Alle Artikel in: Allgemein

Auf der Uferstraße im Wendland

Das Schönste im Wendland ist die Uferstraße an der Elbe. Subjektiv jetzt. Denn als Hamburger haben wir natürlich eine besondere Beziehung zum achtundsiebziglängsten Fluss der Welt. (Auch wenn Wikipedia behauptet „die Elbe hat nie eine bedeutende bzw. herausgestellte Rezeption in der Kunst, Literatur oder der Volkskunst erfahren“, ist Hark Bohms Elbmovie „Nordsee ist Mordsee“ für eine bestimmte Art von Leuten ebenso konstituierend wie Tom Sawyer für die Anwohner des Mississippi.)     Wir sind knapp 30 km auf der Uferstraße gecruist. Wofür wir einen halben Tag brauchten. Aber Novembertage sind ja auch kurz. Und wir können echt lange irgendwo rumstehen oder schlendern, wenn es einsam, still und wunderschön ist.     Los gings in Hitzacker. Das Inselstädtchen kennen viele ja zumindest aus Fernsehberichten, wenn es mal wieder überschwemmt wird. Hitzacker ist richtig niedlich. Aber wir hatten hauptsächlich Augen für die Elbe.     Bei niedrigem Wasserstand kann man sich kaum vorstellen, dass Hitzacker jemals in Bedrängnis geraten könnte. Zwischen den letzten Fachwerkhäusern und der Elbe liegen einige Hundert Meter Wiesen. Und der Fluss wirkt sanft …

Norddeutschland von oben

Die GEO hat angefragt, ob wir über das GEO EXTRA „Überirdisch“ berichten möchten. Und wir haben begeistert „Ja“ gerufen. Denn das Magazin mit dem knallgrünen Rücken mochten wir schon als Kinder – und haben seitdem nicht mehr damit aufgehört. Außerdem gibts im Moment ja Stunden, in denen man sich einfach nur weit wegwünscht. Und weiter weg als das neue GEO EXTRA „Überirdisch“ geht nicht. Eine ganze Sonderausgabe widmet sich den Fotos und Gedanken des Astronauten Alexander Gerst. Als Bordingenieur der ISS verbrachte er im vergangenen Jahr 166 Tage im All. Unsere Erde nennt er bilanzierend: Einzigartig. Verletzlich. Wunderschön. Tausende Male hat er sie fotografiert. Das Heft arrangiert eine Auswahl der besten Bilder zu grandiosen Fotostrecken. Unter Überschriften wie „Planet Heimat“, „Kunstwerk Erde“ oder „Die Spur des Menschen“ zeigen sie urzeitliche Landschaften, Flüsse aus Watte, Wüsteninseln, Felsenmuster, das absurd ästhetische Auge eines Taifuns oder auch das Nichts. Auch Norddeutschland ist abgebildet. Denn „jeder von uns sucht im Fenster nach seiner Heimat“, so Gerst. Und es ist erstaunlich. Zwar macht der Astronaut quasi das Gegenteil von dem, …

Enough to base some movies on: Das Wendland

Das Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist das Gegenteil von Mettmann. Mettmann nämlich gilt mit 1.170 Einwohnern pro Quadratkilometer als der am dichtesten besiedelte Landkreis Deutschlands. Lüchow-Dannenberg hingegen bringt es gerade mal auf 40 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit der am dünnsten besiedelte Landkreis der alten Bundesländer. Solche Gegenden unterschätzt man leicht. Ging uns jedenfalls so, als wir neulich ins Wendland reisten. Dabei sollten wir es mittlerweile eigentlich besser wissen.   Überall ist Wunderland. Überall ist Leben. Bei meiner Tante im Strumpfenband. Wie irgendwo daneben. (Joachim Ringelnatz)     Wir erreichten das Wendland an einem Mittwochmorgen im November. Ein Tag,  an dem ich zum ersten Mal in diesem Jahr dachte, ich würde am liebsten für ewig im Auto sitzen bleiben. Feuchkaltes Wetter nehme ich kindischerweise persönlich. Und so war ich ein bisschen unleidlich (um es nett auszudrücken). Bis zu dem Moment, als ein Spukschloss aus dem Nebel auftauchte.     Wir waren im größten Mischwaldgebiet Norddeutschlands angekommen: der Göhrde. Einst jagte Wilhelm der Zwote in den kaiserlichen Wäldern, durch die wir jetzt ein bisschen übermüdet …

Wangerooge Soul-Weekender

Ein Herbst-Wochenende auf Wangerooge ist gut für die Seele. Früher wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, ausgerechnet in die hektischsten Wochen des Jahres einen Kurztrip zu stopfen. Seit wir bloggen, empfinde ich es genau anders herum. Gerade, wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, tut eine Auszeit richtig gut. Besonders auf einer Mini-Insel. Selbst wer sich langsamer als langsam bewegt, kann Wangerooge in wenigen Stunden erfassen. Da schaltet man automatisch noch einen Gang runter. Wird so langsam, dass die Seele mitkommt. Denn die Seele ist doch selten so schnell wie das Leben. Zu ihrem Takt finden wir ganz gut mit folgenden Slow Four:   1. Fotografieren am Weststrand   Fotografieren hat ja generell mit Achtsamkeit zu tun. Wikipedia sagt über Fokussierung, dass für eine gewisse Zeit auf das momentan Ausgeübte oder Empfundene geachtet wird. Das klingt nicht nur wie Mediation. Das fühlt sich auch so an. Der ideale Moment dafür: Gleich nach dem Aufstehen, wenn der Morgen graut.     Die Fotos zeigen Weststrand und Hafen bei Sonnenaufgang. Das Licht ist …

Reusen

Warum auch kleine Blogs interessante Kooperationspartner sind

Bloggen heißt Teilen. Trotzdem habe ich schwer überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreiben soll. Nicht, weil ich mein Wissen nicht teilen möchte. Sondern weil ich mich frage, ob ich möglicherweise die Einzige auf der Welt bin, die keine Ahnung hatte, dass auch kleine Blogs interessante Kooperationspartner sind. Genug der Rechtfertigung. Dieser Text ist für Dich, wenn Du nicht massenweise Leser hast, aber einen schönen Blog. keine Social-Media-Ikone bist, aber doch irgendwie aktiv. Dich fragst, wie man zu Kooperationen kommt. (Und falls Du nicht mal mit dem Begriff Kooperation etwas anfangen kannst: Kooperationen sind Gegengeschäfte. Der Blogger bloggt über das, was der Kooperationspartner kostenfrei zur Verfügung stellt. Waren oder Dienstleistungen oder Reisen. Bekannte (professionelle) Blogger werden dafür logischerweise bezahlt. Immerhin liefern sie dem Kooperationspartner nicht nur die Berichterstattung sondern auch gleich noch die entsprechende Zielgruppe.) Aber was ist mit Bonsai-Blogs? Also, kleinen, liebevoll gehegten Blogs? Ab wann eignet sich so ein Blogger als Kooperationspartner? Und warum? Das fand ich lange undurchschaubar. Wie viele Klicks braucht man eigentlich, um interessant zu sein? Bestimmt viele, dachte ich. …

Alles im Fluss am Köhlbrand

Der avisierte Abriss der Köhlbrandbrücke im Jahr 2030 erfüllt viele Hamburger mit Wehmut. Dabei ist sie selbst ein Symbol für den ständigen Abschied und das ständige Wiederanfangen. Denn ein Hafen ist ja immer Wandel. Obwohl weithin sichtbar, war der Zugang zur Köhlbrandbrücke nie leicht zu finden. Dahinter steckte Absicht. Man verzichtete komplett auf Ausschilderung, um den Verkehr in Maßen zu halten.     Erst seit die Brücke renoviert wird und nur noch einspurig befahren werden kann, ist es selbst für Ortsunkundige ganz easy: Von der A7 und der Hafencity weisen jetzt nämlich Stau-Warnungen den Weg.     Dementsprechend ist nun wochentags immer Stau auf der Brücke. Wer´s nicht so mit Höhe hat, kann da leicht Zustände kriegen. Besser läufts am Sonntag. Wenn der Hafen sich ausruht, hat der Hafentourist freie Fahrt. Dann kann man auch mal in aller Ruhe nachsehen, was unter der Brücke so los ist; etwa in Neuhof.     In Neuhof lebten einmal 3.000 Menschen. Und heute keiner mehr. Die wunderschöne Siedlung aus den 1920erJahren wurde in den 1970ern abgerissen. Es war …

Nordwärts auf dem Wild Atlantic Way

Anita und Claudia von Aktiv-durch-das-Leben haben zur Blog-Parade gerufen: Dein schönster Urlaub ever, lautet das Thema. Schwere Frage das. Und abhängig von der Tagesform. Ist einem kalt, sehnt man sich nach Sonne. Findet man alles öde, möchte man Abenteuer. Während man sich in hektischen Zeiten nach Ruhe und Einsamkeit sehnt. Alles könnte man in Donegal finden, dem nördlichste County Irlands. Darüber haben wir bereits an anderer Stelle berichtet. Nicht aber über den Weg dorthin auf dem Wild Atlantic Way. Man erreicht die Westküste von Dublin aus gesehen am schnellsten, indem man die grüne Insel der Breite nach quert. Typisch deutsch freut man sich anfänglich über die leerste Autobahn der Welt (die M6). In knapp 2 Stunden ist man in Galway. Spätestens dort tritt man wie von selbst auf die innere Bremse. Der Wunsch nach möglichst viel wird zum Wunsch nach möglichst langsam. Und in unserem Fall noch zu möglichst nördlich. Ab jetzt ist der Weg das Ziel.     Tag 1: Unterwegs nach Connemara   Connemara ist eine wild-romantische Region mit Heidelandschaften, düsteren Mooren, Traumstränden …

5 Dinge, die Hanseaten so tun

Manche sagen, Hanseat könne man nur qua Geburt werden. Andere meinen, es käme viel mehr auf die innere Haltung an. Man denke nur mal an Helmut Schmidt. Sich als Hanseat fühlen, kann aber jeder. Am leichtesten gelingt es in Hamburgs Mini-Mitte; also der Innenstadt. Man muss sich lediglich die Spitalerstraße et al. wegdenken und auf die Dinge konzentrieren, die typisch hanseatisch sind. Was wir Sonnabend getan haben.   Die Big Five, die Hanseaten so tun   1. Hanseaten sind ihrem Theater treu   Hamburg tut sich schwer mit Kunst. Da braucht man gar nicht neidisch nach Berlin gucken. Schon der Blick auf viel kleinere Städte (Frankfurt, Köln etc.) ist beschämend. Einzige Ausnahme: die darstellende Kunst. Die Staatstheater der Stadt (Thalia, Schauspielshaus, Staatsoper) sind dem Hanseaten heilig. Ihm gelingt es spielend,  Abos für alle drei in seinen Terminkalender zu integrieren. Und schafft es daneben auch, die bemerkenswerten Off- und Privatbühnen zu besuchen (allen voran Kampnagel). Wir, als Hanseaten-Azubis, müssen es uns immer wieder hinter die Ohren schreiben: Hamburgs Bühnen machen glücklich. Sonnabend haben wir unsere Karten …

Nordnordfriesland: Unsere Landschaft gewordene Bucket-List

Letztens hatten wir erstmals den Eindruck, in einer Gegend ohne jeglichen Charme gelandet zu sein. Das war in Nordnordfriesland (also Südtondern). Ich hatte mich schon häufiger gefragt, wie es sich wohl dort lebt, wo alle immer nur wegwollen. Denn Nordnordfriesland ist das Drehkreuz zu den nordfriesischen Inseln und Halligen und wird daher von vielen Touristen lediglich im Vorbeifahren wahrgenommen. Wir starteten in Klanxbüll. Dort, wo man sich als Syltreisender immer so freut, weil es gleich auf den Hindenburgdamm geht. Dieses Mal aber waren wir gekommen, um die Küste in südlicher Richtung abzufahren.     And equal it goes loose: Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog Koog nennt man Land, das der See abgerungen wurde. Vereinfacht gesagt, errichtet man einen Deich im Meer und entwässert das Land dahinter so lange bis es trägt. Es gibt zauberhafte Kooge. Das sind diejenigen, die für den Küsten- oder Naturschutz errichtet wurden. Und es gibt Kooge, die exzessiv wirtschaftlich genutzt werden. So einer ist der Friedrich-Wilhelm-Lübke Koog. Sein Namensgeber war der ältere Bruder vom tüdeligsten aller Bundespräsidenten und selbst Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. In den …

Sonnabendabend in Tönning

Töning ist eine Kleinstadt an der Eider. Wer aus Hamburg nach St. Peter Ording fährt, kann sie nicht verfehlen. Denn es führen ja nicht gerade viele Wege auf die Halbinsel Eiderstedt. Von Süden kommend, überquert man zwangsläufig den zweitgrößten Fluss Schleswig-Holsteins in Sichtweite des Hafens von Tönning.     Menschen wie wir (die es direkt an den Strand zieht), lassen Tönning für gewöhnlich links liegen. Nachdem uns Ulrike aber neulich neugierig gemacht hat, sind wir endlich mal eingebogen. Das war auf dem Rückweg von Westerhever. Wir hatten Hunger, jedoch keine Lust auf das Gewusel von St. Peter Ording. Im Moment teilt sich Norddeutschland nämlich auf. In ausgewählten Hochburgen tobt die Saison noch wie im Juli. In anderen Gegenden sind bereits die Bürgersteige hochgeklappt. Tönning ist etwas dazwischen.     Womit ich meine: Tönnig ist genau richtig, wenn man einen Tag am Meer in Ruhe ausklingen lassen möchte. Da waren ausreichend Menschen und gastronomische Angebote um sich wohlzufühlen. Aber nicht so viele, dass es unangenehm gewesen wäre. Und schon gar kein Touristen-Nepp. Das nahmen wir jedenfalls …