Alle Artikel in: Hamburg

die Reit

Die Reit, die Hohe und die Frage, was relevant ist

Die Reit in Hamburg Allermöhe ist eines der kleinsten Naturschutzgebiete der Stadt. So klein und abgelegen, dass die weite Anreise aus dem Hamburger Westen, Süden oder Norden im Verhältnis zum Vergnügen vor Ort kaum lohnenswert scheint. Warum auch sollte man einen weiten Weg auf sich nehmen, wenn man ohenhin eine Handvoll Naturschutzgebiete in direkter Nachbarschaft aufsuchen kann?! So geht es nämlich fast jedem Hamburger. (Prozentual gesehen hat kein Bundesland auch nur annährend so viele Flächen unter Naturschutz gestellt wie Hamburg. Wer hätte das gedacht?!)     Angesichts ihrer geringen Größe und Abgelegenheit könnte man die Reit als nicht weiter relevant für das Wohlbefinden der Hamburger einstufen. Werber, Journalisten und andere Medienmenschen werden das vermutlich tun. Ich glaube, Relevanz ist eine ihrer Lieblingsvokabeln.   Die Reit oder die Frage, was relevant ist   Jedenfalls lese und höre ich ständig, wie Medienleute alles Mögliche auf Relevanz abklopfen  – Themen/ Texte/ Bilder und Produkte – sogar Menschen. So urteilte ein Juror in der letzten Staffel von Germanys Next Topmodell über eine Kandidatin: „Sie hat ein total relevantes Gesicht“. …

Wandern auf dem Grünen Ring

Hamburgs Grüner Ring, Etappe 8

Hamburgs Grüner Ring ist ein 100 km langer Wanderweg. Er zieht sich einmal außen um die Stadt herum und ist in 8 Etappen eingeteilt. Sie sind alle – mal mehr, mal weniger bequem – mit Öffis zu erreichen. So ergibt sich ein Fernwanderweg, den man Stück für Stück laufen kann; immer wenn´s grad passt. Bzw. wenn man sich aufraffen kann. Das fällt mir hin und wieder schwer – obwohl ich´s grün mag und wandernd sowieso. Aber der Mensch ist ja manchmal seltsam.  Auf die 8. Etappe muss ich mich jedenfalls regelrecht zwingen. Dabei ist das Wetter prima. Und der Tag noch jung. Trotzdem. Ich habe keine Lust, 27 Minuten mit der S-Bahn nach Heimfeld zu fahren. Überhaupt Heimfeld. Dahin habe ich mich noch nie gesehnt.   Grüner Ring, Etappe 8, Start: Heimfeld   Heimfeld war für mich immer nur eine Autobahnausfahrt. Umso verblüffter bin ich, als ich aus dem Untergrund spaziere. Es sieht hier wie in einer netten Kleinstadt aus. Ich hatte etwas Zersiedelstes erwartet. Stattdessen spaziere ich auf einer Allee mit großzügigen Villen aus …

52 Eskapaden in und um Hamburg

52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg: uns gibts jetzt auch gedruckt

Ich weiß noch ganz genau, wann der DUMONT Verlag anfragte, ob wir ein Buch mit dem geheimnisvollen Titel 52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg machen wollten. Der Anruf erreichte uns vor Urzeiten (so kommt es mir vor) an einem grieselgrauen Tag auf Sylt. Draußen stürmte es und regnete Bindfäden. Was sich daraufhin in mir abspielte, war ziemlich nah dran am Gefühl einer Blitzverliebtheit, denn die Idee schien auf uns zu passen wie der berüchtigte Deckel auf den Topf. Und überhaupt hatte ich mir schon immer und immer gewünscht, so ein Buch zu schreiben.   52 kleine und große Eskapaden in und um Hamburg: Ab nach draußen   Wie das beim Verlieben so ist, folgte eine kurze Werbephase; Probetexte und Probefotos mussten eingereicht werden und vor allem eine Liste vorgelegt, wie wir das Konzept hinter den Eskapaden mit Leben füllen wollten. Zufällig entsprach das Briefing exakt meiner Vorstellung des besten Puzzles der Welt: 52 Outdoor Erlebnisse, für jedes Wetter, jede Jahreszeit, die möglichst umsonst und möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unbekannteren Naturschönheiten führen …

Altonaer Balkon

Rundwanderung & Sightseeing zugleich: der Altonaer Balkon

Wenn Hamburger im Frühling (oder überhaupt) Besuch von auswärts erwarten, ist der Altonaer Balkon ein gutes Ziel. Denn Besucher von auswärts sagen ja immer das Gleiche. Sinngemäß: „Hamburg ist wirklich schön, aber das Wetter…“ Und da haben die Besucher natürlich Recht. Das Hamburger Wetter ist im Grunde unzumutbar. Wenn überall sonst im Land linde, laue Lüfte den Frühling einläuteten, ist es hier ehrlich gesagt noch immer ziemlich kalt.     Genau besehen, kann in Hamburg nur zufrieden existieren, wer einen Südbalkon besitzt. So einen geschützten Ort, an dem es – selbst bei niedrigen Temperaturen – wohlig warm wird. Und weil nicht jeder einen eigenen Balkon zur Sonnenseite hat, sind die Geesthänge an der Elbe eine feine Sache. Denn die funktionieren ganz genauso.     Der größte Sommersalon ist der Altonaer Balkon. Ich hatte ihn neulich schon im Beitrag über das Altonaer Museum erwähnt. Von dort aus (oder dem Bahnhof Altona) geht man einfach nur durch die Grünanlagen Richtung Rathaus, um an der Palmaille die Straßenseite zu wechseln. Der Blick auf den Köhlbrand ist von hier …

Hafen Hamburg

Zur Erholung auf St. Pauli (für Instagramer & Konsorten)

Heute nur was Kleines, denn ich bin zwischen zwei Jobs in der Ferne nur ganz kurz zur Erholung auf St. Pauli. Und genau das möchte ich heute den Instagramern unter Euch empfehlen, wenn Ihr das nächste Mal in Hamburg seid. St. Pauli ist ja so ein Stadtteil, von dem selbst Menschen, die noch nie hier waren, gewisse Bilder im Kopf haben. Sehr unterschiedliche Bilder. Das wurde mir klar, als ich vor einiger Zeit im DB-mobil-Magazin die Top 5 der St. Pauli-Instagram-Motive entdeckte. Unter den Top 5 fehlte alles, was ich für typisch St. Pauli halte. Dafür belegte den vierten Platz die Zuckermonarchie; ein kleines, niedliches Café, im hygge-DIY-shabby-chick-Look. Nichts gegen kleine, niedliche Cafés (und schon gar nichts gegen die Zuckermonarchie). Jedoch kann man nicht direkt sagen, dass sie charakteristisch für St. Pauli wären. Immer mehr Menschen entwickeln ihre Vorstellungen über Orte/ Ereignisse/ Dinge in sozialen Netzwerken. Die älteren Leute bei facebook, die jüngeren auf Instagram, hörte ich neulich im Radio. Und nun finde ich es einigermaßen witzig mir vorzustellen, dass vermutlich überall auf der Welt …

Elbe

Wie ich mich am Strand von Wittenbergen mit dem Februar anfreundete

Nie wieder werde ich den Februar vorverurteilen, dachte ich neulich am Strand von Wittenbergen. Das war 4 blitzeblaue Tage nach meinem Ausflug zum Elbstrand an der Hetlinger Schanze. Über die Kommentare zu diesem Beitrag war mir aufgefallen, dass ich meinen Lieblingselbstrand noch nie hier auf dem Blog gezeigt habe. Dabei ist er ein ganz besonders schönes Stück Hamburg.     Auf den schluchtartigen Wegen von Falkenstein hinunter zum Strand bin ich immer wieder hingerissen. Unten angekommen, fällt als erstes eine Gruppe Linden auf. Die Bäume wurden um 1900 gepflanzt und markierten die Sommerterrasse des Fährhauses Wittenbergen. Damals kamen die Hamburger in Scharen mit dem Dampfer. Es gab Badekabinen, Strandkörbe, einen Musikpavillon, Schießbuden und Karussells. Heute gibt es nur noch die Linden. Und die Leuchttürme, die ebenfalls um 1900 in Betrieb genommen wurden. Der erste steht direkt am westlichen Ende des Strandes; das Unterfeuer von Wittenbergen.     Wittenbergen gehört zu Rissen. Einem Dorf, in dem vielleicht die Gentrifizierung erfunden wurde. Es begann so um 1850, als wohlhabende Kaufleute aus der Stadt in großem Umfang Ländereien …

Altonaer Museum

Montags offen – Dienstag zu: Altonaer Museum

Bevor ich neulich das Altonaer Museum besuchte, saß ich eine Weile auf einer Bank beim monumentalen Stuhlmannbrunnen und beobachtete die Leute. Um 1900 galt die Brunnenanlage als progammfüllendes Sonntagsziel. Die Ausflügler kamen in Scharen, um sich am Kampf der Zentauren, den Wasserspielen von Nixe, Triton, Echsen und anderer Fabelwesen zu begeistern.     Heute ist der Springbrunnen auf dem Platz der Republik gerade mal gut für ein schnelles Smartphone-Foto. Aber immerhin. Die Fluktuation war draußen größer als drinnen im Museum. Dabei war Sonntag und das Wetter stand auf der Kippe. Beste Bedingungen eigentlich für Museen. Aber die Strahlkraft des Altonaer Museums ist vielleicht nicht groß genug. Allerdings genau meine Kragenweite.     Das Altonaer Museum gehört zu den Historischen Museen Hamburgs. Es befasst sich mit „der Kunst- und Kulturgeschichte des norddeutschen Raumes und präsentiert die kulturhistorische Entwicklung der Elbregion um Altona, von Schleswig Holstein und der Küstengebiete von Nord- und Ostsee.“     Die ganz großen Namen, wegen der sich die Massen etwa durch die Kunsthalle schieben, sucht man im Altonaer Museum vergebens. Dafür warten …

Staatsoper

Elphis schöne Schwester: die Hamburgische Staatsoper im Advent

Als ich gestern zur Blauen Stunde quer durch Planten un Blomen Richtung Hamburgische Staatsoper stiefelte, kreuzten zwei Ratten meinen Weg. Ich bin keine Expertin, was das betrifft, doch ich nahm an, es wären Wasserratten. Wie sie sich da nämlich direkt vor meinen Füßen in das Bassin gleiten ließen, sah es ganz so aus, als würden sie zum reinen Vergnügen auf die weite Fläche hinauspaddeln. Die Lichter der Schlittschuhbahn spiegelten sich auf dem Wasser wie bunte Monde. Der Schneeregen fiel dicht. Und ich kann jeden verstehen, der die Vorstellung nicht besonders romantisch findet. Aber ich … ja … ich fühlte mich ungeheuer „zuhause“. Etwas, das ich immer dann besonders genieße, wenn ich es eine Weile nicht hatte.     Ich mag meine Stadt. Auch wenn in Hamburg – das habe ich mal gelesen –  mehr Ratten leben als Menschen. Bei uns gelten sie als eklige Schädlinge, aber in Indien und China stehen Ratten für Kreativität und Ehrlichkeit. Zwei Eigenschaften, die recht gut zum Hafen passen – genau wie Offenheit und Toleranz. Die Bandbreite akzeptierter Lebensformen zieht …

Hamburg Rathaus

Freunde von Hamburg, schaut auf diese Stadt – vom Aussichtsturm St. Petri

Wäre ich nicht schon während des Hafengeburtstags auf den Aussichtsturm St. Petri gestiegen, hätte ich es sicher vergangenen Sonntag getan, denn da waren die Voraussetzungen ähnlich. Zwar schien trotz Wochenende ausnahmsweise die Sonne (was diesen Sommer ja mal wieder nicht selbstverständlich war). Doch die Natur rief nicht allzu laut nach mir, da es zuvor tagelang geregnet hatte und ich mir Wiesen und Wälder matschig vorstellte. An den Hafen wollte ich auch nicht – wegen der Cruise-Days – und überhaupt ist es mir seit einiger Zeit sonntags eigentlich immer zu voll zwischen Hafencity und Övelgönne. In der Innenstadt ist es allerdings schön ruhig.     Ich hatte den Aussichtsturm St. Petri schon auf der Liste, seit ich Michèles Gedankensprüngen auf den 544 Stufen gefolgt war, die Turmbesteiger absolvieren müssen. Einen Fahrstuhl gibt es in der Hauptkirche an der Mönckebergstraße nämlich nicht.   Aussichtsturm St. Petri: 544 Stufen ohne Fahrstuhl   Was es hingegen gibt sind Schließfächer  – und wenn die nette Dame an der Kasse des Kirchenshops vorschlägt, dort die Jacke zu deponieren, dann weiß sie …

das hamburgische Wattenmeer

Das Hamburgische Wattenmeer oder: wie kommt man von Neuwerk weg?

Das Hamburgische Wattenmeer ist das größte Naturschutzgebiet Hamburgs. Ein Nationalpark sogar. Von der UNESCO als Weltnaturerbe geadelt. 90% von insgesamt 13.750 ha sind als Schutzzone deklariert. Ich bin nicht sicher, ob die Salzwiesen rund um das Badehäuschen von Neuwerk dazu gehören. Einerseits muss man da ja wohl irgendwie hinkommen. Andererseits kann ich keinen speziellen Weg entdecken. Sicherheitshalber bewundere ich den Sonnenaufgang vom Deich aus. Wir haben ja noch den ganzen Tag. Unser Schiff geht erst in 13 Stunden. Viel Zeit für eine 3qkm kleine Insel. So viel Zeit, dass einen die reine Seelenruhe überkommt. Seit wir gestern angekommen sind, liegt unsere Taktzahl deutlich unter normalem Tempo. Der Himmel wechselt von rot über rosa zu blaugrau.     Die Ölplattform Mittelplate am Horizont wirkt auf mich wie ein mahnender Zeigefinger. Sie liegt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dort übernehmen gerade Parteien das Ruder, die sich klar für neue Bohrungen ausgesprochen haben. Auch wenn dafür das Gesetz gebeugt werden muss. Und darüber könnte ich trübsinnig werden.   Das Hamburgische Wattenmeer: bedrohte Wunderwelt   Zwei Jungs in Profi-Outdoor-Outfits erklimmen den Deich. Sie wollen raus …