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Warum ich dann doch noch in Weihnachtsstimmung geriet (Göteborg)

Bis vorvorgestern war mir noch ganz unweihnachtlich zumute, aber nun waren wir in Göteborg und ich muss schon sagen, Schwedens zweitgrößte Stadt ist eine Spitzenadresse, um in Stimmung zu kommen. Skandinavien entspricht ohnehin meinem Idealbild von Weihnachten; mehr als etwa die Alpenländer. Vielleicht weil ich mit skandinavischer Kinderliteratur aufgewachsen bin. Und vor allen anderen und ausführlicheren Schwärmereien, schicke ich schon mal vorweg, warum mich Göteborg endlich im Advent ankommen ließ. Bzw. die gesamte Reise, die aus 30 Stunden Schiffsfahrt und 8 Stunden Landgang bestand.

 

Santa Line: Minitrip Kiel – Göteborg

 

Was haben wir uns über die Einladung von Stena Line gefreut, der schwedischen Fährgesellschaft, die in der Vorweihnachtszeit zur Santa Line wird. Ich habe den Minitrip von Kiel nach Göteborg vor Jahrzehnten schon einmal unternommen, aber das war im Sommer. Und ich kann mich auch gar nicht mehr so gut an die Seereise an sich erinnern (mal abgesehen von dem stockbesoffenen, schwedischen Herrn, dem ein Shrimp in den Hosenaufschlag geraten war. Was er über einen längeren Zeitraum nicht bemerkte und meinen damaligen Freund und mich für Stunden faszinierte).

 

Stena Scandinavica

abends am Schwedenkai von Kiel

 

Dieses Mal habe ich – haben wir – die 15 Stunden an Bord von der ersten bis zur letzten Minute genossen. Unter Deck war für alles gesorgt. Auf Deck jede Menge Platz zum Träumen. Und die nächtliche Ostsee war schwarz und kalt aber windstill und als ich nachts einmal aufwachte, war der Himmel vor dem Kabinenfenster sternenklar. Ich wäre beinahe nicht mehr eingeschlafen vor Vorfreude auf den Schärengarten von Göteborg. Doch das ganz, ganz sanfte Schlingern hat mich dann doch wieder in den Schlaf gewiegt.

 

Staunen wie ein Kind: die südlichen Schären

 

Im Dezember ist der Fahrplan der Stena Line optimal. Direkt zum Sonnenaufgang taucht die Fähre in die Welt der südlichen Schären ein. Der Schärengarten von Göteborg ist von so atemberaubender Schönheit, dass wir beim Fotografieren nicht bemerkten, wie kalt es eigentlich war. Das waren gleich zwei sehr, sehr weihnachtliche Gefühle: Abgestorbene Finger und ein ganz tiefes Staunen.

 

Schaeren

 

Die Schären sind von Göteborg mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Im Winter setzt die Fähre allerdings nur alle zwei Stunden über, so dass die Aktion etwas zu zeitraubend ist (wenn man auch noch etwas anderes von Göteborg sehen möchte). Das war ein bisschen bedauerlich. Sobald alle Fotos sortiert sind, werde ich es besser illustrieren. (Edit: erledigt.) Andererseits war es aber auch ok so – denn spätestens jetzt wussten wir aber, dass wir den Trip noch einmal unternehmen möchten – wenn´s warm ist.

 

Barnens Zoo: Elche und Rentiere im Slottsskogen

 

Von Wärme konnte vorvorgestern keine Rede sein. Die Stadt war mit Raureif überzogen, als wir pünktlich um 09.15 Uhr am Tysklandsterminalen anlegten. Viertel nach neun schien uns nicht die ideale Zeit, um die Innenstadt zu entern. Deshalb machten wir einen Umweg über den Schlosswald.

 

Rentiere

Achte auf die Fuesse. So niedlich!

 

Der Schlosswald ist ein großartiger Park mit teilweise ziemlich heftigen Steigungen. Er bietet tolle Aussichten auf die Stadt. Zu den höchsten Punkten ziehen sich die Gehege von Barnens Zoo mit seinen nordischen Tieren, u.a einer Elch-Familie.

 

Elch

 

Barnens Zoo ist der älteste Schwedens und kostet keinen Eintritt. Überhaupt kann Schweden viel günstiger sein, als man gemeinhin so glaubt.

 

Eine Kirche dem Fisch

 

In den wundervollen Markthallen von 1889 etwa kann man ausgesprochen gut und sehr günstig schwedische Hausmannskost speisen. Eigentlich hätten wir Fisch essen sollen oder Meeresfrüchte oder Schalentiere, denn dafür ist Göteborg berühmt. Erhältlich z.B. an den Ständen der Fischkirche; dem Fischmarkt von Göteborg.

 

Fischkirche

Fast schon religioes ist das Verhaeltnis der Goeteborger zu Fisch und Schalentieren: rechts die Fischkirche.

 

Apropos gute Dinge. Weihnachtssüßigkeiten sind ja gar nichts Besonderes mehr, seit sie schon ab September erhältlich sind. Ich esse zwar vor der Weihnachtszeit keine Lebkuchen et al. Aber allein schon, weil ich sie ständig kaufen könnte, verblasst der Glanz. Läutet man in einem anderen Land die Weihnachtszeit ein, denkt man beim Zuckerzeug noch mal oooh und aaah; ganz wie es sich gehört.

 

 

Man kann das ooooh und aaaah auch auf alle anderen Waren übertragen – denn wie man weiß, ist in Schweden alles immer ein bisschen niedlicher als bei uns. Göteborg ist ein Paradies für X-Mas-Shopper und Bummelanten. Vom Trödel in den alten Holzhäusern des Haga-Viertels bis zu sehr eleganten Gründerzeitpassagen der Innenstadt.

 

Alles ist erleuchtet: Göteborg zur Weihnachtszeit

 

Das Licht ist in Göteborg natürlich mal wieder die Hauptsache. Während der Altstadtkern schon früh im Schatten liegt, spiegelt sich im Hafen noch die Sonne im Wasser. Allerdings hat man auch hier schon ab etwa 14.30 Uhr ein Gefühl von Dämmerung. In Sinne einer (hell)blauen Stunde. Gefolgt von einer mittelblauen- und schließlich einer dunkelblauen Stunde.

 

Viermaster

 

Um kurz vor 15.00 Uhr wendeten wir dem Wasser – ausnahmsweise leichten Herzens – den Rücken zu. Denn so nach und nach knipste die Stadt die Weihnachtsbeleuchtung an. Und die ist ziemlich phantasievoll und niemals aufdringlich.

 

 

Wer Lichtinstallationen liebt und ein kindliches Gemüt besitzt (also ich), muss dann unbedingt nach Liseberg. Herrlich ist schon die Fahrt in der altmodisch-anmutigen Straßenbahn durch die Avenyn, die Prachtstraße der Stadt.

 

Weihnachtsstadt Liseberg

 

Liseberg, der größte Vergnügungspark Skandinaviens, verwandelt sich ab Mitte November in ein Winterwunderland. (Sehr nette Männer machen das mit, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken).

 

 

Zwar war der Weihnachtsmann beschäftigt, aber ich habe mich auch so prächtig amüsiert mit Tomte und Nisse und Kobolden und Elfen. (Und ich warne schon mal vor, dass ich zu gegebener Zeit noch einmal darauf zurückkommen werde.) Apropos zurückkommen:

 

Elfenschnappen in Ikea-Land

 

Wie in jeder Hafenstadt, die etwas auf sich hält, gehören auch in Göteborg Fähren zum ÖPNV. Die Linie Älvsnappen (merke: Elfen schnappen) schippert von der Innenstadt zur Station Klippan (denke: Ikea) gleich beim Tysklandsterminal. Das ist zu jeder Zeit toll, besonders aber am Abend.

 

 

Genau wie es am Abend großartig ist, auf eine nächtliche Schiffsreise zu gehen. Das hätte ich vorher nicht unbedingt vermutet. Aber auf Fähren ist tatsächlich schon der Weg das Ziel. Finden wir jedenfalls. Und wie das da zugeht, erzähle ich dann nächstes Mal. (Edit: erledigt – hier gehts lang.)

 

Goeteburg

16 Kommentare

  1. Also, Göteborg ist Dein Weihnachts-Stimmungs-Tipp. Und ja, das kann ich nur bestätigen. Ich war vor ein paar Jahren in der Vorweihnachtszeit dienstlich in Göteborg und habe diesen Kurz-Trip immer noch als ganz besonders weihnachtlich in Erinnerung.

  2. Das erste Foto und das dritte und überhaupt – einfach nur: Wow!!

    Wenn ich bedenke, wie lange Knut schon diesen Mini-Trip machen möchte und ich immer wegen meiner Seeuntauglichkeit (ja, ich werde schnell seekrank) abgewunken habe…..- wenn ich diese Bilder sehe, weiß ich, dass ich mich überwinden muss!

    Wie doll wackelt es denn?

    • Also, bei uns hats wirklich ü-be-haupt-nicht gewackelt. Ich hab zwar gemerkt, dass ich auf einem Schiff bin. Aber das war nicht unangenehm. Und ich bin absolut nicht seetüchtig. Unterm Strich würde ich sagen: Fliegen ist viel schlimmer!

  3. Die Seereise schreckt mich ab, aber ansonsten kommt Göteborg in der Vorweihnachtszeit auf die To-do-list. Die Fotos wecken Sehnsucht und die Elche sind ja wohl das Allerniedlichste…
    LG Marianne

  4. Da ich schon vom Schiffe-gucken seekrank werde, wird das mit der Seereise bei mir wohl nie was. ABER: Dank Deiner schönen Fotos und dem zauberhaften Bericht komme auch ich ein klein wenig in den Genuß, den die Santa Line mit sich bringt <3 Zauberhaft <3

    • Echt interessant, wie viele Schwierigkeiten mit Seekrankheit haben. Ich hab immer gedacht, ich gehöre dazu, aber ich glaube, dass ist gar nicht mehr so… muss mich mal schlauer machen über das Thema.

  5. Wie toll! Dass Ihr Euch über die Einladung der Stena Line gefreut habt, kann ich mir vorstellen. ???

    Göteborg gefiel uns schon im Sommer richtig gut, aber zur Adventszeit ist es ganz bestimmt auch einen Besuch wert. Deine schönen Fotos sprechen Bände!

    Einen schönen dritten Advent und liebe Grüße, Martina

  6. ach wie wunderbar! eine freundin von mir wohnt seit letztem jahr in göteborg und wenn ich wieder nebenhöhlenflugfreigabe hab möcht ich sie zu gern auch mal besuchen.

    • Inhaliere, liebe Paleica, inhaliere! Die Nebenhöhlen müssen unbedingt bald frei sein – es ist bestimmt großartig, Göteborg von einer Auskennerin gezeigt zu bekommen.

  7. Pingback: Minitrip von Kiel nach Göteborg mit der Stena Scandinavica

  8. Pingback: Wir warten aufs Christkind: Weihnachten in Liseberg

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