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Steinberghaff

Frühling, Sommer, Herbst und Steinberghaff

Der kleine, verschwiegene Strand von Steinberghaff liegt  – wie viele Strände in Angeln – ein wenig ab vom Schuss. Daher wird er in erster Linie von Eingeweihten angesteuert. Oder von Leuten, die zwanghaft jedem Wegweiser „Zum Strand“ folgen müssen. Es gibt einige solcher Wegweiser „Zum Strand“ entlang der B199, die hier oben „Nordstraße“ genannt wird.

Es lohnt sich immer, ihnen zu folgen, denn alle Strände sind ausgesprochen entzückend; auf diese zurückhaltende Art, die der Gegend zu eigen ist. Der Strand vor Steinberghaff ist der heimeligste. Er befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Kappeln und Flensburg. Von dort geht es 2,5 km durch Felder und Dörflichkeit direkt zum Strandhotel.

 

 

Das Strandhotel markiert das nördliche Ende von Steinberghaff. Das Haus liegt etwas erhöht; nach Norden abgeschirmt von Baumriesen. Es wurde wohl über die Jahrzehnte sukzessive kaputtrenoviert. Alles, was neu ist, schein zu rabiat gegen den zarten Zauber, der an einigen, wenigen Stellen noch durchschimmert. Etwa in Gestalt kleiner Holzpavillons, die einst als Erfrischungsbuden fungierten. Dem Hörensagen nach wird der Pavillon des Biergartens zur Weihnachtszeit als Glühweinausschank genutzt. Aber ich kenne ihn nur verrammelt. Genau wie ich auch noch nie jemanden auf der sogenannten „Sand-Terrasse“ liegen sah, die ausschließlich Hotelgästen vorbehalten ist.

 

 

Meine Lieblingsbank steht unter meinem zweitliebsten Baum von Steinberghaff – direkt neben der Sand-Terrasse des Strandhotels. Es ist eine alte Kastanie, wie sie sich Herr Sumsemann nicht schöner wünschen könnte. Von der Kastanie zu meinen Lieblingsbaum mag es vielleicht 1 km sein. Diesen Kilometer kann ich maximal im Schlendertempo zurücklegen. Denn wenn ein Strand so klein ist wie der von Steinberghaff, werden alle Details bedeutsam. Dann begrüßt man jeden Findling und jedes Seegraskissen wie alte Bekannte und nimmt sich Zeit zu einem kleinen Gedankenaustausch.

 

 

Wo der Weg in den Wald abnickt, sollte man unbedingt noch ein wenig weiter am Strand über Wackersteine balancieren. Bis zu der wunderbaren Eiche, meinem Lieblingsbaum. Er streckt sich ein bisschen schräg in die Welt. Und es ist unmöglich zu sagen, ob er im Frühling, Sommer oder Herbst am schönsten ist. Vielleicht ist auch der Winter seine beste Zeit. Ich werde das hoffentlich irgenwann einmal überprüfen können.

 

 

Im Rücken der Eiche spannt sich ein überdimensionales Holztor über gleichermaßen empfehlenswerte Pfade. Sie führen in den Wald hinein, zum Gut Östergaard hinauf oder die Küste hinunter. Ich weiß nicht, wer das Tor errichtet hat oder warum. Doch ich muss hier immer an das Ende von Susanna Tamaros bekanntestem Roman denken. (Denn das ist ja das Geheimnis von Stränden: auch die kleinsten bieten Platz genug für große Gefühl.)

 

 

„Und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor dir auftun werden und du nicht weißt,
welchen du einschlagen sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall, sondern setz dich, und warte. Atme so tief und vertrauensvoll, wie du an dem Tag geatmet hast, als du auf die Welt kamst, lass dich von nichts ablenken, warte, warte noch. Lausche still und schweigend auf dein Herz. Wenn es dann zu dir spricht, steh auf, und geh, wohin es dich trägt.“

 

Baum

Oktoberfest in Norddeutschland

 

Gruener Ring

Der Grüne Ring, Etappe 3: partiell nicht übel (der Rest sind Parzellen)

Neulich, als noch nicht Herbst war, war der Grüne Ring wieder einmal mein Ziel. Konkret die 3. Etappe (von insgesamt 8). Ich absolviere die Abschnitte des 100 km langen Rad- und Fahrradweges rund um Hamburg nur, wenn mir nichts Besseres in den Sinn kommt. Denn es stimmt zwar wirklich, dass der Grüne Ring sich fast ausnahmslos durch´s Grüne zieht. Aber es ist eben nicht wirklich Natur und nur partiell erholsam und/ oder spannend.

 

Hauptverwaltung Ohlsdorf

Die 3. Etappe des Grünen Rings startet gegenüber vom Bahnhof direkt an der Hauptverwaltung Ohlsdorf

 

So sind auch die Pluspunkte der 3. Etappe schnell genannt: A) Sie ist super ausgeschildert. B) Es finden sich auf der Strecke einige Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten. C) Es geht richtig gut los.

 

Grüner Ring, Etappe 3, Start am Friedhof Ohlsdorf

 

 

Die Etappe 3 des Grünen Rings ist 14,8 km lang und führt von Ohlsdorf nach Jenfeld. D.h. sie beginnt direkt am Haupteingang des Mega-Friedhofs, Ohlsdorf eben. Der Friedhof Ohlsdorf gehört zu den Dingen, die man in Hamburg gesehen haben muss. Da gibt es gar keinen Zweifel. Ich glaube, man muss ihn sogar mindestens 4 mal gesehen haben; einmal pro Jahreszeit.

 

Wasserturm

So schön wie sonst nur Leuchttürme: der Wasserturm Ohlsdorf

 

Wer auf dem Grünen Ring unterwegs ist, sieht nur einen kleinen Teil des Friedhofs. Viel zu schnell leitet das Wegzeichen (grüne 11 auf weißem Grund)  über versteckte Pfade zum nächsten Highlight  – dem Bramfelder See. Der „Brami“ gehört nicht zu Bramfeld (wie man meinen könnte), sondern zu Steilshoop und stellt in etwa das Gegenteil dessen dar, was man sich so unter Steilshoop vorstellt.

 

Bramfelder See

Der Bramfelder See ist einen eigenen Mini-Ausflug wert: der Rundweg ist 2,9 km lang.

 

Abgeschirmt vom Straßenverkehr, mit lauschigen Uferplätzen und Graureihersichtungen ist der Bramfelder See schon allein einen Ausflug wert.  Der Grüne Ring beschränkt sich auf das Südufer. Ich habe vergessen, wie viele Kilometer der Schrittzähler am Ende des schmalen, lnagen Sees anzeigte. Es werden wohl so 2,5 bis 4 km gewesen sein. Blieben also noch 10 bis 12 km übrig bis Jenfeld. Und die … naja… bestehen im Wesentlichen aus Wohngebieten und Kleingartenvereinen.

 

Schrebergarten

 

Nicht, dass die restliche Strecke gräßlich gewesen wäre. Im Gegenteil: es läßt sich im Osten der Stadt offenbar wunderbar wohnen und kleingärtnern. Doch für Wanderer sind Schrebergärten und Ein- bzw. Mehrfamlienhäuser nicht gerade superspannend. Warum ich die Etappe 3 trotzdem gern ging, hatte a) was mit meiner Wanderbegleitung zu tun. (Es schnackt sich so nett im Unterwegs sein). Und b) mit den Groschen, die fallen, wenn man mal in Stadtteile eintaucht, die man zuvor höchstens auf den Hauptverkehrsstraßen durchquerte oder punktuell mit Öffis ansteuerte.

 

Fazit Grüner Ring, Etappe 3: kann man mal machen (muss man aber nicht)

 

Interessanterweise kann man das Ganze auch ganz anders sehen. Der Wanderfreund etwa, hat auf der 3. Etappe keine Einkehrmöglichkeiten entdeckt, den Weg im Frühling aber als einzigartig erlebt.  Ich hingegen kann diesen Abschnitt des Grünen Rings nur denjenigen empfehlen, die ihre innere Hamburg-Karte mit Leben füllen möchten. Es ist schon faszinierend, wie unterschiedlich Hanseaten leben.

 

Ohlsdorf

 

Was ich hingegen jedem empfehlen kann, ist  ein Knoten im Taschentuch für den Ohlsdorfer Friedhof.  Diesen Ausflug würde ich auch gar nicht auf die lange Bank schieben, denn der Herbst ist eine wundervolle Jahreszeit für den größten Parkfriedhof der Welt. Empfehlenswert sind die drei Themenspaziergänge. Ergänzt durch eine Runde um den Bramfelder See ist man ebenso lang unterwegs wie Wanderer auf der 3. Etappe des Grünen Rings – nur idyllischer.


Grüner Ring, Etappe 3

Länge: gute 14 km

Anreise: U1, S1, S11 Ohlsdorf

Abreise: verschiedene Buslinien ab Jenfeld nach Wandsbek Markt, Bergedorf, Billstedt

Mehr Infos & Karten: Grüner Ring Etappe 3

Weiterlesen auf dem Blog: Grüner Ring Etappe 1 & 2, Etappe 8

Mini-Kreuzfahrt_von_Kiel_nach_Oslo

Schiffsmeldung: auf Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo

Enthält Werbung | Wer sich häufiger in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt herumtreibt, kommt gar nicht drum herum, irgendwann über eine Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo nachzudenken. Die weiß-blauen Mega-Fähren der Color Line Reederei gehören an der Förde zum Stadtbild wie andernorts etwa Rathäuser oder Kirchen. Nur dass sie diese in einigen Städten überragen würden – sind die Gigantinnen doch 15 Decks hoch.

 

Oslo

Was Kiel und Oslo gemeinsam haben: Von 10.00 bis 14.00 Uhr ankert ein Color Line Cruiser mitten in der City

 

Sieht man vom Fördeufer aus die Color Fantasy (mit bis zu 2.700 Passagieren) vorüberziehen oder die Color Magic (die sogar knapp 3.000 Passagiere befördern kann), reisen die Gedanken beinahe zwangsläufig mit aufs offene Meer hinaus. Vorbei an Langeland und durch Dänemarks Großen Belt, vom Kattegat (Katzenloch) ins Skagerrak – das nächtliche Schweden vor der Reling und am Horizont das Land der Trolle, Fjorde und Ölmagnaten.

 

Color Magic

 

Die Schwesternschiffe stellen die einzige Fährverbindung von Deutschland nach Norwegen dar. Sie pendeln im Gleichtakt; den Bauch gefüllt mit Autos, Wohnmobilen, LKW und Omnibussen. Die eine legt um 14.00 Uhr in Kiel ab; die andere in Oslo. Etwa bei der dänischen Insel Anholt treffen sie einander. Nacht für Nacht. Um Vieles verlässlicher als die deutsche Bahn erreichen sie am kommenden Morgen um 10.00 Uhr ihr Ziel.

 

Moewe

 

Die 20stündige Seefahrt ist gerade lang genug, um innerlich mitzukommen und etwa die Hälfte der Zerstreuungsmöglichkeiten an Bord zu nutzen. So kann man sich auf der Rückreise die andere Hälfte vornehmen. Offiziell sind die Schiffe zwar als Fähren klassifiziert. Aufbau, Einrichtung und Ausstattung entsprechen aber Kreuzfahrtstandart. Das kann kein anderer Liniendienst so für sich in Anspruch nehmen.

 

 

Unvorstellbar bleibt, wie das Reinigungspersonal es schafft, bummelig 1.000 Kabinen, 10 Restaurants und Bars, Kinder- und Jugendecken, Shopping-Meile und Show-Theater, Discothek und Casino, Spaßbad und Wellness-Bereich, Außen-, Innen- und Frachtdecks auf Vordermann zu bringen, während die Passagiere einen Landgang unternehmen. Die Liegezeit beträgt nur 4 Stunden.

 

Oslo

Natürlich sind 4 Stunden viel zu wenig, um Oslo gebührend zu bewundern. Zum Verlieben reichts aber!

 

4 Stunden Landgang in Oslo – ich habe mich oft gefragt, ob sich die Mini-Kreuzfahrt dafür überhaupt lohnt. Nun bin ich schlauer. Die kurze Antwort lautet: ja. Ich sage das als eine, die noch nie den Wunsch verspürt hat, eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Die lange Antwort hat mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun und geht so:

 

Kein Typ für Kreuzfahrten? Dann ab auf Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo

 

Ein Grund, warum ich noch nie den Wunsch verspürt habe, eine Kreuzfahrt zu unternehmen, ist meine innere Abwehr gegen a) Massenaufläufe und b) Anstehen. Ich habe es mir immer enervierend vorgestellt, in einem Riesenpulk ein Schiff zu entern oder zu verlassen. Aber da wußte ich ja auch noch nicht, dass die Einschiffung von Tausenden Passagieren nur einen winzigen Bruchteil der Wartezeit eines halbbesetzten Fluges von Hamburg nach München bedeutet.

 

 

Sicher, wenn man gern ansteht, kann man sich Stunden vor Boarding in eine lange Schlange einreihen. Man kann auch versuchen, sich vorzudrängeln, um eine Sekunde früher als die anderen auf die Gangway zu gelangen (was vor allem ältere Damen geradezu professionell betreiben, wobei sie die unschuldigsten Minen aufsetzen). Die Alternative zum Anstehen ist ein ruhiges Plätzchen draußen am Oslokai oder im 1. OG des Terminals. Dort lässt sich in aller Seelenruhe abwarten, bis das Boarding um 13.15 Uhr beginnt. Um 13.25 Uhr haben sich die Schlangen aufgelöst, denn die Pass- und Ticketkontrolle flutscht wie geschmiert. (Genauso läuft das beim Aussteigen; oder zur Öffnung der Buffets.).

 

Mall

Ship-Shopping: die Einkaufsmeile auf Deck 7 kann als Innenstadt der Parallelwelt gelten

 

Gehört man zu den Geduldigen, die „erst“ um 13.30 Uhr an Bord gehen, ist die Parallelwelt, die so ein Kreuzfahrtschiff darstellt, bereits in vollem Betrieb. Man betritt die (beinahe baugleichen) Schiffe über die Mall mit Rezeption und Geldwechselstube, Parfümerie, Geschenkeläden, Boutiquen, Restaurants und einem Pub, wo die ersten Biere über den Tresen wandern. Dort spielt bereits die Live-Musik; wahlweise etwas von den Dire Straits oder „Streets of London“. Es ist ein bisschen überwältigend, wenn man so etwas noch nie zuvor gesehen hat.

 

Fahrstuhl

Lautlos schweben gläserene Fahrstühle Richtung Sonnendeck

 

Von der Mall auf Deck 7 schweben gläserne Fahrstühle lautlos zu den Kabinen, die von Deck 8 bis 12 zu finden sind. Wie man sich bettet, richtet sich nach Geldbeutel und individuellen Bedürfnissen. Am günstigsten sind die 3-Sterne-Innenkabinen. Die teuersten Suiten verfügen über Megaaussicht und zwei 2 Zimmer auf 35 qm. Der wahre Luxus liegt aber nicht in einem Stern mehr oder weniger, sondern im Rückzugsort selbst.

 

 

Vollkommene Privatheit in einem Verkehrsmittel, das man nicht selbst steuern muss! So etwas ist selten. Selbst der krasseste Misanthrop könnte in einer Schiffskabine zufrieden reisen. Auf dem Bett liegen und lesen, sich durchs TV-Programm klicken, dem Herrgott für das eigene Bad danken, ein mitgebrachtes Picknick im Kühlschrank verstauen oder einfach nur aufs Meer schauen (der Aufpreis für eine Außenkabine lohnt sich!).

 

Ostsee

 

Das Meer ist natürlich die Hauptsache auf einer Schiffsreise. Sage ich. Und sagen außer mir erstaunlich wenig Menschen. Das fällt mir jedes Mal auf, wenn ich mit einer Fähre reise. Und da bildet die Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo keine Ausnahme. Nicht einmal zum Auslaufen wird es richtig voll auf den 3 Außendecks. Und wenn nach etwa einer Stunde das Mahnmal von Laboe in den Hintergrund tritt, ist man draußen längst ziemlich für sich.

 

Manhattan Bar

Im Cosmopolitan Restaurant wird à la carte gespeist. Für die richtige Atmosphäre sorgt ein Jazztrio im Barbereich.

 

Überhaupt ist die Outdoor-Fraktion die allerkleinste Gruppe an Bord. Die zweitkleinste stellen die old-fashioned-Kreuzfahrer. Also die, die sich am Abend in Schale werfen und ein Jazztrio zum Whiskey Sour zu schätzen wissen.

 

Oceanic Restaurant

Ob man Luxus braucht, ist im Oceanic Restaurant nicht die Frage. Sondern ob man ihn genießt.

 

Schiffsreisen sollen den Horizont erweitern. Seeluft macht hungrig. Das sind gleich zwei Gründe, warum es eine gute Idee ist, sich ein 3-Gänge-Menue auf der Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo zu leisten. Der dritte Grund ist das 8 m hohe Panoramafenster im Oceanic Restaurant. Der vierte die Abendkarte. Dort stehen pro Gang verschiedene Gerichte zur Auswahl; z.B.

 

So der Herr …

 … und so die Dame
Gratinierte Flusskrebsschwänze mit Sauce Mousseline Jakobsmuscheln mit Reischips, Seetang, Kernmilch, Schnittlauchöl und Lachsrogen
Nüsschen aus der Rentierkeule mit eingelegtem Kürbis, Rahmwirsing, Pancetta und Brombeersauce Heilbutt mit Rote Beete Salat, Erdartischockencreme, Haselnüssen und Sojabutter mit schwarzem Knoblauch
Cheesecake mit Blaubeerkompott Norwegischer Käse garniert mit süßem und salzigem dazu hausgemachtes Knäckebrot

Das Oceanic Restaurant ist nicht unbedingt der Ort, an dem man das Handy zückt, um sein Essen zu fotografieren. Doch ich versichere: es war ein mehr als gelungenes Dinner. Auch atmosphärisch. Inkl. dem Service, den wir als besonders aufmerksam und freundlich erlebt haben. Betrinken wollten wir uns danach nicht. Sowieso war ich noch auf keiner skandinavischen Fähre, wo weniger getrunken wird. Nicht einmal sonderlich viele Alkohol-Hamsterkäufer haben wir gesichtet. Alles scheint ein wenig gediegener zuzugehen als bei den Dänen oder Schweden.

 

Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo: alles kann –  nichts muss

 

Dennoch kann man auf dem Trip von Kiel nach Oslo ordentlich Geld loswerden. Ich hatte das erwartet. Man liest ja ständig von den schrecklich hohen Preisen in Norwegen (und auf den Schiffen ist man quasi schon in Norwegen). Deswegen hat mich mehr überrascht, dass man sich auch sehr günstig verpflegen kann (das gilt übrigens auch für Oslo).

Reling
In der Grill & Burger Bar z.B. legt man für Burger/Pommes/Getränk kaum mehr als 10 Euro auf den Tisch (bei bestem Ausblick auf Deck 12). Ein Kaffee kostet im Promenaden Café gerade mal 2,50. Dieser Kaffee nun ist sehr stark und überaus wichtig am kommenden Morgen. Denn schon um 07.00 Uhr kommt Land in Sicht. Und dann geschieht das Allerbeste der gesamten Mini-Kreuzfahrt: die Color Line taucht in den Oslo-Fjord ein.

 

Oslofjord

 

Oslo liegt in etwa genauso weit von der Nordsee entfernt wie Hamburg. Bummelig 100 km. Oder 3 großartige Stunden an Deck einer Kreuzfahrtriesin. Nur dass ein Fjord kein Fluss ist, sondern 300 Meter tief und dunkelblau und tief eingeschnitten in bewaldete Hänge.

 

 

Unnötig zu sagen, dass längst nicht alle Passagiere von Anfang an (oder gar die ganze Zeit) mit von der Partie sind. Es mögen einfach viele Menschen lange ausschlafen und/oder ausgiebig frühstücken. Umso besser für die anderen. Die haben dann genügend Platz, um von einer Schiffsseite zu anderen zu laufen; vom Auflicht zum Gegenlicht; von Norwegen (backbord) nach Schweden (steuerbord; jedenfalls auf den ersten Seemeilen).

 

 

Für die norwegischen Passagiere ist der Oslofjord nichts Besonderes. 40% der Bevölkerung lebt irgendwo hier in der Nähe. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Norwegen die zweitlängste Küstenlinie der Welt aufweist (mehr gibts nur in Kanada). Aber auch wenn fast die Hälfte aller Norweger in der Gegend wohnt, kann man nicht gerade von Gedränge sprechen. Da ist nur ein Idyll neben dem nächsten.

 

 

Wer jetzt nicht so fanatisch auf einsame Holzhütten reagiert wie ich, darf sich mit dem Deckbesuch vermutlich auch Zeit lassen. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich keine Minute des Fjords hätte missen mögen. Tatsächlich aber wird alles immer schöner, je höher die Sonne steigt und je mehr der Fjord sich verjüngt. Dem einen oder der anderen reicht das vielleicht auch eine Stunde lang. Oder aus dem Bullauge heraus.

 

Insel im Oslofjord

 

Fragt man mich, ist es gerade der Fjord, der die Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo so lohnenswert macht. Es ist eben nicht nur eine lange Seereise mit 4 Stunden Landgang, sondern wird ergänzt von 2 X 3 Stunden an Deck in nordischer Bilderbuchkulisse. So unfassbar schön, dass ich mich auf schon auf der Hinreise auf die Rückreise freute.

 

Leuchtfeuer

 

1 Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo = 10 Std Fjordvergnügen

 

Badeinsel

 

Als wir auf der Rückreise an Bord gingen (wieder 15 min nach den Ersten), war das Sonnendeck mit Liegen gepflastert. Ich weiß nicht, wie die Leute das so schnell geschafft hatten; vielleicht waren sie gar nicht von Bord gegangen. Und das Seltsamste war, sobald das Schiff sich in Bewegung setzte, kam es zu einer Art Flashmob. Innerhalb von Minuten war das Deck wieder leer. Menschen sind eben sehr unterschiedlich.

 

Marina Oslo

Die Color Line Schiffe ankern in direkter Nachbarschaft zur Königlichen Marina

 

Weil Menschen so verschieden sind, tue ich mich immer schwer zu sagen: dies oder das muss man einfach erlebt haben. Für die Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo kann ich aber sagen: uns hat´s echt umgehauen. (Wozu natürlich auch die Extra-Übernachtung in Oslo beitgetragen hat). Was man dort mit nur 4 Stunden anfangen kann, erzähle ich dann demnächst einmal.

 

Rathaus Oslo

 

Offenlegung: Wir wurden von Color Line und regiomaris zu dieser Reise eingeladen. Die Leistungen, die in diesem Artikel zum Tragen kommen, bestanden in der Mini-Kreuzfahrt an sich und einem Abendessen an Bord. Hierfür bedanken wir uns herzlichst bei Color Line. Es ist ein wenig ärgerlich, dass der Artikel aus rechtlichen Gründen mit „Werbung“ überschrieben sein muss. Denn das weckt Vorstellungen von Schaumschlägerei. Unsere Begeisterung ist jedoch echt. 

Egebergparken

Ekebergparken – unser Lieblingsplatz in Oslo

Ich habe mich in einen Park verliebt. Einen Wald voller Skulpturen hoch über Oslo. Mit unfassbaren Ausblicken auf Stadt, Fjord, Badeinseln und Berge ist der Ekebergparken ein Glücksgarant für alle, die es nordisch mögen. Und falls man dazu noch Interesse an Kunst hat, wird ein Besuch dort oben zu einem überwältigenden Erlebnis.

 

Oslo

 

Die Kombination von Kunst und Natur ist ja immer eine feine Sache. Aber der Einklang von Landschaft und Skulpturen im Ekebergpark, ist definitiv eine Klasse für sich. Man muss kein großer Kunstkenner sein, um das zu spüren. Ein wenig Neugier reicht schon. Den Rest macht der Park.

 

Ekeberg_Pavillon

Dan Graham: Ekeberg Pavillon

 

Die bewaldeten Hänge im Südosten von Oslo sind seit Urzeiten ein wichtiger Rückzugsort für die Bevölkerung gewesen. 2013 kam ein norwegischer Milliardär auf die Idee, einen Park mit 30 Kunstwerken anzulegen (und zu finanzieren). Irgendwann einmal sollen es 80 Skulpturen und Installationen werden; derzeit sind es 39. Sie liegen weiträumig verstreut; mal versteckt, mal spektuaklär inszeniert.

 

 

Norweger haben wirklich was übrig für Kunst – im ideellen wie auch monetären Sinne. Darum steht im Ekebergparken auch nicht irgendwas von irgendwem in der Gegend herum. Sondern man wandert von Auguste Rodin zu Auguste Renoir, von Jenny Holzer zu Salvador Dali, von Marina Abramovic zu Markus Lüpertz – oder anders gesagt: durch das who-is-who der Kunstszene.

 

Damien Hirst

Damien Hirst: Anatomy of an Angel

 

Zum Lachen bringt einen der Park, wenn eine Frau sich im Näherkommen als Skulptur entpuppt. Und das, was man bis eben für eine Skulptur hielt, als Mülleimer. Oder der Moment in dem man realisiert, dass die Gesprächsfetzen, die man schon eine ganze Weile im Hinterkopf wahrgenommen hat, gar keine Besuchergruppe ankündigen. Sondern von einer altmodischen Straßenlaterne stammen, die vor sich hinmurmelt und flüstert.

 

Walking Woman

Sean Henry: Walking Woman

 

Das große Dilemma im Ekebergpark: Soll man sich lieber überraschen lassen oder nach Plan vorgehen? (Was, wenn man etwas verpasst?) Soll man auf den Wegen bleiben oder querfeldein spazieren, wo man tatsächlich das Gefühl hat mitten in der Natur zu sein? (Was, wenn man etwas verpasst?)

 

 

Soll man weiter, weiter (damit man nichts verpasst!) oder doch besser eine Weile sitzenbleiben, um den Moment zu genießen? Lieber die Bank mit Blick auf die Stadt? Oder den Felsen mit Blick auf den Fjord? Oder mit Blick auf die Inseln? (Ein Dilemma, das sich wie ein roter Faden durch einen Oslobesuch zieht).

 

 

Schon während man durch den Park stromert, wünscht man sich, noch einmal wiederzukommen. Vielleicht zu einer anderen Jahres- oder Tageszeit. Im Winter, im Sommer, morgens, mittags, abends, an ruhigen Werktagen und trubeligen Wochenenden. Oder mitten in der Nacht.

 

Beste Zeit für den Ekebergpark: Immer

 

Der Ekebergpark ist täglich und rund um die Uhr geöffnet. Nachts sind die Wege beleuchtet. Nur im Dunklen lassen sich Tony Ourslers Projektionen bewundern, die dann in die Baumkronen geworfen werden.

 

 

Der Nebel, der sechs mal pro Tag für 15 min aus dem Wald aufsteigt, sieht jedes Mal anders aus. Abhängig von Wetter und Wind wabert er als schmaler Schwaden auf eine Lichtung und verdichtet sich an anderen Tagen zu einer einzigen Wolke.

 

James Turell: Skyspace – the Colour Beneath

 

James Turells Skyspace glänzt vor allem im Morgengrauen und der Abenddämmerung. Die eigentliche Attraktion liegt aber im Inneren des ehemaligen Wasserreservoirs: das Lichterlebenis Ganzfeld ist nur an Sonntagen begehbar.

 

 

Wer das Museum zum Park besuchen möchte, muss zwischen 11.00 Uhr und 16.00 Uhr kommen. Das benachbarte Restaurant Karlsborg schließt um 17.00 Uhr. Will man später noch etwas speisen, muss man ein paar Kronen mehr auf den Tisch legen. Das Ekeberg-Restaurant ist etwas für besondere Anlässe.

 

 

Die schneeweiße Schönheit von 1929 liegt nicht weit entfernt von der Stelle, die einen Maler zu einem der berühmtesten Gemälde der Welt inspirierte. Und das ist irgendwie ulkig. Denn sollte ich sagen, welches Kunstwerk den Ekebergpark am aller-, aller, allerschlechtesten beschreibt, dann wäre es wohl „der Schrei“ von Edvard Munch.

 

 

Mit Dank an regiomaris und Color Line, die unsere Recherchereise nach Oslo unterstützt haben.

Der Besuch des Ekebergparks ist kostenfrei. Die Anreise mit der Straßenbahn (Linie 18 oder 19) dauert aus der City nur wenige Minuten (und ist für sich genommen schon wieder erlebenswert). Mehr Infos gibts hier.

Nordermeldorf

Mehr Garnichts geht nicht – und wem das jetzt guttut

Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Menschheit es für völlig egal hält, ob man die Badestelle Elpersbüttel südlich des Sperrwerks am Speicherkoog aufsucht – oder die nördlich gelegene Badestelle Nordermeldorf. Sie unterscheiden sich auch wirklich nur in Nuancen. So sind im September beide Badestellen nicht gerade überlaufen und die Kioske meistens geschlossen. Während in Elpersbüttel manchmal (es ist nicht genau zu sagen, wann) Park- und Strandgebühr zu entrichten sind, ist das in Nordermeldorf nicht der Fall.

 

 

Für beide Badestellen gilt: Im Bereich hinterm Deich ist die Natur hier wild und üppig.  Vorm Deich ist dann gar nichts mehr.  Also wirklich gar nichts. Kein Baum. Kein Strauch. Kein Haus. Kilometerweit geht das so. Ob das im klassischen Sinne schön ist? Hand auf´s Herz: auf den ersten Blick nicht zwingend für jeden.

 

 

Dithmarschen kann man nur schwer weiterempfehlen, da es so speziell ist. Man kann Dithmarschen auch nicht recht erklären. Dithmarschen kann man nur fühlen. Und fühlen können das wohl nur Menschen mit einem bestimmten Gemüt. Gehört man zufällig zu dieser Gruppe, wirken Stille und Weite derart intensiv, dass man sich vollkommen eins mit der Welt fühlt. Keine Übertreibung jetzt.

 

Nordermeldorf tut gut, wenn man runterkommen muss

 

In Dithmarschen habe ich immer das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben. Vielleicht ist das so, weil man hier fast nichts machen kann. Für mich ist das großartig, weil ich den seltenen Zustand, gar nichts machen zu müssen, enorm genieße. Ich spüre nicht einmal den Druck, möglichst früh in Hamburg aufzubrechen. So bin ich schon entspannt, bevor ich überhaupt losgefahren bin.

 

 

Aber irgendwas kann man ja selbst am ereignislosesten Ort unternehmen. Z.B. von der Badestelle Nordermeldorf  (wo kein Kiosk geöffnet hat) zur Badestelle Wawerort spazieren. Dort warten ein Strandbistro (das aktuell nur unzuverlässig öffnet) und der Imbiss des Campingplatzes Seeschwalbe (noch bis 15. Oktober). Das eigentliche Ziel ist aber der Spaziergang selbst – durch etwa 3,5 km Garnichts am Stück.

 

 

Wo Garnichts ist, kann einen natürlich auch gar nichts an das Sommerende erinnern. Da die wahnsinnsweite Watt- oder Wasserfläche der Meldorfer Bucht die Sonne ganz erheblich  reflektiert, wird es (bei Windstille) ziemlich schnell warm. Da kann man sich noch einmal wie im Juli fühlen. Das Szenario ist perfekt, um sich bewusst vom Sommer zu verabschieden. So innerlich.

 

Nordermeldorf ist prima, um dem Sommer Tschüß zu sagen

 

Ob man überhaupt der Typ ist, der einen bewussten Abschied vom Sommer braucht, läßt sich leicht herausfinden: einfach den Text „Einmal noch“ von Meertau lesen – dann spürt man schon, ob es für einen persönlich wichtig ist.

 

 

Wenn die Ostsee bereits den Punkt überschritten hat, an dem sie einen zwingend ins Wasser zieht, animiert das Wattenmeer noch einige Wochen länger, ernsthaft übers Baden nachzudenken. Soll ich? Soll ich nicht? Darüber siniert man am besten bei Ebbe.

 

Nordermeldorf: Place-to-be für alle, die noch einmal baden wollen

 

Idealerweise denkt man übers Baden in den warmen Nachmittagsstunden eines himmelblauen Tages nach, wenn die Sonne aufs Watt knallt. Dann läuft man und läuft man dem glitzernden Meer entgegen und wünschte, der Moment würde nie enden.  Ist das matschig? Aber Hallo! Ist das kalt? Kein Stück!

 

 

Während man durch Tümpel und Prile tappst, verliert die Nordsee jeden Schrecken. Sie wird im Gegenteil so wohlig angenehm, dass man gar nicht mehr an Land gehen möchte – selbst wenn die Flut kommt. (Ob man sich am Ende wirklich fallen läßt, ist Nebensache.)

 

 

Noch so ein Vorteil der Westküste: die Tage sind hier am längsten. Bis die Sonne untergeht, scheint sie einem frontal ins Gesicht. Und weil vorm Deich ja Garnichts ist, kann auch nichts Schatten werfen. So läßt sich der letzte Sommertag bis zur letzten Neige auskosten. Und wenn man Lust hat, wagt man zwischen Bad und Sonnenbad eine kleine Vorschau auf den Herbst.

 

Wer Vorfreude auf den Herbst sucht, ist in Nordermeldorf goldrichtig

 

Jenseits des Deichs zwischen Nordmeldorf und Wawerort liegt das Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch. Genau wie das benachbarte NSG Kronenloch im Rücken der Badestelle Elpersbüttel ist es kein verschwenderischer Urwald, indem man sich verlieren könnte, sondern eher eingezäuntes plattes Land mit Wasserstellen. Nur wer sich Zeit nimmt genauer hinzuschauen – vielleicht eine Weile an einem Aussichtspunkt abwartet – wird belohnt.

 

 

Die krassestens Glücksschauer rasen Tierfreunden über den Rücken, wenn Koniks in der Ferne auftauchen oder ein gewaltiger Vogelschwarm aufsteigt. Da beginnt man doch tatsächlich, sich über das Sommerende zu freuen, die Zeit der großen Vogelzüge. Wunderbar (und viel ausführlicher) beschreibt Andrea auf ihrem Blog indigoblau den Zauber des Speicherkoogs.

 

Koniks

 

(Nebenbei gesagt: Ich hätte mir bei Schaffung der Naturschutzgebiete – das war erst im Jahr 1985, nachdem die Meldorfer Bucht eingedeicht war – romantischere Namen ausgedacht. Aber Dithmarscher sind wohl recht pragmatisch. Kronenloch und Wöhrdener Loch hießen die alten Arme des Gezeitenstroms – und so heißt jetzt eben auch das neue Land. Nicht lang schnacken und so.)

 

 

Apropos nicht lang schnacken: Meinen Erfahrungen nach kann man das Sommergefühl in der Meldorfer Bucht noch bis in den Oktober hinein finden. Es braucht aber wolkenlose Windstille. Wenn also demnächst die berühmten zwei südlicheren Tage aus Rilkes Herbstgedicht anstehen, wäre es ratsam, alles stehen und liegen zu lassen und zur Badestelle Nordermeldorf aufzubrechen. Falls man der Typ für Garnichts ist.

 

Wattenmeer

 

PS.: Hier geht´s zu den eingangs erwähnten Nuancen, in denen sich die Badestelle Elpersbüttel von der Badestelle Nordermeldorf unterscheidet: Klick.

Surendorf

Cyanea Capillata – Norddeutschlands „weißer Hai“

Seit Wochen knallt die Sonne vom Himmel und hat das Meer auf 23 Grad erwärmt. Kristallklar ist das Wasser heute; beinahe unbewegt. Oder anders gesagt: ein Traum. Und doch wagt sich niemand hinein. Nicht einmal mit den Füßen.

Wenn jetzt Roy Scheider und Richard Dreyfuss wild diskutierend an den Strand spaziert kämen, würde mich das gar nicht wundern. Denn genau wie auf Amity Island sind sich auch an den deutschen Küsten die Experten uneins über das Ausmaß der Bedrohung. Und man weiß ja (wenn man den weißen Hai kennt), wohin das führen kann.

Bisher weht nur die gelbe Flagge über dem Strand von Surendorf. Das bedeutet noch kein Badeverbot, sondern lediglich: Achtung, Achtung, die Situation ist brenzlig. Im wortwörtlichsten Sinn. Denn Cyanea Capillata ist ausgeschwärmt, besser bekannt als Feuerqualle.

 

 

Feuerqallen sind an Nord- und Ostsee nichts Außergewöhnliches. Bei auflandigen Winden driften sie zu Tausenden vom offenen Meer an die Küsten. Nur sind sie diesen Sommer auffallend groß.

„Wir haben diesen Sommer besonders warme Temperaturen, wie jeder mitbekommt. Von daher wachsen die Tiere schneller“, sagte Ulrich Bathmann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Es gebe an den Stränden aber nicht unbedingt mehr Feuerquallen als üblich.

Wirklich nicht? Im August berichteten die Gazetten: 50 Verletzte auf Fehmarn. 90 in Heiligendamm. 120 in Travemünde. 600 zwischen Scharbeutz und Timmendorf. Badeverbot in der Lübecker Bucht. Badeverbot in Plön. War das schon immer so? Reines clickbaiting?

 

 

Quallen lassen sich schlecht zählen. Aber man geht davon aus, dass sich ihr Bestand in Nord- und Ostsee seit den 1990er Jahren verdreifacht hat. Durch Nährstoffeintrag (also Umweltverschmutzung) und Überfischung haben Quallen gut zu essen und wenig Feinde. Das ist weltweit zu beobachten und mancherorts ein Problem. So sterben durch Quallenverbrennungen  jährlich 100 Menschen (zum Vergleich: durch Haie 10).

Norddeutschlands „Weißer Hai“ ist eine „Gelbe Haarqualle“

 

Zu Tode kommt man durch Cyanea Capillata, die Gelbe Haarqualle, nicht. Sagt die Quallen-Expertin des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel:

Sie selbst habe vor Kurzem, beim Baden in der Strander Bucht, Verbrennungen erlitten. „Ich bin durch Seegraswiesen geschwommen, in denen sich wohl mehrere Quallen verhakt hatten. Kontakt mit Nesselzellen am ganzen Körper, das war schon eine andere Nummer als der Kontakt mit nur einer Feuerqualle.“ Es habe sich so angefühlt, „als ob man sich in eine Wiese voller Brennnesseln gelegt hätte“. Aber: „Ich gehe weiterhin jeden Tag in der Strander Bucht baden, nur bei Niedrigwasser sollte man die flacheren Seegraswiesen meiden“, so Cornelia Jaspers.

Mich bringen bei Feuerquallenalarm jedoch keine 10 Pferde ins Wasser. (Ich schwimme allerdings auch nie durch Seegraswiesen; ob nun mit Quallen oder ohne). Es ist eine Typfrage, würde ich sagen.

 

Feuerqualle

 

Es ist auch eine Typfrage, ob man die gelbe Flagge ignoriert. Der Mann, der in Sichtweite unseres Strandkorbs bis zum Bauch im Wasser steht, wünschte sicherlich, er hätte zweimal drüber nachgedacht. Ein kleinerer Schwarm ist aus dem Nichts in seine Richtung gedriftet und nun versuchen Frau und Tochter vom Ufer aus, ihn durch die Medusen zu lotsen. Dabei ist das nur die halbe Miete: auch abgerissene Tentakel verursachen Verbrennungen (bei denen es sich eigentlich um Vergiftungen handelt). 70 bis 150 dieser haarfeinen Fäden besitzt die Feuerqualle – sie können bis zu 30 Meter lang werden.

 

Was tun bei Feuerquallen-Alarm?

 

Außerhalb des Wassers vereenden Quallen schon nach einigen Stunden. Das Drama ist also ganz auf ihrer Seite, wenn sie an die Küsten getrieben werden. Obwohl Feuerquallen wirklich hochinteressant und faszinierend sind, ist es keine gute Idee, sie zu beerdigen oder zu sezieren. Die Nesselzellen sind noch tagelang aktiv. (Falls es mal zum Kontakt gekommen ist, hilft die Apotheken-Umschau).

 

 

Eine gar nicht so kleine Gruppe von Badegästen versucht, das Problem zu umgehen. Die Surendorfer Strandgastronomie kracht heute aus allen Nähten. Aber so richtig Partystimmung will nicht aufkommen. Denn eine zweite Art macht klar, dass sie drauf pfeift „dem Menschen Untertan“ zu sein. Wespen haben diesen Sommer ebenso sensationelle Bedingungen wie Quallen. Und so wird mir dieser Tag am Meer als kleine Lektion in Sachen Demut in Erinnerung bleiben.

 

Sonnenuntergang

 

Was ich mich frage: Wenn der Wind an der Ostsee in Schleswig-Holstein auflandig weht, weht er dann an der Nordsee (immer) ablandig? Weil… wenn es so wäre, hätte man ganz oben im Norden ja immer mindestens ein Meer in der Nähe, wo garantiert keine Feuerquallenschwärme auftreten. Falls hier einer mitliest, der sich damit auskennt, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

 
Abendstimmung
 

Aschauer Lagune

Die Aschauer Lagune: Sex & Crime & SEO

Der erste Blick auf die reale Aschauer Lagune unterscheidet sich eklatant vom ersten virtuellen Eindruck; also ihrer Darstellung im Internet. Mir ist schon häufig aufgefallen, dass das Netz keine allzu verlässliche Informationsquelle darstellt. Das gilt nicht nur für politische Fragen.

Was Suchmaschinen auf den ersten Seiten anzeigen, hat nämlich wenig mit Güte, Aktualität oder Beliebtheit der Texte und Seiten zu tun. Sondern vorwiegend mit Suchmaschinen-Optimierung, kurz SEO (von search engine optimization). Eine langweilige Sache, bei der sich alles um Google dreht, denn über 90% aller europäischen User nutzen den Marktführer.

 

lagune

 

Vereinfacht gesagt läuft SEO so: Google gibt vor, wie ein idealer Text auszusehen hat. Je gehorsamer ich mich Googles Vorgaben unterwerfe, desto höher wandert mein Text im Ranking der Suchergebnisse nach oben. Im besten Fall wird er auf Seite 1 gebracht.

 

Aschauer Lagune

 

Analytische Menschen sind dabei klar im Vorteil. Googles Kriterien sind durchaus figelinisch und auch nicht bis ins Allerletzte bekannt. Eher hinderlich hingegen ist eine gewisse Sprachverliebtheit oder Phantasie. „Nun komm mal zum Punkt“, sagt die Suchmaschine. Sinnbildlich jetzt.

 

Eckernfoerder Bucht

 

Weil Viele texten, wie Google das will,  hat sich im Internet ein bestimmter (ich finde: unschöner) Schreibstil entwickelt. Ein gutes Beispiel sind Überschriften. Selbst renomierte Magazine (ganz krass: GEO) schrauben ihr Niveau ins Bodenlose und fluten das Netz mit Massenware, wie „Die 5 schönsten Wanderwege mit Hund“ oder „8 Geheimplätze, von denen Du garantiert noch nie gehört hast.“

 

 

Die Superlativ-Texte halten selten, was sie versprechen. Genau wie die Vorschläge der Suchmaschinen selten die gewünschten Ergebnisse bringen. Suche ich z.B. einsame Strände an der Ostsee, schlägt Google mir als erstes einen Beitrag vom NDR vor, der unter der Überschrift „ruhige Strände an Nord- und Ostsee“ die Strände von Sylt, Amrum und SPO empfiehlt. Tolle Strände, keine Frage –  bloß eben nicht an der Ostsee oder einsam – also das Gegenteil dessen, was ich suche.

 

 

Was ich unter dem Suchbegriff einsame Strände an der Ostsee nicht finde, ist die Aschauer Lagune. Dabei hätte sie es wirklich verdient. Was sie nicht so verdient, sind die Ergebnisse, die Google mir vorschlug, als ich Aschauer Lagune  ins Suchfeld tippte. „Sodom und Gomera“, hätte Else Kling gerufen, angesicht von Sex & Crime am Ostseestrand.

 

Sodom & Gomera in der Aschauer Lagune

 

Sex sells. Gerade im Internet. 2009 Jahren machte die Aschauer Lagune offenbar im großen Stil von sich reden. „Der Ferkelstrand – ein Insider packt aus“ titelte die Mopo vor 9 Jahren – und so steht es bis heute auf Seite 1. Wer sich weiterklickt, wird von der „Schweinebucht“ lesen, von Sex-Alarm und Swinger-Orgien. Aber ich glaube, das ist keine aktuelle Information.

 

Aschau

 

Crime geht ebenfalls gut. Der Artikel über Naturfrevel in der Aschauer Lagune hält sich noch nicht ganz so lange auf der ersten Seite. Doch es ist immerhin auch schon 3 Jahre her, dass Unbekannte 33 Stranddisteln zerstörten.

 

 

Die restlichen Links, die mir auf Seite 1 vorgeschlagen wurden, führten zum Campingplatz. Campingplätze klicke ich selten an – und gehe noch seltener hin. Aber der Campingplatz auf dem perfekten Nehrungshaken der Aschauer Lagune ist wirklich wunderschön!!! Ganz klein, ganz ruhig, ganz lässig – und nebenbei der erste Campingplatz in Deutschland, der Menschen mit Behinderung vorbehalten ist.

 

Liebesgrüße aus der Aschauer Lagune

 

Was ich mir nach diesen Suchergebnissen nicht hätte vorstellen können: Die unglaubliche Ruhe in der Aschauer Lagune und die unzähligen Wasservögel. Die Dünen. Den Strand. Und dass wir bei unserem Besuch an einem Hochsommertag nur 7 Menschen treffen sollten. Konkret: 2 Radfahrer, 2 Spaziergänger und eine internationale Kombo von jungen Männern; 2 davon in Taucheranzügen.

 

 

Die jungen Männer testeten hier ihre neueste James-Bond-artige Erfindung; ein Mini-U-Boot für 4 Personen. Kein Quatsch jetzt. Bisher seien sie nur mit Zweisitzern auf dem Markt, erzählten sie. Unter ihren Abnehmern befänden sich Streitkräfte verschiedener Nationen, Off-Shore-Firmen und zu etwa 10% Superreiche, denen ein weiterer Ferrari keinen Kick mehr verschafft.

 

Steg

 

Unterm Strich bleibt es erstaunlich, was es alles gibt. U.a. eben Strände, ganz in der Nähe, von denen man noch nie gehört oder gelesen hat, selbst wenn man sich ständig mit Stränden befasst. Und insofern ist es eigentlich gut, dass Suchmaschinenen anders ticken als Menschen. Sonst müsste man gar nichts selber entdecken. Dabei ist das ja der größte Spaß. Und eine Stippvisite in der Aschauer Lagune kann ich nachdrücklich empfehlen.

 

Strand Aschau

 

Aschau gehört zur Gemeinde Altenhof und liegt bei Eckernförde. Das Auto muss man in etwa 1,5 km Entfernung loswerden (daher vermutlich auch die relative Einsamkeit am Strand). Oder man kommt gleich zu Fuß; auf dem Europäischen Fernwanderweg E1 sind es von Ecktown City aus gute 8 km.

Wellenreiter Sylt

Mixtape: Ich kann schon das Meer hören

Enthält Werbung | Als Kind diskutierte ich gern mit meinen Freundinnen darüber, ob wir „lieber“ blind, taub oder stumm wären. Blind war das Gruseligste. Stumm ganz schön unpraktisch. Taub schien am „besten“, denn da fielen mir nicht nur Nachteile ein. Auf bestimmte Geräusche hätte ich nämlich schon damals verzichten können. Und das hat sich mit den Jahrzehnten noch verstärkt.

Knallt z.B. ein Jet Ski in Timmendorf übers Wasser, raubt mir das den letzten Nerv – selbst wenn ich in Scharbeutz liege.

Andersherum beamen mich wohlklingende Töne – sagen wir: Ozeanwellen – direkt in die Entspannung; egal wie es um mich herum aussieht.

 

Ostsee

 

Je gestresster ich mich fühle, desto sensibler reagiert mein Hörsinn. Ich merke das, wenn ich beruflich mit der Bahn unterwegs bin. Auf der Hinreise nehme ich die Geräuschkulisse in meinem Abteil zumeist kaum wahr. Nach einem anstrengenden Job aber kann ich die Telefonate der Mitreisenden, ihre Unterhaltungen und (shame on me, aber so isses nun mal) Kindergeschrei einfach nicht mehr ausblenden.

 

Mixedtape: Ich kann schon das Meer hören

 

Wenn ich einer zu lauten Umgebung nicht entfliehen kann (wie z.B. auf Zugreisen), funktioniert nur noch der Rückzug unter die Kopfhörer. Aufgrund meiner norddeutsche Seele dürfen natürlich möglichst düstere Krimis nicht in der Audiothek fehlen. Skandinavienkrimis gelten hier ja beinahe schon als Synonym. Je unwirtlicher die beschriebenen Landschaften und je kälter die Meere, desto besser. (Darum liebe ich besonders die Isländer, allen voran Arnaldur Indridason und Yrsa Sigurðadóttir.) Aber es muss nicht immer Nordic Noir sein.

 

schaereninsel

 

Mindestens ebenso verlässlich komme ich bei den Biographien & Erinnerungen aus dem Ankerherz Verlag zur Ruhe. Wenn Kapitän Schwandt so schön hamburgisch seine Stumwarnung in die Welt schickt oder 18 Insulaner vom Inselstolz auf Borkum, Helgoland oder Hallig Hooge erzählen, dann fühle ich mich gleichermaßen angekommen – wie inspiriert für den nächsten Trip ans Meer.

 

Robben

 

Ginge es nach mir, wäre mein Leben ohnehin ein einziger Strandspaziergang. Doch wie jeder andere Mensch habe auch ich missliche Situationen zu überstehen. Etwa Aufräumen, Putzen, Bügeln. Dann sind die Reisetitel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Löffelchen voll Zucker, das bittere Medizin versüßt. Höre ich etwas über „Die deutsche Ostseeküste: von Flensburg bis Zinnowitz“, darf ich auch mal 2 Minuten abgelenkt sein oder kurz etwas ins andere Zimmer bringen, ohne dass ich den Faden verliere.

 

Ostsee

 

Wobei ich lesend leider immer wieder den Faden verliere sind Klassiker. Das ist jammerschade. Denn einen bestimmten Teil von Nordfriesland versteht man erst, wenn man Theodor Storm kennt. Und für Dithmarschen braucht es Friedrich Hebbel.

 

Hallig Suedfall

 

Ganz leicht wird die Kunst der großen Dichter, wenn man sich an einem Regentag in einen Sessel kuschelt und den Nordseezyklus von Heinrich Heine in der Hörversion lauscht, beginnend mit seinen Eindrücken von Norderney und den Worten:

Die Eingeborenen sind meistens blutarm und leben vom Fischfang, der erst im nächsten Monat, im Oktober bei stürmischem Wetter, seinen Anfang nimmt.“

Da höre ich direkt die Wellen tosen. Den Wind pfeifen. Die Möwen schreien. Und merke, das Hören eben nicht nur Hören ist. Sondern fühlen. Und darauf könnte ich vermutlich am allerschlechtesten verzichten.

 

Nordsee

 

Offenlegung: Dieser Artikel ist in Kooperation mit Audible entstanden.

 

Priwall

Ich urlaube halbtags: Rundwanderung auf dem Priwall

Italienische Gefühle waren das Letzte, was ich mir von einer Rundwanderung auf dem Priwall versprochen habe. Doch als ich über den Markt von Travemünde zur Fähre schlendere, wehen mich so alte Erinnerungen an. Es ist kurz nach 08.00 Uhr. Und schon unheimlich warm.

Die Marktstände verwandeln die Vorderreihe an der Trave in eine Duftgalerie. Es riecht nach südlichen Früchten und frischem Gemüse, nach Brot, Kräutern und geräuchertem Fisch.

In den Cafés und Restaurants werden gerade erst die Tische hergerichtet. Körbe mit Sonderangeboten und Kleiderständer werden die vor die Geschäfte gerollt.

Und es geht doch nichts darüber, ab und zu seine Vorurteile zu überprüfen. Denn dass ich an einem hochsommerlichen Morgen freiwillig und vollkommen entspannt durch Travemünde flaniere und mich dabei wie im Urlaub fühle, hätte ich nicht gedacht.

 

88 km jenseits von St. Pauli: Urlaubsgefühle und der  Priwall

 

Normalerweise meide ich die Lübecker Bucht in der Hochsaison. Sie ist mir dann zu voll, zu laut, zu unromantisch. Nur ist in diesem heißen Sommer ja nichts normal. Er ist ein einziger Ausnahmezustand. Da ist mir die Hauptsache, dass ich regelmäßig eine Meeresbrise spüre. Und wenn man wenig Zeit hat, bleibt Hamburgern gar nichts anderes übrig als Timmendorf oder Travemünde ansteuern. Denn dort ist man eben am schnellsten.

 

Priwall

 

Ich war drauf eingestellt, mich an der Fähre in eine lange Schlange einzureihen. Aber es sind nur wenige Autos, Radfahrer und Fußgänger, die mit mir über die Trave schippern. Gleich beim Anleger schickt mich ein Wegweiser auf den  „Rundweg Südlicher Priwall„. Der 8,5  km lange Spaziergang rund um die Halbinsel eignet sich hervorragend für heiße Tage. Er führt einmal um die Halbinsel und endet am Strand. Besser geht es ja eigentlich nicht.

 

 

Hat man erst einmal die Seniorenresidenz Rosenhof auf der Rosenhofpromenade passiert, übernimmt die Natur. Der Weg führt dicht an der Trave entlang mit Blick auf den Skandinavienkai, wo Fähren nach Malmö, Trelleborg, Liepaja oder Windau ablegen. Ich träume mich auf den Dampfer nach Helsinki. Es fällt mir gar nicht schwer, denn in die Einsamkeit von Finnland habe ich mich schon oft gesehnt – und auf den ersten 1,5 km begegnet mir keine Menschenseele.

 

 

Erst an der Inselspitze treffe ich auf ein gut gestähltes, älteres Paar, das hier seine Morgengymnastik absolviert. Auf dem anschließenden Bohlenweg durch mannshohes Schilf kommt mir ein Jogger entgegen. Allmählich verklingen die Schiffsmotoren in der Ferne. Das Zirpen der Grillen wird zum lautesten Geräusch.

 

 

Die Wetterpropheten haben für heute einmal mehr den großen Regen angekündigt. Ich hoffe, sie behalten Recht. Anfang August sollte ein Naturschutzgebiet aus Feuchtwäldern, Brackwasserröhrichten und Salzwiesenresten doch sicher nicht so herbstlich aussehen, so verdorrt – so griechisch. Denke ich. Um gleich darauf in eine Szenerie der Geschwister Löwenherz zu stolpern.

 

Priwall

 

Die 4 Mädchen, die in der Pötenitzer Wiek mit ihren Pferden schwimmen, sind die letzten Menschen, die ich auf dem südlichen Teil der Rundwanderung auf dem Priwall sehe. Und da es affenheiß ist und der nördliche Teil ohnehin durch bebautes Gebiet führt, kürze ich ab – direkt an den Strand.

 

 

Es ist etwas ernüchternd, dass ich dafür das Schrecklichkeitsprojekt „Priwall Waterfront“ passieren muss. Nicht nur, weil sie (wer immer „sie“ auch sind) so furchtbar phantasielos und unsensibel bauen. Mich gruselt auch die Vorstellung von 1.500 zusätzlichen Betten (also Leuten).

 

Priwall Strand

 

Noch kann man am Strand des Priwalls ganz gut atmen. Und baden! Ich tue das auch einige Mal auf meinem Weg den Strand hinauf und wieder hinunter. Denn die Ostsee ist warm wie das Mittelmeer. Wie ungewohnt das ist, ohne zu zögern ins Wasser zu schlendern. Und ohne Zittern hinaus. Das Abtrocknen übernehmen Sonne & Wind.

 

 

Es ist erst Mittag, als ich mit der Personenfähre von der Südermole zurück nach Travemünde übersetze. Sie pendelt noch bis Oktober im Minutentakt von einer Promenade zur anderen. Und falls bis dahin noch einmal sehr heißes Wetter & ein sehr voller Schreibtisch bei mir zusammentreffen, weiß ich, wo ich spontan halbtags urlauben kann.

 

Leuchtturm Travemuende

 

Rundwanderung auf dem Priwall und dann? …. Weiterwandern

 

Wer einen ganztägigen Urlaub einrichten kann, hat 2 tolle Möglichkeiten:

Vom Priwall aus ab in die herrliche Einsamkeit von Pötenitz.

Von Travemünde aus über die idyllische Brodtener Steilküste nach Niendorf oder Timmendorf.

StrandHaus

Das StrandHaus in Dänisch-Nienhof: Platz für Sommerkinder

Man müsste im August geboren sein, dachte ich neulich bei einem Geburtstagsessen im StrandHaus Schwedeneck in Dänisch-Nienhof.

An meinem eigenen Geburtstag hätte über die Einladung wohl niemand „Hurra“ gerufen. Nicht mal ich selbst. Dabei wollte ich schon ewig in den winzigen, winzigen Ort zwischen Eckernförde und Kiel.

Aber wer wäre schon scharf drauf, im winterlichen Feierabendverkehr über die Autobahn zu zockeln, nur um am Ende irgendwo im Dunklen zu speisen?

Eben.

 

Man müsste im Sommer Geburtstag haben

 

Dann würde kein Gast wegen Grippe absagen oder aufgrund von vereisten Straßen. Ganz im Gegenteil. Alle würden sich ein Bein ausreißen, um über-rechtzeitig einzutreffen (so dass sie vorm Essen schnell noch in die Ostsee hüpfen könnten). Und überhaupt – ein Dinner am Sommermeer – das gehört doch zu den allerbesten Dingen im Leben. Gerade auch im StrandHaus Schwedeneck.

 

Wald Daenisch Nienhof

 

Dänisch-Nienhof scheint auf den ersten Blick wenig spektakulär. Eine Ansammlung von Häusern bloß, die durch nichts Spezielles im Gedächtnis bleiben. Und das ist aus dramaturgischen Gründen auch gut so. Es dämpft für einen Moment die Erwartungshaltung. Um sie im nächsten Augenblick zu übertreffen. Denn dann! Geht es auf der Strandstraße durch dichten Wald zu einem kleinen sandigen Parkplatz, gleich beim „Schloss am Meer“.

 

Klingt romantisch: Dänisch-Nienhof in der Gemeinde Schwedeneck

 

Das wunderschöne ehemalige Gutshaus, spätere Kriegsblindenheim, noch spätere Hotel & Restaurant wird heute z.T. fest bewohnt, zum anderen Teil an Feriengäste vermietet. Kein Zeremonienmeister könnte den Auftakt festlicher inszenieren, als der Weg, der vom Parkplatz zur Steilküste führt. (Er war einem Korrespondenten des Deutschlandfunks sogar einen eigenen POD-Cast wert: Here me.)

 

 

Ist es nicht seltsam: Trotz hunderter und hunderter Küstenkilometer gibt es auf dem Festland von Schleswig-Holstein gar nicht so viele richtige Strandrestaurants. Ich meine solche, die wirklich am Strand liegen und nicht durch eine Promenade, Wiese, Düne oder Steilküste getrennt (was auch schön sein kann, aber eben nicht das Gleiche ist).

 

 

Hätte ich im Sommer Geburtstag, würde ich meine Gäste genau hierhin bitten. Allein wie der Wind in den Bäumen rauscht. Allein wie der Wald duftet. Und dann der Strand, an dem es so viel entspannter zugeht als in Grömitz oder Büsum. Was erstaunlich genug ist, denn Dänisch-Nienhof ist für Hamburger schneller zu erreichen. Von St. Pauli aus sind es exakt 114 km. (Man müßte an einem Montag Geburtstag haben. Oder an einem Dienstag. Denn das sind die ruhigsten Tage. Sagte die gut gelaunte junge Dame, die an unserem Tisch servierte.)

 

StrandHaus

Top-Lage: das StrandHaus Schwedeneck in Dänisch-Nienhof

 

Die klassischen Gastgeberängste kann man sich in einem Strandrestaurant sparen. Es wurden schon bessere Tappas serviert? So what! Der wahre Genuß liegt ja im Salz in der Luft. Anfänglich treten Gesprächspausen auf? Das wäre ein Glück! Dann könnte man die Wellen besser an den Strand rollen hören. Es sind extrem aktive Kinder mit von der Partie? Na, ist doch herrlich – die können sich hier austoben, bis sie müde werden wie nie.

 

 

Selbst das Wetter – die Ur-Angst aller norddeutschen Gastgeber – wird zur Nebensache. Im StrandHaus sitzt es sich drinnen beinahe eben so schön wie draußen. Wobei gutes Wetter schon was Feines ist. Dänisch-Nienhof gehört zu den vom Glück geküssten Stränden, an denen man den Sonnenauf- wie auch den -untergang zelebrieren kann.

 

 

Hunde sind übrigens willkommen – allerdings nur im Restaurant; nicht am Strand. Das macht aber weiter nichts, denn Gassi kann man auch oberhalb der Steilküste gehen. Die Richtung ist egal. Um Dänisch-Nienhof herum gibts wenig (vielleicht auch nichts), das einem missfallen könnte.

 

Schwedeneck

 

Läuft man Richtung Eckernförde, erreicht man nach 4 km den beliebteren und belebteren Strand von Surendorf, den wir  im vergangenen Sommer mal als perfekt beschrieben haben.

Richtung Kiel sind es etwa 10 km bis zum Leuchtturm Hein Bülk im Seebad Strande. Auch das ein Ort, der uns in allerbester Erinnerung ist. Dabei besuchten wir den Leuchtturm nicht einmal im Sommer, sondern im Herbst – bei mittelmäßigem Wetter.

Und wenn ich mir die Winterfotos vom Reiselurch ansehe, muss ich zugeben: auch dann ist Dänisch-Nienhof auf eine eigene (mystische) Art bezaubernd.

 

Sommernacht

 

Aber eine Sommernacht ist eben doch noch mal was anderes. Man denke nur an Abendsonne im Gesicht. Und Meeresrauschen zum Essen. Und einen abschließenden, gemeinsamen Strandspaziergang in die Dunkelheit hinein. Wirklich, man müsste im August geboren sein. Oder sich mit Augustgeborenen so gut stellen, dass man eine Einladung erhält.

Wer keins zur Hand hat, muss aber sicher nicht verzweifeln. Hochsommernächte tragen die Tendenz zur Festlichkeit ja sowieso in sich. Es funktioniert bestimmt auch an einem stinknormalen Abend im StrandHaus.