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St. Peter-Ording für Newbies (alle Wetter, Strände, Pfahlbauten)

St. Peter-Ording

Als ich letzte Woche für drei Tage mit drei Frauen in St. Peter-Ording war, habe ich mich natürlich weniger auf mögliche Bloginhalte konzentriert als auf die Frauen. Ich glaubte auch nicht, viel Neues mitbringen zu können; denn über SPO haben wir schon mehrmals berichtet. Als Hamburger bildet man sich ja gern ein, die Nordsee läge ums Eck, so dass man regelmäßig hinfährt. Allerdings machen wir das nur bei stabiler Wetterlage. Und das war letzte Woche anders.

Weil der Sommer derzeit etwas ruckelt, hatte ich zuvor das Netz nach Tipps für Regenwetter in SPO befragt. Und war erstaunt, als ich auf Sandras Blog Wortkonfetti einen entsprechenden Beitrag fand.

 

Nordseestrand

07.00 Uhr. SPO Bad. Es ist windstill und warm. Die Frisur sitzt.

 

Nicht, dass es grundsätzlich seltsam wäre, bei Sandra zu landen, wenn man was über die Nordsee wissen möchte. Im Gegenteil; wäre die Bremerin nicht schon mit Mann und Maus versorgt, würde sie die Nordsee vermutlich entweder heiraten oder adoptieren. Aber was mich ein paar Gedankengänge lang verblüffte: Sandras erster Besuch in St. Peter-Ording ist noch gar nicht so lange her. Nach ein, zwei Minuten fiel mir auf, wie unsinnig meine Verblüffung über Sandras frische Freundschaft mit St. Peter-Ording ist.

Es passiert mir immer wieder: Wenn ich etwas gut kenne, denke ich, alle anderen kennen es auch. Das ist natürlich nicht so. Also mal von Anfang an das Wichtigste über St. Peter-Ording für Leute, die noch nie da waren. Als da wären: Wetter, Strände, Pfahlbauten.

 

Was ist Was: St. Peter-Ording

 

St. Peter-Ording liegt in Nordfriesland; genauer auf der Halbinsel Eiderstedt. Hier befinden sich die einzigen Sandstrände der Nordseeküste von Schleswig-Holstein. Und was für welche!

 

Boje

 

Eigentlich sind es Sandbänke, geschaffen von der Nordsee. Wenn Sandbänke so weit über dem mittleren Tidehochwasser liegen, dass sie höchstens noch bei Sturmfluten überspült werden, spricht man von Hochsänden.

Und der Wind bringt neuen Sand und die Sandbänke wachsen zu Stränden und der Wind bringt neuen Sand und erste Pflanzen siedeln sich an und der Wind bringt neuen Sand und die Strände wachsen zu Dünenlandschaften.

 

Duene

 

So ist der Strand von St. Peter-Ording geworden, was er heute ist: 12 km lang und bis zu 2 km breit. Der Ort selbst hat beinahe die gleichen Ausmaße. Und das sieht etwa so aus:

 

 

Bzw in der Kartenansicht so:

 

Karte Eiderstedt

 

Ording, Bad, Dorf, Boehl: An allen Stränden finden sich die typischen Pfahlbauten. Meistens sind es 3: Badeaufsicht, sanitäre Anlagen, Restaurant (ursprünglich Giftbude; plattdeutsch für: dor gift dat watt. Nämlich Schnaps.)

 

Pfahlbauten SPO

 

In der Mitte liegt das Zentrum: St. Peter-Ording Bad

 

Als touristisches Zentrum könnte man St. Peter-Ording Bad sehen. Bad muss früher mal wirklich schön gewesen sein, doch seit den 60ern bekleckern sich die Architekten hier nicht gerade mit Ruhm – und gedenken auch nicht, das zukünftig zu ändern. Wenn man öfter in SPO ist, nimmt man das einfach so hin. Grinst höchstens mal drüber. Aber ich könnte mir vorstellen, dass der erste Eindruck für Ästheten ziemlich schockierend ist.

 

Seebruecke SPO

 

Allerdings ist die Hauptsache an SPO ja der Strand. Und dem Strand kann man Gott sei Dank wenig anhaben. Man erreicht ihn über eine Seebrücke – die gar keine Seebrücke ist sondern ein Steg durch die Salzwiesen.

 

Salzwiesen

 

Der Gesang der Lerchen in den Salzwiesen, das ist so ist ein ganz typisches St. Peter-Ording-Geräusch. Die Salzwiesen werden nicht beweidet und überfluten nur noch sehr, sehr selten. Daher haben sich Amphibien angesiedelt, die normalerweise nichts mit der Nordsee am Hut haben. An ihrem Ende laufen die Wiesen in Dünen aus und gehen in den Strand über.

 

St. Peter-Ording

 

Die Seebrücke ist über 1.000 Meter lang. Hat man die hinter sich gebracht, ist man noch immer weit vom Wasser entfernt. Insofern ist St. Peter-Ording der ideale Urlaubsort für alle, die sich schon lange mal ein bisschen mehr bewegen wollten.

 

Strandgym

 

Schwer zu fassen: trotz der gewaltigen Entfernung ist das Pfahlbauten-Restaurant von Bad, das Restaurant Arche Noah, schneller zu erreichen, als die Restaurants der anderen Strände.

 

 

Mittags in St. Peter-Ording. Das Wetter zeigt sich veränderlich. Und was das gastronmische Angebot und den Service im Arche Noah angeht, sag ich´s mal so: Beschränkt man sich auf ein Getränk im Selbstbedienungsbereich, kann man nicht viel falsch machen.

 

Arche Noah

 

Wenn man was Leckeres essen will, geht man einen Strand weiter (egal in welche Richtung).

Ein guter Aufhänger, um meinen letzten Beitrag zu ergänzen. Ich schrieb vor einigen Tagen, es sei unmöglich, ein Reiseziel zu finden, dass meine kleine Tante (passionierte Köchin) genauso glücklich machen würde wie mich (passionierte Spaziergängerin).  Aber das stimmt gar nicht.

In St. Peter-Ording muss man nämlich grundsätzlich spazierengehen, bevor man etwas zu essen bekommt. Und zwar weit. Klarer Fall von WIN-WIN. Kann schon mal passieren, dass man in Bad bei sommerlichem Klima losstiefelt und Ording im Herbst erreicht.

Ording

54 Grad Nord: Am Horizont die Pfahlbauten von Ording

 

Surfer, Kiter, Groupies: Ording

 

Die Strandbar 54 Grad Nord  am Strand von Ording liegt näher am Wasser als alle anderen Restaurants. Bei Flut sogar im Wasser. Kiter und Surfer treiben sich direkt vor der Nase herum, so dass man da Stunden sitzen könnte. Oder auf Liegen liegen. Die Karte vom 54 Grad Nord unterscheidet sich gar nicht so großartig von der Karte im Arche Noah. Küche und Ambiente aber um Längen. (Ich würde es nicht so absolut schreiben, wenn ich nicht mit drei Küchenfeen unterwegs gewesen wäre, deren Urteil ich mehr traue, als meinem eigenen.)

 

 

Ording hat als einziger Strand noch ein zweites Restaurant: die Silbermöwe. Sie ist die rustikalste (also ursprünglichste) Location unter den Pfahlbauten. Manche erinnern sich vielleicht noch an sie aus der Serie „Gegen den Wind“. Außerdem gibts noch eine kleine Bar im Wassersportcenter X-H2O. Dort ist man ziemlich entspannt – es ist ausdrücklich ok, mit eigenen Getränken zum Chill-Out anzutanzen.

 

Das Keitum von St. Peter-Ording: Ortsteil Dorf

 

Friesenkaten, rosenumrankt, Styler-Shops und schnuckelige Gastro. Im Dorf wirds schicker und schicker, so dass man befürchten muss, es könnte bald etwas Kulissenhaftes bekommen. Noch gehts und sowieso bleibt dies der schönste Ortsteil von St. Peter-Ording.

 

Salzwiesen

Ganz dahinten am Ende der Welt: Axels Strandhuette

 

Quasi als ausgleichende Gerechtigkeit gibt´s im Dorf keinen richtigen Strand. Am Ende der Salzwiesen wartet das Watt. Und Axels Strandhütte. Beides ist ziemlich großartig. Von Bad kann man ganz toll auf Trampelpfaden durch die Salzwiesen laufen. Bei verändlicherlichem Wetter nimmt man vielleicht lieber den Bus, damit man nicht (wie wir) auf halber Strecke von einem Irrsinnsregen überrascht wird.

Axels Strandhütte hat die spannendste Küche von allen Strandrestaurants. Abends allerdings sehr hochpreisig; also eher was für besondere Anlässe. Die Mittagskarte geht auch alltags in Ordnung.

 

Seekiste

 

Das Beste zum Schluss am Strand von Böhl

 

Böhl liegt im Süden; ein bisschen ab vom Schuss und bietet außer dem Leuchtturm nicht viel Charmantes. Aaaaber es gibt einen wunderbaren Strand und das beste Pfahlbauten-Restaurant von allen.

Die Seekiste sieht innen aus wie vor 50 Jahren. Ich vermute, seitdem konzentriert (und perfektioniert) man sich in der Seekiste auf die immer gleichen Klassiker. Vor allem Fisch, Labskaus, Sauerfleisch und (wenn die Fangquoten es zulassen) Krabben. Wenn man nur einen Pfahlbauten-Restaurant-Besuch einplant, dann unbedingt die Seekiste!

 

Sonnenuntergang

 

In St.-Peter Ording sollte man übrigens nicht zu spät essen gehen. Die Seekiste etwa schließt um 22.00 Uhr und ist damit schon eins der Restaurants, das lang geöffnet hat. Sollte man ja nicht glauben im Seebad mit den höchsten Übernachtungszahlen von ganz Schleswig-Holstein. Aber so ist es. Und danach geht fast gar nichts mehr.

Was trinken können Sie jetzt nur noch im „Schnorpicon“, erzählte uns die Taxifahrerin, „oder bei Omi.“

Das ist allerdings was für Insider. Davon ein anderes Mal mehr in St. Peter-Ording für Fortgeschrittene.

 

10 Kommentare

  1. Was für liebe Worte – ich freue mich sehr über die Erwähnung.

    Und wann immer mich in Zukunft jemand zu SPO befragt, werde ich ihm den Link zu diesem ausführlichen Artikel senden. Eine ganz tolle Einführung!

    • Freut mich, Sandra. Und worüber ich mich sehr amüsiert habe, ist Deine Regenjacke. Meine Tante (wohnt in der Nähe von Bremen) hatte nämlich keine dabei – und hat sich zufällig die gleiche geholt. Vermutlich im gleichen Laden. Also wenn Du mal eine hübsche, schmale Blonde mit dunkelblauer Derbe-Jacke (außer Dir) in Bremen siehst, könnte es Verena sein :-). Liebe Grüße, Stefanie

  2. Hej Stefanie, ich kann es einfach nicht lassen, Dich immer wieder für Deine wunderschönen Fotos zu loben – auch wenn es vielleicht langsam langweilig wird.

    Klasse fand ich auch Deine Beschreibung des gastronomischen Angebots / dem Service im Arche Noah, so herrlich!

    Der Sommer ruckelt übrigens auch gerade in Dänemark: Heute ist richtig Schietwetter hier in Svendborg ☔️, und morgen werden wir wohl einwehen. Es kann nur besser werden.

    Liebe Grüße von der elbkind-Crew! ⛵️

    • Oh man, auf dem Boot ist das Wetter ja bestimmt nicht so gut auszuhalten… Ich drück die Daumen für einen Überraschungs-Hochsommer! Liebe Grüße ins Lieblingsland, Stefanie

  3. auch ich wiederhole mich hier ständig mit Lob für die außergewöhnlich schönen Fotos und die so liebevoll geschriebenen und dabei sehr informativen Beiträge!

    Stefanie: du, Volko und euer Blog = ihr seid einfach SPITZE!

  4. Moin Stefanie. Darf ich mich den Wiederholungen anschließen? Ein SPO Einführungskurs mit super schönen Bildern und klasse Beschreibungen!

    Hattest Du nicht auch mal einen Einführungskurs über Stand-Up Paddeling gepostet? Wenn ja, kann ich den Link haben?
    Liebe Grüße aus „auf der Karte links neben dem Schaf“, Ulrike

  5. Britta sagt

    Wunderschöne Bilder, leider ist mein Anlass sie gefunden zu haben, sehr traurig.ich habe meinen Lebensgefährten verloren und ich möchte eine sehr persönliche Danksagung schreiben. Dafür würde ich gerne das Foto mit dem Steg zum Strand nutzen. Wir sind diesen Steg soll viele Male gegangen. Wäre dies möglich?

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