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Als wir Pauschaltouristen waren: Städtereise Highlights von Oslo

Holmenkollen

Zu einer Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo gehören 4 Stunden Landgang in Norwegens Hauptstadt. Viele Passagiere nutzen sie für eine Stadtrundfahrt. Bei Ankunft warten die Busse bereits vorm Terminal. Es geht ziemlich zackig los. Und richtig spät retour. Als Einzelperson würde man sich gar nicht wagen, so kurz vor knapp zurück an Bord zu kommen. D.h. die Stadtrundfahrt reizt die wenige Zeit vor Ort maximal aus.

 

Haakan VII

Ein Glücksburger führte die Norweger 1905 in die Unabhängigkeit: Haakan VII

 

Natürlich ist es unmöglich, die Highlights von Oslo in wenigen Stunden abzuklappern. Und doch können einheimische Guides in dieser Zeit eine Menge Wissenswertes vermitteln. Unsere Stadtführerin hatte die gleiche Zahnlücke wie Morten Harket von a-ha. Ihr Deutsch war fabelhaft. Der leichte Akzent bezaubernd. Während ihre Worte unsere erste innere Skizze von Oslo zeichneten, schraubte sich der Bus hinauf auf den Hausberg, den Holmenkollen.

 

Higlight: High! Light! Das Licht auf dem Holmenkollen

 

Im Rahmen der Stadtrundfahrt werden drei Stopps zwischen 30 und 45 Minuten eingelegt. Wären wir auf eigene Faust losgezogen, hätten wir andere Ziele angesteuert. Ich hätte mich nicht freiwillig vom Wasser entfernt und Volko war – als gebürtiger Schwarzwälder – der Meinung, er hätte in seinem Leben schon weit mehr als genug Skisprungschanzen gesehen. Wie wir uns geirrt hatten!

 

Skisprungschanze

 

Die Holmenkolmenbakken ist die einzige stählerne Skisprungschanze der Welt. Eine kühne, beeindruckende Konstruktion. Noch faszinierender ist die Atmosphäre im Mekka des nordischen Skisports. Die Farben, die klare Luft, der Ausblick auf die Stadt. Das alles ist grandios. Ich hätte sofort querfeldein laufen mögen.

 

 

Obwohl Norweger wahrlich keinen Mangel an menschenleeren Landschaften leiden, darf die boomende Hauptstadt sich nicht unendlich ausbreiten. „Wir wollen, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder noch herrliche Natur vorfinden“, erklärte die Stadtführerin. Direkt jenseits des „Dachs von Oslo“ geht es daher in die Einsamkeit. Im Sommer auf idyllischen Wanderwegen. Im Winter auf Langlaufskiern. Dann werden 200 (!) km Loipen und Rodelbahnen beleuchtet.

 

Holmenkollen

 

Pratkisch sei das mit der Beleuchtung, befand die Stadtführerin. „So müssen wir keine eigene Lampe mitnehmen.“ Sie sprach überhaupt viel von „wir“. Sie sagte niemals „man“. In Norwegen werden Allgemeininteressen stärker betont als Privatinteressen. Auch darum führt das Land in puncto Lebensqualität seit 15 Jahren das weltweite Ranking der UN an.  Viele sollen am Wohlstand partizipieren. Nicht nur einige Wenige, wie bei uns. Einer, der das früh verstand, war der Bildhauer Gustav Vigeland.

 

Highlight 2 – Kunst im Öffentlichen Raum: der Vigeland Park

 

Vigeland war ein Wahnsinninger. Sein Verhältnis zu den Nazis ist beispielsweise nicht unumstritten. Dazu passt auch die Ästhetik der monumentalen Werke. Insbesondere verdient aber seine Schaffenskraft das Prädikat „manisch“. Zu seinem Nachlass gehört der nach ihm benannte Park, für den er sich ausbedingte, er solle kostenfrei für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

 

 

Eigentlich ist der Park nicht wirklich ein Park, sondern eine einzige riesige Kunstinstallation. 212 Skulpturen, Brücken, Brunnen und Wege symbolisieren den Kreislauf des menschlichen Lebens. Es ist die größte von nur einem Künstler geschaffene Anlage der Welt.

 

Vigelandparken

 

Daneben scheint der Vigeland Park auch das bestbesuchte Highlight von Oslo zu sein. Wer mehr Zeit mitbringt, sollte sich den Besuch daher für die Abend- oder Nachtstunden aufheben. Der Park ist 24 h pro Tag geöffnet. 365 Tage im Jahr. Und in der Dunkelheit – natürlich – beleucht.

 

Vigeland Park

 

Oslo strotzt vor Kunst im Öffentlichen Raum. Und zwar nicht erst seit Milliardäre so unfassbare Kunst-Xandus wie den Ekebergparken (unseren Liebingsplatz) finanzieren. Bei Eröffnung des Vigeland Parks etwa galt Norwegen noch als Armenhaus. Bevor das Öl im Jahr 1969 zu sprudeln begann, war in Europa nur noch Albanien klammer. Heute parken die Anwohner der Hafenviertel ihre Motorboote vorm Haus.

 

Oslo

 

Ein eigenes Boot ist auch schon wieder so etwas Praktisches. Denn dann muss man keine öffentliche Fähre benutzen, um auf die Inseln im Oslofjord zu gelangen. Auf der Stadtrundfahrt wird Bygdøy angesteuert.

 

Highlight Bygdøy – der Fjord und die Inseln

 

Bydøy, die Museumsinsel, die eigentlich nur eine Halbinsel ist, besitzt alles, was ein Inselparadies braucht. Das Gefühl von Abgeschiedenheit und kleine Badestrände, Wanderwege und Ausflugslokale, das Sommerschloß des Königs und einige der berühmtesten Museen der Stadt. Der Eintritt zu zwei Museeen ist bereits im Preis der Stadtrundfahrt inkludiert.

 

 

Es ist keine leichte Entscheidung, ob man das Frammusem und/ oder das Kon-Tiki-Museum besucht. Im Frammuseum dreht sich alles um Polarforschungsreisen; insbesondere die Abenteuer der großen Seemänner Friedtjof Nansen und Roald Amundsen. Das Kon-Tiki-Museum ist dem Entdecker und Umweltaktivsten Thor Heyerdahl gewidmet. Beide Häuser sollen super sein.

 

 

Und weil wir uns nicht entscheiden konnten, machten wir gar nichts. Stromerten bloß ein wenig durch die Gegend. Bestaunten das Panorama von Oslo. Ließen uns auf einer Bank vor einem kleinen Leuchtfeuer die Sonne ins Gesicht scheinen. Sprachen kein Wort. Lauschten dem Plätschern der Wellen. Und waren sehr zufrieden, ausnahmsweise das Leben von Pauschaltouristen zu führen. Wir waren nämlich von der Color Line Reederei eingeladen worden, das Themenpaket „Oslo-Städtereise Highlights“ zu testen.

 

Oslo-Städtereise Highlights: 2 Üs an Bord, 1 Ü in Oslo

 

Als der Bus zunächst die Tagesgäste zurück zur Fähre brachte und im Anschluß die restlichen Reisenden in ihre jeweiligen Hotels, fühlte ich mich wie in Palma de Mallorca im Jahr 1988. So lange ist meine letzte Pauschalreise her. Und es war genau wie damals: diese Neugier, wer wo absteigt und die Spannung, was die eigene Unterkunft betrifft. Mit dem modernen, aufgeräumten Stadthotel Thon Europa hatten wir es gut getroffen.

 

 

Das Thon Europa liegt ruhig und dennoch zentral; nur wenige Minuten von der Prachtallee Oslos, der Karl-Johanns-Gate, entfernt. Neben dem wirklich außergewöhnlich liebevollen und verschwenderischen Frühstücksbuffet, begeisterte uns vor allem der geschützte Balkon im 8. OG mit fabelhaftem Blick auf den Schlosspark. Fußläufig liegt im Grunde alles, was ich für die eigentlichen Highlights von Oslo gehalten hatte – an denen wir im Rahmen der Stadtrundfahrt aber höchstens vorbeigerauscht waren.

 

Oper_Oslo

 

Trotzdem ist die Stadtrundfahrt eine echt gute Sache. Egal jetzt, ob man nur 4 Stunden oder einen zusätzlichen Tag in Oslo verbringt. Wer 2 Übernachtungen einplant (was eindeutig die bessere Variante ist), kann sich die Stadtrundfahrt schenken. Nicht jedoch den Holmenkollen. Er ist ein absolutes must-see. Bygdøy und Vigeland Park scheinen mir mehr eine Frage persönlicher Präferenzen. Zu unseren passten sie prima. Wie auch das Pauschalreisen sehr viel besser zu uns passte, als ich angenommen hatte.

 

Offenlegung: Kooperation Highlights von Oslo

 

Wer bucht überhaupt noch Pauschaltrips, hatte ich das Team von regiomaris gefragt, und vor allem: warum?  „Probiert es aus“, lautete die Antwort des Hamburger Reiseveranstalters, der für Ausflüge und Kurzreisen im Norden steht und diese Kooperation für uns eintütete. Es war die beste aller Antworten. Denn es hat mir doch tatsächlich null Komma null gefehlt, Preise zu vergleichen und Verkehrsverbindungen auzuklamüsern. Dafür herzlichen Dank!

 

8 Kommentare

  1. Eine Stadtrundfahrt ist immer die beste Idee, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Ich hab das fast immer so gemacht, in jeder für mich neuen Stadt eine Stadtrundfahrt. Wie mit deiner Mutter in Philadelphia, die sich dazu entschloss, wie einst Rocky die 72 Stufen vor dem Philadelphia Museum of Art im Laufschritt hochzurennen. Die Rocky steps.Wir anderen standen fasziniert unten und warteten auf ihren Herzinfarkt. Bei Stadtrundfahrten kommt man eben manchmal auf schräge Ideen…

  2. Du sagst es, liebe Stefanie. Von Zeit zu Zeit kann es richtig entspannend sein, sich mal um nichts kümmern zu müssen…

    Weil wir uns bei unserem letzten Oslo-Besuch nicht zwischen dem Fram- und dem Kon-Tiki-Museum entscheiden konnten, haben wir uns einfach aufgeteilt. Ich war bei Thor Heyerdahl, mein Skipper bei den Polarforschern und Seemännern. So kamen alle auf ihre Kosten.

    Das Stadthotel Thon Europa sieht prima aus, das wäre auch unser Geschmack. Vielleicht klappt es bei uns ja mal mit dem Themenpaket. Ich finde, vier Stunden Aufenthalt sind definitiv zu wenig, dafür hat Oslo einfach viel zu viel Schönes zu bieten.

    Danke für Deinen schönen Bericht!

    LG und ein schönes Wochenende, Martina

    • Stimmt, Martina, „aufteilen“ wäre natürlich eine Idee gewesen. (Ich hab die Kon-Tiki sogar schon mal gesehen. Ich kann aber nicht erinnern, ob es damals schon ein eigenes Museum gab – ich war erst 5. Trotzdem habe ich die krass colorierten Fotos der Ausstellung noch im Kopf. Es muss mich also sehr beeindruckt haben.)

      Was die Pauschalangebote angeht: ich glaube, es ist wie immer im Leben. Am meisten Spaß bringt es, wenn man es ab und zu mal ganz anders angeht als normalerweise.

      Ein schönes Wochenende auch für Euch

      und liebe Grüße,
      Stefanie

  3. Das ist eine interessante Beschreibung. Ich muss doch mal nach Oslo. 😉 Und tatsächlich mache ich Pauschalreisen, weil ich mich dabei um nichts kümmern muss.

  4. „Wir“ finde ich schon mal ziemlich symphatisch! Und die Stadt scheint es ebenfalls zu sein. Ich war hier vor etlichen Jahren nur kurz mit der Autofähre angekommen und gleich in den Norden. So ne kurze Stadtrundfahrt bei einer Hauptstadt wäre definitiv nichts für mich, zwei Übernachtungen schon eher. Die Stadt hört sich echt interessant an, schon allein wegen der viele Kunstwerke.
    Vielen Dank für die vielen Tipps, liebe Stefanie! LG Simone

    • Gerne, gerne. Ich glaube, vor ein paar Jahren war Oslo auch noch gar nicht soooo attraktiv wie heute. Wie in vielen Hafenstädten ist auch hier das Leben am Wasser erst in jüngster Zeit so richtig in den Mittelpunkt gerückt. Und für Kunstinteressierte ist Oslo mittlerweile ein echter Knaller. Liebe Grüße zurück, Stefanie

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