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Insel Sterin

Schnee in Schleswig-Holstein

Gewisse kindliche Vorstellungen sind doch erstaunlich hartnäckig, dachte ich neulich an einem regnerischen Morgen in Neustadt i.H. (also Neustadt in Holstein). Etwa, dass es sich bei Gott um einen älteren Herrn mit Bart handelt. Oder dass es zu Weihnachten grundsätzlich schneit. Es muss an den Weihnachtskarten, Adventskalendern, Bilderbüchern… liegen. Denn die kommen nie ohne tief verschneite Landschaften aus. Und irgendwann glaubt man wohl einfach dran.

 

Neustadt i. H.

Dezembermorgen in Neustadt – als es einen ultrakurzen Moment lang nicht regnete, dachten wir kurz darueber nach zu warten, bis der Weihnachtsmarkt (der hier Meerchenwald heisst) um 11.00 Uhr oeffnet. Aber dann schoben sich wieder Wolken vor die Sonne. Und es begann zu nieseln…

 

Ab einem gewissen Alter, sollte man es eigentlich besser wissen. Denn dann man hat es ja unzählige Male erlebt: es schneit zu Weihnachten gar nicht besonders häufig. Das war übrigens auch früher nicht anders. Jedenfalls nicht, wenn man mit „früher“ die letzten 66 Jahre meint. Und ausnahmsweise ist der Norden zur Weihnachtszeit nicht einmal am schlechtesten dran.

 

 

In den letzten 66 Jahren schneite es z.B. in Hamburg an Weihnachten nur 12 Mal. Noch schlechter lief´s allerdings in Frankfurt (11 x) und am allerschlechtesten in Köln (4x). Selbst München kriegt bloß jedes dritte Jahr weiße Weihnachten hin.

 

Bank Neustadt

Mussu mal hin, wenn Du in Neustadt bist: das Cafe Gluecks in der ehemaligen Fabrik von Karl Lagerfelds Vater

 

In Wahrheit regnet es in der Weihnachtszeit sehr viel häufiger als dass es schneit. Wie es eben auch an diesem Morgen in Neustadt regnete. Wie es auch am Tag zuvor geregnet hatte. Mal mehr, mal weniger, aber beinahe immerzu und vor allem von allen Seiten.

 

Let it rain, let it rain, let it rain: mittags in Plön

 

Selbst wer (wie ich) Schnee im Allgemeinen nicht weiter vermisst, gerät da ins Grübeln. Vor allem in der Holsteinischen Schweiz. Sie gleicht mit ihren Hügeln und Wäldern und Seen in etwa der perfekten Kulisse eines perfekten Wintermärchens.

 

 

Wer Plön an einem Adventssonnabend gegen 13.00 Uhr erreicht, wird staunen. Es gibt nicht einen einzigen Glühweinstand und mindestens Dreiviertel der Geschäfte und Gastronomiebetriebe haben geschlossen. Das ist ganz typisch für Schleswig-Holstein. Weil alle Welt nach Hamburg, Kiel, Lübeck oder Flensburg eiert, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen oder sich auf den Weihnachtsmärkten zu drängeln.

 

Ploen

Twieten heissen die schmalen, verwinkelten Gassen, die sich vom Schloss zum See hinunter ziehen.

 

Vielleicht ist es auch anders herum. Mag sein, dass die Leute in die größeren Städte flüchten, weil die kleineren ausgestorben sind. Aber wie auch immer, Henne oder Ei, Norddeutschland kann schon gespenstisch wirken in der Vorweihnachtszeit. Oder eben: herrlich gottverlassen. Es ist eine Typfrage, wie man es empfindet.

 

Insel Sterin

Sieht aus wie Schnee. Ist aber (sorry) Kormoran-Kot. Die Insel Sterin loest sich allmaehlich in Amoniak auf.

 

Nur wenige kleinere Städte halten dagegen an. Etwa Eutin. Die Rosenstadt verwandelt sich in der Weihnachtszeit traditionell zur Lichterstadt. Dann erstrahlen Gebäude, Bäume und der See in bunten Farben. Die Illuminationen werden noch bis zum 31. Dezember täglich ab 16.30 Uhr angeknipst.

 

 

Abends in der Lichterstadt Eutin

 

 

Falls es aus Kübeln regnet, drängt sich allerdings die Frage auf: Warum sind norddeutsche Weihnachtsmärkte eigentlich nicht auf Regen eingestellt? Haben die Organisatoren vielleicht noch gar nicht gemerkt, dass Regen die wahrscheinlichste aller Optionen ist?

 

 

Dieser Fehler wäre ihnen vielleicht nicht unterlaufen, wenn sie – sagen wir vor 100 Jahren – in Schönwalde am Bungsberg zur Schule gegangen wären. Wie ich letzte Woche berichtete, verbrachten wir dort eine Nacht im Dorf- und Schulmuseum. Und so hatte ich ausreichend Zeit, mich mit dem hochspannenden Schulbuch „Naturbeobachtungen des Schülers in der Heimat“ aus dem Jahr 1915 zu befassen.

 

Nachts in Schönwalde am Bungsberg

 

Verfasser Ernst Piltz; Professor an der Oberrealschule in Jena, sah in der Auseinandersetzung mit der eigenen Umgebung, den heimischen Pflanzen, den Tieren, also der Natur schlechthin und der eigenen Rolle in eben dieser, nicht nur intellektuelle, sondern auch charakterliche Notwendigkeit.  Wer die Schönheit erkennt, wird sie achten, so sein Ansatz. Darum ersann er 753 Fragen und praktische Aufgaben, die paragraphenweise „vom Himmel, von der Luft, vom Erdboden, vom Wasser“ usw. handelten. U.a. eben auch:

 

Abschnitt A, § 20 Schnee

146. Wenn es zu schneien anfängt, lege eine Schiefertafel in die kalte Luft, lasse, wenn erstere erkaltet ist, Schneeflocken auf sie fallen und betrachte sie nach Größe und Gestalt!

147. Hast Du in den Schneeflockengestalten etwas Übereinstimmendes gefunden?

148. Zeichne verschiedene Schneesternformen!

149. Fällt der Schnee immer in Form zierlicher Sterne?

150. Weshalb sieht man es gern, wenn im Winter die Saaten bald und dauernd mit Schnee bedeckt sind?

151. Schreibe im kommenden Winter die Schneetage auf!

152. Fällt nur dann Schnee, wenn das Quecksilber des Thermometers unter 0 steht?

153. a) Schüttle den Schnee von stark beschneiten Zweigen eines Baumes!
b) Wie tief waren die Zweige durch die Schneelast nierdergebeugt?

154. An welchen Bergseiten und an welchen Dachseiten hält sich der Schnee am längsten?

155. Fange im Regenmesser den Schnee auf, welcher in einer gewissen Zeit in denselben fällt, lasse den Schnee zu Wasser werden und miß die Menge des letzteren!

156. Wie wirkt Wind auf den Schnee, der im Niederfallen begriffen ist?

157. Wie wirkt der Wind auf die Schneedecke des Bodens?

158. Beobachte an Schneewehen in Hohlwegen oder an Abhängen, wieviel Erdreich der Wind von den Äckern verweht hat!

 

Wäre ich nach den Naturbeobachtungen von Professor Piltz unterrichtet worden, wüßte ich heute vermutlich mehr über Schnee, als ich im Sachkundeunterricht gelernt habe. Und es gibt noch einen zweiten Grund im Winter nach Schönwalde zu fahren; nämlich den höchsten Punkt im nördlichsten Bundesland, den Bungsberg. Dort schneit es zuerst in Schleswig-Holstein. Das versicherten uns die Wirtsleute der Waldschänke. Dann sei es „hier oben bei uns“ traumhaft schön. Wir fanden es auch bei Sturm und Regen ganz gemütlich; und skurill, weil wir die einzigen Gäste waren.

 

Bungsberg

 

Was ich mit all dem sagen will: ich hätte gar nichts gegen ein bisschen Schnee & Eis demnächst. Oder jedenfalls Raureif. Und/oder blauen Himmel. Und wenn das alles nicht möglich sein sollte, vielleicht wenigstens ab und zu eine Regenpause. Dann kann ich Ostholstein schwerstens für einen stimmungsvollen Winterausflug empfehlen. Neustadt, Plön und Eutin sind bequem mit dem Zug zu erreichen.

Nachts im Museum

Nachts im Museum: (fast) live aus Schönwalde am Bungsberg

Enthält Werbung | Irgendwo tickt eine Uhr in der alten Dorfschule von Schönwalde. Nicht in dem Raum, in dem ich gerade auf einer Schulbank sitze und wo es ein wenig nach Kreide riecht. Das Ticken kommt aus einem entfernteren Raum. Einem, den ich später inspizieren werde. „Den Rundgang machen Sie am besten nach dem Uhrzeigersinn“, hat Frau Hagedorn geraten. „Dann finden Sie die Lichtschalter der einzelnen Räume leichter.“ Und das ist ja eben so ein Satz an dem man merkt: Wir übernachten heute in einem Museum. Allein. Unbeaufsichtigt.

 

Nachthemd

 

Gar nicht selbstverständlich, dass ein Museum sich darauf einläßt. Gerade eines, das komplett ehrenamtlich betrieben wird und voller persönlicher Dinge und Erinnerungen steckt, die eng verwoben sind mit der Geschichte des Ortes. Daher wurden auch die nächsten Nachbarn darüber informiert, dass heute 2 im Museum herumgeistern. Nicht, dass jemand die Polizei alarmiert. Überhaupt scheint in Schönwalde alles noch etwas familiärer zuzugehen als im Rest der Welt. Netter. Verbindlicher.

 

Sand Soda Seife

 

Unser Begrüßungskomitee zum Beispiel, Frau Hagedorn und Frau Schneider, haben heute bereits eine Adventsfeier für 90 Senioren geschmissen, bevor sie von der „neuen“ in die „alte“ Schule rübergehuscht kamen, um uns in die Geheimnisse des Sleeperoos und des Dorfmuseums einzuweihen. Letzteres vor allem. Denn das Sleeperoo, diesen Schlaf-Cube de Luxe, kennen wir schon.

 

Sleeperoo

 

Ich weiß, dass die Matratzen genau richtig, die Bettdecken kuschelig, die Kissen weich sind. Ich weiß, wie man die integrierten LED-Leuchten anknipst. Weiß, wo eine Extradecke zu finden ist, kenne die Fächer und Schlößer, falls man etwas – oder gar sich selbst – einschließen möchte. Wir haben das alles bereits ausprobiert. Outdoor allerdings; im Alten Land. Ein ganz besonderes Vergnügen. Denn die Location ist beim Sleeperoo immer das Wichtigste.

 

Die Nacht, der Ort und Du. Das Sleeperoo.

 

Und nun sind wir also nachts im Museum. Haben sogar den Schlüssel für das schöne Rotklinkergebäude mit den grünen Fensterrahmen und dem weißen Holzzaun bekommen. Es steht direkt am Dorfteich von Schönwalde. Und ich sitze in dem Raum, wo früher die Oberklasse unterrichtet wurde – d.h. die Klassenstufe 6, 7 und 8. Abgesehen von dem Wind, der ums Haus saust und dem Ticken der Uhr irgendwo, ist es ganz still.

 

Klassenraum

 

Ich blättere in alten Schulordnungen, alten Schulheften und neuen Handreichungen. Notiere mir das ein oder andere (finde die Bank-Tisch-Konstruktion gar nicht so unbeqeum; ziemich gut z.B. für Blogger mit Laptops –  das nenne ich visionär). Vor allem haben es mir die Schulwandbilder angetan. Sie sind in verschiedenen Bereichen des Museums zu finden. In der Schusterstube zum Beispiel oder in der Garderobe, wo unser Jacken an Haken in Zwergenhöhe hängen. Die schönsten Illustrationen sind die Hey-Speckter´schen Tierfabeln, über die ich gerade noch gar nichts wußte, inzwischen aber alles. Doch das auszubreiten, würde jetzt zu weit führen. Mindestens Oberlehrerinnen-haft wirken. Und wer will das schon? Ich stelle mich zur Probe hinters erhöhte Pult. Das war einmal eine machtvolle Position.

 

Katze

 

Kein Schüler darf willkürlich den für ihn bestimmten Platz verändern, nicht zanken, nicht neiden, drängen noch Sachen in der Schule verrichten oder beschädigen, noch andere während des Unterrichts anklagen, vielmehr ist alles sorgfältig zu vermeiden, wodurch Lärm und Störung beim Lernen und Lehren entsteht. (Aus den „Schulgesetzen“ des Organisten Hahn).

 

Puppenstube

Uralte Puppenstube. Ich glaube, von 1835 (hab leider vergessen, es mir zu notieren).

 

Ich bin weit davon entfernt, die alte Zeit für grundsätzlich „gut“ zu halten oder gar zu verklären. Aber so einige Details müssen doch klasse gewesen sein. Die Wertschätzung der Dinge beispielsweise. Oder die Liebe, die in den selbstgefertigten Spielzeugen steckte. Wie viele Weihnachtsgeschenke werden wohl in diesem Jahr noch unterm Tannenbaum ihren Geist aufgeben? Was wird von vorherein untergehen in den Bergen aus Plastikzeugs? Wird davon jemals etwas den Weg ins Museum schaffen?

 

 

Ich will nun nicht den „früher-war-alles-besser“-Song singen. Jedoch: Puppenstuben, gute Stuben, große Wäsche und Mausefallensammlung… da wird man schon nostalgisch. Denkt an Mütter, Omas, Urgroßmütter. Besonders wenn man ganz allein durch ein Museum streift. So eine Nacht im Sleeperoo in Schönwalde wäre bestimmt auch eine tolles Abenteuer für Großeltern mit jüngeren Enkeln.

 

Mausefallen

Mausefallensammlung

 

Collect moments – not things, steht auf einer Postkarte in unserem Chill-Pack. Ein schwarzer Karton, der im Sleeperoo auf uns gewartet hat. Ihn zu öffnen, ist ein bisschen wie Weihnachten. Darin zu finden sind 10 nachaltige Produkte; manche zum Verzehr – andere zur Verschönerung der Nacht. Genau verrate ich es nicht, denn Überraschungen gehören ja zum Besten überhaupt im Leben. Nur so viel: im Grunde braucht man für eine Übernachtung im Sleeperoo nichts weiter als Pyjama und Zahnbürste.

 

Sammle Momente – keine Sachen

 

Eine vollständige Mahlzeit ersetzt die Chill-Box nicht. Aber das ist ja auch nicht nötig. Wer mag, darf sich gern ein Picknick mitbringen. Das Team vom Museum hat extra einen Kühlschrank aufgestellt. Oder man fährt – und das ist eigentlich Pflichtprogamm, wenn man schon mal in Schönwalde ist – hinauf auf den Bungsberg, um in der Waldschänke zu speisen.

 

Bungsberg

Der 100 Jahre alte Eintrag im Gaestebuch der Waldschaenke auf dem Bungsberg haette auch von gestern abend stammen koennen. Vom Museum erreicht man das rustikale Lokal in 5 Minuten.

 

Bleibt nur noch zu sagen, dass man ganz hervorragend schläft im Sleeperoo. Weil ich unsere regelmäßigen Leser/innen nicht mit einer Wiederholung verschrecken möchte, verlinke ich hier noch mal auf unseren ersten Bericht: Abends auf der Apfelplantage.

Die Übernachtung im Museum kann man direkt auf der Sleeperoo-Seite buchen. Sie kostet 120 Euro, inkl Chill-Pack. Wer nicht in der Nähe von Schönwalde wohnt, findet dort auch andere besondere Spots quer über Deutschland verteilt.

Wir bedanken uns herzlich für die Einladung beim Sleeperoo-Team und allen Unterstützern vom Dorfmuseum in Schönwalde. Es war eine spannende Erfahrung – und gelernt haben wir auch was.

 

Fotografie

Wer haette das gedacht: In Altona wurden einst Hufbeschlaeger unterrichtet

 

Hejlsminde

Die Essenz der Dinge in Hejlsminde & Christiansfeld

Die Stille in Hejlsminde wird mir so richtig erst bewusst, als zwei Enten auf dem Wasser landen. Wie laut ihr charakteristisches „Räb Räb Räb“ über dem Noor klingt. Wenn gar nichts sonst zu hören ist. Nicht einmal Wind. Mein Denken verlangsamt. Oder konzentriert sich vielmehr. Auf das, was gerade ist. Und den ganzen anderen Rest – was war/was wird – verhüllen Nebelschleier.

 

Hejlsminde_Nor

 

Eigentlich sind wir von der E45 abgebogen, um einen besonders weihnachtlichen Ort Dänemarks zu besuchen. Doch dann fiel uns der Wegweiser nach Hejlsminde ins Auge. Und die Faustregel sagt: wenn etwas auf -minde endet, darf man sich das nicht entgehen lassen. (Auch wenn ich vollkommen falsch damit lag, dass -minde für Mündung steht. Wie Hubert mir in den Kommentaren mitgeteilt hat, steht minde für Erinnerung. Und das ist ja eigentlich noch schöner.) Besonders in Hejls-minde – am Kleinen Belt, der Meerenge zwischen dänischem Festland und der Insel Fünen.

 

Hejlsminde Noor

 

Wir pendeln über den Damm von der Ostsee ans Noor, und wieder zurück vom Strandsee an den Strand. Mag sein, dass der winzige Ferienort im Sommer die Bewohner der vielen Ferienhäuser kaum fassen kann. Doch heute ist hier niemand. Es nieselt.

 

Hejlsminde

 

Still ruht die See. Das Badehotel scheint verwaist. Der Kiosk hat geschlossen. Oder anders: God dag Tristesse, Du herrliche, dänische Ödnis, die Du nicht Jedermans Sache bist. Und für mich das Allerbeste. Ich liebe diese Reduktion auf fast gar nichts.

 

Badestg

 

Aus dem Wörterbuch: Reduktion, Substantiv, feminin (die)

1. (bildungssprachlich) das Zurückführen auf ein geringes Maß
2. (Philosophie) Rückschluss vom Komplizierten auf etwas Einfaches

 

Schuppen

 

Mir ist es lieber, wenn ein Bauernhof nicht wie in der Landlust aussieht. Und Bootsschuppen nicht wie ein Bausatz von Ikea. Unterm Strich tragen mir immer mehr Küstenorte zu viel Make-up auf. Dabei gleichen sie sich zunehmend an. Genau wie die Metropolen dieser Welt sich ja auch immer mehr ähneln.

 

Pfahl

 

Dieser gewisse Instagram-Look, um den sich so viele Restaurants, Hotels, Läden, ganze Orte bemühen – darin liegt für mich die eigentliche Ödnis. Das Echte und Einfache geht mir hingegen nie auf die Nerven.

 

Bootssteg

 

Ganz ähnlich sah das eine Handvoll Leute aus der Oberlausitz, die 1773 in der Nähe von Hejlsminde eine Stadt gründeten. In ihrer betonten Schlichtheit gilt die von der Herrnhuter Brüdergemeinde angelegte Planstadt Christiansfeld heute als kulturelles Erbe von Weltrang.

 

Unesco-Welterbe Christiansfeld: Herrnhutersterne aus Dänemark

 

Die Gebäude von Christiansfeld bestehen in der Überzahl aus hellen Ziegeln. Der Innenraum der Kirche ist nach wie vor reinweiß gehalten und wird lediglich mit Kerzen erleuchtet. Auf dem Gottesacker sieht ein Grab wie das andere aus. Als Symbol für die Gleichheit im Tod.

 

 

Zur Weihnachtszeit sind die schnurgeraden Straßen von Christiansfeld wunderbar reduziert geschmückt. Typisch dänsich lehnen kleinen Tannen (ganz ohne Flitter) an den Hauswänden. Und vor jedem, wirklich jedem, Hauseingang leuchtet ein Herrnhuter Stern.

WeihnachtsladenHerrnhuter Sterne: Vor über 160 Jahren erdachte sich ein Mathematiklehrer im Internat der Brüdergemeinde in Herrnhut den komplizierten Stern – im Original hat er 110 Zacken. Der Lehrer ließ ihn von seinen Schülern aus Papier und Pappe nachbasteln, in der Hoffnung, geometrisches Verständnis zu wecken. Ob´s was gebracht hat, ist nicht überliefert. Aber seitdem fertigten die Kinder am 1. Sonntag im Advent einen Stern.

Heute kann man Herrnhuter Sterne ja praktisch überall kaufen. Am stimmungsvollsten sicher im Stammhaus in Sachsen. Oder eben in Christiansfeld. Genau wie Honigkuchen, die zweite Spezialität, die man aus Deutschland mitgebracht hatte. Honningkager aus Christiansfeld sind in Dänemark mindestens so berühmt wie bei uns Nürnberger Lebkuchen oder Aachener Printen.

 

 

Die Honigkuchenbäckereien haben das ganze Jahr geöffnet. Und wie man bei der Kapidänin Sibille sehen kann, ist Christandsfeld auch einen Sommerausflug wert. Der wandert bei mir auf die Liste. Nicht wegen des Honigkuchens, sondern um Christinero zu besuchen, eine kleine Parkanlage und letzte Ruhstätte von Christina Friederica von Holstein.

 
Hejlsminde Strand
 

Die Kammerherrin ließ sich von Missionaren der Brüdergemeinde Samen und Setzlinge aus aller Welt mitbringen. Und so befindet sich ein kleiner Pavillion, den sie „Mine Tanker“ (Meine Gedanken) nannte, heute umgeben von exotischen Baumriesen. Ich stelle mir vor, dass sie sich da vielleicht ähnlich gefühlt hat, wie ich am Strand von Hejlsminde.

 

Anreise: Christinero, Christiansfeld und Hejlsminde

 

Christiansfeld liegt ca. 65 km nördlich der deutsch-dänischen Grenze; kurz vor Kolding. In den Ort hinein sind es von Ausfahrt an der E45 etwa 5 km. Christinero ist auf halbem Weg ausgeschildert. Um nach Hejlsminde zu gelangen, läßt man Christiansfeld hinter sich und folgt der Landstraße etwa 10 km.

 

 

Wanderung um den Ellenbogen

Wanderung um den Ellenbogen: nördlicher wird´s nicht

Ich hätte ja schwören können, dass ich die Wanderung um den Ellenbogen längst beschrieben habe. Die Umrundung der Nordspitze von Sylt ist nämlich sicherlich die Wanderung, die ich am häufigsten in meinem Leben unternommen habe. Aber ich verliere wohl langsam selbst den Überblick über das, was sich im Laufe der Zeit auf dem Blog angesammelt hat. Also bitte; hier ist sie. Und zwar so, wie ich sie am liebsten habe: in der kälteren Jahreshälfte bei schlüpferblauem Himmel.

 

 

Die Wanderung um den Ellenbogen kann im Grunde überall in List beginnen. Wer am Ende nicht vollkommen erledigt sein möchte, startet an der Weststrandhalle. Parkplätze sind vorhanden. Eine Bushaltestelle auch (Linie 5 ab List/Hafen). Die Runde ist dann etwa 13,5 km lang. In normalem Tempo dauert der Spaß demnach 3, 5 Stunden.

 

 

Die Wanderung um den Ellenbogen liebe ich so, weil hier die Welt endet, wie wir sie kennen. Oder sie beginnt hier. Es kommt auf den persönlichen Standpunkt an. Jedenfalls ist es der nördlichste Punkt von Deutschland. Gefühlt eigentlich schon Dänemark. Zumal man auf den ersten Kilometer direkt auf die Insel Rømø zuläuft. D.h. es kann „frisch“ werden. So ist eine Mütze unbedingt eine gute Idee. Genau wie eine Sonnenbrille. Der Rest ist eine Typfrage. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal in Turnschuhen spaziert. Und weil der Sand an der Brandungsseite schön fest ist, fand ich das besser – leichtfüßiger – als in Wander- oder Gummistiefeln.

 

Equipment für eine Wanderung um den Ellenbogen

 

Ein wenig Wasser kann auch nicht schaden. Denn eine Einkehrmöglichkeit gibt es nicht. (Zu viel zu trinken, wäre allerdings ein Fehler. Es gibt nämlich auch keine Toiletten.) Und falls man informiert sein möchte, wo der nördlichste Punkt Deutschlands nun ganz exakt liegt, sollte man sein Handy mitnhemen. Er ist nicht markiert – und befindet sich auch nicht an der Ellenbogenspitze, sondern auf dem Weg dorthin.

 

 

Während man sich den Strand anfangs höchstens mit vereinzelten Strandläufern teilt, wird es ab dem Leutchtturm List West etwas belebter und ab dem Leuchtturm List Ost sogar ziemlich voll. Hier stoßen die Leute dazu, die mit dem Auto anreisen. (Das ist auch nicht schlecht und das ist auch die Sache, die ich tatsächlich schon einmal beschrieben habe – mehr dazu hier.)  Aber Autofahrten sind eben nicht zu vergleichen mit der Zufriedenheit, die Ellenbogenspitze aus eigener Kraft zu erreichen.

 

 

Seit einiger Zeit ist der äußerste Nehrungshaken von Sylt abgesperrt. Die Ranger sahen sich dazu gezwungen, weil es immer mehr Menschen einfach nicht aushalten können, rastende Robben in Ruhe zu lassen. (Und falls Du irgendwann mal am Ellenbogen beobachtest, wie ein geschniegeltes Paar über das Seil klettert, um Selfies zu schießen, kann ich nur raten: mecker sie blöd von der Seite an. Ich habe es nicht getan, also gemeckert, und ärgere mich darüber nun schon seit 3 Wochen und 6 Tagen.)

 

 

So wie es auf dem Weg zur Ellenbogenspitze immer voller wird, wird es auch immer leerer, je weiter man sich wieder entfernt. Am schönsten ist die Wattseite bei Ebbe (also vorher Tidekalender checken. Hier scheinen Turnschuhe allerdings nicht ideal).

 

 

Königshafen heißt diese nördlichste Bucht von Deutschland, in der bis Mitte der 80er Jahre noch die Bundeswehr rumballerte. Heute erinnern an die Nato-Schießübungen nur noch Schilder, auf denen darum gebeten wird, etwaige Munitionsfunde zu melden. (Dann ist man wohl zu weit gegangen. Und ich habe mich schon oft gefragt, ob es für die freilebenden Schafe eigentlich gefährlich ist.)

 

 

Den aller-, allerletzten Part der Wanderung um den Ellenbogen, muss man entlang der Straße absolvieren. Das ist nicht ganz so super wie der Rest. Die Straße ist nämlich sehr schmal. Es existiert kein Fußweg (es wäre auch kein Platz dafür). Und da es an einigen Stellen auf und ab geht, können Autofahrer Wanderer erst dann sehen, wenn sie fast schon mit ihnen kollidieren.

 

 

Kurz vor der Mautstelle führt eine Straße hinauf auf den Ellenbogen“berg“ – eigentlich natürlich eine Düne. Da lässt sich noch einmal hervorragend kapitulieren, was man alles hinter sich hat. Und vor sich hat man dann nur noch eine Treppe hinunter zum Ausgangspunkt.

 

 

Als Ausgangspunkt habe ich nicht zufällig die Weststrandhalle gewählt. Sondern aus  gastronomischen Gründen. Seit Wonnemeyer nicht mehr in Wennigstedt logiert, wabert seine typische Loungemusik über das Listland. Und auch wenn es nicht das beste gastronomische Angebot der Welt, sitzt man da doch einfach sehr schön auf der Sonnenterrasse. Besonders wenn die Beine ein bisschen schwer sind.

Halunder Jet

Der Halunder Jet: Männer, die auf Schiffe starren

Die Helgoländer Allee (das ist die Straße, die sich zwischen Reeperbahn und Altem Elbpark runter zum Hafen schwingt) verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie dort endet, wo die Schiffe zu Deutschlands einziger Hochseeinsel aufbrechen. An den St. Pauli Landungsbrücken nämlich. Seit fast 200 Jahren geht das schon so. Anfangs noch mit Raddampfern. Heute mit dem Halunder Jet; einem Motorkatamaran.

 

 

Katamarane sind die Albatrosse unter den Schiffen. Mit ihren 2 Rümpfen wirken sie im Hafen nicht besonders elegant. Erst einmal vom Anker gelassen, scheinen sie jedoch übers Wasser zu fliegen. Und so benötigen Hamburger heute 10 Stunden weniger für die Reise nach Helgoland als noch zu Beginn des Seebäderdienstes. (Es unterscheidet sie von Berlinern. Die brauchen heutzutage nämlich 1 Stunde länger nach Usedom als noch vor 100 Jahren. Das habe ich neulich im Tagesspiegel gelesen. Doch die Bahn ist natürlich ein ganz anderes Thema.) Was ich eigentlich sagen wollte: der Halunder Jet ist schnell.

 

 

Billig hingegen ist die Fahrt mit dem Halunder Jet nicht. Sie ist sogar recht teuer. Etwas für besondere Anlässe also. Wie zum Beispiel Weihnachten. Darüber muss man sich ja ohnehin langsam mal Gedanken machen. Und falls hier jemand mitliest, der einen von diesen entsetzlich zufriedenen Männern beschenken muss (die keine Wünsche haben, weil sie nichts brauchen – als hätte das eine mit dem anderen etwas zu tun): vielleicht wäre ein Billet für den Halunder Jet das Richtige?

 

 

Als wir die Tour neulich unternahmen, war an Deck des Halunder Jets auffällig mehr los, als ich es normalerweise auf Fähren beobachte. Ich wundere mich immer wieder, wie viele Menschen Schiffsreisen unter Deck verbringen. Nicht so auf der Elbe. Hier blieben jede Menge Passagiere an der frischen Luft – interessanterweise vor allem Männer. Es ist aber auch eine besonders spannende Passage.

 

 

Die wunderbaren Elbansichten zwischen Landungsbrücken und Brunsbüttel sind so richtig was für Seeleute und Sehleute und alle Jungs (und Deerns), die gerne „hüpfen und s-pringen und von Hamburch singen“. Daneben werden auch Shipspotter bestens bedient. Denn man kommt den großen und kleinen Pötten wirklich sehr nah.

 

 

Ab und zu gibt der Halunder Jet ordentlich Speed, um einen Containerriesen zu überholen. Dann spürt man den Wumms regelrecht im Körper. 35 Knoten, d.h. 65 kmh, das ist schon eine Ansage.

 

 

Und dann gibt es diesen Punkt, wo die Elbe auf Nordsee umschaltet. Es passiert etwa bei Brunsbüttel. Innerhalb von Minuten ändern sich Licht, Luft, Farben, ach einfach die ganze Atmosphäre. Das ist geradezu verrückt schön.

 

 

Knapp 4 Stunden braucht der Halunder Jet nach Helgoland. Meiner Meinung nach ist ein Tagesausflug auf die Insel aber nicht ideal. Natürlich ist der kleine Klotz im Meer ein großes Abenteuer. Aber nach nur 4 Std Aufenthalt, ist das Bedauern über die Abreise größer als die Freude, dort gewesen zu sein.

 

 

Zwar gehört ein Prise Wehmut zu einer anständigen Schiffsreise dazu. Aber man muss es auch nicht übertreiben. Und Helgolands beste Stunden schlagen sowieso erst, wenn die Tagesgäste wieder abgedampft sind. Also: damit würde ich warten, bis der Sparstrumpf gut genug für (mindestens) eine Übernachtung gefüllt ist.

 

Mit dem Halunder Jet nach Helgoland oder Cuxhaven

 

Wer hingegen schon in Cuxhaven von Bord geht, darf sich bis zu 7 Std an Land rumtreiben. Oder bucht nur eine einfache Fahrt. Dann bleibt man völlig flexibel. Die Bahn fährt stündlich zurück nach Hamburg (und sonstwohin vermutlich auch regelmäßig). Warum sich ein Tagesausflug nach Cuxhaven lohnt, ist hier nachzulesen. Allerdings ist das eher etwas für Pläne & Träume – der Halunder-Jet ist jetzt erst mal in der Winterpause.

 

 

Elbansichten

Elbansichten: zwischen Hamburg und Brunsbüttel

Schiffsreisen sind immer etwas Besonderes. Gerade für Hamburger und Hamburg-Freunde. Selbst eine Hafenrundfahrt lohnt sich und auch die kürzesten Fährverbindungen können zum Abenteuerchen werden, wenn man ausnahmsweise mal woanders aussteigt. Aber richtig großartig wird´s erst, wenn man die bekannteren Elbansichten hinter sich läßt.

 

 

Wir stachen vor 3 Wochen in See. Es war einer der letzten spätsommerlichen Tage. Über Hamburg lag ein Dunstschleier. Die Luft war warm und schwer. Die Fotos wirken dadurch unscharf. Oder wie angestaubte Gemälde. Und das passt eigentlich ganz gut zum Gefühl einer Elbfahrt.

 

 

Die Elbe ist ja nicht nur irgendein Fluss. Die Elbe ist ein Lebensgefühl. Je länger und besser man sie kennt, desto mehr laden sich ihre Ansichten mit Erinnerungen auf. Es ist schon ein Geschenk an diesem Strom zu leben. Denn es gelingt der Elbe doch immer wieder, etwas Wesentliches in einem anzurühren.

 

 

Oben: Die Elbchaussee. (Der Herbst steht ihr sehr gut).

 

Die Elbe ist eine Freiluftgalerie

 

Unten: Blankenese; wo ab sofort – und bis März – wieder der Süllberg ruft.

 

 

Seit es diesen Blog gibt, hat sich unsere Sicht auf die Elbe komplett verändert. Früher stand sie quasi nur für Hafen – Strandperle – Blankenese. Heute kennen wir das nördliche Ufer elbaufwärts aus dem Effeff.

 

Elbansichten: Vom Niemandsland zum Wunderland

 

So ist die Elbe für uns inzwischen wie ein lebendiges Panini-Album. Und es lohnt sich, lohnt sich absolut, noch den letzten Sticker zu sammeln. Da warten so viele wunderschöne Bilder, die der näheren Betrachtung wert sind.

 

 

Gleich hinter Blankenese beginnt zum Beispiel Hamburgs schönster Spaziergang durch den römischen Garten und den Waldpark von Falkenstein.

 

 

Genau wie Hamburgs schönster Spazierweg braucht auch Hamburgs schönster Wanderweg keinen Sommer. Die bewaldeten Elbhöhen zwischen Blankenese, Wittenbergen und Wedel sind selbst im Winter ein Traum.

 

 

Ab Wedel wird das Land platt. Und für den schnellen Blick etwas unspektakulärer. Nur wer sich ab und zu in den Elbmarschen rumtreibt, weiß um die geheimnisvolle Inseln (manchmal) menschenleere Strände, (fast) verborgene Gärten. Und Leuchttürme. Leuchttürme. Und Leuchttürme.

 

 

Die Radtouren auf dem Elberadweg (von Wedel nach Glückstadt und von Glückstadt nach Brunsbüttel) gehören zu meinen schönsten Blog-Erinnerungen. Vielleicht habe ich deshalb auf der Schiffstour nur selten einen Blick nach Niedersachsen geworfen. Niedersachsen ist mir viel fremder als Schleswig-Holstein; geradezu exotisch.

 

 

Erstens sagt der Hamburger: Auf der anderen Seite der Elbe sind die Menschen nicht dasselbe. Und zweitens kommt man da ja auch nicht so leicht rüber. Wie jeder Radiohörer weiß, „beträgt die Wartezeit an der Fähre zwischen Glückstadt und Wischhafen derzeit 2 Stunden“. Und beim Elb-Link (der zweiten von 2 Möglichkeiten) weiß man nie, ob die Fährgesellschaft gerade wieder pleite ist.

 

 

Derzeit liegt der Elb-Link-Anleger einmal mehr verwaist. Atmosphärisch passt das super zur Stille der nördlichen Elbmündung,  die ich wirklich ganz besonders liebe. Und doch gelang es mir etwa hier, mich einem neuen Horizont zuzuwenden.

 
Boje
 

Ab Brunsbüttel nämlich schaltet das Gefühl auf Nordsee. Das Licht ändert sich. Die Luft schmeckt nach Meer. Und die Elbansichten werden so anders, dass sie einen ganz eigenen Beitrag brauchen. Davon dann also demnächst mehr und für heute: ein schönes Wochenende & Ahoi!

Sylt

Sylt im Oktober; vielleicht wird´s ja traumhaft?

Vor einigen Tagen hörte ich einen Mann etwas Verblüffendes zu seiner Frau sagen. Das war auf einem Holzbohlenweg irgendwo zwischen Wenningstedt und Westerland; an einem Tag wie er im Grunde nicht besser sein kann auf Sylt im Oktober. Ganz Heideduft & Schäfchenwolken, Blitzesbläue & Brandungskonzert.

 

 

Meine Mitreisenden und ich hatten schon eine ganze Weile Meeresluft geatment, als wir die verblüffenden Worte aufschnappten. Seit Kampen nämlich. Ein Spaziergang, der sich immer anbietet, wenn man noch nie oder länger nicht auf der Insel war. Denn die knapp 9 km zwischen Kampen und Westerland, bringen auf den Punkt, warum Sylt für eine gar nicht so kleine Gruppe Reisender eine lebenslange Liebe bedeutet. Besonders mit Rückenwind und Sonne im Gesicht.

 

 

Es sind vor allem zwei Dinge, die auf der größten nordfriesischen und nördlichsten deutschen Insel ganz einzigartig sind. 1. der 40 km lange Weststrand mit seinen imposanten Dünen. Am Ausgangspunkt dieser Strandwanderung gekrönt vom roten Kliff und eben dort einem der letzten naturbelassenen Kliffwege der Insel.

 

Was Sylt einzigartig macht: die nordischste Natur im Land

 

So könnte man diesen Spaziergang auch als Rundweg absolvieren; hin gehts am Meeressaum – zurück am oder auf dem Dünenrand. (Die dann insgesamt 18 km sind aber nicht zu unterschätzen. Alternativ bietet sich die Rückreise mit dem Bus an. Er fährt im 20-min-Takt vom Bahnhof in Westerland).

 

Weststrand

 

Das zweite Alleinstellungsmerkmal von Sylt ist bekannterweise Geschmackssache. Die beinahe sagenumwobene Gastronomie findet sich über die gesamte Insel verstreut, weist auf dem beschriebenen Weg aber eine gewisse Verdichtung auf. Das bedeutet jede Menge Einkehrmöglichkeiten zwischen (der immer noch verwaisten Sturmhaube in) Kampen und (der schönsten Aussichtsterrasse im Beach House in) Westerland. Und zwar auch in den Wintermonaten (was ja längst nicht jedes Ferienparadies von sich behaupten kann).

 

Rutsche

 

Auf diesem Blog behaupte ich Jahr für Jahr wieder, die besten Stunden von Sylt würden zwischen Ende Oktober und Anfang März schlagen. Dann kann man im Grunde überall einen Tisch ohne Reservierung finden und selbst die beliebtesten Naturschätzchen sind maximal angenehm belebt. Zwar ist die Rutsche an den Strand von Wennigstedt in den Wintermonaten nicht in Betrieb. Aber irgendwas ist ja immer.

 

 

Und aus all diesen Gründen fand ich eben so verblüffend, was der eingangs erwähnte Mann zu seiner Frau sagte, als er an uns vorüber ging. Meine Mitreisenden und ich standen ans Geländer der Promenade gelehnt. Ich glaube, wir schauten gerade einigen Wellenreitern zu.  Aber möglicherweisen freuten wir uns auch nur gedankverloren über das Licht und das Leben an sich. Das geht auf Sylt oft Hand in Hand.

 

 

„Vielleicht“, sagte der Mann zu seiner Frau, als er etwa auf unserer Höhe war, „vielleicht ist es hier im Sommer ja traumhaft? Der Strand scheint doch zum Beispiel schön zu sein.“

Der Zweifel in seiner Stimme war nicht zu überhören. Und wir hätten ja zu gern gewusst, mit welchen Erwartungen das Paar angereist war und was sie so furchtbar enttäuschte.

 

Sylt

 

Denn auch wenn ich Sylt für die einen der schönsten Orte Deutschlands halte, muss ich doch ehrlich zugeben: viel mehr als das hier Beschriebene, kann die Insel im Winterhalbjahr nicht. Und nur wer denkt „mehr kann man ja auch gar nicht wollen“, ist auf Sylt im Oktober richtig.

(Und da der ja nun vorbei ist, hier noch ein Link zu Sylt im November. Das ist noch spezieller als der Inseloktober – und wenn man mich fragt auch noch besser.)

Cuhaven

Radtour in Cuxhaven: unterwegs im nördlichsten Niedersachsen

1733 wurden in der Hafeneinfahrt von Cuxhaven drei ausgemusterte Schiffe versenkt, um ein Seezeichen zu sichern. Das vorderste Schiff soll den Namen Olivia getragen haben. Im Volksmund bald nur noch Oliv genannt. Genuschelt klingt das in etwa wie ein plattdeusches „old Leev“ – Alte Liebe. Und so heißt die Anlage bis heute.

 

Cuxhaven

Alte Liebe: Von April bis Oktober informiert ein Schiffsansagedienst über vorbeiziehende Meeresgiganten

 

Lange Zeit wurde die hölzerne Schönheit als Anleger genutzt. Heute fungiert sie nurmehr als Aussichtsplattform. Cuxhaven hat sich derweil zum größten deutschen Seeheilbad entwickelt. Keine Destination an der Nordseeküste kann mehr Übernachtungen verbuchen. Schaut man in die Tourismusstatistiken, stellt man jedoch fest: bei Hamburgern steht Cuxhaven nicht gerade hoch im Kurs.

 

Neue Liebe

 

Zu schlecht erreichbar über nicht enden wollende Bundesstraße. Zu dicht das Gedränge an den Stränden. Zu uncharmant die dominierenden Bettenburgen im Stil der 60er, 70er, 80er und dem Schlimmsten von heute. (Sagen vielleicht nicht alle Hamburger; doch man hört das schon von Vielen.)

 

Warum ein Tagesausflug nach Cuxhaven eine gute Idee ist

 

Aber ein paar Gründe sprechen eben doch dafür, sich auf den Weg nach Niedersachsen zu machen. Zum Beispiel: hier befinden sich die einzigen Meeresstrände, die von den Landungsbrücken aus bequem und regelmäßig mit dem Schiff zu erreichen sind. Besser könnte ein Tagesausflug wohl kaum beginnen.

 

 

Wir sind vergangene Woche bereits zum zweiten Mal mit dem Halunder Jet  die Elbe hinunter gebraust – und gingen noch beseelter von Bord als beim ersten Mal (warum, das zeige ich extra; demnächst). Nach zweieinhalb Stunden traumhafter Elbansichten, betraten wir  – historisch gesehen – schon wieder Hamburger Boden.

 

 

Lange gehörte die Hafensiedlung Cuxhaven zu Hamburg. Der Amerika-Hafen sogar bis in die 1990er Jahre. Wer sich für Hamburgensien interessiert, ist daher richtig. Oder man läßt sich einfach von der Ferienstimmung anstecken. Am Anleger Alte Liebe ist immer was los. Hier starten die Ausflugsdampfer nach Helgoland, Neuwerk und Sylt, zu den Bohrinseln oder Seehundsbänken.

 

Dampfer

Bäderdampfer auf dem Weg nach Irgendwo

 

Ebenfalls an der Alten Liebe startet auch ein prima Wasserkantenweg durch Strandbäder von Cuxhaven, Kurteile genannt. Auf der gesamten Strecke wird man nur an 2 Stellen für wenige Meter mit Autos konfrontiert. Cuxhaven ist nicht nur total verbaut, sondern auch schön verkehrsberuhigt, also leise.

 

 

Die Kurteile Döse, Duhnen und Sahlenburg ziehen sich 12 km die Küste hinauf. Das könnte man auf einem Tagesausflug locker laufen (zurück dann ggf. mit dem Linienbus ab Sahlenburg). Mir persönlich scheint es nicht ideal. Teile der Kurteile läßt man lieber schneller hinter sich, als die Füße tragen. Aber das ist Geschmacksache. Genau wie der Spielzeugzug, der durchaus als Verkehrsmittel gemeint ist.

 

Meerstrandbahn Cuxhaven

 

Perfekt ist die Strecke für eine Hop-on-hop-off-Radtour mit Blick aufs Wasser.  (In 800 m Entfernung zur Alten Liebe findet sich ein Radverleih.) Meerblicke werden mir nie langweilig. Schon gar nicht in Cuxhaven. Die Kurteile punkten mit ganz unterschiedlichen Landschaftsformen. Und da ist so manches dolle Ding dabei.

 

 

Der erste Kurteil, Döse, ragt wie eine Speerspitze ins Wasser. Auf der östlichen Seite schmiegt sich der Grünstrand an die Elbe. An der Westseite liegen Dünen und Wattenmeer.

Cuxhaven Döse

Viel hat die Elbmündung bei Döse nicht mehr mit einem Fluss zu tun. An ihrer Mündung ist die Elbe unfassbare 18 km breit. Und von gewaltiger Schönheit. (Sagt die Hamburgerin in mir.)

 

 

An der Spitze von Döse ragt das Wahrzeichen Cuxhavens in den Himmel: die Kugelbake. Das 28 m hohe Seezeichen markiert den nördlichsten Punkt Niedersachsens. Und gleichzeitig die Grenze zwischen Elbe und Nordsee. Selbstverständlich gehört der Pilgerdamm zur Kugelbake zum Pflichtprogramm.

 

Cuxhaven Kugelbake

 

Von dort scheinen die großen Pötte wirklich zum Greifen nah, denn man steht hier dicht an einer der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Eigentümlich und eindrücklich ist das bei Ebbe. Dann scheinen die Strandläufer nur wenige Meter neben den Schiffsgiganten übers Watt wandern.

 

 

Besonders Hamburger tun gut daran, Strand und Watt auf sich wirken zu lassen. Sie sind nämlich nicht ganz unschuldig daran, dass das Cux-Watt von massiver Verschlickung/ Versandung/ Verlandung bedroht ist. Fragt man Auskenner ist die Lage recht dramatisch. (Sehr schön nachzulesen auf Christians Blog Wasser und Eis).

 

 

Der Sandstrand von Cuxhaven ist nicht besonders breit, aber 5 km lang. Wo der Sand am allerhellsten leuchtet, liegt Duhnen, das touristische Epizentrum offenbar. Hier konzentrieren sich etwa die Hälfte der jährlich fast 4 Mio Übernachtungen.

Cuxhaven Duhnen

In Duhnen wurde der für Cuxhaven so typische wilde Architekturmix  auf die Spitze getrieben. In Einzelfällen findet sich Gelungenes. Insgesamt will einem die Bebauung jedoch nicht in den Kopf.

 

 

Die Cuxhavener Städteplanung zu verstehen, fällt doppelt schwer, wenn man sich Zeit für die sehenswerten Infotafeln an der Promenade genommen hat. Historische Aufnahmen belegen, wie viel Erhaltenswertes seit den 1970er-Jahren abgerissen und durch Funktionales ersetzt wurde. Immerhin: das gastronomische Angebot ist breit gefächert. Für´s Lunch eignet sich Duhnen prima. Zumindest außerhalb der Saison. Im Sommer, an Brücken- oder Feiertagen sollen die Restaurants vollkommen überfüllt sein.

 

 

Wenn man Glück hat – so wie wir – knippst irgendeiner den Herbst an, während man speist. Das passt so richtig zum Look der weiten Salzwiesen, die sich an Duhnen anschließen. Ihr Betreten ist weiträumig untersagt. An wenigen Stellen führen jedoch Pfade zum Wasser hinunter. Hier findet man dann tatsächlich Stille – und mit noch mehr Glück eine Bank.

 

 

Oberhalb der Salzwiesen liegen die Cuxhavener Küstenheiden. In ihrer Ausdehnung und Ausprägung sind sie einmalig in Deutschland. An der Beobachtungsplattform in der Duhner Heide startet und endet ein Entdeckungspfad. Der 2 km lange Rundkurs ist Fußgängern vorbehalten und erklärt die Besonderheiten der geschützten Landschaft an 12 Infostationen.

 

 

Geführte Wanderungen durch Salzwiesen und Küstenheide werden im nahegelegenen  Watttenmeer-Besucherzentrum angeboten. Auf 3 Etagen finden sich Dauer- und Einzelaustellungen sowie Veranstaltungsräume und eine Bibliothek.

Cuxhaven Sahlenburg

Die Daueraustellung ist kostenfrei und schon allein aufgrund der tollen Architektur und dem einmaligen Blick aus den Panoramafenstern den Besuch wert. Hier hat man übrigens schon wieder Hamburg vorm Balkon. In Form der Insel Neuwerk.

 

 

Abgesehen vom Wattenmeer-Besucherzentrum ist auch Sahlenburg architektonisch wahrlich keine Perle. Ein Pluspunkt ist allerdings der Wernerwald, der einzige Wald an der deutschen Nordseeküste im direkten Übergang zum Wattenmeer. Deshalb lohnt es sich über den Ort hinaus weiter zu fahren, auch wenn die Teerpiste endet. Dort duftet es herrlich nach Kiefern.

 

 

Oder man setzt sich noch ein bisschen an den Strand. Den letzten von Cuxhaven und der letzte für gute 100 km. Denn eben der ist ja der Grund, warum diese nördlichste Ecke Niedersachsens so überaus beliebt ist. Sich einen Tag für die Schokoladenseite von Cuxhaven Zeit zu nehmen, ist unserer Meinung nach auch wirklich eine gute Idee. Nur den Wunsch, irgendwo zu bleiben, den spürten wir nicht.

 

Lohnt sich eine Übernachtung in Cuxhaven?

 

Interessanterweise meldete sich der Impuls später. Leise wenigstens. Da hatten wir die Räder längst abgegeben und machten auf dem Weg zum Bahnhof noch einen kleinen Umweg über den Fischereihafen. Den hätte ich mir gern mit mehr Zeit angesehen. Alles schien mir so schön schrabbelig und als könnte man noch etwas entdecken. Ob das so ist, werde ich hoffentlich irgendwann einmal erfahren.

 

 

Offenlegung: Der Reiseveranstalter regiomaris organisierte unsere An- und Abreise. Für die Hinfahrt mit dem Halunder-Jet und die Rückfahrt mit dem metronom haben wir nichts bezahlt. Auf der Internetpräsenz findet man noch ganz andere Tipps für Cuxhaven. Denn vielfältig ist Niedersachsens Nordspitze alle Mal.

Holmenkollen

Als wir Pauschaltouristen waren: Städtereise Highlights von Oslo

Zu einer Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo gehören 4 Stunden Landgang in Norwegens Hauptstadt. Viele Passagiere nutzen sie für eine Stadtrundfahrt. Bei Ankunft warten die Busse bereits vorm Terminal. Es geht ziemlich zackig los. Und richtig spät retour. Als Einzelperson würde man sich gar nicht wagen, so kurz vor knapp zurück an Bord zu kommen. D.h. die Stadtrundfahrt reizt die wenige Zeit vor Ort maximal aus.

 

Haakan VII

Ein Glücksburger führte die Norweger 1905 in die Unabhängigkeit: Haakan VII

 

Natürlich ist es unmöglich, die Highlights von Oslo in wenigen Stunden abzuklappern. Und doch können einheimische Guides in dieser Zeit eine Menge Wissenswertes vermitteln. Unsere Stadtführerin hatte die gleiche Zahnlücke wie Morten Harket von a-ha. Ihr Deutsch war fabelhaft. Der leichte Akzent bezaubernd. Während ihre Worte unsere erste innere Skizze von Oslo zeichneten, schraubte sich der Bus hinauf auf den Hausberg, den Holmenkollen.

 

Higlight: High! Light! Das Licht auf dem Holmenkollen

 

Im Rahmen der Stadtrundfahrt werden drei Stopps zwischen 30 und 45 Minuten eingelegt. Wären wir auf eigene Faust losgezogen, hätten wir andere Ziele angesteuert. Ich hätte mich nicht freiwillig vom Wasser entfernt und Volko war – als gebürtiger Schwarzwälder – der Meinung, er hätte in seinem Leben schon weit mehr als genug Skisprungschanzen gesehen. Wie wir uns geirrt hatten!

 

Skisprungschanze

 

Die Holmenkolmenbakken ist die einzige stählerne Skisprungschanze der Welt. Eine kühne, beeindruckende Konstruktion. Noch faszinierender ist die Atmosphäre im Mekka des nordischen Skisports. Die Farben, die klare Luft, der Ausblick auf die Stadt. Das alles ist grandios. Ich hätte sofort querfeldein laufen mögen.

 

 

Obwohl Norweger wahrlich keinen Mangel an menschenleeren Landschaften leiden, darf die boomende Hauptstadt sich nicht unendlich ausbreiten. „Wir wollen, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder noch herrliche Natur vorfinden“, erklärte die Stadtführerin. Direkt jenseits des „Dachs von Oslo“ geht es daher in die Einsamkeit. Im Sommer auf idyllischen Wanderwegen. Im Winter auf Langlaufskiern. Dann werden 200 (!) km Loipen und Rodelbahnen beleuchtet.

 

Holmenkollen

 

Pratkisch sei das mit der Beleuchtung, befand die Stadtführerin. „So müssen wir keine eigene Lampe mitnehmen.“ Sie sprach überhaupt viel von „wir“. Sie sagte niemals „man“. In Norwegen werden Allgemeininteressen stärker betont als Privatinteressen. Auch darum führt das Land in puncto Lebensqualität seit 15 Jahren das weltweite Ranking der UN an.  Viele sollen am Wohlstand partizipieren. Nicht nur einige Wenige, wie bei uns. Einer, der das früh verstand, war der Bildhauer Gustav Vigeland.

 

Highlight 2 – Kunst im Öffentlichen Raum: der Vigeland Park

 

Vigeland war ein Wahnsinninger. Sein Verhältnis zu den Nazis ist beispielsweise nicht unumstritten. Dazu passt auch die Ästhetik der monumentalen Werke. Insbesondere verdient aber seine Schaffenskraft das Prädikat „manisch“. Zu seinem Nachlass gehört der nach ihm benannte Park, für den er sich ausbedingte, er solle kostenfrei für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

 

 

Eigentlich ist der Park nicht wirklich ein Park, sondern eine einzige riesige Kunstinstallation. 212 Skulpturen, Brücken, Brunnen und Wege symbolisieren den Kreislauf des menschlichen Lebens. Es ist die größte von nur einem Künstler geschaffene Anlage der Welt.

 

Vigelandparken

 

Daneben scheint der Vigeland Park auch das bestbesuchte Highlight von Oslo zu sein. Wer mehr Zeit mitbringt, sollte sich den Besuch daher für die Abend- oder Nachtstunden aufheben. Der Park ist 24 h pro Tag geöffnet. 365 Tage im Jahr. Und in der Dunkelheit – natürlich – beleucht.

 

Vigeland Park

 

Oslo strotzt vor Kunst im Öffentlichen Raum. Und zwar nicht erst seit Milliardäre so unfassbare Kunst-Xandus wie den Ekebergparken (unseren Liebingsplatz) finanzieren. Bei Eröffnung des Vigeland Parks etwa galt Norwegen noch als Armenhaus. Bevor das Öl im Jahr 1969 zu sprudeln begann, war in Europa nur noch Albanien klammer. Heute parken die Anwohner der Hafenviertel ihre Motorboote vorm Haus.

 

Oslo

 

Ein eigenes Boot ist auch schon wieder so etwas Praktisches. Denn dann muss man keine öffentliche Fähre benutzen, um auf die Inseln im Oslofjord zu gelangen. Auf der Stadtrundfahrt wird Bygdøy angesteuert.

 

Highlight Bygdøy – der Fjord und die Inseln

 

Bydøy, die Museumsinsel, die eigentlich nur eine Halbinsel ist, besitzt alles, was ein Inselparadies braucht. Das Gefühl von Abgeschiedenheit und kleine Badestrände, Wanderwege und Ausflugslokale, das Sommerschloß des Königs und einige der berühmtesten Museen der Stadt. Der Eintritt zu zwei Museeen ist bereits im Preis der Stadtrundfahrt inkludiert.

 

 

Es ist keine leichte Entscheidung, ob man das Frammusem und/ oder das Kon-Tiki-Museum besucht. Im Frammuseum dreht sich alles um Polarforschungsreisen; insbesondere die Abenteuer der großen Seemänner Friedtjof Nansen und Roald Amundsen. Das Kon-Tiki-Museum ist dem Entdecker und Umweltaktivsten Thor Heyerdahl gewidmet. Beide Häuser sollen super sein.

 

 

Und weil wir uns nicht entscheiden konnten, machten wir gar nichts. Stromerten bloß ein wenig durch die Gegend. Bestaunten das Panorama von Oslo. Ließen uns auf einer Bank vor einem kleinen Leuchtfeuer die Sonne ins Gesicht scheinen. Sprachen kein Wort. Lauschten dem Plätschern der Wellen. Und waren sehr zufrieden, ausnahmsweise das Leben von Pauschaltouristen zu führen. Wir waren nämlich von der Color Line Reederei eingeladen worden, das Themenpaket „Oslo-Städtereise Highlights“ zu testen.

 

Oslo-Städtereise Highlights: 2 Üs an Bord, 1 Ü in Oslo

 

Als der Bus zunächst die Tagesgäste zurück zur Fähre brachte und im Anschluß die restlichen Reisenden in ihre jeweiligen Hotels, fühlte ich mich wie in Palma de Mallorca im Jahr 1988. So lange ist meine letzte Pauschalreise her. Und es war genau wie damals: diese Neugier, wer wo absteigt und die Spannung, was die eigene Unterkunft betrifft. Mit dem modernen, aufgeräumten Stadthotel Thon Europa hatten wir es gut getroffen.

 

 

Das Thon Europa liegt ruhig und dennoch zentral; nur wenige Minuten von der Prachtallee Oslos, der Karl-Johanns-Gate, entfernt. Neben dem wirklich außergewöhnlich liebevollen und verschwenderischen Frühstücksbuffet, begeisterte uns vor allem der geschützte Balkon im 8. OG mit fabelhaftem Blick auf den Schlosspark. Fußläufig liegt im Grunde alles, was ich für die eigentlichen Highlights von Oslo gehalten hatte – an denen wir im Rahmen der Stadtrundfahrt aber höchstens vorbeigerauscht waren.

 

Oper_Oslo

 

Trotzdem ist die Stadtrundfahrt eine echt gute Sache. Egal jetzt, ob man nur 4 Stunden oder einen zusätzlichen Tag in Oslo verbringt. Wer 2 Übernachtungen einplant (was eindeutig die bessere Variante ist), kann sich die Stadtrundfahrt schenken. Nicht jedoch den Holmenkollen. Er ist ein absolutes must-see. Bygdøy und Vigeland Park scheinen mir mehr eine Frage persönlicher Präferenzen. Zu unseren passten sie prima. Wie auch das Pauschalreisen sehr viel besser zu uns passte, als ich angenommen hatte.

 

Offenlegung: Kooperation Highlights von Oslo

 

Wer bucht überhaupt noch Pauschaltrips, hatte ich das Team von regiomaris gefragt, und vor allem: warum?  „Probiert es aus“, lautete die Antwort des Hamburger Reiseveranstalters, der für Ausflüge und Kurzreisen im Norden steht und diese Kooperation für uns eintütete. Es war die beste aller Antworten. Denn es hat mir doch tatsächlich null Komma null gefehlt, Preise zu vergleichen und Verkehrsverbindungen auzuklamüsern. Dafür herzlichen Dank!

 

Steinberghaff

Frühling, Sommer, Herbst und Steinberghaff

Der kleine, verschwiegene Strand von Steinberghaff liegt  – wie viele Strände in Angeln – ein wenig ab vom Schuss. Daher wird er in erster Linie von Eingeweihten angesteuert. Oder von Leuten, die zwanghaft jedem Wegweiser „Zum Strand“ folgen müssen. Es gibt einige solcher Wegweiser „Zum Strand“ entlang der B199, die hier oben „Nordstraße“ genannt wird.

Es lohnt sich immer, ihnen zu folgen, denn alle Strände sind ausgesprochen entzückend; auf diese zurückhaltende Art, die der Gegend zu eigen ist. Der Strand vor Steinberghaff ist der heimeligste. Er befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Kappeln und Flensburg. Von dort geht es 2,5 km durch Felder und Dörflichkeit direkt zum Strandhotel.

 

 

Das Strandhotel markiert das nördliche Ende von Steinberghaff. Das Haus liegt etwas erhöht; nach Norden abgeschirmt von Baumriesen. Es wurde wohl über die Jahrzehnte sukzessive kaputtrenoviert. Alles, was neu ist, schein zu rabiat gegen den zarten Zauber, der an einigen, wenigen Stellen noch durchschimmert. Etwa in Gestalt kleiner Holzpavillons, die einst als Erfrischungsbuden fungierten. Dem Hörensagen nach wird der Pavillon des Biergartens zur Weihnachtszeit als Glühweinausschank genutzt. Aber ich kenne ihn nur verrammelt. Genau wie ich auch noch nie jemanden auf der sogenannten „Sand-Terrasse“ liegen sah, die ausschließlich Hotelgästen vorbehalten ist.

 

 

Meine Lieblingsbank steht unter meinem zweitliebsten Baum von Steinberghaff – direkt neben der Sand-Terrasse des Strandhotels. Es ist eine alte Kastanie, wie sie sich Herr Sumsemann nicht schöner wünschen könnte. Von der Kastanie zu meinen Lieblingsbaum mag es vielleicht 1 km sein. Diesen Kilometer kann ich maximal im Schlendertempo zurücklegen. Denn wenn ein Strand so klein ist wie der von Steinberghaff, werden alle Details bedeutsam. Dann begrüßt man jeden Findling und jedes Seegraskissen wie alte Bekannte und nimmt sich Zeit zu einem kleinen Gedankenaustausch.

 

 

Wo der Weg in den Wald abnickt, sollte man unbedingt noch ein wenig weiter am Strand über Wackersteine balancieren. Bis zu der wunderbaren Eiche, meinem Lieblingsbaum. Er streckt sich ein bisschen schräg in die Welt. Und es ist unmöglich zu sagen, ob er im Frühling, Sommer oder Herbst am schönsten ist. Vielleicht ist auch der Winter seine beste Zeit. Ich werde das hoffentlich irgenwann einmal überprüfen können.

 

 

Im Rücken der Eiche spannt sich ein überdimensionales Holztor über gleichermaßen empfehlenswerte Pfade. Sie führen in den Wald hinein, zum Gut Östergaard hinauf oder die Küste hinunter. Ich weiß nicht, wer das Tor errichtet hat oder warum. Doch ich muss hier immer an das Ende von Susanna Tamaros bekanntestem Roman denken. (Denn das ist ja das Geheimnis von Stränden: auch die kleinsten bieten Platz genug für große Gefühl.)

 

 

„Und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor dir auftun werden und du nicht weißt,
welchen du einschlagen sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall, sondern setz dich, und warte. Atme so tief und vertrauensvoll, wie du an dem Tag geatmet hast, als du auf die Welt kamst, lass dich von nichts ablenken, warte, warte noch. Lausche still und schweigend auf dein Herz. Wenn es dann zu dir spricht, steh auf, und geh, wohin es dich trägt.“

 

Baum

Oktoberfest in Norddeutschland