Alle Artikel mit dem Schlagwort: Elbe

Elberadweg

Unterelbe und Auenland: Radtour von Wedel nach Glückstadt

Vergangenen Sonntag sind wir auf dem Elberadweg von Wedel nach Glückstadt gefahren; immer am Deich lang, etwa 37 Kilometer. Nach Wedel kamen wir mit der S-Bahn. In Glückstadt nahmen wir den Zug zurück nach Hamburg. Unterm Strich war´s das, was wir einen absolut gelungenen Sonntagsausflug nennen würden. Besonders wenn man sich langsam, langsam treiben lässt.     Die Entscheidung, mit der S-Bahn nach Wedel zu fahren, war super. So sind wir den Touristenmassen zwischen Landungsbrücken und Blankenese ausgewichen – und (noch besser) waren sofort auf dem platten Land.     Wenn man in die Elbmarschen einbiegt ist Ruhe im Karton. Die letzten Spaziergänger hat man bald hinter sich gelassen. Der Blick darf weit werden. Die Gedanken auch.     Auf weiten Strecken kann man beidseitig des Deichs fahren (also buten und binnen). Wobei sich der elbseitige Weg meistens rumpelig darstellt. Hätten wir vorher gewusst, dass uns im weiteren Verlauf noch genügend Elbblick erwartet, wären wir gleich binnendeichs geblieben.     Der Deichverteidigungsweg ist viel besser in Schuss. Asphaltiert und fernab der Straßen mäandert er durch …

Moewe auf Gasthausschild

Dreieinhalb Stunden Urlaub in Finkenwerder

Zu den (zugegeben überschaubaren) Hamburger Februarfreuden gehören zart- bis knallblaue Tage, an denen die Dampfer nach Finkenwerder ausnahmsweise mal nicht vor Ausflugsreisenden überquellen. So ist das wochentags um 10.00 Uhr, wenn alle Hamburger bereits arbeiten, während alle Gäste noch im Hotel beim Frühstück sitzen.     Von den Landungsbrücken nach Finkenwerder   Der Stadtteil Finkenwerder liegt auf der südlichen Elbseite. Rüber gehts mit den Hadag-Schiffen der Linie 62. Exakt eine halbe Stunde dauert das ab der Landungsbrücke 3. Da Hafenfähren zu den Öffis gehören, ist die Passage nur ein HVV-Ticket teuer.     Der Dampfer hält an den Stationen Fischmarkt, Dockland und Neumühlen. Hamburgbesucher können dabei schon mal einen Blick auf den weiteren Sightseeing-Verlauf werfen, denn das sind die klassischen must-sees an der Elbe.     Hamburger befassen sich spätens ab Oevelgönne mit der Frage: Wieso mache ich das eigentlich nicht häufiger?     An wundervollen Orten frage ich mich oft, wie es sich wohl anfühlt, dort zu leben. Für St. Pauli kann ich sagen: schon schön, aber natürlich auch ganz normal. Auch wer in …

Was ich noch zu sagen hätte: über Freie und Hafenstädter

Der November 2015 war ziemlich schwere See. Paris. Pegida. Und die Kleiderkammer unseres Vertrauens setzte über Wochen ganz oben auf ihre Spendenliste die Bitte um Baby-Flaschen, Baby-Puder, Baby-Schnuller. Das kann einen dermaßen erschöpfen. Da möchte man sich am liebsten in die hinterste Koje verkrümeln. Aber das bringt ja nichts, wie jeder Seemann weiß. Unter Deck wirds einem besonders übel. Wenn die Wogen hochgehen, muss man Haltung annehmen. Sich gerade machen. Den Horizont anvisieren. Und ich denke, dass wir das in Hamburg können.     Da ist etwas am Wesen der Hamburger, das ich sehr schätze. Ich spreche natürlich nicht von allen Hamburgern. Denn unter 1,76 Mio Menschen finden sich logischerweise auch ein paar Arschgeigen. (Oberflächliche, Radikale, Gewaltbereite oder solche, die in Luxus-Lofts sitzen und sagen, die Belastungsgrenze sei angesichts der vielen Flüchtlinge nun mal erreicht). Von denen will ich aber gar nicht reden. Sondern von den anderen. Es ließ sich letzte Woche beim Abschied von Helmut Schmidt beobachten.     Wir hatten uns gegenüber vom Michel postiert. Sooo weiträumig wie alle schrieben, war er nämlich gar …

Als es noch Zäune gab: Dömitz

Die Kleinstadt Dömitz ist die südlichste Gemeinde Mecklenburg-Vorpommerns. Einer fünfeckigen Burg sei Dank tauften die Nazis die Stadt 1934 um: „Festung Dömitz“ hieß sie nun. Und eine Festung blieb die Stadt bis zum Mauerfall. Denn Dömitz liegt an dem Teilstück der Elbe, das 40 Jahre lang die deutsch-deutsche Grenze markierte.     Dömitz war bis zum zweiten Weltkrieg eine wohlhabende Stadt. Der Hafen galt als einer der wichtigsten Umschlagplätze zwischen Magdeburg und Hamburg. Die geschlossene historische Altstadt, viel Fachwerk und ein Ring aus Gründerzeitvillen erzählen von ihrer früheren Bedeutung.     Wie viele Grenzorte wurde Dömitz in der DDR-Zeit dem Verfall preisgegeben. Gleichzeitig war die Gegend besonders streng bewachtes Sperrgebiet. Konserviert, eingedost, luftdicht verschlossen. Oder vielmehr: wasserdicht. Denn das Regime tat das wohl Grausamste, was man einem Elbanwohner antun kann. Sie riegelten den Fluß ab.     Der Hafen von Dömitz liegt an der Elde, die hier in die Elbe mündet. Die Dömitzer konnten die Elbe zwar sehen. Aber sie durften nicht heran. Von der Galerie des Panorama Cafés  scheint das unfassbar. Die Elbe ist …

Alles im Fluss am Köhlbrand

Der avisierte Abriss der Köhlbrandbrücke im Jahr 2030 erfüllt viele Hamburger mit Wehmut. Dabei ist sie selbst ein Symbol für den ständigen Abschied und das ständige Wiederanfangen. Denn ein Hafen ist ja immer Wandel. Obwohl weithin sichtbar, war der Zugang zur Köhlbrandbrücke nie leicht zu finden. Dahinter steckte Absicht. Man verzichtete komplett auf Ausschilderung, um den Verkehr in Maßen zu halten.     Erst seit die Brücke renoviert wird und nur noch einspurig befahren werden kann, ist es selbst für Ortsunkundige ganz easy: Von der A7 und der Hafencity weisen jetzt nämlich Stau-Warnungen den Weg.     Dementsprechend ist nun wochentags immer Stau auf der Brücke. Wer´s nicht so mit Höhe hat, kann da leicht Zustände kriegen. Besser läufts am Sonntag. Wenn der Hafen sich ausruht, hat der Hafentourist freie Fahrt. Dann kann man auch mal in aller Ruhe nachsehen, was unter der Brücke so los ist; etwa in Neuhof.     In Neuhof lebten einmal 3.000 Menschen. Und heute keiner mehr. Die wunderschöne Siedlung aus den 1920erJahren wurde in den 1970ern abgerissen. Es war …

Das Alte Land; eine Annäherung

Seit einiger Zeit sendet der Deutschlandfunk sonntags die Reihe 12 Mal Deutschland. Journalist Jörg-Christian Schillmöller und Fotograf Dirk Gebhardt durchqueren das Land Stück für Stück der Breite nach. Vom westlichsten zum östlichsten Punkt. Jeden Monat ein paar Tage. (Wovon sie übrigens auch bloggen.) „Warum“, wurden sie vergangenen Sonntag gefragt. „Weil wir es nicht kennen“, lautete die Antwort. Und das ist ja genau der Punkt. Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig ich eigentlich von meiner näheren Umgebung kenne. Und auch wenn ich meine, etwas zu kennen, nehme ich oft nur das Offensichtliche wahr. Beispiel: Das Alte Land     Das Alte Land grenzt ans südliche Hamburg und ist das größte Obstanbaugebiet Europas. Folglich geben Obstbauern hier seit Jahrhunderten den Takt an. Die über die Maßen verzierten Fachwerkfassaden ihrer Obsthöfe knallen einem derart ins Auge, dass man gar nicht mehr sieht, was links und rechts davon liegt. Das ist besonders krass rund um die Gemeinde Jork, von der ein Altländer Freund mal behauptet hat, sie sei der Trafalgar Square des Alten Landes. Interessiert man sich nicht …

Grashüpferinsel Lühesand

Lummerland, Nimmerland, Saltkrokan… Die besten Geschichten spielen auf Inseln. Die Mystischste unter ihnen war für mich immer die Grashüpferinsel, obwohl dort wenig passierte. Es war nur heiß und seltsam und die Grillen zirpten. Genauso war es vergangenen Montag auf Lühesand.       Elbinsel Lühesand   Lühesand ist eine 124 ha große Elbinsel im Alten Land. Sie ist nur per Boot zu erreichen und ein perfekter Ort, wenn man mal Lust auf das ganz große Garnichts hat. Garnichts gibt’s auf Lühesand nämlich im Überfluss – im allerbesten Sinn. Das Auto lässt man am Treffpunkt Sandhörn bei Grünendeich stehen. Die Parkgebühr ist am Kiosk zu entrichten. Aber nicht am Montag. Montags ist geschlossen. Da erholen sich die Sandhörner von den Hamburger Sonntagsausflüglern.     Soll uns Recht sein. Genau wie die Tatsache, dass an Mai-Montagen nicht gerade massenweise Leute nach Lühesand übersetzen wollen. D.h. wollen wollen schon einige. Vornehmlich Fahrradfahrer. Die machen dann aber ein langes Gesicht, wenn sie am Anleger erfahren, dass Räder auf dem Festland bleiben müssen. Lühesand ist verkehrsmittelfrei. Lärmfrei. Stressfrei. Frei.   …

Willkommhoeft

Zurück in die Nähe: Von Wedel nach Pauli

Mittwoch bin ich mit der S-Bahn nach Wedel gefahren, um zu Fuß nachhause zu laufen. Man muss keine Katze sein, um den Weg zu finden. Vom Bahnhof Wedel folgt man der Ausschilderung zum Schulauer Fährhaus. Ab dort geht es dann immer an der Elbe entlang. Heisst ja nicht umsonst Elbwanderweg. Zu den Landungsbrücken sind es exakt 21,39 Kilometer.

Kleine Süßwasserperle Heuckenlock

Am Sonntag habe ich gleich zwei Anfängerfehler gemacht. Erstens trug ich Sonntagsstiefel (solche aus hellem Nubukleder). Zweitens besuchten wir ein klassisches Ausflugsziel: Das Naturschutzgebiet Heuckenlock in Moorwerder. Prinzipiell weiß ich, dass beides an einem knallblauen Februarsonntag keine gute Idee ist. Eigentlich wollten wir auch ganz was anderes unternehmen. Nämlich über die Veddel stromern. Aber der Grad zwischen angenehm abgerockt und furchtbar öde ist schmal auf den Elbinseln. Und der vergangene Sonntag brauchte Natur. Darum sind wir von der Veddel auf die Peute und dann ist man ja eigentlich auch schon mitten auf dem Land. Gute 10 km von der Reeperbahn entfernt. Moorwerder ist als Südspitze von Wilhelmsburg komplett eingedeicht. So kann man sich nicht verfahren. Es geht pfeilförmig immer am Deich lang. Ohne die Deiche geriete Wilhelmsburg zwei Mal täglich in Gefahr überflutet zu werden, denn der Tidenhub ist mit bis zu 3,5 Meter nicht ganz ohne. Neben der Tatsache, dass Deiche Leben retten, sind sie auch so schön zeitlos. Sie sehen im Winter genauso aus wie im Hochsommer. Ist es warm genug, kann man sich im Februar schon mal …

Der Herbst steht ihr gut

Zu den Sachen, die ich noch nie gemacht habe, gehörte bis Sonntag eine Radtour entlang der Elbchaussee. Wer sie nicht kennt: Es handelt sich um die ziemlich laute und hoffnungslos überfüllte Hauptverkehrsader von Altona nach Blankenese. Die Radfahrer teilen sich viel zu schmale Spazier/Radwege mit viel zu vielen Spaziergängern. Und meistens ist sowieso alles zugeparkt. Besonders an Sonntagen schieben sich Horden von Ausflüglern wie ein einziger Strom zum Elbstrand hinunter.     Es spricht also eine Menge dagegen, mit dem Fahrrad die Elbchaussee runter zu gurken. Andererseits auch eine Menge dafür. Zum Beispiel: 8,5 km Elbblick am Stück. Villen und Herrenhäuser in parkähnliche Gartenanlagen. Und nicht zu vergessen, dieses innerliche „Hach„, während man sich stromabwärts bewegt. Das Gefühl liegt irgendwo zwischen Heimweh und Fernweh. Und wer es kennt, ist – ganz unabhängig vom Geburtsort – Hamburger. Würde ich mal so sagen.     Wir wollen aber schön hanseatisch bleiben und jetzt nicht von der schönsten Chaussee der Welt sprechen. (Darüber könnte man ansatzweise mal an einem Wochenvormittag nachdenken. Wenn man das Ganze mehr für sich hat.) An einem strahlenden Novembersonntag bei 19,7 Grad muss man sich …