Schleswig-Holstein
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Kein Fjord, kein Fluss, sondern die Schlei

Abendsonne

Es gibt Dinge, die passen so perfekt zueinander, dass man glaubt, sie wären füreinander geschaffen. Eine unschlagbare Spitzenkombi ist beispielsweise:

ein freier Tag +

Septembersonne +

die Schlei.

Schlei bei Schleswig

Als Kind nahm ich an, die Schlei wäre ein Fluss. Was eben so wenig stimmt wie die Vermutung einiger Touristiker, die Schlei sei ein Fjord.

Die Schlei ist ein Meeresarm. Beinahe so lang wie ein Marathon erstreckt sie sich von der Ostsee bei Schleimünde bis Schleswig im Landesinneren.

Dort beginnen wir unsere Tour – auf der Schleswiger Museumsinsel, gelegen in den äußersten Ausläufern der Schlei.

Ein angemessener Auftakt: Schloss Gottorf in Schleswig

 

Schon auf dem Parkplatz der Museumsinsel kann ich einen weiteren Irrtum zur Seite legen. Denn bis gerade glaubte ich noch, das Tollste an Schloss Gottorf wären die Moorleichen. So trug man es sich nämlich während meiner Schulzeit zu. Doch Gottorf hat viel mehr zu bieten. (Wobei ich nichts gegen Moorleichen gesagt haben will.)

Schloss Gottorf

Gleich zwei Landesmuseen (für Archäologie und Kunst und Kultur) befinden sich in Schloss Gottorf

Skulptur Schloss Gottorf

Ein extrem gutes Händchen beweisen die Kuratoren für Skulpturen

Museumsinsel Schleswig

Urlaubsgefühl: Hier siehts nicht nur dänsich aus, hier klingts auch so. Die Schleiregion ist total beliebt bei Dänen.

Ein unsichtbarer Elefant - ist das nicht der Hammer?

Ein unsichtbarer Elefant – ist das nicht der Hammer?

Smeagol in Schleswig

Wo ist mein Schatz?

Einen Rundgang durch drei Jahrhunderte Gartengeschichte, bietet der Gottorfer Gartenpfad. Von der Schlossinsel führt der Weg zunächst über die Schlossallee durch die Schilflandschaft der Schlei.

Schlossinsel Gottorf

Schlossinsel Gottorf

Am Eingang zur barocken Gartenanlage gabelt sich der Pfad.

Wasserkaskade Gottorf

Rechts hoch gehts gleich zum nächsten Museum; dem Forsthaus mit seinen alten Schleswig-Holsteinischen Küchengärten von 1900. Links gelangt man über eine Lindenallee zum Barockgarten.

Herkules Teich Schloss Gottorf

Die Herkules-Gruppe ist eine Replik. Das Original versank im Teich, wurde vergessen, zerbröselte in 300 Teile und konnte erst 1994 geborgen und zusammengefügt werden.

Ebenfalls ein Nachbau befindet sich im Globushaus: Der begehbare Riesenglobus von 1651 gilt als erstes Planetarium der Welt – musste aber nach einer kriegerischen Niederlage Zar Peter dem Großen „geschenkt“ werden. In der originalgetreuen Rekonstruktion können zehn Personen auf einer umlaufenden Bank Platz nehmen und den Lauf der Sterne beobachten.

Globushaus Schloss Gottorf

Über dem Globushaus liegt der alte Barockgarten. Seit etwa fünfzehn Jahren wird er in die Phase seiner größten Prachtentfaltung um das Jahr 1690 zurückverwandelt und zeigt wie Gartenbau einst Kunst, Kultur und Wissenschaft verband.

Barockgarten Schloss Gottorf

Nach drei Stunden Kultur ist bei uns immer so ein bisschen die Luft raus. Dabei haben wir längst nicht alles gesehen. Und nicht einmal einen einzigen Blick in irgendein Gebäude geworfen. Wir müssen also dringend wiederkommen. Toll stelle ich mir die Anlage auch an einem klaren Wintertag vor. Aber jetzt ist erstmal Sommer angesagt.

Wer noch nie zuvor in Schleswig war, sollte sich unbedingt noch die Fischersiedlung auf dem Holm anschauen. Einen Eindruck gibts bei Claudia und Ralph von MeerART.

Wer das alte Viertel auf der kleinen Insel schon kennt, darf weiterfahren.

Aber: Vorsicht! Jetzt wirds ernst. Die Schlei tut unschuldig. Doch in Wahrheit ist sie eine Herzensbrecherin. Sie kann zu lebenslanger Sehnsucht führen.

„Du bist die Meerestochter selbst“

 

dichtete Ludwig Hinrichsen aus Kappeln in seiner Hymne an die Schlei. Auf ihrer gesamten Länge gibt es keinen einzigen belanglosen Kilometer. So ist es im Prinzip auch egal, wo man sich einquartiert. Vielleicht ist Angeln (das ist die Landschaft am nördlichen Ufer) einen winzigen Tick schöner als Schwansen auf der anderen Seite. Und vielleicht sollte man auch nicht unbedingt in Schleswig, Eckernförde oder Süderbrarup nach einer Unterkunft suchen. Vielleicht ist das aber auch nur unser persönlicher Geschmack.

Missunde

Die Straße führt mal direkt an der Schlei entlang, dann wieder ein wenig entfernt. Es lohnt sich immer und in jedem Fall eine der kleinen Stichstraßen ans Ufer zu nehmen; wie hier bei der Fähre von Missunde.

 

Kühe Ulsnis

Was die Schlei unter anderem so reizend macht, sind ihre Badestellen mit feinstem Sandstrand. Oft findet man sie versteckt am Ende von Waldwegen. Diese hier gehört zu Ulsnis.

Badestelle Ulsnis

Die Schlei ist zu unserer großen Zufriedenheit nicht zugebaut. Dabei finden wir eine Unterkunft am Wasser natürlich großartig (das ist ein kleines, inneres Paradoxon, aber was will man machen?). Menschen, die es entspannt, ruhig und einsam mögen, können wir die Ferien-Appartements Schleiblick in Karschau empfehlen. Näher an der Schlei kann man kaum wohnen. Eigene Badestelle und Bootsanleger gibts inklusive. Besonders schön scheint mir das Appartement Nummer 7.

Karschau

Bootsanleger Karschau

Manche Gäste, so erfahren wir, kommen extra immer im Winter, um ganz für sich zu sein. Uns ist es auch jetzt einsam genug.

 

Abendspaziergang nach Arnis

Das nächste Restaurant liegt 5 km entfernt in Deutschlands kleinster Stadt, Arnis. Genau die richtige Entfernung für einen Abendspaziergang.

Karschau

Die ersten 2,5 km müssen wir auf dem Radweg neben der Straße laufen. Das ist ein bisschen lästig, aber nicht zu ändern, da wir das Noor von Grödersby umrunden müssen. Noore sind auch so eine typische Sache für die Schlei; beinahe komplett abgetrennte Gewässer, die Seen gleichen.

Noor Grödersby

Wenn man nicht gerade von Karschau aus loslaufen muss, um ein Restaurant zu finden, sondern einfach so einen schönen Abendspaziergang unternehmen möchte, ist die Strecke von Grödersby bis Kappeln eine feine Sache. Das sind ebenfalls rund 5 km, aber eben immer an der Schlei lang.

Und an der Schlei sieht es an einem Sommerabend im September so aus:

Schleiweg Grödersby

Schleiblick

Spätsommerabend an der Schlei

Meerestochter Schlei

 

Badeanstalt Arnis

Direkt hinter der Badeanstalt von Arnis befindet sich das Restaurant Strandhalle; ein Klassiker für Einheimische wie Touristen. Übertroffen wird ihr Bekanntheitsgrad nur noch von der Schleiperle (Aktualisierung: Das ehemalige Restaurant wurde nach zwei betriebslosen Jahren im Sommer als Café wiedereröffnet. Getestet haben wir´s noch nicht – aber die Lage macht den Besuch eh zum Pflichtprogramm).

Schleiperle

Wer´s rustikaler mag, ist aber auch hinter den Werften im Arnisser Fährhaus (liegt direkt an der Fähre) gut aufgehoben. Das Dorschfilet mit Bratkartoffeln ist ein Hochgenuss und schmeckt – im allerbesten Sinne – wie bei Oma. Verlaufen kann man sich in Arnis übrigens unmöglich. Man geht einfach immer am Wasser lang.

Im Arnisser Fährhaus wird einem auch klar, dass die Schlei von der Ostsee gespeist wird. Ohrenquallen, Möwengeschrei, Salz in der Luft. Weil die Ostsee aber noch rund 10 km entfernt ist, fehlt der Wind. So sitzen wir Jacken-los und genießen den stillen Abend.  Was ist das nur für ein Sommer, dieser Sommer 2014 in Norddeutschland? Die lauen Nächten wollen gar nicht enden. Obwohl die Tage schon merklich kürzer geworden sind.

IMG_9030

Nicht so viele Gedanken haben wir uns (zum Glück) darüber gemacht, wie man eigentlich im Stockdunklen von Arnis nach Karschau zurückkommt. Einen Taxistand gibt es in Deutschlands kleinster Stadt jedenfalls nicht.

Und so tappen wir satt und zufrieden durch die Angeliter Fisternis. Wie schön, dass es solche Finsternis überhaupt noch gibt. Am Himmel Sterne, Sterne, Sterne. Und über der Schlei geht ein orangefarbener Mond auf.

Mond

17 Kommentare

  1. Liebe Stefanie,
    was für ein schön, sehr persönlicher Bericht von einer sehr schönen Gegend!
    Danke fürs Mitnehmen!
    Wenn ich das meinen Partner lesen lassen, dann packt er sofort die Taschen 🙂 – er liebt die Schlei!

    Wir waren auch schon mal zusammen dort, damals noch mit seinem ‚Leo‘, den es aber inzwischen nicht mehr gibt.
    http://deichrunnerskueche.de/2010/10/kurzurlaub-in-maasholm-an-der-schlei.html

    Mit welcher Kamera fotografierst du? Deine Bilder sind toll – du hast ein Auge dafür (die Kamera alleine macht es nicht!)

    Liebe Grüße
    Eva

    • Liebe Eva,

      das Kompliment für die Fotos gebe ich mal weiter an Volko. Ich knipse nur, wenn er nicht dabei ist.
      Bei ihm liegts tatsächlich nicht an Kamera. Er ist nämlich Fotograf. Fast alle Fotos sind mit dem
      Telefon (Fairphone) oder einen kleinen Canon G10 geschossen. „Ernsthaft“ fotografiert er meist mit einer EOS,
      aber das ist hier für den Blog glaube ich nur auf Helgolands Düne geschehen.

      Und jetzt schau ich mir mal Eure Maasholm-Fotos an. (Ich habe heute auch ein paar wenige gepostet).

      Liebe Grüße
      Steffi

  2. erika stumm sagt

    Richtig schön-ich werde mich gleich aufs Rad schwingen und Richtung Schlei fahren (in meinem Alter natürlich mit dem E- Bike)Richtung Missunde -Ulsnis- Lindaunis Rieseby-Osterby) Ob ich das wohl schaffe?Übrigens, ich hätte immer der Blog gesagt-schönes Wochenende Erika

  3. Pingback: Hier geblieben: Letztes Jahr in Norddeutschland | In der Nähe bleiben

  4. Liebe Stefanie,
    ein sehr schöner Bericht aus deinen/euren Augen gesehen. Wie man erkennen kann, hat dich/euch die Schlei genauso verzaubert wie uns. Vielen Dank für die Verlinkung. 😉 Das hat uns sehr gefreut.
    Sonnige Meeresgrüße,
    Claudia

    • Stefanie sagt

      Hallo Claudia,

      das ist ja nett von Dir zu hören 🙂 Der Beitrag ist ja schon aus dem September. (Aber wir ziehen gerade um; von wordpress.com auf selbsteghostet. Vielleicht hast Du deshalb noch einmal eine Info bekommen?! Mir ist so vieles nicht klar in Technikfragen). Wie auch immer: Schön, dass Du da warst (obwohl noch gar nicht alle Kisten ausgepackt sind). So habe ich gemerkt, dass die Kommentare auf dem neuen Blog im Papierkorb landen. 🙂

      Liebe Grüße, Stefanie

      • Moin Stefanie,
        ist ja witzig. Ich habe in der Tat erst gestern die Meldung erhalten. Aber tröste dich, in Sachen Technik kann man echt ins Fluchen kommen. Ständig ist irgend etwas. 🙁
        (Ich habe leider keine E-Mail von dir gefunden, magst du bei Ralph aus dem „f“ noch ein „ph“ machen. 😉 Das wäre lieb. Einen schönen Blog habt ihr da aufgebaut. Gibt ja viele Gemeinsamkeiten. 😉
        Herzliche Grüße,
        Claudia

  5. Pingback: Halunder-Jet nach Helgoland |

  6. Pingback: Das Schönste ist Angeln im Mai -

  7. leider ein bisschen weit weg von mir, aber wirklich schön anzusehen. ein tolles drumherum und das licht ist schon richtig herbstlich!

  8. Pingback: Schleiperle Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands

  9. Pingback: Oh wie schön ist Arnis an der Schlei! - Förde Fräulein

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