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Büdelsdorf Calling

Was findet jeden Sommer im Herzen Schleswig-Holsteins statt, zieht 80.000 Besucher an und ist nicht Wacken?

Logisch, die NordArt im Kunstwerk Carlshütte.

Sie ist eine der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Und findet in einem wunderbaren Industriedenkmal statt. In Büdelsdorf. Das liegt bei Rendsburg. Also etwa in der Mitte des Nord-Ostsee-Kanals.

Was wir in unserem näheren Umfeld beobachten: Wer erst einmal nach Büddelsdorf gefunden hat, will immer wieder hin.

 

Das Kunstwerk Carlshütte

 

Die Eisengießerei Carlshütte war das erste Industriezentrum Schleswig-Holsteins. Seit ihrer Stillegung Ende der 90er Jahre ist sie Austragungsstätte für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Theater- und Filmaufführungen.

Für die NordArt werden ehemalige Werkshallen und ein weitläufiger Park mit historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden genutzt. Das sind gewaltige, gewaltige Ausstellungsflächen. Geheime Gänge. Abseitige Gelasse. Sonderbare Treppen, die vielleicht irgendwohin führen. Vielleicht auch nicht. Ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene.

 

 

Ich selbst habe relativ spät Interesse für Kunstausstellungen entwickelt. Lange schien mir das anstrengend. Als würde irgendein Zensor beurteilen, ob ich auch wirklich alles ansehe, durchlese, würdige – selbst wenn es mich gar nicht berührt. Erst seit ich mir erlaube, Spaß zu haben, kann ich Ausstellungen genießen. Und wer sich das noch nicht erlaubt hat, wird von der NordArt quasi zur Freude gezwungen.

 

Das Vergnügen enormer Ausstellungen

 

Mehr als 100.000 qm Ausstellungsfläche lassen dem Besucher keine andere Wahl. Er muss sich vom Lustprinzip leiten lassen. Rein zeitlich schon. Sein eigenes Tempo finden. Dort eintauchen, wo es einem spannend scheint. Das weglassen, was einen nicht so anspricht. Anders geht es aufgrund der Menge an Kunstwerken gar nicht.

Dieses Jahr hatten es uns vor allem die Maler und Fotografen angetan. Wobei die Grenzen dabei ja immer mehr verschwimmen.

 

 

Als eine, die eher vom Wort beeinflusst ist als vom Visuellen, freue ich mich immer über gelungene Titel.

Der polnische Künstler Tomasz Pachzweski hat für sein Bild einen rein deskriptiven Titel gewählt. Dennoch gibt er dem Gemälde eine spezielle Tiefe.

Finde ich. Und bräuchte einen Roman, um alle meine Gedanken dazu auszuführen. Es haut mich um, wie Maler in der Lage sind, Komplexes auf den Punkt zu bringen.

 

Zwei Maenner

Zwei Männer eine Öffnung in der Mauer betrachtend

 

Auf andere Art großartig ist der Titel meines zweiten Lieblingswerks. Erst stand ich eine ganze Weile davor und war einfach nur berührt von seiner Schönheit.

 

MutterundKind

 

Als ich dann endlich näher trat, um den Titel zu lesen, öffnete sich mir eine komplett andere Perspektive.  Es heißt: „Mutter und Kind“. Und als ich das wusste, musste ich noch einmal genau so lange davor stehen. Ihr findet das Bild im mongolischen Pavillon.

 

Länderfokus Mongolei

 

Jedes Jahr nimmt die NordArt ein Land besonders ins Visier. Dieses Jahr die Mongolei. 34 mongolische Künstler zeigen ihre Heimat diesseits und jenseits der Jurtenromantik. Und mir, dass ich voller Vorurteile bin (auch wenn ich das grundsätzlich weit von mir weisen würde). Sich einem Land über seine Künstler zu nähern, ist jedenfalls eine sehr gute Möglichkeit, Klischees abzulegen.

 

Schwerpunkt Mongolei

Dorjderem Davaz: 10 Jahre alte Braut

 

Die Ausstellung in der Ausstellung: Bizarreland

 

Als besonderes Bonbon empfanden wir die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer, chinesischer Fotografie. Bei meiner Auswahl handelt sich übrigens um unterschiedliche Fotografen. Auch wenn sie (fast) alle Zhang heißen.

 

 

Wir kauften zwei JA

 

Die Frage, ob man sich denn nun aufraffen sollte, um die NordArt zu besuchen, haben wir schon gleich beim Eintritt beantwortet. Da schreitet man durch zwei Wasserbecken, die zur allgemeinen Abstimmung aufforden. Zum Mitmachen können Steine erworben und beschriftet werden. Weiß steht für JA und kommt ins große Becken. Schwarz für NEIN ins kleine.

 

In der Naehe bleiben

 

Man muss allerdings erwähnen, dass ein NEIN fünf Euro kostet. Ein JA kriegt man hingegen schon für einen Euro.

Die NordArt kostet übrigens € 12,–. Sie ist es wert. Und läuft noch bis zum 4. Oktober 2015.

 

Jenseits des Priwalls eine andere Welt: an der Mündung der Trave

Man muss sich das mal vorstellen (also, man muss sich das wirklich mal vorstellen), dass hier der Eiserne Vorhang begann. KM 0 der deutsch-deutschen Teilung. An einem Ostseestrand auf einer Halbinsel wurde das Land zerrissen, Europa getrennt, die Welt in Ost und West gespalten. Das muss man sich mal vorstellen!

Es will mir aber schwer in den Kopf, wie wir da so mit dem Fähre über die Trave schippern. Auf der Liste der bizarren Orte ist der Priwall einer der Absurdesten. Weiterlesen

Der Moment ist das Ziel: Gartenrouten Schleswig-Holstein

Als wir neulich aufs Land gefahren sind, war das Wetter nicht berauschend. Da man gewisse Dinge bekanntlich nicht ändern kann sondern nur die eigene Einstellung zu den Dingen, erklärten wir den Regen zum Konzept und nahmen die Sache quite british. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Regenschirm und Wachs-Jacke. (Jedenfalls ich).

Der Weg zu unserem Landhotel verlief nämlich für einige Kilometer auf einer „Gartenroute zwischen den Meeren“. Und Blumengucken ist ja etwas sehr, sehr Englisches.

 

Venusberg

 

Die Gartenrouten zwischen den Meeren

 

Auf zehn regionaltypischen Routen stellt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein die Gartenkultur zwischen Nord- und Ostsee vor. Sie tragen so nette Namen wie „Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft“ oder „Aus blauer Blüte grüne Kunst.“

Die Gartenroute Nummer 4 verläuft durch den Kreis Pinneberg. 105 km lang und als Fahrradroute konzipiert erzählt sie „Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern“.

Pinneberg ist eben nicht nur der Kreis, dessen Nummerschild nicht genannt werden darf. Sondern auch Europas größtes zusammenhängendes Baumschulgebiet.

Wir hatten uns zwei Stationen ausgeguckt, die auch mit dem Auto angefahren werden können.  Die erste erreichten wir etwa 20 Minuten nach unserer Abreise in Hamburg:

Das Arboretum in Ellerhoop

 

insGruene

 

„Endlich mal jemand aus Hamburg“, rief die Dame im Kassenhäuschen, nachdem wir unsere Postleitzahl genannt hatten.

Sie hätte auch rufen können: „Endlich mal überhaupt jemand.“

Denn das Aboretum in Ellerhop war nicht gerade überlaufen.

Und auch wir waren mit der Vorstellung gekommen, uns ein bisschen bemühen zu müssen, um der Sache etwas abzugewinnen. Wir sind keine Gärtner. Also, ehrlich gesagt, haben wir nicht einmal Zimmerpflanzen.

Auf den ersten hundert Metern fühlten wir uns dann auch wie im Park ums Eck. (Der allerdings nicht 9 Euro Eintritt kostet). Wir sagten unprofessionelle Dinge wie „oh, wie hübsch“ oder „ah, wie interessant“.

Und dann passierte etwas.

 

Lotusteich

 

Das war, als wir nicht mehr zwanghaft zusammenliefen. Sondern jeder so seiner Wege ging. Wie bei einem Mandala, das man von außen nach innen ausmalt, kamen wir – das kann man gar nicht anders sagen – zu unserem Mittelpunkt. Also runter. Und zwar schlagartig. Dabei waren wir eben noch auf St. Pauli gewesen.

 

 

Es hat etwas unglaublich Beruhigendes, sich auf das vermeintlich Unspektakuläre zu konzentrieren. Die kleinen Dinge haben ihre ganz eigene Sensation.

„Ich würde gerne irgend etwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“ (Ikkyū Sōjun, Zen-Meister)

 

Arboretum Ellerhop

 

Das Aboretum Ellerhoop ist voller Geräusche, so leise, dass man sie im Alltag überhört. Getränkt von Duftschleiern. Flüchtigen Erinnerungen. Besonderen Augenblicken im allerwörtlichsten Sinn.

 

Spiegelung

 

Und so schlenderten wir weiter: Roter Garten. Blauer Garten. Bauerngarten. Duftgarten. Bambusgarten. Blindengarten. Gewaltiger (gewaltiger) Hortensiengarten. Rosengarten. Gelber Garten. Japanischer Garten. Weißer Garten. Und zu Volkos allergrößter Freude gibt es im Aboretum sogar einen NDR-Fernsehgarten. Er machte allerdings gerade Sommerpause.

 

Japanischer Garten

 

Aber eine Busladung NDR-Fernsehgarten-Zielpublikum ist dann doch noch gekommen. Kurz bevor wir den Ausgang wieder erreichten.

In welchem Affenzahn sie in kleinen Grüppchen und auf bequemen Sohlen durch die Anlage fegten!

 

NDR-Fernsehgarten

 

Wofür wir 2 Stunden gebraucht hatten, erledigten sie in einem Achtel der Zeit. Denn sie wollten möglichst schnell ins Café, wie wir aufschnappten.

Vielleicht hatten sie schon bessere Gärten gesehen?! Vielleicht ist das Aboretum in Ellerhoop für Connaisseure nichts Besonderes?!

Ich habe da keine Vergleichsmöglichkeiten und kann nur sagen: Uns hat es richtig gut gefallen. Und gut getan.

 

Ellerhoop

 

Das Café übrigens ist das Einzige, was wir im Aboretum Ellerhoop nicht so toll fanden. Es ist dunkel und ausgestattet mit diesen massiven, grüngepolsterten Holzstühlen, wie man sie in Kirchengemeinden und Tagesbegegnungstätten vermutet.

Und sowieso waren wir ja englisch unterwegs. Wollen also keinen Kaffee sondern Tea.

Und den gibt es stilecht nur ein paar Kilometer und unendliche Rosenfelder weiter nördlich.

 

Rosenfeld

 

Das Schlossgefängnis in Barmstedt

 

Das Schlossgefängnis von Barmstedt befindet sich auf der kleinen Schlossinsel im Rantzauer See. Gegründet auf den Resten einer mittelalterlichen Befestigungsanalge stammt das heutige Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert und steht komplett unter Denkmalschutz.

 

 

Das Café Schlossgefängnis liegt gleich hinter der kleinen, alten Brücke. Die Kunst des Afternoon-Tea hat die Betreiberin aus ihrer vorherigen Wirkungsstätte, dem Dorchester in London, mitgebracht.

Für 19,50 gibts zum Tee das volle Pipapo: Scones, Marmelade, Clotted Cream, Törtchen, Gurken- und Lachssandwiches. Also in etwa das, was ein sehr, sehr, sehr hungriger Mensch als Hauptmahlzeit verspeisen könnte.

Der Kirsch-Mandel-Schoko-Kuchen und die Schwedische Mandeltorte sind aber auch nicht schlecht. Wer will, kann übrigens in einer Zelle essen. Oder draußen am Wasser. Das Schlossgefängnis gehört zu den absurd wenigen Cafés in Schleswig-Holstein, deren Außenplätze mit einem Sonnensegel vor Regen geschützt sind. Sehr gute Sache das.

 

 

Fürs Gewissen (oder zum Vergnügen) bietet sich anschließend ein Spaziergang um den See an. Länger als 20 Minuten dauert der allerdings nicht.

 

Rantzauer See

 

Falls alle Stationen auf den Gartenrouten so zeitintensiv sind, wie die beiden, die wir gesehen haben, bräuchte man für die Route Nummer 4 wohl gut grei Tage.

Für eine Übernachtung wäre man nach dem Besuch der Schlossinsel gut in der Bokel-Mühle aufgeboben. Aber das sagte ich ja schon.

Als Tagesausflug könnte man es natürlich auch andersherum angehen. Mit einem Brunch in der Bokel-Mühle beginnen und sich dann rückwärts treiben lassen.

Treiben lassen. Toller Begriff, finde ich.

 

Blick aus der Suite

Bokel Muehle am See

Schwanenparadies Schönhagen

Man sagt, die Dinge werden kleiner, wenn man selber größer (älter) wird. Von der Steilküste in Schönhagen kann ich das aber nicht behaupten. Wir haben da Montag einen irrwitzig schönen Spaziergang unternommen. Und alles war viel gewaltiger als in meiner Erinnerung.

Schönhagen liegt in Schwansen; im Dreieck zwischen Damp, Sieseby und Olpenitz. Kurz vorm Ortseingang befindet sich rechter Hand ein kleiner Parkplatz mit Ostseeblick. (Damit ist klar: Badesachen nicht vergessen).

 

NSG Schwansener See

 

Vom Parkplatz führt eine Straße in das Naturschutzgebiet. Sie ist Teil des Ostseeküstenradwegs und so gut wie autofrei (höchstens dass einmal am Tag ein Trecker oder Pferdetransporter auftaucht).

 

Ostseeblick

 

Das Besondere: Man hat von Anfang an nicht nur das Meer vor Augen sondern auch den Schwansener See. Er liegt etwa 2 km vom Parkplatz entfernt.

 

Kornblumen

 

Und das sind 2 ganz wunderbare Kilometer. Besonders jetzt. Die Natur ist gerade so dermaßen verschwenderisch (was vermutlich am ewigen Regen liegt, der uns alle so genervt hat.)

 

Bullen

 

Es kommt eben auf die Perspektive an. Oder wie man hier in der Gegend sagt: Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall.

 

Schwansensee

 

Der Schwansener See ist a) eine ehemalige Ostseebucht, die sich durch Sandablagerungen vom Meer getrennt hat. Und b) Ein Schwanenparadies. Gar kein Zweifel.

 

Schuechterner Schwan

Schüchterner Schwan

 

Formation

Schwanformation. Der Flügelschlag ist weithin hörbar.

 

Kampf

Mit Bullen kämpfender Schwan

 

Patrouille

Schwäne im Gänsemarsch (Schwäne SIND übrigens Gänse. Aber wahrscheinlich wusste das außer mir eh jeder.).

 

Schwanentanz

Schwäne auf Ostseewellen tanzend

 

Den Strand darf man auf Höhe des Schwansener Sees größtenteils nicht betreten (jedenfalls nicht zwischen April und September). Ist aber auch nicht weiter tragisch. Weil erstens eh ein Steinstrand. Und zweitens ist Baden in Steilküstennähe auch nicht ganz ungefährlich.

 

Wanderweg Schoenhagen

 

Sieht gar nicht so steil aus, die Steilküste von Schönhagen. Aber irgendwie geht es wohl doch sanft hinauf. Das merkt man spätestens beim Blick zurück. Links Ostsee, rechts Schwansener See – von hier kann man deutlich den Nehrungscharakter erkennen.

 

Wanderweg Steilufer Schoenhagen

 

Wolkenlose Augusttage sind ohnehin ein Kracher. Kommt ein kühler Ostseewind dazu, umso besser. Und wenn dann auch noch der Duft von tausend Gräsern und Blumen und Kräutern in der Luft liegt, dann ist alles perfekt.

 

 

Da hier ja ab und zu mal die Frage nach Radwegen auftaucht: Ja, man kann auf dem Trampelpfad fahren. Aber nicht so super, glaub ich. Jedenfalls rumpelten die Radfahrer ganz schön dahin. Und riesenhafte Diesteln an kurzbehosten Beinen sind wohl auch nicht Jedermanns Sache.

 

Damp

Die Perspektive täuscht: die Betonburgen von Damp (2000) sind noch gut 4 km entfernt

 

Ansonsten sind uns übrigens erstaunlich wenig Menschen begegnet. Trotz maximaler Feriendichte in Deutschland.

 

Tor im Knick

Typisch für Schwansen: Tür im Knick

 

Dass viele Schleswig-Holstein-Urlauber bei schlechtem Wetter nicht gern spazieren, wußte ich. Aber dass sie auch bei gutem Wetter nicht gern spazieren, fand ich überraschend.

 

Endlich mal Leute: Sonst bekäme man ja gar kein Gefühl für das Größenverhältnis

Endlich mal Leute: Sonst bekäme man ja gar kein Gefühl für das Größenverhältnis

 

Erst als wir uns Schönhagen auf etwa 1 km genähert hatten, kamen uns dann doch noch ein paar Spaziergänger entgegen.

 

Baeume

Frei nach Rilke: Der Sommer ist groß

 

Sie liefen aber größtenteils nur bis zur dramatischsten Stelle, um ein paar Bilder zu knipsen.

 

Steilkueste

 

In Schönhagen selbst war dann alles wie in den letzten 40 Jahren auch. D.h. viele Kinder & viele Pommes.

 

Flagge Schoenhagen

Das nenne ich ein passendes Wappen: Der Schwan von Schönhagen

 

Wer´s ruhiger mag, lässt die Promenade hinter sich und läuft drei, vier Strandaufgänge Richtung Weidefeld. Da ist der Strand nämlich so, wie ein Strand sein soll. Nicht so überlaufen, feinsandig und die Wellen haben Wumms.

 

 

Und ein stehts fest: Wenn man eine kleine Wanderung hinter sich hat, ist es auf einmal gar nicht mehr so langweilig, am Strand herumzuliegen. Selbst mir nicht.

Und zwischen den Meeren liegt eine Mühle am See

Wir sind aufs Land gefahren. Nicht an die Ostsee oder Nordsee – wie man das ja meistens tut, wenn man zwei Meere in Reichweite hat. Sondern aufs Land.

Wir sind nicht aufs Land gefahren, um zu wandern. Oder eine Radtour zu unternehmen. Oder etwas anderes Zielgerichtetes zu tun. Wir sind einfach nur aufs Land gefahren. Um auf´s Land zu fahren. Und das war herrlich.

45 km nordwestlich von St. Pauli liegt Bokel. Ein Dorf, in dem man schon nach einer Viertelstunde jeden Storch kennt. Ich meine das wörtlich. Denn die drei Störche (auf den drei nebeneinanderliegenden Wiesen) stolzierten am ersten Tag genauso durch das Gras wie auch am zweiten und am dritten.

 

Storch

 

An der einzigen Kreuzung von Bokel zeigt ein Wegweiser zum „Naherholungsgebiet“. Ich fand das irgendwie witzig. Denn man kann in einem Radius von mindestens 10 km überhaupt nichts anderes machen, als sich zu erholen.

Allerdings ist es so, dass man sich im Naherholungsgebiet Bokel besonders gut erholen kann.

Denn dort gibt es etwas, von dem ich dachte, dass es soetwas überhaupt nicht mehr gibt: Die Bokel-Mühle am See.

 

Sepiafarben

Die Welt wird sepiafarben beim ersten Blick auf die Bokel-Mühle

 

Seit 1880 befindet sich das Hotel und Ausflugslokal in Familienbesitz. Der Pavillon ist gerade 100 Jahre alt geworden. Und wenn ich richtig mitgerechnet habe, wirkt mit den Erichs derzeit die vierte und fünfte Generation in der Bokel-Mühle.

 

100 Jahre Pavillon am See

 

Als jemand, der beruflich häufig in Hotels übernachten muss (interessant, ich schrieb „muss“), denke ich öfter über Gastlichkeit noch. Ich schrieb auch schon mal an anderer Stelle darüber. Gastlichkeit kann man nicht lernen oder verordnen.

Gastgeberqualitäten hat man oder hat man eben nicht. Und in der Bokel-Mühle hat man. Alle. Vom Empfang, zum Service, zum Koch.

„Bleiben Sie beim Wein von gestern?“ „Möchten Sie den Kaffee wieder draußen trinken?“ „Wie war Ihr Tag?“ „Natürlich können Sie sich ein Boot schnappen.“ „Vielleicht ziehen Sie besser festere Schuhe an, wenn Sie um den See gehen wollen?!“

Das sind so Sätze, die den Unterschied machen. Dass man wahrgenommen wird als Gast. Wir wurden dermaßen umsorgt (special thanx to Kathrin), dass wir schnell nicht nur das Gefühl hatten, auf´s Land gereist zu sein. Sondern auf den Landsitz einer weit, weit verzweigten Familie. Oder in ein Stück von Agatha Christie.

 

Welcome

 

Und ich wäre auch nicht verwundert gewesen, wenn Hercule Poirot meine Überlegungen geteilt hätte:

Was haben die amerikanischen Geschäftsleute ständig so laut zu besprechen? Sind die silberhaarigen Dänen wirklich Blumentouristen und die deutschen Radtouristen lediglich auf der Durchreise?  Warum schläft das hübsche, junge Paar  in getrennten Zimmern? Wer ist der alleinreisende Herr, der ständig irgendwo anders sitzt und Zeitung liest? Und ist es denn nicht sehr, sehr verdächtig, wenn eine Familie aus der Gegend das Weihnachtsmenue besprechen möchte?! Im Juli?!

Wirklich, auf dem Land interessiert man sich viel mehr für seine Mitmenschen als in der Stadt.

 

 

Vor Jahren und Jahren und Jahren habe ich mal etwas getan, was den lieben Herrn Erich junior gefreut hat (gar nichts Dolles; eine Kleinigkeit nur). Jedenfalls durften wir darum nun im allerneusten Schmuckstück residieren.

Obwohl die Loft-Zimmer und Suiten mit Blick auf den See noch nicht in der normalen Vermietung sind. Sie sind so frisch aufgemöbelt, dass hier und da noch ein paar winzige Details fehlen.

Darum kann man sie auch noch nicht auf der Homepage finden. Doch wer sich interessiert, schreibt einfach an presse(at)bokelmuehle.de.

 

 

Diese wunderbaren Zimmer sind für Menschen, die es zu schätzen wissen, wenn ein uraltes Fernglas auf dem Schreibtisch bereit liegt. Damit man über den See blicken kann. Und überhaupt der See.

 

Abendstimmung

 

Man kann um ihn herumspazieren. Man kann ihn mit dem Ruderboot erkunden. Oder bei der kleinen Badestelle hineinspringen (der Seegrund ist sandig).

 

 

Und man kann natürlich auch einfach nur an seinem Ufer sitzen. Dem Plätschern des Wassers lauschen. Dem Wind, der in den uralten Bäumen rauscht. Und darauf warten, dass sich der Hunger meldet.

 

 

Dann spaziert man hinüber zum Kaminzimmer, wo der alleinstehende Herr schon wieder auf dem Sofa sitzt und seine Zeitung liest. Ganz wie in Paris sind die Amerikaner heute etwas weniger mittig platziert. So können alle anderen Gäste ihre Gespräche in gewohnt europäisch-gedämpften Ton führen.

 

Menue

 

Das Sommer-Menue, bei dem die Anreise aus Hamburg schon inkludiert scheint, hat uns hervorragend geschmeckt. (Wie Vieles auf der Speisekarte, das wir ebenfalls getestet haben. Landluft macht ja sehr hungrig.)

 

 

Unterm Strich weiß ich nicht, wie das mit Männern so ist. Aber für Frauen glaube ich verallgemeinernd sagen zu dürfen: Man kann sie schwer beeindrucken mit einer Landpartie zu einem romantischen Hotel an einem zauberhaften See mit einhundertjährigem Pavillon. (Dies nur als Wink mit dem Zaunpfahl für männliche Leser.)

 

Hochzeitszimmer Bokel-Muehle

 

Wir bedanken uns herzlich bei Allen aus der Bokel-Mühle, die unseren Ausflug aufs Land zu etwas Herrlichem gemacht haben. Es war wie in einer anderen Welt. Und dabei ganz in der Naehe.

 

Kontakt

Bokel-Mühle am See
Neel-Greve-Straße 2
25364 Bokel / nördlich Elmshorn

Tel. 04127 94 20 0
Fax 04127 94 20150

Homepage: www.bokelmuehle.de

 

Aufs Land

 

PS.: Man kann übrigens ein paar ziemlich nette Sachen in der Gegend um Bokel unternehmen.

Zum Beispiel sich im Kreis Pinneberg auf die Spuren von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern begeben. Unbedingt empfehlenswert ist dabei ein Abstecher zur Liethter Kalkgrube.

Oder macht macht sich quer durch den Kreis Steinburg über Wacken an den Nord-Ostsee-Kanal auf.

Auch nicht weit weg ist die Elbe; am schnellsten ist man von Bokel aus in Glückstadt.

 

Von der Kunst des Spazierens auf der Halbinsel Holnis

Heute reicht es bei mir zeitlich nur für einen kleinen Spaziergang zwischendurch. Er führt auf die Halbinsel Holnis, die sich 20 Kilometer nördlich von Flensburg lang und schmal in die Förde streckt. So wird ein Rundweg möglich, der meistenteils am Strand entlangläuft. Dabei nähert man sich der dänischen Küste auf 1.700 Meter. Man glaubt, nach Broager rüberspucken zu können.

Um die Spitze von Holnis führt der „Theodor-Fontane-Wanderweg“; Fontane war in der Gegend als Kriegsberichterstatter unterwegs und erwähnt Holnis in seinem Roman „Unwiederbringlich“.

 

Steilkueste Holnis

 

Man muss dem Theodor-Fontane-Weg aber nicht in seiner gesamten Länge folgen. Das Naturschutzgebiet Holnis ist von Wegen und Trampelpfaden durchzogen, so dass man den Spaziergang seinen Möglichkeiten anpassen kann. Denn das ist ja – neben vielen anderen Vorteilen – das Gute am Spazieren: Man bestimmt Anfang und Ende und das Dazwischen selbst.

Und auch wenn man sich manchmal aufraffen muss, klopft man sich hinterher meistens auf die Schulter. Oder ist zumindest zufrieden. Jedenfalls sagt selten mal jemand: „Ich bereue, dass ich heute einen Spaziergang gemacht habe.“ Und schon der Philosoph Michel de Montaigne wusste: „Mein Geist geht nicht voran, wenn ihn nicht meine Beine in Bewegung setzen.“

 

Holnis

 

Die Kunst des Spazierens

 

Strand Holnis

 

In einigen Ländern gilt Spazieren als Zeitverschwendung. In anderen quasi als Kulturgut. In Deutschland etwa reicht die Tradition des Spazierens bis ins 18. Jahrhundert zurück. Das Bildungsbürgertum ahmte damit zunächst den Adel und dessen Promenieren in Lustgärten nach, begann dann aber bald selbst die Natur zu genießen, wahrzunehmen – und das spiegelte sich in der Kunst wieder.

Der passionierte Wanderer und Dichter Johann Gottfried Seume formulierte in seinem Spaziergang nach Syrakus : „Wer geht, sieht im Durchschnitt anthropologisch und kosmisch mehr, als wer fährt.“

 

Butterblumen

 

Kosmisch sehen“ ist ja auch so eine Formulierung über die man lange nachdenken kann. Was beim Spazieren bestens funktioniert. Ich habe leider nie den Bogen rausgekriegt, wie man meditiert. Selbst nicht als ich mal in einem Ashram in Indien war. Doch vielleicht ist Spazieren eine europäische Variante?!

 

Galloways Holnis

 

Ich funktioniere da wie Pawlows Hund. Sobald ich gehe, gehen auch meine Gedanken. Im Gegensatz zum Rumsitzen, bei dem ich eher zum Grübeln neige. Besser sagt es der Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau: „Im Wandern liegt etwas meine Gedanken Anfeuerndes und Belebendes, mein Körper muss in Bewegung sein, wenn es mein Geist sein soll.“

 

Spaziergänger befinden sich in guter Gesellschaft

 

Für viele große Künstler stellt das Zu-Fuß-Gehen ein wichtiges Ritual dar. Friedrich Nietzsche etwa galt als ausdauernder Spaziergänger. Ludwig van Beethoven pflegte immer nach dem Mittagessen einen längeren Spaziergang zu unternehmen, zu dem er auch Papier und Stift mitnahm. Charles Dickens wanderte am Nachmittag regelmäßig bis zu drei Stunden an der frischen Luft. Sören Kierkegaard kehrte von seinen Spaziergängen derart beseelt zurück, dass er sich gleich mit Hut, Spazierstock und Regenschirm an den Schreibtisch setzte und los schrieb.

 

NSG Holnis

 

Nebenbei bemerkt finde ich Spazieren im Nieselregen besser als in Gluthitze. So gesehen ist der Sommer 2015 bisher ein hervorragender Sommer. Ist eben immer alles eine Sache der Perspektive. Und zum Perspektivwechsel eignet sich kaum etwas so gut wie ein Spaziergang.

Na, denn man to: Wegbeschreibungen

 

Ziegelei Holnis

Auf den Brettern, die den Sommer bedeuten: SUP für Anfänger

 

Der Gegenverkehr kommt in Form eines Alsterdampfers. Der Trick ist, sich von der Bugwelle nicht beeindrucken zu lassen. Am besten überhaupt nicht nachdenken. Wie man auch nicht nachdenken darf, wenn man ein Tablett mit randvollen Gläsern balanciert. Sich schön rechts halten. Dabei nicht in den gewaltigen Trauerweiden verheddern, die so typisch für das Alsterufer sind.

 

Alsterdampfer

 

Die Miniwellen des Alsterdampfers laufen glucksend unter meinem Bord hindurch. Es tanzt ein wenig. Aber ich bleibe stehen. Und jetzt ist sie da: Die Freude, dass ich mich heute Abend aufgerafft habe.

„Halte das Paddel näher am Board“, korrigiert mich Tanja. Meiner Trainerin entgeht keine Fehlhaltung. Nicht bei mir und nicht bei den anderen 10 Teilnehmern des Anfängerkurses beim SUP Club Hamburg.

 

T.D.SUP

 

Statistisch gesehen wird es einen aus unserer Gruppe erwischen. „Einer von 10 fällt“, hat Tanja erzählt. Ihr selbst ist das natürlich noch nie passiert. In fünf Jahren nicht. So lange schon wechselt sie nach Feierabend – wann immer das Wetter es zulässt – von ihrem ganz normalen Schreibtisch an der Elbe auf das Board an der Alster. Ob das nicht manchmal anstrengend ist?

 

Stand up Paddling

 

„Nie“, sagt Tanja. „Ich habe noch nie keine Lust gehabt.“

Dabei war sie weder Sportstudentin noch funky Surferin, als der SUP-Virus sie erwischte. Sportlich zwar immer; aber eben auf diese normale Weise, bei der sich Spaß und Pflichtgefühl die Wage halten. Inzwischen macht sie es so, wie ich es toll finde.

Denn SUP ist für Tanja kein Frauen-Pseudo-Hobby, dem sie nachgeht, wenn grad kein anderer an ihr zerrt. Sondern richtig wichtig. Tanja lebt Stand-Up-Paddling. Dirigiert sie mal keine Anfängerkurse oder Betriebsausflüge oder Kindergeburtstage, paddelt sie zum Vergnügen los. Und im Winter steigt sie in Uggs aufs Bord.

„Ich falle ja nicht“, behauptet sie grinsend. „Deswegen brauche ich auch keine Neopren-Schuhe.“

Man sieht ihr das tägliche Wasser-Workout an. SUP ist nicht nur ausgesprochen schonend für die Gelenke sondern auch maximales Training für die Rumpfmuskulatur. Bei Tanja scheint es sich allerdings auf die Ganzkörpermuskulatur auszuwirken. Beneidenswert.

 

Anfaengerkurs

 

„Nach der Brücke rechts“, ruft sie zwei Männern weiter vorn zu. Und kümmert sich um die, bei denen es noch nicht so flutscht. Das ist das Beste am SUP-Anfängerkurs: Man darf sich von der ersten Minute an so frei bewegen, wie man es sich zutraut.

Wie gut, dass ich allein gekommen bin, denke ich. Wie gut, dass ich nicht reden muss.

Nur das Paddel ins Wasser tauchen und (schön dicht) am Board entlang ziehen. Es ist warm. Die Alster riecht dunkelgrün.

 

Alsterschwaene

 

Die Alster ist ein Sommersee

 

Eine bestimmte (gar nicht mal so kleine) Seite der Stadt begreift nur, wer sich aufs Wasser wagt. Zur Hamburger Identität gehört das Wissen, wie die eigene Stimme unter einer Brücke klingt. Wie sich das anfühlt, frisch verschossen dem neuen Schwarm im Ruderboot gegenüber zu sitzen. Das kleine Stoßgebet, er möge bitte, bitte rudern können.

 

Dame mit Hut

 

Die Alster ist ja kein x-beliebiger Fluss. Die Alster ist das Nervengeflecht der Stadt. Die baumbestandenen Läufe wie heimliche Tunnel. Die Kanäle mit den bekannten Villen und Wahnsinnsgrundstücken. Wasserstraßen, die sich durch Häuserschluchten ziehen. Und Teiche. So wunderbare Teiche.

 

Alsterteich

 

Auf einem der schönsten, dem Feenteich, sammeln wir uns. Wir lernen Eleganteres als Geradeauspaddeln. So wenig Theorie wie nötig. So viel Praxis wie möglich. Tanja ist von der zackigen Sorte. Und dann üben. Üben. Üben. Wenden. Halten. Übergreifen. Die Fachbegriffe huschen mir davon wie nervöse Stichlinge. Man vergisst sich leicht auf der Alster.

 

Trauerweiden

 

Hamburger sammeln Alstererinnerungen wie Briefmarken. Ich hänge meinen nach.

Ein Junggesellinnenabschied im Tretboot. Eine Hochzeitgesellschaft auf einem Alsterdampfer. Dieser knallheiße Tag als ich mit einem besonderen Freund von Bodos Bootssteg ablegte und langsam, langsam die Gewissheit in uns einsickerte, dass er soeben sein Studium (ausgezeichnet) abgeschlossen hatte.

Da hat uns ein Hanseat eine Flasche Prosecco vom Balkon gereicht. Einer, den wir auf der Straße bestimmt für spießig gehalten hätten. Was nur etwas über unsere eigene Spießigkeit sagt. Die Alster wird jedem Vorurteil gerecht und lässt gleichzeitig keines zu.

Und die besten Geburtstage waren immer die von Bea, wenn wir mit einer Horde Mädchen plus Quotenmann hinausgepaddelt sind. Kein besserer Moment als der, in dem man die Kanus aneinanderbindet und die Picknickkörbe öffnet.

 

Summer in the city

 

Eine/r von 10 fällt

 

Kurzer Schrei! Platsch! Direkt vor mir ist eine ins Wasser geplumpst. Tanja ist sofort neben ihr. Hilft ihr zurück aufs Brett. Ist ja gar nicht schlimm. Denn a) trägt sie unter dem T-Shirt einen Bikini (empfehlenswert) und b) nimmt sie´s mit Lachen. Ja, mir scheint sogar mit Vergnügen. Sie wird doch wohl nicht extra…?

Statistisch ist die Quote für heute erreicht. Doch die kleine Restangst bleibt, man könne selbst noch die Balance verlieren. Schlimmstenfalls irgendwo auf dem Rückweg vor den Augen des Publikums der unzähligen Ruder- und Segelclubs. Die Alster ist heute ausverkauft. Bis auf den letzten Platz.

 

Tanja

 

Als wir den Steg des SUP-Clubs erreichen, sind wir viel ruhiger als noch vor zwei Stunden. Auch wenn es für den Betrachter nicht so aussieht, fühlt man doch, dass Stand-up-Paddling was mit dem Körper macht. Nicht so, dass man angestrengt oder gar ausgepowert wäre. Nur so, dass man völlig entspannt ist.

 

Tanja SUP-Club

 

Tanja hilft Teilnehmern aus dem Wasser, nimmt Boards und Paddel entgegen, kassiert, gibt letzte Tipps, trifft Verabredungen für die nächsten Kurse, ist überall gleichzeitig, während wir Anfänger uns voneinander verabschieden. Muss man unbedingt wiederholen. Auf jeden Fall. Nach und nach schlendern die Leute zurück ins Stadtleben.

 

Sundowner

 

Es wird dunkel an der Alster. Ein Schwan zieht vorbei. Auf der Bank unter dem großen Baum flüstern sich zwei Frauen Geheimnisse zu. Es ist Sommer in Hamburg.

 

SUP Club Hamburg

 

Zu den Kursen & Preisen vom SUP-Club Hamburg hier klicken.

Der beste Weg durch die Geltinger Birk

Falls man es geschickt anstellt, wird man im Laufe der Zeiten nicht nur älter sondern auch besser. So wie die Geltinger Birk.

Die Landzunge an der nordöstlichen Spitze Angelns steht bereits seit 1934 unter Naturschutz und hat sich mit den Jahren in ein Märchenland verwandelt. Bestehend aus Schilfsümpfen, Salzwiesen, Hohlwegen, Gespensterwäldchen, Lagunen, Weiden und Zauberstränden.

 

Charlotte

Die Mühle Charlotte markiert den Eingang zur Birk

 

Man kann die Birk zum Teil mit dem Fahrrad erkunden. Aber am besten lernt man sie zu Fuß kennen.

Ein Netz von gut ausgeschilderten Wanderwegen unterschiedlicher Länge zieht sich durch das Naturschutzgebiet. Sie  tragen nette Namen wie Eule, Konik, Möwe und Hochlandrind.

Der (für uns) schönste Spaziergang kombiniert den Möwenweg (blau) mit dem Konikweg (grün) und ist knapp 17 km lang.

 

Wanderwege Geltinger Birk

Vom Startpunkt am Parkplatz bei der Mühle Charlotte führt der Möwenweg einmal um die Geltinger Birk herum. In Falshöft gibt es die Möglichkeit zur Einkehr. Bei Niebywesterfeld wechselt man auf den Konikweg, etwa in Höhe der Klapptore. Dass man Beveroe auf dem Rückweg ein zweites Mal umrundet, ist gewollt – weil zu und zu schön.

 

Ist doch seltsam: Wenn man mich als Kind sehr unglücklich machen wollte, musste man mir nur einen Sonntagsspaziergang in der Geltinger Birk vorschlagen. Heute gehört das für mich zu den besten Dingen im Leben.

Ich freue mich jedes Mal wie … ja wie ein kleines Kind. Und ich entdecke auch immer wieder Neues. Denn die Birk verändert sich, dehnt sich aus – sie ist mit mir mitgewachsen, kann man sagen.

Während ich mich normalerweise mit Neuerungen eher schwer tue, scheint mir die Birk immer wundervoller zu werden. Das gilt sogar für den Birk-Kiosk.

 

Birk Kiosk

 

Ein Kiosk im Naturschutzgebiet kann ja leicht zum Sakrileg werden. Aber der Birk-Kiosk direkt am Parkplatz gefällt mir gut.

Man kann sich dort gleich bei der Ankunft mit Infomaterial versorgen. Und schon mal die Tageskarte studieren, auf der sich so supergute Suppen und regionale Kleinigkeiten finden, wie sonst kaum in der Gegend. (Nach geschaffter Wanderung also unbedingt einkehren.)

Aber jetzt erst mal los.

 

Beveroe

Typisch für die Birk ist der Wechsel zwischen Freiflächen und Hohlwegen

 

Ein Naturschutzgebiet am Meer ist generell eine gute Sache. Bombastisch gut wirds auf der Birk bei Zick-Zack-Wetter. Das Wolkenspiel am Himmel lässt die Ostsee in den unglaublichsten Farben leuchten.

 

 

Etwa bei der Nabu-Hütte wird der Weg zum Trampelpfad und der Wind etwas frischer. Die Birk ragt wie eine neugierige Nasenspitze in die Ostsee hinein.

 

 

Die Natur ist unaufgeregt. Zu den spannenden Dingen gehört es, nach den Wildpferden Ausschau zu halten . 2002 wurden 11 Koniks in der Birk angesiedelt. Schon im ersten Jahr wurden ihnen 3 Fohlen geboren. Die Pferde leben hier wirklich wild. D.h. man weiß nie so ganz genau, wo man sie findet.

 

Koniks

 

Koniks sind genügsam. Selbst bei Schnee können sie ohne Zufütterung auskommen. Auf der Birk fühlen sie sich offensichtlich wohl. Ihr Bestand wird bei etwa 50 Tieren gehalten. Das ist nur durch Abgabe von Nachwuchs an andere Naturschutzgebiete möglich.

 

Wildpferde

 

Die Koniks sind nicht nur aus bloßer Tierliebe angesiedelt worden. Sie sollen den Bewuchs der halboffenen Weidelandschaft in Schach halten. Zusammen mit etwa 80 Galloways.

 

Hochlandrind

 

Etwas, das auf der Birk nicht nur in Schach gehalten sondern vollkommen ausgerottet werden soll: Strandrosen. Rosa Rugosa ist ein Einwanderer aus Asien und gilt als invasiver Neophyt. Aus Gründen des Arten- und Biotopenschutzes wird sie an den Küsten mittlerweile vielfach bekämpft. Sie verdrängt vor allem kleine und lichtbedürfitge einheimische Pflanzen wie Sanddorn, Stranddisteln und Bibernellrosen.

 

Strandrosen

 

Ein Jammer. Die Strandrose ist für mich so typisch für Nord- und Ostsee. Ich mag sie sehr. Und ich frage mich, was mit all den gleichnamigen Pensionen und Restaurants wird, wenn es in Norddeutschland keine Strandrosen mehr gibt?!

 

Schwanensee

 

Apropos Strandrosen: Sie schützten ja äußerst zuverlässig Dünenabschnitte, die nicht zertrampelt werden sollen. In der Birk sollte man gleich den gesamten Strand nicht betreten. Mit Ausnahme einer kleine Stelle beim Aussichtsturm ist er ganz für die 200 Vogelarten reserviert, die hier brüten.

 

Strand Geltinger Birk

 

Logischerweise hält sich nicht jeder Besucher daran. Der eine latscht durchs Brutgebiet. Der andere läßt seinen Hund frei laufen. Und der übernächste findet es nicht so schlimm, wenn ein einziges Mal ein einziges Kind (seins nämlich) unten am Wasser spielt.

 

Schafe

 

Ich würde ja verrückt werden, wenn ich Ranger wäre. Vermutlich führt das früher oder später zu Zäunen. Und dann sind wieder alle sauer.

 

Naturschutzgebiet Geltinger Birk

 

Bei Falshöft verlässt man die Ostsee und die absolute Natur für ein paar Kilometer. Aber schon kurz hinter dem Dorf schlägt man sich wieder in die Einsamkeit. Es geht über Weiden, Wiesen und Felder. Das kann matschig werden hier und da. (Ich sprach noch gar nicht von den Schuhen. Also: Es kann matschig werden.)

 

Weizen

 

An der einzigen Weggabelung muss man mal kurz aufpassen, dass man auf den Konikweg wechselt. Und zwar den, der nach rechts führt. Die anderen Wege streifen nämlich früher oder später Wohngebiete.

Auf dem Konikweg bekommt man einen guten Eindruck über die kontrollierte Vernässung der Birk. Das Ganze wirkt irgendwie urzeitlich. Und die Froschkonzerte sind grandios.

 

 

Kurz hinter der kleinen Brücke steht mal wieder eins dieser supersüßen Häuschen, die ich noch gar nicht erwähnt habe. Davon gibts eine Handvoll in der Birk. Sie sind alle entzückend und gehören alle den von Hobes.

Man kann sie mieten. Was cool ist, weil sie wunderschön liegen und zuckerniedlich eingerichtet sind. Anderseits haben speziell Wanderinnen diesen unbezwingbaren Drang, durch die Fenster luschern zu wollen. Und das könnte die Privatheit stören.

 

Ferienhaus

 

Gerade wenn man das Gefühl hat, jetzt reichts auch mit Wandern, hört man wieder die Ostsee rauschen. Man erreicht den Ausgangsweg etwa auf Höhe der Nabu-Hütte und geht die letzten 2 km, wie man gekommen ist.

 

Eichenblatt

 

Den Teil kennt man zwar schon. Aber das macht nichts. Weil das so wunderschön ist. Und darum sollte auch Leute, die überhaupt nicht gerne spazieren, ruhig mal die Birk besuchen. Selbst ein Mini-Spaziergang vom Parkplatz bis zur Nabu-Hütte ist die Anreise wert.

 

Grahlenstein

 

Schafe

Ausgezeichnet: Ein Strand und wir

Engländer haben diesen schönen Begriff hidden gem für unbekannte Schönheiten. Blogger nennen das Liebster Award. Heute kombiniere ich ein nicht ganz so bekanntes Stück Ostseeküste mit Worten von nicht ganz so bekannten Bloggern. Also von uns. Denn wir haben wieder einen Award bekommen.

Überreicht wurde er uns von Janne, die selbst so ein hidden gem ist. Sie hat ein tolles Sprachgefühl und bloggt über ihre Versuche, nachhaltig zu leben – ganz ohne zu moralisieren. Großartig.

 

Der Liebster Award

 

LiebsterAwardDer Liebster Award soll kleineren Blogs zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. 11 persönliche Fragen werden den Nominierten gestellt. Nach Beantwortung dürfen die wiederum bis zu 11 andere kleinere Blogs nominieren. Wofür sie sich 11 neue Fragen ausdenken. Ein Schneeballsystem also oder eine Art Kettenbrief.

 

Was der Liebster Award und deutsche Strände gemeinsam haben

 

In einem Land mit (relativ) wenig Küste und 81,8 Mio Einwohnern wird es manchmal eng am Strand. Will sagen: Besonders schöne Strände haben wie besonders schöne Blogs ordentlich traffic. Manchmal gibt es aber auch viel traffic an gar nicht so besonders schönen Stränden. Und wenig an großartigen. Das liegt dann häufig an der Infrarstruktur.

So einen Strand findet man in der Region Angeln, ein paar Kilometer nördlich von Kappeln. Zwischen Pottloch und Falshöft gibt es keine Seebäder, keine Restaurants, nicht mal kostenpflichtige Parkplätze oder gar Kurtaxeabgabestellen. Nehmt irgendeine Stichstraße von der Nordstraße und Ihr gelangt an einen feinsandigen, 5 km langen Strand.

 

Wer sich nicht für Awards interessant, kann einfach Bilder gucken

Wer sich nicht für Awards interessant, kann Bilder gucken. Von 5km Strand ohne eine nennenswerte Ortschaft.

Zurück zum Liebster Award: Jannes Fragen

(von mir allein beantwortet; Volko ist im Stress.)

 

Wie duftet der Sommer?

Nach Meer. Sonnenmilch von Nivea. Und frischgemähtem Gras.

Welche Farbe hat Deine Lieblingsblume?

Kornblumenblau.

Und welche Farbe hat Dein Lieblingshimmel?

Kornblumenblau.

 

Läufst Du gern barfuß? Wo?

Jaaaaaaaa. Am Meeressaum. Und das ist ja gerade das Gute, wenn man in Pottloch losgeht. Man hat keinen Gegenverkehr.

 

 

Welche Hamburger Persönlichkeit würdest Du gern einmal treffen?

Seltsam, mir fällt keine ein. Hamburg ist so klein. Wenn man mit jemandem sprechen wollte, wüsste man immer einen, der das einfädeln könnte. Meine ich. Allerdings: eine große Sache wäre, mal mit Hans Albers auf´n Swutsch zu gehen.

Und welche würdest Du gern zum Teufel schicken?

Die Kläger gegen die Flüchtlingsunterkunft in den Sophienterrassen. Nur damit der Teufel (besser noch: seine Großmutter) mal ein paar Takte mit ihnen redet.

Denkst Du an jemand Bestimmten, wenn Du bloggst?

An andere Blogger denke ich öfter mal (jetzt gerade an Dich, Janne :-))

Welches Musikinstrument spielst Du bzw. würdest Du gern spielen können?

Gitarre würde ich gern spielen können (und jetzt denke ich gerade an jemanden, der mir eine Gitarre geschenkt hat und seitdem darauf wartet, dass ich das Spielen lerne).

Dein Sommerhit 2015?

Keine Ahnung. Ich höre viel zu wenig Musik seit einiger Zeit. Hat jemand was Schönes für mich?

Ein Wunsch, der im Juli in Erfüllung gehen soll:

Ich habe mal gelesen, wenn man erst mal 100 „gefällt mir´s“ auf Facebook hat, wird die Sache weniger einsam. Wir dümpeln da so in den 80ern rum und das ist einsam. Also im Juli wünsche ich mir noch 13 gefällt mir´s auf Facebook. (Wer das liest, kann uns helfen.)

 

Nach 5 km Einsamkeit kommt der Leuchtturm von Falshoeft

Beim Leuchtturm von Falshoeft ist es mit der Ruhe vorbei. Dafür gibts zur Stärkung für den Rückweg einen echt guten Mittagstisch beim Campingplatz. Oder Kaffee und Kuchen im Lichthof. Tortenmäßig unschlagbar.

 

Der Liebster-Award wird weitergereicht an…

 

die Frau mit dem unaussprechlichen Namen, Frau von Tdrahllov, (aber nennt sie einfach Nicole; das geht auch) für ihre Fähigkeit, Kleinigkeiten wertzuschätzen.

Maren; besonders (aber nicht nur) für ihre Bilder und Berichte aus Afrika: Von Orten und Menschen.

Ulf, der sich heute von Palermo verabschiedet – wobei ich hoffe, dass er sein Diario palermitano auch zuhause weiterführt und feinsinnig bleibt.

Alexandra und Reinhold von daheim-ist-unterwegs für die Fotos und Texte, die mir immer mehr Lust auf Ostfriesland-und-um-zu machen.

Theorie der Gartenkunst, weil der Blog ein kleines Kunstwerk ist.

Und last not least Julias kleine Fotowelt. Der erste Blog, den ich je abonniert habe.

 

Liebe Nominierte, wenn Ihr mögt (und nur dann), hier die Liebster-Regeln

– Beantwortet die 11 untenstehenden Fragen in einem Beitrag
– Ganz wichtig: Verlinkt in eurem Artikel die Person, die Euch nominiert hat!
– Sucht Euch bis zu 11 Blogs, unter 1000 Follower, nominiert und informiert sie.
– Überlegt Euch 11 neue Fragen für die neu nominierten Personen.

– Have fun.

 

 

Meine Fragen an Euch

 

1. Was sollte man jeden Sommer mindestens 1 Mal tun?

2. (Wofür) sind Regentage gut?

3. Mit welchen Worten beginnt Dein Lieblingsbuch?

4. Gibt es etwas, dass Du beim Bloggen absolut nicht verstehst und immer schon mal fragen wolltest?

5. Du wirst zu einer Bloggerreise eingeladen – welche wäre Dein Traum?

6. Was hättest Du gern schon mit 18 gewusst?

7. Kannst Du irgendwas richtig gut? Was?

8. Die schönste Liedzeile ever?

9. Welchen fiktiven Ort (Literatur, Film etc.) würdest Du gern mal besuchen?

10. Was bringt Dich regelmäßig auf die Palme (obwohl Du weisst, dass es einen großen Geist nicht wirklich stört)?!

11. Welchen Beruf wolltest Du als Kind ergreifen?

 

Die Schafe von Falshoeft sind ausgesprochen fröhlich. Denn hier beginnt die Geltinger Birk. Und davon erzähle ich dann nächstes Mal.

Die Schafe von Falshoeft sind ausgesprochen fröhlich. Denn hier beginnt die Geltinger Birk, ein wundervolles Naturschutzgebiet. Und davon erzähle ich dann nächstes Mal.

5 Tipps für Hiddensee

Sollte ich aus dem Stand zehn Orte nennen, die man in Norddeutschland unbedingt gesehen haben muss, wäre Hiddensee dabei. Ich liebe Inseln. Allein die Vorstellung von einem Stückchen Land im Meer, macht mich glücklich. Je kleiner desto besser. Je weltabgewandter desto großartiger. Je ungezähmter desto ruhiger mein Herzschlag. Diesbezüglich schneidet Hiddensee eins a ab. Weiterlesen