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Nur 28 Tage: Februar in Norddeutschland (and how to survive)

Hej, hej – es ist Februar in Norddeutschland und wir gehen in unser viertes Bloggerjahr. Dreimal haben wir Frühling, Sommer, Herbst und Winter nun kommen und gehen sehen. Haben ganz genau hingeschaut und allmählich ein Gefühl dafür entwickelt, wo es wann am schönsten ist. Ab heute werden wir monatlich ein wenig resümieren – was lohnt sich unserer Meinung im Moment unbedingt im Norden, was eher nicht so. Und schwupps haben wir eine prima Überleitung zum Februar in Norddeutschland. Denn der lohnt sich insgesamt eher nicht so.

 

Festonallee

 

Dieser Monat tut nichts für das Land, würde Guido Maria Kretschmer sagen.
Umrahmt von gepflügten Äckern (aka nackter, brauner Erde) büßen selbst die schönsten Aussichten ihren Zauber ein. Wenn die Stiefel mit jedem Schritt schlammschwerer werden, ist das nun auch nicht gerade jedermanns Lieblingsgefühl. Genauso wenig wie eisiger Schneeregen. Oder nur Regen. Denn das ist ja das Schlimme hier oben: Die Winter sind nasskalt und sehr, sehr bleich.

(Nasskalt ist es zwar auch oftmals im Januar oder März. Doch im Januar haben wir den Winter noch nicht ganz so satt und im März leben wir entweder von der Hoffnung auf bessere Zeiten oder sie brechen tatsächlich an. Je nachdem.)

 

Nix für Frostkötel: Februar in Norddeutschland

 

Zum ersten Mal seit 36 Monaten haben wir keinen Kurztrip geplant. Wir wissen: jetzt ist alles hässlicher als nächsten Monat. Wozu also irgendwohin? Das Einzige, was mich persönlich im Februar zu einem Kurztrip motivieren könnte, wäre ein Zustand akuter Erschöpfung.

Dann würde ich mir einen Ort an der Ostsee aussuchen, den ich a) schon kenne, b) schnell erreiche und der c) ein Hotel mit Bademantelgang zum nächsten Schwimmbad bietet. Ich meine damit nicht hoteleigene Mini-Pools sondern richtig krasse Spaßbäder. Mit warmen Blubberbecken und heißen, großzügigen Saunen – am liebsten mit Meerblick. Ich sage das als jemand, der sonst nicht so auf Spaßbäder abfährt. Doch im Februar geht es mir in erster Linie darum, nicht zu frieren. Und das ist eben doch eine klitzekleine gute Sache: Nie ist der Norden so unbeliebt wie jetzt. Nie sind die Unterkünfte günstiger. Nie die Spaßbäder leerer.

 

Mein liebstes Februarwort: Bademantelgang

 

Ich hab mich mal durch unsere Fotos der letzten Jahre geklickt wie durch einen Reiseprospekt. Und mag folgende 3 Spaßbäder mit angeschlossenen Unterkünften unter gewissen Umständen empfehlen:

  1. Meerwasserbad auf Fehmarn; low budget Unterkunft in den Fernblickhäusern von Arne Jacobsen mit irrem Blick auf die Ostsee, eher skurril als schön – aber irgendwie ein Erlebnis.
  2. Grömitzer Welle, angedockt ans a-ja-Resort, Mittelklasse in jeder Beziehung, doch absolut ok, wenn es einem in erster Linie ums Durchatmen geht.
  3. Ostseetherme Scharbeutz, mit dem feinsten aller Bademantelgänge ins Gran BelVeder. Das Beste daran: Hotelgäste dürfen abends länger in der Therme bleiben und morgens früher rein als „normale“ Schwimmbadbesucher.

Was alle drei gemeinsam haben: Sie liegen direkt am Strand. Da ist man ziemlich gut aufgehoben, falls das Wunderbare geschieht und die Sonne doch mal scheint. Denn Februarsonne ist am Meer überirdisch schön.

Allerdings habe ich in den letzten drei Jahren festgestellt, dass Februarsonne überall überirdisch schön ist. Dafür muss man überhaupt nicht wegfahren. Die Sehnsucht nach dem Frühling steigert sich ja langsam ins Unermessliche. Der Moment, wenn man ihn zum ersten Mal ahnt, ist an jedem x-beliebigen Grünstreifen eine große Sache. Und – das kann man heute schon mal sagen – dieser Moment wird in den nächsten 28 Tagen kommen.

 

Kleine Freuden im Februar

 

Am besten legt man sich jetzt schon mal einen Spazierplan zurecht für den nächsten knallblauen Tag, damit man nicht vor lauter Überraschung völlig überfordert ist und dann doch nur wieder mit der Herde um die Alster latscht. Ich kann wärmstens Finkenwerder und Wilhelmsburg empfehlen.

 
Duckdalben
 

Möglicherweise kann man dann gleich in die Tat umsetzen, was Marianne auf alleinreisenjetzt vorschlägt, um den Winter ein bisschen mehr zu mögen.

 
Bank
 

Apropos andere Blogs: Früher dachte ich immer, auf dem Land sei der Februar leichter zu ertragen als in der Stadt. Weil in der Stadt das Graue noch grauer erscheint. Doch dann las ich auf Elkes Meerblog genau das Gegenteil. Elke lebt in Nordfriesland und schrieb vor einiger Zeit:

 

„Der Winter könnte schön sein, wäre er klar und trocken mit ein bisschen Schnee. Meist ähnelt er eher den nassen, nebligen Herbsttagen. Der Winter dauert grundsätzlich zu lang.
Er ist zu farblos, zu dunkel, zu trist. Was einfach mehr ins Gewicht fällt, wenn man auf dem Land wohnt. Im Winter brauchst du Kino, Kneipe, Kunst zum Überleben.“

 

Kunst zum Überleben… Das finde ich interessant. Vor allem weil es auf diesem Blog mehr Beiträge gibt, in denen ich über „zu wenig Kunst“ in Hamburg klage als Berichte von Museumsbesuchen. Eine Haltung, die ich eigentlich bescheuert finde. Und so werde ich diesen Monat mal wieder ein paar Kulturbetriebe beehren. Die sind ja auch etwas leerer im Moment, weil nicht so viele Touristen in der Stadt sind.

 

 

Unterm Strich bleibt der Februar zwar der Monat, den ich am wenigsten mag. Ich hätte nicht mal was dagegen, wenn man ihn komplett streichen würde. Aber dass man gar nichts mit ihm anfangen kann, stimmt offenbar auch nicht. In diesem Sinne: Ich wünsch Euch was für die nächsten 28 Tage. Und falls Ihr noch einen Überlebens-Tipp habt – immer her damit. Wir freuen uns.

 

Olpenitz

Jetzt komm ich noch einmal und dann nimmermehr: Olpenitz

In Olpenitz bei Kappeln entsteht seit einiger Zeit „Deutschlands größter Ferienpark“. So hab ich das neulich gelesen. Allein das Wort Ferienpark deprimiert mich. Beim Ostsee-Resort Olpenitz (noch so ein deprimierendes Wort) kommt hinzu, dass es meinen Lieblingsstrand tangiert. Im geradezu mathematischen – aber mehr noch ideellen Sinne. Das beobachte ich nun schon eine ganze Weile, doch ich kann und kann mich nicht daran gewöhnen.

 

schoenhagen

 

Als meine Welt und ich noch klein waren, endete sie – also die Welt, am Strand von Weidefeld. Konkret an einer Mole, die sich weit in die Ostsee hineinstreckt. Das Dahinter blieb mir Jahrzehnte verborgen. War Marinegelände. Sperrgebiet.  Nicht, dass ich Militärisches so toll fände. Doch gerade, dass man nicht weiterkonnte, setzte ein I-Tüpfelchen auf das Gefühl, sehr weit weg von allem zu sein.

 

Angler

 

Zwischen Weidefeld und der nächsten Stadt liegen zehn Kilometer herrlichster Walachei. Kappeln ist selbst nicht gerade eine Metropole.  Daher war Weidefeld immer leerer als andere Ostseestrände in Schleswig-Holstein. Nicht so zugepflastert mit Strandkörben. Keine Kurtaxe. Richtig Meer eben. Ein sehr guter Ort.

 

Weidefeld: Was macht mein Strand? Was macht die See?

 

Mein ganzes Leben lang bin ich regelmäßig nach Weidefeld gepilgert. Ich dachte, das würde immer so weitergehen. Doch vor ein paar Wochen merkte ich, dass es mir nicht mehr gut tut. Denn seit einigen Jahren wachsen nun Häuser, wo früher gar nichts war. Und von Mal zu Mal sieht es noch etwas schrecklicher aus.

 

Weidefeld

September 2014

 

Jedenfalls für mich, weil ich es eben anders kenne und liebe. Und dass es noch viel schlimmer werden wird, sagen Kräne & Pläne.

 

Olpenitz

Dezember 2016

 

Normalerweise bin ich gar nicht ultra-strikt gegen Entwicklung. Immerhin lebe ich seit 20 Jahren auf St. Pauli, bin also Verdrängung gewöhnt und letztlich ja irgendwie auch ein Teil der Chose. Kein Grund also, selbstgerecht zu werden, wenn es um Ferienparks am Meer geht.  Ich verstehe, dass irgendwie Geld und Arbeit in die Region kommen muss. Und doch…

 

Ostsee

 

Bestimmte Bauprojekte an der Ostsee sind für mich wie das Nichts aus der Unendlichen Geschichte. Dieses Nichts, das alles verschlingt und einem das Gefühl gibt, man sei blind wenn man auf eine befallene Stelle schaut. Wo das Nichts ist, ist kein Loch oder Dunkelheit, sondern einfach „nichts“.

 

Olpenitz: Jetzt komm ich noch einmal. Und dann nimmermehr.

 

Während das Nichts von Michael Ende einen Sog entwickelt, stößt mich das Ostsee-Resort Olpenitz ab. Ich will da nicht hinschauen müssen. Und als ich letztens von Schönhagen nach Weidefeld spazierte, mochte ich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter. Nicht näher ran. Auf einmal konnte ich mir vorstellen, dass ich nie wieder hierher komme. Zumindest aber für längere Zeit. Weil es regelrecht weh tut.

 

Winter

 

Ich glaube nicht, dass mein Widerwille rein nostalgischer Natur ist. Ähnlich gehts mir nämlich auch mit dem Riesen-Hotel in Scharbeutz oder dem Waterfront-Resort auf dem Priwall  – obwohl ich mit beiden Orten nicht weiter verbunden bin. Nein, ich glaube, ich kann einfach eine bestimmte Bauweise nicht ab. Diese kastenartige, hingeklotzte, fürchterlich beengte Nicht-Architektur.  Da wirken selbst die fettesten Luxusimmobilien auf mich ärmlich, geradezu Mario-Barthesque. Und eigentlich ist es am Meer ja anders herum – die einfachsten Hütten werden zu Palästen. So gesehen würde ich sagen, was  zur Zeit vielerorts an der Ostsee wächst, nimmt den Stränden ihre Seele.

 

Buhne

 

Naja. Ferienparks sind wohl immer noch besser als Supergentrifizierung – wie auf Sylt. Supergentrifizierte Gegenden sehen zwar besser aus, sind der Bevölkerung aber quasi komplett entzogen – durch professionelle Spekulanten und Superreiche. (Nicht ganz und gar, weil: die Normalbevölkerung darf immerhin noch mit ihren Steuern die Infrarstruktur finanzieren. Bei Spekulanten und Superreichen ist diesbezüglich ja nicht viel zu holen.) Supergentrifzierung ist also eine ekelhafte Sache. Zu finden in New York, London, Tokio oder eben Nordfriesland. In Olpenitz aber nicht. Darum jetzt mal Else-Kling-Modus off.

 

 

Um fair zu bleiben, muss ich zugeben, dass Weidefeld ein wunderbarer Strand bleibt. Genau wie Olpenitz-Dorf weiterhin niedlich ist. Und die ganze Ecke (abgesehen vom Resort) richtig schön weitläufig und ursprünglich. Falls Du also mal in der Gegend bist, lass Dich nicht von meinem Lamento abhalten, sondern lieber Dein Auto in Schönhagen stehen. Es ist ein hübscher kleiner Spaziergang nach Weidefeld – fernab von Straßen und Verkehrslärm.

 

Borkum im Winter

North by Northwest: Lohnt sich Borkum im Winter?

Ein Kurztrip nach Borkum im Winter will gut überlegt sein, habe ich festgestellt, als ich neulich mit meiner Tante dorthin reiste. Zwar klingt der Satz: „Ich fahr mit meiner Tante nach Ostfriesland“ etwa so exotisch wie „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad.“ Im Fall von Borkum ist die Reise aber ähnlich aufregend wie ein Trip nach Übersee. Wobei die Ozeanüberquerung bequem und rasant erscheint – verglichen mit dem Ewigkeitstrip von Hamburg auf die größte Ostfriesische Insel. Weiterlesen

Bäderarchitektur mit Hochseeklima: Nordseeinsel Borkum

Von Borkum hatte ich nicht viel mehr erwartet als endlöse Strände und Dünen, wurde aber mit einer kleinen Schockverliebtheit beschenkt. Es geschah im Nieselregen beim ersten Strandspaziergang. Wir waren am Vorabend im Dunklen auf der Insel angekommen. Ich hatte zwar noch versucht, die Nordsee zu begrüßen, war aber nur auf nachtschwarze Dünen gestoßen. So sah ich die Promenade von Borkum zum ersten Mal zur bürgerlichen Morgendämmerung (die wirklich so heißt und die halbe Stunde bezeichnet, bevor die Sonne sich über den Horizont schiebt, was ich vor allem deshalb erwähne, weil bürgerliche Dämmerung so schön zur großbürgerlichen Anmutung der Insel Borkum passt.) Weiterlesen

Sylt bei Regen

Sylt bei Regen oder der Weststrand für BWLer

Was man auf Sylt bei Regen macht? Logisch: man sucht sich ein kuscheliges Plätzchen und liest. Einen sehr dicken Roman. „Stundenlang lesen“ ist ja ohnehin etwas, worauf man sich einstellt, wenn man nach Sylt fährt. Regen gehört zu einem Nordseeurlaub dazu. Und ja, man freut sich sogar darauf.

Doch so einfach ist das gar nicht in Norddeutschland. Schon gar nicht auf den Inseln. Am allerwenigsten auf Sylt.

Spätestens wenn das Teewasser den Siedepunkt erreicht, pustet der Wind nämlich eine Himmelsecke frei. Urplötzlich taucht ein Sonnenstrahl den Lesesessel in goldenes Licht. Und auf einmal scheint es gar nicht mehr so verlockend, sein Lied hinter dem Ofen zu singen…

 

Sylt bei Regen (soll ich´s wirklich machen oder lass ich´s lieber sein?)

 

Syltkenner wissen: dies ist nicht der Zeitpunkt für eine ausführliche Kosten-Nutzen-Analyse. Möglicherweise bricht in eben diesem Moment die beste Stunde des Tages an, vielleicht der gesamten Urlaubswoche und wer will das schon verpassen? Also, schnell das Outfit des Grauens geschnappt und ab an den nächsten Strand.

 

Weststrand

 

Wenn es sich dabei um den Weststrand von List handelt – sagen wir mal den Zugang bei der Strandsauna – ist Dein Risikomanagement eigentlich schon im Eimer. Merke: Der Weg durch die Dünen ist immer länger als vermutet. Bis Du das Meer siehst, hat sich der Himmel längst wieder zugezogen. Du weißt: Falls er seine Schleusen öffnet, wirst Du auf keinen Fall ungeschoren davon kommen.

 

Maximales Regenrisiko am Weststrand

 

Aber was meinst Du eigentlich mit „falls“? Inzwischen liegt auf der Hand, dass der Weltuntergang kurz bevor steht. Vielleicht bin ich ja schneller als Sturm und Wolken, denkst Du. Bis zum nächsten Heißgetränk (in der Weststrandhalle) sind es gerade mal 3 km. Das könnte zu schaffen sein. Du stiefelst los. Sylt bei Regen – für Dich kein Problem. Du findest es sogar ganz herrlich. Weil das Bedrohliche auf gewisse Weise auch zu und zu schön ist.

 

wellen

 

Das Bedrohliche ist sogar so faszinierend, dass Dir der absolute Anfängerfehler unterläuft. Der Anfängerfehler über den Du immer lachst, wenn andere ihn begehen. Aber heute passiert es Dir selbst: Du hast die Welle unterschätzt! Eine Ladung Salzwasser schwappt in Deine Gummistiefel. Ziemlich mieses Gefühl das.

 

Sylter Welle

 

Es folgt: Der Moment, in dem es zu regnen beginnt. Ein Schauer nur, hoffst Du. Und immerhin hast Du Rückenwind. Regentropfen von hinten sind besser als von vorn. Du hältst den Blick stur geradeaus. Umkehren kommt sowieso nicht in Frage. Weshalb auch? Du bist schließlich nicht aus Zucker.

 

Point of no return: Zwischen Strandsauna und Weststrandhalle

 

Aber wasserresistent bist Du eben auch nicht. Das wird Dir klar, als Du doch mal einen Blick zurück wagst und verstehst: Es kommt etwas Gewaltiges auf Dich zu. Da ist Deine Hose rückwärtig bereits platternass und Deine Oberschenkel sind zu Eis gefroren. Es passiert – das ist ein kosmisches Gesetz – etwa auf halber Strecke. Vor oder zurück ist nun egal.

 

Unwetter

 

Es ist eine Sache von Sekunden. Der Regen verwandelt sich in einen Wolkenbruch, Deine Jacke in etwas Funktionsloses und jetzt gibst Du´s endlich vor Dir und der Welt zu: Du hast Dich ganz gehörig verkalkuliert. Der nächste Strandzugang ist Deiner. Du galoppierst den ewig langen Dünenweg zurück Ellenbogenstraße, schneller als Du es je für möglich gehalten hättest.

 

Ganz kurz vorm break-even point

 

Und da stehst Du nun in einem kleinen Unterstand am Parkplatz. Jedenfalls im Trockenen. Allerdings vollkommen durchnässt. Der Regen – ein weiteres kosmisches Gesetz – stoppt etwa 1 Minute später.

 

Regen

 

Aber frieren tust Du eigentlich nicht. Dafür bist Du wohl zu schnell gelaufen. Der schlimmste Moment, fällt Dir wieder ein, ist immer der, bevor man vollkommen durchweicht. Das hattest Du schon in Kindertagen gelernt – Du hattest es nur vergessen. Genau wie das wunderbare Gefühl danach.

 

Nordsee

 

Da niemand außer Dir so unklug war, während des Unwetters rauszugehen, kann jetzt auch niemand außer Dir erleben, wie der Wind die Wolken fortjagt. Am Strand gibt es nur Dich und die Sonne und wenn Du Schwein hast einen Schweinswal, denn der Sylter Weststrand gehört zum ersten Wal-Schutzgebiet Europas. Ganz schön viele Dinge, die glücklich machen.

 

Return on Invest: Aufwärmen bei Königs

 

Von der Aussichtsplattform auf dem Ellenbogenberg, beobachtest Du, wie die ersten Gäste vor die Tür der Weststrandhalle treten. Die armen Leute, denst Du. Sie haben das Beste verpasst. Und dann machst Du Dich selbst auf zu Königs, um die vielleicht leckerste heiße Schokolade Deines Lebens zu trinken. Du hast sie Dir redlich genug verdient.

 

Ellenbogenberg

 

Mehr Tipps für Sylt bei Regen

 

Falls Dich das Konzept vom Rausgehen bei Regen nicht überzeugt, schau doch mal bei Genussbummlerin Ina vorbei. Den ersten 3 ihrer Schietwedder-Empfehlungen schließe ich mich absolut an.

 

List

 

PS.: Regelmässige LeserInnen könnten annehmen, dass wir gerade auf Sylt sind. Sind wir aber nicht. Vielmehr bereite ich mich gerade auf eine andere Nordseeinsel vor. Das Barometer steht auf Regen. Insofern: Alles wird gut!

Blogbilanz: In der Naehe bleiben 2016

Früher war es ein typisches Vorhaben für die Zeit „zwischen den Jahren“:  Fotos sortieren. Umgesetzt habe ich das allerdings selten. Ich besitze Schachteln über Schachteln mit Bildern und Negativen und Disketten und CDs sowie jede Menge Dateien auf drei Laptops. Wie  praktisch ein Blog dagegen ist. Ein Klick und ich sehe: 2016 sind wir auf 14 Kurztrips in der Naehe geblieben. 3 mal weiter weg gewesen. Und haben jede Menge Tagesausflüge unternommen.

 

 

Das ist erstaunlich, schon rein quantitativ, weil wir früher gar nicht besonders häufig ins Blaue gefahren sind. Ganze Sommer vergingen, ohne dass wir es auch nur einmal an die Ostsee schafften. Inzwischen scheint mir das undenkbar. Der Blog hat doch tatsächlich unser Leben verändert – genau wie wir unsere Einstellung zum Bloggen. Es ist uns selbstverständlich geworden. Ich habe nicht mehr das Gefühl, es erklären oder rechtfertigen zu müssen. Will sagen, ich fürchte nicht mehr, man könne glauben ich hätte keinen Friseur, dem ich das alles erzählen kann. Ich blogge einfach. Ganz selbstverständlich.

 

Wir bloggen. Selbstverständlich.

 

2016 war unser drittes Bloggerjahr. Nie hätte ich gedacht, dass Norddeutschland dafür groß genug ist. Doch tatsächlich ist Norddeutschland sogar viel, viel größer. Noch immer ist die Liste der Orte, die wir gern sehen würden, länger als die Liste der Orte, die wir bereits besucht haben.

 

 

Dabei ist unser Radius im vergangenen Jahr sogar noch kleiner geworden als in den zwei Jahren zuvor. Wir haben es 2016 nur 1 X in den Osten (Mecklenburg-Vorpommern) geschafft und 1 X  in den Süden (Niedersachsen). Wir waren gar nicht in Sachsen-Anhalt oder Brandenburg; obwohl uns in den beiden Bundesländern einiges interessiert und wir sie bei der Entstehung des Blogs durchaus im Blick hatten. Und doch sind wir fast nur in Schleswig-Holstein unterwegs.

 

Uns zieht es es nach Norden

 

Ehrlich gesagt, ist Mecklenburg-Vorpommern landschaftlich großartiger als Schleswig-Holstein und die Menschen sind in Niedersachsen viel freundlicher. Trotzdem zieht es uns immer wieder ins nördlichste Bundesland. Das muss wohl irgendwie Liebe sein.

 

 

Denn Schleswig-Holstein kann beinahe abweisend wirken. Ganze Landstriche drängen sich nicht auf. Die rufen nicht: Sieh. Mich. An. Manche Regionen sind so krass irgendwo zwischen den 50ern und 70ern hängengeblieben, dass man es nicht für möglich hält. Aber gerade das finden wir ungeheuer inspirierend.

 

Aber Werber werden wir nie

 

Unsere Vorliebe für Verschrobenheiten kann schwierig sein, wenn Kooperationspartner ins Spiel kommen. Das haben wir 2016 gemerkt. Wenn man zu bloggen beginnt, wagt man ja kaum zu glauben, dass man selbst irgendwann eingeladen wird (wie „richtige“ Blogger). Aber irgendwann passiert es. Bis dahin weiß man längst, dass die Destinationen wie in einem Landlust-Magazin präsentiert werden möchten. Manchmal passt das auch. Aber meistens ist das nur die Schokoladenseite. Und die interessiert uns gar nicht so. Also haben wir dieses Jahr manche Kooperation nicht angenommen. Wäre nicht fair gewesen. Und so werden wir das weiterhin halten.

 

 

Vielleicht haben wir deshalb auch kein Media-Kit auf dem Blog. Wir hatten uns immer vorgenommen, den Button einzurichten, wenn wir 10.000 Klicks im Monat überschreiten. Das geschah im Sommer. Steigerte aber auch nicht unsere Lust, den Blog zu professionalisieren (wie der Blogger es nennt, wenn er sich nach Social-Media-Gesetzen ausrichtet).

 

Erfolgreich gebloggt?

 

Im Grunde ist der Erfolg eines Blogs berechenbar. Man muss nur bei anderen gucken, wie´s geht. Ich staune, wie sich die Blogs entwickeln, denen ich folge. Manche sind über die Maßen beliebt in Sozialen Netzwerken. Andere finde enorm viele Fans in der Bloggerszene. Und es gibt auch welche, die steigern sich inhaltlich von Monat zu Monat bis die Beiträge funkeln wie Diamanten. Einige Maßnahmen (like for like, Werbung bei facebook oder die totale Suchmaschinenoptimierung) wurden dieses Jahr unter Bloggern sehr kritisch diskutiert; gelten als ein bisschen unfein (im Sinne von schleimerisch oder gefallsüchtig). Doch ich sehe das anders.

 

 

Egal für welche Form des Wachstums man sich als Blogger entscheidet – man muss es immer auch noch machen; also jede Menge Zeit investieren. Und zwar kontinuierlich. Das empfinde ich als eine Leistung. Insofern denke ich, a) dass jeder Blog seinen individuellen Erfolg verdient hat. Und b) die wichtigste Frage für einen Blogger lautet: Was bringt mir eigentlich Spaß? Nur wenn man richtig Lust hat, einen Kanal zu bespielen, lohnt sich die Chose.

 

Kleiner Blog und große Medien

 

Mir zum Beispiel bringt facebook gar keinen und pinterest nur wenig Spaß. Ich komme einfach nicht dahinter, was der Witz an der Sache sein soll. Mein Engagement ist im Laufe des Jahres aufs Minimalste geschrumpft. Volko hat vor einigen Wochen immerhin entdeckt, dass instgram ihn entspannt. Könnte gut sein, dass wir 2017 dort endlich stattfinden werden. Ist aber absolut kein Muss. Denn auch wenn unsere Reichweite nicht gerade der Hammer ist, haben uns die guten alten Printmedien gefunden. Ich fasse es nicht, fasse es nicht, fasse es nicht – aber es sieht so aus, als würden im kommenden Jahr gleich zwei Projekte anstehen, von denen ich nicht mal zu träumen gewagt hätte. (Mehr dazu hier, wenn mehr dazu erzählt werden darf.)

 

 

Die größte blogthematische Überraschung war für mich dieses Jahr die Insel Pellworm. Herrlicher als ein Sonnentag auf Pellworm scheint mir wenig auf der Welt. Zumindest Hamburger, Schleswig-Holsteiner und Nordfriesland-Urlauber können das relativ spontan im Rahmen eines Tagesausflugs testen. Mein erster Tipp für 2017 wäre, auf einen klaren Tag im Mai oder Juni zu warten.

 

Das Beste am Norden sind Inseln

 

Überhaupt Inseln. Mir schwebte eine Weile vor, 2017 zu einem reinen Inseljahr zu machen, um dahinter zu kommen, warum sie mich so maximal beglücken. Das klappt nun nicht aus unterschiedlichen Gründen und ich muss mich darauf beschränken, was Goethe sagte: „Hat man sich nicht ringsum vom Meere umgeben gesehen, so hat man keinen Begriff von Welt und von seinem Verhältnis zur Welt.“ Immerhin und mindestens zwei Mal werde ich im kommenden Jahr darüber nachdenken können. Gleich im Januar gehts los; meine zweite ostfriesische Insel steht auf dem Plan.

 

 

Mit unseren Auslandreisen haben wir uns 2016 mal wieder als perfekte Durchschnittsreisende gezeigt. Die 12,6 Tage, die der Deutsche durchschnittlich verreist, haben wir schön auf die Himmelsrichtungen verteilt. Wir verbrachten drei Frühlingstage in England, eine gute Sommerwoche in Lettland, ein paar Stunden in Dänemark und unternahmen einen winterlichen Kurztrip nach Schweden. So waren wir also im Norden im Westen, im Norden im Osten und noch nördlicher. Perfekt!

 

Das Beste am Norden sind die Nachbarn

 

Als Freiberufler wissen wir selten im Voraus, wann und ob Urlaubsreisen in unsere Auftragslage passen. Aber träumen geht ja immer. Stand heute würde ich mich 2017 für 4 Tage Wales im Frühsommer, 6 Tage Norwegen im Spätsommer und 2,6 Tage Polen im Herbst entscheiden. Mal sehen, was wird.

 

 

Was 2016 garantiert nicht das Beste im Norden war, war das Wetter. Im August gab ich es auf, auf den Sommer zu warten. Woraufhin er im September eben doch noch kam. Für drei lange Wochen. In denen wir lästigerweise ziemlich viel arbeiten mussten.

 

Der Sommer 2016

 

Weil nicht viel Zeit war, sind wir im Sommer noch näher an Hamburg geblieben als üblich. Dabei entdeckten wir unsere zweite große Überraschung des Jahres: Grünstrände.

 

 

Aus 1.000 Gründen finden die Leute Grünstrände nicht so gut. Soll uns mehr als Recht sein. Denn so haben wir mehr Platz für uns. Garantiert werden wir 2017 wieder direkt vom Deich in die Nordsee hüpfen. (Mein zweiter Tipp für unsere Leser wäre: probiert es mal (wieder)).

 

Das Beste am Bloggen sind die Leser

 

2016 ist mir sehr klar geworden, was ich mit dem Blog eigentlich will. Neben der Freude am Entdecken gehts mir um die Leser – also um Dich. Ich will Dir gar nicht erzählen, was wir machen. Ich möchte zeigen, was Du machen kannst. Manchmal vielleicht auch etwas wieder in Dein Gedächtnis rufen. Deswegen ist es uns auch so wichtig, immer hübsch bei der Wahrheit zu bleiben; selbst wenn sie trist ist.

 

 

Mir ist schon klar, dass wir damit nicht jeden ansprechen. Menschen ticken eben unterschiedlich. Aber es gibt da so eine kleine, feine Zielgruppe, die gewisse Schnittmengen mit uns hat. Immer wieder spannend finde ich, wie die zu uns finden. Meistens läuft das bei uns über Google. Ich hab schon mal erzählt, dass ich das über den Blog rausfinden kann.

 

Unsere Lieblingssuchanfragen 2016

 

Manche sagen ihrer Suchmaschine total genau, was sie wissen wollen. Zum Beispiel tippte neulich jemand: „Ich möchte gerne wissen, ob es in Holstein einen Immenhof gibt“. (Die Antwortet lautet: ja, Gut Rothensande in Malente). Andere geben sich kryptisch. Etwa: „Moin… still ruht die Nordsee.“ Oder „Mit Frau Frie wohl auch ausgehen.“

 

 

Wieder andere landen vermutlich durch Schreibfehler bei uns. Jedenfalls glaube ich, dass der Mensch, der „gruselige Weisenhäuser“ suchte, Kinderheime meinte und nicht Weissenhäuser Strand, den wir als gruselstigen aller Strände beschrieben haben.

 

Was wir gern über Norddeutschland wüssten

 

Und dann sind da noch die Fragen, die ich selbst gern beantwortet hätte. Etwa:

Warum gibt es auf Sylt keine Katzen?
Fährt ein Zug von Wedel nach nirgendwo?
Sauerfleisch Westerhever?

Wir sind gespannt, ob einer hier mitliest, der die Antworten weiß. (Das mit dem Sauerfleisch interessiert mich ganz besonders.)

 

 

Und das ist jetzt die beste Gelegenheit, um uns für die zahlreichen und spannenden und ergänzenden Kommentare zu bedanken, die den Blog überhaupt erst zum Blog machen. Wir haben uns mal wieder über jede einzelne Wortmeldung riesig gefreut.

Auch bei den „stillen Lesern“ möchten wir uns bedanken. So viele Infos brettern fortwährend auf uns alle ein – da ist es echt eine Ehre, wenn jemand ausgerechnet bei uns Zeit verbringt.

Über-über-morgen trinken wir einen auf Euer Wohl.

Kommt gut raus und gut rein – wir lesen uns nächstes Jahr.

 

Liseberg

Ehrfürchtig hopsen: Weihnachten in Liseberg

Zu den unzähligen Vorzügen einer Kindheit in Göteborg gehört Liseberg, Schwedens ältester Vergnügungspark. Während für Kinder in Norddeutschland die Zeit spätestens ab dem Nikolaustag quälend langsam vergeht, verfliegt sie in Liseberg wie eine Schneeflocke im Wind. (Witzigerweise ist es für Erwachsene genau anders herum: In Norddeutschland rast der Dezember dahin; in Liseberg bleibt die Uhr stehen. Oder wird sogar zurückgedreht. Um ein paar Jahrzehnte.)

 

Liseberg

 

Jedenfalls fühle ich mich maximal 8 Jahre alt, als wir uns um 14.55 Uhr in die Mega-Menge vor den Pforten Lisebergs einreihen. Innerlich stöhne ich. Am liebsten würde ich mich vordrängeln. Aber ich lasse mir – auf eine vermutlich Mr. Bean-artige Weise – nichts anmerken. Erstens bin ich eigentlich erwachsen. Zweitens verhalten sich in Schweden selbst winzigste Besucher ausgesprochen manierlich. Und drittens möchte ich Volko keine Gelegenheit geben, die Frage zu stellen, die absolut auf der Hand liegt: Sag mal, müssen wir wirklich hier rein?

 

liseberg weihnachten

 

Was für eine Frage! Klar, müssen wir. Unbedingt. Schnell. Dabei würde ich in Deutschland lieber Gras essen, als einen Vergnügungspark zu betreten. Aber in Skandinavien ist das was anderes. Vor allen Dingen in Liseberg, wo in der Weihnachtszeit Licht- und Deko-Künstler sich mal so richtig ins Zeug legen. Als wir – endlich – die Tickets in der Hand halten, ist es 15.05 Uhr. 10 Minuten hat das elende Anstehen gedauert. Eine Ewigkeit (die man sich sparen kann, denn nach dem Anfangsandrang bilden sich keine Schlangen mehr vor den Kassenhäuschen).

 

Heissahoppsa Liseberg

 

 

Von 1923 bis 1999 war Liseberg ein reines Sommervergnügen. Im Jahr 2000 fand der erste Weihnachtsmarkt statt. Inzwischen ist er der größte Skandinaviens. Er öffnet Mitte November mit Einbruch der Dämmerung. Und ja, das ist alles künstlich. Doch das stört keinen großen Geist, wie Karlsson vom Dach weiß. Kinder kümmern sich ohnehin nicht um Moden und Zeitgeist. Sie haben eine Schwäche für Künstliches und Blinkendes (selbst wenn ihre Eltern viel Wert auf Stil legen. Vielleicht gerade dann).

 

 

Man muss Liseberg aus kindlicher Perspektive betrachten. Beobachten, wie Fünfjährige ehrfürchtig durchs Hasenland, Winterland, Lappland und Tomteshuset hopsen. Ehrfürchtig hopsen, stellt man dann fest, ist eine Fähigkeit, die sich mit zunehmendem Alter verliert. Das kriegt man nur noch in Ausnahmefällen hin, wenn die Gegebenheiten direkt aufs Gefühl zielen – ohne Umwege über das Gehirn. Da Licht und Musik bei mir relativ verlässlich wirken, bin ich in Liseberg kurz abgetaucht in diesen Ausnahmezustand – erleuchtet von 5 Mio LED-Leuchten; mit schwedischen Weihnachtsliedern im Ohr.

 

Liseberg: wer, wie, was und warum?

 

Wann: Die reguläre Saison in Liseberg läuft von April bis Oktober. Nur dann sind alle Fahrgeschäfte geöffnet. Von Mitte November bis 30. Dezember ist Liseberg in ein Winterwunderland umgestaltet.

Wie lange: Gut 2 Stunden muss man mit An- und Abreise (Straßenbahn oder zu Fuß) schon einplanen.

Wie teuer: Unter 110 cm, ist der Eintritt frei. Größere zahlen 100 Kronen (etwa 10 Euro) für das Basis-Ticket (das nicht zum Besuch der Fahrgeschäfte berechtigt).

Wer und warum: Wer ein Alibi-Kind im Schlepptau hat, ist fein raus. Der Rest heuchelt Interesse an schrecklichen Achterbahnen bzw. an den Saison-Specials; etwa Gartentage im Frühling, Konzertnächte im Sommer, Zombie-Sachen zu Halloween oder eben Weihnachten.

Und apropos Weihnachten: wir wünschen Euch friedliche, frohe Tage.

 

weihnachtsstern

Schaerengaerten

Was zum Träumen: die Schärengärten vor Göteborg

Zum 4. Advent was zum Träumen: die Einfahrt nach Göteborg durch die Schärengärten. Gleich zwei Archipele sind der Küste vorgelagert – die südlichen und die nördlichen Schären. Sie bestehen aus einer Vielzahl von felsigen Inseln, einige bewohnt, manche nur im Sommer, viele gar nicht. Ist es nicht seltsam, wie zart eine Landschaft wirken kann, die vorwiegend aus Granit besteht?! (Mit Klick auf die Galerien, kann man die Fotos vergrößern, falls man sich für winzige Schwedenhäuschen und Leuchtfeuer interessiert).

 

 

Der Vater ging weiter über die Insel. Er dachte nicht besonders viel … und eine Landzunge hier oder da, das war nicht so wichtig, wenn man viele davon hatte. Er erreichte die Brandung und blieb am Ufer stehen. Hier wanderte sein Meer vorbei … Als er sich umdrehte, um seine Insel zu betrachten, sah er über das Meer einen weißen Lichtstrahl fallen. Er tastete sich über den leeren Horizont und kam in langen regelmäßigen Wellen zurück. Das Leuchtfeuer brannte.

(aus Mumins wunderbare Inselabenteuer von Tove Jansson)

 

 

Saltkrokan ist eine Insel in den äußersten Schären. Hinter Saltkrokan fängt das offene Meer an mit kahlen Felseninseln und nackten Klippen, wo niemand wohnt als die Eidergans und die Möwe und andere Meeresvögel. Aber auf Saltkrokan wohnen Menschen. Nicht viele. Höchstens zwanzig. Das heißt, im Winter. Im Sommer kommen Sommergäste.

– aus Ferien auf Saltkrokan von Astrid Lindgren –

 

 

„Sehr vorsichtig steige ich auf die höchste Spitze der Insel. Dort sind silberne Flecken, farbige Nähte schweißen die Felsen zusammen, auf denen sich kleine Landschaften aus senfgelben Flechten angesiedelt haben. Auf dem entgegengesetzten Ufer steht eine Wiese versunkener Blumen, das Seegras wogt hin und her, wie sanfte Konfettilocken. Eine Schaukel hängt von einem Ast, und Kinder haben unzählige Lager und Höhlen hinterlassen.“

– Esther Freud im Vorwort vom Sommerbuch  –

 

goeteborg

 

„Ist es nicht wunderschön?“ Kyle blinzelte in den Regen, alles um uns herum war grau oder schwarz. Die Art, auf die es wunderschön war, forderte etwas von einem. Eine Landschaft, die die Macht hatte, einen zu jeder Zeit dazu zu bringen, die tiefsten und geheimsten Gedanken zu hinterfragen.“

– aus Die Stille unter dem Eis von Rachel Weaver –

 

 

Nett zu wissen: die Schärengärten von Göteborg

 

  • Reist man mit der Fähre nach Göteborg, tauchen die ersten Schären etwa eine Stunde vorm Festmachen auf.
  • Läuft alles bestens, gelangt man in 50 Minuten vom  Tysklandsterminalen nach Asperö in den südlichen Schären. (Straßenbahn bis Saltholmen, Personenfähre). Im Winter fahren die Fähren leider nur im 2-Stunden-Takt.
  • In die nördlichen Schären habe ich mich letztes Jahr bei Heike von Björklunda verliebt. Konkret: in die Jugendherberge auf Hönö. (Weil´s Schweden ist, müsste man Jugendherberge natürlich in Tüddelchen setzen.)
  • Das Leben auf einer Schäreninsel beschreibt der Roman Eis von Ulla-Lena Lundberg. Nur was für Menschen, die es gern haben, wenn weiter nichts passiert (im Leben wie im Roman).

 

Und dann wollte ich noch sagen: Einen schönen vierten Advent allerseits!

 

Schaereninsel Goeteborg

Stena Scandinavica

Nachtexpress nach Schweden: die Stena Scandinavica

Die Stena Scandinavica ist ein RoPax-Schiff, auch Kombicarrier genannt, also kein Passagierdampfer oder Kreuzfahrtschiff sondern eine Fähre. Ein Verkehrsmittel. Nacht für Nacht zieht sie verlässlich von Kiel nach Göteborg bzw vice versa; pünktlicher als die Deutsche Bundesbahn. Die hatte nämlich eine Stunde Verspätung, als wir letzte Woche zu unserem Minitrip nach Schweden aufbrachen. Es ließ mich kurzfristig die Nerven verlieren (ich bin leider so). Aber als wir erst einmal den Kieler Hauptbahnhof erreicht hatten, konnte selbst ich jeden Stress hinter mir lassen.

 

schwedenkai

 

Der Schwedenkai liegt in Sichtweite des Hauptbahnhofs. Langsam-Geher brauchen vielleicht 10 Minuten zum Terminal. Einchecken ist eineinhalb Stunden vor Abreise möglich, was das Ganze schön entzerrt. Überhaupt war die gesamte Überfahrt so organisiert, dass wir nirgends und nie anstehen oder warten mussten.

 

Gangway

 

An Bord gibts erst einmal einen Glögg aufs Haus bzw. Schiff. Bei der Hinreise verzichteten wir, denn Glögg trinkt man ja nicht, weil er schmecken würde sondern aus Stimmungsgründen. Und zunächst war ich mir über meine Stimmungslage noch nicht ganz im Klaren. Neben der Vorfreude beschäftigten mich auch Themen wie Seekrankheit und Klaustrophie.

 

gloegg

 

Meine Befürchtungen waren vollkommen unnötig. Die Stena Scandinavica gibt sich schön großzügig und stabilisiert. Was Seekrankhkeit betrifft, weiß ich inzwischen: je älter man ist, desto kleiner die Gefahr. Und das sanfte Rollen einer Riesenfähre ist gar nichts im Vergleich mit den kleinen Verwandten zu den nord- und ostfriesischen Inseln.

 

 

Unsere Kabine – ganz oben auf Deck 11 – fanden wir ungeheuer gemütlich. Zwei Betten, ein kleiner Schreibtisch, Telefon, TV, Garderobe und Meerblick. Das Bad funktional mit eins a Dusche. Man behält seine Kabine übrigens für die Rückreise. Kann also seinen Krempel dalassen, wenn man von Bord geht. Feine Sache.

 

Ein Trip auf der Stena Scandinavica ist absolut bezahlbar

 

Ich vermute, es handelte sich bei „unserem“ Kabinentyp um den beliebtesten von allen. Jedenfalls ist er am häufigsten ausgebucht. Das habe ich festgestellt, als ich mich durch die Buchungsseite der Stena Line klickte. Ich wollte mal sehen, ob die vielfach angeteasterten 69 Euro pro Person ein spezielles Ausnahmeangebot darstellen. Aber es ist tatsächlich der ganz normale Preis für eine Innenkabine. Mit Upgrade für unsere Außenkabine kämen zwei Personen für zwei Übernachtungen auf 178 Euro.
stenascandinavica
Steht einem der Sinn nach einer Suite, Balkon oder Jacuzzi kann man auch heftiger upgraden. Günstiger gehts allerdings auch. Das erzählte uns eine Vielfahrerin. Wir trafen sie beim Auslaufen an Deck, was erstaunlich wenig Passagiere an die frischen Luft lockte. Vielleicht weil die Bar des Yacht Clubs im Winter geschlossen hat? Jedenfalls konnte die Dame berichten, dass die besten Schnäppchen zum Black Friday und zur Kieler Woche zu schnappen sind. Ihre Kosten beliefen sich dieses Mal auf 54 Euro. Insgesamt.

 

kiel

 

Wir blieben auf Deck, bis Kiel nicht mehr zu sehen war. Dass man raus kann, lässt Autos, Züge und Flugzeuge blass aussehen gegen Fähren. Natürlich, mit dem Flugzeug wären wir ungefähr in Göteborg gelandet, als wir mit dem Schiff Laboe passierten. Eine weitere Stunde später wären wir vermutlich im Hotel gewesen. Und dann hätten wir sicher schnell ein Restaurant gesucht. Und im Anschluss eine Bar. Aber genau das kann man auf der Fähre ja auch.

 

 

Auf der Stena Scandinavica gibt es drei Restaurants. In einem isst man a la carte, im anderen wartet ein durchaus verschwenderisches Buffet mit tollen Meeresfrüchten und das dritte im Köttbullar-Style gibt sich ein bisschen rustikaler. Aber lecker ist es da!

 

Nachts zwischen Kiel und Göteborg

 

Was man sonst noch machen kann: Spielen (Erwachsene an Slot Machines oder Bingo. Kinder im Spielzimmer.). Einkaufen im Duty Free Shop. Fernsehen im Living Room. Drinks nehmen an zwei Bars. Dancen in der Disco. Ausflüge buchen am Info-Desk. Oder einfach nur so rumgeistern und Leute beobachten. Oder ab in die Koje und schlafen – und zwar ganz herrlich. Ehrlich.

Verschlafen kann man auf der Fähre übrigens nicht. Pünktlich um 08.00 Uhr meldet sich der Kapitän übers Bordradio, um einen guten Morgen zu wünschen. Dann hat man noch ein Stunde Zeit, bis das Schiff anlegt.

 

Sonnenaufgang

 

Wir hatten um 08.00 Uhr längst gefrühstückt. Und zwar sehr gut und mit Blick aufs Meer. Zunächst war da wenig vorm Fenster zu sehen, so dass wir ganz in Ruhe das Buffet genießen konnten. Es war besser als das typische Frühstück in deutschen Hotels der Business-Klasse, weil schwedisch und Pfannkuchen mit Preiselbeeren. Als der Horizont zu leuchten begann, nahmen wir unseren Kaffee mit an Deck und waren mal wieder ganz allein da draußen.

 

ostsee

 

So nach und nach folgten die 10% der Passagiere, die einen Sonnenaufgang im Schärengarten von Göteborg für bemerkenswert halten. Für uns war es eine der schönsten Stunden überhaupt in diesem Jahr. Aber das ist eine Typfrage.

Apropos Typfrage. Wenn man erzählt, dass man einen Minitrip von Kiel nach Göteborg unternimmt, sagen 2 von 3 Leuten: „Ach, das wollte ich auch immer schon mal machen. Erzähl mal danach, wie es war.“ Deswegen habe ich es so ausführlich beschrieben. Damit man sich ein genaues Bild machen kann und vielleicht den letzten Kick zum Buchen verspürt. Lohnt sich nämlich wirklich. Für die unterschiedlichsten Typen.

 

stena scandinavica

 

Was den Wintertag in Göteborg so wunderbar macht, habe ich hier beschrieben. Für Sommertipps schaut mal bei Reisefeder Anke nach – sie kennt sich aus; Göteborg ist ihre Lieblingsstadt.

Und was die Reise mit der Stena Scandinavica betrifft, bleibt nur noch zu sagen: Die Rückfahrt hat uns noch besser gefallen als die Hinreise. Insgesamt war das ein rundrum toller Kurztrip mit Eindrücken, die für einen Jahresurlaub ausgereicht hätten.

Hierfür bedanken wir uns ganz herzlich beim Team der Stena Line, das uns zu dieser Reise eingeladen hat.

Warum ich dann doch noch in Weihnachtsstimmung geriet (Göteborg)

Bis vorvorgestern war mir noch ganz unweihnachtlich zumute, aber nun waren wir in Göteborg und ich muss schon sagen, Schwedens zweitgrößte Stadt ist eine Spitzenadresse, um in Stimmung zu kommen. Skandinavien entspricht ohnehin meinem Idealbild von Weihnachten; mehr als etwa die Alpenländer. Vielleicht weil ich mit skandinavischer Kinderliteratur aufgewachsen bin. Und vor allen anderen und ausführlicheren Schwärmereien, schicke ich schon mal vorweg, warum mich Göteborg endlich im Advent ankommen ließ. Bzw. die gesamte Reise, die aus 30 Stunden Schiffsfahrt und 8 Stunden Landgang bestand.

 

Santa Line: Minitrip Kiel – Göteborg

 

Was haben wir uns über die Einladung von Stena Line gefreut, der schwedischen Fährgesellschaft, die in der Vorweihnachtszeit zur Santa Line wird. Ich habe den Minitrip von Kiel nach Göteborg vor Jahrzehnten schon einmal unternommen, aber das war im Sommer. Und ich kann mich auch gar nicht mehr so gut an die Seereise an sich erinnern (mal abgesehen von dem stockbesoffenen, schwedischen Herrn, dem ein Shrimp in den Hosenaufschlag geraten war. Was er über einen längeren Zeitraum nicht bemerkte und meinen damaligen Freund und mich für Stunden faszinierte).

 

Stena Scandinavica

abends am Schwedenkai von Kiel

 

Dieses Mal habe ich – haben wir – die 15 Stunden an Bord von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Unter Deck war für alles gesorgt. Auf Deck jede Menge Platz zum Träumen. Und die nächtliche Ostsee war schwarz und kalt aber windstill und als ich nachts einmal aufwachte, war der Himmel vor dem Kabinenfenster sternenklar. Ich wäre beinahe nicht mehr eingeschlafen vor Vorfreude auf den Schärengarten von Göteborg. Doch das ganz, ganz sanfte Schlingern hat mich dann doch wieder in den Schlaf gewiegt.

 

Staunen wie ein Kind: die südlichen Schären

 

Im Dezember ist der Fahrplan der Stena Line optimal. Direkt zum Sonnenaufgang taucht die Fähre in die Welt der südlichen Schären ein. Der Schärengarten von Göteborg ist von so atemberaubender Schönheit, dass wir beim Fotografieren nicht bemerkten, wie kalt es eigentlich war. Das waren gleich zwei sehr, sehr weihnachtliche Gefühle: Abgestorbene Finger und ein ganz tiefes Staunen.

 

Schaeren

 

Die Schären sind von Göteborg mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Im Winter setzt die Fähre allerdings nur alle zwei Stunden über, so dass die Aktion etwas zu zeitraubend ist (wenn man auch noch etwas anderes von Göteborg sehen möchte). Das war ein bisschen bedauerlich. Sobald alle Fotos sortiert sind, werde ich es besser illustrieren. (Edit: erledigt.) Andererseits war es aber auch ok so – denn spätestens jetzt wussten wir aber, dass wir den Trip noch einmal unternehmen möchten – wenn´s warm ist.

 

Barnens Zoo: Elche und Rentiere im Slottsskogen

 

Von Wärme konnte vorvorgestern keine Rede sein. Die Stadt war mit Raureif überzogen, als wir pünktlich um 09.15 Uhr am Tysklandsterminalen anlegten. Viertel nach neun schien uns nicht die ideale Zeit, um die Innenstadt zu entern. Deshalb machten wir einen Umweg über den Schlosswald.

 

Rentiere

Achte auf die Fuesse. So niedlich!

 

Der Schlosswald ist ein großartiger Park mit teilweise ziemlich heftigen Steigungen. Er bietet tolle Aussichten auf die Stadt. Zu den höchsten Punkten ziehen sich die Gehege von Barnens Zoo mit seinen nordischen Tieren, u.a einer Elch-Familie.

 

Elch

 

Barnens Zoo ist der älteste Schwedens und kostet keinen Eintritt. Überhaupt kann Schweden viel günstiger sein, als man gemeinhin so glaubt.

 

Eine Kirche dem Fisch

 

In den wundervollen Markthallen von 1889 etwa kann man ausgesprochen gut und sehr günstig schwedische Hausmannskost speisen. Eigentlich hätten wir Fisch essen sollen oder Meeresfrüchte oder Schalentiere, denn dafür ist Göteborg berühmt. Erhältlich z.B. an den Ständen der Fischkirche; dem Fischmarkt von Göteborg.

 

Fischkirche

Fast schon religioes ist das Verhaeltnis der Goeteborger zu Fisch und Schalentieren: rechts die Fischkirche.

 

Apropos gute Dinge. Weihnachtssüßigkeiten sind ja gar nichts Besonderes mehr, seit sie schon ab September erhältlich sind. Ich esse zwar vor der Weihnachtszeit keine Lebkuchen et al. Aber allein schon, weil ich sie ständig kaufen könnte, verblasst der Glanz. Läutet man in einem anderen Land die Weihnachtszeit ein, denkt man beim Zuckerzeug noch mal oooh und aaah; ganz wie es sich gehört.

 

 

Man kann das ooooh und aaaah auch auf alle anderen Waren übertragen – denn wie man weiß, ist in Schweden alles immer ein bisschen niedlicher als bei uns. Göteborg ist ein Paradies für X-Mas-Shopper und Bummelanten. Vom Trödel in den alten Holzhäusern des Haga-Viertels bis zu sehr eleganten Gründerzeitpassagen der Innenstadt.

 

Alles ist erleuchtet: Göteborg zur Weihnachtszeit

 

Das Licht ist in Göteborg natürlich mal wieder die Hauptsache. Während der Altstadtkern schon früh im Schatten liegt, spiegelt sich im Hafen noch die Sonne im Wasser. Allerdings hat man auch hier schon ab etwa 14.30 Uhr ein Gefühl von Dämmerung. In Sinne einer (hell)blauen Stunde. Gefolgt von einer mittelblauen- und schließlich einer dunkelblauen Stunde.

 

Viermaster

 

Um kurz vor 15.00 Uhr wendeten wir dem Wasser – ausnahmsweise leichten Herzens – den Rücken zu. Denn so nach und nach knipste die Stadt die Weihnachtsbeleuchtung an. Und die ist ziemlich phantasievoll und niemals aufdringlich.

 

 

Wer Lichtinstallationen liebt und ein kindliches Gemüt besitzt (also ich), muss dann unbedingt nach Liseberg. Herrlich ist schon die Fahrt in der altmodisch-anmutigen Straßenbahn durch die Avenyn, die Prachtstraße der Stadt.

 

Weihnachtsstadt Liseberg

 

Liseberg, der größte Vergnügungspark Skandinaviens, verwandelt sich ab Mitte November in ein Winterwunderland. (Sehr nette Männer machen das mit, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken).

 

 

Zwar war der Weihnachtsmann beschäftigt, aber ich habe mich auch so prächtig amüsiert mit Tomte und Nisse und Kobolden und Elfen. (Und ich warne schon mal vor, dass ich zu gegebener Zeit noch einmal darauf zurückkommen werde.) Apropos zurückkommen:

 

Elfenschnappen in Ikea-Land

 

Wie in jeder Hafenstadt, die etwas auf sich hält, gehören auch in Göteborg Fähren zum ÖPNV. Die Linie Älvsnappen (merke: Elfen schnappen) schippert von der Innenstadt zur Station Klippan (denke: Ikea) gleich beim Tysklandsterminal. Das ist zu jeder Zeit toll, besonders aber am Abend.

 

 

Genau wie es am Abend großartig ist, auf eine nächtliche Schiffsreise zu gehen. Das hätte ich vorher nicht unbedingt vermutet. Aber auf Fähren ist tatsächlich schon der Weg das Ziel. Finden wir jedenfalls. Und wie das da zugeht, erzähle ich dann nächstes Mal. (Edit: erledigt – hier gehts lang.)

 

Goeteburg