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Inselabenteuerchen: Mandø

Mandoe

Nach Mandø gelangt man nur bei Ebbe und den richtigen Windverhältnissen. Nur dann ist die Schotterpiste von Vester Vedstedt zur Insel befahrbar. Natürlich auch begehbar. Allerdings zieht sie sich 7 km durchs Watt. Wandernd bleibt da nicht viel Zeit für die Insel, wenn man vor der Flut zurück auf dem Festland sein muss.

 

Mandoe

Die Fahrt nach Mandoe ist wie die Fahrt auf die Hamburger Hallig – in superkrass

 

Der Lahnungsweg nach Mandø ist nicht gerade eine deutsche Autobahn. Teilweise so schmal, dass Gegenverkehr zum Problem wird. Da entgegenkommende Autos im Meer natürlich schon von Weitem zu sehen sind, wartet man einfach an einer etwas breiteren Stelle ab und sieht den Salzwiesen beim Wachsen zu.

 

Mandoe

 

Wer das (wie ich) ohnehin für eine sinnvolle Beschäftigung hält, findet auch zwei, drei  Stellen, wo man das Auto abstellen und sich ein wenig aufhalten kann. Vielleicht stakst ein Kranich durchs Wasser. Vielleicht kämpfen Krebse in einer Pfütze. So kann der Weg eine ganze Weile länger dauern, als die zwanzig Minuten, die es bis Mandø grundsätzlich bräuchte.

 

Tagesausflug nach Mandø

 

Auf einem Abschnitt verlor einer hinter mir (aus Hamburg) beinahe die Fassung, weil ich bloß 22 kmh statt der erlaubten 25 fuhr. Ich sah das im Rückspiegel. Sobald der Weg wieder breit genug zum Überholen wurde, trat er aufs Gas, dass der Schotter nur so spritzte.

 

Mandoe

 

Er hatte möglicherweise keine größeren Probleme mit dem recht erheblichen Steinschlag. Oder einen Termin, zu dem er auf die Minute genau kommen musste. Ganz anders als ich, die ich letzte Woche nicht anderes zu tun hatte als an der dänischen Nordseeküste entlangzutrudeln und mich über den Sommer zu freuen.

 

Bank auf Duene

 

Nach Mandø kam ich an Tag 4 meines Roadtrips. War also schon innerlich heruntergefahren. Bei meinem relativ spontanen Aufbruch hatte ich mir noch Gedanken gemacht. Ob ich in der Hochsaison überhaupt Unterkünfte finden würde (problemlos, wenn man mit einfachen Hotels, BBs und Hostels zufrieden ist) und ob es trotz maximaler Feriendichte noch ruhige Ecken geben würde (erstaunlich viele).

 

Mandoe

 

Eine solch ruhige Ecke ist Mandø. Dabei liegt die Insel etwa mittig zwischen den beliebten Ferienparadiesen Rømø und Fanø. Eben deshalb wollten die 33 Insulaner:innen auch nie einen gezeitenunabhängigen Damm.

 

Mandoe Insel

 

Mit nicht einmal acht Quadratkilometern kann Mandø nur eine gewisse Zahl an Touristen verkraften. So gibt es nur einige Ferienhäuschen und Zimmer zu mieten, einen einfachen, kleinen Campingplatz – und die Tagesgäste.

 

Mandoepigen

 

Ein Großteil kommt mit Traktorbussen auf die Insel. Zwei lokale Anbieter und das  Wattenmeerzentrum in Vester Vedstedt bei Ribe karjukeln die Bagage ein bis zweimal täglich rüber. Dann sind alle Plätze der beiden Restaurants besetzt und vor den öffentlichen Toiletten bilden sich lange Schlangen. Aber ansonsten herrscht kein Platzmangel. Und das liegt am Koresand.

 

 

Der Koresand ist die größte Sandbank im Wattenmeer. Er ist der Insel vorgelagert und recht schnell zu erreichen. Bis zur Südspitze aber, wo eine Robbenkolonie lebt, nimmt man lieber den Traktorbus. (Zum Vergleich: mit 20 Quadratkilometern ist der Koresand doppelt so groß wie der Amrumer Kniepsand.)

 

 

Wenn man sehr schlau ist (schlauer als ich), bleibt man mindestens eine Nacht auf Mandø. Damit genügend Zeit bleibt, an den Stränden des Koresands zu baden, die Insel mit dem Rad zu umrunden, durch die Salzwiesen zu streifen und sehr lange auf einer Bank zu sitzen – idealerweise auf einer hohen Düne, um die Weite zu fühlen.

 

Salzwiesen Mandoe

 

Ein Tagesausflug nach Mandø ist zu kurz. Das hat er mit dem Sommer gemeinsam. Aber ich habe schon oft gedacht, dass gerade in der Begrenzung auch dieses bestimmte Glücksgefühl liegt, das dem Sommer wie den Inseln zu eigen ist. Es verschafft eine spezielle Bewusstheit für den Moment, wie sie sonst nur Super-Yogis hinkriegen. Und ein paar heiße Tage sind noch drin, dieses Jahr.

 

Mandö zum Weiterlesen

 

Übernachten kann man z.B. im B&B vom Café Mandøpigen. Mit ihrem gleichnamigen und sehr seltsamen Ausflugsboot bieten Karin und Poul Erik Fredskild übrigens auch noch eine dritte Möglichkeit, auf die Insel zu gelangen. Etwa von Rømø aus.

Ferienhäuser, Camping-, Traktorbus- und Gezeiteninfos sowie alles für den täglichen Bedarf gibt´s bei Mandø Dagli Brugsen & Camping.

Wer´s im Sommer nicht mehr schafft, findet auf Julians Blog ruhrwohl.de Herbsteindrücke (und kriegt nach der Überschrift den Ohrwurm von The Mamas & The Papas nicht mehr aus dem Kopf. Schönen Dank auch, Julian :-)).

10 Kommentare

  1. Hej – von St. Pauli ziemlich exakt 250 🙂 Danke für den Link; das schau ich mir mal an. Komm gut in die Woche, Stefanie

  2. Mandö ist genau nach meinem Geschmack !!!
    Weites Land,nur sehr wenige Menschen,und dafür viel unberührte Natur.
    Klasse Foto´s -klasse Bericht !
    Ich selbst werde in 17 Tagen endlich wieder auf Lüttmoor urlauben.
    Grüße aus Duisburg und bleibt bitte alle gesund
    Ralf

    • Das habe ich mir gedacht, Ralf – das Dir das gefällt. Mandoe ist nämlich eine ehemalige Hallig. Und ich freue mich, dass Du Deine bald wieder siehst. Im September – das ist eine tolle Zeit für die Nordsee. Ganz liebe Grüße, Stefanie

      • Die Halligfahrt im September ist für mich Premiere,zu dieser Jahreszeit bin ich noch nie dort gewesen.
        Bin gespannt,wie es dort im Vergleich zu März und November ausschaut.

  3. Mandø sieht traumhaft aus. Schön, dass Du ein paar Tage Zeit hattest für die dänische Nordseeküste. Die hatte ich mir im Hochsommer schrecklich überlaufen vorgestellt. Wir waren mal im Februar zwei Wochen in Løkken, das war sehr entspannt, aber man konnte erahnen, wie es im Sommer dort zugeht. Aber wie fast überall: es gibt auch ruhige Ecken.
    Schöne Grüße aus dem Süden 🙂

    • Ach, Du liebe Güte, Lotte – da fällt mir doch gerade siedenheiß ein, dass ich mich bei Dir bedanken wollte. Nicht für den Kommentar; das mache ich hiermit. Den Rest dann morgen. Liebe Grüße, Stefanie

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