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Feierabendferien in Moorwerder – Schafe, Deiche, Ebbe, Flut

Es fasziniert mich immer wieder, wie schnell man in Hamburg die Welt hinter sich lassen kann. Moorwerder ist zum Beispiel eine solche Ecke, in der man gar nicht glauben mag, dass man sich gerade noch in der City befand. Während dieser äußerste Zipfel der Wilhelmsburger Elbinsel am Wochenende als beliebtes Ausflugsziel gilt, sind an stinknormalen Feierabenden selbst die Highligts von Moorwerder herrlich still.

 

Norderelbe

 

An der Bunthäuser Spitze teilt die sich die Elbe in Norder- und Süderelbe. Wer sich die Anreise mit dem Rad entgehen lässt, kann immerhin sein Auto am Elbe-Tideauenzentrum im alten Stackmeisterhaus abstellen.

 

Bunthaeuser Spitze

 

Ausstellung und Café haben nur am Wochenende geöffnet. Aber das Beste ist sowieso, dass es von hier aus bloß noch zu Fuß weitergeht. Über den Deich und dann unter rauschenden Bäumen sind es nur einige hundert Meter bis zum Leuchtfeuer. Aber die reichen, um einen stressige Arbeitstag vollkommen zu vergessen.

 

Leuchtfeuer Bunthaus

 

Das Leuchtfeuer Bunthaus ist nur 7 m hoch und hat trotzdem von 1914 bis 1977 beste Dienste getan. Heute kümmert sich ein Verein um den Erhalt des maritimen Denkmals.

 

Wohnmobil Moorwerder

 

Gleich bei der Stackmeisterei befindet sich übrigens ein superentspannter Wohnmobilstellplatz. Und ich finde den Gedanken immer wieder erstaunlich, dass Reisende einige Gegenden meiner Stadt viel intensiver kennenlernen als ich.

 

Deich Moorwerder

 

Das zweite Highlight von Moorwerder erreicht man von der Bunthäuser Spitze nach einem 2,5 km langen Deichspaziergang. Dort liegt das Heuckenlock, Hamburgs letzter unberührter Urwald. Auf dem Rundweg kann es ein bisschen matschig werden, denn das Naturschutzgebiet wird regelmäßig überschwemmt.

 

Heuckenlock

 

Benannt ist das Heuckenlock nach einer alten Moorwerder Familie. Früher waren die Heuckes Fischer, heute betreiben sie eine Gärtnerei am Deich. Falls jemand seinen Balkon oder Garten noch nicht bestückt hat – man kann das rote Bauernhaus gegenüber des Urwalds gar nicht verfehlen. Denn allzu viele Häuser gibt es nicht in Moorwerder.

 

Kreetsander Hauptdeich

 

Aufgewachsen in Kleinstädten in Schleswig-Holstein habe ich Hamburger Jugendliche immer glühend beneidet. Ich glaubte, sie würden alle in fancy Altbauwohnungen wohnen und die spannendsten Dinge erleben.

 

Stadt? Land? Fluß!

 

Aber so großartig scheint sich eine Kindheit in Hamburg-Moorwerder nicht von meinen Landei-Erfahrungen zu unterscheiden. Wenigstens müssen sich die Jugendlichen von Moorwerder nicht einer Bushaltestelle treffen. Sie haben die ungleich schönere Deichbude Kreetsand.

 

Deichbude Kreetsand

 

Ich bin hier ab und zu mal, um zu nachzusehen, wie weit die Renaturierung im NSG Auenlandschaft Obere Tideelbe fortgeschritten ist. Aber auch weil Moorwerder zu meinen klaren Lieblingsfluchten in Hamburg gehört.

 

Beste Zeit für Moorwerder: jetzt

 

Die Gegend ist zu jeder Jahreszeit schön. Am schönsten aber jetzt im Frühling. Besonders wenn der Mai so herrlich verregnet ist wie in diesem Jahr. Dank der hitzigen Dystopie 2018 weiß ich das smaragdgrüne Funkeln der Natur so richtig zu schätzen. Aber Feierabendferien mache ich natürlich nur, wenn ausnahmsweise die Sonne scheint.

 

Moorwerder Hauptdeich

7 Kommentare

  1. Hallo Stefanie,
    danke für deinen interessanten Hinweis auf Moorwerder (Elbe-TIdeauen-Zentrum, Leuchtfeuer, Heuckenlock! u.v.m.). Ich muss gestehen, ich bin noch nie dort gewesen!
    Du schreibst oben davon, dass es ulkigerweise vorkommt, dass jemand von außerhalb unter Umständen Ecken von Hamburg kennenlernt oder dort besser Bescheid weiß, als ein Einheimischer. Das passiert tatsächlich – und gar nicht so selten! Manchmal, weil so ein abseits von Sightseeing-Attraktionen gelegener Punkt von einem Reisenden gezielt angesteuert wird (ganz spezielles Interessengebiet), sehr oft spielt aber auch der Zufall mit. Und so ist das oft auch für uns Einheimische – wir stolpern irgendwann darüber und sind erstaunt. Hat einem ja nie jemand gesagt, wie toll und besonders es dort ist ….
    Aber jetzt bin ich durch dich und deinen Beitrag im Bilde und habe es mir sowas von vorgemerkt! ^^
    Sehr schön auch die Aufnahmen dazu, die wirklich zusätzlich Lust auf einen Besuch machen!

    LG Michèle

    • Und dann gibt´s ja noch den Fischmarkt. Da nehmen sich Hamburger auch immer vor, mal wieder vorbei zu gucken. Und auf einmal sind 20 Jahre rum. 🙂 Liebe Michèle, ich glaube, besonders das Heuckenlock wird Dir sehr, sehr gut gefallen. Das ist für Pflanzenliebhaber ein Traum (und einzigartig in Europa). Ein schönes Wochenende, Stefanie

  2. Ja, Bunthaus ist eine Reise wert – das waren noch Zeiten, als da die Stackmeisterei aktiv war und, wie in Finkenwerder, der Eindruck bestand, dass dort ein kleiner König ein kleines Königreich regierte. 🙂
    Wilhelmsburg überhaupt wird unterschätzt. Jedem (Hamburger nördlich der Elbe) sei eine Radtour rund um die Elbinsel empfohlen. Wir haben uns – meine Güte, schon 6 Jahre her! – aus Anlass der IBA / IGS von Wilhelmsburg überraschen lassen.
    https://osmerus.wordpress.com/2013/06/21/internationale-bauausstellung-hamburg-die-iba-per-betriebsausflug/

    • Schöne Tour. Vielen Dank für den Link. Wilhelmsburg ist ja wie die Hafen City in grün. Es verändert sich ständig. Im Grunde müsste man alle 3 Monate nachgucken, was es Neues gibt. (Und ich könnte mir vorstellen, dass Hamburger südlich Elbe auch Spaß hätten ;-)) Liebe Grüße, Stefanie

  3. Schön! Da will ich hin. War noch nie da (und auch noch nicht auf dem Fischmarkt, s.o.), obwohl mein heimisches Ochsenwerder gar nicht weit weg ist. Von wegen urbane Hamburger Jugend in coolen Altbauwohnungen mitten in der Großstadt! 🙂
    Liebe Grüße,
    Maria

  4. Pingback: Energieberg Georgswerder

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