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Ekebergparken – unser Lieblingsplatz in Oslo

Egebergparken

Ich habe mich in einen Park verliebt. Einen Wald voller Skulpturen hoch über Oslo. Mit unfassbaren Ausblicken auf Stadt, Fjord, Badeinseln und Berge ist der Ekebergparken ein Glücksgarant für alle, die es nordisch mögen. Und falls man dazu noch Interesse an Kunst hat, wird ein Besuch dort oben zu einem überwältigenden Erlebnis.

 

Oslo

 

Die Kombination von Kunst und Natur ist ja immer eine feine Sache. Aber der Einklang von Landschaft und Skulpturen im Ekebergpark, ist definitiv eine Klasse für sich. Man muss kein großer Kunstkenner sein, um das zu spüren. Ein wenig Neugier reicht schon. Den Rest macht der Park.

 

Ekeberg_Pavillon

Dan Graham: Ekeberg Pavillon

 

Die bewaldeten Hänge im Südosten von Oslo sind seit Urzeiten ein wichtiger Rückzugsort für die Bevölkerung gewesen. 2013 kam ein norwegischer Milliardär auf die Idee, einen Park mit 30 Kunstwerken anzulegen (und zu finanzieren). Irgendwann einmal sollen es 80 Skulpturen und Installationen werden; derzeit sind es 39. Sie liegen weiträumig verstreut; mal versteckt, mal spektuaklär inszeniert.

 

 

Norweger haben wirklich was übrig für Kunst – im ideellen wie auch monetären Sinne. Darum steht im Ekebergparken auch nicht irgendwas von irgendwem in der Gegend herum. Sondern man wandert von Auguste Rodin zu Auguste Renoir, von Jenny Holzer zu Salvador Dali, von Marina Abramovic zu Markus Lüpertz – oder anders gesagt: durch das who-is-who der Kunstszene.

 

Damien Hirst

Damien Hirst: Anatomy of an Angel

 

Zum Lachen bringt einen der Park, wenn eine Frau sich im Näherkommen als Skulptur entpuppt. Und das, was man bis eben für eine Skulptur hielt, als Mülleimer. Oder der Moment in dem man realisiert, dass die Gesprächsfetzen, die man schon eine ganze Weile im Hinterkopf wahrgenommen hat, gar keine Besuchergruppe ankündigen. Sondern von einer altmodischen Straßenlaterne stammen, die vor sich hinmurmelt und flüstert.

 

Walking Woman

Sean Henry: Walking Woman

 

Das große Dilemma im Ekebergpark: Soll man sich lieber überraschen lassen oder nach Plan vorgehen? (Was, wenn man etwas verpasst?) Soll man auf den Wegen bleiben oder querfeldein spazieren, wo man tatsächlich das Gefühl hat mitten in der Natur zu sein? (Was, wenn man etwas verpasst?)

 

 

Soll man weiter, weiter (damit man nichts verpasst!) oder doch besser eine Weile sitzenbleiben, um den Moment zu genießen? Lieber die Bank mit Blick auf die Stadt? Oder den Felsen mit Blick auf den Fjord? Oder mit Blick auf die Inseln? (Ein Dilemma, das sich wie ein roter Faden durch einen Oslobesuch zieht).

 

 

Schon während man durch den Park stromert, wünscht man sich, noch einmal wiederzukommen. Vielleicht zu einer anderen Jahres- oder Tageszeit. Im Winter, im Sommer, morgens, mittags, abends, an ruhigen Werktagen und trubeligen Wochenenden. Oder mitten in der Nacht.

 

Beste Zeit für den Ekebergpark: Immer

 

Der Ekebergpark ist täglich und rund um die Uhr geöffnet. Nachts sind die Wege beleuchtet. Nur im Dunklen lassen sich Tony Ourslers Projektionen bewundern, die dann in die Baumkronen geworfen werden.

 

 

Der Nebel, der sechs mal pro Tag für 15 min aus dem Wald aufsteigt, sieht jedes Mal anders aus. Abhängig von Wetter und Wind wabert er als schmaler Schwaden auf eine Lichtung und verdichtet sich an anderen Tagen zu einer einzigen Wolke.

 

James Turell: Skyspace – the Colour Beneath

 

James Turells Skyspace glänzt vor allem im Morgengrauen und der Abenddämmerung. Die eigentliche Attraktion liegt aber im Inneren des ehemaligen Wasserreservoirs: das Lichterlebenis Ganzfeld ist nur an Sonntagen begehbar.

 

 

Wer das Museum zum Park besuchen möchte, muss zwischen 11.00 Uhr und 16.00 Uhr kommen. Das benachbarte Restaurant Karlsborg schließt um 17.00 Uhr. Will man später noch etwas speisen, muss man ein paar Kronen mehr auf den Tisch legen. Das Ekeberg-Restaurant ist etwas für besondere Anlässe.

 

 

Die schneeweiße Schönheit von 1929 liegt nicht weit entfernt von der Stelle, die einen Maler zu einem der berühmtesten Gemälde der Welt inspirierte. Und das ist irgendwie ulkig. Denn sollte ich sagen, welches Kunstwerk den Ekebergpark am aller-, aller, allerschlechtesten beschreibt, dann wäre es wohl „der Schrei“ von Edvard Munch.

 

 

Mit Dank an regiomaris und Color Line, die unsere Recherchereise nach Oslo unterstützt haben.

Der Besuch des Ekebergparks ist kostenfrei. Die Anreise mit der Straßenbahn (Linie 18 oder 19) dauert aus der City nur wenige Minuten (und ist für sich genommen schon wieder erlebenswert). Mehr Infos gibts hier.

18 Kommentare

  1. Oh, dann ward Ihr in meinem Lieblingsland. Oslo verändert sich in den letzten 20 Jahren dramatisch. Doch man braucht nicht weit, um in die Ruhe zu finden.
    Norwegen und Kunst ist schon sehr dicht beieinander, so hat auch Kaiser Wilhelm, der Norwegen sehr liebte, einige große Skulpturen geschenkt.
    Nur zu Edward Munch haben die Norweger ein wenig gespaltenes Verhältnis, er ist im Ausland deutlich populärer als die Norweger es wahrnehmen.
    Wenn alles gut geht, sind wir jedenfalls nächstes Jahr etwa vier Monate in Skandinavien, und mindestens die Hälfte in Norwegen.
    Abgesehen davon, die Color Line hat in meinen Augen die schönsten Schiffe. Ich bin schon einige Male mutgefahren und habe sogar an einer Konferenz auf dem Schiff teilgenommen. Traumhaft.

    So, vielleicht habt Ihr ja ein paar Brocken Norwegisch gelernt.
    Tusen tack och venlige helsinger från
    Kai

    • Lieber Kai – uns haben die Color Line Schiffe auch super gefallen. Im nächsten Bericht gehe ich darauf ausführlich ein. Und was für eine Frechheit: 4 Monate Skandinavien!!! (Meine ich natürlich nett). Das wird ja ein Traumjahr für Dich. Grüße nach Angeln; Stefanie

  2. Ich bin begeistert! Ich habe überhaupt noch nicht vom „Ekebergparken“ in Oslo gehört und stelle jetzt nach deinem Beitrag fest Ich würde sofort loswollen! ^^
    Stefanie, es ist nicht nur das Zeigen der oder Hinweisen auf all die Kunstwerke, das den Wunsch weckt, die Exponate selbst zu sehen, es ist diese tolle Eingliederung in einen Park, mitten ins Grun – und mindest ebenso deine Beschreibung deines Dilemmas, die Nebelschwaden, die dort wabern oder auch der Zusammenhang mit Edvard Munch, Projektionen im Dunkeln, flüsternde Straßenlaternen oder einfach der Blick auf den Fjord.
    Sogar von Louise Bourgeois ist etwas ausgestellt! Ich war ja schon schwer beeindruckt, als vor einigen Jahren während einer Wanderausstellung ihre „Spinne“ auf dem Vorplatz der Hamburger Kunsthalle aufgebaut war … Das „Couple“ ist auch ein Hingucker!

    Danke für deinen inspirierenden Beitrag!

    LG Michèle

    • Liebe Michèle, die Spinne! Hat mich auch so fasziniert. Wenn man sie kennt, wirkt „Le Couple“ umso sanfter. Ich freue mich, dass Du Dich durch den Beitrag inspiriert fühlst. Wahrscheinlich könntest Du die Flora (ein bisschen Fauna gibts auch) des Parks auch viel intensiver würdigen und Dich über bestimmte Anpflanzungen freuen. Ich habe sie ja nur so als Gesamtbild genossen. Für mich war der Park wie ein Gesamtkunstwerk. Einen schönen Tag wünsche ich Dir; Stefanie

  3. … Und ich wusste gleich, dass ich noch einmal wiederkommen würde, nach Oslo. Nun ist es glaskkar: Ich muss einfach den Ekebergparken besuchen. Dein Bericht hat so richtig eine Sehnsucht entfacht. Die Verbindung aus Kunst und wunderschöner Natur ist es, was mich fasziniert . Ich war im Mai in Oslo. Das Wetter war sonnig und warm, also sind wir täglich mit der Fähre nach Bleikoya, Hovedoya und Gressholmen gefahren. Diese Inseln sind Natur und Entspannung pur. Die Kunst kam bei dem Besuch etwas zu kurz, Vigelandsparken mit tollen Skulpturen haben wir besucht und die Nationalgalerie. Mädchen auf der Brücke von Munch ist momentan mein Lieblingsbild.
    Danke für deinen Bericht. Erstens weiß ich nun, dass ich definitiv wieder nach Oslo fahre und zweitens kommen schöne Bilder aus dem Mai hoch.
    Lg Marianne
    http://Www.bis-ins-kleinste-detail.de

    • Liebe Marianne, bei mir isses genau anders herum – ich habe die Inseln nicht geschafft und die Nationalgalerie – deswegen muss ich auch noch mal wiederkommen. (Und Vigeland würde ich auch gern auch noch ein zweites Mal mit mehr Zeit erleben). Oslo ist eine tolle Stadt, nech?! Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße, Stefanie

  4. Liebe Stefanie, mein Oslo-Besuch ist so lange her, da stand noch eine eins vor der Jahreszahl. Man… Und ich bin mir jetzt auch sicher: da möchte ich unbedingt noch mal hin. Kunst, Wald und der Blick auf’s Wasser. Mehr geht nicht! Toller Bericht und Danke für die Inspiration.Der Pavillon im Wald mit all den Spiegelungen sieht irre aus! LG Ulrike

    • Liebe Ulrike, das muss eine tolle Erfahrung sein, nach so vielen Jahren noch einmal nach Oslo zu fahren. So Vieles ist dort ja erst in den letzten Jahren entstanden; gerade am Fjord. Du würdest durch den Kontrast vermutlich noch überwältigter sein als wir (und wir waren wirklich sehr, sehr überwältigt – so viele unterschiedliche Eindrücke haben wir gesammelt). Gruß an die Nordsee, Stefanie

  5. Liebe Stefanie, das sieht aber wunderschön aus und ganz einzgartig, vor allem der Nebel hat es mir angetan. Da würde ich ja gar nicht mehr wegwollen, bei so viel schöner Kunst und tollen Blicken. Und dann dieser Pavillon, einfach nur wow. Danke fürs Zeigen, das scheint ja ein echter Geheimtipp zu sein. Und wenn das Licht noch so stimmt, wie bei deinem Besuch, dann kann ja nichts mehr schief gehen.
    Liebe Grüße

    • Hach ja, Andrea, das Licht. Es ist wirklich nordisch und hat mich direkt schon an Island erinnert. Ich habe mal bei Alex von https://insidenorway.me gelesen, dass es am schönsten/klarsten im März ist. Aber der September ist auch nicht ohne, muss ich sagen. Es war nur einen winzigen Tick herbstlicher als hier. Die Sonne trotzdem noch kräftig. Da hatten wir echt Glück. Ein schönes Wochenende, Stefanie

  6. Noch ein Grund mehr, den nächsten Oslo-Besuch nicht nur auf vier Stunden zu beschränken. Klasse Tip! Nun bin ich gespannt auf deine Color Line Bilder!
    CU
    RRH

    • Liebe Rainer, die Verlängerung in Oslo lohnt sich so was von! Wir hatten eine Extraübernachtung dort; besser wären nur noch 2 (oder 3).

  7. Toll, absolut toll! Und ich frage mich gerade, ob es eine Besonderheit von Skandinavien ist, dass man sich an manchen Orten schon während man noch dort ist wünscht, wieder her zu kommen …

  8. Oh, wie toll!!! Der Ekeberg-Parken kommt jetzt sofort auf meine „da-muss-ich-unbedingt-hin“-Liste. Bei unserem letzten Oslo-Besuch haben wir’s irgendwie nicht mehr geschafft. Aber Du kennst das ja mit dem Dilemma…

    Liebe Wochenendgrüße, Martina

    • Nicht dass man einen Grund bräuchte, um nach Oslo zu reisen – aber der Ekebergparken ist absolut ein sehr guter. Liebe Grüße zurück, Stefanie

  9. Pingback: Blogbummel September 2018 – buchpost

  10. Liebe Stefanie,

    wir waren letztes Jahr in Oslo und hatten leider nur einen Tag Zeit. Oslo hat uns wunderbar gefallen, aber nun hast du uns einen sehr guten Grund geliefert, um auf jeden Fall noch einmal wiederzukommen. Vielen Dank für diese tolle Beschreibung und die traumhaften Fotos.

    Viele Grüße,
    Tanja

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