Neun Jahre bevor die ersten zahlenden Übernachtungsgäste kamen, schlossen sich die ehemaligen Dörfer Urden und Ulstrup zur Gemeinde St. Peter-Ording zusammen. Das ist jetzt gute 150 Jahre her.
Seitdem ist eine Menge Sand über die Südwestspitze Eiderstedts geweht. Hat sich mal zu Dünen aufgetürmt, ist mal näher an die Küste herangerückt, mal weiter ins Wattenmeer gewachsen.
Während manche »die größte Sandkiste Deutschlands« heute kurz SPO nennen, sprechen Einheimische noch immer von zwei Orten; Ording und St. Peter. Sie sind beide dem Massentourismus unterworfen, beide aber auch dann das richtige Ziel, wenn man mit Massentourismus nicht viel am Hut hat.
Ording – Eventstrand und Wassersportzentrum
Ording liegt im Norden und wird am häufigsten von Tagesgästen gestürmt, denn hier kann man am Strand parken. Wer das seltsam bis absurd findet, steht wahrscheinlich auch nicht besonders auf Großveranstaltungen, die hier regelmäßig stattfinden und nicht selten ganz schön laut sind. Aber das ist eben das Ding: St. Peter-Ording ist so weitläufig, dass man immer Ausweichmöglichkeiten findet.

(107) Stippvisite: Nordstrand Ording
Der nördlichste Strandzugang beim Parkplatz am Norddeich führt mitten durch die Dünen. Strandkörbe, Toiletten oder Gastronomie gibts nicht, deswegen geht es auch entspannter zu als an den bespielten Strand-abschnitten. Die Sandbank ragt weit in die Tümlauer Bucht, toller Fotospot für den Leuchtturm von Westerhever.
(108) Ausflugstag: (Rund)wanderung Ording – Bad
Meer. Strand. Dünen. Wald. Salzwiesen. Zwischen Ording und Bad streift man durch alle Landschaften. Im Sommer am besten zu Fuß, denn selbst auf den Radwegen wird es oft eng. Nordic Walking Routen leiten auf stillere Pfade. Strandkilometer + Baden für den ruhigeren Spätnachmittag/ Abend aufheben.
(109) Kurzurlaub: Sundowner am Strand
Allein um den oft grandiosen Sonnenuntergang zu erleben, lohnt sich eine Übernachtung. Nirgends im Land scheint die Sonne so lange wie an der Nordsee. Und nur zwei Orte an der deutschen Westküste erlauben tideunabhängig (d.h. garantiert) in den Sonnenuntergang zu schwimmen. Ording und St. Peter.
St. Peter – Bad, Dorf (Süd), Böhl
St. Peter fächert sich in drei Ortsteile auf. Das touristische Zentrum liegt in Bad. Der Weg zum Strand ist lang wie überall (1 km), aber nirgends läuft es sich bequemer als auf der ebenso langen Seebrücke. Nur hier kommt man wirklich barrierefrei an den Strand. Wer sich angesichts des Gedränges sorgt: keine Angst. Man kann den Massen schnell davonlaufen (wenn man will).

(110) Stippvisite: Bad
Früher war mehr Einsamkeit. Vor 100 Jahren musste man noch mit dem Boot auf die Sandbank übersetzen. Heute kann man aber auch noch ganz für sich sein. Trubel und Tamtam liegen im Norden auf dem Hitzsand. Eine Viertelstunde weiter südlich auf dem Hochsichtsand warten wahlweise Stille oder Seevögelgeschrei.
(111) Ausflugstag: Dorf (Süd)
Dass fast alle wegen des Strandes kommen, ist prima für die wenigen, die sich am Seebrückenvorplatz in die Salzwiesen schlagen. Sie teilen sich die Pfade zur Badestelle Dorf nur mit Schmetterlingen, Hummeln und Lerchen. Sogar der Rückweg auf der »Erlebnispromenade« ist entspannter, als der Namen vermuten lässt.
(112) Kurzurlaub: Böhl
Bis in die 1970er Jahre galt Böhl noch als Hauptbadestrand. Heute ist die Badestelle so sehr versandet, dass man Kilometer laufen muss, bis das Wasser über die Knie reicht. Als Badewanne ist Böhl daher unschlagbar. Obwohl das Parken am Strand möglich ist, geht es deutlich ruhiger zu als an den anderen Badestellen.
Dies ist ein Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«, die dicht an der Waterkant um das nördlichste Bundesland führt (eine Reise, die gut zwei Jahre dauern könnte, wenn man sich strikt auf das Beste konzentriert).
Wer grad keine zwei Jahre Zeit hat und sich abschnittsweise auf den Weg machen möchte, findet hier das Inhaltsverzeichnis.
Seit dem XI. Beitrag gehts die nordfriesische Westküste entlang; ein kleines Abenteuer, das besonders mit dem Rad lohnt und man könnte verstehen, wenn jemand es am Strand von St. Peter-Ording ausklingen lassen möchte. So herrlich ist es dort. Und man hat ja auch schon fast die ganze Küste Nordfrieslands gesehen. Doch der letzte Schwung an die Eidermündung funktioniert wie ein Cool Down beim Sport. Atmen. Runterkommen. Vollkommen bei sich sein. Im nächsten Beitrag dann.

