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Spread your wings and hide away: IV. Geltinger Bucht

Ein Hideaway ist ein abgelegener, ruhiger Ort, oft in der Natur, der sich perfekt für einen entspannten Urlaub oder Rückzug eignet. Es kann sich um eine Hütte im Wald, eine einsame Insel oder sogar ein Boutique-Hotel in einer abgelegenen Gegend handeln. Oder um ein x-beliebiges Refugium in der Geltinger Bucht, die gern als Bullerbü von Schleswig-Holstein bezeichnet wird.

Geltinger Bucht Norgaardholz

Von Birk Nack auf der Geltinger Birk bis zur Mini-Steilküste Habernis Huk zieht sich die Geltinger Bucht hübsch sichelförmig rund 17 Kilometer. In den Dörfern in Wasserlage findet sich stets ein Campingplatz mit Zeltwiese, jedoch nirgends ein Geschäft. Gastrotipps sind ein hoffnungsloses Unterfangen. Man weiß nie, welche – der ohnehin spärlich gestreuten – Restaurants und Hotels den Winter überstehen, den Personalmangel oder die nächste Mieterhöhung.

Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub in der Geltinger Bucht

Als Faustregel gilt daher: 1) Man traue keiner Empfehlung. Nicht einmal auf Social Media ist Aktualität garantiert. 2) Man kehre direkt ein, wenn irgendwo etwas geöffnet ist. Stehen dort Plastikstühle auf der Terrasse oder nicht das Lieblingsgericht auf der Karte – so what?!
Am größten ist die Chance auf ein geöffnetes Restaurant am Südende der Bucht. Denn wenn auch alle anderen Zielgruppen sie leicht übersehen, eine garantiert nicht: die, die auf den Segelbooten kommen. Und die gehen hier vor Anker.

 

(13) Stippvisite:  Wackerballig und/ oder Gelting Mole

Geltinger Bucht

Wackerballig

Gelting Mole

Gelting Mole

Am schmalen Strand von Wackerballig scheint einem die Abendsonne ins Gesicht. Das ist an der Ostsee naturgemäß selten. Dank schwimmendem Yachthafen, Surfschule und Campingplatz kann man fast von touristischer Infrarstruktur sprechen und fast sicher sein, einen Sundowner serviert zu bekommen.
Falls nicht, läuft man zwei Kilometer auf dem Fördesteig weiter nach Gelting Mole. Den funktionalen Yachthafen mit anliegendem Wohnmobilparkplatz »schön« zu nennen, wäre geflunkert. Aber immerhin steigt die Chance auf Bewirtung um 100%. (Falls nichts geöffnet hat, muss man allerdings stark sein und dem Fördesteig sechs einsame Küstenkilometer folgen).

 

(14) Ausflugstag: Ohrfeldhaff und Steinberghaff

Ohrfeldhaff

Ohrfeldhaff

Steinberghaff

Steinberghaff

Wer im Frühtau am Strande von Ohrfeldhaff auf Wandertour geht, hört nichts als die Lippig Au plätschern. Ein Wiesenpfad mäandert mit ihr landeinwärts zum Gut Oestergard. Retour gehts durch Felder und Wald an den Strand von Steinberghaff. Und falls jemand einen ganzen Urlaub zwischen Kappeln und Flensburg verbringen möchte, hier wär´s nicht schlecht. An schönen Ferienhäusern herrscht kein Mangel und jeder Morgen beginnt immer wieder anders mit einem traumhaften Sonnenaufgang. An klaren Tagen oder wenn zu Zeiten der Vogelzüge ganze Schwärme aus der Birk aufsteigen, kann einem schon mal das Herz weit werden.
Oft liegt die Bucht spiegelglatt – doch sie kann auch ganz anders.

 

(15) Kurzurlaub: Seebadeanstalt und Strand Norgaardholz

Norgaardholz

Seebadeanstalt Norgaardholz

Strand Norgaardholz

Strand Norgaardholz

Auch wenn die Geltinger Bucht meist unschuldig tut, ist sie doch in steter Bewegung. Strömungen verlagern Steinfelder, Sturmfluten schleifen Küsten und Strände. So ist nicht einmal zu sagen, wo man morgen gut baden kann. Ausnahme: die Seebadeanstalt Norgaardholz. Ihre Seebrücke garantiert besten Zugang ins Wasser und wird zudem von der DLRG bewacht – insbesondere mit Kindern genauso ein Muss wie Spielplatz, Spielwiese, SUP-Verleih, Pommes & Eis am Kiosk. Der Strand ein paar Schritte weiter ist feinsandiger und ruhiger. Am Nordende der Geltinger Bucht wechselt der freie Horizont mit der Küstenlinie Dänemarks. Jenseits der Bucht verengt sich die Flensburger Förde deutlich.

 

Seit Start dieser Beitragsserie in Kappeln bedeuteten Fördesteig und »Schleswig-Holstein rund« den gleichen Weg. Das ändert sich in der Geltinger Bucht an zwei Stellen.

PS für Wandersleute in der Geltinger Bucht

 

A) In Steinberghaff knickt der Fördesteig landeinwärts ab und führt auf Straßenbegleitwegen nach Nordgaarholz. Meine Frage dazu wäre: Why?!?  Mit minimaler Trittsicherheit kann man genauso gut – bzw viel besser – am Strand weiterstapfen.

Steinberghaff

Hier einfach am Strand weiterlaufen

B) Beim Campingplatz von Norgaardholz verlässt der Fördesteig die Küste sogar für fast 15 Kilometer. Das ist nur insofern eine gute Idee, dass man den Winkel jenseits der Habernis Huk auf einem extra Trip erforschen kann.

Habernis Huk

Hinter der Huk liegt was Feines

Wer »Schleswig-Holstein rund« reist oder einfach nur wissen will, was hinter der Mini-Steilküste liegt (und wie bitte kann man das nicht wissen wollen?), folgt dem Weg am Mini-Parkplatz – im Idealfall, um in Habernis einen Mini-Urlaub zu verbringen.

Habernis

 

Dies ist der IV. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Ein Inhaltsverzeichnis entsteht gerade hier und der V. Beitrag führt nach Habernis. 

geltinger birk

Meerumschlungen: III. Die Geltinger Birk

90 Jahre nachdem »Schleswig-Holstein meerumschlungen« auf dem Schleswiger Sängerfest erstmals zu hören war, wurde die Geltinger Birk unter Schutz gestellt. Seitdem sind wieder 90 Jahre vergangen. Das Schleswig-Holstein Lied ist zur offiziellen Hymne avanciert und die Birk hat sich von einer massiv (aus)genutzten Halbinsel zurück in ein Naturschätzchen gewandelt. Ein raues, windzerstrubbeltes Schätzchen zwar, das zudem während der Sommerferien und an Frühlingsfeiertagen unter zu vielen E-Bikes ächzt – aber das sollte nicht vom Besuch abhalten. Vorausgesetzt man liebt das Meer.

Geltinger Birk Kueste

(Liebt man das Meer nicht, ist es weder nötig, das Naturschutzgebiet Geltinger Birk zu besuchen, noch Schleswig-Holstein rund zu laufen. Im Grunde braucht man überhaupt nicht in den äußersten Norden Deutschlands reisen, wenn man das Meer nicht liebt. Höchstens Lübeck hat ein paar nicht-aufs-Meer-bezogene Sachen zu bieten, die es woanders nicht größer, schöner oder besser erhalten gäbe.)

 

Je länger je lieber – Wandern in der Geltinger Birk

 

Doch in puncto Meer macht nun einmal kein Bundesland Schleswig-Holstein etwas vor. »Meerumschlungen« ist das Zauberwort. Salzwasser zu allen Seiten. Und damit rein in die Birk.

Stippvisite(10) Stippvisite: Die schönsten Pfade auf der Birk finden sich auf dem ausgeschilderten Konik-Weg. Die namensgebenden Wildpferde leben hier frei. Kaum zu sagen, wo sie sich gerade rumtreiben. Doch auch ohne Sichtung macht die 6,5 Kilometer kurze Runde glücklich. Am Birk Parkplatz Beveroe wartet die Wanderkarte.

Geltinger Birk Wandern(11) Ausflugstag: Wer genügend Zeit und Puste für eine tagesfüllende Tour mitgebracht hat, startet in Falshöft. Nur dort kann man nach der Wanderung noch mal in die Ostsee hüpfen, wahlweise auch bloß am Strand ausruhen (im Naturschutzgebiet selbst ist es nirgends erlaubt.) Ausführlicher ist das hier beschrieben.

Geltinger Noor

(12) Kurzurlaub: Bei Birk Nack endet der Ostseesteig (9) und der Fördesteig beginnt. Er umrundet jenseits der Birk das Geltinger Noor und leitet durch den Nordschauwald auf die Halbinsel Quisnis mit Aussicht auf die Geltinger Bucht. Ein Extra-Blogbeitrag über die wunderbare Etappe  (allerdings aus der anderen Richtung) findet sich hier.

 

Und es lohnt sich, noch ein wenig langsamer zu werden und in irgendeinem Dorf der Geltinger Bucht über Nacht zu bleiben. Denn sie ist – das Prinzip dieser Beitragsserie wird vielleicht langsam klar – einen eigenen Kurzurlaub wert.

Ostsee

 

Dies ist der III. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Zum I. geht es hier, ein Inhaltsverzeichnis entsteht gerade hier und im IV. erkunden wir die Geltinger Bucht.

Maasholm

Morgen ans Meer: II. Maasholm

Wer »Schleswig-Holstein rund« reist, idealerweise zu Fuß an einem Morgen in Kappeln auf dem Schleisteig startend, könnte mittags ein Fischbrötchen im Hafen von Maasholm verspeisen, um am Nachmittag – auf gute Art etwas erschöpft – in einen Strandkorb an der Ostsee zu sinken. Doch das ist fast zu rasant für die Gegend.

 

Hafen Maasholm

 

Maasholm gehört zu den 70 Orten in Schleswig-Holstein, die (meiner vollkommen subjektiven Meinung nach) einen ganzen Kurztrip verdienen. Streift man diese Orte bloß im Vorübergehen, sollte man unbedingt einige Seiten im Reisetagebuch für eine Bucket List reservieren oder eine entsprechende App runterladen. Rein gedanklich entwischt zu viel, was man sich für »irgendwann mal« vormerkt. Und damit zurück nach Maasholm.

 

Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub: Bucket List für Maasholm

 

Das Fischerdorf wurde vor Urzeiten auf der einstigen Insel Oehe gegründet, die zusammen mit der heutigen Lotseninsel in der damals wesentlich breiteren Schleimündung lag. Längst ist Maasholm ans Festland angedockt. Doch die (Land-)Spitzenlagen in der Schlei garantiert noch immer Worlds End Feeling.

(6) Stippvisite: de Maas rund

Maasholm Anders als in Kappeln oder Arnis läuft man nicht »Maasholm rund«. Sondern »de Maas rund«. Der Weg ist netterweise ausgeschildert, was gar nicht nötig wäre, da man um eine Halbinsel läuft. So schwer ist das nicht. Vom Hafen einen Bogen im Uhrzeigersinn ziehen; am Ende über die Hauptstraße zurückbummeln.

(7) Ausflugstag: Schleimündung

NSG SchleimuendeDas Naturschutzgebiet Schleimündung streckt sich als Nehrungshaken weit ins Meer. Es darf nur in Begleitung der Vogelwart:innen betreten werden. Zu ihrer Hütte gelangt man vom Hafen über einen Wanderweg dicht an der Schlei entlang durch autofreies Gelände. Dort versteckt sich auch das Naturerlebniszentrum Maasholm.

(8) Exkurs zur See: Schleimünde

Einen noch besseren Eindruck vom Naturschutzgebiet Schleimündung verspricht ein Schiffsausflug zur winzigen Lotseninsel. (Einheimische nehmen diesen Namen nie in den Mund. Sie sagen: Schleimünde. Aber das nur nebenbei.)

Genau wie Maasholm ist auch die Lotseninsel keine Insel mehr, sondern die Landspitze des oben erwähnten Nehrungshakens. Da der ja nicht betreten werden darf, gelangt man hierher nur übers Wasser.

SchleimuendeStippvisite: Die Ausflugsschiffe sehen einen halbstündigen Landgang auf der Lotseninsel vor. Der Trick ist gegen den Uhrzeigersinn zu laufen. Beinahe alle Passagiere strömen von der Reling direkt zum Leuchtturm. Wer sich zunächst auf den entzückenden Rest konzentriert, hat den Leuchtturm am Ende fast für sich allein.

Schleimuende LeuchtturmAusflugstag: Ein Leuchtturm. Ein wilder Steinstrand zur Ostsee. Zur Schlei eine sanfte Sandsichel. Ein Nothafen. Ein Hafenkiosk. Pfade und Bohlenwege dazwischen. Ruhe. Wer das für paradiesisch hält, wählt eine Reederei, die zwei Mal pro Tag rausfährt. So bleiben drei Stunden für Schleswig-Holsteins Lummerland.

Hafen SchleimuendeKurzurlaub: Schleimünde ist unbewohnt. Doch wer die Lotseninsel aus eigener Kraft erreicht, darf über Nacht bleiben. Die Unterkunft muss selbst mitgebracht werden. Wer grad keine Segelyacht zur Hand hat, kann auch mit Kajak und Zelt kommen. Dass die legendäre Giftbude – bis 2023 einzige in Seekarten eingetragene Kneipe der Welt – die Sturmflut nicht überstanden hat, mahnt, das Ganze nicht auf den St. Nimmerleinstag zu schieben.

(9) Kurzurlaub: der Ostseesteig

StrandWer Schleswig-Holstein rund läuft, wechselt kurz hinter Maasholm – exakt bei der Vogelwärterhütte von Schleimünde – vom Schleisteig auf den Ostseesteig. Er begleitet auf zehn Kilometern die schönsten Strände der Gegend. In Oehe, Hasselberg, Kronsgaard, Pottloch, Golsmaas oder Falshöft lohnt es sich (auch für Kurzreisende), Quartier zu beziehen. Dann endet der Tag mit Wellenrauschen im Ohr und dem besten aller Reisetagebucheinträge: »Morgen ans Meer«.

Falshoeft

 

Dies ist der II. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Zum I. geht es hier, zum Inhaltsverzeichnis hier und im III. auf die Geltinger Birk.

Kappeln

»Schleswig-Holstein rund«: I. Kappeln an der Schlei

Hans Friedrich (Fiete) Müller, Stadtführer und Organist aus Kappeln-Ellenberg, schreibt auf den Seiten des örtlichen Touristikvereins:

„Kappeln rund“ heißt ein liebenswürdiger Kappelner Ausdruck für einen Stadtbummel. Man schaut sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt an, nicht zuletzt um zu sehen und gesehen zu werden.

Eine entsprechende Infotafel findet sich am Aussichtspunkt rechts der Brücke. Es ist einer der wichtigsten Spots für Ausflugs- und Urlaubsgäste, denn die reisen eher selten wegen der Sehenswürdigkeiten nach Kappeln. Oder um »zu sehen und gesehen zu werden«. Ihnen ist das Wichtigste die Nähe zum Wasser.

 

Kappeln

 

Die Schlei also. Sie wurde bereits in der Urfassung des Schleswig-Holstein-Liedes besungen (Wie die Häuser schön umkränzen/ die umbuschte alte Schlei/ wie die Wellen silbern glänzen/ naht oft bald ein blum’ger Mai). Die entsprechende Strophe flog allerdings kurz vor Veröffentlichung raus.

Die Schlei ist die längste Förde Schleswig-Holsteins; somit auch Deutschlands. Die von Gletschern ins Land gegrabenen Meeresarme gibt es nur hier oben, grob gesagt zwischen Kiel und Flensburg (plus zwei ehemalige Förden unten in Ostholstein; aber das ist schon Nerdwissen). Wer die Schlei in Gänze erfassen möchte, kann spielend einen Urlaub dafür einplanen. Für einen ersten (aber echten) Eindruck reicht ein Kurztrip nach Kappeln.

 

Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub: Kappeln und die Schlei

 

Kommt man nach Kappeln, bleibt das Auto besser gleich am Parkplatz an der Schleibrücke stehen. Erstens muss man im Laufe des Besuchs sowieso da hin, um das obligatorische Panoramafoto zu knipsen und zweitens ist Kappeln – wie beinahe alle Küstenorte in Schleswig-Holstein – nicht so richtig auf die aktuelle Verkehrslage eingerichtet. Und wie fast überall in Schleswig-Holstein bleiben auch an der Schlei die besten Stellen Autofahrenden verborgen. Selbst mit dem Rad kriegt man das Schönste nicht zu sehen.

Und weil das so ist, weil man nur zu Fuß Deutschlands nördlichstes Bundesland richtig verstehen kann, ist ein Kurzurlaub in Kappeln perfekt, um über eine sehr wichtige Frage nachzudenken. Nämlich, ob man nicht mal die größere Runde in Angriff nehmen möchte: »Schleswig-Holstein rund«. (Ich meine, ja. Ich meine sogar, unbedingt.) Aber der Reihe nach.

 

(1) Stippvisite: Kappeln rund

Kappeln rund Wer nur kurz in Kappeln vorbeiguckt, spürt den Vibe tatsächlich am besten beim Stadtbummel. Er funktioniert mit Plan oder indem man sich durch die Fußgängerzone treiben lässt. Es lohnt sich den Friedhof in voller Länge zu bewundern. Man kann ihn über einen Seiteneingang verlassen; von dort führt ein Fußweg zum ältesten Kleingartenverein Deutschlands. Über Neukappeln und «längs die Reeperbahn« gehts zurück zum Kurs »Kappeln rund«.

 

(2) Ausflugstag: Arnis rund

ArnisWer Kappeln für klein hält und einen ganzen Ausflugstag Zeit hat, sollte mal nach Arnis laufen! Der gut vier Kilometer kurze Spaziergang die Schlei hinunter führt in die kleinste Stadt Deutschlands, dabei weit zurück in die Geschichte Kappelns und ist ebenso eine Wucht wie der Bummel «Arnis rund». Er bedeutet einen bloß zwei Kilometer langen entzückenden Uferpfad quer durch die Gärten, gute Gastro am Wasser, eine kleine Badebucht und die zuckersüße Schifferkirche.

 

(3) Exkurs zur See: Schleifähre Arnis

SundsackerBrücken und Fähren über die Schlei haben eine Gemeinsamkeit: man weiß nie, ob sie intakt sind. Falls die Verbindung zwischen Arnis und Sundsacker gerade funktioniert, rauf da – bloß um Arnis vom anderen Ufer zu betrachten oder den Spaziergang von Kappeln zu einer Rundtour auszuweiten (die allerdings besser mit dem Rad funktioniert; für Wandernde hat sie Längen bzw zu viele Kilometer dicht an der Straße.)

 

(4) Kurzurlaub: der Schleisteig

RabelsundGlücklich, wer eine Übernachtung in Kappeln eingeplant hat. Dann steht am nächsten Tag mit dem Schleisteig eine ähnlich schöne Wanderung auf dem Programm wie die nach Arnis – bloß noch besser. Denn jetzt wandert man nach Norden. Gegen den Strom. Auf die offene Ostsee zu.  Zunächst aber über Everybody´s Lieblingsplatz Rabelsund und Gut Buckhagen nach Maasholm. Von einem Hafen zum anderen sind es knapp 13 Kilometer.

 

(5) Exkurs zur See: Schleischiffahrt

SchleischiffahrtNicht alle sind zum Wandern gemacht. Für die werden in Kappeln Schiffsausflüge angeboten. Die Ausflugsdampfer tuckern ins Landesinnere nach Schleswig. Oder hinaus nach Schleimünde; mit Zwischenstopp in Maasholm. Wem also auf der Wanderung von Kappeln (4) die Beine schwer geworden sind, nimt retour Platz auf dem Sonnendeck.

Wer unterwegs aber gespürt hat, wie das Herz so ruhig wird, der Kopf so klar und das Gemüt so federleicht, der ist wahrscheinlich für das Abenteuer »Schleswig-Holstein rund« gemacht.

Es ist ein sanftes Abenteuer. Eins von denen, die ohne Adrenalinrausch auskommen. Man kann es an jedem x-beliebigen Strand, Deich oder Hafen beginnen. Jederzeit loslaufen. Am Stück durchziehen. Oder über Jahre und Jahre in kleine Fluchten aufteilen. Man kann auf gutes Wetter warten. Oder den Stürmen trotzen. Nichts ist je wirklich unmöglich oder gar gefährlich, wenn man »Schleswig-Holstein rund« läuft. Höchstens wird´s mal ein bisschen unbequemer oder ungemütlicher.

Man könnte daher gleich weitergehen am Ende des Schleisteigs. Er ist Teil des schönsten Fernwanderweges Schleswig-Holsteins, dem knapp einhundert Kilometer langen Fördesteig von Kappeln nach Flensburg (bzw. vice versa).  Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu schnell wird. Denn jetzt wartet erst einmal Maasholm.

 

Maasholm

Dies ist der I. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Zum II. geht es hier, ein Inhaltsverzeichnis entsteht gerade hier.

Nationalpark Thy

Kühle Wilde: Weitwandern im Nationalpark Thy

Thy ist der älteste Nationalpark Dänemarks. Das klingt verwunschener als die Realität sich darstellt. Das kleine Königreich ist nämlich echt spät auf den Trichter gekommen. Erst seit 2008 steht ein Küstenstreifen von etwa 70 km Länge und ein bis zwölf Kilometer Breite unter Schutz. Auf voller Länge wird er von einem Fernwanderweg, dem Rettungsweg, erschlossen.
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Hemmelsdorfer See

Stilles Wasser, tiefste Stelle: der Hemmelsdofer See

Zwischen Autobahnabfahrt Ratekau und Timmendorfer Strand gehört es zum Pflichtprogramm schneller zu heizen, als die Polizei erlaubt. Wer da nicht mitmacht, nervt zwar alle anderen zu Tode, sieht es aber kurz hinter dem Ortsschild von Hemmelsdorf für den Bruchteil einer Sekunde so wunderbar leuchten. Das ist der Hemmelsdorfer See. Weiterlesen

Salemer See

Am Salemer See

Noch nie ist ein Mensch am Verzehr eines Fliegenpilzes gestorben, lernte ich gestern am Salemer See. Dort startet am Bootshäuschen ein rollstuhlgerechter Uferweg, was ich zuvor allerdings nicht wusste. So wie ich überhaupt nicht besonders viel über das Herzogtum Lauenburg weiß. Es bleibt mir eine entfernte Bekannte. Und zwar eine, die ich sehr mag.

 

 

Kennengelernt habe ich die Region quasi als Arbeitskollegin; gleich bei meinem ersten Reisebuch. Und mit jedem weiteren Projekt habe ich ihre Verlässlichkeit noch ein bisschen mehr zu schätzen gelernt. Fast egal, wohin man sich wendet, es beginnt stets mit aufgeräumten Reetdach-Dörfchen oder winkeligen Altstädtchen, aus denen tiptop Wanderpfade und Radwege in minutenschnelle in verschwiegene Wälder und an verträumte Seeufer leiten.

 

Längst ist unsere Beziehung privat geworden. Nur eben auf andere Art als mit dem Rest von Schleswig-Holstein. Alles andere hier oben bezieht sich ja auf´s Meer und ist mir damit näher. Zu Nord- und Ostsee fühle ich keinerlei Distanz. Ich gehöre da nicht nur hin; ich bin das geradezu. Im Herzogtum Lauenburg bin ich zu Besuch. Und finde es wunderschön. So war das auch gestern in Salem.

 

 

Ich hatte eigentlich erwartet, den Herbst dort zu treffen. Er war aber gar nicht zugegen. Sicher, er hat wohl schon mal vorbeigeschaut und den Bäumen eine allererste leichte Färbung verpasst. Aber im Großen und Ganzen zeigte sich der Wald bei Salem viel grüner als die schwindsüchtigen Verwandten in Hamburg. Insbesondere die vielen Birken. Womit wir wieder beim Fliegenpilz sind.

 

 

Bis gestern wusste ich über den Fliegenpilz in etwa so viel, wie meine Märchenbücher eben so hergegeben haben und dass er in den 1970er Jahren ein extrem beliebtes Kostüm zur Kindermaskerade war. Jetzt bin ich dank QR-Codes an den Infotafeln des Salemer Uferweges schlauer.

 

Salemer Uferweg im Naturpark Lauenburgische Seen

 

Fliegenpilze schützen Birken vor Krankheiten und schädlichen Umwelteinflüssen; sind also echte Glückspilze. Das wussten schon etliche Völker zu schätzen – seit Urzeiten berauschen sie sich mit Fliengenpilzen. Manche in direkter Weise. Andere nutzen den Umstand, dass selbst Rentiere ganz verrückt auf Fliegenpilze sind. Trinkt man ihren Urin, ist der Absturz nicht ganz so gräßlich.

 

Badestelle Pipersee

 

Allerdings scheint mir in puncto Berauschen der Salemer Uferweg viel empfehlenswerter als das Verspeisen eines Fliegenpilzes. Er verläuft entlang des Salemer Sees und des Pipersees auf guten drei Kilometern barrierefrei und weiter über Stock und Stein und wenn man mag (gute Idee) weiter entlang des Phulsees zum Schaalsee. Das Beste: bis in den November hinein färbt sich der Wald nun jeden Tag bunter.

 
Schaalsee
 

Sylt

Sylt im Oktober; vielleicht wird´s ja traumhaft?

Vor einigen Tagen hörte ich einen Mann etwas Verblüffendes zu seiner Frau sagen. Das war auf einem Holzbohlenweg irgendwo zwischen Wenningstedt und Westerland; an einem Tag wie er im Grunde nicht besser sein kann auf Sylt im Oktober. Ganz Heideduft & Schäfchenwolken, Blitzesbläue & Brandungskonzert. Weiterlesen