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Mit Blick auf zwei Meere – Hörnum

Hoernum

Gestern Kap Horn umrundet. Dem Sturme zum Trotz! Zugegeben nicht mit dem Schiff. Wegen eben jenes Sturmes und einer gewissen Seeuntüchtigkeit. Zugegeben auch, dass es sich nicht um die Bewzingung des Südkaps von Südamerika handelte. Aber auch im Inselsüden von Sylt gingen die Wogen gestern hoch. Was im Hafen von Hörnum erst einmal nicht zu merken war.

 

Adler Schiffe Hoernum

In Hoernum brechen die Adler-Schiffe zu den Inseln und Halligen auf

 

Also den Landweg eingeschlagen. Bzw Strandweg. Vorbei am Südkap-Surfing und Buden-Bistro Südkap, leeren Strandkörben und dem eingerüsteten Leuchtturm von Hörnum. Normalerweise kann man ihn begehen. Derzeit wegen Renovierungsarbeiten aber nicht. Das hat er mit der Hörnum Odde gemeinsam.

 

Leuchtturm Hoernum

 

Odden bezeichnen in Norddeutschland und Skandinavien schlanke Landzungen. Man könnte auch sagen: vom Meer umspielte Orte. Oder auch – wenn man die See liebt – Spots mit Glücksgarantie. Das schrieb ich schon mal mit Blick auf die Odde von Amrum. Die man von der Hörnumer Odde aus übrigens sehen kann. Sie liegt etwa schräg gegenüber.

 

Hoernum Odde

Was alle Odden gemeinsam haben: sie machen gluecklich. Und man umrundet sie am besten barfuss.

 

Bis in die 1960er liefs super für die Hörnum Odde. Sie wuchs und wuchs und wuchs. Dann sorgte 1968 ausgerechnet eine Küstenschutzmaßnahme dafür, dass sich die Meeresströmung im Süden von Sylt änderte. Massen von ultrahässlichen Tetrapoden sollten eigentlich die Sandverfrachtung abschwächen. Stattdessen verstärkten sie die Erosion.

 

Tetrapoden

Den Elementen trotzen – herrliche Sache

 

Seit dem Bau der Betonblock-Buhnen hat die Hörnum Odde gut 90% ihrer Fläche verloren. Wanderungen um die Odde sind mittlerweile nur 2 Stunden vor und 2 Stunden nach Niedrigwasser möglich. Ansonsten bekommt man mindestens nasse Füße. Außerhalb eines kleinen Zeitfensters lecken die Wellen am Dünenfuss der Westseite, so dass meist kein Durchkommen ist.

 

Wanderung um die Hörnum Odde

 

Gestern hatten wir aber gar keine Angst vor nassen Füßen. Im Gegenteil – die Nordsee scheint aktuell wärmer als die Luft zu sein. Das ist ja immer herrlich zum Spazieren am Wellenrand. Doch der Sand schoß uns am Weststrand um die Ohren und in die Augen. Weitergehen vollkommen unmöglich. Da in den Dünen der Hörnum Odde strengstens Betretungsverbot herrscht, der Landweg also versperrt ist, mussten wir den Rückzug antreten.

 

Hoernum

 

Umkehren hieß aber nicht aufgeben. Der Sylter Süden ist so schmal, dass wir es einfach aus der anderen Richtung probieren wollten. Jenseits des Hafens und der Luxus-Herberge Budersand startet ein traumhafter Wanderweg nach Rantum. Ich wanderte ihn das letzte Mal im vergangenen Mai –  bei Seenebel, was schön mystisch war. Aber der beinahe karibische Look gestern, gefiel mir doch noch besser.

 

 

Beim Hotel Hotel Budersand beginnt noch ein zweiter must-walk-Weg, nämlich eine Panoramroute am Rande des Golfclubs. An der höchsten Stelle steht eine Bank mit grandioser Aussicht. Dort machte es auf einmal Sinn, dass die Sylter behaupten, ihre Insel sei von zwei Meeren umschlungen. Das ist sie natürlich nicht wirklich. Das ruhige Wattenmeer im Osten ist genauso Nordsee wie die tosende Brandung im Westen. Doch wenn man seinen Blick vom wilden zum ruhigen Strand schweifen lässt, kann man das tatsächlich nicht glauben.

 

 

Was man angesichts der überwältigenden Dünenlandschaft auch nicht so richtig glauben kann: Hörnum hat touristisch nie in der ersten Sylter Liga gespielt. Und das ist natürlich großartig. Bis heute ist hier weniger los als in vielen anderen Inselorten und der Ort selbst auch nicht gefällig glattgebügelt. Im Gegenteil. Hörnum ist an manchen Ecken ganz schön schrabbelig. Das heißt aber nicht, dass es hier einsam wäre oder gastronmische öde. Womit wir jetzt endlich beim Kap Horn wären.

 

Kersig Siedlung

Der Inbegriff einer Nordsee-Insel-Idylle – die Kersig-Siedlung in Hoernum

 

Über Bohlenwege gelangt man durch wundervolle Dünen und die fabelhafte Kersig-Siedlung zum Weststrand. Dort angekommen hat man a) die Umrundung von Hörnum vollendet und b) das Strandrestaurant Kap-Horn erreicht. Fotografieren war angesichts des Sandflugs nicht möglich. Also kann ich nur sagen: die Einkehr lohnt sich.

 

12 Kommentare

  1. kokkinos vrachos sagt

    Moin, liebe Stefanie, da hätten wir uns ja fast winken können, ich bin gestern auf Eiderstedt gewesen, Westerhever und Hamburger Hallig.

    Mich hat schon sehr erschrocken, wie die Küstenregion inzwischen mit Windrädern zugeballert ist. Dafür habe ich nicht jahrelang gegen Atomkraftwerke und Castortransporte demonstriert……

    Zu Sylt: kein Verständnis habe ich für die jährlichen Sandtaufspülungen, die Millionen Euros verschlingen, und mit den ersten Herbststürmen holt sich das Meer den Sand wieder.

    Vielleicht sollten die Sylter einfach mal akzeptieren das sich die Naturgewalten nicht aufhalten lassen und ihre Insel ohne die Sandlaufspülungen zwei geteilt wäre.

    vg, kv

    • Hej kv, Du feierst den Sommer ja wohl auch 🙂 Gedanklich habe ich Dich noch auf dem Nord-Ostsee-Radweg abgespeichert. Die Windräder fallen mir persönlich gar nicht mehr so auf. Aber ich kenne Leute, die dort leben und es problematisch finden. Zu Sylt: ich muss mich mit den Sandaufspülungen mal näher befassen. Eine fundierte Meinung habe ich bisher gar nicht. Liebe Grüße, Stefanie

      • kokkinos vrachos sagt

        weil das Wetter gerade nicht so toll ist, habe ich den Nord-Ostsee-Radweg um eine Woche aufgeschoben……

      • kokkinos vrachos sagt

        Moin Ulrike, ja der geballte Anblick der Windkrafträder in Dithmarschen und Nordfriesland ist eine Katastrophe. Ich kann diese Zerstörung dieser einmaligen und wunderbaren Kulturlandschaft absolut nicht nachvollziehen. Nord-und Ostsee werden ja inzwischen auch mit Offshore-Windparks zugebaut. Trotz Nationalpark Wattenmeer und UNESCO.

        Ende Juni 2018 waren nach Angaben von Deutsche WindGuard 1.169 Anlagen in 18 Windparks am Netz – 997 in der Nordsee und 172 in der Ostsee.

        Vor ein paar Tagen habe ich erst gelesen, das die Windkraft in Schleswig Holstein weiterhin ausgebaut werden soll.

        Vor kurzem habe ich eine Doku über Windkrafträder in Mecklenburg Vorpommern gesehen. Mecklenburg Vorpommern ist zum Teil auch von Windparks zugepflastert. Über die letzten freie Plätze für neue Windkrafträder ist ein erbitterter Streit zwischen der Politik/Betreiber und Anwohner/Naturschützer ausgebrochen. Es wurden schon dutzende Adlerhorste zerstört, damit die Einwände gegen neue Windkraftanlagen weg fallen.

        Erneuerbare Energieträger, wie Windkrafträder begrüße ich natürlich, aber in einem verträglichen Rahmen für Mensch, Tier und Landschaft.

        vg aus Hamburg, kv

  2. Na denn, liebe Stefanie, weiter viel Spaß auf Sylt, falls ihr noch da seid! Wir werden morgen und übermorgen mal nach dem Wattenmeer vor Büsum schauen – nach Urzeiten werden wir uns vermutlich sehr wundern. – Mal sehen.
    Herzlich grüßt
    Ludwig

    • Liebe Ludwig – ich bin schon sehr gespannt, wie Du Büsum findest. Mir fällt der Zugang schwer. Aber ich wollte es diesen Sommer unbedingt noch mal versuchen… Grüße übers Wattenmeer und viel Spaß in Büsum, Stefanie

  3. Whow – bei euch hat man immer das Gefühl mit dabei zu sein. Danke für die kleinen Urlaube <3 LG und viel Freude noch auf Sylt (falls ihr noch da seid).

    • Danke, Ilona – ich bin gerade von den Möwen auf dem Dach der Nachbarn geweckt worden. Himmel himmelblau. Viel Freude also schon beim Aufwachen. 🙂

  4. Da war ich überall auf einer Klassenreise, ich glaube in der 6. Klasse, da waren wir 12 Jahre alt, 1967, lang, lang ist’s her und ich kann mich kaum daran erinnern. Eigentlich schade …

    • Liebe Stella, dann musst Du vielleicht bloß mal wieder vorbeigucken. Mich beamts jedenfalls sofort in die 1970er, wenn ich Rantum bin und in Hörnum spaziere ich dann durch die 80er. Die Schullandheime stehen alle noch. (Allerdings: wer weiß, wie lange noch.)

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