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Schwäne am Strand

Wo schwimmen Ostsee nicht so voll (Mecklenburg-Vorpommern)

Kein Tippfehler. Wo schwimmen Ostsee nicht so voll, hat einer in eine Suchmaschine eingetippt. Die führte ihn auf unseren Blog. (Für Leute, die nicht bloggen: Es gibt da speziellen Ansichten, wo man solche Sachen sehen kann. Das ist interessant für erfolgsorientierte Blogger. Erfährt man doch, welche Formulierungen den eigenen Blog in der Ergebnisliste nach oben spülen. Das kann man nutzen. Auch wirtschaftlich.)

Für eher lustorientierte Blogger ist die Liste der Suchbegriffe eins a Dada.

  • „Mann springt vor Zug Einfeld Neumünster“
  • „Tinkiging Wallpepar“
  • „Im Harz unbesingt dehen“
  • „Standard Winkel Verzweigungen 60 Grad“

Ich gehe nicht davon aus, dass alle Suchenden auf unserem Blog fündig geworden sind. Offenbar ist Irren nicht nur menschlich sondern auch Google.

Manchmal staunt man, wofür die Menschen sich begeistern. Manchmal tauchen Suchbegriffe in der Suchbegriffs-Liste gleich mehrmals auf, obwohl ich ihnen gar keine Marketing-Power zugetraut hätte. Etwa:

„Pferdewurst Altes Land“

 

Anleger Luehe-Schulau

Pferdewurst gibt es am Luehe-Anleger bei Gruenendeich

Die Liste der Suchbegriffe ist auch soziologisch total spannend. Man lernt, welche Zielgruppen zu Ingroup-Verhalten neigen. Es gibt welche, die wollen:

 

„Rentner Radtour Angebote Rendsburg“

 

(Was ich erstaunlich fand. Denn die Rentner, die wir kennen, nutzen den Begriff höchstens ironisch und würden niemals (im Sinne von nie-nie-niemals) eine spezielle Rentner-Radtour unternehmen. Eher würden sie Gras essen. Aber man lernt ja nie aus.)

 

Radtour NOK

Ob Rentner oder Blogger: In Rendsburg radelt man am Nord-Ostsee-Kanal

 

Und dann gibts natürlich auch die Suchanfragen, für die sich unser Blog  allmählich zu einem kleinen Schatzkästchen entwickelt. Eine exklusive, überschaubare Leserschaft ist bei uns genau richtig. Zum Beispiel die, die wissen wollen:

 

Wo schwimmen Ostsee nicht so voll?

 

Hier lautet die Antwort: Kurz hinterm Priwall, direkt gegenüber von Travemünde bei Pötenitz.

Obwohl das natürlich nur einer der einsame Strände von Mecklenburg-Vorpommern ist, lediglich der erste, den man von Hamburg aus erreicht.

 

Strand beim Priwall

Der westlichste Strand der oestlichen Ostsee liegt gleich hinterm Priwall (dort schwimmen Ostsee nicht so voll)

 

Die wildere Seite der Ostsee: Mecklenburg-Vorpommern

 

2000 km Küstenlinie. 2000 Seen. 2000 Schlösser. Sanfte Hügellandschaften. Steilküsten. Lagunen. Wälder bis ans Meer. Bäderarchitektur. Mohnblumen, Kornblumen und überhaupt Wiesen, die einfach nur Wiesen sind. Die Ostsee ist weiter und wilder als in Schleswig-Holstein; die Natur ursprünglicher. Die ältere Vergangenheit kulturell reicher und mondäner.

 

 

Vermutlich ist Mecklenburg-Vorpommern das schönste Bundesland. Allemal exotischer für uns als Wessis. Ich weiß, ich weiß, ich weiß – für jüngere Menschen spielt das alles gar keine Rolle mehr. Aber wir sind eben anders sozialisiert. Mecklenburg-Vorpommern kommt mir nicht nur wie ein Fenster in die DDR-Zeit vor. Sondern auch wie ein Fenster ins Vorkriegs-Deutschland. Man kann da manchmal erahnen, wie es hätte sein können, wenn wir unsere Unschuld nicht in den Boden gerammt hätten. Kurz: Ich bin aus verschiedenen Gründen gern in Mecklenburg-Vorpommern. Und demnächst fahren wir wieder hin.

 

Geisterstadt an der Ostsee

 

Konkret wollen wir uns zwischen „Wo schwimmen Ostsee nicht so voll?“ und „Geisterstadt an der Ostsee“ umtun. (Noch so eine Suchanfrage, über die man auf einen Beitrag von uns gelangt. Gemeint ist die Halbinsel Wustrow bei Rerik.)

 

Rerik

wo spazieren Ostsee nicht so voll: Rerik

 

Wie vor jedem Kurztrip finde ich es schade, dass meine Suchmaschine in erster Linie unpassende Tipps ausspuckt (Ferienhäuser, Appartements, Wikipedia, Hotels, Pensionen, immer das Gleiche, schnarch). Falls Du also Ideen für die Umgebung zwischen Pötenitz und Poel hast: Immer her damit! Wir freuen uns über Kommentare oder Verlinkungen.

Westerland

Norden ist, wo man trotzdem rausgeht: 5 Wanderungen auf Sylt

Meine diesjährigen Wanderungen auf Sylt fanden bei Schnee statt, bei Nebel, bei Kälte, bei Regen; also ausschließlich unter grauem Himmel. An 9 von 14 Tagen schien die Sonne nicht. Das ist eine richtig schlechte Quote für Sylt. Aber was will man machen.

In Norddeutschland ist das Wetter nun mal so. Und zwar ziemlich oft. Um es überhaupt zu ertragen, muss man trotzdem rausgehen. Sich meinetwegen auch zwingen. Das Graue fühlt sich nämlich a) besser an, als es aussieht. Und ordnet sich b) schön geschmeidig den eigenen Gedanken unter.

Nur für den Fall, dass Du mal bei schlechtem Wetter auf Sylt sitzt, hier fünf Vorschläge zum trotzdem Rausgehen und la Paloma pfeifen.

 

Das Alljahreswetter zwischen Kampen und Braderup (ca. 10 km)

 

Wer nach Norddeutschland fährt, muss wissen: Hier gibt es  keine Jahreszeiten sondern eine Art Alljahreswetter. D.h.: Temperaturen zwischen 10 und 18 Grad plus bedeckter Himmel. Das ist im Januar genauso normal wie im Juli.

Das allerschlechteste Wetter hat (glaub ich) Hamburg. An den Küsten ist es gefühlt etwas besser. Das beste Wetter gibts auf den Inseln. Aber selbst da hat man mal Pech im Sinne einer kompletten Woche ohne Sonnenstrahl.

 

 

Man hat natürlich auch manchmal Glück. Dann sieht Norddeutschland wirklich so aus wie in Reisekatalogen oder auf Blogs. Aber das ist seltener. Es ist also keine schlechte Idee vor einem Trip nach Norddeutschland darüber nachzudenken, ob man damit klarkommt. So schwer wie es klingt, ist das gar nicht. Denn irgendeinen Grund muss es ja haben, warum die teuersten Grundstückspreise im Norden erreicht werden; konkret in Kampen.

 

Wanderung: Von der Springer-Burg in Kampen immer am Watt lang bis zur Braderuper Heide. Zurück über die Heide und die Kupferkanne. Ggf. Nusskuchen essen. Ca. 10 km.

 

Grau, grau, grau sind alle meine Farben: Wattwanderweg Braderup bis Keitum (5 km)

 

Ich hab mal in einem Verlag gearbeitet, der die beste Fernsehzeitschrift von allen herausbrachte. (Es war, als man noch Fernsehen sah.) Der Titel zeigte in der Regel eine Frau mit beeindruckendem Dekolleté vor blauem Hintergrund. Das ist heute noch so. Versuchten die GrafikerInnen nämlich etwas anderes, etwa einen hellgrünen Hintergrund oder einen Mann auf dem Titel, brachen die Auflagen sturzartig ein. Mit Landschaftsfotos ist es das Gleiche. Wie ich auf Facebook festgestellt habe. Grauer Himmel = wenig Likes.

 

 

Der strahlend blaue norddeutsche Himmel ist ein beeindruckendes Dekolleté. Von Touristikern fast immer mit Photoshop geschönt. Von Bloggern manchmal auch. Denn es ist ja so: Es tut einem in der Seele weh, wenn man nicht zeigen kann, wie wunder-wunder-wunder-wunderschön das Gezeigte eigentlich ist. Wenn die Sonne scheint.

So geht es mir mit einer meiner allerliebsten Wanderungen auf Sylt überhaupt, die ich wirklich jedem ans Herz lege (obwohl die Fotos keine Lust drauf machen).

Wanderung: Vom Weißen Kliff der Braderuper-Heide über Munkmarsch nach Keitum. Die Wanderung setzt dort ein, wo die vorherige aufhörte. Könnte also gut kombiniert werden. Für sich genommen ist sie ca. 5 km lang bzw 10 km, wenn man den gleichen Weg zurücknimmt. Was ok ist, weil man eigentlich gar nicht genug von diesem Teil der Insel kriegen kann. (Aber ich muss das echt mal bei besserem Wetter zeigen).

 

La Blidselbucht est grise et triste (7 km)

 

Il pleut. La Rue est grise et triste. Das ist ungefähr das Einzige, was ich vom Französischunterricht noch weiß und ebenso motivierend wie ein Spaziergang bei Regen und Kälte. Genau deswegen muss man wandern. Wandern ist nämlich einen Tick schneller als Spazieren. So 5 – 6 km pro Stunde. Wobei es am Strand natürlich manchmal langsamer zugeht.

 

 

Das Beste am Wandern: Man friert nicht. Man kann sogar die Grautöne ganz schön finden. Überhaupt macht ja wenig so zufrieden wie eine Wanderung bei Schmuddelwetter. Man hat den Elementen getrotzt. Alle Achtung! (Wichtig allerdings ist ein Gasthaus am Ziel. Zur Belohnung.)

Wanderung: Ob man von der Kampener Vogelkoje zu Gosch am Lister Hafen läuft oder andersherum, kann man ja nach seinen gastronomischen Wünschen ausrichten. Bushaltestellen gibts an beiden Endpunkten. Von der Vogelkoje aus läuft man gute 4 km am Meeressaum und wechselt für den Rest auf die Lister Promenade. Insgesamt 7 km.

 

Grieselgrauer Ellenbogen (ca. 20 km)

 

Manchmal (selten) ist grauer Himmel genau das Richtige. Als David Bowie starb zum Beispiel. Da wanderte ich um den Ellenbogen und hörte, was mein I-Pod Bowie-mäßig so hergab.

 

 

Ich habe viele wirklich wunderbare Nachrufe auf David Bowie gelesen. Aber seine Musik in Kombination mit Worlds-End-Gefühl ist doch noch mal was anderes. Intensiveres.

 

Wanderung: Die Wanderung um den Ellenbogen kann man so lang oder kurz gestalten wie man will. Ich starte immer an der Weststrandhalle (wo auch ein Bus hält). Dabei kommt man ungefähr auf 20 km (in etwa 4 Stunden zu erledigen). 

 

Eine geht noch: Wanderung durch das Klappholttal

 

Glücklicherweise habe ich meine fünfte Wanderung auf Sylt bereits beschrieben, so dass ich sie nur noch verlinken muss: Klick.

Vor meinem Fenster ist nämlich gerade ein weiterer, bleigrauer Morgen über Hamburg aufgezogen. Das Ganze fühlt sich jetzt schon an wie 17.00 Uhr. Grau macht müde. Tranig. Rammdösig. Jedenfalls wenn man drinnen bleibt und auf einen Bildschirm starrt.

Dagegen hilft nur: Trotzdem rausgehen. Und das mache ich jetzt mal.

Komm gut in die Woche!

Hafen List

Winter auf Sylt: Warum List unsere erste Wahl ist

Sandra von Wortkonfetti fragte uns u.a., welche drei Orte man im Norden unbedingt gesehen haben sollte.  Wir antworteten mal wieder: List. Daran haben zwei Jahre in der Nähe bleiben nichts geändert. Und darum legen wir uns ausnahmsweise fest.

Das Beste was man im Januar in Norddeutschland machen kann, ist Urlaub in List. Zum einen ist es schön symbolisch das Jahr ganz oben zu beginnen. Und zum anderen wären da auch noch folgende 5 Großartigkeiten:

1. Die Blidselbucht zwischen Kampen und List

 

Nördlich von Kampen gibt es auf 8 km nichts als ein paar Reetdachhäuser und die Listlandstraße. Sie verläuft zwischen den höchsten Dünen und der lieblichsten Bucht der Insel – der Blidselbucht – nach List.

 

Die Häuser liegen in List am Wattenmeer. Das ist friedlicher als an der Brandungsseite. Man kann das Donnern der Nordsee jedoch hören, wenn der Wind aus bestimmter Richtung weht. Ruft sie zu laut, ist man schnell da. Mir gefällt die Wattseite in List besser als in Kampen, Keitum oder Morsum, weil es Strand gibt. Nichts gegen Salzwiesen, aber gegen den Oststrand von List können sie nicht anstinken.

 

2. Nur ein paar Nordlichter: Mellhörn

 

Wie überall auf Sylt kann man auch in List Quartiere in jeder Preisklasse finden. Der Unterschied ist, dass man in List selbst in allerbester Lage genügsam Logis nehmen kann: Sogar im Ortsteil Mellhörn (wie wir aus sicherer Quelle wissen). Das kleine Dünental liegt direkt an den Blidselbucht, knapp 2 km vor dem Lister Ortseingang.

 

Listlandstrasse Sylt

 

Das Ferienhaus, in dem wir regelmäßig zu Gast sind, ist weit von genügsam entfernt. Ein Sahneschnittchen; superschön gelegen, superschön eingerichtet, zum Strand sind es nicht einmal 2 Minuten. Ziwschen Mitte Januar bis Mitte Februar sind viele Häuser am Mellhörn nicht vermietet. Manchmal brennt in der ganzen Straße nur bei uns Licht. Das macht sich natürlich gut unter einem galaktischen Sternenhimmel.

 

 

Meerblick haben wir von unserem Ferienhaus zwar nicht – dafür aber Dünenblick in die Weite des Listlandes. Den schätzen besonders unsere Katzen (wegen der Kanninchen).

 

3. Achtung: Cat Content

 

Man muss es ja gar nicht lesen, wenn man ein normaler Mensch ist, aber für Tierhalter können zwei Wochen ohne die Tiere lang werden. Und für Tiere ebenfalls. Das geht auch Katzen so. Obwohl ja immer behauptet wirde, der Ort sei wichtiger als der Mensch. Jedenfalls sind unsere Katzen immer extrem fröhlich, wenn sie das Ferienhaus wieder in Besitz nehmen.

 

 

Unter einem anderen Beitrag (ganz unten in den Kommentaren) hat übrigens Dorothea verraten, dass ihre Wohnungskatzen im Sommer regelmäßig auf Hiddensee zu Freigängern werden. # Floh-ins-Ohr-gesetzt.

 

4. Auf die richtige Art und Weise ausgestorben

 

List ist im Winter schön einsam und öde, aber nicht vollkommen ausgestorben, wie etwa Kampen. In List leben nämlich noch ein paar echte Sylter und mehrmals täglich bringt die Fähre einige Dänen zu Gosch, so dass man seinen Weisswein nie allein trinken muss.

 

 

In List ist immer eine Kneipe, ein Restaurant, ein Bäcker, ein (mittelmäßig sortierter) Supermarkt geöffnet. Man kann sich locker eine Woche in List 1a amüsieren. Natürlich vorausgesetzt man kommt mit schlechtem Wetter klar und hat was übrig für Natur.

 

5. Das Beste am Schluß: Listland, Weststrand, Ellenbogen

 

Das Listland mit seinen Wanderdünen, dem Ellenbogen und Königshafen ist das einzige naturbelassene Gebiet auf Sylt. Ein großer Teil steht unter Naturschutz und darf nur von Schafen betreten werden. Die leben im Listland übrigens frei. Grasen am Straßenrand oder bummeln über die Radwege. Beinahe wie in Irland, England oder Schottland. Und ich glaube, das ist es vielleicht auch, was List für uns so besonders macht. Es ist ein bisschen freier hier als anderen deutschen Stränden.

 

 

Das Einzige, was nicht ganz ideal ist an List, ist die Entfernung zu Hörnum. Das wäre nämlich unsere zweite Wahl auf Sylt, liegt aber ganz am anderen Inselende.

 

Hoernum

 

Mich würde ja mal interessieren, ob irgendjemand List nicht so doll findet!? Oder was für andere Orte auf Sylt spricht. Eure Meinungen und Kommentare sind sehr willkommen.

 

Glimmerton & Kaolinsand: Nationaler Geotop Morsum-Kliff

Wo Sylt für Zugreisende beginnt (nämlich am Ende des Hindenburgdamms) ragt das Morsum-Kliff am Wattenmeer auf. Es ist weder so überwältigend wie das Rote Kliff von Kampen noch so hübsch anzusehen wie das Weiße Kliff in Braderup, erdgeschichtlich jedoch viel bedeutender.

Privatinitiativen ist es zu verdanken, dass die Steilküste noch existiert und heute Teil eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands ist. Eigentlich sollte das Kliff beim Bau des Hindenburgdamms in den 1920er Jahren nämlich abgetragen und als Baumaterial verwendet werden. Was äußerst betrüblich gewesen wäre. Denn das Morsum-Kliff ist geologisch gesehen einzigartig in Europa.

 

Beeren

 

Ein Spaziergang am Morsum-Kliff ist prima für Leute, die nicht so gern spazieren gehen. Auf knappen 5 km geht es extrem vielfältig zu. Zum 43 Hektar großen Areal des Naturschutzgebietes gehört neben dem Kliff ein großer Teil der Dünen- und Heidelandschaft oberhalb der Abbruchkante. Sie ist natürlich am schönsten zur Blüte im August. Dafür hat man sie im Januar ganz für sich allein. Genau wie den kostenfreien Parkplatz vom Hotel und Restaurant Morsum-Kliff. Dort wird auf Tafeln ausführlich über das Kliff informiert.

Heide Morsum

 

Vom Parkplatz aus gesehen links führt ein Trampelpfad über die Heide nach „Klein Afrika“. Das Dünental mit ungewöhnlich feinem, roten Sand weist aufgrund bestimmter Windverwirbelungen besonders hohe Temperaturen auf. Bis zu 50 Grad kann es hier werden; daher der Name. Sand ist überhaupt die Hauptsache am Morsum-Kliff.

 

Klein Afrika Morsum

 

Das Morsum-Kliff gehört zu den 77 nationalen Geotopen. Geotope werden definiert als „Gebilde der unbelebten Natur, die Einblicke in die Erdgeschichte vermitteln“. In der Regel handelt es sich um Steine und Sand und so (aber auch das Wattenmeer ist dabei. Insofern gebühren dem Morsum-Kliff eigentlich zwei Listenplätze.).

am Morsumkliff

 

Das Besondere am Morsum Kliff ist, dass die Gesteinsschichten nicht übereinander lagern, sondern nebeneinander. Gletscher haben das Land quasi gefaltet. Kaolinsand neben Glimmerfeinsand neben Limonitsandstein. (Auch wenn es sich um sehr hübsche Bezeichnungen handelt, interessiere ich mich ehrlich gesagt in wissenschaftlicher Hinsicht nicht sonderlich für Steine und Sand. Daher für Wissbegierige ein Profi-Link zum Morsum-Kliff oder auch „Bunten Kliff“.)

 

 

Wenn ich mich auch wissenschatlich nicht für Steine und Sand begeistern kann, so doch emotional. Vielmehr visuell: Das Morsum-Kliff ist eine zurückhaltende Schönheit. Auf irgendwie ungefällige, unangepasste, urzeitliche Art. Unten am Watt führt der Weg westwärts, bis das Kliff nach knapp zwei Kilometern allmählich niedriger wird. Dort könnte man einen kleinen Abstecher zum Hindenburgdamm machen. Er ist nur noch einige Schritte entfernt. Der offizielle Rundweg führt hinauf aufs Kliff.

 

Rundweg Morsum-Kliff

 

An der Abbruchkante sollte man wirklich (wirklich, wirklich, wirklich) auf den ausgeschilderten Wegen bleiben. Der Sockel des Morsum-Kliffs ist viele Millionen Jahre alt. Seit Touristen drauf rumkraxeln, aber schon ganz schön errodiert. Nur falls es jemand nicht weiß: Sobald Dünengras weggetrampelt wurde, kommt der feine Dünensand in Nullkommanichts ins Rutschen. Und es kommt wirklich (wirklich, wirklich, wirklich) auf jeden Einzelnen an.

 

 

Von der Aussichtsplattform blickt man bis zur Wanderdüne von List. (Wie ich gerade mit einem Faden auf einer Google-Map gemessen haben, ist sie etwa 18 km Luftlinie entfernt). Dieser weite Blick; das ist so toll auf Inseln.

 

Wanderduene

 

Warum die Wanderdüne nicht zu den nationalen Geotopen gehört, müsste mir mal einer erklären. Immerhin ist sie die letzte Wanderdüne Deutschlands. Aber das ist einen eigenen Bericht wert. (Offenbar interessiere ich mich mehr für Sand, als ich dachte).

Merken

Sonnenaufgänge gehen immer. Besonders am Meer.

Heute gibts wenig Worte – dafür einige Sonnenaufgänge. Ich tippe mit links. Meine rechte Hand ist bandagiert; ich soll sie schonen. Nichts wirklich Schlimmes; nur ein mittleres Malheur. Es dauert jedoch Stunden, einen einzigen Satz zu tippen. Und wie ich auf facebook gemerkt habe, kommen Sonnenaufgänge auch ohne Worte gut an. Ich selbst habe sie auch gern. Besonders am Oststrand von List auf Sylt.

Sonnenaufgänge am Meer

Von unserem Ferienhaus bis zum Strand sind es nur ein paar Schritte. Ich kann sie morgens nie schnell genug gehen, weil ich so gespannt bin, was mich erwartet. Es ist immer anders. Und immer überwältigend. (Was man erst richtig sieht, wenn man mal auf die Galerie klickt).

 

 

Sonnenaufgänge folgen der Morgendämmerung

Die Morgendämmerung ist am Meer ebenfalls nicht ohne. Zumal sie vom Piepsen und Schnattern und Kreischen der Seevögel begleitet wird. Wenn ich am Meer bin, tippe ich am ersten Abend immer Sonnenaufgang + aktueller Ort in die Suchmaschine meines Vertrauens. Und dann stehe ich am folgenden Morgen etwa 20 Min vorher am Strand, um dem Tag entgegen zu sehen.

 

Morgendaemmerung

 

Tatsächlich geht ja gar nicht die Sonne auf, sondern man selbst wendet sich (mit der gesamten Erde) zu ihr hin. Springt über die Tag-Nacht-Grenze hinweg. Im Norden dauert das zum Glück länger als im Süden. Im Winter ist es häufig grandioser als im Sommer.

Sonnenaufgänge sind das Gegenteil von Sonnenuntergängen

Sonnenuntergänge sind auch nicht schlecht. Gerade am Meer. Sie sind aber (meiner subjektiven Beobachtungen nach) nicht so verlässlich wie Sonnenaufgänge. Morgens ist es am Strand meistens schön. Abends passiert es relativ oft, dass der Horizont auf den letzten Metern plötzlich diesig wird. Das ist dann wie ein Verhauchen statt des ertwarteten Knalleffekts.

 

Sonnenuntergang1

 

Außerdem haben Sonnenuntergänge immer etwas mit Abschied zu tun. Sie sind im Grunde melancholisch. Denn danach ist der Tag unwiederbringlich vorbei.

 

Sonnenuntergang2

 

Sonnenaufgänge sind aller Freude Anfang

Sonnenaufgänge sind heiter, weil alles noch vor einem liegt.

Und heimlich. Man hat sie ziemlich oft für sich allein, weil alle anderen noch schlafen – oder bereits arbeiten. Das ist selbst im Hochsommer in Touristenhochburgen so. (Etwa in Timmendorfer Strand.)

Nach einem Sonnenaufgang hat der Tag am Meer eigentlich schon genug getan, um zu den besseren Tagen im Leben zu zählen.

 

 

Wer weiß; vielleicht funktioniert das ja auch virtuell?!

Kommt gut in den Tag, Ihr Lieben.

Klappholttal Sylt

Schnee, der auf Dünen fällt: Wanderung durch das Klappholttal

Das Klappholttal auf Sylt heißt laut Wikipedia seit einiger Zeit nicht mehr Klappholttal. Warum nicht, konnte ich ebenso wenig in Erfahrung bringen wie den aktuellen Namen der Dünenlandschaft zwischen Kampen und List. Das finde ich zwar irgendwie seltsam. Gleichzeitig passt es aber ganz prima zu dieser geheimnisvollen, spröden Naturschönheit, die nicht mehr Klappholttal heißt (und die ich im folgenden der Einfachheit halber trotzdem Klappholttal nennen werde).

 

Duenental

 

Winter im Klappholttal

 

Eine Wanderung im Klappholttal ist eine feine Sache, weil man auf der gesamten Strecke nichts mit Autos zu tun bekommt. Auf dem Hinweg wandert man am Strand entlang. Und auf dem Rückweg auf der alten Inselbahntrasse, die sich paralell zum Strand durch eine immense, mysteriöse Dünenlandschaft schlängelt. Bei gutem Wetter ist die Inselbahntrasse ein beliebter Radweg. Aber nicht, wenn´s schneit. Denn wenn´s schneit, geht man natürlich lieber zu Fuß. (Ich ja ohnehin. Und als Einzige an diesem Tag.)

 

Strandweg Klappholttal

 

Gestartet bin ich in der Westerheide; umgedreht an der Buhne 16. Die Strecke würde ich auf ca. 12 km schätzen. Man kann es auch länger oder kürzer halten. Das ist bei beinahe allen Wanderwegen auf Sylt so.

Jedenfalls: meiner begann in der Westerheide (Bushaltestelle Westerheide/Blidsel); einer kleinen (Millionärs)-Siedlung kurz vor List; in etwa dort, wo die Ellenbogenstraße beginnt. Und weil ich die Dünen noch nie zuvor im Schnee erlebt hatte, und weil da außer mir keiner war (gar keiner), war ich einen Moment lang fassungslos. Es war die Fassungslosigkeit, bei der man die ganze Zeit grinsen muss. Oder laut „krass“ sagt, obwohl überhaupt niemand zuhört.

Es war sehr still (mal abgesehen vom Grollen der Nordsee im Hintergrund) und irgendwie mond-artig; mindestens aber wie in den Highlands (also, wie ich es mir in den Highlands vorstelle). Nach einem knappen Kilometer nahm ich den ersten Trampelpfad zum Meer. Und da war ich dann schon wieder fassungslos.

 

Weststrand im Schnee

Leider beschlug die Kamera immerzu, so dass ich die Bilder jetzt als Kunstfotos verkaufen muss

 

Die Nordsee ist an sich schon ein Kracher. Die Nordsee ganz allein für sich – mit einem schneebedeckten Strand ohne Fußspuren – noch mal ein ganz anderes Kaliber. Das hat so was Vorzeitliches. Oder viel mehr Ewiges. Nach etwa einem Kilometer kam mir eine Frau entgegen. Nach einem weiteren Kilometer ein SUV-Fahrer (ich vermute, der Ranger). Und viel später traf ich dann noch mal zwei Frauen. Ansonsten war ich allein.

 

 

Mir ist in den vergangenen Tagen aufgefallen, dass unter den wenigen Spaziergängern auf Sylt überproportional viele allein unterwegs sind. Ich denke, es liegt am schlechten Wetter. Im Moment kann man irgendwie niemanden mit gutem Gewissen zu einem Spaziergang überreden. Im Moment kann man nur freiwillig losmarschieren. Im Moment ist es nämlich nur schön für Menschen, die das Raue lieben. Für die anderen ist es jetzt furchtbar; bzw. nur in Mini-Dosen genießbar.

 

 

Für die, die es nicht furchtbar finden, ist es im Moment allerdings irrsinnig schön. Gerade allein, finde ich. Nichts drängt sich auf, schreit um Aufmerksamkeit oder lenkt ab. Und ohne den üblichen permanenten Input kann man seine eigenen Gedanken auf einmal wieder hören. Bzw zuende denken. Oder überhaupt erst einmal entwickeln.

 

Moewe

 

Man muss allerdings Grautöne lieben, vermute ich. Sonst könnten die Gedanken eine Schwere bekommen. In dem Fall wäre man wohl besser im Sommer auf Sylt aufgehoben. Denn lieblich ist die Insel derzeit eher weniger. Was zum Beispiel im Sommer wie eine Bildungsstätte aus dem Bilderbuch aussieht, sieht im Winter aus wie eine trostlose Gemeinde auf Island.

 

Akademie am Meer im Winter

 

Die Akademie am Meer„, heißt (anders als das Klappholttal) wirklich Klappholttal. Und ist besonders bei Ausdruckstänzern und Hobbymalern ziemlich beliebt. Was ich nicht despektierlich meine. Im Gegenteil. Ich stelle mir einen Aufenthalt großartig vor.

 

 

Beim Gegenteil der „Akademie am Meer“, der Buhne 16, verließ ich den Strand. Die Buhne 16 ist im Winter geschlossen; ansonsten aber unbedingt einen Besuch wert. Auch wenn das Gunter Sax-Feeling natürlich längst Geschichte ist. Aber es ist eben eine wirkliche Beach-Bar und nicht ein Haufen Sand irgendwo in der Stadt. Und ich liebe den Weg vom Bistro bis zur ehemaligen Inseltrasse.

 

 

Der Rückweg auf der ehemaligen Inseltrasse war weniger anstrengend als das Gehen im Sand. Aber nicht weniger meditativ. Weil über Kilometer fast alles gleich aussieht. (Und der Weg wurde zum Ende auch ein bisschen lang; was ich immer prima finde beim Wandern.)

 

Klappholz

 

Dabei fiel mir auch wieder wie ein, wie oft ich im Klappholttal schon halb umgekommen bin vor Durst. (Es gibt nämlich nirgends eine Einkehrmöglichkeit.) Es gibt nur Dünen und Dünen und Dünen und Dünen. Und ein wenig Klappholz hier und da.

 

Schnee auf Duenen

 

Hierzu bemühe ich nochmal die Wiki-Definition: „Klappholt“ – Klappholz ist das durch Wind und Wetter „zusammengeklappte“, krumm wachsende, teilweise als Dickicht imponierende Nadel-Unterholz. Es ist ausgesprochen malerisch und bietet künstlerischen Bestrebungen reichen Gegenstand.

Da stimme ich zu. Wobei ich ergänzen möchte: Im Winter muss man die Grautöne lieben.

Klirrendkalte Königin: Sylt im Januar

Alle Jubeljahre hat man auf Sylt im Januar mal das Glück, dass es saukalt ist. Glück schreibe ich, die überhaupt nichts mit Kälte am Hut hat. Doch ich kann die Klarheit gut gebrauchen nach der zuckersüßen, gemütlichen Weihnachtszeit. Und Sylt ist geradezu schockierend schön, wenn sie die Eiskönigin gibt. Das fängt schon an, bevor man überhaupt da ist. Jedenfalls wenn man mit der Fähre von Rømø anreist.

 

 

Wir machen das grundsätzlich. Es dauert vielleicht eine halbe Stunde länger. Kostet dafür aber auch nur halb so viel wie der Autozug. Und ist ein Highlight für sich. Beginnend mit dem 10 km langen Damm durchs Wattenmeer, der Rømø mit dem Festland verbindet. (Wer noch nie auf Rømø war, sollte unbedingt ein bisschen Zeit einplanen, um sich den breitesten Strand des Nordens anzusehen.)

 

 

Die Fähre benötigt für die Strecke von Rømø nach Sylt 45 Min. Im Januar muss man auf gar keinen Fall vorbuchen. Manchmal hat man das Schiff sogar ganz für sich.

 

Bullauge

 

Ein besonderer Moment ist immer, wenn der Ellenbogen in Sicht kommt. Meinem Gefühl nach kommt die Fähre der Nordspitze Sylts Jahr für Jahr dichter. Und da kann man gut sehen, was den Januar auf der Insel ausmacht.

Wo im Sommer Völkerwanderung angesagt ist, kann man jetzt für sich sein. Sylt im Januar ist was für Experten. (Ganz Norddeutschland ist im Januar was für Experten.)

 

 

An Deck der Fähre dudelt grundsätzlich 70er Jahre Mucke. Leise nur. So dass man sie erst wahrnimmt, wenn man zur Ruhe kommt; vielleicht die Augen einen Moment schließt. (Erster Song, der mein Bewusstsein erreichte: Dr. Hook; when you´re in love with a beautiful woman). Wem das kein Lächeln aufs Gesicht zaubert, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen.

 

Sylt im Januar

 

We ♥ Sylt im Januar

 

Seenotkreuzer List

 

Einer der Gründe, warum wir Sylt im Januar so gern haben, ist das Licht. Besonders an klaren, kalten Tagen. Es ist ein wirklich nordisches Licht.

So nordisch wie bei unserer Ankunft haben wir die Insel aber noch nie erlebt. Fast arktisch kam uns das vor. Auch wenn es keinen Schnee gab.

 

Braderup

 

In der Braderuper Heide Arktis war das Wattenmeer zu Eis erstarrt. Ultracooler, für alle Zeiten abgespeicherter Moment. Unwirklich eigentlich.

 

Eis statt Watt

 

Zur Eiswüste muss man sich eine Totenstille vorstellen. Abgesehen vom Piepsen eines Strandläufers ab und zu, war das Knirschen des Schnees unter unseren Stiefeln das einzige Geräusch.

 

Eis auf dem Watt

 

Auf dem Eis war es – na, klar – eisig. In den Dünen hatten wir es gar nicht so gemerkt. Aber über das Watt fegte so ein ganz hinterhältiger Ostwind – Frostwind. Wie ein gezackter Blitz drang der unter die Klamotten. Meine Hände schmerzten trotz Handschuhen schon nach Minuten vor Kälte. (Volko in seinem unzulänglichen Outfit fotografierte in aller Seelenruhe. Er ist schmerzfrei, was das angeht.)

 

Eiskalt

 

Das Gute an der Irrsinns-Kälte: Wir hatten das Braderuper Watt fast ganz für uns allein. Nur ein andereres Paar hatte sich noch überwinden können. Das Schlechte: Ich hielt es (trotz Polarjacke) auch nicht lange aus. War aber hin- und hergerissen, weil es so wunderschön war.

 

Braderup im januar

 

 

Eiskalte Eiskönigin Sylt

 

Aus dem Auto sah es gar nicht so kalt aus. So dass wir es immer wieder versuchten, an anderer Stelle aufs Eis zu gehen. Wie hier in der Blidselbucht. Um auch dort relativ schnell wieder aufzugeben. Was auf einer gewissen Ebene ja sehr gut zum Jahresauftakt und den ewigen guten Vorsätzen passt.

Und das ist noch so ein Grund, warum ich Sylt im Januar liebe.

 

Blidselbucht List

 

Nirgends & niemals glaube ich an mein besseres Ich so sehr wie hier & jetzt. Meistens habe ich meine Silvester-Vorsätze nämlich noch nicht über Bord geworfen, wenn wir auf die Insel fahren. Auch dieses Jahr bin ich noch gar nicht dazu gekommen, meine guten Vorhaben kleinlaut zu brechen. Noch glaube ich (fest), dass im neuen Jahr alles anders & besser wird.

 

duenneseis

 

Neulich fasste ein Philosoph im Radio die Lage des unauflösbaren Dilemmas der guten Vorsätze zusammen. Der Mensch nimmt sich immer wieder Dinge vor, die er zu 99,99 Prozent nicht erreichen wird. Was frustrierend ist, weil man es „eigentlich“ von vornherein weiß. Man ist in der Regel ja schon 1.000 Mal am selben Vorhaben gescheitert. Dem gesunden Geist scheint es aber keine Option, das Ganze aus Frustschutzgründen gleich sein zu lassen. Denn das käme der inneren Aufgabe gleich. Also versucht man es einfach wieder und wieder.

 

Strandlaeufer

 

Und in gewissen Moment (zum Beispiel: auf Sylt im Januar) glaubt man fest, dass es dieses Mal klappen wird. Dass endlich die 00,01%ige Wahrscheinlichkeit eintritt. Wichtig dabei: Die Momente, in denen man (an) sich glaubt, sind kein Selbstbetrug. Sondern wunderbarer Einklang mit sich und der Welt.

 

Ice Ice Baby

 

Wer im Januar verreist, genießt diesen Einklang ein bisschen länger.

In manchen Jahren habe ich zum Beispiel noch nicht mal angefangen, meine guten Vorsätze umzusetzen, wenn wir nach Sylt kommen. Dann bin ich den ganzen Urlaub fest davon überzeugt, dass ich damit beginne, wenn das „echte Leben“ in Hamburg wieder losgeht.

Und falls ich meine guten Vorsätze auf Sylt breche, denke ich mir, naja, ist ne Ausnahme. Nach dem Urlaub wird definitiv ernst gemacht.

Und wenn ich ahne, dass es in Hamburg nichts mehr mit meinen großartigen Vorsätzen wird, sage ich mir: Gut, schön, Du bist nicht perfekt, aber wer wird sich davon diese kostbaren Tage vermiesen lassen?!

 

Daemmerung

 

Unterm Strich ist Urlaub im Januar einfach total super. Denn wie man´s macht, macht mans richtig. Auf Sylt sowieso.

Inzwischen ist es übrigens etwas wärmer geworden. Gerade so viel wärmer, dass es gestern für dicke, fette Schneeflocken reichte. Und auf der Nordsee treiben jetzt kleine Eisberge und Schollen umher. Das zeigen wir dann demnächst mal.

 

Abend

 

Hoteltipp: Crowne Plaza Berlin City Centre

Letzte Woche hätte ich fast live aus dem Crowne Plaza Berlin City Centre gebloggt. Leider hat das nicht geklappt. Dabei wollte ich immer schon mal einen Beitrag mit den Worten „live aus …“ beginnen. Ich finde es nämlich immer zum Piepen, wenn Radiobeiträge derart an- oder abmoderiert werden. Als würde nicht jeder ständig von überall auf der Welt senden, twittern, skypen oder bloggen.

Also, fast jeder. Denn: wir ja nicht. Bzw fast nie. Im Norden konnte das Netz bekanntlich noch nicht (auch nur halbwegs) zufriedenstellend ausgebaut werden, weil Herr Dobrindt sich um die Maut kümmern muss (oder ist es inzwischen Herr Gabiel, der sich nicht um den Netzausbau kümmert. Ich weiß es gar nicht.)

Aber letzte Woche hätte das ja auch eh keine Rolle gespielt, weil wir ja in der Hauptstadt waren.

 

 

Das Crowne Plaza Berlin City Centre lädt regelmäßig Blogger ein, die dann im Gegenzug darüber berichten. Ich sage das der Transparenz wegen. Denn es ist ja immer so eine Frage, ob man auch ehrlich bleibt, wenn man eingeladen wurde. Oder ob man beschönt, rumschleimt, lobt, was man gar nicht so doll findet. All das ist aber gar nicht nötig gewesen. (Was Volko schon vorher ahnte, da er seinen festen Wohnsitz am liebsten in einem Business-Hotel hätte.)

Können wir empfehlen: Crowne Plaza Berlin City Centre

Das 4-Sterne-Haus liegt im Dreieck von Gedächtniskirche, Zoo und KaDeWe und damit im Zentrum dessen, was man während der deutschen Teilung als „Schaufenster des Westens“ bezeichnete. (Weil wir die Gegend seit mindestens 10 Jahren sträflich vernachlässigt haben, wussten wir gar nicht, dass die Musik dort inzwischen wieder spielt, nachdem die City West ja eine zeitlang etwas Provinzielles hatte. Fand ich.) Obwohl mitten im Trubel sind die Standard Zimmer nach hinten raus vollkommen ruhig. Im 6 OG. hörten wir selbst bei geöffnetem Fenster nichts als Berliner Spatzen.

 

Crown Plaza Berlin City Centre Zimmer

 

Weitere Annehmlichkeiten: Boxen im Bad, Bademäntel auf dem Bett, Beautyprodukte en masse, super-schnelles-Profi-Power-WLan (also daran lags nicht, dass ich nicht live aus Berlin bloggte) und zu meiner allergrößten Freude eine Kaffeemaschine auf dem Zimmer.

 

 

Nebenbei-Beobachtung: Kaffeemaschinen findet man seltsamer Weise fast nur in Business Hotels – obwohl man da ja sowieso in der Regel ab 06.00 Uhr Frühstück bekommt. In Landhotels, wo das Frühstück mancherorts erst um 08.00 Uhr serviert wird, wären die Dinger eigentlich viel nötiger. Aber dort gibt es fast nie welche.

 

 

Und da wird gerade beim Frühstück sind. Das ist im Crowne Plaza genauso international wie die Gäste: deutsche Brötchen, englische Würstchen, asiatische Suppen, amerikanischen Pancakes usw. usf. Das gibt ein Sonntagsgefühl.

(Zumindest wenn man zu den Menschen gehört, die ihre Hausarbeiten in der Regel selbst erledigen müssen. Gehört man zu den Menschen, deren Hausarbeit erledigt wird, ist eine Hoteleinladung für den guten Geist eine nette Geste. Das nur mal als Tipp.)

 

Bonsai

 

Der Wellnessbereich im Crowne Plaza Berlin City Centre bietet Pool, Bio-Sauna, Massagen und einen Fitnessbereich. Von 06.00 bis 22.00 Uhr geöffnet, war der Bereich während unseres Aufenthaltes nie besonders gut besucht (also angenehm leer). Obwohl das Hotel ziemlich ausgebucht schien.

 

 

So ein Wellnessbereich hat es natürlich auch schwer in Berlin. Die Stadt ist einfach zu spannend. Und das ist auch der Grund, warum ich nicht live aus Berlin bloggte. So lange man die Augen aufhalten kann, mag man einfach unterwegs sein. (Davon dann ein anderes Mal mehr.)

 

Berlin

 

Raten und alle weitere Datails über das Hotel findet Ihr unter:  www.crowneplazaberlin.com

Beim Team bedanken wir uns herzlich für den freundlichen Service und die tolle Einladung.

Und noch was: Leider ist mir erst heute morgen (beim nochmaligen Lesen des netten Begrüßungsschreibens) der Verdacht gekommen, dass wir auch ins Restaurant Wilson´s eingeladen waren?! Das hätte ich dann leider zu spät geschnallt. Zu schade aber auch!

Aber ansonsten gings uns mal wieder Gold in Berlin.

 

 

7 Tipps für Norddeutschland. In der Nähe bleiben 2015; Teil 2

Letzter Post in 2015. Zweiter Teil unseres Jahresrückblicks. Zeit für gute Vorsätze.

Gestern stand im Berliner Tagesspiegel: Das vielleicht größte Hindernis einer Verhaltensänderung besteht darin, dass das Festhalten am Gewohnten und das Weitermachen wie gehabt eine starke Belohnung in sich tragen. Nämlich die Sicherheiten, die Routinen bieten.

D.h. wenn ich es gewohnt bin, auf die Malediven zu reisen, scheint es abenteuerlich, mal in der Nähe zu bleiben.

Man sollte sich von solchen Ängsten aber weder einschüchtern lassen. Noch unerreichbare Ziele anstreben. Besser wäre, sich einen kleinen Schritt für 2016 vorzunehmen, den man wirklich tun wird. Dafür hätten wir ein paar Vorschläge.

Tipp 1: Entdecke eine kleine Insel

 

Inseln gehören zu den allerbesten Dingen überhaupt im Norden. Besonders die ganz kleinen. Wie Hiddensee, gleich bei Rügen, wohin wir im Juli reisten.

Inseln funktionieren in etwa wie der Planet des kleinen Prinzen. Sein Planet war ja so klein, dass er seinen Stuhl nur ein Stück weiterrücken musste, um einen Sonnenuntergang nach dem anderen zu erleben. (Einmal sah er die Sonne 43 Mal untergehen!)

Die kleinen, deutschen Inseln sind ein bisschen größer. Aber immer noch klein genug für die längste Sonnenscheindauer pro Tag im ganzen Land. (Mal vorausgesetzt, sie scheint.)

 

 

 

Tipp 2: Ärgere Dich nicht über das Wetter

Das Wetter in Norddeutschland ist gar nicht nicht so schlecht, wie man immer sagt. Es ist viel schlechter. Dafür ist man im Norden nie um ein Gesprächsthema verlegen (das Wetter eben).

Und außerdem gibt es so wunderschöne Unterkünfte, da will man ja gar nicht raus.  Beispielsweise die Bokel-Mühle am See. Das Landhotel in der Nähe von Hamburg ist so entzückend, dass man sich über Regen freut. Dann kann man selbst im Juli mit gutem Gewissen auf dem Zimmer bleiben. Oder im hundertjährigen Pavillon.

 

Tipp 3: Schau mal bei den Nachbarn vorbei

Grenzgebiete sind generell spannend. Die deutsch-dänische Grenze verläuft zudem noch zwischen zwei Meeren. Grad mal 60 km sind es von der Nordsee zur Ostsee. Trotzdem ist die Gegend wohl kein Touristen-Hot-Spot. Jedenfalls war im August rund um Tondern angenehm wenig los. Vermutlich weil der nächste nennenswerte Traumstrand (Rømø) 40 km entfernt liegt.

So ist das nämlich im Norden: Sobald man sich 20 km von der Küste entfernt, wird es einsam. (Und günstig! Selbst im Hochsommer).

 

 

(Im Nachhinein hätten wir das Auto übrigens lieber zuhause gelassen, um die „Expressroute“ immer an der Grenze entlang mit dem Fahrrad zu fahren.)

Tipp 4: Spaziere in die Nordsee hinaus

Im September taten wir etwas, das man öfter tun sollte: Wir folgten den Tipps von Bloggern! Und zwar zum  Trischendamm in Friedrichskoog Spitze. Ganz oben in Dithmarschen gelegen, eignet sich Friedrichskoog für Hamburger übrigens auch 1a als Tagesausflug.

 

Trischendamm

Trischendamm

 

Trischendamm

2,2 km lang

 

in der Ferne die Mittelplate

in der Ferne die Mittelplate

 

Tipp 5: Sammle die Big Five von Eiderstedt

Die Nordseeküste Schleswig-Holsteins hat wenig Strände zu bieten. Nur einen künstlichen in Büsum und die super-duper-oberkrassen Sandbänke der Halbinsel Eiderstedt. Wir benötigten zwei Sommer, bis wir im September mit Westerhever endlich alle gesehen hatten. Hier mal die fünf Grazien auf einen Blick:

 

 

Eiderstedt ist unserer Meinung nach die schönste Ecke der Westküste Schleswig-Holsteins. Wer eine längere Anreise hat, bleibt am besten gleich eine ganze Woche auf der Halbinsel. Das lohnt sich.

Tipp 6: Fahre dorthin, wo keine Autos fahren

Kaum zu glauben, aber es gibt (gar nicht so wenige) autofreie Orte in Deutschland. Und das sind mal wieder die Inseln. So wie Wangerooge, wohin es uns im Oktober zog.

 

Leben ohne Autolärm ist etwas Wunderbares.  Diesen Luxus findet man vor allem auf den ostfriesischen Nordseeinseln in Niedersachsen. (Aber auch auf Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommern, der Hochseeinsel Helgoland und den Halligen in Schleswig-Holstein).

 

Tipp 7: Geh in den Wald. Oder auf die Heide.

Natürlich: Ist ein Meer in der Nähe, will man irgendwie hin. Aber die norddeutschen Wälder sind auch nicht ohne. Manchmal finden wir es dort sogar schöner als am Strand. Im Frühling, wenn die Bäume ihr Maigrün auflegen. Und im Farbrausch des Herbstes.

 

 

Die Bilder entstanden im November auf der Aussichtsplattform des Hohen Mechthin im Wendland.

 

Tipp 8: Entdecke noch eine Insel

Kaum zu glauben, dass unser Aufenthalt auf der Insel Föhr erst drei Wochen her sein soll. Dort war´s, wie´s eigentlich immer auf Insel ist: Man ist vollkommen weg von allem. Und ganz bei sich.

 

DreiInselblick

 

Goethe sagte: „Hat man sich nicht ringsum vom Meer umgeben gesehen, so hat man keinen Begriff von Welt und von seinem Verhältnis zur Welt.“

Dem möchten wir uns vollumfänglich anschließen.

Und wir drücken Euch die Daumen, dass 2016 ein Jahr voller Inseln für Euch wird.
Seien sie real oder ideell.

Rutscht gut rein,

Stefanie & Volko

Es war einmal am Meer…

Ich wollte Dich heute an etwas erinnern. Nur für den Fall, dass Du es vergessen hast (denn eigentlich weißt Du es, das ist mir klar). Mir geht es nur selbst so, dass ich es ab und zu vergesse. Wenn´s hektisch wird zum Beispiel oder tagelang regnet. Doch es ist mir vorgestern wieder eingefallen, als ich am Strand spazieren ging.

 

Horizont

 

Da dachte ich an die Geschichte von der Stadt am Meer. Die Geschichte ist wirklich wahr. Alles hat sich genauso zugetragen, auch wenn es wie ein Märchen klingt…

 

Schubystrand

 

Es war einmal eine Stadt, deren Bewohner liebten das Meer auf intensive Weise. Zu ihrem Kummer lag die Stadt jedoch weit von der Küste entfernt. Selbst das schnellste aller Pferde hätte die Strecke nicht an einem Tag zurücklegen können. Und Vergnügungsreisen waren damals nur etwas für die Allerreichsten. Den ganz normalen Menschen blieb daher nichts anderes übrig, als sich nach dem Meer zu sehnen.

 

Mole

 

Und wie sie sich sehnten. Sie sehnten sich immerzu. Sie träumten von der See. Träumten vom weiten Horizont. Von grauen Wellen, die auf weiße Strände zuliefen. Träumten von Sturmwolken und Klippen, von Seesternen und Muscheln, von Dünengras und Schwärmen von Seevögeln.

 

Vogelflug

 

Und darüber begannen sie, den Wind zu lieben. Denn er kam ja vom Meer. Und sie liebten auch den Regen, weil er das Meer in sich trug.

 

Steine

 

Die Frauen gewöhnten sich an, wie Matrosen zu reden. Und einen wiegenden Gang, als würden sie über Schiffsplanken schlendern. Sie rauchten Meerschaumpfeifen. Und die Männer ließen sich lange Bärte wachsen wie Jan und Hein und Klaas und Pit und sie bestickten ihre Mützen mit Seemansgarn.

 

Fernblick

 

Und obwohl die Stadt doch weit entfernt vom Meer lag, errichteten die Bewohner am Flussufer den größten Hafen des Landes und sie bauten Schiffe über Schiffe. Und am Ende kamen die Möwen.

 

Hafen Damp

 

Und es war zu seltsam; mit den Jahren vergaßen die Menschen, dass ihre Stadt nicht am Meer lag. Wenn sie abends an den Fluss gingen, rochen sie den Ozean und sie schmeckten sein Salz in der Luft. In den Spelunken brannte das Licht nun die ganze Nacht und man tanzte zum Schifferklavier bis zum Morgen. Längst wünschten sich die Bewohner der Stadt nicht mehr fort. Sie glaubten, am schönsten Ort der Welt zu leben.

 

Strandbar Damp

 

Noch seltsamer aber war, dass es sich im ganzen Land herumsprach. Alle, alle, begannen zu glauben, die Stadt am Fluss sei eine Stadt am Meer. Selbst als Landkarten üblich wurden. Selbst als Jedermann zu reisen begann. Und obwohl es die Reisenden doch eigentlich besser wussten, fühlten sie sich in der Stadt, als sei die Küste nur eine Flussbiegung entfernt.

Und so ist es bis heute geblieben.

 

Lichtblick

 

Und wenn Du das nicht glaubst, wenn Du das für ein Märchen hältst, bist Du wohl noch nie in Hamburg gewesen. (Denn das ist die Stadt, die ich meine. Aber das hast Du Dir sicher schon gedacht).

 

Damp Mole

 

Warum ich das alles aber eigentlich erzähle… Es mag mal sein, dass Du Deinen größten Wunsch für unerreichbar hältst. Es mag sogar sein, dass er unerreichbar ist. Halte ihn trotzdem fest. Gerade aus hochfliegenden Träumen entwickelt sich ja oft etwas anderes. Etwas, das ebenso gut ist. Oder noch viel besser.

 

Schneidegras

 

Mir ist klar, dass Du das eigentlich weißt. Doch sicherheitshalber wollte ich Dich heute daran erinnern. Nur für den Fall, dass Du es vergessen hattest. Weil bald Weihnachten ist. Du darfst Dir jetzt etwas wünschen.