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Ein Space-Elephant zu Ostern

Musical Boulevard Hamburg

Da steht dieser Space-Elephant am Musical-Boulevard. Das klingt nach Broadway. Meint aber nur den Vorplatz zweier Theater im Behelfsbauten-Stil vis-à-vis der Landungsbrücken. Dort konzentrieren sich ziemlich viele Dinge, mit denen ich etwa so viel anfangen kann wie mit einem Osterfest in der Bude. Wenig nämlich.

 

Landungsbruecken

 

Seit Corona überlasse ich die wenigen Freiluft-Möglichkeiten der City am Wochenende denjenigen, die sonst arbeiten müssen (bzw. dürfen). Und denjenigen, die noch dringender raus müssen als ich, also Familien mit Kindern. Wenn alle frei haben, sind die Abstandsregeln in dicht besiedelten Stadtteilen nämlich kaum mehr einzuhalten. Daher ist auch der Elbtunnel aktuell an Wochenenden und Feiertagen gesperrt.

 

Beste Zeit für den Musical Boulevard: Mo-Fr

 

Von Montag bis Freitag führt die unterirdische Prachtsraße aber weiterhin in eine andere Welt. Wer die renovierte Oströhre noch nicht durchlaufen hat, wird sich freuen. Sie ist wunderschön geworden. Drüben auf Steinwerder ist der Weg zum Musical-Boulevard dann schon ausgeschildert. Er führt durch knapp 1,5 km Hafenindustrie. (Wer nicht so gut zu Fuß ist, mag sich vielleicht an der S-Bahn Landungsbrücken ein StadtRad schnappen).

 

 

Der Titel als drittgrößte Musical-Metropole der Welt (nach New York und London) gehört zu den Hamburger Superlativen, die mich weniger beeindrucken. Keine andere darstellende Kunst schätze ich geringer. Ganz anders als Joop van den Ende, waschechter Selfmade-Theater-Mann, überhäuft mit Preisen, Verdienstorden, Ehrendoktortiteln. Großzügigster Mäzen der Niederlande in den Bereichen Kultur und Bildung, leidenschaftlicher Sammler zeitgenössischer Kunst.

 

 

Einige Werke seiner Sammlung hat Joop van den Ende am Musical-Boulevard aufstellen lassen. Etwa zwei ausladende Nanas von Niki de Saint Phalle. Sie ist unter den bildenden Künstlerinnen sicherlich die, mit der ich am allerwenigsten anfangen kann. Scheußlicher finde ich höchstens noch Salvador Dali.

 

Space Elephant Hamburg

 

Und doch: Dalis Space-Elephant am Musical Boulevard hat mir einen der besten Momente der letzten Woche beschert. Ich konnte gar nicht genug von der Skulptur kriegen. Umrundete sie ein ums andere Mal, kehrte immer wieder zu ihr zurück, fotografierte sie aus jedem Blickwinkel. Und war nach einer erstaunlichen Stunde so energiegeladen, dass ich nicht wie geplant, mit der Linie 73 zurückschipperte, sondern unbedingt gehen wollte.

 

Katharinenkirche

 

Was ich damit sagen will: Allen, denen heute die Decke auf den Kopf fällt, die ihre Liebsten vermissen, vor (Existenz)-Angst weder ein noch aus wissen oder überhaupt Ostern verbringen müssen, wie sie es nie verbringen wollten, wünsche ich einen Space-Elephanten! Einen guten Moment jedenfalls. Ein Gespräch. Einen Gedanken. Einen Kirschblütenzweig. Und natürlich so fröhliche Ostern wie möglich. Trotz allem.

 

Musical Boulevard Hamburg

 

4 Kommentare

  1. Ralf Jöckel sagt

    In der Duisburger Innenstadt gibt es einen Brunnen mit einer Skulptur,die „Lebensretter“ heißt.
    Die könnte evtl. vom selben Künstler*in stammen wie hier die „Handball-Werferin“ und dem „Delphin“ auf Bild 1.
    Dat Teil is´so häßlich (finde ich),das ich es nicht knipsen möchte.
    Tja,heute kannste ´nen Margarine-Becher an die Wand klatschen und ´ne Badewanne mit Pflastern bekleben.
    Heißt Du Beuhs,ist es Kunst-machst Du es,gehste inne Klapse.
    Ist wie so vieles Geschmacksache-für mich isses nix.
    viele Grüße und bleibt gesund
    Ralf

  2. Der Space-Elephant hat irgendwas. Man muss ihn einfach anschauen, da die Dimensionen der Beine so gar nicht zu einem Elefanten passen.
    Dein Spaziergang an der Elbe gefällt mir. Ich finde es sehr schön, dass du sagst am Wochenende überlässt du lieber anderen den Weg. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie jetzt aktuell das Leben in der Stadt ist.
    Ich bin so froh, den ganzen Tag draußen auf unserem Grundstück auf dem Land verbringen zu können und selbst am Wochenende kann ich ganz alleine im Wald laufen ohne einem Menschen zu begegnen. Ich bin gespannt, ob die Kontaktsperre noch ein weiteres Mal verlängert wird. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich mit meinen Nachbarn wieder zusammen im Garten sitzen darf und vor allem mal wieder ans Meer reisen darf. Das fehlt mir hier im Binnenland ungemein.
    Halte durch und ich freue mich auf mehr Bilder von der Elbe 🙂
    LG Kerstin

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