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Brodtener Steilufer

Das Brodtener Steilufer – gerade lang genug für einen kurzen Wintertag

Von Travemünde mäandert ein so herrlicher wie beliebter Wanderweg nah am Brodtener Steilufer nach Niendorf. Steiluferwege sind aus verschiedenen Gründen großartig. Unter anderem weil sie Rundwanderungen mit permanentem Meerblick ermöglichen. Hin oben, retour unten. Oder andersherum. Und was schöner ist, kann man eigentlich gar nicht sagen. Weiterlesen

Kraft tanken und Ruhe finden

Über den Sommer erschienen im DuMont Verlag vier Deutschland-Bände der erfolgreichen Eskapaden-Reihe. Die Activeguides enthalten ein Best-of der regionalen Bücher. Über 40 gibt es davon mittlerweile. Zwei davon haben wir erdacht/ geschrieben/ fotografiert. Daher sind wir auch in den vier deutschlandweiten Eskapaden vertreten. Weiterlesen

Bottsand

Kleines Lebenszeichen: der Bottsand

Ich musste gestern an den Bottsand denken, ein winziges Naturschutzgebiet in der Nähe von Laboe. Mein letzter Besuch ist schon eine Weile her. Es war beim ersten Lockdwon im März, einen Tag bevor sämtliche Urlauber Schleswig-Holstein verlassen  mussten. Unfassbar schien damals, woran man sich nun fast schon gewöhnt hat.

 

Bottsand

 

Im März ist es traditionell noch relativ ruhig an der Ostseeküste. Die Saison startet fast überall erst mit den Osterferien. Die Stille im vergangenen März war natürlich um einiges tiefer als gewöhnlich. Die wenigen Touristen waren abgereist und von den Einheimischen hatte niemand einen Grund, die üblichen Frühlings-Vorbereitungen zu treffen. Es hatte etwas von vergangenen Zeiten, als die Probstei noch am Ende der Welt lag. (Probstei? Noch nie gehört? Auf Lumao gibts mehr Infos.)

 

Bottsand

 

Jedenfalls: vor etwa 150 Jahren modellierten Wind und Wellen am Strand von Wendtorf in der Probstei einen Landvorsprung aus Meeressand. Diesem ersten Nehrungshaken folgte ziemlich exakt alle zehn Jahre ein weiterer. 1939 wurde der damals erst 15 Hektar große Bottsand unter Schutz gestellt.

 

Bottsand

 

Es gab eine Menge Leute, die auf den Naturschutz pfiffen. Sie wollten trotzdem genau dort an den Strand. Über Jahrzehnte schien es unmöglich, ihnen begreiflich zu machen, welchen Schaden sie damit anrichteten. Das erinnert ein bisschen an diejenigen, die sich heute nicht an Abstandsregeln halten. Aber was will man machen? Sie verhaften?

 

Bottsand

 

Im Fall des Bottsands hatte irgendjemand eine wirklich gute Idee. In den 1960er Jahren, der Nehrungshaken war inzwischen schon 70 Hektar groß und Naturschutz einer wachsenden Gesellschaftsschicht wichtig geworden, verhandelte man eine neue Nutzungsverordnung. Diese räumte dem Verein der Freunde der Freikörperkultur e.V. einen Sandstreifen im nördlichen Bereich des Nehrungshaken ein. Und das brachte die Wende.

 

Bottsand

 

So robust wie sich die Naturschutzverächter Pflanzen und Tieren gegenüber verhalten hatten, so zartbesaitet zeigten sich nun ihre Seelen beim Anblick der Nackedeis. Es wurde ruhig an der Nordspitze des Bottsandes. Sie entwickelte sich zu einem wunderbaren Refugium bedrohter Arten aus Flora und Fauna.

 

Lieblingsspots in der Probstei: 3. Bottsand

 

Heute herrscht auf dem Bottsand weitflächig Betretungsverbot. Nur in südlicher Richtung kann man hier entlang einer Dünenkette spazieren, wie es sie nur noch sehr, sehr selten an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein gibt.

 

Bottsand

 

Natürlich ist nicht alles gut geworden. Schleswig-Holstein ist kein Märchenland, sondern ganz dem Tourismus und der Landwirtschaft unterworfen. Und auch wenn das Naturschutzgebiet mittlerweile mehr als 90 Hektar misst, ist es noch immer viel zu filigran und zerbrechlich, um alle Urlauber ringsum auszuhalten.

 

Bottsand

 

Der Bottsand wird von massig Campingplätzen und der Marina Wendtorf beinahe erdrückt. Auch setzte ihr Bau dem Wachstum der Nehrungshaken 1972 ein Ende. Im gleichen Jahr wuchs hier eine Trabantensiedlung in den Himmel, die sich in der ländlichen Umgebung recht bizarr ausmacht. Der Fisch frisch vom Kutter an der Promenade ist allerdings prima und der Blick auf den unberührten Teil des Naturschutzgebietes wunderschön.

 

Marina Wendtorf

 

Ich habe mich in den vergangenen Monaten oft an den Bottsand erinnert, weil er mir ein bisschen vorkommt wie mein eigenes Leben. Es passiert so viel Hässliches und Bedrohliches auf der Welt. In Relation dazu kommt mir meine eigene Position in ihr doch recht sicher und geschützt vor. Ich will nicht sagen, dass Deutschland eine Insel der Glückseeligen ist. (Aber unterm Strich eigentlich doch).

 

Das Leben – ein Bottsand 🙂

 

Natürlich ist auch für mich seit der Pandemie nicht alles optimal gelaufen. Und zum Bloggen bin ich in letzter Zeit erst gar nicht gekommen. Ich musste ein paar Nehrungshaken bilden, könnte man sagen. Einige Schutzzäune ziehen. Davon erzähle ich dann demnächst sicher mal mehr, wie ich überhaupt wieder regelmäßiger Lebenszeichen senden werde. Bis zum nächsten Beitrag also ein herzliches Ahoi!

 

Lieblingsspots in der Probstei von Norden nach Süden

 

  1. Die Lagune von Laboe
  2. Die Brücke von Stein
  3. Der Bottsand
  4. folgt
  5. Strandseenlandschaft bei Schmoel
  6. Steinparadies Hohenfelde

Als welkten in den Himmeln ferne Gärten

Bei allen aktuellen Unsicherheiten und Unmöglichkeiten bin ich heilfroh über alles, das verlässlich wunderbar und möglich bleibt. Zu diesen guten Dingen gehören Wälder. Sie schwingen sich ja nun gerade zur Höchstform auf. Sind also prädestiniert, uns in den nächsten Wochen Trost zu spenden, Atempausen zu schenken oder wenigstens für einen Moment vollkommen zu bezaubern. Weiterlesen

Albersdorf

Meer | Wald

Vor Ewigkeiten wand ich mir für das Gieselautal in Albersdorf mal diesen Knoten ins Taschentuch. Oft bin ich seitdem schon durch Albersdorf hindurch oder an Albersdorf vorbei gefahren. Und jedes Mal dachte ich, wie ungewöhnlich mir die Gemeinde am Nord-Ostsee-Kanal erscheint. Ist sie doch waldreich und die Landschaft hügelig. Nicht die Attribute, die man spontan mit Dithmarschen verbindet.

 

Albersdorf Gieselautal

 

Allein der innere Magnet, der mich immer ans Meer zieht, hatte mich bisher vom Gieselautal abgehalten. Nun sind in diesem Jahr ziemlich viele Dinge zusammengekommen, die dazu führten, dass ich den Wald lieben lernte. Darum machte ich letzte Woche auf meinem Weg an die Nordsee endlich mal einen Abstecher nach Albersdorf.

 

Fichten

 

Albersdorf liegt in einer typische Altmoränenlandschaft, so bummelig 130.000 Jahre alt. Täler, wie das Gieselautal haben sich außergewöhnlich tief eingeschnitten. »Bewegtes Landschaftsrelief« nennt das die Uni Kiel. Ich fands mystisch, entzückend, beruhigend, zum Jubeln schön… hinter jeder Biegung ergriff mich ein anderes Gefühl. Und zu gern wäre ich direkt, der Variante des Fernwanderwegs E1 gefolgt, die sich ein paar Hundert Meter mit dem Naturpfad durch das Gieselautal teilt.

 

Wald Albersdorf

 

Vor etwa 4.000 Jahren tummelten sich in Albersdorf und Umgebung Steinzeitmenschen. Darum gibt´s hier auch einen Steinzeitpark. (Ich bin für solche Späße leider nicht zu haben. Doch alle, die mal da waren, berichten das Beste. So auch Miss Jones). Und eins muss ich sagen: den Naturpfad haben die Leute vom Steinzeitpark wirklich großartig hingekriegt.

 

Herbst

 

Der Rundweg durch das Gieselautal ist voller kleiner Wunder. Unter anderem zwei natürlichen Kneippbecken und einer uralten Rotbuche, deren Wurzelwerk zur Hälfte in der Luft liegt. So blieb ich mehr stehen, als dass ich ging. Und trotzdem war er viel zu kurz, nicht einmal zwei Kilometer. Darum hängte ich noch den Wanderweg von »Lisbeth ehrn Dieck« dran. Selbst damit summierte sich die Sache bloßt auf gute fünf Kilometer. Und daher hatte ich noch ordentlich Luft für einen Spaziergang am Meer.

 

LisbehternDiek

 

Vom Wald in Albersdorf an die Nordsee in Friedrichskoog

 

Kohlfeld

 

Die nächstgelgene Küste ist von Albersdorf gesehen mit knapp 30 Kilometern die Meldorfer Bucht. Ich wollte aber unbedingt nach Friedrichskoog. Was bei einer Entfernung von 40 Kilometern etwas länger dauert. Und trotzdem war es noch sehr eindrucksvoll, wie schnell man von einer Welt in eine vollkommen andere gelangen kann.

 
Friedrichskoog Spitze
 

Seit ich 2014 zum ersten Mal vollkommen überwältigt auf dem Trischendamm in Friedrichskoog Spitze ins Wattenmeer hinaus spazierte, hat sich einiges getan in Schleswig-Holstein. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 46%! Das muss man sich mal vorstellen.

 
Queller
 

Der für den Tourismus zuständige Minister, ein gewisser Herr Buchholz aus Berlin, dankte neulich in einem Interview den Schleswig-Holsteinern, die im Sommer 2020 so freundlich gewesen waren, den Urlaubern den Vortritt am Strand zu lassen. Ich fand das zynisch, denn ich persönlich kenne eine Menge, die das nicht aus Freundlichkeit taten, sondern schweren Herzens wegen Überfüllung. Dabei bin ich weder Ministerin noch lebe ich in Kiel. Andererseits bin ich aber auch nicht in der FDP.

 

Salzwiesen
 

Jedenfalls: in Friedrichskoog Spitze herrschte für einen Wochentag im Herbst sehr viel mehr Betrieb als ich es je zuvor erlebt habe. Aber das ist hier immer noch relativ. Relativ ruhig nämlich, schön still. So wie ich es eben mag. Und das ist übrigens einer der Gründe, warum ich in diesem Sommer den Wald lieben lernte. Es ist dort immer weniger los als am Strand. Selbst jetzt im Herbst, wo ein Waldausflug ja eigentlich zum Pflichtprogramm gehört. Selbst wenn es einen sont immer ans Meer zieht. Die Kombi Albersdorf | Friedrichskoog kann ich sehr empfehlen.
 

Norddorf

Kurztrip nach Amrum

»Sie sind also dis erste Mal uff Amrum«, berlinert der Taxifahrer auf dem Weg vom Fähranleger in Wittdün nach Norddorf im Inselnorden. Weil niemand, der sich auskenne, so behauptet er, über Dagebüll anreisen würde. Jedenfalls nicht, wenn man ohne Auto kommt. Dann würde man den Adler von Nordstrand nehmen. Der schippere schließlich a) an den Seehundsbänken vorbei und b) zahle die Reederei den Parkplatz. Verdammt, denke ich. Anfängerfehler. »Dis is ja schon n janzen Urlaubstach wert mit den Robben«, rührt er in der Wunde herum. »Grad, wenn man nur n paar hat.«

 

Amrum Faehre

Verkehrsmittel ohne Mundschutzpflicht (Nur auf Deck versteht sich. Wer auf Nummer Ganz Sicher gehen will oder muss: es ist aktuell erlaubt, die Schiffsreise im eigenen Auto zu verbringen.)

 

Aber was soll´s. Die Anreise nach Amrum war auch so super. Eine Wucht, wie man in Berlin sagen würde. Ich mag den komischen Hafen von Dagebüll Mole. Ich mag die Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei. Und ich finde es herrlich, langsam an Föhr vorbei zu tuckern und an Halligen, einen kleinen Blick von Sylt zu erhaschen, bevor Amrum alle Gedanken an anderen Insel aus dem Gehirn löscht.

 

Norddorf

 

Die kleinste der nordfriesischen Inseln ist nur 10 km lang. Hoppla hopp sind wir von Wittdün in Süddorf, vorbei an Steenodde und Nebel, wo wir letztes Mal logierten. Im Winter vor zwei Jahren. Und dann haben wir auch schon Norddorf erreicht. »Nüscht los da jetzt«, behauptet Dr. Allwissend. »Sind alle am Strand. Ab morgen ist ja Regen anjesacht.« Der Mann versteht es, gute Laune zu verbreiten. Berliner Taxifahrer ebend.

 

Norddorf: die Sonne brennt

 

»Ich glaub, ich weiß, wer Sie sind«, sagt die Dame an der Rezeption des Hotels Hüttmann. Wirklich, Inseln sind doch eine Welt für sich. Anders als der Taxifahrer, will sie aber nicht small-talken. Sondern händigt uns gleich den Schlüssel aus und sagt: »Gehen Sie jetzt erst einmal an den Strand. Unterhalten können wir uns später immer noch«. Und da weiß ich, dass es sich um Frau Koßmann handelt, die uns ein bisschen etwas über das Haus erzählen wird, dass sie mit ihrem Mann, dem Ururenkel des Gründers, betreibt. Aber dazu später mehr. Jetzt erst mal ab an den Strand.

 

Norddorf Strand

 

Endlose Dünen, dahinter eine Sandwüste, so breit, dass sie schwerlich je überlaufen sein könnte – ganz klar, Norddorf ist ein Urlaubsparadies. Während ich beim letzten Besuch dachte, Nebel sei das Beste auf Amrum, denke ich nun ebenso von Norddorf. Wer es langweilig findet, im Strandkorb zu chillen, zu baden und immer bloß aufs Meer zu gucken, kann ewig Richtung Süden laufen. Oder nach Norden um die Odde.

 

Norddorf Inselspitze

Die Odde ist die Inselspitze von Amrum

 

Die Odde ist ein langgestreckter, schmaler Dünenzug, der als wichtiges Vogelschutzgebiet nicht betreten werden darf. Man kann ihn nur am Strand umrunden. Wir hatten das schon mal probiert, im Winter, mussten aber auf halber Strecke aufgeben, weil das Wasser zu hoch stand. Nun kann ich die Umrundung endlich vollenden. Und lege mich fest: Das sollte man mal erlebt haben. Warum? Steht hier.)

 

Must-do Norddorf: Wanderung um die Amrum-Odde

 

Allerdings: zieht sich die Sache doch länger als ich dachte. Aber einem bestimmten Punkt wird mir klar, dass es knapp wird mit dem Abendessen. Und zwar egal, ob ich jetzt umkehre oder weiterlaufe. Also laufe ich weiter. In ziemlich zackigem Tempo. Gleichzeitig vollkommen eingenommen von der Landschaft. Der endlose Weite an der Brandungsseite, der Stille an der äußersten Inselspitze, der herben und zugleich sanften Schönheit der Wattseite.

 

Norddorf Wattseite

Wattseite Amrumer Odde

 

Norddorf erreiche ich gerade noch rechtzeitig zum Abendessen. In Zeiten von Corona muss man pünktlich sein, wenn man nicht alles durcheinanderbringen will. Oder irgendjemanden gefährden. Alles geht derzeit etwas geplanter zu als normalerweise. Auch im Hotel Hüttmann, wo wir mit Halbpension logieren. Etwas, dass ich sehr, sehr lange, ich glaube, es sind Jahrzehnte, nicht mehr gemacht habe und sich daher nach „früher“ anfühlt.

 

Das erste Haus am Platz: Hotel Hüttmann in Norddorf

 

Der Badebetrieb in Norddorf begann 1890, als ein Pastor aus Bielefeld ein Seehospiz eröffnete. Zu den ersten Gästen gehörte auch Heinrich Hüttmann. Der Eisenbahnsekretär war wegen eines Asthmaleidens gekommen. Es besserte sich rasch auf der Insel. Verschlechterte sich aber zurück in Altona genauso rasch. Also zog die Familie Hüttmann gleich ganz auf die Insel und ging 1892 mit dem „Ersten Hotel am Platze“ an den Start. Das war die Wahrheit – es gab nämlich kein anderes.

 

Huettmann Amrum

 

Zugegeben zunächst handelte es sich bloß um vier Fremdenzimmer im umgebauten, alten Schulhäuschen. Erst über die Jahrzehnte und Generationen entwickelte sich die bescheidene Reetdachkate zum Seepensionat und schließlich zum größten Privathotel an der Westküste. Das Ensemble aus sieben Häusern hielt ich bei unserem ersten Besuch in Norddorf für den Ortskern. Das liegt an der Hüttmannwiese, die in etwa funktiert wie ein Dorfplatz. Es finden dort Spiele für Kinder statt und Feste für alle. Der Hüttmann-Pavillon im Jahrhundertwende-Look offeriert Kaffee & Kuchen, Fischbröten, halbe Hähnchen(!) und Sundowner.

 

 

Manches hat sich gar nicht so sehr verändert, seit ein Hotelprospekt in den 1930er Jahren warb: »Gegessen wird in zwei großen, hellen Speisesälen und verschiedenen separaten Speisezimmern… Sonst bieten behagliche Nischen… offene Veranden und schattige Plätze im Freien jederzeit einen angenehmen Aufenthalt.«  Und auch das stimmt bis heute: »Die Verpflegung ist reichlich und gut«. Sie ist sogar sehr gut. Der gebratene Heilbutt ein Gedicht. Die Krabbensuppe köstlich. Nur eines war früher anders: »Die Bedienung der Gäste erfolgt durch bessere, junge Mädchen, was allgemein als angenehm empfunden wird.«

 

 

All das und einiges mehr erzählt Frau Koßmann nach dem Abendessen. Es ist eine warme Nacht und die Veranda genau der richtige Ort, um Insel- und Hotelgeschichten zu hören. Natürlich sprechen wir auch über Corona. Schrecklich war´s und schön, als die Insulaner ihr Amrum im Frühjahr zum ersten Mal seit 130 Jahren wieder für sich hatten. Diese Gleichzeitig von wunderbarer Ruhe einerseits und existenziellen Sorgen andererseits, sind eine Erfahrung, die wir alle miteinander teilen. Nur dass sich die Kombi winzigen Insel und Verantwortung für ein wirklich großes Hotel noch einmal extremer anhört.

 

Strandtreppe

 

Inzwischen hat sich alles einigermaßen eingespielt. Mit erhöhtem Aufwand an und auch vom Personal lassen sich Abstandsregeln und Hotelbetrieb ganz gut vereinbaren. Auch ist die Buchungslage wie in allen beliebten Urlaubsregionen erfreulich. Aber ob die Rechnung letztlich aufgeht, wird erst das Saisonende entscheiden. Ob auch im November genügend Gäste kommen oder im Januar? Als wir dann irgendwann doch noch den Weg über die Hüttmannwiese zu unserem Zimmer finden, strahlen die Sterne trotz aufziehender Wolken hell.

 

Norddorf, 08.30 Uhr, wieder mal Regen

 

Der Sommer war zu trocken. Darum wollen wir auch gar nicht meckern, dass heute Regen in der Luft liegt. Zudem eignet sich das Wetter ganz hervorragend für eine Radtour über die Insel. Einer der insgesamt drei Radwege von Amrum führt von Norddorf nach Wittdün beinahe durchgehend durch den Wald. Amrum ist die waldreichste Nordseeinsel. Der Wald wurde in den 1950er Jahren angelegt, um Holz zu liefern und vor Sandpflug zu schützen. Er schützt nebenbei auch vor heftiger Sonne, Wind und Nieselregen.

 

Wald Amrum Norddorf

 

Unser erstes Ziel ist die Vogelkoje, eine historische Fanganlage für Wildenten. Ich kenne soetwas schon von Sylt und Fanø, mag es mir aber nie so genau reinziehen, weil es mir zu grausig ist. Doch auch wenn man den Entenfang weglässt und sich ganz auf die Natur konzentriert, lohnt sich der Besuch des kleinen Urwäldchens auf alle Fälle. Noch besser ist der Spazierweg zum Quermarkenfeuer, der direkt neben der Vogelkoje seinen Anfang nimmt.

 

 

Beim Amrumer Wahrzeichen, dem Leuchtturm, endet der Waldweg. Hier standen wir schon vor zwei Jahren  im Regen und verzichten daher genau wie heute auf den Aufstieg. Und wie beim letzten Mal landen wir auch dieses Mal mit schon recht feuchten Klamotten in Wittdün. Den Plan, an der Wattseite zurück zu radeln, geben wir auf. Stattdessen geben wir richtig Stoff. Und sind trotzdem nass bis auf die Knochen, als wir Norddorf erreichen.

 

Regen Amrum

 

Ist man vollkommen durchnässt, drängen sich in einem Hotel am Meer drei Vergnügen auf: 1. Heiße Dusche und in einen flauschigen Hotel-Bademantel kuscheln. 2. Ab ins nächste obergemütliche Café (wir verzichten bedauernd, weil schon in wenigen Stunden das dreigängige Halbpensions-Abendmenue lockt). 3. Und nur im speziellen Fall von Norddorf – ein Kinobesuch. Im LichtBlick an der Hüttmannwiese läuft täglich um 16.00 Uhr „Luv und Lee, Amrum – der Film“. So einen Streifen hat sich der Kinochef und gebürtige Amrumer Ralf Thomsen sein Leben lang gewünscht – und schließlich einfach selbst realsiert. Prädikat: Anschauen!

 

Abreise aus Norddorf: Es ist ziemlich windig

 

Abreisetage sind nie das Beste am Kurztrip. Kofferpacken, Auschecken, Verkehsmittel ansteuern, das sind bringt alles nicht so richtig viel Spaß. Auch werde ich dabei leicht wehmütig und ich hoffe immer auf schlechtes Wetter, damit der Abschied weniger schwer fällt. Doch dieses Mal genieße ich meinen frühmorgendlichen Abschiedsspaziergang in vollen Zügen.

 

Schattenspiel

 

Reist man nämlich mit einer Fähre ab, endet der Kurzurlaub mit einem Finale. Im Fall von Amrum ist es sogar besonders prima. Die Überfahrt dauert herrliche 1,5 Stunden. Auch gilt das Ticket für Fußgänger*innen den ganzen Tag. Ob man die erste, die letzte oder eine Fähre dazwischen nimmt, entscheidet man einfach spontan.

 

Amrum Kniepsand

Der Moment, wenn Du eine Insel erreichst.

 

Weil sich zudem in der Wartehalle am Hafen von Wittdün auch noch Schließfächer fürs Gepäck befinden, kann man den Abreisetag ganz unbeschwert genießen. Dass wir das getan haben und was wir getan haben, habe ich ja neulich schon erzählt. Und dass wir hoffentlich noch einmal wiederkommen auf die Insel auch. Ich hab jedenfalls schon mal einen Prospekt der Adler Fähre eingesteckt. Dann werden wir von Nordstrand – an den Seehundsbänken vorbei – nach Amrum schippern.

 
Wittduen Inselspitze
 

PS.: Ich hab natürlich noch mal die Fakten gecheckt: bei einem Kurztrip nach Amrum, also mit 2 Übernachtungen, geht die Rechnung des Taxifahrers zumindest finanziell nicht auf. Die Parkplatzgebühr in Dagebüll entspricht dann in etwa dem Betrag, den der Adler ab Nordstrand mehr kostet als die Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei.

Wir danken AmrumTouristik für die Unterstützung unserer Recherchereise und die Übernahme von Anreise, Unterkunft und Abendessen auf der Insel sowie Frau Koßmann und dem ganzen Team vom Hotel Hüttmann für den wunderbaren Aufenthalt.

Der NordNerds Monatsrückblick für August

Es war ein großer Sommer. Es war ein seltsamer Sommer. So seltsam, dass selbst die nerdigsten NordNerds (bzw. deren Gastautorinnen, ganz konkret: ich) ihre großen Reisen in den Norden sausen ließen/ lassen mussten. Umso mehr freue ich mich am Rückblick auf den August 2020 – und an den Eindrücken, die die NordNerd-Gemeinde aus dem hohen Norden mitgebracht hat.  Weiterlesen

Sonnenschirm

Bücher für perfekte Wochenenden in Deutschland & Hamburg

Enthält Werbung in halb-eigener Sache | Zunächst, liebe Blog-Leserinnen und Leser, vielen Dank für Eure Infos auf unterschiedlichsten Wegen bezüglich der verschwundenen Kommentare. Das war keine Absicht, sondern ein technisches Malheur. Nun ist, so hoffe ich, alles wieder in Ordnung. Bis auf den Tag, der uns dadurch verloren ging. Das passte gerade gar nicht ins Konzept. Im Spätsommer will ich nämlich möglichst häufig raus. Die letzten schönen Wochen genießen. Weiterlesen

Hamburger Hallig

Auf die Hamburger Hallig zurückkommen

Ich wollte längst schon auf die Hamburger Hallig zurückkommen. Eigentlich schon seit dem Beitrag über das nördliche Nordfriesland. Doch konnte ich mich in den letzten Wochen zu beinahe gar nichts aufraffen. Mir war´s zu heiß in Norddeutschland (dass ich das mal sagen würde!). Und zu trubelig. Weiterlesen