Allgemein, Neulich im Norden, Norddeutschland, Ostsee, Ostseeküste, Rausgehen, Schleswig-Holstein, Wandern
Kommentare 12

Zeit, sich warmzulaufen – von Kellenhusen nach Dahme

vonKellenhusennachDahme

Wann, wenn nicht jetzt, wäre ein Spaziergang von Kellenhusen nach Dahme angezeigt?! Noch garantieren selbst die unspektakulärsten Ausflugspläne tagelange Vorfreude. Noch hält sich der Touristentrubel in der Lübecker Bucht in Grenzen. Noch gelangt man entspannt an die Ostsee, ohne auf der A1 in einen Stau zu geraten. Selbst am Wochenende.

 

 

Sonnabend, 11.00 Uhr, Kellenhusen. Erster Gedanke: Endlich.

Endlich, endlich Frühling. Endlich wieder Ostsee.

Zweiter Gedanke: Obwohl ich noch nie hier war, kommt mir Kellenhusen sehr vertraut vor. Sieht alles aus wie in meiner Kindheit. Ich mag das in gewissen Momenten. Selbst die Seebrücke (von 2006!) erinnert an ein Schulzentrum aus den 80ern. Na, dann: let´s do the time-warp again.

 

 

11.45 Uhr, Seebrückentest beendet. Ergebnis: Kellenhusen besitzt die zweitbeste Seebrücke Schleswig-Holsteins (Platz 1 geht an Heiligenhafen, Platz 3 an Grömitz). Besonders schön sind die windgeschützten Sonnenplätze am Brückenkopf – an der Ostsee ist es deutlich kälter als in Hamburg. Im Schatten friere ich sogar (trotz Winterjacke).

V. braucht einen Kaffee. Ich Auslauf.

Wir verabreden vage ein Wiedersehen in anderthalb Stunden an der Promenade von Dahme. Zwar sind es von Seebrücke zu Seebrücke gerade einmal 6 km. Doch die will ich ja nicht runterratzen, sondern genießen.

 

Wanderweg Kellenhusen

Auf einer Wanderung von Kellenhusen nach Dahme kann man nichts falsch machen.

 

12.00 Uhr auf dem Weg von Kellenhusen nach Dahme.  Spaziergängerdichte lachhaft. Stimmung ausgezeichnet. (Alltagsbeobachtung: Wege, die sich allein durch gesunden Menschenverstand erschließen, etwa weil sie stets so nah am Wasser bleiben wie möglich, werden in Schleswig-Holstein großzügig beschildert. Wege, die man leicht verlieren kann, nicht.) Rechts rauscht die Ostsee. Linker Hand zwitschern unsichtbare Vögel um die Wette, verborgen in Knicks. Und so soll das sein.

 

Verboten

Der Weg ist hervorragend ausgeschildert

 

12.15 Uhr Dahmeshöved. Beim Leuchtturm knickt der öffentliche Weg ins Landesinnere ab. Der kleine Küstenvorsprung kurz vor Dahme befindet sich offenbar in Privatbesitz. Aus Prinzip bin ich dafür nicht besonders zu haben. Doch ich will nicht meckern. Der Moment, wenn Wind und Wellenrauschen in den Hintergrund treten, ist wunderbar friedlich. Still. Und ich höre auf zu frösteln.

 

 

Auf ewig mag ich mich jedoch nicht von der Ostsee trennen, wenn ich schon mal da bin. Der nächste (einzige) Zugang zum Strand – schräg gegenüber vom Leuchtturm – ist meiner.

 

 

12.30 Uhr am Strand der Steilküste: Ich ahne, dass alle vor mir liegenden Treppen zu Privatgrundstücken führen. Früher oder später werde ich an den Punkt gelangen, wo Weitergehen beschwerlich bis unmöglich wird. Eine gewisse kindliche Neugier gepaart mit kindischem Trotz verbietet es mir umzukehren. Das wird mit traumhaften Eindrücken und Aussichten belohnt.

 

Steilkueste Dahme

 

Warnung: Verantwortungsvolle Menschen bleiben logischerweise auf dem ausgeschilderten Weg. Sie wissen: balanciert man über nasse Wackersteine, bleibt es eine Frage des Zufalls, ob man aus der Sache mit heilen Knöcheln und/oder trockenen Füßen herauskommt. (Allerdings haben sich oben an der Straße einige Hausbesitzer verbarikadiert wie sonst nur an der „dänischen Riviera“ in Sjælland. Z.T. verstellen meterhohe Holzwände den Blick auf die Ostsee. Und hätte ich  unbedingt hohe Holzwände sehen wollen, wäre ich gleich in Hamburg geblieben.)

 

 

12.45 Uhr. Ankunft in Dahme. Erster Eindruck: Dahme scheint ähnlich aus der Zeit gefallen wie Kellenhusen – vielleicht sogar noch einen Tick schmuckloser.

 

 

Zweiter Eindruck: stimmt gar nicht. Zwar dominieren auch in Dahme Bausünden aus den 60ern, 70ern und 80ern. Aber daneben findet sich (anders als Kellenhusen) doch die eine oder andere alte Badevilla. Und es gibt sogar Anzeichen für das „neue“ Jahrtausend.

 

 

13.00 Uhr auf der Promenade in Dahme. Es geht ein bisschen lebendiger zu als in Kellenhusen. Aber nicht so lebendig, als dass mir V. nicht schon von Weitem ins Auge fallen würde. Sehr praktisch, wenn einer vorausfährt und schon mal die Lunchmöglichkeiten checkt (im „Saftladen“ gibts – ja, klar – frische Säfte (lecker) und (vegane) Suppen (auch lecker)).

 

Drachen

 

14.00 Uhr. In Dahme findet heute ein Drachenfest statt. Die Phantasiefiguren schaukeln träge in der Luft; wie eben auch ein Tag am Meer sanft dahinplätschert, wenn die Sonne prächtig scheint und der eigene Schritt ganz langsam wird (man also vom Gehen zum Promenieren umschaltet.)

 

 

Zeit vergessen. Die Sonne hat inzwischen so viel Kraft, dass ich nicht einmal einen Strandkorb brauche, um mich wohlzufühlen. Es reicht auch eine Bank. Irgendwo am Promenadenende, wo die Spaziergänger immer weniger werden, der Strand aber weiß und wunderbar bleibt.

 

 

Dass es noch eine ganze Weile so herrlich weitergeht, habe ich auf Finjas Blog Nordziele gelesen. Sie empfiehlt eine Radtour Richtung Süssau und zeigt, dass selbst zur Hochsaison die folgenden Strände alles andere als überlaufen sind. Ein großartiger Plan für den Sommer. Aber zunächst will ja der Frühling gespürt und ausgekostet werden. Und dafür eignet sich der Spaziergang von Kellenhusen nach Dahme wirklich perfekt.

 

Dahme

 

12 Kommentare

  1. Liebe Stefanie,
    ich kann Deine Entdeckung zu 100 Prozent nachvollziehen. Um diese Jahreszeit ist das eine traumhafte und entspannte Umgebung, sozusagen die Ruhe vor dem Sturm.
    Das perverse Verbarikadieren der Ferienwohnungsbesitzer habe ich auf meiner Seite bei der Beschreibung von Sierksdorf entsprechend kommentiert. Aber es überwiegt das Schöne, was man ganz ohne Geld bekommt. Menschen, die sich mit ihrem Geld zumauern, um von diesem Ort auf ihren riesigen Flachbildschirmen Reportagen über die Ostsee schauen, werden niemals so frei diese Region entdecken- denn sie haben weder Freiheit noch Weite in ihrem Herzen.

    Liebe Grüße von Kai

    • Lieber Kai – ich habe schon oft gedacht, dass es tragisch ist, zu viel Geld zu haben. Nicht, dass ich unbedingt stets und ständig auf die günstigste Art unterwegs sein will. Doch gerade die Mischung von mal ganz einfachen, mal ganz „normalen“ und ab und zu etwas Besonderem, hat uns schon so viele tolle Eindrücke beschert. Deinen Sierksdorf-Beitrag schaue ich mir jetzt mal an…. bis gleich also; an anderer Stelle 🙂 Stefanie

  2. Ja, endlich Frühling, juchu!☀️ Da wäre ich gern an Deiner Seite gewesen, nach meiner Auszeit in Shanghai wäre frische, klare Seeluft nämlich genau das Richtige gewesen. 😉 Eure Fotos sind wie immer wunderschön, besonders gefallen mir die mit den Drachen.

    Schönen Donnerstag und liebe Grüße, Martina

    • Welcome back, Martina. Du bist ja bestimmt schon halb auf dem Weg nach Dyvig (da bin ich gerade selbst erstaunt: ich kenne also tatsächlich inzwischen die Namen von Seglerhäfen auswendig 🙂 – bloggen wirkt). Ahoi!

  3. Pingback: Pinky bike on a ride - Mit dem Fahrrad zwischen Kellenhusen und Dahme • Nordziele

  4. Hallo Ihr Lieben,
    schön, dass Ihr diesen Weg auch gegangen seid und den Tag genießen konntet. Ich finde auch, dass Dahme und Kellenhusen Orte sind, die auf den zweiten Blick erst besonders sind. Als ich Bekannten sagte, ich soll was über Dahme schreiben, war die meiste Reaktion: „WARUM????“ Die Antwort darauf begegnet einem erst wenn man da ist und die Schönheit von Strand und der Natur drum herum zulässt. Toll, dass Ihr das auch erlebt habt.
    Liebe Grüße, Finja

  5. Olaf Boström sagt

    Hallo, immer wenn ich aus Schickimicki Orten wie Grömitz oder Timmendorf in mein kleines verschlafenes Dörfchen Dahme zurückkomme, fühle ich mich gut.
    Zugegeben, ich habe hier eine kleine Ferienwohnung in so einer „Bausünde“ aus den frühen 70er Jahren, sieht von außen nicht wirklich schön aus. ABER, wenn du dann auf dem Balkon sitzt mit einem traumhaften Blick auf die Promenade und die Seebrücke, über die weite Ostsee, Richtung Norden bis zum Küstenstreifen von Fehmarn, am Horizont ziehen die Fähren von und nach Travemünde ihre Bahnen, dann vergisst man die „Bausünde“ und geniesst. Hat halt, wie so vieles, zwei Seiten.
    Euren schönen und interessanten Blog verfolge ich schon seit längerem mit viel Freude. Ist inzwischen auch mein Motto, in der Nähe zu bleiben. Bin durch die christliche Seefahrt in Hamburg hängengeblieben.
    Liebe Grüsse, Olaf

    • Lieber Olaf – so eine Bausünde hat echt ihre Vorzüge; muss toll sein, eine Ferienwohnung mit Meerblick. Wir haben mal in den Arne-Jacobsen-Häuser auf Fehmarn geschlafen und fanden es fabelhaft. Genau wie im Timmendorfer Martim. Also, unterm Strich habe ich wirklich nichts gegen diese Häuser. Nur wenn´s zu viel auf einem Fleck wird, kann es leicht trostlos werden (wie z.B. auf dem Steinwarder in Heiligenhafen). In Dahme ist aber nicht der Fall!!!! Schön, dass es Dir hier auf dem Blog gefällt. Und vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde das immer klasse, wenn „Auskenner“ sich melden. Ist auch für die anderen Blogleser dann echt interessant, denke ich. Liebe Grüße, Stefanie

    • Fand ich auch so toll. (Es gab auch Seepferdchen, Hunde, Mäuse, Katzen, Pinguine, Hexen, Marienkäfer und jede Menge Fabelwesen). Hätte ich nicht gedacht, aber das kann schon schön sein, sich mal anzusehen. Ich glaube, wir fanden es besser als die Kinder (die waren alle bei der „Bonbonfähre“).

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.