Das Hamburgische Wattenmeer ist das größte Naturschutzgebiet Hamburgs. Ein Nationalpark sogar. Von der UNESCO als Weltnaturerbe geadelt. 90% von insgesamt 13.750 ha sind als Schutzzone deklariert.
Ich bin nicht sicher, ob die Salzwiesen rund um das Badehäuschen von Neuwerk dazu gehören. Einerseits muss man da ja wohl irgendwie hinkommen. Andererseits kann ich keinen speziellen Weg entdecken. Sicherheitshalber bewundere ich den Sonnenaufgang vom Deich aus.
Wir haben ja noch den ganzen Tag. Unser Schiff geht erst in 13 Stunden. Viel Zeit für eine 3qkm kleine Insel. So viel Zeit, dass einen die reine Seelenruhe überkommt. Seit wir gestern angekommen sind, liegt unsere Taktzahl deutlich unter normalem Tempo. Der Himmel wechselt von rot über rosa zu blaugrau.
Die Ölplattform Mittelplate am Horizont wirkt auf mich wie ein mahnender Zeigefinger. Sie liegt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dort übernehmen gerade Parteien das Ruder, die sich klar für neue Bohrungen ausgesprochen haben. Auch wenn dafür das Gesetz gebeugt werden muss. Und darüber könnte ich trübsinnig werden.
Das Hamburgische Wattenmeer: bedrohte Wunderwelt
Zwei Jungs in Profi-Outdoor-Outfits erklimmen den Deich. Sie wollen raus auf den kleinen Vogelsand. Nur dort darf das Hamburgische Wattenmeer weitflächig betreten werden. Die beiden zeigen mir den Zaun, der die Grenze zwischen Schutzzone I (Betretungsverbot) und Schutzzone II (Betreten bei gutem Benehmen erlaubt) markiert. So weiß ich nun auch, wie ich zum Badehäuschen komme.

Dass ich nicht einfach so durch die Salzwiesen stiefeln wollte, hat mit den Seevögeln zu tun. Für viele ist Neuwerk von existenzieller Bedeutung. Als Tankstelle auf dem Weg in den Norden oder als Brutgebiet. So kommen zum Beispiel mindestens 75% aller europäischen Brandenten in die Elbmündung zur Mauser. Um nur mal die Zahl für eine Art in den Raum zu werfen.

Ich sitze eine ganze Weile auf einer Bank vom dem Badehäuschen und schaue dem Wind dabei zu, wie er den Himmel blau putzt. Die Vögel scheint meine Existenz nicht sonderlich zu beeindrucken. Nur wenn ein Hase wie wildgeworden durch die Menge rast, fliegen sie in riesigen Wolken auf. Es fühlt sich an, als wäre ich in eine NDR-Doku geraten.
Es ist witzig mit Neuwerk. Der Insel fehlt eigentlich alles, was die anderen Nordseeinseln ausmacht. Strände, Dünen, niedliche Friesenhäuser: Fehlanzeige. Trotzdem sind mir unsere 2 Tage zu wenig. Ich bräuchte die doppelte Zeit. Mindestens.
Das Hamburgische Wattenmeer: Mehr Zeit für Meerzeit
Gaaanz langsam schlendere ich zum Hotel, dusche ewig (mache dabei ein bisschen mehr Krach als nötig, damit einer aufwacht, der mich zum Frühstück begleiten kann.) Und alles ist sehr relaxed und entspannt und Kaffeeduft und Brötchen und Tagesplanung … bis unsere Gastgeberin Frau Griebel mit entschuldigendem Lächeln an unseren Tisch tritt und sagt, dass unser Schiff heute leider nicht kommen wird.

Ich mache ein Gesicht wie eine Fünfjährige, dem die Eiskugel aus der Waffel gefallen ist. Aber da kann man nun mal nix machen. Der Ostwind ist zu stark, das Wasser dementsprechend flach. Nun bleibt nur verlängern oder der Wattwagen – denn Wattwagen geht immer. Heute allerdings schon um 12.00 Uhr.
Es muss nun alles recht hastig gehen. Was wahnsinnig blöd ist, weil hastig überhaupt nicht zu Neuwerk passt. Für den Leuchtturm und das Ostvorland bleibt uns jetzt noch weniger Zeit als einem Tagesausflügler. Den Friedhof der Namenlosen und das Nationalpark-Haus müssen wir ungesehen zurücklassen. Viel zu schnell sitzen wir auf dem Wattwagen zurück aufs Festland.

Wattwagenfahrt durch das Hamburgische Wattenmeer

Vermutlich hätte ich freiwillig nie eine Wattwagenfahrt gebucht. Doch unser Kutscher versichert, die Pferde würden keine Höllenqualen leiden. Anstrengend sei es allerdings schon, gibt er zu. Deshalb lässt er seine Tiere mindestens ebenso viele Tage ruhen wie arbeiten. Der Wagen rollt im Watt nicht leicht dahin und teilweise sind die Prile so tief, dass den Pferden das Wasser bis zum Bauch steht. Was ich nie gedacht hätte: Auf dem Prickenweg herrscht ein Verkehr wie auf der A7.

Gute 1,5 Stunden sind wir unterwegs. Es ist relativ ungemütlich und regnet ab und zu ein bisschen. Die 2 Typen, die auf eine leicht herrische Art die erste Bank für sich beansprucht haben, kriegen am meisten Wind & Wasser ab. Es gibt eben doch Gerechtigkeit auf der Welt.

Rettungsinsel für Wattwanderer
Und während wir da durch´s Watt traben, ziehe wir unser persönliches Fazit. Wir sind noch nicht fertig mit Neuwerk und kommen hoffentlich noch einmal zurück. Wenn man´s gleich richtig machen möchte, dann unserer Meinung nach in etwa so:
Einmal im Leben: das Hamburgische Wattenmeer
Schönste An/Abreise: Schiff (falls es nicht fährt: Wattwagen)
Beste Zeit: Mitte/ Ende September
Optimale Dauer: 4 Tage
Davon je einer zum entspannten Ankommen und Verabschieden. Und je einer zum Wattwandern a) auf dem Kleinen Vogelsand (Robben kieken) und b) zur wandernden Düneninsel Scharhörn (Vogelwart vorher informieren).
Und wer jetzt noch mehr über Neuwerk und das Wattenmeer wissen möchte, kann mal bei Sebastian vorbeischauen. Er lebt (!) auf einem Boot in Cuxhaven und kann wahrscheinlich so ziemlich jede Frage beantworten.









































































































































































