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Leutchhturm am Dornbusch

„… nur stille, stille, dass Hiddensee nicht etwa ein Weltbad werde.“

Albert Einstein, Billy Wilder, Sigmund Freud, Franz Kafka, Erich Kästner, Gottfried Benn, Bert Brecht – um nur mal einige Inselgäste zu nennen. Und allen voran Gerhard Hauptmann, der Lokalheld, der seine Sommermonate regelmäßig auf Hiddensee verbrachte. Er schrieb:

„Wiese und Meer. Meer und Wiese und Wind. Wind, Sturm und ewig brandenden donnernde Flut! Diese Eindrücke zwingen die Seele zur Einfachheit. Alles gekünstelte, alles städtisch-kulturell-aufgedrängte fällt von ihr ab. Das ist das Gesuchte, das ist das Gesunde. Aber eingeschläfert sind unsere Nerven nicht. Im Gegenteil, sonderbar aufgestört.“

Sonderbar aufgestört. Genau so fühle ich mich. Dabei wird Hiddensee gern als Insel mit Entschleunigungsgarantie bezeichnet. Es gibt auf der Insel keine Autos, keine Beachbars, keine grellen Fassaden, keine Wellnessangebote, sogar die Restaurants schließen früh.

Warum finde ich dann keine Ruhe? Warum bin ich so sonderbar aufgestört?

 

Hafen Kloster

Morgens im Hafen von Kloster. Die einzige Laute stammen von Spatzen und Schwalben.

 

Hiddensee ist die einzige Ferieninsel Mecklenburg-Vorpommerns, die nicht über den Landweg zu erreichen ist. Drei höchst unterschiedliche Orte – Kloster, Vitte und Neuendorf – verteilen sich von Nord nach Süd über das 16 km lange, schmale „söte Länneken“ (süßes Land).

Kloster, am nördlichen Inselende, ist das kulturelle Zentrum Hiddensees. Im Schatten gewaltiger Bäume mixen sich Reetdachhäuser mit zerfallenen Gehöften und Villen, wie sie auch in Grunewald stehen könnten. Hier befindet sich Hauptmanns Haus Sanddorn. Und der Inselfriedhof, auf dem er begraben liegt.

Die Insel vertrüge nur einen großen Schriftsteller, soll Thomas Mann nach einem Besuch bei Hauptmann gesagt haben. Es heißt, er wäre eifersüchtig gewesen auf die Popularität seines Gastgebers unter den Insulanern. Und dann entwickelte er aus den Zügen Hauptmanns den skurrilen Minheer Pepperkorn für den Zauberberg.

Hiddensee war und ist eine Quelle der Inspiration, wie es vielleicht keine zweite in Deutschland gibt.

 

HauptmannHaus

Haus Sanddorn. Hauptmanns Sommerhaus ist heute ein Museum – im Inneren nahezu unverändert. Im Anbau rechts befand sich sein Arbeitszimmer.

 

Maximale Dichter- und Denkerdichte

 

Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, Ernst Barlach, Rainer Maria Rilke. Es kann einem schwindelig werden angesichts der großen Namen, die eng mit der Insel verbunden sind. Sie entfachen Bilderstürme in mir, so dass ich mich fühle wie eine Hochsensible auf der Jahrestagung der Exzentriker (völlig überfordert).

Wenn ich mir nur vorstelle: Der erste weibliche Kinostar der Welt, Asta Nielsen, empfing hier Gäste wie Carl Zuckmayer und Joachim Ringelnatz. Letzerer soll zu und zu gern rotweinbetrunken & nackt durch die Ostseewellen gesprungen sein. Dem Sommerhaus seiner Gastgeberin widmete er in seinem Gedicht „Insel Hiddensee“ eine Strophe:

Steht ein Häuschen in der Mitte,
Rund und rührend zum Verlieben.
»Karusel« steht angeschrieben.
Dieses Häuschen zählt zu Vitte.

 

Karusel

Das Sommerhaus Karusel (dänsich für Karussell) von Asta Nielsen

 

Vitte (gesprochen: Fitte) ist mit 650 Einwohnern der Hauptort der Insel. Der einzige mit asphaltierten Straßen und bekannt für seine unterschiedlichsten Baustile. Fischerhäuschen, Gründerzeitvillen, schlichte Reetdachkaten. Darunter keine Bausünden. Aber ein paar  Unterlassungssünden. Morbides, um das man sich gern kümmern würde. Wenn man das Geld hätte.

 

Villa zur Ostsee. In der DDR-Zeit ein Erholungsheim des FDGB

Villa zur Ostsee. In der DDR-Zeit ein Erholungsheim des FDGB.

 

Sonderbar aufgestört. Das kleine Hiddensee wartet mit allen Landschaftsformen auf, die die Ostseeküste ausmachen. Auf Steilküste folgt Sandstrand folgt Dünenheide. Schon mit dem Fahrrad ist man zu schnell, als dass der Kopf mitkommen können. Das Herz schon gar nicht. Meines jedenfalls. Zufällig sind Steilküsten, Sandstrände und Dünenheiden meine Lieblingslandschaften.

Inmitten der Dünenheide liegt der dritte Inselort, Neuendorf. Hier gibt es keine Straßen, keinen Ortskern. Nur den kleinen Hafen und Trampelpfade zwischen weit verstreuten blitzeweißen Katen und Gehöften.

 

Neuendorf Hafen

 

Auch Neuendorf hat seinen eigenen Literaturgott. Im Gasthaus Freese kämpfte Hans Fallada mit seinen Dämonen, dem Alkohol und schrieb gleichzeitig seinen berühmten Roman „Kleiner Mann, was nun?“ Das war 1933.

 

Neuendorf

 

Sonderbar aufgestört. So viel Zeitgeschichte auf so wenig Raum. Der Heimatforscher Kurt Dittmann wertete die Gästebücher von drei Pensionen aus der Zeit vor dem Naziregime aus.

Unter den Gästen befanden sich circa fünfzig hochrangige Wissenschaftler, mehr als zweihundert Maler, Bildhauer und Architekten und jeweils hundertfünfzig Schriftsteller, Musiker, Komponisten und Schauspieler.

Drei Achtel dieser Gäste mussten Deutschland während der Nazizeit verlassen, wurden ermordet oder begingen Selbstmord.

 

DoktorandenHaus

Doktoranden-Haus der Universität Greifswald in Kloster. Einstein besuchte oft die zugehörige Vogelwarte.

 

DDR-Zeit auf Hiddensee

 

Nach 1945 entdeckten viele Künstler die Insel Hiddensee wieder neu für sich. Vor allem aus dem Exil kommende Schriftsteller wie Anna Seghers. Die Tänzerin Gret Palucca besaß seit den 1960er Jahren ein Sommerhaus in Vitte. Ihr Wunsch, es möge nach ihrem Tod, zu einem Ort des künstlerischen Austausches werden, erfüllte sich nicht. Das Haus wurde 2009 abgerissen.

 

 

"Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee..." sang Nina Hagen, ohne je auf der Insel gewesen zu sein. Die Plätze in den Erholungsheimen der DDR waren heiß begehrt und streng reglementiert.

„Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee…“ sang Nina Hagen, ohne je auf der Insel gewesen zu sein. Die Plätze in den Erholungsheimen der DDR waren heiß begehrt und streng reglementiert.

 

In den 70ern sang Nina Hagen die Inselhymne „Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael“. Da war sie noch „Bürgerin der DDR“ und Schlager-Interpretin. Für den Punk auf der Insel war Feeling B zuständig. Die wichtigste Punk-Band der DDR gab legendäre Strandkonzerte – mit Strom aus der Autobatterie. Möglicherweise toleriert von der SED. Sänger Aljoscha Rompe war der Sohn eines Funktionärs, der in Kloster ein Haus besaß.

 

Morgenstimmung Kloster

Das Panorama zum Punk. Drei Mitglieder von Feeling B sind heute bei Rammstein. Der Mensch ist unergründlich.

 

Hiddensee soll ein Stück Freiheit im sozialistischen Alltag bedeutet haben. Uwe Tellkamp beschreibt im Turm das Hiddensee der 80er Jahre:

„Der Weg wurde sandig, als sie von der Hauptstraße, an der Bäckerei Kasten vorbei, in Richtung Norden abbogen. Urlauber kamen ihnen entgegen, gebräunt und aus der Zeit gefallen. Frauen in wallenden Batikkleidern, viel Holzschmuck, Armreifen aus farbigen Lederriemchen, Sandalen mit Glasperlenschnüren; pfeifenrauchende Männer mit Künstlermähnen und Jesus-Look, seltener kurzgeschorenem Haar und Proletarierjoppen à la Brecht.“

 

Rohrdachhaus

 

Die Bäckerei Kasten existiert noch. Sie befindet sich in Kloster. In den alten Regalschränken stapeln sich frische Brotlaibe und duftende Hefezöpfe. Beim Blick in die Backstube denkt man, es habe sich wohl nicht viel verändert, seit Hauptmann sich wünschte:

 

„… nur stille, stille, dass es nicht etwa ein Weltbad werde.“

 

Ein Weltbad ist Hiddensee nicht geworden. Doch die Literaten schreiben heute nicht mehr auf sondern von der Insel. Es gibt Stunden, in denen die Rückzugsorte knapp werden. Ein Tagesausflug gehört zum Pflichtprogramm der Feriengäste von Rügen, Stralsund, Dranske, Zingst und Barth. Ein Großteil pilgert zielstrebig den Betonplattenweg zum Wahrzeichen Hiddensees hinauf – dem Leuchtturm am Dornbusch.

 

 

Weg zum Dornbusch, dem Wahrzeichen von Hiddensee

Weg zum Dornbusch, dem Wahrzeichen von Hiddensee

 

In unmitelbarer Nähe liegt die Gastätte und Pension Klausner, wo das jüngste Stück Literaturgeschichte der Insel angesiedelt ist. Der Roman Kruso von Lutz Seiler sagt man, werde sich einreihen in die Werke der großen Ostseedichter. Sein Hiddensee ließe sich mit  Thomas Manns Lübeck, Walter Kempowskis Rostock und Günter Grass Danzig vergleichen.

 

Klausner

Im winzigen Haus Klaus beim Klausner logierte schon Max Kruse, Bruder des Malers Oskar Kruse, Ehemann von Käthe Kruse und Vater des Urmel-Erfinders Max Kruse

 

Sonderbar aufgestört. Ich glaube, ich habe einen Kultur-Schock erlitten. Es sind ja längst noch nicht alle aufgezählt, die auf Hiddensee malten, dichteten, tanzten, tranken, dachten. Genannt habe ich nur die, die mir derart im Kopf rumschwirren, dass ich nicht mal meine Fotos anständig sortieren kann.

Und das musste jetzt alles erst einmal raus, bevor ich mit ein paar Tipps um die Ecke kommen kann. Das dann im nächsten Beitrag. Und bis dahin: Ahoi!

SPO Boehl

Das Wunderbare an St. Peter-Ording (Ortsteil Böhl)

Also, sagt Volko, nachdem er lange Zeit gar nichts gesagt hat, welchen Strand findest Du am besten? Mmh, antworte ich. Und dann lange Zeit nichts. Denn darüber muss man erst einmal gründlich nachdenken.

Wir sind in St. Peter-Ording, der größten Sandkiste Deutschlands. Konkret im Ortsteil Böhl. Nachdem wir im letzten Jahr die Strände von Ording, Bad und Dorf besucht haben, sind wir heute an den südlichsten Strand gefahren.

In Hamburg bin ich oft erstaunt, wieviele Menschen an x-beliebigen Wochentagen nicht arbeiten müssen. In Böhl überrascht mich nun eher, wieviele von denen heute nicht hergekommen sind.

 

Strandkoerbe Boehl

 

Es ist der erste richtig heiße Tag des Sommers. Das Wetter ist besser als angekündigt. Die Sonne scheint warm; der Wind trägt genau die richtige Frische in sich. Das Holzpodest, auf dem unser Strandkorb steht, haben wir ganz für uns allein. Als wäre es unser Privatgrundstück und unser Strandkorb das Sommerhaus.

Es stimmt wohl, was man immer wieder liest: Böhl hat den ruhigsten Strand von St. Peter-Ording.

 

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In Ording und Bad ist schon deutlich mehr los, hat uns der Strandkorb-Mann verraten. Das ist eigentlich nicht zu begreifen. Speziell für Tagesausflügler ist Böhl der praktischste Strand. Der Einzige, an dem man mit dem Auto bis an die Pfahlbauten heranfahren kann. Wir haben unseres lieber jenseits des Deiches geparkt. Weil ja der Weg das Ziel usw. Auf dem Bohlenweg durch die unendlichen Salzwiesen wird jeder Schritt ein Ooom, begleitet von Vogelgezwtischer und Hummelgebrumm.

 

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Das Vogelgezwitscher ist der Soundtrack von Böhl. Der weiträumig versandete Strandabschnitt ist ein wichtiges Brutgebiet. Von April bis Juli sind die Brutgebiete gekennzeichnet und dürfen nicht betreten werden. Hunde müssen an die Leine. Drachen sind verboten, da die Vögel sie als Feinde wahrnehmen und in Stress geraten. Stress ist in Böhl jedoch absolut unerwünscht. Stattdessen watet man gemächlich durch knietiefe, badewasserwarme Priele und die beinahe ebenso warme Nordsee.

 

 

Von allen wunderbaren Dingen in St. Peter-Ording sind die Wassertemperaturen für mich das Wunderbarste. Die Ostsee zum Beispiel braucht immer eine Schönwetterperiode, bevor sie mir erträglich scheint. An der Nordsee reichen ein paar Schönwetterstunden. Fällt der Sand bei Ebbe trocken, heizt er sich richtig auf, so dass er quasi als Fußbodenheizung fungiert, wenn das Wasser zurückkommt.

 

Dont forget your rucksack

 

Ich geh mal kurz ins Wasser, is nich in Böhl. Hier muss man ins Wasser wandern. Daher ist ein Rucksack auch viel besser als eine beschwerliche Strandtasche. Kann nämlich sein, dass man Stunden unterwegs ist. Oder sogar gar nicht mehr an den ursprünglichen Platz zurückkommt.

 

Sandbank

 

Ich kanns nicht beschwören, aber ich würde schätzen, dass es bis zur Wasserlinie zwei bis drei Kilometer sind.

 

Boje

 

Könnte allerdings auch sein, dass ich mich irre. In Böhl verrutscht einem leicht die Perspektive, während man auf Wasser wandelt.

 

auf Wasser gehen

 

Es ist seltsam, aber egal wie oft ich nach St. Peter-Ording fahre – auf die gigantische Weite bin ich nie vorbereitet. Es ist vielleicht zu surreal, als dass ich das Bild eins zu eins im Kopf behalten könnte.

 

 

 

Was man nach Böhl nicht mitnehmen muss, sind Butterbrote. Denn dann könnte man nicht in der Seekiste speisen. Und das wäre verdammt schade.

 

Seekiste

 

Wie in allen Pfahlbauten-Restaurants in St. Peter-Ording ist auch das Personal in der Seekiste auf diese besonders nette Art rotzfrech und gleichzeitig total aufmerksam. Man fühlt sich einfach wohl und willkommen. (Außer im Arche Noah in Bad).

 

Strandblick

 

Als wir gegen halb neun abends zum Leuchtturm von Böhl schlendern, habe ich mich noch immer nicht entschieden, welchen Strand von St. Peter-Ording ich am besten finde.

Und Du, frage ich Volko.

Weiß ich nicht, sagt er. Aber ich glaube, irgendwie jeden.

Und dem schließe ich mich vollumfänglich an.

 

Leuchtturm Boehl

 

 Tipp zum Weiterlesen:

 

Wirklich, ich kann gar nicht genug bekommen von St. Peter-Ording. Und ich finde, die meisten Leute (besonders wir) sind viel zu selten da. Vielleicht mal ausgenommen Elke vom Meerblog. Die Reisejournalistin und Bloggerin kann als Haus- und Hofchronistin von SPO gelten. Hier gehts zu ihren ultimativen Tipps für den Sommer in Nordfriesland.

Und das Beste ist ja, dass der gerade erst begonnen hat.

 

Als ich einmal fast auf den Ochseninseln war

Irgendwann um die Jahrtausendwende, Bucket Lists waren mir noch kein Begriff, erkor ich die Ochseninseln zu einem meiner 43-places. Die Seite lief damals in der 1.0-Version. Da war nichts interaktiv. Man notierte einfach 43 Orte, die man schon gesehen hatte oder noch erobern wollte.

Letztes Jahr fiel mir die Liste wieder in die Hände. Mich überraschte,

a) wie viele Ziele in der Nähe sich darauf befanden. Und

b) dass ich es in gut 10 Jahren nicht geschafft hatte, auch nur eines davon zu besuchen. (Im Gegensatz zu den voll-weit-weg-Zielen).

Aus meinem Erstaunen entstand im Grunde dieser Blog. Seitdem habe ich ja nun schon einiges gesehen. Und neulich war ich wirklich ganz kurz davor, meinen Fuß auf die Ochseninseln zu setzen.

 

Sonderhav

Der rote Punkt markiert Annies Kiosk in Sonderhav, wo es angeblich die besten Hot Dogs Dänemarks gibt.

 

Die zwei kleinen Inseln liegen in der Flensburger Förde. Sie entstanden, als ein Riese vom dänischen zum deutschen Ufer sprang. Zwei Lehmklumpen plumpsten von seinen Stiefeln herab: Voilá – die Ochseninseln.

 

 

Angeblich setzt stündlich eine Fähre auf die Große Ochseninsel über. (Die Kleine Ochseninsel kann man nicht besuchen. Sie ist im Besitz der Dänischen Lehrervereinigung und so schön verwildert, dass ich sie viel lieber erkunden würde als die Große. Aber man kann eben nicht alles haben.)

Es hatten sich ziemlich viele Menschen am Anleger in Sonderhav eingefunden. Wandergruppen, Jungsgruppen mit Kühltaschen und Grillutensilien, Familien. Volko ließ es sich netterweise nicht anmerken, aber ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass er innerlich stöhnte. Massen sind nicht so sein Ding.

Ein bisschen erinnerte das Ganze uns an Skagens-Gren, wo Skagerrak und Kattegat zusammentreffen und Bussladungen von Touristen zur Nordspitze Dänemarks pilgern. Bussladungen sind es vor Ochseninseln zwar nicht. Aber in der Relation ist die Sandzunge vor Sonderhav ähnlich bevölkert.

Zur vollen Stunde hatten wir sie jedoch einen Moment für uns, weil alles zum Anleger trabte.

 

Sandzunge

 

Wir trabten nicht mit, weil wir längst entschieden hatten, dass wir nicht auf die Ochseninsel fahren würden. Jedenfalls nicht an diesem Tag. Wenn ich wiederkomme (und ich möchte auf jeden Fall wiederkommen), dann in dem Wissen, dass hier ordentlich was los ist. Die Große Ochseninsel wird für mich dann nur ein Zwischenziel auf einer Wanderung von Wassersleben durch den Kollund Wald sein.

Denn nun weiß ich ja, was ich vorher nicht wußte: Der Hot-Dog-Stand vor den Ochseninseln ist die Mega-Attraktion der Gegend. Da muss man sich nur mal den Wikepedia-Eintrag von Annies Kiosk  ansehen, in dem von Würstchen-Kriegen, Raubüberfällen und Hot-Dog-Meisterschaften berichtet wird. Und dass Angela Merkel hier mal ein Hot-Dog aß.

 

Anleger Ochseninseln

 

Zur vollen Stunde legte dann wirklich ein Mini-Boot auf der Großen Ochseninsel ab und steuerte auf den Anleger zu. Der Kapitän sprach irgendwas mit den Wartenden aus der ersten Reihe und kehrte dann ohne Passagiere zurück zu Insel. Selbst wenn ich noch gewollt hätte, hätte ich offenbar nicht zur Großen Ochseninsel gelangen können. (Warum, weiß ich nicht.)

Die, die eigentich gewollt hatten, zockelten alle zu Annies Kiosk. Während ich mich von der Utopie einer einsamen Insel inmitten der Flensburger Förde verabschiedete.

 

Sehnsucht

 

Stattdessen sind wir an diesem Tag nach Sonderburg gefahren. Im Gegensatz zu den Ochseninseln präsentierte sich die Stadt wie ausgestorben.

 

 

Das war eigentlich schade, denn ich hätte ja so gern einen Blick in den Vikingeklubben geworfen. Doch der war leider geschlossen. Und das Schloß kannte ich schon.

 

Wikinger Clubben

 

Manchmal ist das ulkig: Obwohl alles ganz anders läuft, als man es sich wünscht, kann der Tag trotzdem eine Wucht sein. So war das, als ich einmal fast auf den Ochseninseln war.

PS.: Morgen peile ich übrigens wieder einen Ort an, den ich schon seit über einem Jahrzehnt besuchen will: Hiddensee. Falls jemand Tipps für die Insel hat, immer her damit. Ich freue mich.

Schnogholm, Tiefkühlgemüse und der Brief meiner Urgroßmutter

Die Geltinger Bucht, die den Übergang von der offenen Ostsee zur Flensburger Förde markiert, liegt in der Region Angeln. Dort wurde ich geboren. Genau wie alle meine Eltern, fast alle meiner Großeltern und einige meiner Urgroßeltern. Also, es ist meine Heimat, würde ich sagen. (Auch wenn mein Zuhause seit fast 20 Jahren St. Pauli ist, aber das hat ja damit nichts zu tun.)

 

Ostseeblau

 

Reist man dahin, wo man herkommt, ist das irgendwie auch immer eine Begegnung mit sich selbst. Neulich in der Geltinger Bucht bin ich mal wieder davon ausgegangen, dass ich nichts Neues entdecken würde. Schließlich erstreckt sie sich gerade mal über 15 km Küstenlinie. Und ich war schon tausend Mal dort.

Ich habe mich natürlich geirrt. Als Erstes entdeckte ich einen Wegweiser, den ich nie zuvor sah.

 

Entdeckung 1: Schnogholm

 

Ernsthaft, Schnogholm. Da halte ich mich nun seit Jahrzehnten für eine phantasievolle Person – aber nie habe ich den wunderbaren Wegweiser nach Schnogholm wahrgenommen!? Mein Selbstbild wankt.

 

Ohrfeldhaff

 

Schnogholm ist eigentlich nur eine Straße. Doch fährt man sie zuende, trifft man auf den steinigen Strand von Ohrfeldhaff. In vollkommener Stille liegt er da. Als wäre er nicht von dieser Welt. Und als würde gleich der Schnockolm von Schnogholm pfeifend um die Ecke spazieren. Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben. Einen Kieselstein kickend.

 

Morgens in Ohrfeldhaff

 

Ich lerne daraus, dass ich öfter mal abbiegen sollte, wo ich noch nie abgebogen bin. Am allerbesten morgens, abends oder im Winter (wenn kein anderer abbiegt.)

 

Morgennebel

 

Entdeckung 2: Norddeutsche sind keine Italiener

 

Geht man dahin, wo man herkommt, tauchen Kindheitserinnerungen en masse aus dem Unterbewusstsein auf. Je älter man wird, desto dankbarer guckt man auf das, was die Eltern richtig gemacht haben. Ich habe schon als Kind irre tolle Reisen gemacht. Speziell meine Mutter hat mir beigebracht, auf Reisen das Ursprüngliche zu suchen. Sie hat ein besonderes Näschen für schrabbelige Tavernen und Trattorien in den Bergen, hoch über den Küstenorten Südeuropas, betrieben von alten Männern mit Zauberkraft im Kochlöffel. Anselmo in Ligurien. Savas auf Kreta. Das sind für mich so wunderbare Erinnerungen.

Nach solchen Orten kann man in Norddeutschland aber lange suchen. Oder ich habe einfach kein Gespür dafür. Jedenfalls habe ich in der Geltinger Bucht mal wieder festgestellt: Die traditionellen Gaststätten Norddeutschlands machen mich nicht froh. Sie servieren Tiefkühlgemüse. Und Eisbergsalast mit einer Tomatenscheibe plus Fertigdressing.

 

Spar

 

Ich kann das mit dem Tiefkühlgemüse im Jahr 2015 eigentlich nicht fassen. Muss es aber wohl endlich so hinnehmen: In Norddeutschland isst man am besten dort, wo´s etwas teuerer ist. Oder beschränkt sich auf Kleinigkeiten in Bistros, wo´s das Gleiche gibt wie in jeder x-beliebigen Stadt. Was ja nichts Schlechtes sein muss. Empfehlenswert sind beispielsweise der Kiosk in der Geltinger Birk und die Marina Lounge in Wackerballig.

 

 

(Den Jachthafen Wackerballig sollte man sich ohnehin nicht entgehen lassen. Schon allein weil man dort so schön in der alten Leuchtturmspitze des Leuchtturms von Kalkgrund sitzen kann. Und die Geltinger Birk ist sowieso ein Muss. Das erzähle ich aber ein anderes Mal, weil das absolut keine neue Erkenntnis ist.)

 

Strand bei Norgaardholz

 

Was jetzt kommt, ist auch keine neue Erkenntnis. Hat sich aber für mich in der Geltinger Bucht noch mal ordentlich intensiviert: Reist man dahin, wo man herkommt, ist das oft auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Manche finden Heimat herrlich, andere fürchterlich, einige Menschen lässt der Heimatbegriff vollkommen kalt und sehr viele sind ambivalent unterwegs. So wie ich.

Rein landschaftlich finde ich meine Heimat unheimlich schön. Besonders schön ist der Strand bei Habernis, dem nordwestlichen Ende der Geltinger Bucht.

 

SteilkuesteHabernis

 

Vielleicht sorgt genau der Kontrast zwischen Schönheit und Brutalität dafür, dass es mich so intensiv berührt, als ich dort eines Morgens auf eine Gedenktafel stoße.

 

Entdeckung 3: Ich kann so glücklich sein

 

Gedenkstein

 

Ich hatte von diesen jungen Männern noch nie gehört. Aber schon als Kind wusste ich, dass ein paar Tage zuvor 47 U-Boote in der Geltinger Bucht versenkt wurden, damit sie nur ja „der Feind“ nicht in die Hände bekam. Den Befehl gab Dönitz von Flensburg aus.

Dönitz war von Hitler in der Vorwoche testamentarisch zu seinem Nachfolger ernannt worden. Er telegrafierte dem Toten: „Mein Führer, meine Treue zu Ihnen wird unabdingbar sein.“

 

Steg Nordgaardholz

 

Während drei junge Männer also hingerichtet werden, bringt KZ-Architekt Speer seine Familie nur eine Bucht weiter in Sicherheit. Bevor er selber bei Dönitz unterkriecht. Und meine ostpreußische Urgroßmutter erreicht mit 6 Töchtern und einem Sohn ein weiteres Lager auf ihrer unendlichen Odysee. Es wird das letzte sein, bevor sie hier ein Zuhause findet. Aber das weiß sie noch nicht. Sie weiß im Moment nicht einmal, ob ihr Mann noch lebt und ihre älteste Tochter, die beim Roten Kreuz Dienst tut. Nur dass der fünfjährige Fritz von einer Granate zerfetzt worden ist, das weiß sie sehr genau.

Jeder ist seines Glückes Schmied? Dass ich nicht lache. Man hat Schwein oder unendliches Pech. So ist das. Immer gewesen.

 

Anleger Gelting Mole

 

Vielleicht hat meine Urgroßmutter ja mal hier gestanden in der Zeit, über die sie später in einem Brief an ihre jüngste Tochter schrieb:

„Inzwischen hatte ich mehrere Flüchtlingsfamilien kennengelernt. Insbesondere schlossen sich drei Schwestern aus Ostpreußen uns an. So saßen wir oft beieinander des Abends zusammen und dachten an die Heimat und unsere Lieben. Es gab so viel Not und Elend im Flüchtlingslager … Ich fuhr oft nach Kappen, Flensburg, Schleswig, las dort die ausgehängten Suchlisten und hoffte immer, von meinen Lieben oder von Bekannten etwas zu hören. … So war der 7. September hereingekommen. Frau Larsky bat mich, mit nach Kappeln zu kommen. Ich hatte aber wie so oft so geweint und wollte nicht mit verweinten Augen fahren. Frau Kaiser, die Frau, die bei uns mit lebte, war bei mir. Plötzlich kam Siegfried: „Mutti. Papa. Papa ist da.“ Ich hatte Dich gerade auf dem Arm. Ich war so bleich und erschreckt, dass Siegfried sagte: „Nein. Nein. Ist kein Papa.“ Ich guckte durchs Fenster und sah alle Kinder zur Brücke laufen. Ich lief hinterher, die Treppe herunter, brach mir die Absätze ab. Mitten auf der Brücke er; dein Vater. Wir fielen uns in die Arme. Von allen Seiten die Kinder. Die meisten Leute, die das sahen, brachen in Tränen aus. „

 

Nichts in Gelting Mole deutet darauf hin, dass hier für fünf Minuten mal die Weltgeschichte wütete. Man kann es sich auch gar nicht vorstellen. Es ist zu friedlich.

 

Gelting

 

Es soll mir immer bewusst bleiben, dass ich zu denen gehöre, die Schwein haben. Bzw eine Urgroßmutter, die es schaffte ihre Kinder nach Schleswig-Holstein zu retten. Gerade jetzt will ich das nicht vergessen, wo so viele Menschen entsetzlichem Elend ausgesetzt sind. Heimat ist nichts als Zufall. Wir haben ja gar nichts dafür getan. Wir haben es uns nicht verdient oder so, dass wir in vollkommener Sicherheit leben. Und es steht uns nicht zu, sie jemand anderem zu versagen.

 

Segelboot Gelting

In Wolfsburg steckt der Wurm

Wolfsburg, ich muss schon sagen, ist unter allen seltsamen Städten Nordeutschlands die allerseltsamste. Nicht nur, weil 95% der Wolfsburger die gleiche Automarke fahren. Sondern vor allem weil 95% der Wolfsburger Gebäude nach 1950 gebaut wurden. Bis dahin hatte die Stadt quasi nichts. Nicht einmal einen richtigen Namen. (Sie hieß: „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“).

 

 

Inzwischen steht Wolfsburg so gut wie flächendeckend unter Denkmalschutz. Was man woanders abriss, wurde in Wolfsburg aufwendigst Asbest-saniert. Kosten spielen in Wolfsburg nämlich kaum eine Rolle. Denn die haben´s ja – das allerhöchste Bruttonationaleinkommen pro Kopf in Deutschland. So können sie sich auch ein Museum vom Feinsten gönnen.

Das Kunstmuseum Wolfsburg ist wunderbar. Eine Knaller-Ausstellung jagt die nächste, der Einritt ist günstig und meistens ist man ziemlich allein mit den Kunstwerken. Zur Zeit läuft die  Ausstellung „Fichte“ des grandiosen Künstlers Erwin Wurm.

 

KunstmuseumWolfsburg

 

Der Österreicher Erwin Wurm ist witzig; aber nicht nur. Beim Betrachten seiner Werke bleibt das spontane Lächeln oft im Gesicht hängen. Man kommt ins Denken. Und kehrt ertappt zum Grinsen zurück. Wenn man einen bestimmten Sinn für Humor hat. (Den hatten gewissen Beamte aus Karlsruhe nicht. Sie verpassten einem seiner Kunstwerke im öffentlichen Raum ein Knöllchen. Er wird sich diebisch gefreut haben.)

 

 

Also, wenn Ihr in der Gegend seid – die Ausstellung läuft noch bis zum 13. September 2015. (Und falls Ihr eine Vorliebe für 60-Jahre-Ästhetik habt, lohnt sich ein Ausflug nach Wolfsburg generell. Das glaubt einem ja immer keiner. Ist aber wirklich wahr.)

 

Senfgelb

4 Gründe, nicht nach Heiligenhafen zu fahren

Dieser Post richtet sich an alle, die im Prinzip schon lange mal nach Heiligenhafen wollten, es aber irgendwie nicht gebacken kriegen.

Ich dachte darüber morgens um 07.00 Uhr nach, als ich einen Filterkaffee im Restaurant Nordpol trank. (Ein seltsamer (absolut empfehlenswerter) Schuppen direkt im Fischereihafen.) Die Sonne schien mir ins Gesicht. An den Nebentischen schnackten Saisonkräfte über ihre Jobs in Cafés, Fischbuden und Souveniershops. Fischer werkelten an Kuttern. Möwen stritten um Fischabfälle. Und mir wurde mal wieder bewusst, wie gut mir Reisen in die Naehe tun. Selbst die allerkürzesten, selbst die allerunspektakulärsten.

 

Boot

 

Heiligenhafen steht im Folgenden symbolisch für alle Orte in Deiner Naehe. Orte, die Du schwuppsdiwupps erreichen kannst. Orte, an denen Du Kraft tanken und ein bisschen über den eigenen Tellerrand blicken kannst. Solche Orte gibts überall in Deutschland. Aber eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, warum man nicht nach Heiligenhafen fahren sollte. Also:

 

1. Du hast keine Zeit, nach Heiligenhafen zu fahren

 

Man kennt das: Das Leben macht manchmal atemlos. Die Arbeit frisst einen auf. Tante Tilly hat Geburtstag. Die Küche müsste dringend mal wieder gestrichen werden. Gründe, nicht nach Heiligenhafen zu fahren, gibt es genügend. Denn irgendwas ist ja immer.

Bevor wir diesen Blog starteten, ging es mir auch so. Nach 18 Kurzreisen in 18 Monaten kann ich jedoch resümieren: Kein Kunde hat sich deshalb von mir abgewandt. Kein Projekt ist gescheitert. Niemand aus meiner Familie oder dem Freundeskreis war je beleidigt, wenn ich wegfuhr. Gut, meine Küche wartet noch immer auf ihren Anstrich, aber was soll´s.

 

EinigkeitHeiligenhafen

 

Viele sind ja so sozialisiert, dass sie ständig den Druck verspüren, die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen. Das Widersprüchliche daran: diesen Druck auf andere auszuüben, liegt den meisten fern. Rein rechnerisch muss es also so sein, dass wir uns den Druck häufig selbst machen. Zu streng mit uns sind. Päbstlicher als der Pabst. Oder calvinistischer als Luther. Je nachdem.

Letztlich ist es eine Binsenweisheit, aber nichtsdestotrotz wahr: Weder meine Kunden, noch Tante Tilly und schon gar nicht meine Küche werden mir je „erlauben“, dass ich mich selbst wichtig nehme. Es ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Das muss ich allein erledigen. Wenn ich für mich und meine Bedürfnisse sorge, ist das nicht egoistisch. Sondern erwachsen.

 

Heiligenhafen Hafen

 

Ich brauche dafür noch immer eine Krücke. Mir hilft: Planen. Ich buche unsere Kurztrips in der Regel zwei, drei Monate im Voraus. Verbindlich. Ohne Stornomöglichkeiten. Ich nehme das mittlerweile genauso ernst wie jeden anderen Termin.

Obwohl ich Zeit finden muss, wo früher keine Zeit nötig war, ist mein Leben nicht gedrängter geworden. Sondern langsamer. Als hätte es sich entzerrt. Aufatmen mit Ansage.

 

2. Du hast kein Geld, um nach Heiligenhafen zu fahren

 

Seit eineinhalb Jahren treiben wir uns in der Naehe herum. Wir haben großartig übernachtet und super-duper-einfach. Wunderschöne Edelherbergen haben etwas für sich. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber einfache Unterkünfte auch. Gerade dort bekommt man oft ein echtes Gespür für den Ort.

In Heiligenhafen hatten wir uns der Lage wegen für ein eher einfaches Hotel entschieden. Wir wollten mal mittendrin sein. Das Zimmer war tadellos. Dafür haben wir 21,25 pro Nacht und Person bezahlt. Das entspricht einem Kino-Film mit Überlänge, Getränk und Popcorn in einem Mulitplexkino.

 

 

 

Solche Unterkünfte gibt es in Norddeutschland zu Tausenden. Sie sind nicht schlechter als Pauschalangebote auf Ibiza oder an der Algarve. Viel luxuriöser als Strandhütten in Thailand oder Goa. Günstiger als Hostels auf der Isle of Skye oder Island. Und wenn ich in allen genannten Etablissements gern übernachten mag: Warum sollten meine Ansprüche in Norddeutschland höher sein?

 

 

Als St. Paulianerin weiß ich sehr genau, dass selbst 21,50 für manche Menschen schwer abzuzwacken sind. Für diese Lage existieren einige Vereine und Insititutionen; wie z.B. das Deutsche Erholungswerk.

Die Feriendörfer in Golsmaas (Ostsee) und Schneverdingen (Heide) habe ich mir angesehen. Sie liegen toll! Falls Du also eine missliche Phase hast: Scheu Dich nicht, die Angebote zu nutzen oder Unterstützung zu beantragen.

 

3. Das Wetter ist im Moment so schlecht

 

Auf besseres Wetter zu warten, ist keine gute Idee in Norddeutschland. Wartet man auf ein stabiles Hoch, kann das bis zum St. Nimmerleinstag dauern. Oder man erhöht aktiv die Wahrscheinlichkeit, dass man ausgerechnet wenn die Sonne scheint, wirklich keine Zeit hat (siehe Punkt 1) bzw alle Zimmer ausgebucht sind oder die Preise sich ins Unermessliche schrauben (siehe Punkt 2).

Über das Wetter mache ich mir mittlerweile gar keine Gedanken mehr. Es ist nicht die Hauptsache. Weil ich regelmäßig in die Naehe reise, muss der einzelne Trip nicht alle erdenklichen Wünsche für mich erfüllen. Alles-jetzt-sofort – den Anspruch habe ich nicht. Der macht sowieso nur undankbar oder gierig. Man denke bloß mal an den Fischer un sin Fru.

 

FishandChips

 

Als ich da morgens um 07.00 Uhr im Nordpol von Heiligenhafen saß, dachte ich: Wenn das mit der Sonne so bleibt, lege ich mich nachher an den Strand. Ziehen mehr Wolken auf, gehe ich spazieren. Und falls es zu regnen beginnt, kuschel ich mich in den Sessel und lese. Alles gut. Schön, dass ich hier bin.

 

4. Ich will aber lieber nach Xanadu als nach Heiligenhafen

 

Ganz ehrlich: Ich auch. Und wenn ich nur zu meinem Vergnügen lebte, keinerlei Einschränkungen und Verpflichtungen unterworfen, dann würde ich den gesamten Juni durch Skandinavien wandern und mich von Moltebeeren ernähren. Und heute, am 21., würde ich Mittsommer feiern. Mit einem gewaltigen Feuer am Strand.

Stattdessen besteht mein Juni aus drei (bereits vergangenen) Urlaubstagen in Heiligenhafen und 28 volle-Kanne-Arbeitstagen. Ohne einen weiteren freien Tag dazwischen. Mein Juni ist also eigentlich eher schauderhaft. So was hat ja jeder mal. Aber wenn man drin steckt, kann es sich leicht so anfühlen, als laste das Elend der Welt auf den eigenen Schultern.

Vor diesen Gedanken schützt mich ein bestimmter Moment aus Heiligenhafen. In der ersten Nacht wachte ich nachts auf. Und konnte nicht glauben, was ich vorm Fenster sah:

 

Sommernacht

 

Es war 3.44 Uhr. Eine perfekte Juninacht in Norddeutschland. Ich trage das Bild wie einen kleinen Spatz in meiner Hand. Das war ein wunderbarer Grund, nach Heiligenhafen zu fahren.

In diesem Sinne: Habt eine schöne Mittsommernacht!

Musterhaft: Stein- und Graswarder

Heiligenhafen nennt sich „die Warderstadt“ aufgrund der zwei vorgelagerten Halbinseln Steinwarder und Graswarder. Einmal rundrumgewandert hat man 10 km auf dem Schrittzähler und einen guten Überblick über 100 Jahre Tourismus. Geradezu exemplarisch für die Schleswig-Holsteinische Ostseeküste.

 

Karte Heiligenhafen

 

Für Karten-Freaks (wie mich): Der grüne Nehrungshaken im Osten ist der Graswarder. Der Steinwarder ist der orangene Teil der Halbinsel oberhalb des Binnensees. Die Verbindung nach Heiligenhafen entstand erst im Laufe der Jahrhunderte durch angegespülten Sand.

 

Das Beste was hier je passiert ist: Der Graswarder

 

1895 gründete die „Deutsche Badegesellschaft Heiligenhafen“ auf dem Graswarder eine erste Ferienkolonie. Damals war er noch eine Insel; erreichbar nur über eine Holzbrücke.

 

Blick zum Graswarder

 

Heute ist der Graswarder zwar über einen Damm zu erreichen, aber immer noch so etwas wie eine Insel der Glückseligen. Denn die Jungs von der Badegesellschaft machten alles, aber auch alles, richtig.

Es gibt keine Cafés, keinen Kiosk, nicht einmal eine geteerte Straße. Da sind nur zwei Handvoll Traumhäuser, zwei Jugendherbergen, der NABU und zwei Kühe.

 

Kuehe

 

In den Dünen beim Jugendheim hocken zerknitterte Kinder in Schlafsäcken vor den Zelten. Die Betreuer sitzen beim Frühstück. Es ist ja auch erst 10.00 Uhr, die Sonne lacht und ansonsten reget sich auf dem Graswarder nichts. Kein Grund hektisch zu werden.

 

 

Genauso muss es sich die „Deutsche Badegesellschaft Heiligenhafen“ gewünscht haben. Ihr Prospekt von 1901 liest sich wie die Vision einer besseren Welt:


„… eine Reihe niedlicher Privatvillen, deren Zahl sich voraussichtlich von Jahr zu Jahr noch vergrößern wird, geben dem Landschaftsbild eine willkommene Abwechslung. Um solche Strandvillen bestens zu fördern hat die Stadt … bei Nichtspekulanten für einen Quadratmeter Baugrund nur einen Pfennig  berechnet.“

 

 

Heute gehören die Badevillen von Graswarder zu den teuersten Immobilien Schleswig-Holsteins. Mithalten können da nur noch einige ausgesuchte Anwesen auf Sylt. Ist ja auch kein Wunder. Mit der Ostsee vor der Nase und einem Naturschutzgebiet im Rücken.

Rund 220 Vogelarten steuern den Graswardern auf ihren Zügen an. Für 40 Arten sind die Salzwiesen Brutgebiet. Der Star-Wars-artige Vogelbeobachtungsturm des NABU befindet sich am Ende der Häuserreihe. Geöffnet ist von 11.00 bis 15.00 Uhr.

 

 

Wer mal auf dem Graswarder übernachten möchte, kann z.B. im Haus Nr. 9 eine Ferienwohnung mieten. Die Preise würden einem gern telefonisch mitgeteilt, verrät die Internetseite. (Das ist typisch für Schleswig-Holstein. Selbst in ihren Hochglanz-Flyern geben die Vermieter ihre Preise niemals preis. Ich frage mich, was das soll. Es hat nichts mit dem Preis an sich zu tun. Denn es gilt für einfache wie luxuriöse Unterkünfte gleichermaßen.)

 

Graswarder9

 

(Liebe Vermieter in Schleswig-Holstein, was ich Euch schon lange mal sagen wollte: Euer Übernachtungspreis interessiert mich sehr. Er ist beinahe das Wichtigste für mich. Er interessiert mich aber nicht genug, als dass ich einen Flyer mit nachhause nehmen würde, um dann ins Internet zu gehen oder Euch anzurufen. Nennt Ihr keinen Preis, lege ich den Flyer wieder zurück. Und ich denke, das machen sehr viele Normalverdiener so.)

 

Graswarder Haus 6

Also keine Preisauskunft. Dafür aber eine Insider-Info über den Graswarder 9. Volko kennt das Haus von Fotoproduktionen und hat hier auch schon übernachtet. Er weiß: Das ist nichts für schwache Nerven. Es kann schon mal sein, dass man nachts davon aufwacht, dass die Ostsee über die Veranda schwappt. Deswegen will er so ein Haus auch nicht haben. (Aber mich überzeugt er damit nicht.)

 

Haus Wotan 4

 

Schade, dass die Deutsche Badegesellschaft Heiligenhafen nicht lange existierte. 1914 war Schluss mit lustig. Zwei Weltkriege lang. Und danach hatte Heiligenhafen andere Häuser zu bauen. Die Einwohnerzahl schnellte durch Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten sprunghaft von 3.500 auf 10.000 an. Es dauerte vier Jahrzehnte, bis man sich wieder dem Tourismus zuwenden konnte. Übel nur: Inzwischen waren die 60er Jahre angebrochen.

 

Steine

 

Der Steinwarder

 

In zehn Jahren sind das hier Slums, titelte der Spiegel 1972. Gemeint waren die Betongebirge, die überall entlang der westdeutschen Ostseeküste auf die grüne Wiese geklotzt wurden. So auch in Heiligenhafen.

 

Binnensee Heiligenhafen

 

1.700 Appartements wurden ab 1969 auf dem Steinwarder gebaut. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die gern in Marzahn, Steilshoop oder dem Kölnberg leben. Und die finden vielleicht ein Appartement auf dem Steinwarder nicht schlecht.

 

Haus am See Heiligenhafen

 

Doch es handelt sich dabei wohl eher um eine klassische special interest group. Jedenfalls hängen im Schaufenster des Maklerbüros mehrere Verkaufsangebote unter 40.000,– Euro. Und im Kiki-Club scheinen die Geschäfte nicht bestens zu laufen.

 

 

Mit meinem Massengeschmack würde ich sagen: Am besten ist der Steinwarder da, wo er aufhört. Zur Ostsee hin. Und am Steilufer. Dort folgen 20 km Küste ganz ohne Ortschaften oder öffentliche Strände. Es ist ein bisschen schmerzhaft, weil man sich vorstellen kann, wie der Steinwarder mal war.

 

 

Was uns wundert: Man macht immer weiter. Am Hauptstrand, der noch nicht ganz so furchtbar zugeklotzt ist wie das westliche Ufer des Binnensees, wachsen gerade neue Appartement-Häuser in die Höhe. Dieses Mal in Hafen-City-Style. Was die Sache ja auch nicht besser macht.

 

IMG_3806

 

Doch noch gibt es Hoffnung. Das wusste schon Gandalf. In Heiligenhafen wird rund um den Yachthafen an der Zukunft gezimmert. 1.000 Segelboote können an der Marina festmachen. Streicht der Wind durch Segel, Taue, Flaggen, klingt es wie Musik.

 

Zukunftsmusik im Yachthafen

 

Der Yachthafen liegt wunderbar zwischen Innenstadt und Strand. Alles ist nigelnagelneu und piccobello sauber, ohne dabei allzu steril zu wirken. Das liegt an den Seglern. Denn Segler sind so schön entspannt. Und Boote gucken ist immer ein Vergnügen. (Ich bin baff, wie viele, viele Menschen sich ein fettes Segelboot leisten können.)

 

 

Gut gefällt mir auch der Plan eines Beach Motels nach SPO-Vorbild. In direkter Nähe zur Seebrücke soll es stehen.

Weniger überzeugt mich das halb fertige Resort; eine Ansammlung von  Ferienwohnungen und Ferienhäusern. Sie sind nicht über die Maßen abscheulich, für mein Empfinden allerdings viel zu eng aneinandergeklatscht.

Und ich muss wieder an die Badegesellschaft denken. 1 Pfennig pro Quadratmeter berechneten sie Nichtspekulanten…

Im Resort kostet ein Haus mit Handtuchgrundstück 500.000 Euro. In Ferienvermietung.  Der Bebauungsplan sieht nämlich rein gewerbliche Nutzung vor. Und d.h. man darf sein Haus nur ausnahmsweise bewohnen und muss es ansonsten vermieten.

Ich habe keine Ahnung von solchen Dingen… aber für mich klingt das, als wolle man in Heligenhafen inzwischen unbedingt Spekulanten. Ich bin mal gespannt, ob das Konzept langfristig aufgeht.

 

Vamos

 

PS.: Wer weder vermögend ist noch Segler oder Liebhaber von Bettenburgen, findet vielleicht an einer Unterkunft im Fischereihafen Gefallen. Wir finden den supergut. Aber ich zeige ihn besser erst im nächsten Beitrag (weil dieser eh schon zu lang ist).

Am Rande des skandinavischen Sommers: Wassersleben

Liebe Süddeutsche. Wenn ich als Kind mit meinen Eltern nach Italien fuhr, übernachteten wir in der Schweiz. Und ich nehme mal an, dass Ihr Euch auch zwischendrin erholen müsst, wenn Ihr nach Skandinavien reist?!

Falls Ihr also diesen Sommer über Jütland nach Norwegen, Schweden, Island oder zu den Faröern wollt, hätte ich da einen Übernachtungstipp für Euch: Wassersleben.

 

Schwaene

 

Wassersleben gehört zur Gemeinde Harrisslee und ist

a) eine Siedlung, hervorgegangen aus einem Villenviertel von Flensburg und
b) ein zuckersüßer Strand – der letzte vor der dänischen Grenze.

Die Dänen nennen ihn Sosti, was Schweinepfad bedeutet. Aber die Dänen haben ja auch enorme Ansprüche, was Strände betrifft. Für deutsche Verhältnisse ist die kleine Bucht am Ende der Flensburger Förde eine Perle.

 

Foerdeblick Flensburg3

 

Egal, wie sich Eure Fahrgemeinsschaft zusammensetzt: In Wassersleben sollte jedem etwas in den Schoß fallen, bei dem er optimal runterkommen kann.

 

Daenemark

 

Das Wasser ist seicht = warm genug für Kältempfindliche sowie sicher genug zum Rumplantschen für kleine Kinder. Es gibt einen Yachtclub, ein feines Hotel mit gutem Restaurant und Partner-Golfplätzen, aber auch günstige Unterkünfte und einen „Erholungswald“ inkl. Trimm-Dich-Pfad. Das ist so ein typisch norddeutscher Laubwald in Hanglage mit unheimlich viel Buchen, wo die Sonne goldene Tupfen auf das Moos malt  (dann habt Ihr sowas auch gleich mal gesehen).

 

 

Falls ihr pubertierende Kinder im Gepäck habt, die lieber shoppen wollen: Flensburg ist nur einen Kilometer entfernt. Und solche, die genervt sind, weil sie echt keine Lust auf Familienurlaub haben, finden im Flensburger Hafen ausreichend roughe Ecken, um ihren Weltschmerz auszuleben (und ein paar geile Fotos für Facebook zu schießen). Hunde dürft Ihr übrigens auch mitbringen.

 

 

Nur einen Schilfgürtel weiter beginnt Skandinavien – in Form des dänischen Waldes von Kollund. Er befindet sich in Privatbesitz, so dass keine öffentliche Straße hindurchführt. Dafür ein herrlich stiller Waldpfad.

 

Kollunder Wald

 

Der Grenzübergang Schusterkate besteht aus einer schmalen Fußgängerbrücke. Und ist damit eine der kleinsten Grenzanlagen Europas. Der Waldpfad ist übrigens Teil des Gendarmstien, einem beliebten Wanderweg, der auf 74 km von Padborg auf die Insel Alsen führt. (Schwupps auf die indernaehebleiben-Bucket-List.)

 

Schusterkate

 

Während sich alle Mitfahrer nach ihrer Facon vergnügen, können die, die sich verantwortlich fühlen, die Weiterreise vorbereiten. Kronen tauschen, ein letztes Mal ohne Tankautomat tanken oder sich dem klassischen Versorgungstourismus hingeben. Zwar hat der alte Grenzübergang Küpfermühle etwas von einer Geisterstadt. Doch wie überall, wo Skandinavien an Deutschland grenzt, findet man  Spritbutiken en masse.

 

DerSchwanweitetseineFluegel

 

Am nächsten Morgen könnt Ihr dann ganz entspannti-manti Eure Flügel weiten, um zu Eurem Fährhafen in Hirtshals oder Frederikshavn aufzubrechen. Selbst die Hamburger hinken Euch dann zwei Stunden hinterher.

 

Foerdeblick Flensburg

 

Und falls Ihr nun gar nicht aus Süddeutschland seid, sondern aus dem Osten, Westen oder Norden, könntet Ihr ja auch mal einfach nur so hinfahren. Lohnt sich nämlich!

 

Foerdeblick Flensburg2

Die Seebrücke von Heiligenhafen

In Schleswig-Holstein lautet die Frage aller Fragen: Ostsee oder Nordsee!? In letzter Zeit habe ich auf Blogs häufiger gelesen, dass gerade Menschen, die nicht am Meer leben, die Nordsee vorziehen. Sie hat eben einfach mehr Wumms und mehr Weite. Es gibt aber auch ein paar Dinge, die für die Ostsee sprechen. Beispielsweise Seebrücken.

Die gibt es nämlich so nicht an der Nordsee. (Zwar wird in der Liste der Seebrücken Deutschlands auch Juist geführt, aber wenn man mich fragt, ist das eher eine Mole.) Ein echtes Seebrücken-Vorzeigeexemplar findet man in Heiligenhafen.

 

SeebrueckePanorama

 

Auf den ersten Blick wirkt sie gar nicht so besonders spektakulär. Und genau das ist ihre Stärke. Die Seebrücke von Heiligenhafen ist kein Fremdkörper. Sie fügt sich in die Landschaft ein. Dabei hat sie es architektonisch in sich. Sie verzweigt sich. Wechselt unvermutet die Richtung. Verläuft teilweise zweigeschossig. Und so verläuft sich auch die Menge der Besucher in überraschende Winkel und Ecken, die man oft ganz für sich hat. Kurz: Sie macht richtig Spaß.

Seebrücken überspannen in ihrem Ursprung die Strecke von der Küste bis zu dem Punkt, an dem das Wasser tief genug ist, damit Schiffe andocken können. D.h. sie reichen weit ins Meer hinein. Die Heiligenhafener Seebrücke ist 435 Meter lang. So liegt man auf ihren Sonnendecks wie auf einem Ozeanriesen. Es ist doch wenig auf der Welt so wunderbar, wie ein warmer Juniwind, der noch einen Tick Meereskühle in sich trägt. Und dazu das Geräusch der Wellen, die gegen gewaltige Pfeiler klatschen.

 

 

Trotz ihrer beachtlichen Länge reicht die Seebrücke nicht tief genug in die Ostsee, als dass Schiffe an ihr festmachen könnten. Das Wasser läuft flach auf den Strand von Heiligenhafen zu. Daher auch die herrliche Farbe der Ostsee. Statt einem Bootsanleger findet man am Seebrückenende einen Badeplatz.

 

BadestelleSeebrueckeHeiligenhafen

 

Jack Ass auf norddeutsch

 

Das Gute am Älterwerden ist, dass man nicht mehr jeden Scheiß mitmachen muss. Ich würde beispielweise zur Zeit nicht in die Ostsee springen, nur weil meine Freundinnen das sagen. Sie ist nämlich noch grauenhaft kalt. Das dachten auch die fünf Jungs auf dem Bild. Man konnte es in ihren Gesichtern lesen. Aber da hatten sie schon viel zu lange und viel zu laut herumgetönt.

Und echt: Hut ab. Sie wollten zwar ab einem gewissen Zeitpunkt alle absolut nicht mehr. Aber sie habens alle getan. Mehrmals. Unter Fluchen und gegenseitigem Beschimpfen.

 

 

Noch so ein Highlight der Seebrücke: Ihre Lage. Heiligenhafen liegt an der Spitze der Halbinsel Wagrien. Direkt gegenüber von Fehmarn.

 

In der Ferne: Die Fehmarnsundbruecke

In der Ferne: Die Fehmarnsundbruecke

 

Vorn voraus liegt die Insel. Im Rücken der Warder.

 

Heiligenhafens bekanntester „Stadtteil“: Der Graswarder mit seinen alten Badevillen

 

Die beiden Spielplätze auf der Seebrücke werden stark von Erwachsenen frequentiert. Väter blockieren besonders die Geräte, mit denen man Meerwasser in die Höhe kurbeln, pumpen oder schöpfen kann.

 

SpielplatzSeebrueckeHeiligenhafen

 

Die Meereslounge

 

MeeresloungeSeebrueckeHeiligenhafen2

 

In der rundherum verglasten Meereslounge ist es warm und still. Man verfällt automatisch in  Meditationsmodus. Stunden kann man da sitzen und die Wellen betrachten. Oder lesen. (Ich empfehle die Schweigeminute von Siegfrid Lenz).

 

 

Die Ostsee-Lounge

 

Gastro und Amusement auf Seebrücken sind an sich nichts Schlechtes. Ich bin zum Beispiel schwer verliebt in die schrabbeligen Piers von Blackpool. Die Engländer sind erfinderisch. Auf ihren Piers ging es vor allem darum, die Landesgesetze zu umgehen. Draußen auf dem Meer durfte der Schnaps konzessionslos fließen.

In Heiligenhafen hat man darauf verzichtet. Was ebenso wunderbar ist.  Stattdessen befindet sich die dazugehörige Schnapsbude (neudeutsch Lounge) direkt am Zugang der Brücke. Am Strand also. Wo ein Beachclub ja auch hingehört.

 

OstseeLounge2

 

Es gibt eine kleine Speisenkarte. Die Getränkeauswahl ist gut. Die Musikauswahl bestens. Strandkörbe sind inkludiert. Das Leben kann ja eine Freude sein. Aber Vorsicht: Was woanders Spatzen, sind in der Ostsee-Lounge Möwen. Also die sieben Sachen besser gut bewachen.

 

 

Man kann sich natürlich auch einfach so in die Dünen hauen. Rechts der Seebrücke sind sie am Schönsten.

 

DuenenvorGraswarder

 

Dünen sind ja vielleicht noch besser als Seebrücken. Da ist man so herrlich geschützt. Vor eigentlich allem.

 

StrandHeiligenhafen

 

Und während man ab und zu in die Sonne blinzelt, kann man sich überlegen, ob man morgen vielleicht mal an die Nordsee fährt. Das „andere Meer“ ist in Schleswig-Holstein schließlich immer nur einen Katzensprung entfernt. Und Dünen findet man überall.

 

IndenDuenen

 

Da wäre sie also wieder, die Frage aller Fragen. Nordsee oder Ostsee? Was meinst Du?

11 Fragen 11 Antworten

Wir sind nominiert. Große Freude. Besonders da Suzy und Lars Blogger von der ganz-weit-weg-Reisen-Sorte sind. Bis zum Horizont und weiter…. bloggen die 2. Nicht nur geographisch. Sondern auch inhaltlich. Womit ich meine: Die machen aufregende Dinge. Dass sie dennoch unseren Mikrokosmos-Blog mögen, freut uns sehr.

 

Liebster Award

 

Der Liebster Award ist eine Art virtueller Kettenbrief. Das Ziel ist, kleineren Blogs zu ein wenig mehr Bekanntheit zu verhelfen. 11 persönliche Fragen werden den Nominierten gestellt. Nach Beantwortung dürfen die dann wiederum 11 Lieblingsblogs nominieren. Wofür sie sich 11 neue Fragen ausdenken.

 

11 Fragen von Suzy & Lars
11 Antworten von Stefanie & Volko

 

1. Zelt oder Luxushotel? Und warum?

Beides mal. Aber beides nicht am liebsten. Unsere Auszeiten sind kurz. Unsere Arbeitsphasen dazwischen herausfordernd. Am schnellsten kommen wir runter, wenn wir für uns sind und uns um wenig kümmern müssen. Dafür sind Ferienhäuser und -appartements perfekt. Ein zweites Zimmer ist cool (weil unsere Biorythmen denkbar unterschiedlich sind).

 

2. Wofür gibst Du beim Reisen immer gerne Geld aus? Und wofür nie?

 

Richtig gern lassen wir eher Geld zuhause. Für unsere Katzensitterin.

Und für Kunst- und Kultureinrichtungen geben wir vor Ort gern was aus. Weil es uns da gut angelegt scheint.

Ansonsten denken wir über Geld eigentlich wenig nach, wenn wir unterwegs sind. Allerdings sind unsere Wünsche auch ziemlich bescheiden. Es geht uns ja gerade darum, der Reizüberflutung zu entkommen.

Was wir nie tun: Shoppen.

 

3. Wenn Du einen Deiner Blogbeiträge verfilmen könntest, welcher wäre das?

 

Das sind zwei, die zusammen einen ganzen Tag ergeben. Helgoland Part I + II.

 

Lange Anna

 

Robben Island und Helgolands beste Stunden.

 

4. Welches Abenteuer eines anderen Reisenden hat Dich am meisten inspiriert?

 

Die Erlebnisse von Dan Kieran in Hamburg Rahlstedt. Mein Lieblingszitat des britischen Reiseschriftsteller und Slow Travelers:

Beim langsamen Reisen geht es darum, all den Touristenkram zu vergessen. Im Moment zu leben. Es geht darum, die Angst zu überwinden, etwas zu verpassen.

 

5. Was ist Deine größte Stärke beim Bloggen?

 

Kontinuität, würde ich sagen. Die kommt vermutlich daher, weil es uns gut tut, in der Naehe zu bleiben und darüber zu berichten. Wir haben mit unserem Blog etwas gefunden, bei dem wir beide das tun können, was wir gerne tun. Und das auch noch gemeinsam.

Das ist ein echter Glücksfall, denn wir haben sehr unterschiedliche Temperatmente und Vorlieben.  Beim Reisen und Bloggen sind wir wohl das, was man intrinisch motiviert nennt. Wir brauchen also keine irgendwie geartete Belohnung von außen, um am Ball zu bleiben.

 

6. Welches Ziel hast Du für 2015 mit Deinem Blog?

Zum einen ist natürlich der Weg das Ziel. Wie in 2014 schon, möchten wir uns auch dieses Jahr wieder monatlich ein paar Tage Zeit nehmen, um Gegenden in der Naehe (neu- oder wieder-) zu entdecken.

Toll wäre, wenn wir irgendwann den Blog selbst so inspirierend finden, dass uns ein Media-Kit angemessen scheint. Das hat ja viel mit Besucherzahlen zu tun. Deswegen versuche ich gerade, Facebook zu verstehen.

 

7. Wie oft/wie lange verreist Du durchschnittlich pro Jahr?

 

Nicht so viel, hätte ich spontan geantwortet. Monatlich nur ein paar Tage. Aber jetzt habe ich gerade mal nachgezählt. Im ersten Jahr waren wir 38 Tage unterwegs. In diesem Jahr sind wir schon zur Halbzeit bei 33. Das ist wohl doch nicht ganz wenig.

 

8. Was stört Dich auf Reisen am meisten?

 

Gar nichts. Unsere Reisen sind so kurz, dass wir Schwieriges oder gar Ärgerliches interessiert beobachten können.

 

9. Und was beflügelt Dich am meisten?

 

Natur. Stille. Das Meer. Bestimmtes Licht. Orte, die aus der Zeit gefallen sind.

 

10. Was machst Du in Deinem wahren Leben (also beruflich)?

 

Ich arbeite als Kommunikationstrainerin. D.h. ich gebe Seminare, halte Vorträge, berate Personen und Unternehmen in Kommunikationsfragen. Volko ist Fotograf und Kunsttherapeut.

 

Streetart St. Pauli

 

11. Hast Du ein Lebensmotto? Wenn ja, welches?

 

So ein Motto-Typ bin ich eigentlich nicht. Aber in letzter Zeit mache ich mir öfter mal Gedanken darüber, warum „nett sein“ so verpönt ist. Ich mag nette Menschen. Und bin auch selber gern nett.

In diesem Sinne also: Nett ist die schöne Schwester von Freundlich.

 

Vielen Dank an Suzy und Lars für die Fragen.
Hat Spaß gebracht.

 

And these are the nominees of the in-der-naehe-bleiben-Jury

Berlin goes Northern England

Deichlamm

Faraway42

Hinnerk & Henrijke

Jetzt bloggt die auch noch

Roll-the-Planet

Schiffsmeldungen

Text und Sinn

Watt und Meer

Zettelwahnsinn

Und in Klammern (Romika Masulzke)

Frau Masulzke steht in Klammern, weil sie kein Liebster-Award-Fan ist. (Was eventuell auch für andere von uns Nominierte gilt?!). Sie wurde bereits mit einem Award bedacht, wollte aber keinen Druck auf andere ausüben (= nominieren).

Deshalb sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gesagt: Es wird nichts Schreckliches geschehen, wenn Ihr nicht mitmacht. Ihr müsst den Beitrag nicht sieben Mal abschreiben, keine Schokolade, Postkarte oder Markstücke an mich schicken. Und kein Schicksalsschlag wird Euch treffen, wenn Ihr die Kette unterbrecht.

Wenn Ihr keine Lust habt, seht den Award einfach als mein Zeichen, dass ich mich immer über Beiträge von Euch freue.

 

LiebsterAward

 

Wenn Ihr Lust habt, hier noch mal die Liebster-Regeln:

 

– Beantwortet die 11 Fragen, die Euch gestellt wurden.
– Ganz wichtig: Verlinkt in eurem Artikel die Person, die Euch nominiert hat!
– Sucht Euch bis zu 11 Leute, die unter 1000 Follower haben, nominiert sie und informiert sie.
– Überlegt Euch 11 neue Fragen für die neu nominierten Personen.

 

Unsere 11 Fragen an Euch

 

1. Du hast einen Tag lang Besuch vom Mars: Was würdest Du Deinem Gast auf der Erde zeigen wollen?

2. Wenn Du 1 Sache auf der Welt ändern könntest, was wäre das?

3. Welchen Ort ganz bei Dir in der Nähe hast Du am liebsten?

4. Entscheide Dich für eine Möglichkeit: Wärest Du auf einer Party lieber over- oder underdressed?

5. Was war Deine schlimmste Modesünde?

6. War Dir schon einmal etwas unangenehm, nachdem Du es gebloggt hast?

7. Welcher Filmtitel beschreibt Dich und Dein Leben am besten?

8. Welchen Deiner Blogbeiträge magst Du am liebsten?

9. Welcher Song funktioniert bei Dir sofort als Ohrwurm, obwohl Du ihn grauenhaft findest?

10. Wann und von wo aus stöberst Du am liebsten auf anderen Blogs?

11. In eigener Sache: Was denkst Du über Hamburg (ganz ehrlich)? (Diese Antwort würden wir gern irgendwann mal in einem Beitrag verwursten, falls das ok für Dich ist).

Herzlichen Dank für´s Mitmachen.

Man liest sich!

Stefanie & Volko