Norddeutschland, Ostsee, Schleswig-Holstein
Kommentare 13

Die Seebrücke von Heiligenhafen

In Schleswig-Holstein lautet die Frage aller Fragen: Ostsee oder Nordsee!? In letzter Zeit habe ich auf Blogs häufiger gelesen, dass gerade Menschen, die nicht am Meer leben, die Nordsee vorziehen. Sie hat eben einfach mehr Wumms und mehr Weite. Es gibt aber auch ein paar Dinge, die für die Ostsee sprechen. Beispielsweise Seebrücken.

Die gibt es nämlich so nicht an der Nordsee. (Zwar wird in der Liste der Seebrücken Deutschlands auch Juist geführt, aber wenn man mich fragt, ist das eher eine Mole.) Ein echtes Seebrücken-Vorzeigeexemplar findet man in Heiligenhafen.

 

SeebrueckePanorama

 

Auf den ersten Blick wirkt sie gar nicht so besonders spektakulär. Und genau das ist ihre Stärke. Die Seebrücke von Heiligenhafen ist kein Fremdkörper. Sie fügt sich in die Landschaft ein. Dabei hat sie es architektonisch in sich. Sie verzweigt sich. Wechselt unvermutet die Richtung. Verläuft teilweise zweigeschossig. Und so verläuft sich auch die Menge der Besucher in überraschende Winkel und Ecken, die man oft ganz für sich hat. Kurz: Sie macht richtig Spaß.

Seebrücken überspannen in ihrem Ursprung die Strecke von der Küste bis zu dem Punkt, an dem das Wasser tief genug ist, damit Schiffe andocken können. D.h. sie reichen weit ins Meer hinein. Die Heiligenhafener Seebrücke ist 435 Meter lang. So liegt man auf ihren Sonnendecks wie auf einem Ozeanriesen. Es ist doch wenig auf der Welt so wunderbar, wie ein warmer Juniwind, der noch einen Tick Meereskühle in sich trägt. Und dazu das Geräusch der Wellen, die gegen gewaltige Pfeiler klatschen.

 

 

Trotz ihrer beachtlichen Länge reicht die Seebrücke nicht tief genug in die Ostsee, als dass Schiffe an ihr festmachen könnten. Das Wasser läuft flach auf den Strand von Heiligenhafen zu. Daher auch die herrliche Farbe der Ostsee. Statt einem Bootsanleger findet man am Seebrückenende einen Badeplatz.

 

BadestelleSeebrueckeHeiligenhafen

 

Jack Ass auf norddeutsch

 

Das Gute am Älterwerden ist, dass man nicht mehr jeden Scheiß mitmachen muss. Ich würde beispielweise zur Zeit nicht in die Ostsee springen, nur weil meine Freundinnen das sagen. Sie ist nämlich noch grauenhaft kalt. Das dachten auch die fünf Jungs auf dem Bild. Man konnte es in ihren Gesichtern lesen. Aber da hatten sie schon viel zu lange und viel zu laut herumgetönt.

Und echt: Hut ab. Sie wollten zwar ab einem gewissen Zeitpunkt alle absolut nicht mehr. Aber sie habens alle getan. Mehrmals. Unter Fluchen und gegenseitigem Beschimpfen.

 

 

Noch so ein Highlight der Seebrücke: Ihre Lage. Heiligenhafen liegt an der Spitze der Halbinsel Wagrien. Direkt gegenüber von Fehmarn.

 

In der Ferne: Die Fehmarnsundbruecke

In der Ferne: Die Fehmarnsundbruecke

 

Vorn voraus liegt die Insel. Im Rücken der Warder.

 

Heiligenhafens bekanntester „Stadtteil“: Der Graswarder mit seinen alten Badevillen

 

Die beiden Spielplätze auf der Seebrücke werden stark von Erwachsenen frequentiert. Väter blockieren besonders die Geräte, mit denen man Meerwasser in die Höhe kurbeln, pumpen oder schöpfen kann.

 

SpielplatzSeebrueckeHeiligenhafen

 

Die Meereslounge

 

MeeresloungeSeebrueckeHeiligenhafen2

 

In der rundherum verglasten Meereslounge ist es warm und still. Man verfällt automatisch in  Meditationsmodus. Stunden kann man da sitzen und die Wellen betrachten. Oder lesen. (Ich empfehle die Schweigeminute von Siegfrid Lenz).

 

 

Die Ostsee-Lounge

 

Gastro und Amusement auf Seebrücken sind an sich nichts Schlechtes. Ich bin zum Beispiel schwer verliebt in die schrabbeligen Piers von Blackpool. Die Engländer sind erfinderisch. Auf ihren Piers ging es vor allem darum, die Landesgesetze zu umgehen. Draußen auf dem Meer durfte der Schnaps konzessionslos fließen.

In Heiligenhafen hat man darauf verzichtet. Was ebenso wunderbar ist.  Stattdessen befindet sich die dazugehörige Schnapsbude (neudeutsch Lounge) direkt am Zugang der Brücke. Am Strand also. Wo ein Beachclub ja auch hingehört.

 

OstseeLounge2

 

Es gibt eine kleine Speisenkarte. Die Getränkeauswahl ist gut. Die Musikauswahl bestens. Strandkörbe sind inkludiert. Das Leben kann ja eine Freude sein. Aber Vorsicht: Was woanders Spatzen, sind in der Ostsee-Lounge Möwen. Also die sieben Sachen besser gut bewachen.

 

 

Man kann sich natürlich auch einfach so in die Dünen hauen. Rechts der Seebrücke sind sie am Schönsten.

 

DuenenvorGraswarder

 

Dünen sind ja vielleicht noch besser als Seebrücken. Da ist man so herrlich geschützt. Vor eigentlich allem.

 

StrandHeiligenhafen

 

Und während man ab und zu in die Sonne blinzelt, kann man sich überlegen, ob man morgen vielleicht mal an die Nordsee fährt. Das „andere Meer“ ist in Schleswig-Holstein schließlich immer nur einen Katzensprung entfernt. Und Dünen findet man überall.

 

IndenDuenen

 

Da wäre sie also wieder, die Frage aller Fragen. Nordsee oder Ostsee? Was meinst Du?

13 Kommentare

  1. Guten Morgen Stefanie,
    jetzt weiß ich endlich, was „Lounge“ bedeutet! : )
    Ich schwimme total gern im Meer, aber in den letzten Jahren bin ich wirklich zur Memme verkommen: Es ist mir einfach zuuuuuuu kalt! Ich muss mir wieder ein dickeres Fell antrainieren!
    Wenn ich „Seebrücke“ lese, habe ich immer das Bild von einem langen Steg für Spaziergänger – oder eher Flaneure : ) – vor Augen. Diese steckt ja voller schöner Überraschungen. Richtig schick das Ding! Und weißt du, warum erwachsene Männer das Spielzeug belagern? Weil ihre Eltern sie früher beim „Flanieren“ regelmäßig davon weggezerrt haben : ) Grüße in den Norden!
    Jutta

    • Moin Jutta,

      die Erklärung macht Sinn. Dann ich verstehe ich auch die totale Konsequenz, mit der die Männer die teils entnervten, teils engeisterten Blicke ihrer Frauen ignoriert haben. Jahrzehntelang erarbeitet. 🙂

      Was das Schwimmen angeht, bin ich über die Jahre so ein Feigling geworden. Seltsam eigentlich für Nordliebhaberinnen. Ich habe aber beobachtet, dass ältere Leute sich diesbezüglich wacker schlagen. Insofern hoffe ich auf bessere Zeiten. Ab so 70 +.

      Ich wünsche Dir einen schönen Tag, Stefanie

  2. Hallo Stefanie,

    so langsam wage ich es gar nicht mehr zu sagen: die Seebrücke von Heiligenhafen = noch nie gesehen, noch nie dagewesen. 🙁
    Und dabei ist die echt was Besonderes, wie man auf deinen Fotos sieht.

    Nord- oder Ostsee??
    Schwierig. Nach über 30 Jahren Brunsbüttel und Dithmarschen, Friedrichskoog, Büsum, SPO etc…..bin ich – nach anfänglicher totaler Gegenwehr – nun sehr froh, dass mich das Leben nun in die Lüneburger Heide verschlagen hat und bin daher ein wenig ab von Nord- und Ostsee.
    Ich drücke mich daher mal für heute vor einer Entscheidung 🙂 und schicke dir stattdessen liebe Grüße
    Eva

    • Ja, die Heide ist natürlich auch so toll, Eva. Inklusive Dünen-Feeling, finde ich.

      Ist das nicht irre, was man alles nicht kennt? Heiligenhafen war mir insgesamt kaum bekannt. Lohnt sich aber. Wir waren von Sonntag bis gestern dort. Und fühlen uns, als wären wir mindestens eine Woche im Urlaub gewesen.

      Schön, dass Du Dich zuhause wohlfühlst
      (gerade nach einem Urlaub ein gutes Gefühl)

      Liebe Grüße, Stefanie

  3. Hallo Stefanie,

    die sieht aus wie für die Ewigkeit gebaut. Die Holzbrücken in Südengland sind da etwas wackliger und können abbrennen. Aber die haben auch ihren Reiz und Charme. Die Seebrücke ist offensichtlich ein lohnendes Ziel. Wenn da nicht noch all die Inseln und Orte / Lokationen an der Nordsee wären. Wir werden dieses Jahr nur einen Bruchteil davon zu sehen bekommen. Also Ostsee definitiv erst in 2016. Bis dahin seid ihr unser Fundus für virtuelle Ausflüge zu anderen Orten und Bereichen des Nordens. Nordsee oder Ostsee würde ich für uns umdefinierten in Nordsee und Ostsee.

    Liebe und sonnige Grüße aus dem Ammerland,
    Reinhold (+ Alex)

    • Ja, wirklich, es gibt einfach zu viele gute Ziele in Norddeutschland. Aber das Gute ist: Es läuft uns ja nicht weg. Wir machen´s also genauso wir Ihr und lassen uns von Euch inspirieren!

      Liebe Grüße, Stefanie

      PS.: Wenn ich von den Bränden auf den englischen Seebrücken lese, tut mir das echt in der Seele weh.

    • Bei mir ist es auch tagesabhängig bzw urlaubsabhängig. Auch ein bisschen wetter- und jahreszeitenabhängig. Und stimmunsabhängig. Das natürlich in allererster Linie.

  4. Pingback: Musterhaft: Stein- und Graswarder

  5. Pingback: Grömitz ist (wie ohnehin alles) Geschmacksache -

Kommentar verfassen