Neueste Artikel

Enough to base some movies on: Das Wendland

Das Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist das Gegenteil von Mettmann. Mettmann nämlich gilt mit 1.170 Einwohnern pro Quadratkilometer als der am dichtesten besiedelte Landkreis Deutschlands. Lüchow-Dannenberg hingegen bringt es gerade mal auf 40 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit der am dünnsten besiedelte Landkreis der alten Bundesländer.

Solche Gegenden unterschätzt man leicht. Ging uns jedenfalls so, als wir neulich ins Wendland reisten. Dabei sollten wir es mittlerweile eigentlich besser wissen.

 

Überall ist Wunderland. Überall ist Leben. Bei meiner Tante im Strumpfenband. Wie irgendwo daneben. (Joachim Ringelnatz)

 

Spinnennetz

 

Wir erreichten das Wendland an einem Mittwochmorgen im November. Ein Tag,  an dem ich zum ersten Mal in diesem Jahr dachte, ich würde am liebsten für ewig im Auto sitzen bleiben. Feuchkaltes Wetter nehme ich kindischerweise persönlich. Und so war ich ein bisschen unleidlich (um es nett auszudrücken). Bis zu dem Moment, als ein Spukschloss aus dem Nebel auftauchte.

 

Marstall

Mitten in der Goehrde liegt ein verlassenes Jagdschloß. Hier der ehemalige Marstall.

 

Wir waren im größten Mischwaldgebiet Norddeutschlands angekommen: der Göhrde. Einst jagte Wilhelm der Zwote in den kaiserlichen Wäldern, durch die wir jetzt ein bisschen übermüdet tappten. Und tief, tief einatmeten, weil Wälder ja so wunderbar duften. Besonders im Herbst.

 

Lagerfeuer

Netterweise hatte jemand ein Feuer fuer uns angezuendet

 

Spätestens als in 20 Meter Entfernung eine Wildschweinrotte durchs Dickicht brach, waren wir hellwach. Ganz Städter wussten wir nicht so richtig, ob wir lachen oder in Panik verfallen sollten. Aber die Wildschweine interessierten sich nicht sonderlich für uns. Und so konnten wir uns ganz auf die Landschaft konzentrieren, die soeben von der Herbstsonne wachgeküsst wurde.

 

Indian Summer

Indian Summer im Wendland

 

Das Wendland liegt im Vierländereck von Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. War also während der deutschen Teilung ziemlich isoliert. Während allüberall in Westdeutschland Neubaugebiete aus dem Boden schossen wie Giftpilze, blieb im Wendland die dörfliche Struktur erhalten. Typisch für´s Wendland sind Rundlingsdörfer. Allen voran der Vorzeige-Rundling Lübeln.

 

Luebeln

Im Rundlingsdorf dreht sich alles um den Dorfplatz

 

Dort checkten wir im Kartoffel-Hotel ein, einem Land- und Wellnesshotel mit erstaunlicher Geschichte (Es begann mit einem gewaltigen Kartoffelberg).

In der weitläufigen Anlage verrichteten junge Work-&-Traveller Gartenarbeiten. Etwas, das mich zunächst überraschte. Was Quatsch ist. Denn es hat mich ja auch noch nie überrascht, dass junge Deutsche in Australien bei der Kiwi-Ernte aushelfen.

Und sowieso hat das Wendland schon immer überdurchschnittlich viele (Lebens-) Künstler angezogen.

 

Antiatomkraft

Das gelbe X: Symbol der Anti-Atom-Bewegung im Wendland

 

Ein guter Teil blieb in den 80ern hier hängen, als der Protest gegen das Atommüllendlager Gorleben begann. Sie gründeten sogar ihren eigenen Staat: Die Republik freies Wendland. Gegen eine Gebühr von 10 DM wurde ein sogenannter Wendenpass ausgestellt. Er war gültig „für das gesamte Universum […] so lange sein Inhaber noch lachen kann.“

 

 

Die besondere Bevölkerungsstruktur spiegelt sich in den Dörfern und Ortschaften. In Dannenberg etwa entdeckten wir so gut wie keine der üblichen Handelsketten. Dafür Fachgeschäfte wie es sie ansonsten nur in Szene-Quartieren gibt. Bioläden, Buchhandlungen, Antiquitätenhöker, Galerien und DIY-Schnick-Schnack-Läden.

 

Thielenburger See

 

Die korrekte Bezeichnung lautet übrigens Dannenberg (Elbe), obwohl die Stadt überhaupt nicht an der Elbe liegt. Sondern an der Jeetzel und dem Thielenburger See.

 

Rundweg

 

Der  Thielenburger See liegt direkt unterhalb der Innenstadt und lässt sich 1a umrunden; ist also sowas wie die Binnenalster Dannenbergs.

 

See in Dannenberg

 

Für Naturliebhaber ist das Wendland sowieso ein kleines Zauberland. Beinahe eine Utopie. Landschaftlich viel zu vielfältig, um es während eines Kurztrips zu erfassen.

Die Ostheide, der Höhenzug des Drawehn, das Urstromtal der Elbe. Das geht nicht in 3 Tagen. Schon gar nicht im November, wenn ab halb fünf die Nacht beginnt.

 

 

Auf einige Schönheiten werde ich in einem gesonderten Beitrag eingehen. Hier nur so viel: Selten haben wir die Dämmerung so bedauert wie im Wendland.

 

Daemmerung

 

Zurück im Kartoffel-Hotel stellten wir allerdings die Vorzüge des Novembers fest: In dunklen Monaten sitzt es sich so schön am offenen Kamin. Besonders wenn die Köchin sich ganz der regionalen Landküche hingibt. Für Low-Carb-Anhänger muss das Restaurant des Kartoffel-Hotels die Hölle sein. Ich stells mir jedenfalls schwierig vor, wenn Tabletts mit Bratkartoffeln, Pellkartoffeln, handgedrehten Kroketten oder Puffern an der Nase vorbei serviert werden.

 

 

Während wir da so behaglich saßen und die deutschesten aller Speisen schmausten, belauschten wir ein wenig die Work & Traveller. Sie hatten sich mit einem Flipchart in eine Sofa-Ecke zurückgezogen, um Deutsch zu lernen. Und ich dachte: Wenn irgendwann im Jenseits Jim Morrison die berühmte Frage stellt…

 

Did you have a good life when you died? Enough to base a movie on?

 

… dann werden sie wohl auch ein paar Worte über ihre exotischen Erlebnisse in Lübeln verlieren.

Man sollte eben Norddeutschland nicht unterschätzen. Besonders nicht das Wendland.

 

Dieser Beitrag wurde unterstützt vom 1. Deutschen Kartoffel-Hotel. Vielen Dank an Olaf Stehr uns sein Team. Es war superschön bei Euch.

Und Ostfriesland so?

Ostfriesenwitze, Otto Walkes, Tee. Das waren die Dinge, die wir mit Ostfriesland verbanden, bevor wir neulich nach Wangerooge reisten. Wir ergänzten es noch um Jever, als wir die Stadt zum Bier passierten. Genau wie Funnix, einen Ort, den es wirklich gibt. Ebenso wie Altfunnixsiel. Oder Neufunnixsiel. Und last not least Harlesiel, wo die Fähre nach Wangerooge ablegt.

 

Carolinensiel

 

Wir waren frühzeitig angereist. Sicher ist sicher. Und in kleinen Häfen können wir in der Regel spielend Zeit überbrücken. Dachten wir. Sehr abgefahren war schon mal, dass wir bereits vom Parkplatz aus unsere Unterkunft auf Wangerooge erkennen konnten.

 

Blick von Harlesiel

 

Möglicherweise könnte kein Ort der Welt gegen diese Verheißung anstinken. Möglicherweise waren wir übermüdet. Möglicherweise hatten wir zu viel über Ostfriesenwitze, Otto und Funnix nachgedacht. Jedenfalls: Harlesiel fühlte sich an wie ein feuchtkalter Nachmittag Ende der 70er Jahre. (Dabei war es ein traumhafter Herbstvormittag 2015).

 

Schwimmbad Carolinensiel

 

Als ich zur Grundschule ging, gab es noch keine Nerds. Es gab Schlimmeres. Kleine Klugscheißer in Hochwasserhosen, die sämtliche Langspielplatten von Otto im O-Ton rezitierten. Diese alten Sachen. Harry Hirsch. Susi und ihr Fön. Ihnen wird zur Last gelegt, sie hätten an einem Ast gesägt. Usw. Es konnte einem schrecklich auf die Nerven gehen. Aber, naja, Schwamm-drüber (-Blues).

 

Strandkorbversteigerung

 

(Falls hier ein talentierter Otto-Rezitator mitliest: Mit erwachsenen Augen finde ich das ganz niedlich. Also nix für ungut. Und falls Du noch immer ein bisschen spitzfindig drauf bist: Ich weiß, dass Harlesiel streng genommen nicht zu Ostfriesland sondern zum Wangerland gehört. Ich denke aber, das stört keinen großen Geist, da das Wangerland sich auf der Ostfriesischen Halbinsel befindet.)

Zurück zum Thema. Ganz entgegen unserer Art erkundeten wir Harlesiel nur oberflächlich. Wir reihten uns ziemlich früh in die Schlange der Schiffsreisenden ein, was wir normalerweise nie tun würden. Und verließen Harlesiel ohne Bedauern.

 

Kormoran

 

Losfliegen

 

Frei

 

Nach drei wunderbaren Tagen auf Wangerooge, dachten wir auf der Rückreise kurz drüber nach, Harlesiel noch einmal eine Chance zu geben. Aber als wir dann anlegten, konnte wir schon wieder nicht das geringste Interesse dafür aufbringen. Stattdessen ließen wir uns die Küste hinauftreiben bis zum Strand von Schillig.

 

Strand Schillig

 

Über Schillig hatte ich schon häufiger auf Blogs gelesen. Ich hatte sogar gelesen, Schillig sei schöner als St. Peter Ording. Und überhaupt, wenn ein Ort schon behauptet chillig zu sein. Dann prickelt die Erwartung wie ein Song von Fritz Brause.

 

Ostwind

 

Möglicherweise war unsere Erwartungshaltung zu hoch. Möglicherweise kann das Festland nie gegen eine Insel anstinken. Möglicherweise waren wir übermüdet. Jedenfalls: Schillig ist in unseren Augen ein gewaltiger Campingplatz neben einem gewaltigen Parkplatz am Rande eines kleinen Strandes und dem Charme der 80er Jahre.

 

Schillig

 

Eins aber steht fest: Kiter lieben Schillig. Genau wie viele, viele andere Menschen Schillig toll finden. Unsere Meinung ist also absolut nicht repräsentativ.

 

Kiter

 

Ich bin mir immer nicht sicher, ob ich über Orte bloggen soll, die uns nicht so gefallen – anderen aber sehr. Um das nicht auf dem Rücken von Ostfriesland auszutragen, könnte ich auch Grömitz an der Ostsee nennen. Oder Büsum in Nordfriesland.

In Büsum waren wir schon zwei Mal, seit es diesen Blog gibt. Aber wir stehen einfach nicht drauf. Mal abgesehen von zwei, drei Ecken finden wir Büsum nicht gut. Nur die (für uns) schönen Ecken zu zeigen, käme mir irgendwie unlauter vor. Die (für uns) unschönen Ecken wecken nicht einmal Lust zu fotografieren.

Außerdem: was hätte jemand davon, wenn wir schreiben, dass wir nicht auf Büsum stehen? (Oder Grömitz. Oder Schillig.)

 

Shooting in Schillig

Shooting in Schillig

 

Frage an die Blogger unter Euch: Schreibt Ihr über Dinge, die Ihr nicht gut findet?

Frage an die Leser: Mögt Ihr Dinge lesen, die dem Schreiber nicht gefallen?

Das würde mich wirklich mal interessieren.

 

faehre bundesbahn

 

Und was Ostfriesland betrifft: Das gucken wir uns natürlich noch mal genauer an. Spätestens wenn die nächste ostfriesische Insel auf dem Programm steht.

Alter Hafen

Das Ende der Inseln

Borkum, Norderney, Juist, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge. Alle ostfriesischen Inseln laufen im Osten in Sandstrände aus. Der von Wangerooge ist 500 Meter breit, 3 km lang, unbewohnt, unbespaßt und unbewirtschaftet. Ein Dünengürtel trennt die Brandungsseite von den Salzwiesen an der Wattseite. Die höchste Düne ist 17 Meter hoch, im Mittel schaffen sie es auf 12 Meter. Oder anders gesagt: Viel besser geht’s nicht; strandmäßig gesehen.

 

DuenenOststrandWangerooge

 

Ost-Steert nennen die Wangerooger ihr Inselende. Das ist plattdeutsch und kann mit a) Schweif oder b) Hintern übersetzt werden. Letzteres finde ich passender. Denn es ist ja wirklich das hinterste Ende der sieben bewohnten Schönheiten im niedersächsischen Wattenmeer. „Am Dups der Heide“ hätte meine Oma vielleicht gesagt. Oder aber auch „und die Hacke schlägt Attacke“. Denn an weiten, einsamen Stränden will man doch immer unbedingt loslaufen. Na, denn, man to.

 

Strandspaziergang

 

10 Dinge, die man am Oststrand von Wangerooge machen kann.

 

1) Schon mal vorlaufen: Am Strand kann man so gut im eigenen Tempo laufen und dennoch den anderen im Blick behalten.

 

Sueden

2) Sich orientieren: In Ostfriesland liegt die Brandungsseite im Norden. Das ist seltsam für Hamburger, Schleswig-Holsteiner und/ oder Nordfriesland-Affine, weil die Sonne ganz anders steht.

 

3) Selfies

3) Selfies (wenn man eine standfeste Begleitung hat)

 

4) Einen weiten Bogen um Heuler (sicherheitshalber die Ranger anrufen)

4) Einen weiten Bogen um Heuler (sicherheitshalber die Ranger anrufen)

 

5) Moewen bewundern

5) Moewen bewundern

 

Pril

6) Durch Prile waten (wenn man Gummistiefel hat). Gummistiefel sind ohnehin ein guter Tipp. Der Sand ist weich, so dass man tief hineinsinkt.

 

7) Die Flut kommen sehen

7) Die Flut kommen sehen

 

8) Sich einholen lassen

8) Sich einholen lassen

 

9) Dem Meer zuhören

9) Dem Meer zuhören

 

10) Auf einen Leuchtturm zulaufen

10) Auf einen Leuchtturm zulaufen

 

Minsener Oog

Minsener Oog ist eine unbewohnte Insel, knapp 2 km südöstlich von Wangerooge. Sie entstand erst um 1900 aus einer Sandbank. Um der Verlandung der Fahrrinne nach Wilhelmshaven vorzubeugen, errichtete man auf Minsener Oog Buhnen, die weitere Sandmassen festhielten. So entwickelten sich hohe Dünen, die mit Strandhafer befestigt wurden.

 

 

Heute ist Minsener Oog 4,5 km lang und 1,5 km breit. Der kleine Flakturm und der Star-Wars-artige Radarturm mit seinen Baracken sind unbemannt. Als wichtiges Brutgebiet steht die Insel bereits seit 1959 unter Naturschutz. In den Sommermonaten werden vom Festland geführte Wanderungen angeboten.

Den besten Blick auf Minsener Oog hat man vom Alten Ostanleger.

 

Vogelzug

 

Alter Ostanleger

 

Der Ostanleger Wangerooges wurde 1958 aus Kostengründen aufgegeben. Seitdem überlässt man die Anlagen sich selbst und der Nordsee. Viel ist nicht mehr übrig. Der Rest reicht aber, um die Phantsie auf Reisen zu schicken.

 

 

Die Wattseite

Ist das bei Euch auch so, dass Inselspitzenspaziergänge sich immer an der offenen See ausrichten? Bei uns passiert das irgendwie intuitiv, ist mir aufgefallen. Ohne dass wir uns absprechen müssten, starten wir stets an der wilden Seite. Vielleicht weil es so wunderbar ist, zur Halbzeit in die Wärme und Stille der geschützten Seite einzutauchen?!

 

 

Borkum, Norderney, Juist, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge. Alle ostfriesischen Inseln laufen im Osten in Sandstrände aus.  Der von Wangerooge ist ein Traum. Und kennt man einen, will man alle, würde ich sagen.

 

Spiekeroog Ostende

Zimmer (auf Wangerooge) mit Ausblick (nach Spiekeroog)

 

Der nächste auf der Liste wäre der von Spiekeroog. Wir kennen ihn schon aus der Ferne. Da die Jugendherberge Wangeroooge uns grandioser Weise ein Zimmer mit Ausblick spendiert hat.

Wäre schön, wenn wir Spiekeroog in 2016 bereisen könnten. Eine Einladung haben wir bereits in der Tasche. Fehlt nur noch das richtige Wetter. (Sagte die Dame, die uns einlud und verwies auf den Sommer).

Wer nicht so lange warten will, findet bei Insiderin Zypresse unterwegs alle wichtigen Infos für Spiekeroog im Winter.

Mein erster See in Brandenburg

Letzte Woche war ich aus beruflichen Gründen in Zeuthen, einer Gemeinde am Rande Berlins. Zeuthen besitzt einen S-Bahn-Anschluss an die Hauptstadt – jedoch kein Taxi-Unternehmen. Das kann insofern ungünstig sein, da Zeuthen sich gut 5 km am Zeuthener See entlang zieht.

Besonders ungünstig ist das, wenn man sonntagnachts (mit dem Gepäck für eine ganze Woche) aus der S-Bahn steigt. Denn in Zeuthen werden die Bürgersteige bei Einbruch der Dämmerung nicht nur hochgeklappt. In Zeuthen gibt es nicht mal überall Bürgersteige.

 

Ufer

 

Während der 22 Minuten, die ich vom Bahnhof bis zum Ziel benötigte, ahnte ich, dass ich an prächtigen Viillen vorbeischritt. Es war seltsam. Ich roch den See, doch ich sah ihn nicht. Das geschah erst am nächsten Morgen. Und es war genauso schön, wie ich es mir vorgestellt hatte.

 

Bootshaus

 

Höre ich Brandenburg, denke ich immer an den Film „Was nützt die Liebe in Gedanken“. Und wirklich weht durch Zeuthen ein Hauch Weimarer Republik. Die Bäume wachsen grandios in den Himmel. Die Villen sind gewaltig, ihr Baustil für mich exotisch. Die Straßen noch alle mit Kopfsteinen gepflastert.

 

Villa

 

In Zeuthen wurde mir klar, dass Brandenburg für mich nicht zu Norddeutschland gehört. Als wir zu bloggen begannen, hatten wir uns vorgenommen, das zu bereisen, was Wikipedia als norddeutsche Regionen bezeichnet. Also auch Brandenburg. Aber irgendwie hat in der Naehe bleiben mit Brandenburg nichts zu tun. Inhaltlich ist Brandenburg in weiter Ferne. (Wir müssen unsere Kategorien überdenken).

 

Zaun

 

Was für mich unfassbar war: Man kommt in Zeuthen kaum irgendwo an den See heran. Das Ufer besteht aus 5 km Privatbesitz am Stück. Ab und zu durchbrochen von schmalen Stichwegen zum Wasser –  mit minimalem Ausblick. Denn die Großgrundbesitzer links und rechts achten auf Sichtschutz. Was Zeuthen seine „Promenade“ nennt, ist etwa 200 Meter lang. Vielleicht 250. Und selbst dort, darf man keinen einzigen Bootssteg betreten.

 

Promenade Zeuthen

 

Ich habe mal scharf nachgedacht. Mir fällt weder in Schleswig-Holstein, noch in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen oder Niedersachsen irgendeine Gegend ein, in der die Uferlinie (am Meer, am Fluss, am See) über mehrere Kilometer nicht zugänglich wäre. Selbst an der Elbchaussee oder auf Sylt wäre das undenkbar. Mal abgesehen von Naturschutzgebieten oder militärischen Anlagen. Was ja beides der Allgemeinheit dient.

 

Bootssteg

 

Am Erstaunlichsten war, dass die Berliner und Brandenburger mit denen ich gearbeitet habe, überhaupt nichts mit meiner Fassungslosigkeit anfangen konnten. Vielleicht habe ich da eine erste kulturelle Eigenheit der Norddeutschen entdeckt? Freiheit ist an der Küste natürlich immer ein Thema.

 

Abendstimmung

 

An einem Brandenburger See urlauben möchte ich trotzdem noch sehr gern. Aber dann will ich zielgerichtet dorthin, wo die Natur niemandem gehört. Bzw. allen. Dort will ich (ich zitiere Anke Denks von 3Sat online) „durch einsame tiefgrüne Wiesen streifen und flachsblonde Felder und tiefsinnig sein“.

 

Schilf

 

Bis es soweit ist, lese ich aufs Inkas Blog blickgewinkelt über den Zauber brandenburgischer Seen. Und treibe mich ansonsten an den Meeren herum.

 

Seeblick

Wangerooge Soul-Weekender

Ein Herbst-Wochenende auf Wangerooge ist gut für die Seele.

Früher wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, ausgerechnet in die hektischsten Wochen des Jahres einen Kurztrip zu stopfen. Seit wir bloggen, empfinde ich es genau anders herum. Gerade, wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, tut eine Auszeit richtig gut. Besonders auf einer Mini-Insel.

Selbst wer sich langsamer als langsam bewegt, kann Wangerooge in wenigen Stunden erfassen. Da schaltet man automatisch noch einen Gang runter. Wird so langsam, dass die Seele mitkommt.

Denn die Seele ist doch selten so schnell wie das Leben. Zu ihrem Takt finden wir ganz gut mit folgenden Slow Four:

 

1. Fotografieren am Weststrand

 

Fotografieren hat ja generell mit Achtsamkeit zu tun.

Wikipedia sagt über Fokussierung, dass für eine gewisse Zeit auf das momentan Ausgeübte oder Empfundene geachtet wird.

Das klingt nicht nur wie Mediation. Das fühlt sich auch so an. Der ideale Moment dafür: Gleich nach dem Aufstehen, wenn der Morgen graut.

 

 

Die Fotos zeigen Weststrand und Hafen bei Sonnenaufgang. Das Licht ist so wunderbar sanft, wie man es auf einer Nordseeinsel nie vermuten würde. (Man kann das mit dem Fokussieren mal ausprobieren, indem auf die Galerie klickt. Ich finde, schon das Betrachten der Bilder macht ruhig. („In Echt“ ist es natürlich noch viel besser.))

 

2. Einfach nur so dasitzen in Wangerooge City

 

Promenade

 

Man sitzt ja viel zu selten einfach nur so da. Wer einfach nur so dasitzt, wird im Allgemeinen der Faulheit verdächtigt. Nicht so am Meer. Hier gehört „einfach nur so dasitzen“ quasi zum guten Ton. Am besten eignet sich dafür das Inseldorf von Wangerooge.

 

Einfach nur so da sitzen mit Blick aufs Meer

Einfach nur so dasitzen mit Blick aufs Meer

 

Berta: „Herrmann?“
Hermann: „Ja?“
Berta: „Was machst du da?“
Hermann: „Nichts!“
Berta: „Nichts? Wieso nichts?“
Hermann: „Ich mache nichts!“
Berta: „Gar nichts?“
Hermann: „Nein.“
Berta: „Überhaupt nichts?“
Hermann: „Nein, ich sitze hier!“
Berta: „Du sitzt da?“
Hermann: „Ja.“
Berta: „Aber irgendwas machst du doch!“
Hermann: „Nein.“

 

Ampelfarbene Familie beim Gemeinschaftssitzen

Ampelfarbene Familie beim Gemeinschaftssitzen

 

Berta: „Denkst du irgendwas?“
Hermann: „Nichts besonderes.“
Berta: „Es könnte ja nicht schaden, wenn du mal etwas spazieren gingest!“
Hermann: „Nein, nein.“
Berta: „Ich bringe dir deinen Mantel!“
Hermann: „Nein, danke.“
Berta: „Aber es ist zu kalt ohne Mantel!“
Hermann: „Ich geh ja nicht spazieren.“
Berta: „Aber eben wolltest du doch noch!“
Hermann: „Nein, du wolltest, daß ich spazieren gehe!“
Berta: „Ich? Mir ist es doch völlig egal, ob du spazieren gehst!“
Hermann: „Gut.“

 

Einsteiger-Variante: Einfach nur so rumstehen

Einsteiger-Variante: Heimliches Rumstehen

 

Berta: „Ich meinte nur, es könnte ja nicht schaden, wenn du mal spazieren
gehen würdest!“
Hermann: „Nein, nein, schaden könnte es nicht.“
Berta: „Also was willst du denn nun?“
Hermann: „Ich möchte hier sitzen!“
Berta: „Du kannst einen ja wahnsinnig machen!“
Hermann: „Ach.“
Berta: „Erst willst du spazieren gehen, dann wieder nicht. Dann soll ich
deinen Mantel holen, dann wieder nicht. Was denn nun?“
Hermann: „Ich möchte hier sitzen!“
Berta: „Und jetzt möchtest du plötzlich da sitzen!“
Hermann: „Gar nicht plötzlich. Ich wollte immer nur hier sitzen!“
Berta: „Sitzen?“
Hermann: „Ich möchte hier sitzen und mich entspannen!“
Berta: „Wenn du dich wirklich entspannen wolltest, würdest du nicht dauernd
auf mich einreden!“
Hermann: „Ich sag ja nichts mehr!“

 

Profi-Variante: Einfach nur so rumliegen

Profi-Variante: Einfach nur so rumliegen

 

Berta: „Jetzt hättest du doch mal Zeit irgendwas zu tun, was dir Spaß
macht!“
Hermann: „Ja.“
Berta: „Liest du was?“
Hermann: „Im Moment nicht!“
Berta: „Dann lies doch mal was!“
Hermann: „Nachher, nachher vielleicht!“
Berta: „Hol dir doch die Illustrierten!“
Hermann: „Ich möchte erst noch etwas hier sitzen.“
Berta: „Soll ich sie dir holen?“
Hermann: „Nein, nein. Vielen Dank.“
Berta: „Will sich der Herr auch noch bedienen lassen, was. Ich renne den
ganzen Tag hin und her. Du könntest wohl einmal aufstehen und dir die
Illustrierten holen!“
Hermann: „Ich möchte jetzt nicht lesen!“
Berta: „Mal möchtest du lesen, mal nicht.“
Hermann: „Ich möchte einfach hier sitzen.“
Berta: „Du kannst doch tun, was Dir Spaß macht!“
Hermann: „Das tue ich ja!“
Berta: „Dann quengle doch nicht dauernd so rum!“

 

Old School, Baby, aber mit sensationellem Blick: Der Lesesaal im Haus des Kurgastes

Old School, Baby, aber mit sensationellem Blick: Der Lesesaals im Haus des Kurgastes

 

Berta: „Hermann?“
Hermann: „-“
Berta: „Bist du taub?“
Hermann: „Nein, nein.“
Berta: „Du tust eben nicht, was dir Spaß macht. Statt dessen sitzt du da!“
Hermann: „Ich sitze hier, weil es mir Spaß macht!“
Berta: „Sei doch nicht gleich so aggressiv!“
Hermann: „Ich bin doch nicht aggressiv!“
Berta: „Warum schreist du mich dann so an?“
Hermann: „ICH SCHREI DICH NICHT AN!“

 

Cafe Pudding

Gastronomisches Rumsitzen mit Rundumblick: Das Cafe Pudding

 

(Der Text ist von Loriot. Ich weiß, dass das jeder weiß. Ich sage es nur aus Urheberrechtsgründen.)

 

Das Gute an Wangerooge ist, dass ziemlich viele Gäste aus Nordrhein-Westfalen anreisen. Die kommen untereinander bekanntermaßen schnell in Kontakt und unterhalten sich über die Tische hinweg.

 

 

Im Diggers etwa muss man überhaupt nicht selber reden. Mit Sonne im Gesicht schließt man die Augen und lauscht den Gesprächen an den Nachbartischen. Untermalt von Meeresrauschen und entspannti-manti Café-del-Mar-Klängen.

 

3. Überall Radfahren

 

Wie ich im letzten Beitrag schon erwähnte, hat Wangerooge der Form nach Ähnlichkeit mit Sylt. Das Inseldorf ist auch etwa so charmant wie Westerland. Inkl. Irrsinns-Strand und einer Promenade aus der Architektur-Hölle.

 

Wangerooge Promenade

 

Es gibt aber eine Sache, die Wangerooge City Westerland voraus hat. Wie man auf diesen Fotos sieht.

 

 

Bzw. eben nicht sieht. Denn was Wangerooge im Gegensatz zu Westerland (und 99,9% aller Städte, Gemeinden, Dörfer) nicht hat, sind Autos.

Autofreiheit haben wir schon auf Helgoland und Hiddensee lieben gelernt. Aber im Herbst auf Wangerooge hat das noch mal eine andere Qualität. (Im Hochsommer auf Hiddensee war es natürlich trubelig. Und Helgoland ist zu klein zum Radfahren.)

Auf Wangerooge hat man im Herbst durchgehend freie Fahrt. Ganz ungewohnt kommt einem das vor. Nicht über den Haufen gefahren werden zu können. Nicht ständig panisch über die Schulter gucken zu müssen.

Besonders herrlich sind die Wege, die sich durch´s Inselinnere schlängeln. Da schützen die Dünen vor dem Wind. Es duftet nach Dünenheide und Meer. Und so ganz ohne Motorenlärm hört man auf einmal wieder diese leisen Dinge. Vogelgezwitscher. Blätterrascheln. Hummelgebrumm.

 

 

Nur am Deich gibt es eine Stelle, an der Radfahrern nicht die Vorfahrt gebührt. Auf Höhe des Flughafens ist man angehalten, kurz zu warten, falls sich ein Flieger nähert. Die fliegen nämlich ziemlich tief. So tief, dass man das Lächeln der Piloten erkennt, wenn sie einem zuwinken.

 

Flieger

 

Richtig lange Radtouren sind natürlich nicht drin auf einer 8,5 km kurzen Insel, die zu einem guten Teil aus Strand besteht. Aber absteigen und weiterlaufen ist am Meer ja sowieso eine gute Option.

 

Salzwiesen

 

4. Spazieren am Oststrand

 

Hätte ich nicht gedacht: Der Oststrand Wangerooges ist gewaltig. So gewaltig, dass er einen eigenen Beitrag braucht. Davon also demnächst mehr.

 

JugendherbergeWangerooge

 

Wie bereits erwähnt, wurden wir von den Jugendherbergen im Nordwesten nach Wangerooge eingeladen. Und im letzten Abendlicht zum Westturm zu radeln, ist auch keine schlechte Sache.

Die Entdeckung der Einfachheit auf Wangerooge

Sich einer Insel nähern. Auf einer windgeschützten Bank an Deck eines Dampfers. Die Hände in den Taschen. Das Gesicht der Sonne zuwenden. Die Augen schließen. Das Stampfen des Schiffsmotors. Die Schreie der Möwen. Salz in der Luft.

 

 

Wir sind auf dem Weg nach Wangerooge, der östlichsten bewohnten Insel Ostfrieslands. Von den sieben Perlen im niedersächsischen Wattenmeer ist sie die zweikleinste. Gerade mal 8,5 km lang. Zwischen einem und 2,2 km breit. Gut zu überblicken in drei Tagen. Kein Grund hastig zu werden.

 

Krabbenkutter

 

Das Schnelle ist ohnehin am Festland geblieben. Das Komplizierte auch. Dieses Wochenende soll es ganz einfach werden: in einer Jugendherberge. Und weil uns das so fremd ist, fühlt es sich an wie ein Workshop für Simplifying.

 

Seehundsbank

 

Simple Living, Downshifting, Minimalismus. Fragt man Zukunftsforscher Matthias Horx steckt hinter dem Trend zum Einfachen Leben ein fundamentaler Wertewandel. Er bedeutet die Befreiung von unnötigem Ballast für ein Mehr an Lebensqualität, an Sinn, an wirklichen Beziehungen, an jener Kreativität, die aus Langsamkeit wächst. Was das betrifft, gleicht der Hafen von Wangerooge der Pole Position.

 

Schmalspurbahn

 

Unser Schiff war das letzte von insgesamt zweien, die heute Wangerooge anpeilten. Das Leben richtet sich auf der Insel nach der Natur, bzw. der Tide. Und das ist auch gut so, denkt man. Die Ruhe ist göttlich.

 

HafenWangerooge

 

Wer auf der knapp einstündigen Fahrt von Harlesiel nach Wangerooge noch nicht runtergekommen ist, wird am Hafen daran erinnert, seine innere Uhr auf Inselzeit zu stellen.

 

Guter Rat

 

Hektik hat hier genauso wenig Platz wie Autos. Ein Zug bringt die Urlauber ins Inseldorf, das ganz ohne eigenen Namen auskommt, da es das einzige Dorf auf der Insel ist.

 

 

Wir haben es noch einfacher. Denn wir bleiben im Westen Wangerooges. Wo es beinahe nichts gibt, außer einigen Schullandheimen, einer Sternenwarte, einem Leuchtturm und die Jugendherberge im Westturm. Das 55 Meter hohe Wahrzeichen Wangerooges war schon von Land aus deutlich zu erkennen. Jetzt ist er nur noch einen kurzen Spaziergang entfernt.

 

Weststrand

 

Sich einer Jugendherberge nähern. Auf einem Weg, der sich durch Dünen und Salzwiesen schlängelt. Das Gepäck ist leicht, weil man nur das Notwendige dabei hat. Noch einmal den Sommer riechen. Und feststellen, dass Rucksäcke keinen Krach machen. Ganz anders als Rollkoffer.

 

Duenenweg

 

Ist doch seltsam: Ich kenne ein paar Hostels auf dieser Welt, war schon im Ashram, skandnavischen Wanderheimen und Pilgerherbergen. Aber seit Jahrzehnten habe ich keinen Fuß in eine deutsche Jugendherberge gesetzt. Dabei ist mir schon häufig aufgefallen, dass sie stets an den allerschönsten Plätzen liegen.

 

Jugendherberge Wangerooge

 

Als Erwachsener in die Jugendherberge?

 

Wir sind keine Asketen. Für uns darf es gern gut aussehen, gut schmecken, sich gut anfühlen. Und irgendwie assoziiere ich Jugendherbergen vor allem mit Früchtetee aus gewaltigen Blechkannen.

 

Neubau Jugendherberge

 

Ums mal vorweg zu nehmen: Gewaltige Blechkannen gibt’s nicht mehr. Dafür aber Holunderbrause. Statt strenger Herbergseltern empfangen uns zwei gut gelaunte Sympathieträgerinnen an der Rezeption. Katja Garbe und Sigrid Schlumm haben 7 Monate Hochsaison hinter sich. Aber sie wirken, als wären sie selbst im Urlaub.

„Das macht die Insel“, sagt Sigrid Schlumm. „Man wird ruhig hier.“

Glauben wir sofort. Da muss man nur mal die Kinder beobachten, die überall herumwuseln. Die scheinen alle so zufrieden. So ausgeglichen. Fast zu schön, um wahr zu sein. Selbst das Huhn auf der kleinen Wildblumenwiese wirkt entspannt.

 

Spielplatz

 

Unser Doppelzimmer liegt im 7. Stock des Westturms. 125 Stufen ohne Fahrstuhl. Und ja, es hat Etagenbetten (ich schlafe oben, d.h. ich muss nicht einmal den Kopf heben, um bis Spiekeroog zu sehen). Das Bad ist super. Die Laune auch. Nichts wie raus in die Herrlichkeit.

 

BlicknachSpiekeroog

 

Der Wilde Westen Wangerooges

 

Die Sturmspitze der Insel ist das Westdeck. Hier wütet die Nordsee am heftigsten. Hier verändert sich die Silhouette mit jedem Orkan. Wangeroge sieht übrigens aus wie ein kleines Sylt um die Achse gedreht. Diesem Vergleich folgend, wären wir in List. Das Westdeck ist ein besonders guter Platz, um Vögel zu beobachten.

 

 

Ans Westdeck schließt sich der Weststrand an. Er zieht sich über die gesamte Brandungsseite der Insel. Nach einer knappen Stunde würde man das Wangerooge-City erreichen. Das heben wir uns aber für morgen auf. Nur so viel: Es ist ein ausgsprochen kurzweiliger Spaziergang. Nie haben wir so viele Schiffe von einer Insel aus gesehen.

 

Auf Reede

 

Drei wichtige Schiffahrtswege führen an Wangerooge vorbei. Direkt am Horizont liegen die fettesten Pötte auf Reede. D.h. da ist eine Art Parkplatz im Meer. Die Liegeplätze in den Häfen sind teuer. Und so wartet man auf den richtigen Zeitpunkt, um möglichst auf den letzten Drücker zur Löschung zu kommen.

 

 

Wir sind Stiller

 

Deine Stille ist mir irgendwie zu laut, hat neulich eine von mir geschätzte Person gesagt. Und wer das verstehen kann, ist im Westen Wangerooges nicht gut aufgehoben. Hier gibts nicht viel Zerstreuung. Ein Café, einen Kiosk und ganz am Ende noch das Inselgasthaus. Mit Plastikstühlen zwar. Doch sei´s drum. In der Wärme der Dünen ist das Inselgasthaus perfekt für einen Sundowner. Uns kann es nämlich gar nicht still genug sein.

 

 

Das Inselgasthaus ist berühmt für seine süßen sowie herzhaften Pfannkuchen. Und Birnen, Bohnen und Speck. Es ist ein wunderschöner Fleck, wie das gesamte Inselinnere. In seiner Urwüchsigkeit erinnert es uns sehr an Dänemark. Trotz Herbstferien kann man überall für sich sein.

Katja Garbe von der Jugendherberge hat uns erzählt, dass sie den Winter über bleiben wird; obwohl die Jugendherberge schließt. Sie hat Respekt vor den Monaten, in denen es noch stiller werden wird. Aber sie freut sich auch schon darauf. Ich kann sie genauso verstehen, wie jemandem, dem das zu wenig Action ist. Ich selber bin wohl irgendwas dazwischen.

 

 

Einen Speisesaal betreten. Überhaupt nichts erwarten. Und dann von einem imposanten Riesen namens (ehrlich) Herrn Brummer Fischfilet serviert bekommen. Denken, dass es schmeckt, als hätte die eigene Oma es gebraten. Genauso reinhauen wie die Kinder an den Nebentischen. Die ladyliken Holländerinnen, die zum Inselhopping hier sind. Der rüstigste 80jährige der Welt (ein Pastor) mit seiner gemischten Truppe. Das junge Paar. Und all die Eltern sowieso.

Kann sein, dass manche des Preises wegen in der Jugendherberge einchecken. (Unser Zimmer kostet 45 Euro pro Nacht und Person inklusive 3 Mahlzeiten). Aber ich glaube, genauso viele sind hier, weil sie ihren Kindern etwas Wertvolles vermitteln wollen. Oder vielmehr ermöglichen. Denn die Kinder sind ohnehin auffallend höflich und engagiert und fröhlich. Laut nur, wenn sie sich über irgendwas kaputtlachen. Das gehört sich ja auch so. Aber kein Kind nervt seine Eltern, weil es irgendetwas anderes haben oder tun will. Mir kommt das so gleichberechtigt vor. Alle nehmen Rücksicht.

 

Sogar das Wetter. Der Blick aus unserem Zimmer ist gigantisch.

 

 

Auf diesen Moment muss übrigens niemand verzichten. Auch wenn man nicht in der Jugendherberge wohnt, kann man sich den Schlüssel zum Turm ausleihen. Eine Spende wird gern gesehen. Die (geschätzten) 175 Stufen lohnen sich tausendfach. In der allerhöchsten Turmspitze befindet sich ein kleiner Raum mit Falltür. Dort saust der Wind ums Gemäuer und man fühlt  sich so geborgen in der Wärme, wie ich mir das Leben als Leuchtturmwärter vorstelle.

 

Turmspitze

 

Als wir uns später noch ein Bier holen ( ja, das gibts in Jugendherbergen) sind Sigrid Schlumm und Katja Grabe noch immer im Dienst. Und immer noch gut gelaunt. Das macht wohl die Insel.

 

Sonnenuntergang9

 

Wie wir da so auf dem Westdeck die dunkelschwarze, stille Nordsee betrachten, denke ich, Jugendherbergen heißen Jugendherbergen, weil sie für die da sind, die Jugend in sich spüren.

Ach, sind wir froh, dass wir hier sind. Und das ist ja erst der Anfang.

 

PS.: Die Jugendherbergen im Nordwesten haben uns zu diesem Aufenthalt eingeladen. Wir fühlten uns von vorn bis hinten verwöhnt. Vielen Dank.

Reusen

Warum auch kleine Blogs interessante Kooperationspartner sind

Bloggen heißt Teilen. Trotzdem habe ich schwer überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreiben soll. Nicht, weil ich mein Wissen nicht teilen möchte. Sondern weil ich mich frage, ob ich möglicherweise die Einzige auf der Welt bin, die keine Ahnung hatte, dass auch kleine Blogs interessante Kooperationspartner sind.

Genug der Rechtfertigung. Dieser Text ist für Dich, wenn Du

  • nicht massenweise Leser hast, aber einen schönen Blog.
  • keine Social-Media-Ikone bist, aber doch irgendwie aktiv.
  • Dich fragst, wie man zu Kooperationen kommt.

(Und falls Du nicht mal mit dem Begriff Kooperation etwas anfangen kannst: Kooperationen sind Gegengeschäfte. Der Blogger bloggt über das, was der Kooperationspartner kostenfrei zur Verfügung stellt. Waren oder Dienstleistungen oder Reisen. Bekannte (professionelle) Blogger werden dafür logischerweise bezahlt. Immerhin liefern sie dem Kooperationspartner nicht nur die Berichterstattung sondern auch gleich noch die entsprechende Zielgruppe.)

Aber was ist mit Bonsai-Blogs? Also, kleinen, liebevoll gehegten Blogs? Ab wann eignet sich so ein Blogger als Kooperationspartner? Und warum? Das fand ich lange undurchschaubar.

Wie viele Klicks braucht man eigentlich, um interessant zu sein?

Bestimmt viele, dachte ich. Mehr als wir haben jedenfalls.

Dann erhielten wir vor einigen Wochen die Anfrage eines Reiseveranstalters. Es war ein typischer WTF-Moment, denn es handelte sich um eine Reise nach Griechenland.

Griechenland ist natürlich grandios. Aber nicht ganz unser Thema. Eigentlich ist es das Gegenteil unseres Themas.

Egal. Es war für mich der Startschuß, um selbst mal aktiv nach Kooperationen Ausschau zu halten. Eine ganz einfache Möglichkeit ist facebook.

Wo man Kooperationen findet

Im echten Leben hasse ich Akquise. Auf facebook ist das anders. Dort stöbere ich sowieso gern in den Gruppen, die Blogger-Kooperationen eintüten. Meine Lieblingsgruppe ist „Bloggerinnen und Blogger gesucht„. Dort werden die unterschiedlichsten Blogs für die merkwürdigsten Produkte gesucht.

Es erinnert mich an diese Anzeigen in der Yellow-Press, (von denen ich gar nicht weiß, ob es die noch gibt). Früher waren sie immer auf Halbseiten zu finden. Die Älteren erinnern sich vielleicht? Portable Toiletten, Röntgenbrillen, Treppenlifte,  Phantomas-Masken. Und ab und zu war da auch mal was dabei, das man sich glühend wünschte (ich sag nur: Sea-Monkeys).

Zurück zu facebook. Egal, ob Du Food-Blogger, Buch-Blogger, regionaler Blogger, Bastel-Blogger, Technik-Blogger, Reise-Blogger, Foto-Blogger oder sehr-seltsame-Dinge-Blogger bist, es gibt garantiert jemanden, der in Deiner Nische Kooperationen anbietet. Auch wenn Dein Blog klein ist. Aus unterschiedlichsten Gründen, von denen ich hier nur mal 3 nenne.

  1. Sie finden Deinen Blog gut

Die erste Anfrage, auf die ich mich zu reagieren traute, war die Einladung des  Automuseums Prototyp.

Ich dachte, sie würden uns vielleicht mal zu einer Ausstellung einladen. Statt dessen gabs das volle Wohlfühl-Programm: 1.) eine Museumsführung an einem Montag (also dem Tag an dem weltweit alles Museen geschlossen sind). 2.) eine Einladung ins Fahrerlager und VIP-Zelt auf einem Oldtimer-Rennen.  Und  3.)  durfte Volko als Sahnehäubchen im Porsche 356 A Speedster auf die Strecke gehen. Ziemlich besondere Sachen also.

 

Black Beauty
Warum das Automuseum uns dafür auswählte (und nicht einen größeren Blog), war ganz einfach. Ihnen gefiel, was wir machen. Sie mochten unseren Stil. Unsere Texte und besonders die Fotos. Interessant waren für das Museum nicht unsere Besucherzahlen; schon gar nicht unsere facebook-„Fans“.

Fans haben die nämlich selbst. Viel, viel, viel mehr als wir. Und genau denen wollten sie mit unserem Beitrag etwas bieten.

 

2. Sie finden Dich gut

 

Eins war nach dem Automuseum klar:  So eine Kooperation ist aufwändig. Für beide Seiten. Und deswegen fühlt man sich (wir uns) auch stärker verpflichtet. Es ist ein bisschen wie arbeiten. In einem tollen, schlecht bezahlten Job. Darum sollte man auch nicht alle nur erdenklichen Kooperationen eingehen. Sondern nur solche, die einem wirklich Spaß bringen.

Im Grunde lässt man sich am besten nur dorthin einladen, wo man auch ohne Einladung hinfahren würde.

 

Ellenbogenstraße

 

Im allerbesten Fall hat man am anderen Ende mit Menschen zu tun, die selber bloggen. So ist uns das mit Sanda Lachmann von den Jugendherbergen im Nordwesten gegangen. Die klärte nämlich auf heiterbisstuermisch.de ungefragt fast alle meine Fragen.

Wieder war nicht die Reichweite entscheidend. Dieses Mal ging es um die innere Einstellung der Blogger. Sozialverträglich sollten sie sein, naturverbunden, reiselustig. Was uns ganz gut beschreibt.

Ich war übrigens total baff, wie schnell und verbindlich die Kommunikation läuft. So was kenne ich aus dem „normalen“ Arbeitsleben gar nicht. Wo die analoge Geschäftswelt monatelang rumhünert, scheint im Bloggerkosmos alles ruckzuck zu gehen.

Und so erkunden wir gerade unsere erste ostfriesiche Insel, wenn dieser Beitrag erscheint (und während ich schreibe, freue ich mich schon total).

 

3. Du erkennst, was Dein Kooperationspartner braucht

 

Auch unser dritter Kooperationspartner suchte keine Social-Media-Experten. Sondern Ausflugstipps für den Blog der Region. (Ich sag noch nicht, wohin es geht. Aber im November werden wir wieder in eine Gegend reisen, die uns schon lange interessiert hat.)

Das Gesuch war sehr konkret formuliert: Pro Tipp von 500 Zeichen erhält man eine Hotelübernachtung inklusive Verpflegung. Das Konkrete gefiel mir. Man kann sich ganz genau überlegen, wie lange man für 500 Zeichen braucht. Und dann ermessen, ob die Hotelübernachtung einen entsprechenden Gegenwert darstellt.

Umso erstaunter war ich, dass wir laut Kooperationspartner die ersten waren, die wirklich auf das Angebot eingegangen waren. Zumal das Gesuch schon ein halbes Jahr im Netz herumschwirrte. Zwar hatten sich viele Blogger gemeldet. Aber offenbar mit ganz anderen Vorstellungen.

Es gibt also durchaus Vorteile, wenn man noch ganz old-school-mäßig liest – statt Texte nur zu scannen.

Es gibt sicherlich auch Vorteile, wenn man scannt. Genau wie es auf jeden Fall Vorteile gibt, wenn man superviele Leser hat oder eine facebook-Ikone ist.

Unterm Strich scheint es mir aber so zu sein: Das Netz ist groß genug für alle.

 

PS.: Man kann das Ganze natürlich auch anders herum angehen. Man kann sich selber überlegen, mit wem man kooperieren möchte. Das haben wir inzwischen auch schon getan. Aber das erzähle ich vielleicht ein anderes Mal (falls es jemanden interessiert).

Alles im Fluss am Köhlbrand

Der avisierte Abriss der Köhlbrandbrücke im Jahr 2030 erfüllt viele Hamburger mit Wehmut. Dabei ist sie selbst ein Symbol für den ständigen Abschied und das ständige Wiederanfangen. Denn ein Hafen ist ja immer Wandel.

Obwohl weithin sichtbar, war der Zugang zur Köhlbrandbrücke nie leicht zu finden. Dahinter steckte Absicht. Man verzichtete komplett auf Ausschilderung, um den Verkehr in Maßen zu halten.

 

Renovierungsstau

 

Erst seit die Brücke renoviert wird und nur noch einspurig befahren werden kann, ist es selbst für Ortsunkundige ganz easy: Von der A7 und der Hafencity weisen jetzt nämlich Stau-Warnungen den Weg.

 

underthebridge

 

Dementsprechend ist nun wochentags immer Stau auf der Brücke. Wer´s nicht so mit Höhe hat, kann da leicht Zustände kriegen. Besser läufts am Sonntag. Wenn der Hafen sich ausruht, hat der Hafentourist freie Fahrt. Dann kann man auch mal in aller Ruhe nachsehen, was unter der Brücke so los ist; etwa in Neuhof.

 

 

In Neuhof lebten einmal 3.000 Menschen. Und heute keiner mehr. Die wunderschöne Siedlung aus den 1920erJahren wurde in den 1970ern abgerissen. Es war nicht die erste Vertreibung vom Köhlbrand. Und nicht die letzte.

Der Köhlbrand, ein Mündungsarm der Süderelbe, ist so was wie das Gegenteil der Hafencity. Während in der Hafencity in unfassbarem Tempo urbaner Lebensraum entsteht, wurde der Köhlbrand über Jahrzehnte entvölkert.

 

koehlbrandbrueckevonunten

 

Auf der südlichen Seite der Köhlbrandbrücke, in Waltershof, befand sich früher ein 800 Meter langer Sandstrand. Die Arbeiterwohlfahrt betrieb hier eine Ferienkolonie für Kinder. 10 Pfennig kostete die Überfahrt von St. Pauli.

 

Waltershof Hamburg

 

Selbst wenn der Strand nicht längst durch Hafenerweiterungen verschwunden wäre, würde man dort inzwischen wohl nicht mehr so gern baden gehen. Durch Waltershof dröhnt die A7. Und das nicht zu knapp.

 

Waltershof

 

Einer der seltsamsten Ort im Hafen ist sicher Altenwerder. Das Dorf wurde für einen Containerterminal plattgemacht. Die letzten Einwohner kämpften bis 1998. Am Ende ist nur die Kirche St. Getrud übriggeblieben.

 

St. Gertrud

 

Die Kirche von Altenwerder liegt im absoluten Nirgendo zwischen Autobahn und Containerterminal. Zwei mal monatlich findet ein Gottesdienst statt. Ab und zu lädt die Gemeinde zum Tag der offenen Tür oder Konzerten. Heiraten darf man dort auch noch. Eine schöne Tradition sind die Bäume der Hoffnung, die auf dem Kirchplatz traditionell von den Hochzeitspaaren gepflanzt werden.

 

 

Erstaunlicherweise haben wir die Stimmung am Tag der offenen Tür als fröhlich empfunden. Obwohl die ausgestellten Bilder und Filme natürlich nachdenklich machen. Die Liebe der Altenwerder Bevölkerung zu ihrer verlorenen Heimat spiegelt sich in jedem Dokument.

 

Altenwerder

 

Rund um die Kirche ist ein kleines Biotop entstanden. Das ist auch ein verwirrender Gedanke. Wo mal Parkplätze waren, wuchert heute wieder die Natur.

 

 

Unterm Strich ist es nun mal so: Im Hafen ist nichts für die Ewigkeit. Manchem Wandel weint man keine Träne nach. Anderes erfüllt mit Wehmut. Neubauten entstehen, alte Hafenbecken verschwinden, Schuppen werden umgenutzt und an anderere Stelle fallen dafür riesige Areale wieder brach. Ist eben alles immer im Fluss. Am Fluss.

 

Spiegelung

Nordwärts auf dem Wild Atlantic Way

Anita und Claudia von Aktiv-durch-das-Leben haben zur Blog-Parade gerufen: Dein schönster Urlaub ever, lautet das Thema. Schwere Frage das. Und abhängig von der Tagesform. Ist einem kalt, sehnt man sich nach Sonne. Findet man alles öde, möchte man Abenteuer. Während man sich in hektischen Zeiten nach Ruhe und Einsamkeit sehnt.

Alles könnte man in Donegal finden, dem nördlichste County Irlands. Darüber haben wir bereits an anderer Stelle berichtet. Nicht aber über den Weg dorthin auf dem Wild Atlantic Way.

Man erreicht die Westküste von Dublin aus gesehen am schnellsten, indem man die grüne Insel der Breite nach quert. Typisch deutsch freut man sich anfänglich über die leerste Autobahn der Welt (die M6). In knapp 2 Stunden ist man in Galway.

Spätestens dort tritt man wie von selbst auf die innere Bremse. Der Wunsch nach möglichst viel wird zum Wunsch nach möglichst langsam. Und in unserem Fall noch zu möglichst nördlich. Ab jetzt ist der Weg das Ziel.

 

Connemara

 

Tag 1: Unterwegs nach Connemara

 

Connemara ist eine wild-romantische Region mit Heidelandschaften, düsteren Mooren, Traumstränden und Bergen.  Die erste Rast an einem x-beliebigen Strand fasst zusammen, was Irlands Norden ausmacht.

 

Hundknochenstrand

 

 

a) In Irland ist es wärmer, als es aussieht. (Wärmer jedenfalls als in Hamburg. Das liegt am Golfstrom.)

b) Im Norden Irlands trifft man viel weniger Touristen, als erwartet. (Warum, kann ich mir nicht erklären.)

 

 

Kylemore Abbey & Victorian Walled Gardens

Kylemore Abbey & Victorian Walled Gardens

 

Als Etappenziel bietet sich Letterfrack an; direkt im Connemara Nationalpark und nur 5 Minuten entfernt von der ältesten Benediktinerinnenabtei Irlands mit den berühmten ummauerten Gärten.

Den Nationalpark sollte man sich für den Abend aufsparen. Wenn die Berggipfel in der untergehenden Sonne zu funklen beginnt, versteht man, warum.

 

 

Die Iren sind bestens auf Roadtripper und Wanderer eingerichtet. Ein Zimmer findet man außerhalb der Hochsaison immer und überall. Die irische Gastfreundschaft wird besonders in Independent Hostels großgeschrieben.

(Wer noch nie in einem Hostel gewohnt hat, keine Angst. Da steigen nicht nur „junge Leute“ ab und in fast allen Hostels gibt es Einzel- oder Doppelzimmer mit eigenem Bad; Fachjargon: en-suite.). Übernachtungstipp: die Letterfrack Lodge von Mike, dem besten Gastgeber ever.

 

NPConemarra

 

Tag 2: Unterwegs nach Mayo

 

Der erste Morgen im Urlaub ist immer etwas ganz besonders Feines. Für den ersten Morgen in Connemara gilt das hoch zehn. Jedenfalls wenn man menschenleere Strände und türkises Wasser mag.

 

 

Nur ein paar Kilometer von Letterfrack liegt Lettergesh;  laut BBC „One of 50 places in the world to see before you die“.  Golfen geht in Lettergesh so: Man schlägt ab Richtung Atlantik. Und läßt seinen Hund die Bälle zurückbringen.

 

Tully

 

Weiter gehts entlang des einzigen Fjords Irlands, dem Killary Harbour. An seinem Ostende träumt das kleine Örtchen Leenane vor sich hin. Rund um die alte Steinbrücke findet man viele traditionelle Pubs. In schön miefig-dunkel-holzgetäfelter Atmosphäre treffen sich Einheimische zum Lunch.

 

Fjord

 

Die optimale Reisegeschwindigkeit liegt für uns in Irland bei 100 km pro Tag. Die sind erreicht am Achill Sound – über den sich die Brücke nach Achill Island spannt.

Die Insel gehört bereits zum County Mayo und ist sowas wie Irland in Miniaturformat. Man könnte hier auch gleich seinen ganzen Urlaub verbringen. So wie Heinrich Böll, der auf Achill ein Cottage besaß und sein Irisches Tagebuch verfasste.

Achill ist für irische Verhältnisse aber auch sehr gut besucht. Wer die Einsamkeit schätzt, wird es zu wuselig finden.

 

Keem Beach auf Achill Island

Keem Beach auf Achill Island

 

Was sich auf Achill Island ganz besonders lohnt ist die Panoramastraße mit ihren rauen Klippen, weißen Sandstrände, hohen Bergen und ausgedehnten Hochmooren. Außerdem das Slievemore Desterted Village, ein Geisterdorf am Fuße des höchsten Berges der Insel. Die Wanderung zu seinem Gipfel wird mit fantastischem Ausblick belohnt. (Weniger spekatkulär ist Bölls Cottage. Das Haus wird von einer Stiftung betreut und ist typisch deutsch komplett von der Außenwelt abgeschirmt.)

 

Tag 3 : Unterwegs nach Sligo

 

Die phantastische (phantastische, phantastische) N59 führt ins Landesinnere Mayos. Die Weite und spröde Schönheit ist unbeschreiblich.

 

 

Im Ballycroy Nationalpark fühlt man sich wie im Wilden Westen. (Mag allerdings sein, dass wir es nur so empfunden haben, weil man überall auf Hinweise von John Wayne stößt. Er dreht hier allerdings keinen Western sonder den „Quiet Man“.)

 

Ballycroy Nationalpark Visitors Center

Ballycroy Nationalpark Visitors Center

 

Bei den Céide Fields geht es wieder ans Meer. Bei Downpatrick Head hat der Atlantik Tortenstücke aus Klippen geschnitten und gewaltige Löcher (blowholes) in die Küste gebohrt. (Sie sind abgesperrt. Trotzdem unheimlich.)

 

Down Patricks Head

Downpatrick Head

 

Fischen geht in Downpatrick Head so: Man befestigt 10 Haken an seiner Leine. Taucht sie ein, zwei Minuten in den Atlantik. Und zieht sie dann wieder raus – mit mindestens fünf Fischen an der Angel.

 

 

Nördlich von Downpatrick Head wird die Küste lieblich. Fast schon niedlich. Fast schon englisch. Und nirgendwo ein Mensch. Ich finde das herrlich.

 

Mayo

 

Noch dünner besiedelt als das County Mayo ist das County Sligo. Abgesehen vom Etappenziel, dem Surferparadies Strandhill. Das Wahrzeichen Sligos, der Tafelberg Ben Bulben, ist von Sligo gut zu sehen.

 

 

Tag 4: Unterwegs nach Donegal

 

YeatsAm Fuß des Tafelberges, in Drumcliff, liegt William Butler Yeats begraben.

„Wirf einen kalten Blick/ auf das Leben, auf den Tod/ Und dann, Reiter/ zieh weiter.“

Die Worte aus Yeats Gedicht „Ben Bulben“ begleiten einen noch lange.

Denn kurz hiner dem kleinen Friedhof von Drumcliff beginnt Donegal. Die ruhigste, einsamste und wunderbarste Grafschaf Irlands, wo das Tor zur Feenwelt liegt. Wo einen gar nichts mehr von der inneren Einkehr ablenkt. Wo man ganz ehrfürchtig wird, weil die Landschaft überwältigend ist.

Aber das haben wir ja schon an anderer Stelle erzählt.

 

Donegal