Allgemein, Inseln, Neulich im Norden, Norddeutschland, Nordsee, Schleswig-Holstein
Kommentare 13

Allein unter Insulanern: Amrum im Winter

Amrum im Winter

Insel-Trilogie Teil 3; heute mal mit harten Fakten für einen Trip nach Amrum im Winter. Euren Kommentaren zu den ersten beiden Amrum-Beiträgen habe ich entnommen, dass ich längst nicht die Einzige bin, die schon ewig mal nach Amrum wollte. Und das ist zu Recht so. Die kleinste nordfriesische Insel lohnt sich maximal. Im Winter bloß eben nicht für jede/n.

 

Amrum im Winter – für wen ist das was?

 

Optimal scheint mir die Winterreise für Paare (die sich gut verstehen). Oder für krasse Einzelgänger (solche, die nichts dagegen haben, wenn sie mal ein paar Tage mit keiner Menschenseele sprechen – denn das kann geschehen). Und schließlich mag es auch noch mit guten Freunden schön sein (jedoch nur wenn man nicht davon träumt, in sonnigen Strandkörben Prosecco zu trinken. Solch ein Spirenzchen is nich auf Amrum im Winter.) Im Winter ist Ruhe im Karton. Und falls man genau das sucht – ist man genau richtig.

 

Unterkommen: Hauptsache Nebel

 

Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Sämtliche Buchungsportale sind total schwach auf der Brust, was norddeutsche Inseln betrifft. Eine Ausnahme bilden Usedom und Rügen. Für alle anderen Inseln gilt als Faustregel: am besten wird man auf den inseleigenen Seiten fündig. Hier also www.amrum.de. (Unser Appartement im  Haus Palstek mag ich gern weiterempfehlen. Die kleinste der drei Ferienwohnungen besitzt ein schönes Gimmick; eine Doppeldusche – in der zwei Erwachsene gleichzeitig duschen können, ohne das einer friert! Feine Sache, wenn man durchnässt nachhause kommt.)

 

 

Nebel ist das hübscheste Inseldorf von allen (nicht nur von Amrum, würde ich sagen – sondern von allen nordfriesischen Inseln – also auch hübscher als Nieblum auf Föhr oder Keitum auf Sylt, was ja schon einiges heißen will). Man hört immer mal, Nebel sei bereits ähnlich ausverkauft wie Kampen. Daher hatte ich mir das Vorzeige-Friesen-Dörfchen anders vorgestellt. Größer zum Beispiel. Ich hatte nicht erwartet, dass es so gut wie komplett aus alten reetgedeckten Katen besteht (wovon es in Kampen ja fast keine mehr gibt). Ich hatte gedacht, die Straßen wären asphaltiert. Und ich wäre nie darauf gekommen, dass deutlich mehr Fasane auf den sandigen oder kopfsteingepflasterten Wegen spazieren als Menschen. (Überhaupt ist Amrum der Hot-Spot aller Fasane).

 

 

Nebel liegt an der Wattseite. Was wiederum auf einer kleinen Insel bedeutet, dass die Brandungsseite nicht weit ist. Je nach Ausgangspunkt stößt man nach 1,5 bis maximal 2 km auf das, was Amrum so besonders macht: den Kniepsand, eine 15 km lange und 1,5 km breite Sandbank, die der Westseite der Insel vorgelagert ist und seltsamerweise offiziell nicht zu Amrum gehört.

 

Nordsee

 

Um den Kniepsand von Nebel zu erreichen, muss man zunächst durch den Waldgürtel, der sich beinahe auf Insellänge von Norden nach Süden zieht und Amrum zur waldreichsten nordfriesischen Insel macht. Und dann geht es weiter über Dünen, Dünen, Dünen und Dünen. Genau die richtige Gegend für Leute, die gerne eine Stunde oder zwei spazierengehen, bevor der Bäcker öffnet; so wie ich. Und sonst nur noch der Mann, der allmorgendlich mit einem Mini-Bagger die Sandverwehung zur Seite schiebt – ein wunderbarer Job, der niemals endet.

 

Duenensee

 

Was Insel-Erstbesucher nach dem Frühstück machen, ist auch nicht schwierig zu entscheiden. Am ersten Tag wandert man nach Wittdün und umrundet dabei den Inselsüden. Und am zweiten nach Norddorf für die Nordspitze. Oder anders herum. Danach hat man die ganze Insel gesehen. (Damit wäre dann auch gleich schon die Mindestdauer klar. Man braucht mindestens je einen Urlaubstag für die recht aufwändige An- und Abreise und 2 auf der Insel selbst).

 

Ein Kurztrip nach Amrum braucht mindestens 4 Tage

 

Nebel liegt hübsch mittig, so dass die Wanderungen zur Süd- oder Nordspitze etwa gleich lang sein können. Das Ganze ist aber größeren Variationen unterworfen – je nachdem ob man direkt am Strand spaziert, im Zick-Zack durch die Wahnsinndünen mäandert oder auf dem Waldweg bleibt. Bei beiden Rundtouren könnte man so zwischen 12 und 20 km auf dem Schrittzähler haben.

 

 

Regnet es, bietet der Waldweg bis zu einem gewissen Grad Schutz. Aber eben nur bis zu einem gewissen Grad, wie wir auf unserer Tour nach Wittdün feststellten. Als wir einen heftigen Regenguss im Häuschen einer Bushaltestelle abwarteten, fühlten wir uns exakt so, wie die Leute, die wir auf Höhe der Vogelkoje auf Sylt schon so oft bedauert haben, wenn wir bei Regen im Auto an ihnen vorbeidüsten.

 

Wittduen

Auch das will erwähnt werden: Wittdün ist keine Perle der Architektur

 

Irgendwie ist man in Urlaubsorten, die man in- und auswendig kennt, zimperlicher. Ich jedenfalls. Da verschiebe ich gewisse Wanderungen schon mal auf den St. Nimmerleinstag, wenn das Wetter nicht mitspielt. An unbekannten Orten jedoch – gerade wenn die Zeit knapp bemessen ist – will ich bei jedem Wetter los. Weil ich alles, alles sehen will. Und das ist noch so ein Grund, warum es sich lohnt, immer wieder eine neue Insel ins Programm zu nehmen. Es ist toll, sich mal den Elementen auszusetzen.

 

Wattseite Nebel

 

Der Rückweg am Watt scheint zunächst weniger spektakulär als die Strandwanderung, hat aber einen ganz eigenen Reiz – und so eine wunderschöne Stille. Man kommt auch schneller voran. Wasserdichte Schuhe sind in regenreichen Phasen jedoch unabdingbar. (Aber das versteht sich im Winter auf Nordseeinseln ja eigentlich von selbst.)

 

Essen & Trinken auf Amrum im Winter

 

In Wittdün hat im Winter zwischen 12.00 Uhr und 15.00 Uhr der Supermarkt geöffnet – und ansonsten: nichts. In Norddorf ist es etwas besser. Auf dem Rückweg von Wittdün nach Nebel könnte man Glück haben, unterweges einen Kaffee zu ergattern. Aber nicht jeden Tag. Von Norddorf kommend, liegt gleich überhaupt gar nichts auf dem Weg. Aber egal. In Nebel wartet immer was Schönes.

 

Wintersonne

 

Im Café Dörnsk an Köögem ist es warm und wunderbar und duftet süß. Die Musik klingt nach Schellack – die Wirtin singt im Duett mit Heinz Rühmann und Hans Albers. Und obwohl ich eigentlich gar keinen Kuchen esse, hätte ich mich in ihren Apfelkuchen mit Walnüssen hineinlegen können.

Von der singenden Wirtin haben wir erfahren, dass die Gastronomen sich im Winter immer so ein bisschen absprechen, damit jedenfalls ein Café täglich geöffnet hat – und ein Restaurant. Mein Fotograf V., der anders als ich schon häufiger auf Amrum gewesen ist, war zunächst untröstlich, dass es sich dabei nicht um die Seekiste handelte. Allerdings hat sich sein Kummer im Preesters Hüs schnell gelegt.

 

 

Der Küchenchef im Preester´s Hüs kocht manches mit Sahne oder guter Butter und bindet Saucen mit Mehl. So steht es in der Speisenkarte – und auch, dass er auf etwaige Gluten- oder Lactose-Intoleranz oder Extrawürste leider aus Zeitgründen keine Rücksicht nehmen kann. Er bittet, die Gerichte so zu verspeisen, wie er sie zusammengestellt hat. Und das gefällt mir sehr. (Sahne, gute Butter und Mehl kommen übrigens nur sparsam zum Einsatz; also nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht.) 

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man nach dem Essen gleich für den nächsten Abend wieder einen Tisch bestellt, wie es beinahe alle an den Nebentischen auch tun. Beim zweiten Besuch begrüßt die mehr als aufmerksame Dame (des Hauses oder vom Service; das ist mir verborgen geblieben) die Gäste dann auch schon mit Namen und hat alle Getränkewünsche drauf. Und irgendwie scheint mir das sinnbildlich für ganz Amrum:

 

Auf Amrum wird man zum Wiederholungstäter

 

Selbst Reiseblogger kommen wieder und wieder und wieder. Ich hoffentlich auch. Sogar eine Lieblingsreisezeit habe ich mir schon ausgemalt – und damit Ihr das auch machen könnt, habe ich Euch mal ein bisschen was zum Weiterlesen rausgesucht:

 

Amrum im Frühling findet Ihr auf Elkes Meerblog.

Nikes Herz tanzt im (Spät)sommer auf Amrum.

Und bei Meerart zeigt sich Amrum im Herbst.

 

13 Kommentare

  1. Moin ihr Zwei,

    schöne Eindrücke habt ihr von unserer Lieblings-Nordsee-Insel mitgebracht. Amrum ist wirklich etwas für Genießer, die Insel will erobert werden. Nicht umsonst braucht man für sie am längsten mit der Anreise. Übrigens auch im Sommer genial, da niemals überlaufen.
    Und der Kuchen und die Waffeln im Café Dörnsk an Köögem sind der Knaller.

    Ganz liebe Grüße,
    Claudia

    PS: Vielen Dank für die Erwähnung. 🙂

  2. Karin Vietheer sagt

    Liebe Claudia,

    wunderschöne Bilder von meiner Lieblingsinsel. Fast jeder Anblick ist mir vertraut. Ich war schon viel zu lange nicht mehr da.
    Vielen Dank auch für den Hinweis auf Palstek. Da werde ich mich mal schlau machen für den nächsten Amrumtrip.

    Aber erstmal ist ja der Besuch bei Euch angesagt.

    Ganz liebe Grüße an Euch zwei

    Karin

  3. Ihr seid aber auch wirklich nicht zimperlich! 🙂
    Für die Nordsee-Inseln muss man schon gut abgehärtet sein im Winter, was die Eva nicht so wäre 😉 🙂
    Liebe Grüße an euch

    • Deine Wort zum langen Dithmarscher Winter sind mir gut im Gedächtnis, liebe Eva! 😉

      (Und was das Abgehärtete betrifft: die Temperaturen sind auf den Inseln ja immer etwas milder. Ich friere da selten wie auf dem Festland.)

  4. Liebe Stefanie,

    danke dir! Wobei sich der März auf Amrum ja immer noch wie Winter anfühlt, und ein bisschen Schnee gab’s auch.

    Amrum ist halt immer schön. Besonders schön. Immer schön. Ich meine ja, das liegt am Kniepsand. Wo man im Sommer so nett auf ner Hängematte schaukeln und wildfremde Menschen in upgecycelten Hütten treffen kann. 😉

    Liebste Grüße von der Küste!

    Elke

    • Liebe Elke, der März lebt von der Hoffnung, finde ich. Eigentlich ist er ganz schrecklich kalt, aber man ist immer schon so voller Vorfreude, dass man fast nicht meckert. Liebe Grüße zurück an die See, Stefanie

  5. Liebe Stefanie,
    es freut mich ja nun ganz besonders, dass Du es endlich geschafft hast Amrum zu bereisen. Aber Vorsicht, Amrum macht süchtig, wird bei jedem Aufenthalt (egal zu welcher Jahreszeit) immer noch schöner.
    Natürlich, wie immer, wunderschöne Texte und Bilder in Deinen Blogbeiträgen, danke!
    Lieben Gruß, Helmut

    • Liebe Helmut – das freut mich auch ganz besonders (und dass Amrum süchtig macht, glaub ich sofort). Danke für Deinen Kommentar, Stefanie

  6. Liebe Stefanie, hach, wie schön und auch mein Amrum-Besuch ist schon viel zu lange her. Ich glaube, von hier oben lohnt sogar ein Tagestripp… Und was Du von unbekannten Orten schreibst, sehe ich auch so. Die Neugier auf’s Entdecken treibt einen bei jedem Wetter raus. Liebe Grüße, Ulrike

    • Wenn man früh aufsteht und die erste Fähre um 05.00 Uhr nimmt, lohnt sich das auf jeden Fall!!! Hier gab´s auch den Hinweis in den Kommentaren, dass die Anreise Schlüttsiel noch schöner ist. Das ist ja noch näher an Dir dran. Du lebst eben strategisch günstig. 🙂

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.