Alle Artikel in: Hamburg

das hamburgische Wattenmeer

Das Hamburgische Wattenmeer oder: wie kommt man von Neuwerk weg?

Das Hamburgische Wattenmeer ist das größte Naturschutzgebiet Hamburgs. Ein Nationalpark sogar. Von der UNESCO als Weltnaturerbe geadelt. 90% von insgesamt 13.750 ha sind als Schutzzone deklariert. Ich bin nicht sicher, ob die Salzwiesen rund um das Badehäuschen von Neuwerk dazu gehören. Einerseits muss man da ja wohl irgendwie hinkommen. Andererseits kann ich keinen speziellen Weg entdecken. Sicherheitshalber bewundere ich den Sonnenaufgang vom Deich aus. Wir haben ja noch den ganzen Tag. Unser Schiff geht erst in 13 Stunden. Viel Zeit für eine 3qkm kleine Insel. So viel Zeit, dass einen die reine Seelenruhe überkommt. Seit wir gestern angekommen sind, liegt unsere Taktzahl deutlich unter normalem Tempo. Der Himmel wechselt von rot über rosa zu blaugrau.     Die Ölplattform Mittelplate am Horizont wirkt auf mich wie ein mahnender Zeigefinger. Sie liegt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dort übernehmen gerade Parteien das Ruder, die sich klar für neue Bohrungen ausgesprochen haben. Auch wenn dafür das Gesetz gebeugt werden muss. Und darüber könnte ich trübsinnig werden.   Das Hamburgische Wattenmeer: bedrohte Wunderwelt   Zwei Jungs in Profi-Outdoor-Outfits erklimmen den Deich. Sie wollen raus …

Neuwerk

Hamburgs stillster Stadtteil oder: Wie kommt man nach Neuwerk?

In meiner Vorstellung bin ich immer nach Neuwerk gewandert. Also, wattgewandert – von Cuxhaven über sandigen Boden – bei Sonnenschein versteht sich, mit kühlem Nordseewind im Gesicht. Aber so einfach ist das gar nicht. Das hatte ich schon letztes Jahr festgestellt, als ich mir zuerst einen Termin für den Kurztrip nach Neuwerk freischaufelte – und danach den Tidenkalender checkte, um festzustellen: jeden Monat ist die Insel für einige Tage unerwanderbar. Dieses Jahr stellte ich es schlauer an. Und wir wären auch ganz bestimmt nach Neuwerk gelaufen, hätte uns nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Regen & Kälte waren angesagt, was nicht so schön ist, weil der Wattwanderweg eben nicht über eine sandige, weite Fläche führt. Sondern durch schlickiges, schlammiges Gluckerwatt und durch Priele, in denen man schon mal bis zum Knie versinken kann. Dazu war ich zu schisserig. Und deswegen nahmen wir das Schiff.     Die Flipper braucht von Cuxhaven bis Neuwerk etwa 1,5 Stunden. Normalerweise. Bei uns war irgendwas mit dem Wetter. Zunächst bekamen wir davon nichts mit, außer dass …

Kiesch

Ziemlich gute Bekannte: Hamburger und die Hamburger Kunsthalle

Alfred Lichtwark, der 1. Direktor der Hamburger Kunsthalle, bat regelmäßig Künstler aus dem In- und Ausland an die Elbe, um sich mit Hamburger Ansichten zu beschäftigen. Er wusste, dass die Hanseaten vertraute Motive aus ihrer Umgebung schätzten und hoffte auf diese Art, die Akzeptanz für moderne Kunst in der Stadt zu erhöhen. Ich fühle mich irgendwie ertappt, als ich das auf einer Handreichung lese. Sie hängt direkt neben Liebermanns Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe. Ein Bild, bei dem mir das Herz ganz hell wird – genau wie es der große Mann der Kunsthalle vor über 100 Jahren seinen Hamburgern auf die Nasenspitze zusagte.     Liebermann im Jacob einzuquartieren, war ein ziemlich genialer Schachzug von Lichtwark, das muss ich sagen. Sicherlich bin ich nicht die einzige, für die Liebermanns Bild und die reale Lindenterrasse miteinander verwoben sind. Beim Elbspaziergang denkt man ganz automatisch an das Bild. Beim Betrachten des Bildes an den Elbspaziergang. Und gerade dass man an beides denkt, macht beides doppelt so schön.     Eigentlich bin ich heute …

Solange Plusgrade herrschen: Wilhelmsburger Loop

Loop ist plattdeutsch für Lauf (sagt Hamburg.de) oder englisch für Schleife (sagt der Loop selbst). Jedenfalls steht es in Lautschrift so auf den blauen Quadraten geschrieben, die den Freizeitkurs markieren. Wir loopten vergangenen Sonntag mit dem Rad und hatten durchaus Spaß. Gestartet sind wir an der S-Bahn Wilhelmsburg bzw im Inselpark, wo erstaunlich wenig los war. Wie überhaupt auf dem Loop ziemlich wenig Verkehr herrschte. Was man ja nicht für möglich halten sollte an einem knallblauen Sonntagmittag. Aber so war´s. Außer uns waren nur ein paar Skater und Jogger unterwegs.     Als (beinahe) einzige Fans der igs 2013 gucken wir im Inselpark gern und regelmäßig vorbei. Im Winter waren wir aber noch nie da. Und es war jetzt – so ganz ohne Blattwerk – witzig zu sehen, dass das Gelände viel kleiner ist, als ich glaubte. Gleichzeitig kann man sich mittlerweile vorstellen, dass der Inselpark irgendwann so schön & wichtig wird wie Planten & Blomen heute ist.     Der Loop hat einen sehr feinen Belag, auf dem es sich sicher gut im Irrsinnstempo …

Elbphilharmonie nachts

Gastbeitrag aus dem Innern der Elphie: Wir haben fertig

Neulich fand in Hamburgs bekanntestem Ex-Bauvorhaben eine kleine Feier statt, die der Bürgermeister anlässlich der Übergabe der Elbphilharmonie an die Stadt am Tag vorher für die Menschen ausrichtete, die an der Erstellung dieses Hauses maßgeblich mitgearbeitet haben. In seiner Rede erwähnte Herr Scholz auch, dass ihm die Architekten gleich zu Beginn seiner Amtszeit gebeichtet hatten, dass dieses Bauwerk an der Grenze des technisch Machbaren läge. Dass solche Grenzen auch mal überschritten werden können, war Herrn Scholz durchaus bewusst, umso größer ist auch bei ihm die Freude, dass die Elbphilharmonie nun fertig ist. Nicht weiter erwähnt wurde, dass vor ein paar Wochen noch einmal etwas passierte, das die Schwierigkeiten bei der Erstellung dieses Bauwerks, die extremen technischen und qualitativen Anforderungen und die Bedeutung des Begriffs „fertig“ für die am Bau Beteiligten noch einmal wie im Brennglas verdichtet repräsentierte.     Es ging um den „Kleinen Saal“, der mit seiner Holzvertäfelung ein Kleinkunstwerk an sich ist. Das herausragende architektonische und funktionale Element dieses Saals sind die Wandverkleidungen mit jeweils mehrere hundert Kilo schweren Eichenholzplatten. Aus Gründen der …

Hafenrundfahrt

Hafenrundfahrt: Lohnt sich das eigentlich?

Freitag bin ich auf Hafenrundfahrt gegangen. Es geschah quasi vor Schreck darüber, dass doch tatsächlich die Sonne schien. Ich wusste so schnell nichts Originelleres mit mir anzufangen, als an die Landungsbrücken runterzulaufen (bei denen es sich abgesehen von meinem Balkon um den wärmsten Punkt von Hamburg handelt). Und als ich auf die übliche Weise getriggert wurde („Na, und, willst Du nicht noch mal mit auf Große Fahrt?“), antwortete ich zu meiner eigenen Verblüffung: „Ja“.     Die Große Hafenrundfahrt dauert 60 Minunten und kostet 20 Euro. Ganz schön heftig, finde ich. Doch was soll´s. Ich leiste es mir schließlich nicht gerade ständig. Bei meiner letzten lag der Kurs noch bei 14 – und zwar Mark.     Der Conferencier machte seine Sache super, das muss ich sagen. Schon als sein erster Satz aus dem Lautsprecher schepperte, hatte ich die 20 Euro vergessen. „So, Leute, denn lecht Euch mal in die Sessel und entspannt, wir gehen auf Große Fahrt und kommen braungebrannt zurück.“     Ich glaubte, unter dem Hamburger Schnack einen leichten nordrhein-westfälischen Zugenschlag auszumachen. …

Zollenspieker

Gastbeitrag: das Zollenspieker Pegelhäuschen

Das Alte Zollenspieker Pegelhäuschen liegt in den Vier- und Marschlanden, konkret am Elbstromkilometer 598,5 und somit am südlichsten Punkt Hamburgs. Unsere Gastautorin Verena, die als Stewardess um die Welt jettet und zum Ausgleich ein privates Restaurant in Ihrem Wintergarten führt, liebt es außergewöhnlich. Daher hat sie einfach mal das komplette Pegelhäuschen gemietet; für ein intimes Abendessen mit ihrem Mann.   Eat- Drink – Man – Woman oder das kleinste Restaurant der Welt   Aus einer Kleinstadt in Niedersachsen kommend bin ich nicht besonders verwöhnt durch eine herausragende Restaurantszene in meinem Umfeld. Nichtsdestotrotz (was für ein Wort!) liebe ich Essen und ich liebe Hamburg. Für Hamburger mag es einfach sein, beides zu kombinieren, denn sie müssen sich ja nur für eine Location entscheiden, wenn sie gut essen gehen möchten. Für mich gestaltet sich diese Wahl schwieriger, weil ich mich nicht besonders gut auskenne. Da kam ein Zeitschriftenartikel über das Zollenspieker Pegelhäuschen – nach eigenen Aussagen das kleinste Restaurant der Welt – gerade richtig. Super, dachte ich. Da will ich hin. Und mein Gemahl Timo sollte mit, …

Wilhelmsburg

Stückchenweise ungezähmt: Wilhelmsburg und die Wildnis

Letzten Sonntag besuchten wir einen Fleck in Wilhelmsburg über den das Abendblatt schreibt: Feiner weißer Sandstrand in Südlage, Schatten spendende Bäume, erfrischendes Wasser mit gelegentlichem Wellenschlag. Diese Urlaubsoase haben Hamburger direkt und kostenlos vor ihrer Haustür, in Wilhelmsburg am Finkenrieker Hauptdeich, am Ufer der Süderelbe. Das ist alles maßlos übertrieben. Stimmt seltsamerweise aber gleichzeitig. Jedenfalls wenn man gewisse Dinge ausblendet und andere Dinge fokussiert. Mehr als jeder andere Stadtteil liegt Wilhelmsburg in der Phantasie des Betrachters. Für die einen ist es so was wie die Bronx von Hamburg. Für die anderen die neue Schanze. Und die nächsten halten es für eine Urlaubsoase.     Ganz objektiv gesehen, ist Wilhelmsburg Hamburgs größter Stadtteil; gelegen auf Deutschlands größter Binneninsel, durchschnitten von Autobahnen und mit Industrie gespickt. Dazwischen schmiegen sich einige urbane und einige wilde Ecken. Oder viel mehr Eckchen. Denn in Wilhelmsburg ist alles immer auf die eine oder andere Art begrenzt.     Begrenzung ist natürlich super für Leute, die nicht gern elendig lang spazieren. Bei normalem Tempo hat man die klassischen Wilhelmsburger Naturschönheiten in einer …

wanderweg gruener ring

Als ich mal kein besonders gutes Bild abgab: Wandern auf dem Grünen Ring

Neulich entdeckte ich auf dem Blog Süderelben den Wanderweg Grüner Ring. Er ist 100 km lang und kann hervorragend als Jodeldiplom herhalten. Er ringelt sich im Abstand von etwa 8-10 km ums Rathaus, verläuft also nicht allzu weit von der Innenstadt entfernt, so dass alle 8 Etappen bequem mit Öffis zu erreichen sind. Ein Fernwanderweg, den man spontan und Stück für Stück laufen kann, wenn´s grad passt. Vielleicht weil sich plötzlich eine Atempause auftut und/ oder es zufällig nicht regnet. Ich kann schon mal sagen: Etappe 1 ist super. Etappe 2 nicht. Den fotografischen Beweis bleibe ich schuldig. Denn a) vergaß ich die Speicherkarte der Kamera, so dass ich nur mit meinem altertümlichen Handy fotografieren konnte. Und b) löschte ich versehentlich den Ordner mit allen Fotos von Etappe 2. Aber der Reihe nach.     Wandern auf dem Grünen Ring Etappe 1: Von Teufelsbrück nach Stellingen (10 km)   Folgt man den Tourenvorschlägen von hamburg.de beginnt der Grüne Ring für die meisten Hamburger mit einer Schiffsreise nach Teufelsbrück, was ja schon mal ein sehr angemessener …

Scheinwerfer

Elbphilharmonie: Neubauten können einstürzen

Vor etwa einem Jahr begeisterte uns Tom für die Elbphilharmonie. Mittlerweile kommt kaum einer mehr rein, der dort nichts Wichtiges zu erledigen hat. Umso mehr freuen wir uns, dass Tom ein paar Eindrücke mit rausgebracht hat.   Und hier sind sie: die aktuellsten News von der Baustelle. Heute bei uns auf dem Blog. Licht aus. Womm. Spot an. Yeah. Toms Gastbeitrag aus der Elphie.   Neues von der Baustelle   Am 1. Juli, das heißt in 6 Wochen soll auf Hamburgs bekanntester – dann nicht mehr – Baustelle der Probebetrieb beginnen. Zeit, noch einmal nachzuschauen, wie weit das Kunstwerk gediehen ist.     Nun, es geht voran, seit einiger Zeit auch in Nachtschichten und vieles – besser: fast alles – wird auf den letzten Drücker fertig. Aber es wird fertig.     Die Plaza ist ja schon länger so weit, dort laufen die letzten Mängelbeseitigungsarbeiten. Der „Kleine Saal“ ist fertig und wurde heute abschließend begangen, das dazugehörige, ganz in Holz verkleidete Foyer inklusive Bar sieht auch so aus, als ob man demnächst dort die ersten …