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Inselhopping für Microabenteurer: Best of Nordfriesische Inseln

Echtes Inselhopping ist in Deutschland nur an der Westküste Schleswig-Holsteins möglich, wo vier Nordfriesische Inseln, zehn Halligen sowie einige Nachbar-Eilande erobert werden wollen.

Anders als die großen Ostseeinseln sind die Nordseeinseln nicht mit dem Auto zu erreichen. Den Ostfriesischen Inseln wiederum haben sie voraus, dass zwischen ihnen Fähren pendeln.

Nur in Nordfriesland kann man also von einer Insel zur anderen hüpfen, ohne je das Festland zu betreten und gleichzeitig das wunderbare Gefühl erleben, zeitweise vom „normalen Leben“ abgeschnitten zu sein.

Wer abends die letzte Fähre (bzw. den letzten Zug auf Sylt) verpasst, kommt nicht mehr runter vom Paradies. Es kommt auch keiner mehr rauf. Die nordfriesischen Inseln sind ein exklusives (wenn auch nicht zwingend teures) Vergnügen.

 

Inselhopping Nordfriesische Inseln – die Basics

 

Inselhopping auf den Nordfriesischen Inseln ist nur im Sommerhalbjahr möglich und nicht mit dem Auto. Am besten läuft es mit dem Rad. Wer kein eigenes besitzt, findet in jedem Inselhafen einen Fahrradverleih. Um Unterkünfte sollte man sich frühzeitig kümmern. Sogar auf Campingplätzen kann in der Hochsaison – etwa in Kampen – kein Zelt mehr spontan untergebracht werden. Die besten Reisezeiten sind Mai – früher Juni bzw. später September  – Oktober (damit möglichst wenig Bundesländer Ferien haben). Bei der Reisedauer gilt als Faustregel :

  1. man erfasst den Charakter einer Insel erst, wenn man einmal über Nacht geblieben ist und
  2. man kann gar nicht lange genug auf einer Insel bleiben.

Selbst wer nur die aller-, aller-, allerwichtigsten Highlights einplant, benötigt mindestens 8 Tage. (Wer einige Highlights schon kennt, könnte den folgenden Tourenvorschlag im Prinzip um die jeweiligen Stunden/ Tage abkürzen – will es vermutlich aber gar nicht.)  Wem 10 – 14 Tage zur Verfügung stehen, ist fein raus. Dann bleibt Raum für eine Verlängerungsnacht am Lieblingsplatz, Luft für Regentage oder abenteuerliche Exkurse (dazu mehr am Ende des Beitrags). Und nun aber genug gesabbelt. Es geht los:

 

Tag 1: Runterkommen auf Nordstrand

 

Inseln und Hektik vertragen sich nicht. Darum ist für den ersten Tag nichts Weiteres geplant, als die beste Startposition zu erreichen. Es geht mit dem Zug nach Husum und dann auf die Halbinsel Nordstrand. Es ist der einzige Tag an dem diejenigen, die ohne Rad anreisen, etwas im Nachteil sind, denn die müssen ab Husum den Bus nehmen. Radfahrer dürfen selber über den 5 km langen Damm strampeln, der die ehemalige Insel mit dem Festland verbindet.

 

Oben Nordstrand

 

Auf Inseln ist fast alles auf die ein oder andere Art begrenzt und daher wunderbar einfach. Am allereinfachsten ist die Orientierung auf Nordstrand, wo die Inselorte Norden, Süden, Westen und Oben heißen. Verkehrt machen kann man da wenig. Aus dem gut durchdachten Namenskonzept fallen nur England und Strucklahnungshörn heraus. Letzeres ist der Hafen, von dem es morgen weitergehen wird. Für den heutigen Tag gibt es hier mehr Infos zu Nordstrand. Wobei die 2 wirklich wichtigen TOPs auf der Liste lauten: Aufatmen. Und Durchatmen.

 

Tag 2: Radtour rund um Pellworm

 

Wichtiger als die erste Fähre nach Pellworm zu erwischen ist, sich nicht zu stressen. Aber nur zur Sicherheit sei erwähnt: es ist um jede Stunde schade, die man nicht auf Pellworm verbringt.  Interessanterweise ist das vielen Leuten gar nicht klar. Pellworm steht im Schatten der anderen Inseln, weil Pellworm keinen Sandstrand besitzt. Und weil das so ist, geht es auf Pellworm ruhiger zu. Viel ruhiger. Unfassbar wunderbar ruhiger.

 

Hundestrand Pellworm

 

Für Radfahrer ist Pellworm großartig. Die Insel ist ein beinahe runder, kleiner Smaragd und kann an der Außenkante umfahren werden. Super Sache. Bei der großen Runde mit dem Rad kommt man auf etwa 27 km. Also genau richtig für einen entspannten Tag am Meer mit Pausen zum Baden, Einkehren, aufs Wasser gucken und Abstecher ins verschwenderisch grüne und natürliche Inselinnere.

 

Tag 3:  2 Tage Strandvergnügen auf Amrum

 

Pellworm ist das Nadelöhr für Inselhopper. Nur einmal in der Woche – freitags um 09.30 Uhr – sticht der Adler Express in See Richtung Amrum. (Man kann auch schummeln und zurück nach Nordstrand gondeln, dort geht es zwischen März und November 2 mal pro Tag weiter. Es ist dann strenggenommen kein Inselhopping mehr; aber man muss es ja niemandem verraten.) Vielen gilt Amrum als schönste Nordfriesin, denn die Kleinste ist die Strandkönigin. Amrum besteht zur Hälfte aus Sand. Und Dünen. Und Seevogelgeschrei. Und Wellen. Und Wind.

 

Amrum

 

Apropos Hälfte: Als Dreh- und Angelpunkt bietet sich Nebel an, das süßeste Friesendorf von allen. Es liegt etwa mittig und läßt auch gastronomisch keine Wünsche offen. So kann am ersten Tag der Inselsüden zwischen dem Fähranleger in Wittdün und Nebel in aller Ausführlichkeit erforscht werden – und am zweiten Tag der Inselnorden. Unbedingt gehört dann die Umrundung der Amrum Odde dazu. Von dort ist das nächste Highlight schon gut zu erkennen. Es liegt auf der Nachbarinsel Föhr.

 

Tag 5: Auf der Traumstraße zum Traumblick von Föhr

 

Föhr wird auch friesische Karibik genannt, was sich vor allem an der Schokoladenseite der Insel festmacht. Der einzige Strand von Föhr zieht sich über 15 km von der Inselhauptstadt Wyk nach Utersum. Praktischerweise verläuft parallel die Traumstraße, auf der Radfahrer durch das Vorzeigedorf Nieblum und am Goting Kliff vorbei zu dem Punkt trudeln können, den sie am Vortag schon von Amrum aus gesehen haben.

 

3 Insel-Blick Foehr. Links Amrum. Rechts Sylt.

 

Ob man für die Nacht in Utersum bleibt, um den Sonnenuntergang zu zelebrieren oder lieber in Wyk Quartier nimmt, wo noch ein Swutsch drin wäre, ist eine Typfrage. In jedem Fall aber sollte man sich am nächsten Tag nach Alkersum aufmachen, um das beste Museum Nordfrieslands zu besuchen. Im Museum Kunst der Westküste dreht sich alles ums Meer (zwischen Bergen in den Niederlanden und Bergen in Norwegen).

 

 

Für den Museumsbesuch sind 2 – 3 Stunden ausreichend. Danach geht es enstpannt zur Fähre. Wirklich, es reicht, wenn man nachmittags nach Sylt aufbricht.

 

Tag 6: Morgens Karibik – abends Sansibar

 

Es gibt ne Menge Vorurteile über Sylt und das Witzige ist: sie stimmen einerseits alle und andererseits stimmen sie kein Stück. Unterm Strich ist Sylt aber vor allem einer der fabelhaftesten Flecken Deutschlands. Hörnum im Inselsüden fasst die Lage zusammen: traumhafte Strände und gewaltige Dünen, Schicki-Micki-Publikum und Gummistiefelgemeinde, Surferspots und Spitzengastronomie. Und alles ist immer ausgebucht. Wer etwa in der bekannten Sansibar dinieren möchte, muss in der Hochsaison weit im Voraus reservieren. Das gilt im Sommer für alle guten Restaurants. Da sind Insider fein raus, denn die wissen, dass ein Picknick an der Hörnum-Odde ebenso exquisit ist wie ein Dinner beim Sternekoch.

 

Tag 7: Von Hörnum über Rantum, Morsum, Keitum nach Kampen

 

Heute werden Kilometer gemacht. Knapp 50. Sylt ist groß und vielfältig. Vom Südzipfel, der zwischen Hörnum und Rantum im Grunde nur aus Dünen besteht, geht es über das herrliche Rantumbecken in den Inselosten zum Morsumkliff. Der Rundweg lohnt sich; ist aber nur zu Fuß machbar. Keitum – das unter Sylturlaubern aufgrund der Kapitänshäuser unter Reet als besonders reizvoll gilt – wird Inselhopper weniger aus den Latschen hauen (weil sie schon Nebel auf Amrum und Nieblum auf Föhr gesehen haben, die m.E. niedlicheren Friesendörfer). Aber nur eine Bucht weiter folgt die wunderschöne Braderuper Heide. Und dann kommt Kampen.

 

Rotes Kliff

 

Kampen ist viel, viel, viel schöner als sein Ruf. Klar, da gibt es schon ein paar unerträgliche Personen. Aber die sind ja so klein im Gegensatz zur überwältigenden Natur; fallen also gar nicht weiter ins Gewicht. Und wenn man es mit Humor nimmt, ist sogar das Nachtleben empfehlenswert.

 

Tag 8: Das Beste kommt zum Schluss – das Listland

 

Deutschland endet in einem wahren Naturwunder. Der Ellenbogen von List ist der nördlichste Punkt des Landes und wer sich für nordische Landschaften begeistern kann, kriegt sich hier gar nicht mehr ein. Die Umrundung kann variabel gestaltet werden, zwischen 20 km und 5 km – je nachdem, wo man einsteigt. Die beste Variante ist etwa 15 km lang.

 

Sylter Koenigshafen

 

Wer Verlängerungstage einrichten kann, in List wär´s nicht schlecht sie zu verbringen. (Nur für den Fall verlinke ich 20 Dinge, die man in List machen kann.) Andererseits sind zwar die Nordfriesischen Inseln nun bereist – aber es fehlen noch ein paar Abstecher, die eigentlich dazugehören, um die Sache rund zu machen. (Mehr dazu weiter unten).

 

Tag 9: Tschüß Nordfriesische Inseln

 

Westerland ist kein Highlight, liegt aber nun mal auf dem Nachhauseweg. Da kann man vor der Abreise schnell noch mal die scheußliche Friedrichstraße hocheiern, um sich vom super-duper Strand zu verabschieden. Und vom Leben als Inselhopper, denn ab Westerland geht es zurück mit dem Zug. Wenn der auf den Hindenburgdamm rollt, steht auch der Abschied von den Nordfriesischen Inseln an. Es ist wahrscheinlich, dass es kein Abschied für ewig wird.

 

Abstecher: Hallig-, Hochsee- und Hej-Hopping

 

Wie aufregend und einzigartig Urlaub in Deutschland sein kann, wird einem erst bewusst, wenn man sich auf die Reise macht. Oder bei Bloggern nachliest. Folgende Abstecher wecken bei mir persönlich besonderes Fernweh:

 

Von Amrum nach Langeneß: Obwohl Sabine es mir nicht glaubt (;-)), habe ich noch nie auf einer Hallig übernachtet. Dass es sich maximal lohnt, könnt Ihr auf Sabines Blog das blaue Gnu nachlesen. Ein Damm verbindet die kleinere Hallig Oland mit Langeneß. So kommt man zu 2 Marschinseln zum Preis von 1.

 

Hallig Hooge

 

Von Pellworm nach Japsand: Besser als der Blick von Pellworm nach Hooge sind nur noch die Bilder von Helmut. In seinen Fotos kann man sich grundsätzlich verlieren. Einer meiner liebsten Beiträge auf seinem Blog Halligbilder, ist der Ausflug zum Japsand, einem der drei großen Außensände Nordfrieslands.

 

 

Von Hörnum nach Helgoland: Nicht mal zwei Stunden braucht der Adler-Katamaran von Sylt auf Deutschlands einzige Hochseeinsel. Trotzdem ist ein Tagesausflug nicht die beste Idee. Unbedingt eine Nacht einplanen! Sonst verpasst man Helgolands beste Stunden.

 

 

Von List nach Dänemark: Wer wissen will, wo all der Sand abgeblieben ist, der auf Sylt Jahr für Jahr verschwindet, nimmt die Fähre nach Rømø. Dort wird der Strand immer breiter. Unfassbare 40 Quadratkilometer aktuell. Das Fahrrad muss also unbedingt mit – oder auf Rømø ausgeliehen werden. Einen Schlafplatz braucht man aber nicht unbedingt in Dänemark. Das kann man sich für den nächsten Urlaub aufheben. Wenn man die dänischen Wattenmeerinseln bereist.

 

12 Kommentare

  1. So eine tolle Route und so liebevoll zusammengestellt, liebe Stefanie! Hätte ich nicht schon anderweitige Pläne fürs Frühjahr, nichts könnte mich vom Inselhoppen abhalten.

  2. Was für ein rundum schöner Bericht, liebe Stefanie. Die traumhaften Fotos schon wieder, und dann die tollen Tipps… Da möchte man wirklich sofort loshoppen. 🙃

    Schönen Sonntag, trotz Sturm und Eiseskälte. Wir denken uns einfach den Frühling. 🌷☀️
    Martina

    • Danke für die Blumen, Martina. Kann man gut gebrauchen zur Überbrückund – obwohl ich da heute eine leise Ahnung von Frühling verspürt habe…

  3. Noch nirgends habe ich so eine passende Beschreibung zu Sylt gefunden wie bei dir, du triffst damit ja sowas von den Nagel auf den Kopf. Und wieder hatte ich ganz viel Spaß, den Text zu lesen, deine trocken-treffende Art des Schreibens ist einfach herrlich. Halligen habe ich ja auch für mich entdeckt – nach Japsand werde ich mich bestimmt mal aufmachen, zuerst mal virtuell mit dem schönen Tipp von dir. Ich fand ja Nordstrandischmoor toll (du erinnerst dich? Auf meinem Blog?) und Hallig Hooge, aber Nordstrandischmoor war klarer Favorit. Nordstrand konnte ich nicht so viel abgewinnen, aber die Ortsnamen dort sind richtig gut, so nordisch eben, treffend, klar, ohne viel Schnickschnack.
    Viele Grüße

    • Liebe Andrea, vielen Dank für diesen netten Kommentar. Vielleicht hatte Nordstrand ein bisschen mit dem Wetter, als Du da warst. Wenn die Sonne scheint, ist es dort traumhaft. Ruhig. Und irgendwie echt. Außerdem hat man ja Nordstrandischmoor im Blick! Da war ich noch nie; würde ich aber sehr gern mal hin. Dann guck ich auch noch mal nach Deinem Beitrag. Mir ist am meisten der vom Schiff in Erinnerung geblieben. Als Du unverhofft mit einem Mann ein spannendes Gespräch hattest. Aber ich glaube, das war auf dem Weg nach Hooge?! Liebe Grüße, Stefanie

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