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Badestelle Vollerwiek

Badestelle Vollerwiek und was für den November in Norddeutschland spricht

Der November in Norddeutschland ist besser als sein Ruf, dachte ich neulich, als wir jenseits des Eidersperrwerks die erste Abzweigung nahmen, um eine neue Badestelle zu entdecken. Allein dass wir – trotz Himmelsblau und Windstille und ganz kurz von St. Peter Ording – einen Umweg ins Unbekannte wagten, war schon mal bemerkenswert.

 

Vollerwiek

 

Im Sommer bin ich immer unruhig. Ich will so schnell wie möglich zum besten Strandkorb am besten Strand. Und ich checke während der Anfahrt permanent den Horizont, aus lauter Panik dort könnte eine Wolke auftauchen. Doch dafür gibt es ab sofort gar keinen Grund mehr. Mit dem November kommt die Ruhe. Sie nahm uns sofort gefangen, als wir in Vollerwiek den Deich erreichten.

 

November

 

Der schlechte Ruf unterscheidet den November vom März. Dabei ist der März unwirtlicher als der November. Vermutlich wirkt im Frühling das Prinzip Hoffnung. Auch bin ich ja nicht die Einzige, die uralte Vorurteile verinnerlicht hat. Die Vorstellungen gleichen kindlichen Bastelkalendern. Da wird der März mit hellen Farben, evtl. ersten, bunten Blüten visualisiert, in manchen Jahren auch Ostereiern oder jedenfalls ja einem, der die Rösslein anspannt. Es geht los, sagt das. Und der November ist immer nur ein Regenschirm oder das Tor zur Ödnis und Dunkelheit.

 

Besser als sein Ruf: November in Norddeutschland

 

Seit es diesen Blog gibt, weiß ich es besser. Nicht, dass der November eine Trockenperiode wäre – aber es regnet eben auch nicht mehr als im Juli oder Januar. 12 Tage im Schnitt. D.h. an 18 Tagen regnet es nicht. Das Glas ist zu Dreiviertel voll. Gute Sache.

 

Schaf

 

Die Ruhe ist vielleicht das Beste am November in Norddeutschland. Stichwort: innere Einkehr. Dachte ich so, als ich zum Watt runterspazierte. Im Herbst wollen hier einfach nicht so viele sein. Und mit den Blättern fallen die Preise. Selbst für Krabben, habe ich neulich gelesen. Die Herbststürme brachten die Wende. Die Netze sind wieder voll. Und schon kann man sich ein Krabbenbrötchen leisten. Sowie eben auch: Unterkünfte.

 

Deich

 

Ganz Norddeutschland ist im November toll. In den Wäldern von Niedersachsen darf man berechtigter Weise auf einen Indian Summer hoffen, etwa im Wendland. Aber auch die November-Stürme auf den nordfriesischen Inseln in Schleswig-Holstein, z.B. auf Sylt sind eine Kurzreise wert. Oder die Einsamkeit an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern; sogar auf dem beliebten Darß wird es jetzt still.

 

Vollerwiek

 

Immer einen Ausflug wert: November in Norddeutschland

 

Watt

 

Hamburg geht ja sowieso immer – auch im November; sehr gut sogar, weil sich hier viele Outdoor-Locations mit Indoor-Freuden verbinden lassen. Meine persönlichen Top-3-Novembervergnügen:

  1. Der Jenisch-Park ist perfekt in jeder Hinsicht. Das Wichtigste: An- und Abreise in den englischen Landschaftsgarten mit wundervollem Baumbestand erfolgen mit dem Dampfer.  Außerdem warten mit dem Jenisch-Haus und dem Ernst-Barlach-Haus gleich zwei wirklich sehenswerte Museen.
  2. Auch nicht schlecht: Pilgern im Stadtpark – und anschließend ab ins Planetarium. Wenigstens die Innenräume und die Aussichtsplattform sollte man mal gesehen haben. Aber besser ist natürlich ein Ticket für das modernste Sternentheater Deutschlands.
  3. Normalerweise bleibe ich ganz gern in der Zeit und schlage daher um Spekulatius und Weihnachtsmärkte im November noch einen Bogen. Aber für die Skandinavischen Weihnachtsmärkte im Portugiesen-Viertel mache ich gern eine Ausnahme. Die sind nämlich gar nicht wirklich weihnachtlich sondern schön skandinavisch schräg. Dieses Jahr öffnen die Seemannskirchen der Dänen, Norweger, Schweden und Finnen ihre Pforten vom 16. – 18.11. und vom 23. – 25.11.

 

Wer Freistil bevorzugt, geht einfach an die Elbe, irgendwo zwischen den Landungsbrücken und Wedel. Durch die Hänge wirkt das Hamburger Ufer wie ein Südbalkon. Das hat die Elbe mit den besten Nordseedeichen und Ostseesteilküsten gemeinsam.

 

Kuh

 

Wie ich in den letzten Jahren festgestellt habe, muss ich im November nicht frieren. Bis kurz vor Silvester ist mein Wohlbefinden eine Frage der richtigen Jacke. (In Norddeutschland wird es nämlich erst nach Weihnachten kalt; alle 10 Jahre schneit es sogar mal. Aber das ist ein anderes Thema.) Natürlich gibt es  diese 12 Regentage im November, wo selbst ich nicht raus mag. Aber das ist ja ganz herrlich. Denn dann kann man es sich endlich gemütlich machen.

 

Novembertrilogie: Sessel, Leselampe und ein Buch

 

Wie kaum ein Monat eignet sich der November zum Lesen. Noch ist Gemütlichkeit ja etwas Besonderes und ein düsterer Nachmittag im Lesesessel willkommen. U.a. mit diesen Tea-Table-Bänden:

 

  1. Vom Glück am Meer zu sein: Wenn man nicht ans Meer kann, kann man ja jedenfalls davon träumen. Ich will´s mal nicht mit Eigenwerbung übertreiben – wer´s noch nicht mitbekommen hat, findet mehr  zum Bildband Meeresrauschen hier.
  2. Vom Glück auf Møn zu sein: Carmen Wedeland lebt auf einer dänischen Insel – ist also voll im Thema was Handmade Hygge betrift. Super für alle, die gern was mit ihren Händen machen, skandinavische Lebensart schätzen genau wie den entsprechenden Look  und/ oder vielleicht in diesem Jahr mal wirklich frühzeitig an Weihnachtsgeschenke denken wollen.
  3. Vom Glück auf einem Markt zu sein: Der Eine braucht zur inneren Einkehr Einsamkeit, der Andere findet am besten mit geliebten Menschen und gutem Essen zu sich. Für den Bildband „It´s Market Day“ sind ein paar St. Paulianer kreuz und quer durch Europa gedüst, um tolle Geschichten, Rezepte und wundervolle Fotos von den aufregendsten Märkten mitzubringen.

 

Apropos Essen: neulich habe ich irgendwo aufgeschnappt, dass Süddeutsche keinen Grünkohl essen?! Das wundert mich total, denn eigentlich haben die sonnigen Gemüter ja die bessere Küche. Aber ein Herbst ohne Grühkohl scheint mir nicht besonders erstrebenswert.

 

Mahre

 

Kohl gehört in Schleswig-Holstein zum November wie Helmut zu den 80er Jahren. Besonders in Dithmarschen, wo der Kohl sogar gefeiert wird. Die Kohltage Ende September liegen für mich immer etwas zu früh (da bin ich nämlich noch im Sommermodus). Es braucht m.E. einen Herbsttag, um im falunroten Mahre am Katinger Watt einzukehren. Das taten wir nach unserem Spaziergang in Vollerwiek. Die Mini-Speisenkarte gab auf den ersten Blick nicht recht was her. Doch da köchelte noch was nebenbei in den Töpfen der polnischen Köchin. Nämlich grandioses Bigos und Kohlrouladen. Und falls Ihr mal in der Gegend seid: Fragt bloß nach dem Kohl-of-the-day.

 

Wattwanderer

 

Noch was, das super ist am November: Endlich dürfen wieder alle (auch Hunde) umsonst an den Strand. Selbst die unverschämtesten Kurtaxeneintreiber lassen es jetzt gut sein. Sogar in St. Peter-Ording. Aber das ist auch schon wieder eine ganz andere Geschichte… (davon hier mehr … und für heute nur noch: kommt gut in den November allerseits!

 

Strandhotel

Ich hatte einen Balkon vor den Ochseninseln: Glücksburg im Herbst

Wir erreichten Glücksburg zeitgleich mit einem Wolkenbruch. Auf dem Förde-Boulevard hasteten die Leute zum nächsten Unterstand und im Strandhotel empfing uns gedämpftes Stimmengewirr. Männer in Anzügen schlängelten sich an Damen in Gummistiefeln vorbei. Hunde schüttelten sich den Regen aus dem Fell. Lobby und Restaurant waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Es dauerte eine Weile, bis wir unsere Schlüsselkarte erhielten und mit dem Fahrstuhl in die Stille des 3. OGs entschwebten. Auf dem Boden neben unserer Zimmertür lagen zwei zusammengeknüllte Faschingskostüme. Die Tür stand halboffen. Drinnen wurde noch allerletzte Hand angelegt.

Als die Dame vom Housekeeping uns bemerkte, rief sie „ach, herrjeh“ und bat dann überschwänglich – jedoch nicht servil – um Entschuldigung. Das Hotel sei zwei Tage komplett von einer Hochzeitgesellschaft belegt gewesen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier alles los war.“

 

Kissen

 

Und ich dachte: „das können Sie zweimal sagen.“ Denn wer kann sich schon vorstellen, was in diesem Haus alles los war, seit 1872 eine Gruppe von 80 Aktionären ein Curhaus mit 6 Gästezimmern am Strand von Sandwig errichten ließ.

 

Das weiße Schloss am Meer: Strandhotel Glücksburg

 

Wer kann sich die Säle und Salons vorstellen, in denen nach der Erweiterung rauschende Feste gefeiert wurden? Das Badehaus und die Badekarren? Wer kann sich die Sommergäste vorstellen, die mit dem Dampfer anreisten und gern mehrere Wochen blieben? Oder dass Kaiser Wilhelm II und Kaiserin Auguste Victoria mit ihrer Yacht „Hohenzollern“ am Anleger festmachten? Und dann den großen Brand, der das Hotel 1912 vollkommen zerstörte?

 

Strandhotel Gluecksburg

 

Die Wiedereröffnung fand 1914 unter dem Namen Kurhotel statt. Ob sich die illustren Gäste aus München, Hamburg und Berlin (etwa Thomas Mann und sein Verleger Samuel Fischer) wohl vorstellen konnten, dass ihre Sommerfrische sich bald in ein Lazarett verwandeln würde? Dass zum Ende des zweiten Weltkrieges 220 Flüchtlinge hier Unterkunft finden sollten? Später eine Kinderheilstätte, dann ein Mutter-und-Kind-Erholungsheim der evangelischen Kirche? Wie könnte man sich so etwas je vorstellen?

 

Balkon Strandhotel

 

Im Jahr 2000 wurde das Traditionshaus wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Doch erst als es in dänischen Besitz wechselte, erhielt es den heutigen fluffig Skandinavienlook, leicht wie ein Sommerbrise. Jedes Zimmer ist anders gestaltet. Jedes etwas ganz Besonderes. Und während ich unseren hellblau-weißen Traumsalon inspizierte, pustete der Wind die Wolken zur Seite.

 

Glücklich in Glücksburg: Dänemark vorm Balkon

 

Nein, natürlich, es muss nicht immer Kaviar sein. Aber hin und wieder (und zwar so selten, dass man es auch wirklich als etwas Besonderes zu schätzen weiß) geht doch nichts über einen windgeschützten Balkon mit Blick auf Dänemark (und die Ochseninseln).

 

Sandvig

von vorn nach hinten: Strandkoebe, Seebruecke, Ochseninseln, DK

 

Glücksburg ist die nördlichste Stadt Deutschlands, fühlt sich aber südlicher an. An wolkenlosen, heißen Hochsommertagen haben wir uns hier schon an Südfrankreich erinnert. Das mag am bekannten Wasserschloss im Stil der Renaissance liegen und den großzügigen Grundstücken in Höhenlage.

 

 

Vor allem aber ist es dieses speziellen Leuchten der Flensburger Förde (von der die Flensburger übrigens behaupten, sie sei die schönste Förde der Welt).

 

Yachthafen

 

Im Herbst fühlt sich Glücksburg zwar nicht unbedingt an wie Nizza. Aber das mit der schönsten Förde der Welt kann schon sein. Wer es genau wissen will, müsste den Fördesteig erwandern. Der vom NABU konzipierte Wanderweg verläuft auf 95 km von Kappeln nach Flensburg und stößt dort auf den 75 km langen dänischen Gendarmenstien, der am jenseitigen Fördeufer nach Sonderborg führt. (edit ein halbes Jahr später: Ich hab´s erledigt; also bin den Fördesteig gegangen. Das mit der Förde stimmt.)

 

Angelns Côte d’Azur: der Fördesteig

 

Das Strandhotel liegt direkt am Fördesteig. Er verläuft hier auf der Promenade, dem Förde-Boulevard wie die Glücksburger sagen. Gleich hinter der Hanseatischen Yachtschule, windet sich der Weg über eine weiße Holzbrücke ins Quellental und dann hinauf in den Ruheforst Wille.

 

Forst Wille

 

Forst Wille ist einer von 3 Wäldern, die Glücksburg zum perfekten Herbstziel machen. Wenn die Blätter sich verfärben, wird einem der Wert der Wälder ja immer besonders bewusst und der Glückburger Wald ist eine Wucht. 24 Baumarten wachsen hier bis dicht an den Strand, manche mehr als 200 Jahre alt. An den bizarren, vom Wind geformten Buchen im Ruheforst Wille kann man sich kaum sattsehen. Und dazu noch das Rauschen der Förde…

 

 

Ein erneuter Regenguss ließ mich am Strand Solitüde umkehren. Wäre ich weitergelaufen, hätte ich nach 10 km die Hafenspitze Flensburgs erreicht. Schaut mal bei Ulrike von Watt & Meer – sie hat die „städtische“ Etappe des Fördesteigs neulich absolviert. Wer nicht gern zweimal die gleiche Strecke geht, kann von Flensburg aus mit dem Dampfer zurückkehren. Und dann direkt zur Stärkung ins Bistro Sandwig stolpern.

 

Gluecksburg

 

Das Bistro Sandwig gehört zum Strandhotel und stellt das lockere Pendant zur gehobenen Küche im Restaurant Felix dar. Bistro SandwigBestellt wird am Tresen, serviert wird am Tisch – oder draußen im Strandkorb. Zu den Klassikern gehören gebratene Garnelen und Burger (beides lecker). Demnächst – Ende November – wird das Bistro übrigens für einige Wochen zur nördlichsten Skihütte Deutschlands.

Das erheiterte ein älteres Ehepaar aus Süddeutschland.  Sie hatten sich zu uns an den Tisch gesetzt und waren rundherum begeistert von ihrem ersten Besuch „so hoch oben im Norden“. Nur das Wetter, sagten sie, würde sich in den nächsten Tagen hoffentlich freundlicher zeigen als heute.

Wir verrieten nicht, dass dies einer der freundlichsten Tage seit langem war. Sie hätten sich das vermutlich sowieso nicht vorstellen können. Und wozu auch Hoffnungen zerstören?

Dabei war es ganz deutlich zu spüren. An diesem Abend verabschiedete sich der fast-noch-Spätsommer endgültig von Norddeutschland. Ich schaute ihm vom Balkon aus beim Packen zu. Er hatte es wohl ziemlich eilig. Oder mir war zuvor einfach noch nicht aufgefallen, wie schnell sich mittlerweile die Dämmerung der Nacht geschlagen gibt.

 

Ochseninsel

 

Bald war im Mondlicht das dänische Ufer kaum mehr von der Förde zu unterscheiden. Hin und wieder wanderten dort drüben Lichtpunkte vereinzelter Autos über den Fjordvejen. Ich fror ein wenig, trotz Decke und Kissen. Und am nächsten Morgen war endgültig Herbst.

 

Über Nacht kamen die Wolken: Glücksburg im Herbst

 

Es nieselte, als ich mich zum nördlichsten Leuchtturm Deutschlands aufmachte, der vielleicht auch der schmuckloseste Leuchtturm Deutschlands ist. Aber der Fördesteig ist in dieser Richtung sogar noch herrlicher. Ursprünglicher. Und ich wusste ja, dass jenseits von Schausende die wunderbare Halbinsel Holnis wartet.

 

Herbst

 

Bis Holnis schaffte ich es aber nicht. Es regnete immer stärker und irgendwann begann ich mich nach diesen Dingen zu sehnen, mit denen Norddeutsche versuchen, die Zeit bis zum nächsten Frühling zu überbrücken. Eine heiße Dusche. Ein gutes Frühstück. Ein extrem appetitlicher Obsalat aus winzigklein geschnittener Papaya, Physalis, Mango, Drachenfrucht, Granatapfel. Und ein Flensburger Tageblatt.

Dort las ich etwas sehr Seltsames. Ich hatte mich schon am Vortag gefragt, warum das Geländer der Seebrücke in Pappe eingeschlagen war. Und ich hatte mich gewundert, dass einige (offenbar Wahnsinnige oder Wikinger) sich trotz kühler Temperaturen ins Wasser gewagt hatten.

 

Saisonende

 

Es war so: Als wir und der Wolkenbruch Glücksburg erreichten, wurde gerade das Saisonende zelebriert. Eine Fasssauna diente zum Aufwärmen nach dem Abbaden. Und in der seltsame Pappform auf dem Seebrückengeländer war kurz zuvor das längste Hot-Dog der Welt fabriziert worden.

Der Sinn dahinter wurde mir nicht ganz klar. Doch es war exakt eine dieser Nachrichten, die mich an Regionalzeitungen faszinieren. Genau wie die Tatsache, dass die Glücksburger den Weltrekord Südamerikanern abgejagt hatten. Dass ausgerechnet in Paraquay der längste Hot-Dog der Welt hergestellt worden war, war noch so eine Sache, die ich mir nie hätte vorstellen können. Aber eben dafür geht man ja auf Reisen. Um Unvorstellbares zu entdecken.

 

Gluecksburg

 

Offenlegung: Das Strandhotel hat uns zu Übernachtung und Frühstück eingeladen. Wir bedanken uns ganz herzlich für zwei wundervolle Tage und einen der besten Balkone, die wir je hatten.

Wer am Wochenende noch nichts vor hat: am 28. + 29.10.17 wird mit dem Lichtermeer wieder die dunkle Jahreszeit an der Ostsee eingeläutet. In Glücksburg läuft die Veranstaltung unter dem Motto: Licht & Hygge.

Langballigau

Wanderung von Unewatt durch das Tal der Langballigau

Es ist eine Weile her, dass ich auf Martinas Blog Elbkind on Tour erfuhr, eine Wanderung durch das Tal der Langballigau nach Unewatt gehöre zum Pflichtprogramm an der Flensburger Förde. Logischerweise landete das auf meiner ewigen „unbedingt-mal-machen-Liste“. Vor zwei Wochen haben wir die Wanderung nun endlich unternommen.

Es war dieser extrem verrückte Tag der Deutschen Einheit, als sich Wolkenbrüche und strahlender Himmel im Minutentakt ablösten. Das traf sich bestens. Denn bei solchem Wetter sind nicht viele Leute unterwegs. Da wir – anders als Martina und Thue – nicht von der Seeseite anreisten, sondern von der Autobahn kamen, gingen wir das Ganze umgekehrt an; starteten also in Unewatt.

 

Landschaftsmuseum Angeln/ Unewatt

 

Direkt an der Nordstraße zwischen Kappeln und Flensburg liegt das Landschaftsmuseum Unewatt. Mich hat es ehrlich gesagt nie so irre interessiert – bis ich mal da war, um im Dorfgasthof über die Maßen lecker zu speisen. Seitdem gehört Unewatt zu meinen Lieblingsplätzen in Angeln. Aber nicht wegen des Restaurants.

 

 

Das Besondere: Unewatt ist kein reines Museum; hier wird auch ganz normal gelebt. Also, falls man bei einem Idyll von „ganz normal“ sprechen kann. Das Dorf empfängt seine Besucher mit wunderbarer Abgeschiedenheit und – jetzt im Herbst – dem geradezu berauschenden Duft herabgefallener Äpfel. Man hat wirklich das Gefühl, zurück in die Vergangenheit zu spazieren.

 

 

Die Ausstellungsflächen sind quer durchs Dorf gestreut und mit einem knapp 2 km langen Rundweg verbunden. In historischen Gebäuden, sogenannten Museumsinseln, wird das frühere Leben und Arbeiten in der Region Angeln bewahrt. Der Besuch lohnt sich!

 

TalderLangballigau

 

Mitten durch das Dorf rauscht die Langballigau. Sie strömt im weiteren Verlauf durch ein wundervolles Bachtal, das seit 1990 unter Naturschutz steht und von Wanderwegen durchzogen ist. Etwa 5 km mäandert sie durch Wiesen, Wälder und Schilfmeere, bis sie in die Ostsee mündet.

 

Das Tal der Langballigau

 

Die Wege sind ausgeschildert und viel falsch machen kann man nicht. Biegt man mal falsch ab, findet man immer wieder zum Hauptweg zurück. Möchte man der Langballigau möglichst nah bleiben, kommt man bei der Rundwanderung (die eher eine Elipsenwanderung ist) auf bummelig 10 km.

 

Wanderweg

 

Das Tal der Langballigau ist mit zahlreichen Nebenbächen und Quellbereichen  – man kann es sich denken – feucht. Besonders im Wald auch mal matschig. Gummistiefel sind also ein gute  Idee.

 

Wald

 

Etwa nach 5 km öffnet sich der Wald dem Strand von Langballigau. Bzw. dem Hafen. Das trägt hier alles den gleichen Namen. Und ist noch so ein Lieblingsort von mir an der Flensburger Förde.

 

 

Ein Strand und ein Hafen zur Halbzeit sind immer gut auf einem Spaziergang; besonders aber in Langballigau, weil da alles so winzig und unkapriziös und fluffig-entspannt ist – dass es sich direkt wie Dänemark anfühlt.

 

Hafen und Strand von Langballigau

 

Obwohl nicht groß, hat Langballigau alles, was der Mensch so braucht: Sandstrand & Strandkörbe, Segelboote & Kutter, Soft-Eis & Pølser, Andenkenläden & richtig frischen Fisch.

 

 

Die vielfältigen Eindrücke auf der Wanderung vom Dorfidyll durch Buchenwälder an den Strand sind echt einmalig. Ich stimme Martinas Informanten also zu: das Tal der Langballigau gehört zum Pflichtprogramm eines Aufenthalts in Angeln.

 

Regenbogen

 

Bis Monatsende hat das Landschaftsmuseum noch geöffnet. Danach hält es Winterschlaf bis April. Falls Ihr also an einem der nächsten beiden Wochenenden in der Gegend seid: mehr Infos zu Unewatt gibt´s hier.

 

Meeresrauschen

Meeresrauschen – vom Glück, am Wasser zu sein

Normalerweise freue ich mich über Jobs ins Berlin (wer tut das nicht). Doch in den vergangenen Tagen fiel es mir schwer, die Hauptstadt zu schätzen. Vielleicht sehnte ich mich beinahe so nach Meeresrauschen wie der Nordsee-Maler Emil Nolde, als er 1902 in Berlin schrieb:

 

Lass mich fliehen, fort von hier, weit fort! Mich sehnt nach der Natur reinem Leben. Nach Sonnenschein, nach dem Westwind, der die Wellen gegen das Land peitscht. Gewitterwolken. Ich will, dass die Gischt mir ins Gesicht fegt und durchnässte Kleidung will ich haben.

 

Um mein Sehnen zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Es erscheint mir im Grunde noch immer irreal, aber vor Monaten und Monaten geschah wirklich dies: im indernaehebleiben-Postfach poppte die freundliche Anfrage einer Redakteurin des DuMont-Reiseverlags auf. Ob wir uns vorstellen könnten, einige Geschichten für einen Bildband über das Meer beizusteuern?!

Ich hätte nie für möglich gehalten, dass Redakteurinnen von Reiseverlagen im Netz nach Autoren Ausschau halten. Ich dachte vielmehr, ihr halber Arbeitstag bestünde darin, unaufgefordert eingesandte Manuskripte mit einem höflichen Absageschreiben zurück an die Absender zu schicken. Aber da kann man mal sehen.

 

Vom Glück (übers Meer) zu schreiben

 

Wie ein Buch entsteht, hat mich schon immer interessiert. Und dann auch noch Teil des Ganzen zu sein! Und dann auch noch bei einem Bildband übers Meer! Das war ja einfach ganz wunderbar.

Aber es wurde noch besser. Da Verlage nicht hübsch ein Buch nach dem anderen produzieren, sondern viele, viele Bälle zugleich jonglieren, hatten wir noch vor dem Startschuss des ersten Projekts die Verträge für zwei weitere in der Tasche. Dieses Mal ganze Bücher.

So sind wir in den vergangenen 10 Monaten in die Welt der Reisebuchautoren eingetaucht. Aktuell stehen wir kurz vor der Abgabe des dritten Buchs. Das Zweite befindet sich im Lektorat. Und das Erste – an dem wir wie gesagt nur einen kleinen Anteil haben – ist TATATATA, Trommelwirbel, Tusch: ab Montag im Buchhandel.

Gewisse online-Versandhändler lieferten allerdings schon Donnerstag aus. Und so erreichte mich „Fanpost“ (ehrlich gesagt von meiner Mama und meiner Tante), obwohl ich selber das Buch noch gar nicht gesehen hatte. Mein Belegexemplar war erst nach meiner Abreise nach Berlin eingetroffen. Und deswegen sehnte ich mich eben noch mehr als sonst zurück an die Waterkant.

Und da bin ich nun wieder. Und das Buch endlich auch.

 

Meeresrauschen – vom Glück am Wasser zu sein

 

Monique Sorban vom DuMont-Reiseverlag hat mit feinem Händchen Blogger und ReiseschriftstellerInnen ausgewählt, die im Bildband von ihrer Beziehung zum Meer zu berichten. Wer hier regelmäßig liest, kenn sicher einige von ihnen, etwa Elke vom Meerblog, Jutta von 6 Grad Ost oder Anke und Thorsten von Moose around the World. Und darum gehts:

Warum das Meer eine so große Anziehungskraft auf die Menschen hat, ist nicht zu erklären. Doch die Sehnsucht nach Entschleunigung und das damit verbundene Meerweh kennen viele. Und jeder hat einen eigenen Grund, warum uns das Meer glücklich macht.

Im Bildband Meeresrauschen kommen in 35 reich bebilderten Kurzepisoden bekannte Reiseschriftsteller/innen und Blogger/innen zu Wort und bieten in vier Kapiteln Reiseinspiration. Ob sie sich nur eine kleine Auszeit am Meer nehmen oder das große Abenteuer wagen, eines haben sie alle gemeinsam: es geht um Sehnsucht, es geht um das Meer, die beeindruckende Natur und die große Freiheit.

Die Autoren und Autorinnen erkunden das Meer an der Ostsee, an der Nordsee, am Atlantik und am Mittelmeer und lernen dabei sowohl die stillen als auch die wilden Seiten kennen. Für malerische Buchten, Strände und Klippen muss man dabei gar nicht unbedingt weit reisen, vieles erlebt man schon ganz in der Nähe.

 
Meeresrauschen
 

Nach jedem Essay werden die besten Tipps für eigene Entdeckungen vor Ort gegeben. Außerdem gibt es noch mehr Meer mit dem Meeres ABC sowie dem Kapitel Sachen machen, das Essays über außergewöhnliche Aktivitäten im, am und auf dem Wasser bietet wie das Klippen springen und Yoga auf einem Stand Up Paddling Brett.
(Auszug Pressetext DuMont)

 

Wer sich interessiert: bei Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen. Wobei die größere Freude ja immer der Buchhandel ums Eck ist. Besonders wenn man morgen noch einen in der Nähe haben möchte. Dort ist der Bildband ab Montag erhältlich.

Meeresrauschen – Vom Glück, am Wasser zu sein
272 Seiten
DuMont Reiseverlag
Format 21,5×27,5cm
Preis: € 26,90 (D) / 28,90 (A) / 35,90 (CH)
ISBN: 978-3-7701-8221-3

Heiligenhafen

Wie St. Pauli – bloß eben am Meer: Bretterbude Heiligenhafen

Gar nicht so oft habe ich das Bedürfnis einem Hotel einen ganzen Beitrag zu widmen, aber die Bretterbude Heiligenhafen muss ich einfach ausführlich vorstellen. Es gibt nämlich gar nicht so viele Häuser in Norddeutschland, wo man sich a) wie im 21. Jahrhundert und b) auch noch willkommen fühlt.

Häufig muss man sich zwischen a) + b) entscheiden. So jedenfalls mein Eindruck. Er mag trügen. Oder vielleicht liegt meine Latte auch sehr hoch.

Denn ich lebe auf St. Pauli, einem Viertel, in dem man ausgesprochen freundlich miteinander umgeht. Geradezu englisch höflich (auch wenn man das als Orstunkundiger nicht für möglich halten sollte).

Wenn wir unseren Heile-Welt-Mikrokosmos verlassen, zucken wir oft genug zusammen, weil der Ton da draußen sehr viel rauer ist. Und wie ist es dann nur herrlich, die Lobby der Bretterbude zu entern und vom ersten Moment zu spüren: hier sieht es nicht nur gut aus; hier fühlt es sich auch gut an.

 

 

„Die Holzklasse“ lautet der Untertitel der Bretterbude. Es schwingt der gleiche Subtext mit wie bei St. Paulianern, die zugeben: logisch ist in Berlin mehr los. Oder wenn Fans des 1. FC St. Pauli sagen: klar können die anderen besser Fußball spielen. So etwas lässt sich immer am besten selbstbewusst aussprechen, wenn man gleichzeitig überzeugt ist: ist trotzdem am nettesten bei uns.

 

 

Nehmen wir nur mal die Lage: die Bretterbude liegt exakt vor der Seebrücke von Heiligenhafen. Besser geht es nicht. Schon gar nicht, wenn man eine „große Butze mit Meerblick“ ergattert. Da sind die Holzbadewannen nämlich geräumig genug für 2 und die Aussicht unbezahlbar.

 

 

Apropos unbezahlbar: Genau das will die Bretterbude eben nicht sein. Jeder Student soll sich hier ein Zimmer leisten können. Wer nächsten Sonntag eine kleine Butze mit Landblick bucht, zahlt z.B. 39,50 Euro. Für Zwo. Ehrlich wahr, siehe selbst. Zwar sind die kleinen Butzen nur 13qm groß. Aber dennoch ist alles untergebracht, was man braucht (laut Eigenauskunft der Bretterbude: eine Meisterleistung wie bei Tetris).

 

Bretterbude Heiligenhafen

 

Das Preisniveau ist auch deshalb zu halten, weil in der Bretterbude mancher Service extra gebucht werden muss. So kann man das Zimmer gegen Aufpreis reinigen lassen – oder man fegt eben selbst mal durch. Sehr gute Idee, – erst darüber ist mir überhaupt klar geworden, wie unnötig für mich persönlich eine tägliche Zimmerreinigung ist.

 

 

Was ich noch gemerkt habe: Ich dachte immer, mir wäre der Style eines Hotelzimmers nicht besonders wichtig. Aber das lag vielleicht eher daran, dass der übliche Landlust-Look nicht meinem Meergefühl entspricht. Es ist mir oft zu niedlich und verspielt. Da will ich immer schnell raus. Doch in der Bretterbude wäre es mir ganz recht gewesen, wenn es länger als 1 Stunde geregnet hätte. Da hätte ich ewig am Fenster sitzen und lesen können.

 

Regen

 

Wer es noch rougher mag, wäre in der zweigeschossigen Spezial Butze des FC-St. Pauli richtig. Dort schläft es sich dann wie im Millerntor-Stadion – bloß eben am Meer. Übrigens die teuerste Kategorie in der Bretterbude (etwas, das vermutlich am ehesten Hardcore-Fans verstehen).

 

 

Die günstigste Kategorie sind die Bulli-Plätze. Das benachbarte Beach Motel hat sein Konzept aus St. Peter-Ording für Heiligenhafen also an die Bretterbude abgetreten. Die beiden Häuser gehören nicht zusammen, sind aber „befreundet“. Andrea von indigoblau hat neulich dort übernachtet; hier ihr Bericht: Klick.

 

 

Wie alle guten Freunde sind die Bretterbude und das Beach Motel sehr unterschiedlich – und kommen sich nicht groß in die Quere. Das Beach Motel ist etwas schicker, die Bretterbude jünger – schon allein durch die Verbandelung mit der Surfer- und Kitergemeinde. Es hat aber nichts mit dem biologischen Alter der Gäste zu tun. Ich meine, Robby Naish ist ja auch schon fast 60. Es ist mehr eine Frage der inneren Haltung.

 

Strandschuppen

 

Das Restaurant der Bretterbude, der Strandschuppen, konzentriert sich abends auf Fish & Chips & Burger et al, nachmittags lecker Waffeln und morgens wird hier gefrühstückt. Mit Eiern von glücklichen Hühnern. Seit einiger Zeit für mich der wichtigste Gradmesser für ein gutes Frühstück. (Alltagsbeobachtung: Ich kenne superviele Leute, die bei Eiern auf die Lebensbedingungen der Hühner achten. Dennoch sparen selbst hochpreisige Häuser hier gern ein paar Cents ein. Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.)

 

 

Am allerbesten gefiel mir, dass schon morgens auf der überdachten Veranda gespeist werden darf; wer mag lässt sich einen Heizstrahler anknipsen oder lümmelt sich in Felle und Decken. Denn der Blick – ich erwähnte es schon – ist wunderschön.

 

Bretterbude Veranda

 

Problemlos könnte ich dort ein ganzes verregnetes Wochenende verbringen. Ein Vorteil, der an der herbstlichen Ostsee nicht zu unterschätzen ist. Das Wetter an der Ostsee macht einem ja generell einen Strich durch die Rechnung. Und so kann es betrüblicher Weise passieren, dass gar kein Regen fällt. Zum Glück gibts in Heiligenhafen auch bei gutem Wetter jede Menge Erlebenswertes.

 

5 Wege, die Du in Heiligenhafen gehen solltest

 

Erstens: Auf die wunderbare Seebrücke. Hierfür braucht es nur eine 3-minütige Regenpause. Bis dahin ist die verglaste Meereslounge erreicht. Unbedingt ein Buch mitnehmen, um sich in die dicken Polster zu fläzen – und mitten im Meer zu lesen.

 

Seebrücke Heiligenhafen

 

Zwotens: Halbe Stunde kein Regen –  jetzt gilt es den Graswarder zu erkunden. Die zweitexklusivste Adresse Schleswig-Holsteins (getoppt nur von Top-Lagen auf Sylt). Unbedingt anziehen: Gummistiefel. Einige Badevillen sind so dicht ans Wasser gebaut, dass man durch die Wellen waten muss, um sie zu umrunden.

 

Graswarder

 

Drittens: Die Wetter-App zeigt 60 regenfreie Minuten an – Zeit für den Hafen; immer noch das Herz von Heiligenhafen und eine nette Mischung aus echter Arbeit, 70er-Jahre-Flair und heute. Regenklamotten nicht vergessen. Man weiß ja nie.

 

 

Viertens: Alle Wolken haben sich verzogen? Dann an der Wasserkante immer weiter laufen bis zum Leuchtturm von Strandhusen. Eine Kamera ist Pflicht. Der Blick auf den Graswarder ist zum Sterben schön.

 

Graswarder

 

Fünftens: Die Dämmerung bricht an: Schnell zurück zum Strand am Steinwarder. In Heiligenhafen versinkt die Sonne im Meer. Das ist nicht selbstverständlich an der Ostsee. Und ungeheuer romantisch.

 

Sonnenuntergang

 

Und wenn die rote Sonne dann versunken ist, kann man wieder von vorn anfangen. Die Seebrücke ist jetzt z.B. beleuchtet und in der Bretterbude hat die Spelunke geöffnet. Die habe ich bisher noch nicht erwähnt; genau wie Halfpipe, Knetkammer, Sauna, Skateboard-Verleih und, und, und. Dabei (ich weiß ja) habe ich schon längst die „tl;dr“-Grenze überschritten. Am besten ist es ohnehin, die Bretterbude mal selbst auszuchecken.

In diesem Sinne: hang loose – und lass Dich nicht wegwehen.

 
Herbstabend
 

Offenlegung: Wir wurden von der Bretterbude eingeladen. Aber unsere Begeisterung ist in jedem Fall echt!

Fehmarnsundbruecke

Drüber, drunter und durch: die Brücke am Fehmarnsund

Kurz bevor es auf die Brücke über den Fehmarnsund geht, recke ich immer den Hals in alle Richtungen. Der Meeresarm besitzt eine ganz eigene Farbpalette und häufig funkelt die Ostsee hier in den erstaunlichsten Farben – selbst wenn das Wetter insgesamt gar nicht so gut ist.

Besonders wunderbar wird es, wo die A1 endet und nahtlos in die B 207 übergeht. Erstaunlich viele Verkehrsteilnehmer ignorieren das Tempolimit, so dass man grundsätzlich zu schnell auf die Brücke gejagt wird. Und ist man erst mal drauf, gibt es kein Zurück.

Dieses Mal nehmen wir uns daher extra Zeit. Wir biegen an der letzten Abfahrt Richtung Großenbrode ab und folgen der Alten Sundstraße nach Großenbroder Fähre. Die ungewöhnlichen Ortsbezeichnung passt zu dieser seltsamen, kleinen Zwischenwelt. Die äußerste Spitze der Halbinsel Wagrien ist an drei Seiten vom Wasser umgeben, zerschnitten von einer vierspurigen Straße. So haben beinahe alle Wege irgendwo ein Ende. Zum Beispiel am kleinen Parkplatz vor dem Sportboothafen.

 

Bester Fotospot für die Fehmarnsundbrücke: Großenbroder Fähre

 

Bis zum Bau der Brücke im Jahr 1963 war mehr los in Großenbroder Fähre. Damals war der Hafen der wichtigste Knotenpunkt zwischen Europa (wie die Insulaner das Festland nennen) und dem 6. Kontinent (wie die Fehmaraner zu ihrer Insel sagen). Schon um 1900 setzten vom Fährbahnhof Menschen, Autos und Züge nach Fehmarn über.

 

Fehmarnsundbruecke

 

Heute befindet sich hier nur noch ein ruhiger, kleiner Sportboothafen – und der wohl beste Spot, um die Fehmarnsundbrücke zu fotografieren: der Steindamm an der Hafenausfahrt. Wenn er nicht gerade von Anglern besetzt wird.

 

Fehmarn

 

Näher ran an die Brücke dürfen wir nicht. Die Segler weisen jeden schärfsten zurecht, der sich dem Hafen „unbefugt“ nähert. Also schlendern wir in entgegengesetzter Richtung den Strand hinunter.

 

Fehmarnsund

 

Das Wetter meint es ausnahmsweise gut mit uns. Oder vielleicht hat der verregnete Sommer auch nur bescheiden gemacht. In den vergangenen 3 Jahren haben wir Mitte September noch gebadet. Daran wäre heute nicht zu denken. Doch immerhin scheint die Sonne so warm, dass mir schnell viel zu heiß wird in meinem Regenmantel. Denn das ist ja das Witzige hier oben. Man trägt immer die falschen Klamotten.

 

Ostsee

 

Dies wäre eigentlich ein guter Tag für Seehunde. Es heißt, sie sonnen sich gern auf den Findlingen vor Heinrichsruh. Wir entdecken nur Seevögel auf den Logenplätzen. Trotzdem – oder gerade – ist der halbstündige Spaziergang am stillen Sund beinahe zu schön, um wahr zu sein.

 

Besser als Liebesschlösser an Brücken: Heinrichsruh

 

Nahe einer kleinen Holztreppe suchen Kinder nach passenden Steinen. Ihre Mütter sitzen oberhalb auf einer Bank mit fabelhafter Aussicht. Darunter stapeln sich jede Menge Erinnerungen. Lilith war mit Omi hier, ist auf einem Stein zu lesen. Und Wiebke mit Andy und Pimo. Manche Steine wurden für Verstorbene beschriftet. Andere meinen das Leben. Einfach nur die Seele baumeln lassen, steht auf einem geschrieben. Und das machen wir dann auch für eine Weile.

 

Hagebutten

 

Über einen schnurgerade Feldweg geht es vorbei am Ferienhof Heinrichsruh zur Straße. Blaue Pfeile auf dem Asphalt weisen nach links und gleich darauf wieder rechts querfeldein. Es sind Wegzeichen des Sundlaufs, einem etwa 20 km langen Rundweg. Auf diesem Teil führt er direkt unter der Brücke hindurch.

 

Herbst

 

Wer die Brücke erklimmen möchte, muss auf der Westseite einen guten Kilometer zurück marschieren. Es ist nicht besonders idyllisch, da der Königsweg parallel zum Verkehrslärm der B 207 verläuft. Aber aufregend.

 

Als Fußgänger über die Fehmarnsundbrücke

 

Etwa wo der Königsweg zum Strand abbiegt, befindet sich ein Zugang zum kombinierten Rad/Fußweg über die Brücke. Es kann durchaus eng werden 23 Meter über dem Meer. Besonders bei Gegenverkehr. Wie überall am Sund, unterschätzt man auch hier die Entfernung. Vom Zugang auf dem Festland bis zum Abgang auf Fehmarn sind es etwa 2,5 km.

 

 

Auf der Insel angekommen, lässt sich natürlich ewig und wunderbar spazieren. Etwa immer geradeaus nach Puttgarden oder entlang der Wasserkante zum Mini-Leuchtturm von Strukkamphuk. Den schöneren Strand aber findet man am Festland. Also lieber früher umkehren, damit die Puste noch für Orthfeld reicht.

 

Das Licht am Fehmarnsund

 

Auf den Weststrand bei Orthfeld läuft das Wasser sehr flach zu. Das macht ihn unwiderstehlich für Hunde, Kiter, ganz kleine Kinder und visuelle Menschen. Zu denen zähle ich mich seit einigen Jahren, obwohl ich früher ganz klar auditiv veranlagt war. Aber die Zeit scheint meinen Sehsinn zu schärfen (das meine ich nun nicht gerade biologisch sondern mehr emotional).

 

Fehmarnsund

 

Grundsätzlich finde ich es nicht nur prima, älter zu werden. Manches nervt, muss ich feststellen. Doch was mir wirklich ungeheuer gut gefällt, ist die Fähigkeit, Natur immer intensiver zu empfinden. Und Licht zu genießen.

 

Strand

 

Am tollsten finde ich das Licht am Meer. Wo eine Minute reicht, um die Atmosphäre vollkommen zu verändern. Und es gibt nichts Gegenständliches – wirklich gar nichts – das ich lieber hätte als einen Moment der Ruhe am Strand. Wenn man erst einmal angefangen hat, sich über Licht ein Loch in den Bauch zu freuen, scheinen die meisten käufliche Dinge sowieso recht banal.

 

Strand

 

Ich weiß noch ziemlich genau, wann mich Natur und Licht zum allerersten Mal aus den Puschen kippte. Das war im dänischen Henne Strand; ich war schon Ende 20. Seitdem wird mein Gefühl für Licht immer spezieller. Manche Erkenntnis ist mir ganz von selber zugeflogen. Auf andere Nuancen hat Volko mich aufmerksam gemacht. Er hat als Fotograf eine spezielle Beziehung zu Licht & Schatten und sieht die Welt ohnehin anders. (Beispielsweise findet er Menschen mit Falten schöner als glatte Gesichter und Wolken besser als blauen Himmel).

 

Ortsfeld

 

Wie wir uns da immer weiter von der Fehrmarnsundbrücke entfernen und über Licht sprechen, fällt mir ein, dass der Strand von Orthfeld einer der letzten Unbekannten an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein für uns war. Bis auf zwei kleine Seebäder haben wir nun alle Strände besucht. Das Licht ist überall besonders. Am Fehmarnsund aber besonders besonders.

 

Sundlicht

 

Das Licht ist weich und sanft und oft wirkt die Landschaft beinahe irreal. Wie ein Gemälde. Der Fehmarnsund ist eine einzige Freiluft-Galerie. Das Wasser leuchtet aquamarin, helltürkis, jadegrün, geradezu karibisch. Und im nächsten Moment fühlt sich die Umgebung viel nördlicher an als es der Lage entspricht.

 

Ortsfeld

 

Daher empfehlen im Anschluss an eine Brückenexkursion auch keine Einkehr im nahegelegene Großenbrode (mit Blick auf die offene Ostsee). Sondern in Heiligenhafen (mit Blick auf den Fehmarnsund). Unterm Strich bleibt es aber Geschmacksache. Und am besten ist immer, sich ein eigenes Bild zu machen.

 

Heiligenhafen

Lolland

Mit´m Rad rüber nach Rødby: Mikroabenteuer auf Lolland

Zu einem Fehmarntrip gehört unbedingt ein Besuch bei den dänischen Nachbarn drüben auf Lolland. Ein Tagesausflug auf die viertgrößte dänische Ostseeinsel kann exakt der Definition eines Mikroabenteuers des Ober-Mikroabenteurers Alistair Humphrey entsprechen. So war es jedenfalls vorgestern bei uns; nämlich:

  1. easy,
  2. günstig,
  3. ein bisschen aufregend – und es hat uns
  4. ziemlich glücklich gemacht.

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Hamburg Rathaus

Freunde von Hamburg, schaut auf diese Stadt – vom Aussichtsturm St. Petri

Wäre ich nicht schon während des Hafengeburtstags auf den Aussichtsturm St. Petri gestiegen, hätte ich es sicher vergangenen Sonntag getan, denn da waren die Voraussetzungen ähnlich. Zwar schien trotz Wochenende ausnahmsweise die Sonne (was diesen Sommer ja mal wieder nicht selbstverständlich war). Doch die Natur rief nicht allzu laut nach mir, da es zuvor tagelang geregnet hatte und ich mir Wiesen und Wälder matschig vorstellte. An den Hafen wollte ich auch nicht – wegen der Cruise-Days – und überhaupt ist es mir seit einiger Zeit sonntags eigentlich immer zu voll zwischen Hafencity und Övelgönne. In der Innenstadt ist es allerdings schön ruhig.

 

Aussichtsturm St. Petri

 

Ich hatte den Aussichtsturm St. Petri schon auf der Liste, seit ich Michèles Gedankensprüngen auf den 544 Stufen gefolgt war, die Turmbesteiger absolvieren müssen. Einen Fahrstuhl gibt es in der Hauptkirche an der Mönckebergstraße nämlich nicht.

 

Aussichtsturm St. Petri: 544 Stufen ohne Fahrstuhl

 

Was es hingegen gibt sind Schließfächer  – und wenn die nette Dame an der Kasse des Kirchenshops vorschlägt, dort die Jacke zu deponieren, dann weiß sie schon, warum. So heiß wie unter der Kupferabdeckung des Turms wird es nämlich nie und nirgends in Norddeutschland.

 

Hamburg von oben

 

544 Stufen sind eine ziemliche Ansage. Noch herausfordernder war für mich persönlich, dass die Treppen zwischen den Böden frei schweben. Für meinen Geschmack lagen die Zwischenböden ab Stufe 254 etwas weit auseinander. Ich bin ein bisschen untüchtig, was Höhe betrifft. Und es war auch nicht hilfreich, dass ich beim Eintritt unterschreiben musste, die Turmbesteigung auf eigene Gefahr zu unternehmen.

 

Panorama Hamburg

 

Keine gute Idee ist es, direkt nach einem nächtlichen Reeperbahnbummel auf den Turm steigen zu wollen. Jedenfalls ging es einer Truppe junger Frauen, die genau das getan hatten, schon beim ersten Boden mit Bullaugenfenstern (nach 330 Stufen) extrem schlecht.

 

Rathaus Hamburg

 

Eine gute Idee hingegen: Brillenputztücher. Die Aussicht ist so grandios, dass sich einige Besucher die Nasen an den Bullaugen platt drücken. Was vor allem beim Fotografieren stört.

 

Fernsehturm Hamburg

 

Apropos Fotografieren: Die beste Zeit für den Aussichtsturm St. Petri beginnt demnächst. Im Herbst und Winter ist das Licht ja immer besonders klar. Bei mir war es etwas diesig, wie man sieht.

 

Jungfernstieg

 

Gar nicht so wenige Mitstreiter ließen es nach dem zweiten oder dritten Zwischenboden mit Bullaugenfenstern gut sein. Aber das ist echt Quatsch, wenn man nun schon mal soweit ist. Das Tollste ist nämlich die kleine Kammer in der Turmspitze. Jenseits einer Falltür 123 Meter über der Stadt haben nur noch (ich glaube) 4 Klappstühle Platz und es ist sehr ruhig und sehr weit weg von allem. Es hat mich – ganz ehrlich – berührt.

 

Alster

 

Als ich abstieg, bekam ich noch ein Extrageschenk. Schon auf der letzten Wendeltreppe wehte mir aus dem Kirchenschiff dieses Weltmeister-Lied von Andreas Burani (?) entgegen, gesungen von einem Seniorenchor. Und das passte super. Denn ich hatte so das Gefühl, dass mir dieser Moment tatsächlich immer bleibt.

 
Alster
 

Wer Lust hat: zu den Öffnungszeiten geht´s hier.

Schnecke

Gestern war das Wetter super: eine Nacht im POD im Camp Langholz

Gesten war das Wetter ja super, sagt die gut gelaunte Frau, die uns zu unserem POD im Camp Langholz führt. Das ist nicht unbedingt mein Lieblingssatz. Aber er bringt den Sommer 2017 ziemlich perfekt auf den Punkt. Nach jedem sonnigen Tag scheint einer wie heute zu folgen. Der Himmel ist bedeckt und die Luft fühlt sich schwer nach Regen an. Doch es ist immerhin warm genug für Shirt und Flip-Flops. Eigentlich sogar wärmer. Und solange ich nicht frieren muss, will ich nicht meckern. Dafür freue ich mich auch viel zu sehr auf unsere zweite Glamping-Erfahrung.

 

Glamping: Bauwagen, Safarizelt & POD im Camp Langholz

 

Bei unserem ersten Glamping-Versuch – in einem Bauwagen im wunderbaren Nirgendwo von Norgaardholz – dachte ich noch, Glamping meint nichts als glamouröses Camping in schicken bis ultra-schicken Unterkünften und einem winzigen Quäntchen Luxusverzicht, so dass man sich ganz abenteuerlich fühlen darf. Aber Glamping meint mehr. Und „richtig“ glampen kann man im Norden nur im Camp Langholz.

 

Naturstrand

 

Wir werden heute in einem POD übernachten; quasi die Economy Class im Glamping. Sie sind beliebt bei Wanderern und Radfahrern, die zwar Lust auf Outdoor haben, aber kein eigenes Zelt mitschleppen mögen. Man könnte PODs auch als Zelte aus Holz beschreiben  –  sehr gutem Holz übrigens, das irre lecker riecht und Camping selbst bei -20 Grad ermöglichen soll. Aber das ist wahrscheinlich was für Profis.

 

Und wer hat´s erfunden? Die Neufundländer

 

In Europa wurden PODs zum ersten Mal 2007 im größeren Stil im englischen Lake District gesichtet und schwappten von dort auf den Kontinent. Der Grundgedanke: PODS sind so klein und flexibel, dass sie an den spektakulärsten Plätzen aufgestellt werden können – ohne dabei das Auge zu beleidigen oder die Natur übermäßig zu belasten.

 

POD

 

Unser POD befindet sich am Ende des langen, schmalen Campingplatzes von Langholz. Es ist groß genug, dass man in der Mitte stehen kann. Die Ausstattung besteht aus zwei Lattenrosten und Matratzen, Steckdosen, elektrischem Licht und sogar einer Heizung. Auf die Veranda passen zwei Stühle und ein Tisch. Komplettiert wird die Einrichtung durch einen kleinen Kugelgrill und eine Hängematte mit Gestell, die man gern an den Strand schieben darf, der exakt 2 Trittsteine vorm POD beginnt. Näher am Meer geht nicht.

 

POD-Adresse: Langholz, Waabs, Schwansen, Schleswig-Holstein, Norddeutschland

 

Das Dorf Langholz bildet zusammen mit Kleinwaabs und Großwaabs die Gemeinde Waabs und liegt auf der Halbinsel Schwansen; etwa 10 km nördlich von Eckernförde. Die Strände sind hier vielfach steinig und es gibt ganz wunderbare Steilküsten. Es ist eine Gegend, in der man sich gut vorstellen könnte, Wallander und seinen Hund Jussi beim Strandspaziergang zu treffen. Wären da nicht die Campingplätze.

 

 

Obwohl wir rein gar nichts über Campingplätze wissen, haben wir so unsere Vorurteile im Kopf und machen darum in der Regel einen Bogen um die kleinen Parallelwelten. Und damit gehören wir zur Zielgruppe von Camp Langholz, wo das Motto lautet: We like to camp different.

 

 

Von unserem POD aus gesehen gleicht der Platz mit den bunten Zirkuswagen schon dem Bild, das Inhaber Christoph Albrecht in seiner Zukunftsvision beschreibt. Seit 2014 werkelt er mit seinem Team daran, einen Campingplatz jenseits aller Negativ-Klischees und Schrebergarten-Atmosphäre zu schaffen. So steht es in dem Manifest, das in der kleinen Speisenkarte des Bistros Strandräuber abgedruckt ist.

 

Camp Langholz ist das Ottensen der Campingplätze

 

Im Strandräuber spiegeln sich Christoph Albrechts Hamburger Jahre in der Veranstaltungsbranche. Hier sitzt man auf Holzmöbeln statt Plastikgestühl, genießt Wraps und Mojitos statt Pommes & Co., hier trifft man sich zum Kickerabend und statt Helene Fischer vom Band zu dudeln, bittet Camp Langholz lieber echte Musiker zu Live-Gigs ans Lagerfeuer.

 

 

Dass es nicht wie eine Marketingmasche wirkt, hat sicher damit zu tun, dass Christoph den Platz schon sein Leben lang kennt. Er hat ihn 2005 von seinem Opa übernommen und ist daher mit dem ursprünglichen Gedanken des Campings vertraut. Denn auch wenn sich das mancherorts im Laufe der Jahrzehnte ins Gegenteil verkehrte – ging es beim Camping schon immer um einen ungezwungenen und bewussten Umgang mit der Natur.

 

Kleinwaabs

 

Im Camp Langholz kommt 100% Ökostrom aus der Steckdose. Im Kiosk Proviantamt gibt´s regionale Biowaren. Die Rasenkanten werden nicht mit der Nagelschere geschnitten. Die Natur darf ohnehin wuchern. Und u.a. dafür wurde Camp Langholz mit 5 Sternen und dem offiziellen Titel Glamping-Platz ausgezeichnet. Als einziger in Schleswig-Holstein.

 

5 Sterne Deluxe – trägt im Norden nur Camp Langholz

 

Mein Lieblingssatz im Manifest lautet: … wir sind davon überzeugt, dass Camping nur dann cool ist, wenn es vor allem eines bedeutet: Freiheit. Die spüre ich so richtig, als sich die Dunkelheit um unseren POD legt.

 

pod

 

Gleichzeitig hat die Stimmung auch etwas ungeheuer Geborgenes. Die Nacht ist warm und obwohl nun vor allen Zirkuswagen Leute bei Kerzenschein zusammensitzen, ist es so still, dass ich es höre, wenn unser Nachbar im Safarizelt eine Buchseite umblättert.

 
Safarizelt
 

Später in der Nacht setzt leichter Niesel ein. Ich weiß nicht, ob sich Zelte bei Regen heutzutage noch klamm anfühlen wie in meiner Kindheit? In einem POD jedenfalls duftet die Luft weiterhin wie in einer Sauna. Und die Temperatur ist ideal zum Schlafen. Darum hadere ich auch kein Stück mit Petrus, der für morgen (wenn wir leider zu früh aufbrechen müssen), mal wieder super Wetter avisiert hat. Nachts sind ja ohnehin alle Strände grau und das Rauschen der Ostsee klingt wie ein Schlaflied.

 
PODCampLangholz
 

Offenlegung: Wir wurden zur Übernachtung im Camp Langholz eingeladen. Dafür herzlichen Dank an Christoph Albrecht und sein Team. Die Einladung hat unsere Meinung nicht beeinflusst.

Unterm Strich: Die Nacht im POD war eine superschöne Erfahrung, die wir weiterempfehlen können. Die Übernachtung kostet je nach Saison 34 – 44 Euro und ist dieses Jahr noch bis zum 8. Oktober möglich. Alle weiteren Infos zu den Lodging-Möglichkeiten im Camp Langholz hier: Klick.

Weiterlesen: Herrlich ist das Camp-Langholz auch für Kinder. Wir waren schwer beeindruckt, dass 1 Vater, 1 Lagerfeuer, 1 Gitarre und eine Schüssel mit Stockbrötchenteig ausreichen, um eine Riesenrasselbande in die andächtigste Kinderversammlung alle Zeiten zu verwandeln.  Einen Erfahrungsbericht – und Fotos mit Sonnenschein – gibt´s bei den Outdoor-Kids.

Holstentor

Umsonst und draussen: 5 Freiluftvergnügen in Lübeck

Tipps für Lübeck zu geben ist so ähnlich, wie Eulen nach Athen zu tragen. Beinahe jeder Besucher hat ja schon ein paar must-sees im Kopf, wenn er die wohl schönste Stadt Norddeutschlands bereist. Egal, ob man sich nun für die Hanse, das Holstentor, bestes Marzipan, Willy Brandt, Günther Grass, Backsteinpracht, Thomas Mann und/oder die Buddenbrooks interessiert – um nur mal einige sehenswerte Kracher in Lübeck zu nennen. Aber falls Du zufällig einen ähnlich Tick hast wie ich und bei schönem Wetter einfach raus musst, sind die folgenden 5 Tipps Dir vielleicht trotzdem willkommen.

 

1. Komm in die Gänge: Stadtspaziergang durch Lübecks Hinterhöfe

 

Jeder Besuch in Lübeck beginnt mit einem Bummel durch das Weltkulturerbe – die Altstadt mit ihren 1.800 historischen Gebäuden. In der Touristeninformation, rechter Hand vorm Holstentor, bekommst Du einen Stadtplan, der Dich entlang der wichtigsten Attraktionen quer über die Altstadtinsel führt. Etwas ganz Besonderes ist die „Stadt hinter der Stadt“.

 

 

Jenseits schmaler Portale und niedriger Gänge liegt das einstige Schattenreich von Lübeck. Hinter den prachtvollen Fassaden hauste einst der ärmere Teil der Bevölkerung in einem klaustrophobischen Gewirr von Buden, Behelfsbauten und Remisen. Heute sind viele Hinterhäuser- und -höfe längst wunderschöne, kleine Paradiese.

 

 

Gut 100 Gänge sind noch erhalten. Die meisten stehen offen. Es ist also unwahrscheinlich, dass Du alle „schaffst“. Die Tourismusinfo hat Themenrundgänge ausgearbeitet, u.a. den Stadtspaziergang „Lübeck Zeitreise“, der eine gute Mischung unterschiedlicher Höfe und Gänge ausweist (nur als PDF erhältlich).

 

 

Wenn Du Deine Runde so drehst, dass Du die Füchtingshöfe und den Glandorps Gang zum Schluss besuchst, kannst Du gleich der Glockengießerstraße zum nächsten Freiluftvergnügen folgen.

 

2. Nicht nur für junges Gemüse: der Schulgarten von Lübeck

 

Über eine Fußgängerbrücke geht es zum Botanischen Garten. Ursprünglich wurde er zum angewandten Biologieunterricht für Schulkinder angelegt und wandelte sich mit der Zeit zum Experimentierfeld; mit Bauerngarten, Senkgarten, Nutzgarten, Feuchtbiotopen, Alpinum u.a. gärtnerischen Attraktionen.

 

 

Der Schulgarten von 1913 wurde dieses Jahr unter Denkmalschutz gestellt. Er ist ein romantischer Ort mit beinahe altmodischer Ausstrahlung, abseits des Trubels, denn Du befindest Dich hier nicht mehr auf der Altstadtinsel sondern auf einer schmalen Landzunge zwischen Trave und Wakenitz.

 

3. Abkühlen in der Wakenitz

 

Städte, in denen man sich nicht in viel zu kleinen Schwimmbädern drängeln muss, sind immer gut. Vom rückwärtigen Ausgang des Schulgartens kannst Du schon das Naturbad Falkenwiese sehen. Der Besuch der historischen Flussbadeanstalt ist natürlich nicht umsonst, sondern kostet 2 Euro Eintritt.

 

 

Wer den Eintritt sparen will, steigt einfach von der öffentlichen Wiese ins Wasser. (Allerdings weiß ich nicht, ob das wirklich „erlaubt“ ist. Andererseits: Warum sollte es nicht?! Und es machen eine ganze Menge Leute, wie ich beobachtet habe.)

 

Wallanlagen

 

Vom Wakenitzufer kannst Du Dich wunderbar über die alten Wallanlagen in die City zurücktreiben lassen; bis zum Holstentor geht es praktisch ausnahmslos durchs Grüne.

 

Gartenlokal

 

Ob Du Dich lieber lässig im Park oder schick in der Altstadt stärkst, ist natürlich Geschmacksache. Wichtig ist nur, dass Du es tust, denn danach geht es ab in die Natur.

 

4. Fischerdorf Gothmund

 

Die Buslinie 12 bringt Dich vom ZOB zu der idyllischen Siedlung im Stadtteil St. Gertrud. Gothmund verhält sich zu Lübeck ähnlich wie Övelgönne zu Hamburg. Es hat die gleiche Anordnung; mit einem Spazierweg zwischen Häusern und Gärten. Nur dass hier statt Kapitänshäusern Reetdachkaten stehen. Und während ich gar nicht weiß, ob in Övelgönne überhaupt noch Kapitäne leben, fahren die Gothmunder Fischer bis heute auf die Ostsee hinaus.

 

 

Riesig ist Gothmund nicht. Wenn Du gaaaanz langsam gehst, hast Du den Ort in einer Viertelstunde durchschritten. Die relativ lange Anfahrt lohnt sich trotzdem, denn am Dorfende beginnt ein wundervoller Rundweg.

 

5. Wo der Seeadler kreist: Rundwanderung im Schellbruch

 

Das Naturschutzgebiet sieht auf den ersten Blick aus wie ein Meer aus Schilf. Jedenfalls wenn man selbst nicht so hoch wie Schilf ist. Hinter dem Schilf liegen allerdings 3 Lagunen und ein Süßwasserteich.

 

Schellbach

 

Knapp die Hälfte der Strecke läufst Du auf dem alten Treidelpfad an der Trave, was ich persönlich so schön fand, dass ich mich gar nicht mehr einkriegen konnte. Ein tolle Strecke übrigens auch für (gut erzogene) Hunde.

 

Trave

 

Wo der Rundweg ins Land abknickt, wäre ich beinahe umgekehrt, weil ich mich nicht von der Trave lösen mochte. Doch das wäre ein Fehler gewesen. Auf der rückwärtigen Seite hat man nämlich freien Blick auf die Lagunen, die ein Paradies für alle möglichen Wasservögel sind. Sie lassen sich sehr schön von einigen Aussichtspunkten beobachten.

 

 

Ein Birdwatcher versicherte mir, ich hätte sogar einen Seeadler über den Pappeln kreisen sehen. Aber für mich sah der eher wie eine schwarze Frisebeescheibe aus (Ornithologen also: Fernglas nicht vergessen).

 

Traveufer

 

Der Rundweg um den Schellbruch ist knapp 8 km lang. Wenn Dir das zu wenig Auslauf ist, kommst Du am besten lieber mit dem Rad als mit dem Bus nach Gothmund. Von hier sind es nämlich nur noch 12 (ausgeschilderte) km bis nach Travemünde. Da liegt der Strand von Lübeck – eines der größten Freiluftvergnügen überhaupt. Aber das wusstest ja sicherlich schon.

Treidelpfad