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Warum und worüber Du vor einem Camping Trip in Norwegen nachdenken solltest, wenn Du noch nie über Camping nachgedacht hast

Camping Trip in Norwegen

Werbung | Warum man über einen Camping Trip in Norwegen nachdenken sollte, ist schnell erklärt. In einer Art Tiny House durch atemberaubende Landschaften zu rollen, gehört zu den schönsten Geschenken, die man sich machen kann. Worüber es zuvor nachzudenken gilt, läßt sich nicht so schnell abhandeln. Denn vor die große Freiheit haben die Camping-Götter jede Menge Planung und Entscheidungen gesetzt. Besonders wenn man – wie wir – zuvor nichts mit Camping am Hut hatte.

Hier unsere Tipps zur Reisevorbereitung für absolute Anfänger.

Mai in Suednorwegen

 

Norwegen ist einerseits eines der reichsten Länder der Welt und andererseits von abenteuerlicher Weite und Einsamkeit. Das heißt man kann dort immer beides haben: die absolute Freiheit – oder den absoluten Luxus. Sowieso jede Nuance dazwischen. Für Anfänger ist das ideal. Man weiß ja vor dem Trip gar nicht wirklich, welche Form des Campings zu einem passt. In Norwegen kann man es in der Praxis ausprobieren und – wenn was nicht gefällt – ganz einfach gegensteuern.

 

Warum überhaupt Norwegen?

 

Man cruist auf astreinen Straßen oder quält sich über die verwegensten Serpentinen und Schotterpisten. Man findet Einsamkeit genau wie kollektives Staunen. Man schläft heute am Meer und morgen in den Bergen. Und wenn man erst auf dem Camping Trip in Norwegen merkt, dass man gar nicht so ein freaky Outdoor-Typ ist, wie man immer glaubte, macht das auch nichts. Dann hangelt man sich für den Rest des Urlaubs eben von einem Luxus-Campinplatz zum nächsten. Um passende Plätze zu finden, ist eine App hilfreich. Wir haben mit der App von park4night gute Erfahrungen gemacht.

 

Luxus oder Wildnis – das kann man auf einem Camping Trip in Norwegen ganz spontan entscheiden

 

Was für die Luxus-Campingplätze in Norwegen spricht: Sie sind so sauber, dass die gute, alte deutsche Hausfrau nichts zu beanstanden hätte. Oft sind die sanitären Anlagen in Hütten unterbracht, die geschmackvoller wirken als so manche Ferienunterkunft in Deutschland. So weit gestreut und dicht am See wie auf dem nachfolgend gezeigten Campingplatz Seim in Røldal geht es wohl aber nur in der Nebensaison zu – oder weit abseits der Haupt-Touristenrouten.

 

 

Irgendwann mal einen Campingplatz anzusteuern, ist schon wegen der Routinearbeiten nötig, die Camper zu verrichten haben. Als da etwa wären: Schmutzwasser entsorgen oder Frischwasser aufnehmen, Strom schnappen oder die (Grusel) chemische Bord-Toilette reinigen. Wer die Nacht auf dem Campingplatz mit 25 Euro kalkuliert, ist auf der sicheren Seite.

Campen – was kostet das?

Ungefähr 10 Euro kosten öffentliche, kommunale Plätze, die man häufig in Häfen oder in der Nähe touristischer Highlights findet. Meistens gibt es Toiletten, seltener Duschen oder Strom. Die Plätze sind prima, wenn man früh am nächsten Morgen eine Fähre erwischen oder zu einer besonderen Wanderung aufbrechen will. Oder wenn man eine Attraktion außerhalb der Stoßzeiten erleben möchte. So haben wir z.B. den Lindesnes Leuchtturm am Südkap eine Nacht lang mit nur Wenigen geteilt. Eine unvergessliche Erfahrung.

 

Leuchtturm Lindesnes

 

Ganz umsonst ist Wildcampen. Und gleichzeitig der größte Luxus. Norwegen gehört zu den nur sieben Ländern Europas, die das Übernachten in der freien Natur erlauben. Allerdings gilt das Jedermannsrecht in Norwegen nicht für motorisierte Fahrzeuge. Wohnmobile werden lediglich geduldet. Noch, muss man dazu wohl sagen. Denn zu viele Wohnmobilisten benehmen sich offenbar rücksichtslos und die Toleranz der Norweger scheint allmählich an ihre Grenzen zu geraten. Welche Regeln für Camper in der freien Wildbahn gelten, hat Auskennerin Tanja von taklyontour.de ausführlich beschrieben.

 

 

Wo wollen wir hin? Wie sind die Straßenverhältnisse und Wetterprognosen? Wer kommt alles mit? Welches Budget steht zur Verfügung und was für ein Führerschein? Schon die Suche nach dem richtigen Camper ist von vielen Fragen abhängig. Und die wollen wirklich gut überlegt sein. Der eine fühlt sich nur im lässigen Bulli frei, der andere braucht extra viel Platz und Aufbauten zu seinem Glück. Einen ersten Überblick der Möglichkeiten verschafft Paul Camper.

 

Spontan geht eigentlich anders – beim Campen will Freiheit geplant werden

 

Der Verleih Paul Camper funktioniert nach dem Airbnb-Prinzip. D.h. private Besitzer bieten ihre Fahrzeuge auf der Plattform an. Bei einem Vergleich des Deutschen Instituts für Servicequalität ging Paul Camper 2019 als Testsieger unter den großen Portalen hervor. Wir fanden dort einen Kastenwagen, der mit Bad, Küchenzeile, Kühlschrank, ultragemütlichem Alkoven-Bett, Sitzbereich, Schränken, Gartenmöbeln und Grill alles an Bord hatte, was uns wichtig war. Gleichzeitig ist so ein Kastenwagen wendig genug, um fast überall hin zu kommen. Denn das Beste ist auch in Norwegen immer etwas schwerer zu erreichen.

 

Roeldal

 

Fotos und ein Grundriss von „unserem“ Camper hier. Unfassbar, was dort auf engstem Raum untergebracht ist. Genauso unfassbar, was man als Camping-Anfänger zur Bedienung alles beachten muss. Unsere Vermieter Ilona und Burkhard haben sich netterweise enorm viel Zeit zur Einführung genommen. (So viel Zeit, dass wir im Anschluss unsere Einkäufe husch husch erledigen mussten. Sonst hätten wir die Fähre verpasst. Den Anreisetag hätten wir klar besser planen können.)

 

Beste Reisezeit für einen Camping Trip in Norwegen

 

Mal abgesehen von Spezial-Vorlieben gelten die Monate von Mai bis September in allen Klimazonen als beste Reisezeit für einen Camping Trip in Norwegen. Von Mitte Juni bis Mitte August ist es am wärmsten – aber auch am meisten los. Die Preise schießen schießen deutlich in die Höhe. Und man muss in Nähe der Top-Attraktionen mit Überfüllung rechnen. Ganz anders im Mai und September.

 

Camping Trip in Norwegen

Lindgrüner Mai am Lenefjorden

 

Mai und September sind die Monate für alle, die niemals in Deutschland campen würden, weil ihnen das einfach zu voll ist. In der Vor- bzw Nachsaison ist Norwegen für Ruhesuchende ein Traum. Im Mai zieht der Frühling gerade ein. Die Natur ist herrlich frisch und hellgrün. Im September färben sich schon die Wälder und es duftet nach Herbst. Es kann in beiden Monaten  sehr kühl sein. Gerade in der Nacht. Schnee in den Bergen ist keine Seltenheit und manche Pässe mögen gesperrt sein. Aber das kann wohl sowieso immer passieren. Genauso wie 4 Wochen Regen im August keine Seltenheit sind. (Merke: Das Wetter ist nicht der Hauptgrund, warum sich ein Camping Trip in Norwegen so sehr lohnt).

 

Insel im Oslofjord

Traumhaftes Herbstlicht: September am Oslofjord

 

Die meisten Wege nach Norwegen führen über Dänemark. Nur Oslo ist direkt von Kiel zu erreichen. Dort starten die großen Fähren der Color Line täglich um 14 Uhr. Sie erreichen die norwegische Hauptstadt am folgenden Tag um 10 Uhr. Dazwischen liegen 20 spannende Stunden, denn es gibt an Bord und vorm Bug so Einiges zu entdecken. (Darum unternehmen auch Viele die Mini-Kreuzfahrt nach Oslo ganz unabhängig vom Camping-Urlaub  – was absolut keine schlechte Idee ist. Aber eine andere Geschichte.)

 

Anreise nach Norwegen mit der Fähre

 

Wer – wie wir – keinen monatelangen Camping Trip in Norwegen plant, sondern nur 1 Woche zur Verfügung hat, startet am besten im dänischen Hirtshals. Der Hafen liegt ganz oben in Dänemark, also etwa 350 Kilometer nördlich der Grenze. Die Color Line Fähren brauchen von hier mit Superspeed nicht einmal vier Stunden nach Larvik oder Kristinansand. Die Kosten sind abhängig von der Größe des Fahrzeugs. Dabei lohnt es sich nach Sparpaketen Ausschau zu halten.

 

Hirtshals Leuchtturm

Die besten Abenteuer beginnen mit einer Schiffsreise. Die allerbesten in Hirtshals.

 

Apropos Sparen. Wer vor der Reise die aktuellen Angebote der Duty-Free-Shops an Bord studiert, stellt fest: so manches schießt man dort günstiger als in Deutschland.

Apropos günstig. Gemessen an norwegischen Verhältnissen speist man in den Restaurants der Color Line Fähren wirklich unschlagbar preis-wert. Gerade vor – oder nach – einem Camping Trip ist es empfehlenswert, sich mit einem tollen Menue oder Buffet zu verwöhnen. Denn kulinarisch gehts beim Campen entweder hemdsärmelig zu oder man braucht Stunden für die Zubereitung. Die vorherige Anmeldung in den Bordrestaurants ist ratsam (mehr dazu hier).

Apropos Anmelden. Kurz nachdem man in Norwegen von der Fähre gerollt ist, wird man zum ersten Mal geblitzt. Nicht weil man zu schnell fährt, sondern weil man überhaupt fährt. Viele Straßen und Tunnel in Norwegen sind Maut-pflichtig. Wer sein Fahrzeug zuvor registriert, bekommt die Rechnung schneller und vor allen Dingen persönlich zugestellt (unregistriert werden sie an den Fahrzeughalter geschickt).

 

Die beste Reiseroute für einen Camping Trip in Norwegen? Jede!

 

Nachdem ich eine Woche lang bei jedem Maut-Blitz unkte, diese Kosten würden sich läppern, summierte sich unsere Rechnung nach 8 Tagen auf rund 25 Euro. Wir reden also nicht von Unsummen. Jedenfalls war das auf unserer Route nicht so, die ich wirklich jedem ans Herz legen kann. Der Nordsjøvejen, die Nordseestraße ist superschön, supervielfältig und eignet sich für ein Wochenende genauso wie für eine Woche oder einen Monat.

 

Nordseestrasse

Die Nordseestraße. Überwältigendes am laufenden Meter ist in Norwegen ganz normal.

 

Die Sache ist aber die: das ist in Norwegen nichts Besonderes. Jede Reiseroute scheint in  Norwegen die Richtige zu sein. Das Land der Wikinger überwältigt mit jeder Ecke.  Falsch machen kann man also nichts. Außer sich zu viel vorzunehmen. Einen umfassenden Überblick bietet Kai von mare.photo. In einem der vielen, vielen spannenden Norwegen-Beiträge auf mare.photo findet sich ein tolles Zitat der Deutschlandfunk Redakteurin Contstanze John

Mein Rucksack ist ein Schulrucksack für 14 €, flache Schnürschuhe müssen bequem sein, der Rock muss weit genug sein, um nie zu behindern…Mein Smartphone habe ich dabei, verwende da aber keineApps, sondern frage lieber die Leute am Ort. Ich habe prinzipiell Zeit.

Vor unserem Camping Trip in Norwegen habe ich eine Menge Packlisten studiert. Welche Kleidung muss mit? Was gehört in die Reiseapotheke? Wie sieht der perfekte Lebensmittelvorrat aus? Auf diese Art beschwerte ich mich mit vielen überflüssigen Dingen.

Was man auf einen Camping Trip in Norwegen mitnehmen muss? Weniger!

 

Das Beste ist beim Camping immer das Einfache. Der gemütlichste Pulli. Die am wenigsten komplizierte Jacke. Die am leichteste zuzubereitende Speise. Etc. pp. Mir ist erst im Nachhinein klar geworden, wie  widersinnig es ist, für jeden nur erdenklichen Fall gerüstet sein zu wollen. Oder jeden Tag ein anderes Outfit zu tragen. Man muss auch nicht jeden Brühwürfel aus Deutschland mitbringen. Es gibt in Norwegen Supermärkte. Und falls man nicht gerade ein Horde Heranwachsender zu verpflegen hat, wirken sich die Preise für Grundnahrungsmittel nicht übermässig auf die Reisekasse aus.

 

Camping Norwegen

 

Eine Sache habe ich auf unserem Campig Trip in Norwegen allerdings schwer vermisst. Ich glaube im Nachhinein sogar, kein/e CamperIn kann ohne sie vollkommen glücklich werden. Ich wollte aus ästhetischen Gründen nicht auf erfahrene Reisende hören, aber sie hatten wirklich Recht: die hässlichsten Schuhe der Welt – also diese Crogs – hätte ich mir unbedingt vorher zulegen sollen.

Hinweis zur Transparenz: Dieser Blogbeitrag beginnt mit dem Wort »Werbung«, weil er einen Link zur Color Line Reederei enthält. Color Line hat uns zur Überfahrt von Hirtshals nach Kristiansand und retour eingeladen. Dafür ein herzliches Merci.

2 Kommentare

  1. Oh nein, Crogs haben wir auch nicht. Nein, niemals: -). Liebe Stefanie, vielen Dank fürs Verlinken. Ich will am liebsten gleich wieder los. Ein Tipp für alle, die in der Hauptsaison unterwegs sind: Holt Euch Material für die 100 schönsten Orte Norwegens und meidet sie. Denn die sind voll.

    Wer Norwegen zum ersten Mal bereist, sollte sich den Süden vornehmen. Denn hier zeigt Norwegen wirklich landschaftlich und kulturell seine größte Vielfalt. Und wenn man in den Supermärkten auf Angebote achtet, wird das nicht teurer als bei uns bei Rewe oder Edeka.

    Ich bin neugierig, ob Ihr im Sommer wieder nach Norwegen fahrt. Denn wer einmal angefixt ist, der kann nicht anders als wiederkommen 🙂

    Liebe Grüße

    Kai

  2. Pingback: NordNerds Monatsrückblick Januar 2020 - Wienerbrød - Backen mit einer Prise Skandinavien

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