Einen Internetauftritt scheint es noch nicht zu geben. Ich habe dort jedoch in dieser Saison schon – wie früher beim Birk Kiosk – leckere Suppe gelöffelt – und gar nicht gemerkt, dass sich etwas geändert hätte.

 

 

Mit der Geltinger Birk endet die Geltinger Bucht und beginnt die offene Ostsee. In das wundervolle Naturschutzgebiet kommt man nicht, um 1.000 Schritte zu tun – sondern mindestens 10.000. Seinen persönlichen Lieblingsruheplatz findet man dabei schon. Mein Spaziervorschlag findet sich hier.

Roadtrippin´: 7 chillige Lieblingsplätze an der Flensburger Förde

In Schleswig-Holstein herrscht oft Jacke-an-Jacke-aus-Wetter. Gerade jetzt im Frühsommer kann es in einem Moment knallheiß sein und im nächsten friert man sich zu Tode. Das ist kein perfektes Strandwetter, aber ausgezeichnet für einen Roadtrip. Zum Beispiel auf der Alten Fördestraße am Südufer der Flensburger Förde.

 

Foerdestrasse

Road trippin‘ with my two favorite allies Fully loaded we got snacks and supplies It’s time to leave this town, it’s time to steal away Let’s go get lost anywhere in the Flensburg Bay Let’s go get lost, let’s go get lost…

 

Mit bummelig 45 km ist die Alte Fördestraße nicht gerade die Route 66. Dafür befindet man sich stets in Meeresnähe. Mit den Chilli Peppers in den Boxen gerät man entlang der hügeligen, geschwungenen Küstenlinie in einen Farbrausch. Man meint, durch Grün zu tauchen, ins Blau fliegen und von Gelb geblendet werden. Je nach Jahreszeit.

 

Raps

 

Es ist ein bisschen voller geworden in der letzten Zeit, trotzdem bleibt die Flensburger Förde eine entspannte Ecke. Unsere Lieblingsplätze haben sich hier und da ein bisschen verändert. Zeit für eine Aktualisierung. Hier unsere 7 Lieblingsplätze (Sommer 2018):

 

 

1.  Chefsessel von Habernis Au

 

KM 0: Die kleine Steilküste von Habernis trennt die Geltinger Bucht von der Flensburger Förde.  Mit einem Naturschutzgebiet im Rücken ist der kleine Naturstrand schön entspannt. Das Südwesterhaus am nördlichen Ende serviert echt leckeren Flammkuchen und eine sehr gute Weine.

 

 

Naturstrand bedeutet, dass der Ufersaum voller Steine, Seetang und Muscheln ist. Die knacken so schön, wenn sie unter den Schuhen zerbrechen. Für mich ein echtes Ostsee-Geräusch. Im Wasser hingegen ist der Boden am südlichen Ende der Bucht ganz geriffelter Sand. Die Stelle eignet sich ganz gut für ein erstes Bad.

 

Habernis

 

Wer lieber spaziert, kann der Habernisser Au durch das Moor zur Quelle folgen (etwa 6 km Rundweg) oder dies unter Apfelbäumen am Strand tun (endlos). Mindestens aber bis zum Alten Anleger von Neukirchen – bzw. darüber hinaus, denn jenseits folgt unser zweiter Lieblingsplatz.

 

Neukirchen

 

2. Trauplatz von Neukirchen

 

StrandNeukirchen

 

KM 2,5: Von Neukirchen habe ich ja neulich schon erzählt. (Klick) Ein Besuch des heimeligen Kirchhofs lohnt sich unbedingt. Bei gutem Wetter kann man auf der dänischen Halbinsel Kegnæs direkt gegenüber das Pendant der Kirche erkennen. Der gechillteste Ort Neukirchens befindet sich allerdings in Privatbesitz und ist nur aus der Ferne zu betrachten. Der sehr seltsame Leuchtturm wird bewohnt. Leider, leider nicht von mir, kann ich da nur sagen.

 

3. Pølser-Bude in Langballigau

 

KM 10: In Langballigau befindet sich der einzige Fischereihafen der Flensburger Förde. Während der Ort Langballig mal zum zweitschönsten Deutschlands gewählt wurde, präsentiert sich der quirlige Hafen von Langballigau so schön schmucklos, dass man sich wie in Dänemark fühlt.

 

LangballigAu

 

Langballigau bezeichnet sich als „das Tor zu dänischen Südsee„. Und so sind unter den Seglern auch extrem viele Dänen. Das gastronomische Angebot konzentriert sich dementsprechend auf Risted Hot-Dog u.a.. Wer nicht mit dem eigenen Segelboot anreist, kann vom Hafen mit der Feodora II in den Alesund schippern.

 

SegelnLangballigAu

 

In den Ferien und am Wochenende kann es in Langballigau schon mal drängelig werden. Dann spaziert man einfach die Promenade hinunter zum Bistro Strandgut in Westerholz.

 

Westerholz

Westerholz

 

Es könnte übrigens auch dort zu voll sein. Aber das macht nichts. Der Spaziergang lohnt sich trotzdem. Genau wie ein Abstecher ins Hinterland – durch das Tal Langballiau nach Unewatt. Oder ein längerer Walk – auf und ab – Richtung Bockholmwik.

 

4. Spielscheune von Bockholmwik

 

KM 15: Ich hatte nie besonders viel für Campingplätze übrig. In Angeln habe ich meine Meinung aber geändert. Unter anderem ist mir aufgefallen, wie fröhlich und ausgeglichen campende Kinder sind. Das geht einem richtig ans Herz, wie sie sich da in Banden herumtreiben und endlich mal in komplett erwachsenenfreien Räumen alles unter sich ausmachen können.

 

SpielscheuneBockholmwik

 

Auf dem Campingplatz von Bockholmwik etwa spielen die Kinder mit Antiquitäten. Niemand befürchtet, dass sie etwas zerbrechen könnten. Und wahrscheinlich machen sie es deshalb auch nicht. Die Spielscheue steht jedem offen. Auf zwei Etagen und einer ausgemusterten Kneipe im Nebengelass hört man Vogelgezwitscher und verstecktes, heimliches Kichern. Da sind die lieben Kleinen also gut aufgehoben, während ihre Eltern einen weiteren, nervtötenden Strandspaziergang antreten. Oder von der Terrasse der Gaststätte Fördeblick den grandiosen Ausblick genießen.

 
Angeliter Bauern

 

Aktualisierung: Aus der Spielscheune ist leider eine Event-Scheune geworden. Die Skurilität ist ein bisschen dahin, das Restaurant Fördeblick gibt sich nun allerdings geschmackvoller. Und der Fördeblick ist natürlich grandios geblieben, so dass sich ein Drink auf der Aussichtsveranda nach wie vor lohnt.

 

 

Weil da oben auf der Wik nun aber alles etwas glattgebügelt wurde, empfiehlt sich ein Spaziergang hinunter zum wilden Strand. Ruhig weitergehen, wenn man den Eindruck hat, dass es nicht weitergeht: im Siegumer Wald wird der Spazierpfad wieder erkennbar – und wirklich traumhaft schön.

 

5. Naturschutzgebiet Holnis

 

KM 22: Die Halbinsel Holnis trennt die Flensburger Außenförde von der Innenförde. Hier wird einem sehr klar, dass Naturschutzgebiete nicht nur für Pflanzen und Tiere ein Segen sind. Sondern auch für Menschen.

 

Holnis Strand

 

Die offiziellen Badestrände von Holnis gelten zwar als die schönsten Stände der Flensburger Förde, sind in den Sommerferien und an heißen Wochenenden aber überfüllt. Das gilt für ganz Holnis. Also besser einen Wochentag außerhalb der Stoßzeiten wählen, um das wunderschöne Naturschutzgebiet zu erwandern.

 

GalowaysHolnis

 

Speziell der Fontane-Wanderweg hat es mir angetan. Wie überall an der Flensburger Förde kann man ganz easy der Ausschilderung des Fördesteigs folgen.

 

Holnis

 

Apropos Fördesteig: Sollte ich den einen Lieblingsplatz an der Flensburger Förde nennen, näme ich den Fördesteig. Der Langstreckenwanderweg von Flensburg nach Kappeln ist ein einziges Vergnügen – genau wie das

 

6. Strandhotel Glücksburg

 

Strandhotel Gluecksburg

 

KM 30: Ein Ort, an den ich immer wieder gern zurückkomme, ist Glücksburg. Am Strand von Sandvig befindet sich etwas, das in Deutschland selten ist: Ein wunderbares Hotel, dessen Gäste entspannt genug sind, um auf den Fensterbänken zu sitzen, die Beine baumeln zu lassen und Champagner zu trinken. Sich eine Nacht im Strandhotel Glücksburg zu gönnen, ist definitiv eine gute Idee.

 

Champagnerlaune

 

Bevor wir im Strandhotel logierten, war ich auch interessiert an einer Übernachtung nebenan. Ich hatte die Scheußlichkeit des ehemaligen Intermar-Komplexes falsch interpretiert. Ich dachte, der Klotz wäre vollkommen verlassen und verödet. Ist es aber gar nicht, wie ich dem feinen Blogbeitrag von Kaye entnommen habe: „Eine Nacht im Intermar. 110 Betten-Haus. Fast alleine. Unbezahlbare Erinnerung.“

 

IntermarGluecksburg

 

Inzwischen wird am ehemaligen Intermar ordentlich gewerkelt. Das bedeutet sicher auch, Glücksburg wird bald noch etwas voller werden. Durch die Nähe zu Flensburg gilt hier genau wie auf Holnis: Hightime meiden. Die Nebensaison ist nach wie vor superduper entspannt.

 

7. Letzter Strand vor der Grenze: Wassersleben

 

Das Beste am Jacke-an-Jacke-aus-Wetter in Schleswig-Holstein ist, dass es sich manchmal sehr überraschend in totales, beständiges Strandwetter verwandelt. Dann muss man Schluss machen mit dem Roadtrippen und die Handtücher rausholen. Der Plötzlichkeit sei Dank sind dann gar nicht viele Leute um einen herum. Und dem Himmel sei Dank ist es uns so in Wassersleben gegangen.

 

Wassersleben

 

KM 45: Wassersleben. Schockverliebt. Feiner Sandstrand. Kristallklares Wasser. Und nach Dänemark sind es nur noch ein paar Schritte. Ein Plätzchen zum Bleiben. Und falls ich mich demnächst mal entscheiden kann, welche Fotos von Wassersleben die Schönsten sind, zeige ich den Strand auch mal in Gänze. (Edit: Geschafft)

 
Neukirchen Anleger
 

Jenseits des Strandes von Wasserslebens sind unsere Lieblingsplätze nicht mehr chillig sonder hyggelig. Das dänische Ufer der Flensburger Förde ist aber einen eigenen Beitrag wert. Bis dahin: Ahoj.

Steinbergholz

Ganze Tage am Strand: die „Lütte Hütte“ in Steinbergholz

Steinbergholz und Steinberghaff gleichen aus der Luft dem Buchstaben T. Steinbergholz zieht sich im Abstand von einigen hundert Metern waagerecht zur Geltinger Bucht. Steinberghaff läuft senkrecht auf die Ostsee zu. Ungefähr wo die beiden kleinen Dörfer sich treffen, liegt die Lütte Hütte – eine weißgetünchte Reetdachkate in Feldrandlage, ganz typisch für die Region Angeln.

 

 

Dort habe ich vorvergangene Woche mein Zeitgefühl verloren. Oder es zurückgewonnen. Es kommt darauf an, wie man es sieht. Jedenfalls wusste ich nach ein paar Tagen nicht mehr, wo eben diese geblieben waren.

 

 

Gleichzeitig war mir, als sei ich schon seit Ewigkeiten ganz weit weg von allem, was mein Leben üblicherweise so ausmacht. Das Gefühl der Zeitlosigkeit erwischte mich, als ich Punkt 6 meiner Sommerliste zelebrierte; nämlich die Sonne aufgehen sah. Es war ein Wahnsinnsmoment. Einer, den ich sicherlich sehr, sehr lange in Erinnerung behalten werde.

 

Meermorgen

 

Ich hatte bis zu diesem Morgen rein gar nichts Spezielles getan. War im Grunde nur am Strand umhergestreift. Mal allein, mal zu zweit, mal zu dritt. Mal mit Hunden, mal ohne. Mal länger, mal kürzer. Manchmal hatte ich auf einem Stein gesessen. Und einmal bezahlte ich auf dem Rückweg vom Strand zur Lütten Hütte die Eier, die wir am Vortag aus der Styroporbox eines Bauern gefischt hatten. Womit die wesentlichen Highlights von Steinberghaff und Steinbergholz genannt wären.

 

Wohnzimmer

 

Wem das zu wenig Zerstreuung ist, muss in Steinbergholz sein Auto bemühen. Ich hatte gar keins dabei. Darum blieb mir nichts anderes zu tun als zwischen der Lütten Hütte und der Wasserkante hin- und her zu pendeln. Mal zu einer einsamen Stelle, mal zum Badesteg, mal zum nächsten Picknickplatz oder auch kilometerweit. Und wieder zurück. Und genau so soll Urlaub im Ferienhaus meiner Meinung nach sein.

 

Urlaub im Ferienhaus: die Lütte Hütte in Steinbergholz

 

 

An anderer Stelle auf diesem Blog habe ich mal behauptet, es sei mir im Sommer egal, wo ich unterkomme, weil ich ja ohnehin die ganze Zeit draußen bin. Aber ich muss schon zugeben: eine traumhafte Unterkunft ist auch nicht gerade hinderlich für das eigene Wohlbefinden. Zumal eine, in der rein gar nichts fehlt – und alles bis ins letzte liebevolle Detail das Auge erfreut.

 

 

Das passt so richtig zu den verträumten Naturstränden und sanft geschwungenen Wiesen, die Angeln zu einer besonders harmonischen Region machen. Eine Region, deren Küste komplett unverschandelt geblieben ist, was keine andere Region Schleswig-Holsteins für sich in Anspruch nehmen kann.

 

 

Die Lütte Hütte liegt nicht direkt am Strand, sondern einen kurzen Dorf- oder Feld- oder Waldspaziergang entfernt. Mein Lieblingsweg ist der durch den Wald. Im Januar ist der Boden mit Schneeglöckchen bedeckt, im März mit Buschwindröschen. Wenn der Frühling engültig einzieht, leuchten die Buchen in den hellsten Grüntönen. Das passiert hier generell später als im Rest von Deutschland – aber wenn endlich, dann ganz gewaltig.

 

 

Der Baum, an den ich schon  5 Wochen zuvor bei meiner Wanderung auf dem Fördesteig mein Herz verloren hatte, war kaum wiederzuerkennen. So oft ich ihn besuchte und darüber sinierte, ob er im Winter oder im Sommer schöner ist, kam ich zu keinem Ergebnis. Der Blick hingegen vom Badzimmer im OG der Lütten Hütte rüber in Nachbars Garten gefiel mir definitv jetzt im Sommer besser.

 

Badezimmerblick

 

Genau wie mir persönlich auch gefiel, dass das Rapsfeld hinter der Lütten Hütte inzwischen abgeblüht war. Ich mag Grün mehr als Gelb. Darum saß ich auch (wenn ich mal nicht am Strand spazierte) zu und zu gern im XXL-Strandkorb und ließ mich von der weiten Landschaft berauschen – vorzugsweise mit Abendsonne im Gesicht.

 

 

So wie die Angeliter Felder stelle ich mir die Gräsernen Meere aus der Unendlichen Geschichte vor. Nur dass im nördlichsten Norden des Landes keine Purpurbüffel durch die Felder ziehen. Dafür aber Rehe. Viele, viele Rehe. Nachts hört man ganze Herden durch die Felder galoppieren.

 

 

Dass die Lütte Hütte in Steinbergholz wirklich eine Hütte wäre, kann man ebensowenig behaupten, wie dass sie sonderlich lütt – also klein – ist. Einst war sie sogar groß genug für sechs ständige Bewohner, dabei verfügte sie damals weder über einen Anbau noch einen Wintergarten.

 

 

Zu dem Wintergarten kann ich noch nicht viel sagen, da ich wie gesagt meistens im Sommergarten saß oder durch die Gegend lief. Nur einmal, als es urplötzlich regnete und stürmte, habe ich mich auf den dicken Polstern der umlaufenden Bank ausgestreckt. Doch da bin ich in Sekundenschnelle eingeschlafen. Als ich aufwachte, schien schon wieder die Sonne. Und da musste ich natürlich sofort zurück an den Strand.

 

Steinberghaff

 

Ich werde den Wintergarten aber sicherlich noch einmal im Herbst austesten. Oder noch besser im Winter, wenn es sich lohnt, ein Feuer im Ofen zu entzünden. Und bis dahin – einen ganzen langen Sommer lang – werde ich darauf achten, dass ich immer mal wieder die Zeitlosigkeit spüre, die ich in der Lütten Hütte gefunden habe.

 

Winter

 

Offenlegung: Ich habe für die Woche in der Lütten Hütte aufgrund familiärer Verbandelung nichts bezahlt. Aber deswegen schleimt dieser Beitrag trotzdem nicht. (Ganz im Gegenteil – zu meinen Liebsten bin ich gern mal am strengsten; ein unschöner wenn auch weit verbreiteter Zug). Alles über die Lütte Hütte sowie Buchungsmöglichkeiten, findet Ihr hier: Lütte Hütte.

 

 

PPS.: Das Einzige, was an diesem Beitrag nicht ganz der Wahrheit entspricht: Man kann von Steinbergholz aus durchaus etwas anderes machen als Spazieren – nämlich essen gehen. Man kann sogar eine ganze Woche lang jeden Tag woanders essen gehen – teilweise echt gut – und immer mit Meerblick. Ich weiß das, weil wir das gemacht haben. Aber das ist einen eigenen Beitrag wert.

Wandern auf dem Grünen Ring

Hamburgs Grüner Ring, Etappe 8

Hamburgs Grüner Ring ist ein 100 km langer Wanderweg. Er zieht sich einmal außen um die Stadt herum und ist in 8 Etappen eingeteilt. Sie sind alle – mal mehr, mal weniger bequem – mit Öffis zu erreichen. So ergibt sich ein Fernwanderweg, den man Stück für Stück laufen kann; immer wenn´s grad passt. Bzw. wenn man sich aufraffen kann. Das fällt mir hin und wieder schwer – obwohl ich´s grün mag und wandernd sowieso. Aber der Mensch ist ja manchmal seltsam. 

Auf die 8. Etappe muss ich mich jedenfalls regelrecht zwingen. Dabei ist das Wetter prima. Und der Tag noch jung. Trotzdem. Ich habe keine Lust, 27 Minuten mit der S-Bahn nach Heimfeld zu fahren. Überhaupt Heimfeld. Dahin habe ich mich noch nie gesehnt.

 

Grüner Ring, Etappe 8, Start: Heimfeld

 

Heimfeld war für mich immer nur eine Autobahnausfahrt. Umso verblüffter bin ich, als ich aus dem Untergrund spaziere. Es sieht hier wie in einer netten Kleinstadt aus. Ich hatte etwas Zersiedelstes erwartet. Stattdessen spaziere ich auf einer Allee mit großzügigen Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende zum Meyers Park. Dort treffe ich – bei der Straße „Am Waldschlösschen“ – auf den Grünen Ring. Er ist mit einer grünen 11 auf weißem Grund ausgeschildert. Und zwar wirklich hervorragend.

 

 

Der hügelige Meyers Park wirkt wie ein verlassener Buchenwald. Selbst die tollen Spielplätze sind verwaist. Es ist herrlich kühl und schattig unter den mächtigen Bäumen. Zu schnell erreiche ich die vielbefahrene Stader Straße und das schockierende Moorburger Panorama. Es schockiert mich etwa einen 1 km lang. Dann schlägt sich der Weg am Ende des Moorburger Bogens linker Hand wieder in die Natur.

 

Grüner Ring, Etappe 8: 10.000 Schritte Verkehrslärm

 

Moorburg ist einer der ältesten Stadtteile Hamburgs. Seit Anfang der 80er liegt er im Hafenerweiterungsgebiet. Da kommt man schon mal ins Grübeln, während man durch eine wirklich schöne Landschaft spaziert. Visuell ist dieser Abschnitt herrlich. Auditiv jedoch gräßlich. Denn Moorburg wird nicht nur vom Kraftwerk dominiert, sondern auch noch von der A7 durchschnitten. Ich sehe die Autos zwar nicht. Doch ich kann sie hören. Es ist laut!

 

 

Es wird ein bisschen besser, nachdem ich die A7 unterschritten habe. Da zeigt mein Schrittzähler schon 10.000 Schritte an. Wirklich still wird es erst jenseits der Waltershofer Straße. Jetzt höre ich nur noch Vögel, den Sand, der unter meinen Schuhen knirscht und den Wind in den Bäumen. Die ersten Häuschen und Plantagen kündigen Francop an. Auch so ein Stadtteil, von dem ich nicht sicher war, ob er wirklich existiert.

 

Grüner Ring, Etappe 8, Einkehrmöglichkeiten: Fehlanzeige

 

Francop gehört zum Alten Land. Das Dorf gefällt mir sogar besser als die Gegend um Jork. Es ist alles viel weniger aufgehübscht. Der Schlickgürtel aus Baggergut des Hamburger Hafens wirkt aus der Ferne wie eine eiszeitliche Endmoräne. Der Deich verläuft nicht schnurgerade, sondern mäandert durch Obstplantagen und -wiesen, wo die Bäume noch schön knorrig wachsen dürfen. Die Bäume am Deich sind so gepflanzt, dass man sich weder bücken noch strecken müsste, um die Früchte zu pflücken.

 

 

Aufgrund der wochenlangen Dürre ist das Gras auf dem Deich verbrannt. Auch heute knallt die Sonne wieder heftig vom Himmel. Die Luft flirrt. Die Grillen zirpen. Und hätte ich gewusst, dass der Francoper Hofladen Mittwochs geschlossen hat, hätte ich mehr Wasser mit auf den Weg genommen. Seit ich vor gut 10 km aus der S-Bahn stieg, bin ich noch an keinem Geschäft oder Lokal vorbeigekommen.

 

Grüner Ring, Etappe 8, das Ziel liegt in Finkenwerder

 

Es folgt eine Durststrecke in jeder Hinsicht – „an der Alten Süderelbe“ entlang. Was ich auf meiner Karte für die echte Alte Süderelbe gehalten habe, erweist sich als Umgehungsstraße gleichen Namens. So bin ich nicht gerade traurig, als ich das Etappenziel Finkenwerder erreiche.

 

Finkenwerder

 

Der Grüne Ring endet mit einem kleinen Sahnestückchen. Dicht an der Elbe geht es über den Gorch-Fock-Park zum Rüschpark; definitiv ein empfehlenswerter Spaziergang. Er lohnt sich auch für diejenigen, die sich nicht in den Kopf gesetzt haben, einmal um Hamburg herum zu laufen.

Ob der Rest der 8. Etappe gefällt?
Dafür würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen!

 

Grüner Ring, Etappe 8

 

Länge: gute 15 km

Anreise:  Bus 141, 146, 241 oder S-Bahn Heimfeld (dann + 1,5 km)

Abreise:  Fähren 62 und 64

Mehr Infos & Karten Grüner Ring

Weiterlesen hier auf dem Blog: Etappe 1 & 2

SPO

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen

In 11 Tagen beginnt der Sommer. Ist das nicht verrückt? Noch verrückter: kein Norddeutscher muss sich in diesem Jahr Gedanken darüber machen, wie er wird, denn er ist ja schon. Gefühlt jedenfalls. Seit Wochen sind die Temperaturen hoch. Der Himmel ist fast immer blau. Müßiggänger lächeln. Gärtner verzweifeln. Schüler hoffen auf Hitzefrei. Und längst habe ich die ersten Punkte der 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen, abhaken können. Früher als jemals zuvor.

 

Pfahlbauten

 

Eine Freundin von mir stellte mal die Theorie auf, die erste Nektarine des Jahres sei die Allerwichtigste. Erwischt man eine leckere Frucht, wird man im Laufe des Sommers immer wieder zugreifen. Ist die erste Nektarine hart und sauer (oder noch schlimmer: mehlig), wird man zögerlich. Es könnte sogar sein, dass man die Saison vorübergehen läßt, ohne eine weitere Nektarine zu essen. Und diese Theorie kann man nicht nur auf Melonen übertragen. Sondern auch auf´s Anbaden. Der erste Kontakt mit dem Meer ist der allerwichtigste Tag des norddeutschen Sommers.

 

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen: 1. Anbaden

 

Der beste Strand zum Anbaden ist der von St. Peter-Ording Böhl. Ich habe das in den vergangenen vier Sommern ausgiebig studiert und in diesem (der ja eigentlich erst ein Frühling ist) nocheinmal überprüft. Anbaden ist in Böhl durchaus wörtlich gemeint. Das Wasser steht selten höher als in einer Badewanne. Dafür ist es auch fast genauso warm. Da taucht man ganz ohne Zaudern in die Nordsee ein und unter, plantscht lange herum und läßt sich dann irgendwann beim Rückweg zum Strandkorb vom Wind trocken pusten. Ein Handtuch braucht es an warmen Tagen nicht. An warmen Tagen braucht man überhaupt nichts – außer Zeit. Das hat der Strand mit dem Sommer gemeinsam.

 

SPO

 

Ein Tag am Böhler Strand läuft bei uns im Grunde immer gleich ab. Denn es gibt gar nicht so viele Dinge, die man dort machen kann. Die Stunden plätschern dahin wie ein französischer Kinofilm mit Überlänge. Einer, der in provencalischer Hitze spielt und in dem fast gar nichts passiert.  Aber in dem „fast“ liegt das Geheimnis eines ganzen Sommers. Und wer in diesem Jahr noch nicht gebadet hat, dem sei „Das Wunderbare an St. Peter-Ording Böhl“ wärmstens ans Herz gelegt.

 

Der Zauber der Ereignislosigkeit

 

Ereignislose Sommertage sind die besten von allen. Das habe ich in den letzten Wochen sehr deutlich gespürt. Manchmal wusste ich schon gar nicht mehr, was ich mit all dem schönen Wetter überhaupt anfangen sollte. Und so habe ich einfach aufgehört, überhaupt etwas anfangen zu wollen. Gerade das war herrlich. Es erinnerte mich an unendliche Semesterferien.

 

Austernfischer

 

Je mehr man macht, so kommt es mir mittlerweile vor, desto weniger erlebt man. Denn eigentlich sind es die kleinen Dinge, die vermeintlich unspektakulären Kleinigkeiten, die wirklich intensive und bleibende Eindrücke hinterlassen. Lasse ich Revue passieren, was wir so alles erlebt haben, seit wir in-der-Naehe-bleiben, dann sind dies die besten

 

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen

 

  1. In der Nordsee baden (am besten eben in SPO Böhl; erledigt)
  2. In der Ostsee schwimmen (erledigt)
  3. In einen See springen (am besten vom Steg)
  4. Einen Tag AUF dem Wasser verbringen
  5. Eine Nacht im Freien verbringen (erledigt)
  6. Eines Nachts früh genau aufstehen, um die Sonne aufgehen zu sehen (irgendwo, wo der Blick bis zum Horizont reicht. Erledigt.)
  7. Eine mehrtägige Wanderung unternehmen (erledigt)
  8. Eine mehrtätige Radotur unternehmen
  9. In einen Sommerregen geraten
  10. Eine unbekannte Insel erobern

 

Obwohl wir uns echt oft und viel draußen im Norden rumtreiben, habe ich es noch nie geschafft, alle 10 Dinge in einem einzigen Sommer zu erleben. Doch dieses Jahr bin ich zuversichtlich. Nicht nur, dass ich schon 3 von 10 Dingen „geschafft“ habe. Der Sommer ist ja auch sehr, sehr lang – 3 Monate nämlich, bis zum 23. September.

 

Watt

 

Eigentlich gehört noch ein 11. Punkt auf die Liste. Nämlich Abbaden. Nur um die Sache rund zu machen. Auch dafür würde ich Böhl empfehlen. Aber dort ist das keine Sommersache. Abgebadet wird in Böhl erst im Herbst. Und der fühlt sich da dann noch immer nach Sommer an.