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Grömitz

Wintersonne

Irgendwo in Düsseldorf, auf einem Speicher vielleicht oder im hintersten Winkel eines Einbauschranks, archiviert möglicherweise ein Super-8-Film mein 5-jähriges Ich am Strand von Brodau. Mag auch sein, dass der Streifen inzwischen digitalisiert ist. Oder entsorgt. Aufgenommen jedenfalls hat ihn »die Verwandtschaft«, die über Jahrzehnte ihren Sommerurlaub bei meinen Großeltern verbrachte. Weiterlesen

Elbe

Winterruhe

Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Manche verlassen alle paar Tage ihren Kobel, um auf Futtersuche zu gehen. Andere sind täglich ein, zwei Stunden wach. Letztes entspricht in etwa meinem aktuellen Leben. Es ist still geworden. Auch hier auf dem Blog.

 

Sylt

So ging es los, Februar 2014 auf Sylt

 

Ich erlebe einfach nicht sehr viel zur Zeit. Das hat natürlich mit der Pandemie zu tun. Aber auch nicht nur. Als ich heute vor sieben Jahren meinen allerersten Blogbeitrag schrieb, gab es nicht nur etliche Regionen im Norden, von denen ich noch nie gehört hatte. Ich hatte auch eine ganz andere Beziehung zu Wetter und Klima.

 

Malmoe

Selbst der Februar 2015 hatte seine Momente: Kaltbadehus Malmoe

 

Im Grunde stellte mich die Witterung hier oben höchstens mal zwischen Mai und September zufrieden. Und oft genug nicht einmal dann. Erst als ich genauer hinschaute, konnte ich mich auch für die Monate zwischen Oktober und April erwärmen. Alle haben mir etwas zu geben. Nur mit dem Februar habe ich mich nie wirklich anfreunden können.

 

Kluetzer Bach

Der Februar ist nie der beste Monate, auch nicht 2016 in Boltenhagen

 

Sicher, auch der Februar hat seine Momente. Doch noch habe ich keinen Ort im Norden gefunden, der mir während der anderen Monate nicht besser gefiele. Ich mag die Kälte nicht. Ich bin nicht einmal scharf auf Schnee. Ich habe kein Bedürfnis Ski zu laufen, besitze kein Snowboard, keinen Schlitten, keine Schlitt- oder Gleitschuhe und bade auch nicht in Eislöchern. Im dritten Bloggerjahr akzeptierte die Erkenntnis: den Februar muss ich einfach irgendwie überstehen. Und als ich es erst einmal akzeptiert hatte, fand ich auch darin eine Qualität.

 

Wanderer

In 2017 lernte ich, dass es keinen besseren Monat fuer Kunst und Kultur gibt, als den Februar

 

Doch in diesem Jahr scheint es besonders schwer zu „überstehen“. Überstehen ist jetzt schon eine ganze Weile Hauptprogramm und Vieles, was normalerweise dabei hilft, ist derzeit nicht möglich. Nicht mal rummosern. Das verbietet sich angesichts der Trauer und Ängste, die so viele derzeit unerbittlich im Griff halten.

 

Strand von Wittenbergen

Dankbar für jeden Sonnenstrahl. Februar 2018 am Strand von Wittenbergen.

 

Manchmal hilft nur, von besseren Zeiten zu träumen. Winterruhe zu halten. Im Kobel zu bleiben. Eichhörnchen wissen das. Sie verlassen ihn bei Eiseskälte nur zur Nahrungssuche. Sie können sich aber nicht daran erinnern, wo sie ihre Samen und Nüsse im Herbst versteckt haben. Darum springen sie manchmal eine ganze Weile im Freien umher. (Und freuen sich sehr, wenn jemand was Feines an einer geschützte Stelle deponiert.)

 

Insel Oslofjord

Im Februar 2019 erlebte ich gar nichts, sondern traeumte mich bloss auf kleinste norwegische Inseln

 

Ich hingegen, weiß nur allzu gut, wie und wo ich schnell an Nahrhaftes komme. Ich müsste meinen Kobel nicht einmal verlassen. Wenn ich es dennoch tue, finde ich seit etwa zwei Wochen etwas, das vielleicht gerade noch wichtiger als Essen ist und mit jedem Tag mehr wird. Licht.

 

Baakenhafen

 

Die Tage werden länger. Die Straßenlaternen im Park werden abends später angeknipst und gehen morgens früher aus. Es reicht noch nicht, um meine Winterruhe zu beenden. Auch nicht hier auf dem Blog. Aber es ist ein Anfang. Immerhin. Haltet die Ohren s-teif. Es wird besser.

Weihnachtsgruss

Weihnachtsgrüße aus St. Pauli

In einem Rotlichtviertel, wo so gut wie jedes Haus daran erinnert, was derzeit fehlt und die Existenzangst an jeder Ecke greifbar ist, kann einem aktuell schon einmal angst und bange werden. Mir hilft ein Blick in die Geschichte, denn auch wenn St. Pauli schon bessere Zeiten gesehen hat, waren auch viel, viel schlechtere Momente darunter.

In der Weihnachtszeit 1813 etwa ließ Napoleon jedes einzige Gebäude von St. Pauli niederbrennen, alle Bäume fällen, sämtliche Gärten verwüsten, um freies Schußfeld vor den Stadtoren zu schaffen. »Demolierung« nannte sich die Aktion. Kaum dass die Bewohner das Viertel wieder aufgebaut hatten, starben sie auch schon wie die Fliegen an der Cholera. „Ich vergesse, dass ich in Europa bin“, sagte Robert Koch. Gut 20 Jahre darauf mussten die Schulen auf St. Pauli schließen. Die Versorgungslage hatte sich mit Ausbruch des ersten Weltkrieges derart verschlechtert, dass kein Heizmaterial aufzutreiben war. In die Milch zu krümeln, gab´s auch nicht grad viel. Das blieb in den folgenden Jahrzehnten ein Dauerthema für die Armen, von denen es am Hafenrand reichlich gab – im Grunde ging es bis zum Hungerwinter 1946/47 so, als nicht nur St. Pauli in Schutt und Asche lag.

Während all dieser Ereignisse, gab es aber auch immer Gutes. Atempausen. Menschen, die halfen. Menschen, die sich verliebten. Menschen, die in die Hände spuckten. Es wurde gelebt und gefeiert und gelacht. Und selbst an düstersten Tagen weiß ich daher, dass das Leben in nicht allzu ferner Zukunft wieder nach St. Pauli zurückkehren wird.

 

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gutes Weihnachtsfest. Passt schön auf Euch auf! Und wenn Ihr könnt, unternehmt morgen einen Abendspaziergang. In der längsten Nacht des Jahres wird es am Himmel zum Planetentanz kommen. Saturn und Jupiter werden einander so nah sein, wie seit 400 Jahren nicht mehr. Und danach wird die Welt wieder mit jedem Tag ein bisschen heller. Oder um es mit Hans Albers zu singen:

 

Der Wind weht von allen Seiten

Dann lass den Wind doch weh´n

Denn über uns der Himmel

Lässt uns nicht untergeh´n

 

111 Orte St. PauliFehlt nur noch die letzte Adventsverlosung für dieses Jahr. Dieses Mal gibt es 3 Exemplare 111 Orte auf St. Pauli, die man gesehen haben muss. Wer das Buch gewinnen möchte, hinterlässt einen Kommentar unter diesem Beitrag – dieses Mal mit dem Stichtwort »Weihnachten«. Am 24.12.2020 um 12.00 Uhr werde ich die Gewinner per Zufallsgenerator ziehen und benachrichtigen. Viel Glück!

 

Schoenberger Strand

Dritte Chance für den Schönberger Strand

Im Sommer vor drei Jahren nahm ich mir vor, dem Schönberger Strand irgendwann einmal eine dritte Chance zu geben. Ich hatte der Gemeinde Schönberg in der Probstei im Kreis Plön beim ersten wie bei beim zweiten Besuch nicht viel abgewinnen können. Und das passiert mir an der Ostsee wirklich äußerst selten.

 

Schoenberger Strand

 

Während ich beim ersten Besuch einfach alles grässlich fand, konnte ich beim zweiten doch immerhin erkennen, dass ich mich getäuscht hatte. Der Schönberger Strand selbst ist alles andere als grässlich. Er ist prima. Nur architektonisch und städteplanerisch hat sich die Gemeinde ziemlich punktgenau so entwickelt, wie es mir maximal unromantisch scheint. Und doch:

 

Schoenberger Strand

 

Die Region Probstei besitzt etwa 30 Kilometer Küstenlinie. Etwa in der Mitte liegt der Schönberger Strand. Beinahe auf der gesamten Strecke wird der Strand von einem 1a Radweg begleitet. Die Tour landete auf meiner Liste. Ich stellte mir vor, an einem Sommertag von Laboe nach Hohenfelde zu sausen und wieder zurück.

Wenn jetzt Sommer wär´am Schönberger Strand

Die Sonne würde scheinen, stellte ich mir vor und eine frische Meeresbrise kühlen. Stets würde im richtigen Moment eine urige Fischbrötchenbude auftauchen oder ein lässiges Strandcafé. Und immer wenn mir doch einmal zu heiß würde, wollte ich in die wohltemperierte Ostsee hüpfen.

 

Schoenberger Strand

 

Als ich dann wirklich an den Schönberger Strand zurückkehrte, war Winter und alle Fischbrötchenbuden hatten geschlossen. Ich nehme an, dass die Bebauung in diesem Licht noch um einiges uncharmanter wirkte, als ich es in der Vergangenheit empfunden hatte. Aber das weiß ich gar nicht, denn ich sah nur den Strand. Seine Dünen und Sandsicheln. Und ich war hingerissen. Ging Kilometer und Kilometer (die besten 4 liegen zwischen Kalifornien und Heidkate) und konnte die Vollkommenheit kaum fassen.

 

Schoenberger Strand

 

Zweimal hatte ich in Schönberg denselben Fehler gemacht. Ich hatte das Negative überbetont und konnte darum das Positive nicht erkennen. Als ich das Gute aber erst einmal wahrgenommen hatte, spielte das nicht so Gute nicht mehr die Hauptrolle. Es wurde (und ist noch immer) ein hilfreiches Bild für mich gegen den Pandemie-Blues. Und der Schönberger Strand gehört seitdem zu meinen

 

Lieblingsspots in der Probstei

 

  1. Die Lagune von Laboe
  2. Die Brücke von Stein
  3. Der Bottsand
  4. Die Sandsicheln vom Schönberger Strand
  5. Die Strandseenlandschaft bei Schmoel
  6. Das Steinparadies von Hohenfelde

 

Schoenberger Strand

 

Eskapaden OstseeGewinnspiel: Was man im Sommer am Schönberger Strand machen kann, findet sich auch in unserem Buch 52 kleine und große Eskapaden in Schleswig-Holstein an der Ostsee.

Von dem Reisebuch verlosen wir heute drei Exemplare: Wer gewinnen möchte, hinterlässt einfach einen Kommentar mit dem Stichwort 4. Advent unter diesem Beitrag. Dann das ist der Tag, an dem der Zufallsgenerator entscheiden wird. Viel Glück!

 

Brodtener Steilufer

Das Brodtener Steilufer – gerade lang genug für einen kurzen Wintertag

Von Travemünde mäandert ein so herrlicher wie beliebter Wanderweg nah am Brodtener Steilufer nach Niendorf. Steiluferwege sind aus verschiedenen Gründen großartig. Unter anderem weil sie Rundwanderungen mit permanentem Meerblick ermöglichen. Hin oben, retour unten. Oder andersherum. Und was schöner ist, kann man eigentlich gar nicht sagen. Weiterlesen

Kraft tanken und Ruhe finden

Über den Sommer erschienen im DuMont Verlag vier Deutschland-Bände der erfolgreichen Eskapaden-Reihe. Die Activeguides enthalten ein Best-of der regionalen Bücher. Über 40 gibt es davon mittlerweile. Zwei davon haben wir erdacht/ geschrieben/ fotografiert. Daher sind wir auch in den vier deutschlandweiten Eskapaden vertreten. Weiterlesen

Bottsand

Kleines Lebenszeichen: der Bottsand

Ich musste gestern an den Bottsand denken, ein winziges Naturschutzgebiet in der Nähe von Laboe. Mein letzter Besuch ist schon eine Weile her. Es war beim ersten Lockdwon im März, einen Tag bevor sämtliche Urlauber Schleswig-Holstein verlassen  mussten. Unfassbar schien damals, woran man sich nun fast schon gewöhnt hat.

 

Bottsand

 

Im März ist es traditionell noch relativ ruhig an der Ostseeküste. Die Saison startet fast überall erst mit den Osterferien. Die Stille im vergangenen März war natürlich um einiges tiefer als gewöhnlich. Die wenigen Touristen waren abgereist und von den Einheimischen hatte niemand einen Grund, die üblichen Frühlings-Vorbereitungen zu treffen. Es hatte etwas von vergangenen Zeiten, als die Probstei noch am Ende der Welt lag. (Probstei? Noch nie gehört? Auf Lumao gibts mehr Infos.)

 

Bottsand

 

Jedenfalls: vor etwa 150 Jahren modellierten Wind und Wellen am Strand von Wendtorf in der Probstei einen Landvorsprung aus Meeressand. Diesem ersten Nehrungshaken folgte ziemlich exakt alle zehn Jahre ein weiterer. 1939 wurde der damals erst 15 Hektar große Bottsand unter Schutz gestellt.

 

Bottsand

 

Es gab eine Menge Leute, die auf den Naturschutz pfiffen. Sie wollten trotzdem genau dort an den Strand. Über Jahrzehnte schien es unmöglich, ihnen begreiflich zu machen, welchen Schaden sie damit anrichteten. Das erinnert ein bisschen an diejenigen, die sich heute nicht an Abstandsregeln halten. Aber was will man machen? Sie verhaften?

 

Bottsand

 

Im Fall des Bottsands hatte irgendjemand eine wirklich gute Idee. In den 1960er Jahren, der Nehrungshaken war inzwischen schon 70 Hektar groß und Naturschutz einer wachsenden Gesellschaftsschicht wichtig geworden, verhandelte man eine neue Nutzungsverordnung. Diese räumte dem Verein der Freunde der Freikörperkultur e.V. einen Sandstreifen im nördlichen Bereich des Nehrungshaken ein. Und das brachte die Wende.

 

Bottsand

 

So robust wie sich die Naturschutzverächter Pflanzen und Tieren gegenüber verhalten hatten, so zartbesaitet zeigten sich nun ihre Seelen beim Anblick der Nackedeis. Es wurde ruhig an der Nordspitze des Bottsandes. Sie entwickelte sich zu einem wunderbaren Refugium bedrohter Arten aus Flora und Fauna.

 

Lieblingsspots in der Probstei: 3. Bottsand

 

Heute herrscht auf dem Bottsand weitflächig Betretungsverbot. Nur in südlicher Richtung kann man hier entlang einer Dünenkette spazieren, wie es sie nur noch sehr, sehr selten an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein gibt.

 

Bottsand

 

Natürlich ist nicht alles gut geworden. Schleswig-Holstein ist kein Märchenland, sondern ganz dem Tourismus und der Landwirtschaft unterworfen. Und auch wenn das Naturschutzgebiet mittlerweile mehr als 90 Hektar misst, ist es noch immer viel zu filigran und zerbrechlich, um alle Urlauber ringsum auszuhalten.

 

Bottsand

 

Der Bottsand wird von massig Campingplätzen und der Marina Wendtorf beinahe erdrückt. Auch setzte ihr Bau dem Wachstum der Nehrungshaken 1972 ein Ende. Im gleichen Jahr wuchs hier eine Trabantensiedlung in den Himmel, die sich in der ländlichen Umgebung recht bizarr ausmacht. Der Fisch frisch vom Kutter an der Promenade ist allerdings prima und der Blick auf den unberührten Teil des Naturschutzgebietes wunderschön.

 

Marina Wendtorf

 

Ich habe mich in den vergangenen Monaten oft an den Bottsand erinnert, weil er mir ein bisschen vorkommt wie mein eigenes Leben. Es passiert so viel Hässliches und Bedrohliches auf der Welt. In Relation dazu kommt mir meine eigene Position in ihr doch recht sicher und geschützt vor. Ich will nicht sagen, dass Deutschland eine Insel der Glückseeligen ist. (Aber unterm Strich eigentlich doch).

 

Das Leben – ein Bottsand 🙂

 

Natürlich ist auch für mich seit der Pandemie nicht alles optimal gelaufen. Und zum Bloggen bin ich in letzter Zeit erst gar nicht gekommen. Ich musste ein paar Nehrungshaken bilden, könnte man sagen. Einige Schutzzäune ziehen. Davon erzähle ich dann demnächst sicher mal mehr, wie ich überhaupt wieder regelmäßiger Lebenszeichen senden werde. Bis zum nächsten Beitrag also ein herzliches Ahoi!

 

Lieblingsspots in der Probstei von Norden nach Süden

 

  1. Die Lagune von Laboe
  2. Die Brücke von Stein
  3. Der Bottsand
  4. folgt
  5. Strandseenlandschaft bei Schmoel
  6. Steinparadies Hohenfelde

Als welkten in den Himmeln ferne Gärten

Bei allen aktuellen Unsicherheiten und Unmöglichkeiten bin ich heilfroh über alles, das verlässlich wunderbar und möglich bleibt. Zu diesen guten Dingen gehören Wälder. Sie schwingen sich ja nun gerade zur Höchstform auf. Sind also prädestiniert, uns in den nächsten Wochen Trost zu spenden, Atempausen zu schenken oder wenigstens für einen Moment vollkommen zu bezaubern. Weiterlesen