Südlich von Husum ändert sich das nordfriesisische Reisegefühl fundamental und spätestens in Westerhever kommt man drauf, woran das liegt. Wer die Nordseeküste Schleswig-Holsteins mit dem Rad abrollt, versteht es wohl am schnellsten.
Oberflächlich gesehen, ändert sich gar nicht viel. Da ist der Deich. Das Wattenmeer. Und am Horizont die Inseln und Halligen. Doch – das ist der große Unterschied – man will nicht mehr so unbedingt hinüber.
Dieses Sehnen nach den Inseln und Halligen, das einen seit der deutsch-dänischen Grenze begleitet hat, ist nur noch eine schöne Erinnerung. Denn jetzt reist man Eiderstedt rund – und Eiderstedt ist sich selbst genug.

Auf Eiderstedt (und nur auf Eiderstedt) gleicht die Nordseeküste Schleswig-Holsteins dem klassischen Urlaubstraum. Auf Eiderstedt nämlich (und nur auf Eiderstedt) schmiegen sich Sandstrände an Deich, Salzwiesen, Dünen. Sandbänke sind das eigentlich, von gewaltigen Ausmaßen. Den Auftakt macht die Sandbank von Westerhever.
Westerhever: Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub
Westerhever ragt im Nordwesten der Halbinsel Eiderstedt ins Wattenmeer. Die Gemeinde liegt weit gestreut und ist viel weniger der Landwirtschaft unterworfen, als es im nördlichen Nordfriesland der Fall ist. Geradezu idyllisch. Auf windzerzauste Westküstenart. Aus Richtung Husum kommend, lohnt sich eine kleine Atempause am Grünstrand von Stufhusen. Denn gleich dahinter zieht das Wahrzeichen Eiderstedts die Horden an.
(104) Stippvisite: Leuchtturm Westerheversand
Der Westerhever Leuchtturm ragt ein wenig ab vom Schuss aus den Salzwiesen. Vom nächstgelegenen (teuersten) Besucherparkplatz aus, sind es 2,5 km. Es führt aber kein Weg dran vorbei, falls man den Leuchtturm besteigen möchte – nur am Parkplatz gibt es Tickets zu kaufen (sowie Pommes, Eis & Co).
(105) Ausflugstag: Sandbank Westerheversand
Da schon die Leuchtturmrunde 5 km beträgt, wagen sich längst nicht alle Ausflügler auf den vorgelagerten Westerheversand. Wie groß er sich präsentiert, hat mit Wind und Gezeiten zu tun; es könnten 3 km in der Länge sein und 9 km in der Breite. Bei Flut muss man durchs Wasser waten; der Weg ist mit Pfählen markiert.
(106) Kurzurlaub: Halbinsel Westerhever
So wie morgens der Touristentaifun über Westerhever schwappt, zieht er sich auch abends zurück. Dann setzt ein Frieden ein, den man sonst nur von den Inseln und Halligen kennt. Die Lerchen singen in den Salzwiesen um die Wette. Schafe genießen ein Abendsonnenbad am Strand. Und so wie man sich auf den Inseln und Halligen nie nach dem Festland sehnt, sehnt man sich in Westerhever nicht besonders auf die andere Seite der Tümlauer Bucht – obwohl da Everybody´s Lieblings-Nordseeheil- und Schwefelbad alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Es reicht ja, wenn man morgen nach dem Frühstück die Bucht umrundet, (zwölf km am Deich entlang, im besten Fall mit dem Rad) um das zu tun, was nirgends an der deutschen Nordseeküste so gut geht wie in St. Peter-Ording: in die Fluten springen.

Dies ist ein Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«, die dicht an der Waterkant um das nördlichste Bundesland führt (eine Reise, die gut zwei Jahre dauern könnte, wenn man sich strikt auf das Beste konzentriert).
Wer grad keine zwei Jahre Zeit hat und sich abschnittsweise auf den Weg machen möchte, findet hier das Inhaltsverzeichnis.
Seit dem XI. Beitrag gehts die nordfriesische Westküste entlang; ein kleines Abenteuer, das besonders mit dem Rad lohnt und im XXII. Beitrag nach St. Peter-Ording führt.


Immer wieder schön! – Für uns zur Zeit unter dem Motto „Those were the days“, da es uns seit geraumer Zeit anderswo hinzieht. – Danke für die Erinnerung!
Ludwig
Danke, ein spannender Text, der Lust macht, dort hinzufahren. Habe ich im Speicher abgelegt. 🌻🌊🐟