Neueste Artikel

PlantenunBlomen

In allernächster Nähe bleiben

Till Schweiger beschwerte sich vor einigen Tagen, dass die Spaziergänger*Innen im Hirschpark an der Elbchaussee keine Rücksicht aufeinander nähmen. Dass sie keinen Abstand zueinander hielten und für Entgegenkommende nicht zur Seite treten würden. Aus St. Pauli kann ich das zum Glück nicht berichten. Ganz im Gegenteil.

 

 

Vielleicht sind St. Paulianer im Teilen einfach sehr gut geübt. Ich beobachte jedenfalls viel Rücksichtnahme. Natürlich ist es schwierig, eingefahrene Gewohnheiten abzulegen. Natürlich ist man sich nicht in jeder Sekunde seines Handelns absolut bewusst. Natürlich steht man also auch mal gedankenverloren im Weg oder weicht nicht weiträumig genau aus. Aber nicht absichtlich, glaube ich. Und jeden Tag läuft es noch ein bisschen besser.

 

 

Über Nacht hat sich unser Leben in unerhörter Weise verändert. Wie tapfer die meisten darauf reagieren, ist doch wirklich erstaunlich. Wenn man nur mal daran denkt, wie schwer es uns normalerweise fällt, eine lästige Gewohnheit abzulegen oder eine gute in den Alltag zu integrieren!

 

Planten un Blomen
 

Wie viele Ausflüchte wir normalerweise finden, warum wir gerade jetzt nicht mit dem Rauchen aufhören können, mit dem Joggen beginnen, abnehmen oder püntklich die Steuererklärung abgeben. So besehen ist die Kehrtwende beachtlich, die jede*r Einzelne gerade von uns hinlegt – trotz zum Teil fundamentaler Probleme und Ängste. Hut ab, liebe Mitmenschen.

 


 

Ich weiß schon, was Till Schweiger meint. Ich habe mich selbst schon über die geärgert, die das Kontaktverbot missachten oder unnötige Fahrten unternehmen. Ich habe selbst schon mit übertriebener Mimik und Gestik an der Supermarktkasse meine Verärgerung deutlich gemacht. (Wodurch ich mich nicht besser fühlte sondern höchstens albern – und die Gemeinten beeindruckte ich sowieso nicht besonders).

 


 

Ich kann die anderen und die Umstände nicht ändern. Meinen Blickwinkel allerdings. Ich kann beklagen, wie klein mein Radius geworden ist. Wie groß die Sehnsucht nach Weite. Oder ich kann die Tiefe wahrnehmen. Das fällt im Frühling nicht schwer. Denn der Frühling findet ja überall statt. Und ist überall voller Wunder.

 


 

Im Frühling ist es gar nicht so übel, die immer gleichen Wege zu gehen. Dann fällt es einem sofort auf, wenn etwas Neues die Nase aus der Erde streckt. Dann merkt man sofort, wenn ein anderer Duft durch die Luft schwebt. Andere Vögel singen. Darum lohnt es sich auch jeden Tag rauszugehen. Genau wie es sich lohnt auf die zu achten, die sich ebenso um Rücksicht bemühen wie man selbst. Das sind nämlich die meisten.

 


 

Die Fotos zeigen meinen Lieblingspark – Planten un Blomen.

Stein

Zwecklos aber sinnvoll – die Brücke von Stein

In Stein zieht sich eine 300 Meter lange Mole in die Ostsee. Unterbrochen wird sie von einer Brücke. Die spannt sich allerdings nicht über Wasser, wie Brücken es sonst sinnvoller Weise tun. Sondern über Sand. Vielmehr eine Sandbank.

 

Findling

Stein in der Probstei

 

Die Brücke scheint keinem weiteren Zweck zu dienen. Außer dass man darüber gehen kann und darunter hindurch. Was ich natürlich tue. Nur so. Auch wenn ich genauso gut den geraden Weg zum Molenkopf nehmen könnte. Doch für gerade Wege gibt es für mich gerade keinen Grund mehr. In meinem Kalender herrscht die gleiche Leere wie am Strand von Stein.

 

Mole Stein

 

»Stein, kleines Fischerdorf (350 Einwohner), an der Kieler Außenförde… der Strand ist gut, der Wellenschlag ziemlich kräftig… das Badeleben ist einfach und ruhig. Dampfer von Kiel stündlich nach Laboe. Von da an in 1 Stunde nach Stein zu Wagen.« So zitiert eine Infotafel Meyers Reiseführer aus dem Jahr 1910.

 

Bevor die Panik mich erfasst: Wandern von Laboe nach Stein

 

Erstaunlich. »Der Wagen« fuhr vor hundert Jahren offenbar genauso schnell wie die gemeine Strandläuferin heute wandert. Von Laboe nach Stein sind es bloß gute vier Kilometer entlang des Förderwanderwegs. Und ich denke darüber nach, in meinem Reiseführer statt des Wagens lieber die Wanderung zu empfehlen.

 

Steilkueste

 

Denn was sind das für wunderbare, supertolle vier Kilometer zwischen Laboe und Stein. Etwa die Hälfte davon entlang der Steilklippen. Und dann fällt mir wieder ein, dass ich ja gar nicht weiß, ob dieser Reiseführer überhaupt zustande kommen wird. Bevor die Panik mich erfassen kann, verbiete ich mir weiter zu denken. Aus dem gedanklichen Fahrstuhl aussteigen, bevor er in den Keller rauscht. Das ist meine derzeitige Strategie.

 

Steilklippen Stein

 

Es gibt viele Gründe, in Panik zu geraten. Für Millionen geht es um die Existenz. Alleinstehende kämpfen mit Einsamkeit. Die seelischen und körperlichen Herausforderungen im Gesundheitswesen sind enorm. Für manche Erkrankte gibt es keine Hilfe. Und so weiter und so fort. Unter beinahe jedem Dach ein Ach.

 

Strand Stein Probstei

 

Das war schon immer so. Auch vor 100 Jahren, als die Fischer von Stein kaum mehr genug fingen, um sich davon zu ernähren. Im Winter 1924/25 verlangten sie, 180 Meter der Mole einzureißen. Sie erhofften sich davon den Abtrag der Sandbank und somit einen besseren Zugang zur freien See. Aber das Gegenteil geschah. Die Dünenlandschaft wuchs sogar noch weiter.

 

Duenenlandschaft Stein

 

Es bringt nichts, sich gegen gewissen Umstände zu stemmen. Wir haben nicht alles unter Kontrolle. Je eher wir die aktuelle Situation annehmen, je eher wir aufhören zu hadern und zu schimpfen und einen Schuldigen zu suchen, desto schneller werden wir uns auf die Zukunft konzentrieren können. So sagte es ein Psychologe im Radio.

 

Steiner Mole

 

Auch wenn sehr viele unter uns jeden Grund zur Panik haben, so hat sie doch gar keinen Sinn. Für eine Brücke am Strand gilt das Gegenteil. Es gibt für sie gar keinen Grund. Und doch scheint es mir ungeheuer sinnvoll, sie zu überschreiten und zu unterscheiden oder beides. Nur so. Ich werde mir Vergleichbares suchen müssen für die Zeit, in der ich nicht nach Stein kommen kann.

 

Stein Probstei

 

Zur Hochform laufen Mole, Brücke und Sandbank im Sommer auf. Dann werden blaue weiße Badehäuschen am Molenkopf errichtet und Strändkörbe schmiegen sich in die Dünen- und Schilflandschaft. Solange es nicht möglich ist, den Strand auf eigene Faust zu entdecken, müssen Bilder reichen: klick.

 

Lieblingsspots in der Probstei: 2. Mole von Stein

 

Die Mole mit der zweckfreien aber sinnvollen Brücke liegt in der Probstei, einer Region im Kreis Plön. Sie wird umrahmt von zwei weiteren Probsteier Lieblingsorten von mir, die beide fußläufig zu erreichen sind.

In Richtung Kiel spaziert 2,5 Kilometer entlang der Steilklippen von Stein bis zur Lagune von Laboe. Den anderen Lieblingsplatz kann man von Stein schon sehen – Bottsand. Aber davon erzähle ich dann ein anderes Mal.

 

Bottsand

Blick auf meinen Lieblingsort Bottsand

 

HafenCity Versmannstrasse

HafenCity zum Nachbummeln – im Quartier Baakenhafen

Wenn man meint, alle Wege in Hamburg gegangen zu sein und nichts Neues mehr entdecken zu können, gibt´s immer noch die HafenCity. Die verändert sich ja täglich. Am eindrucksvollsten immer dort, wo sie fast fertig ist – wie aktuell im Baakenhafen. Das zukünftige „urbane Dorf“ ist mit seiner doppelten Wasserlage wie gemacht für einen Stadtbummel zwischendurch. Weiterlesen

Kreidegruben Lägerdorf

Kreidegruben Lägerdorf (schon mal locker für 2035 vormerken)

Aus Hamburg kommend ragt an der A23 kurz vor Itzehoe rechter Hand ein Zementwerk aus der flachen Landschaft. Ein Schandfleck eigentlich. Doch es hat meine Phantasie lange beflügelt. Denn wann immer wir an die Nordsee fuhren, sagte V.: «Ich glaube, da war´s» Und ich wußte, er meinte ein Fotoshooting in den Kreidegruben Lägerdorf, denen er einen geradezu karibischen Look bescheinigte. Nun war ich neulich mal da. Weiterlesen

Sierksdorf

Wandern mit Meerblick & Bahnanschluss – die ehemalige Vogelfluglinie

Bleibt man in Bewegung & am Strand, ist der norddeutsche Winter erträglich. So dachte ich neulich auf einer kurzen Wanderung von Sierksdorf nach Neustadt. Das war nicht an einem der zwei, drei Sonnentage zwischen Dezember und März oder in einem Jubeljahr mit Eis und Schnee. Sondern bei ganz normaler norddeutscher Winterwitterung, also nasskaltem Wetter. Weiterlesen

Wolkenlos Timmendorfer Strand

Moin Moin Tristesse: Wolkenlos in Timmendorf

Ich wollte ans Meer. Aus organisatorischen Gründen konnte ich nicht auf gutes – oder jedenfalls zumutbares – Wetter warten. Es musste an einem bestimmten Wintertag sein. Und so landete ich endlich einmal im Wolkenlos in Timmendorf. Das hatte ich schon lange auf der Liste. Zu Recht! Weiterlesen

Stralsund

26 h allein in Stralsund und die 99 Besonderheiten der Stadt

Und da waren sie wieder meine 3 Probleme: Ich hatte kein Auto. Niemand hatte Lust, mit mir einen Kurztrip zu unternehmen. Und das Wetter war unheimlich mies. Doch zum Glück gibt es ja Stralsund. Die ehrwürdige Hansestadt am Strelasund geht einfach immer. Weiterlesen