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Abends auf der Apfelplantage: ein Sleeperoo im Alten Land

Sleeperoo

Zu den weniger stressigen Berufen gehört der des Testschläfers, das habe ich neulich Nacht in einem Sleeperoo im Alten Land festgestellt. Es war am Pfingstwochenende. Auf den Autobahnen stauten sich Ausflügler in langen Schlangen. So hörten wir es im Radio, als wir – immer schön sudje – über die verwaiste Köhlbrandbrücke nach Jork trudelten. Im Hofladen des Obsthofes Lefers angekommen, erhielten wir zwei, drei Instruktionen, den Schlüssel für unser Testobjekt und die vage Wegbeschreibung: immer geradeaus, Zweite links.

 

 

Man glaubt ja nicht, wie weitläufig so eine Apfelplantage ist. Die schnurgeraden Reihen der schnurgeraden Obststräucher schienen sich bis in die Unendlichkeit zu erstrecken. Wir trafen keine Menschenseele. Und hörten bald nur noch Vögel, Frösche (viele Frösche) und Bienen. Unter dem ebenso end- wie wolkenlosen Himmel kam es mir vor, als wären wir irgendwo in Iowa. Bis in der Ferne ein weißer Cube durchs Grün funkelte wie das Ding aus einer anderen Welt.

 

Sleeperoos sind die Styler unter den Glamping-Unterkünften

 

Auf den ersten Blick wirkt ein Sleeperoo wie ein Designer-Raumschiff aus den späten Sixties; vielleicht eine 2-Mann-Kapsel der Enterprise. Auf den zweiten ist ein Sleeperoo die vermutlich behaglichste Outdoor-Unterkunft der Welt. Beides ist so richtig nach meinem Geschmack. Mir gefällt nämlich die Vorstellung draußen zu schlafen meistens besser, als es tatsächlich zu tun. Ich bedaure das ehrlich. Aber ich stelle mich nun mal wegen aller möglichen Sachen an und habe nicht besonders viel mit Schlafsäcken, Iso-Matten und Krabbeltieren am Hut.

 

 

Das Sleeperoo wurde u.a. für Leute wie mich erfunden. Es besteht im Wesentlichen aus einem echt bequemen Doppelbett mit guten Matratzen, Decken und Kissen aus nachhaltigen Materialien. Sehr geschickt wurde (z.T. abschließbarer) Stauraum für die 7 Sachen geschaffen. Zwei eingebaute LED-Leuchten machen Leseratten glücklich; eine mobile LED-Laterne steht für Nachwanderungen zur Verfügung. Für gutes Klima sorgt ein Netz aus Gaze an der Vorderfront. Man könnte die Panoramafenster mit Stoffbahnen verschließen. Aber wer will das schon?! Es geht ja um das überwältigende Gefühl, mitten in der Natur zu liegen.

 

Übernachtungswunder Sleeperoo: Die Nacht, der Ort und Du

 

Der eigentliche Clou am Sleeperoo ist immer auch der Ort. Man findet die Wohlfühl-Cubes nur an diesen ganz besonderen Plätzen, an denen man normalerweise nicht übernachten kann, die man aber immer schon mal ganz für sich allein haben wollte. Sleeperoos stehen auf Seebrücken im Osten und Burghöfen im Süden, man findet sie in Parks im Westen und Schwimmbädern im Norden oder hoch oben auch auf dem Energiebunker in Wilhelmsburg mit Blick auf den Hamburger Hafen.

 

So kann ein stinknormaler Tag auch ausklingen: Feier-Abend im Alten Land

 

Wer die Nacht auf der Apfelplantage des Obsthofes Lefers verbringt, hat eine Menge Möglichkeiten die Stunden zuvor zu zelebrieren. Mag man sich gar nicht vom Sleeperoo trennen, kann man sich zum Beispiel ein hervorragendes Picknick im großartigen Hofladen der Familie Lefers zusammenstellen. Natürlich kann man auch recht nett in Jork essen gehen. Oder man stiefelt an die Elbe – die finde ich persönlich das Beste am Alten Land.

 

 

Das Café Möwennest fanden wir als Frühstückstipp im Gästebuch des Sleeperoos, aber auch abends ist die Stimmung im Altländer Yachthafen einfach nur zauberhaft. Uns war ein wenig, als würde wir in unsere Kindheit hineinspazieren (obwohl wir aus ganz anderen Ecken stammen). Genauso unergründlich wie die urwaldartige Wildnis am Elbufer scheint nur noch die gegenüberliegende Insel Hanskalbsand und die Tatsache, dass das Möwennest um 18.00 Uhr schließt (Altländer gelten nicht umsonst als etwas eigen).

 

 

Andererseits ermuntert die frühe Sperrstunde des Möwennests zum Deichspaziergang. Etwa 4  km elbabwärts ist immer was los – die vielen bunten Buden am unprätentiösen Lühe-Schulau-Anleger erinnern mich immer an  „List auf Sylt ganz früher“. Dort kann man herrlich am großen Fluss sitzen; mit Fischbrötchen & Flens oder Burger & Brause oder C-Wurst & Cider und Schiffe gucken.

 

 

Wäre ich nicht als professionelle Testschläferin auf die Apfelplantage im Alten Land gekommen, dann am liebsten nach einem stressigen Bürotag. Denn es ist ja so unglaublich toll, wie anders sich ein ganz normaler Feierabend anfühlen kann. Das Beste habe ich allerdings verpasst, sagt V. Als nämlich die Sterne über dem Sleeperoo aufgingen, habe ich schon längst seelig geschlafen. Man nimmt seinen Job eben ernst.

 

 

Offenlegung: Die Vergütung für´s Testschlafen bestand in Logis. Kost gehört normalerweise auch zu diesem wirklich besonderen Nachtvergnügen – in Form einer Chillbox mit Snacks und Getränken. Da wir der Einladung ganz spontan gefolgt sind, war keine Box vor Ort – aber Ihr könnt sie Euch auf der Sleeperoo-Seite ansehen; genau wie alle aktuellen Spots. Unsere Meinung: Tolle Sache, absolut empfehlenswert, klasse auch als Geschenk.

14 Kommentare

  1. Sleeperoo? Nie gehört! Meine Mutter hätte jetzt wieder gesagt: „mir fehlen noch einige Bildungslücken.“ 😉 Wie cool ist das denn, genau das Richtige für Leute, die sich anstellen. Luftmatratze, Schlafsack & Co. sind für mich nämlich auch nix, aus dem Jugendherbergsalter bin ich raus. 🤗

    Lieben Gruß, Martina

    • Liebe Martina, ist gar kein Wunder, dass Du noch nie von Sleeperoos gehört hast. Ist eine ganz neue Sache. Wir haben Ende letzten Jahres mal die Erdenkerin und Geschäftsführerin kennengelernt. Da war sie noch in den Startlöchern. Ist echt toll, was sie da mit ihrem Team auf die Beine stellt. Und man schläft darin wirklich super. (Aber gegen Jugendherbergen ab und zu habe ich auch nichts, seit wir die von Wangerooge besucht haben. Ist gar nicht mehr so wie früher :-)) Liebe Grüße nach Dänemark, Stefanie

  2. Oh ja, draussen schlafen, draußen wach werden ist eine ziemlich geniale Sache. In leicht abgewandter Form machen wir das fast jedes Wochenende. Und alleine heute morgen irgendwo im Grünen die Kleine mit ihrem Bilderbuch, noch im Schlafanzug, auf den Klappstuhl zu setzen, das Singen der Vögel zu hören und von der sanften morgendliche Frische gestreichelt zu werden…. womit auch immer, ist so traumhaft.
    In Finnland gibt es so etwas ähnliches übrigens auf Kufen und mit Sauna. Damit wird man dann im Winter aufs Eis gezogen.
    Nur so etwas schönes wie das Alte Land haben sie nicht.
    Lieber Gruß Kai

  3. Suuuuper Tipp, liebe Stefanie! Nach dem Glamping auf der Isle of Skye suche ich solche Übernachtungsmöglichkeiten!
    Mit Gekrabbel und steifen Gliedern habe ich es in meinem Alter ja auch nicht mehr so! 😉

    • Ja, ja, die Glieder. Mein Rücken ist echt empfindlich – aber im Sleeperoo habe ich mich morgens super gefühlt. Komm gut in die Woche!

  4. ich glaube,ich wechsele meinen Beruf-DAS Testschlafen 8-10 Stunden an 4 Tagen in der Woche und danach langes Wochenende-erst mal vom Pennen erholen…
    aber nur in solch einer idyllischen Gegend !!
    noch lieber fände ich ja das ganze in einem Schäferwagen inmitten von vielen Schafen !!
    Grüße in den Norden
    Ralf

  5. Sasa sagt

    Ich muss hier mal den „Klugscheisser-Modus“ anstellen: Bitte, bitte schreibe Jork( im Alten Land) nicht mit Y.
    Ansonsten, tolle Sache von der ich noch nie gehört habe, obwohl ich in diesem Ort wohne.

    LG
    Sasa

  6. Sieht echt gemütlich aus. In Finnland ist Glamping ja schon seit Jahren im Kommen, aber extrem teuer. Dagegen ist der Sleeperoo noch vergleichsweise günstig. Aber mich würde es sehr stören, dass keine WC dabei ist und die Apfelplantage kann man ja auch schlecht als Toilette missbrauchen, ganz zu schweigen von den anderen Locations ;).

    • Da bin ich auch empfindlich. Der Obsthof hat aber gute, saubere Toiletten. 🙂 Erstaunlich, dass das in Finnland so teuer ist. Man stellt sich ja immer vor, jeder Finne hat eine eigene Schäreninsel mit Holzhäuschen. Liebe Grüße, S.

      • Das Glamping ist auch eher was für die Wintertouristen in Lappland 😉 . Und die sind sehr ausgabefreudig für alles vermeintlich Neue und Exotische…

  7. Pingback: 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen -

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