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Grömitz ist (wie ohnehin alles) Geschmackssache

Tauchgondel

Grömitz ist in unseren Augen keine Schönheit. Allerdings einer der wenigen richtigen Urlaubsorte in Schleswig-Holstein. Womit ich meine, Grömitz sieht ein bisschen aus wie Teneriffa in den späten 60er Jahren. Bzw. wie man sich das eben so vorstellt. Und das trifft ziemlich genau unser Humorzentrum, weswegen wir ausgesprochen fröhlich waren, als wir letzte Woche in Grömitz über Nacht blieben.

 

Grömitz: Das Teneriffa Schleswig-Holsteins

 

Appartements

 

Über Nacht zu bleiben, ist an der Ostsee immer eine gute Idee. Selbst wenn der Sonnenaufgang wegen Bewölkung ausfällt, besitzen morgendliche Ostseestrände eine eingebaute Entspannungsgarantie. Sie sind sehr still, sehr schön und Ostseeurlauber schlafen entweder lang oder gehen morgens nicht gern an den Strand. Jedenfalls trafen wir zwischen den schnurgerade ausgerichteten Strandkörben keine Menschenseele.

 

Strandkorb

 

Sogar den Hotspot von Grömitz hatten wir morgens für uns: Die Seebrücke, von der ich behaupten würde, dass es sich um die zweitbeste Seebrücke Schleswig-Holsteins handelt. (Die beste Seebrücke ist die von Heiligenhafen.)

 

Tauchglocke

 

Das Jules-Verne-artige Objekt ist eine Tauchgondel. Sie taucht mit bis zu 30 Leuten ca. 30 Minuten in die Ostsee. Das Witzige daran ist, dass es dort unten wenig zu sehen gibt (hauptsächlich Sand). Und wenn ich die Internetseite richtig verstehe, wird deshalb unter Wasser ein Film gezeigt. Es ist also eine Art Unterwasserkino.

 

Tauchgondel

 

Vom Ende der 400 m langen Seebrücke hat man ganz Grömitz gut im Blick.  Grömitz liegt am nördlichen Ende der Lübecker Bucht. Die ist insgesamt im Sommer total überlaufen. Besonders in Travemünde, Timmendorf und Scharbeutz. Am Schlimmsten aber in Grömitz, das die dritthöchsten Übernachtungszahlen in Schleswig-Holstein aufweist. Mehr Urlauber ziehts nur noch nach St. Peter Ording und Westerland (wo das aber nicht so auffällt, weil die Strände gewaltiger sind).

 

Ostseebad

 

In der Lübecker Bucht hingegen kann man nur in der Nebensaison atmen. (Ich befrage dazu gern den Feriendichte-Kalender.) Ausgestorben ist die Ecke aber nie. Das liegt nicht zuletzt an der Autobahn, über die Hamburger schwupps-di-wupps ans Meer gelangen. Und natürlich an der Schönheit der Lübecker Bucht. Die Ostsee ist hier besonders sanft & seicht & steinlos.

 

Ostsee

 

Flache, sandige Buchten haben mehrere Vorteile. Das Wasser erwärmt sich schnell. Man kann ungeheuer gut herumplanschen. Und die Ostsee ist von besonders schöner Farbe. Meeresgrün. Beinahe karibisch.

 

meergruen

 

Grömitz gilt seit 1813 als Seebad und ist damit eines der ältesten Seebäder an der Ostsee. Dafür findet sich in Grömitz erstaunlich wenig alte Architektur. An der Promenade erinnert gerade noch die Strandhalle an vergangene Zeiten. Doch selbst die entpuppt sich auf den zweiten Blick als Chimäre.

 

Strandhalle

 

Charkateristischer für die Promande von Grömitz ist das Café Florida. Man achte auf Bestuhlung und Gardinen (ich wette, mit Goldkante).

 

Florida

 

Allerdings: Im Sommer sitzt man im Café Florida dank Schiebedachkonstruktion im Freien. Das muss bei Eröffnung der Gipfel der Moderne gewesen sein. So wie ganz Grömitz bestimmt mal schick gewesen ist. Und fast schon wieder vom Zeitgeist überholt wurde.

 

Strandappartement

 

Was bleibt ist der Strand. Wir haben ja nun sehr viele Ostseestrände gesehen, seit wir bloggen. Und müssen schön sagen: So weiß und fein soll Sandstrand sein. Es liegt sich weicher als auf Wolken.

 

Ostseestrand

 

Nach Grömitz reisen (unserer Beobachtung nach) entweder sehr alte Personen oder ganz junge Familien. Das Mittelalter fehlt. Hat vielleicht auch was mit der Nebensaison zu tun. Das hat den angenehmen Effekt, dass sich nicht schon morgens überall mit Prosecco betrunken und schlecht benommen wird. Womit ich meine, es ist nicht so laut; wie beispielsweise in Scharbeutz. Und man bekommt in den Cafés der ersten Reihe easy einen Platz.

 

Ostergesteck

 

Das ist ja ein schönes Ostergesteck, sagte die eine Dame am Nebentisch zur anderen, ist das künstlich? Schönheit ist eben Geschmackssache.

Und apropos Geschmacksache: Übernachtet haben wir im a-ja Grömitz. Laut Eigenwerbung ein SPA-Resort. In Wahrheit eine ziemlich ausgeklügelte Massenunterkunft in Motel-One-Optik.

 

a-ja Resorts: Die Motel Ones der Ferienorte

 

a-ja Resorts gibts quer über Deutschland verteilt in Ferienorten. Genau wie Motel Ones befinden sie sich immer in bester Lage. Doll ist das a-ja nicht. Aber auch nicht schrecklich. Die Zimmer haben alle Meerblick und können mittels Vorhängen in Kleinsträume unterteilt werden, so dass man sich mit ein bisschen Phantasie wie in einem Appartement in Tokio fühlt. Oder auf der Enterprise.

 

 

Das Beste im a-ja Grömitz ist die Terrasse im 5. OG. Wir hatten sie zum Sundowner ganz für uns allein, weil alle Gäste die Restaurants enterten, sobald sie öffneten (wie in Ialien in den 70er Jahren). Selbst Raucher mussten nicht rauskommen. Sondern konnten schön in der verrauchten Raucherlounge sitzen.

 

a-ja

 

Es wunderte uns einigermaßen, dass wir ganz allein blieben. Denn es war vollkommen windstill; also nicht einmal kalt. Und die blaue Stunde in der Lübecker Bucht ist schon eine wunderbare Sache.

 

 

Das Gegenteil von wunderbar ist die Systemgastronomie im a-ja, wo es zugeht wie einer Kantine. Wie im Vapiano, behauptete der Kellner. Aber dort sind jedenfalls keine stilisierten Holzwässer in die Wand eingelassen, aus denen man sich den Wein zapfen soll. Die Speisen im a-ja kommen direkt aus der Hölle, so dass man außerhalb auf sicher besser aufgehoben ist. (Das Frühstück allerdings geht.)

 

 

Während Restaurants und Bar gut frequentiert waren, zog es nur Wenige in die Grömitzer Welle, dem ortseigenen Erlebnis-Meerwasser-Brandungsbad mit Saunalandschaft. Es ist mit dem a-ja durch einen Bademantelgang verbunden und war einer der Gründe, warum wir überhaupt ins a-ja gefahren sind. Wir haben in diesem Winter nämlich gemerkt, dass ein „kurz-mal-raus-aus-der-Stadt-Trip“ im Januar, Februar und März dringend ein Erlebnis-Meerwasser-Brandungsbad mit Saunalandschaft braucht.

 

 

Ein anderer Grund war, dass man bei Groupon regelmäßig a-ja-Schnäppchen schnappen kann (ich beobachte das) – dann kostet das Doppelzimmer inkl. Frühstück und Eintritt in die Grömitzer Welle 79 Euro. Und das entspricht in etwa dem tatsächlichen Wert.

Unbezahlbar hingegen ist das Aufwachen an der Ostsee. Und der morgendliche Strandspaziergang. Aber das sagte ich ja schon.

 

Strand

18 Kommentare

  1. Ein schöner Bericht, liebe Stefanie. Genau so habe ich Grömitz auch empfunden. Am besten ist es, man schaut einfach übers Meer. Dann ist es einfach überall schön.

    Schönes Wochenende! ☀️ Martina

    • Und Du kannst ja fein dran vorbei segeln. Aprops: nun ist ja April. Beginnt jetzt nicht Eure Saison? Dir auch ein schönes Wochenende, Stefanie

      • Ja, da hast Du recht. ?. Obwohl es in Grömitz auch einen ganz netten Yachthafen gibt. Am 19. April bekommt das elbkind endlich wieder Wasser unter den Kiel. Langsam macht sich Vorfreude breit, besonders nach einem so traumhaft sonnigen Tag wie heute können wir’s kaum noch abwarten. ⛵️☀️

  2. Hey,
    diesen 60iger und 70iger Jahre Charme hat Grömitz eindeutig. Mir gefällt Scharbeutz besser, denn hier gibt es heute eine Kombi aus 70iger Charme und Moderne. Scharbeutz hat das in den letzten Jahren gut hinbekommen, finde ich. Während Timmendorf zu schön und reich ist 😉
    Ich finde die Seebrücke von Ahlbeck auf Usedom noch schöner 🙂 und den feinen weißen Strand von Ahlbeck auf Usedom toppt auch kein Ort in der Lübecker Bucht.
    In punkto Anreise hingegen gewinnt für einen Hamburger immer die Lübecker Bucht (1 Stunde gegen 5 Stunden).

    Sonnige Hamburger Grüße, Marianne
    alleinereisenjetzt.wordpress.com

    • Hallo Marianne, in Scharbeutz war ich neulich auch. An einem miesen Tag im März. Und es war knallvoll. Wahnsinn. Auch Scharbeutz gefällt mir am besten morgens.

      Die Seebrücke von Ahlbeck ist natürlich ein anderer Schnack. Deswegen schrieb ich von der zweitbesten Schleswig-Holsteins. So´n Prunk wie in Meck-Pomm gibts hier ja gar nicht. Dort war ich mal auf einer Hochzeit. Lange, lange her. Aber in guter Erinnerung. (Überhaupt ist Usedom toll. Wir warten immer noch auf das passende Zeitfenster. 4 – 5 Tage müsstens schon sein, damit die Anreise sich lohnt.)

      Liebe Grüße
      Stefanie

  3. Sehr schöner Bericht mit noch schöneren Bildern. Der Vergleich mit Teneriffa in den 60-70ern ist sowas von treffend. Als „Kind“ der Lübecker Bucht habe ich Grömitz schon lange nicht mehr gesehen…..eben weil…..es Geschmackssache ist. Aber schön, mal wieder von Grömitz zu lesen 😉

    • Ich mag das ja irgendwie. Nicht zu oft. Aber hin und wieder. Man taucht ein bisschen in die Kindheit. Sag mal, wo gehen den Kinder der Lübecker am liebsten an den Strand? (Oder darf man das nicht verraten, weil geheim?)

  4. Hallo Stefanie,
    wenn das mal kein ehrlicher Bericht ist!
    Danke für die klaren Worte zum Hotel, aber auch fürs Zeigen der richtig schönen Plätze in Scharbeutz?
    Liebe Grüße Eva

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