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Gut gehen und sich´s gutgehen lassen in Harrislee

Morgens um 10.00 in Harrislee. Unter einer kleinen Brücke sitzt ein Mann im Sand und kuschelt mit einem Schwan. Streichelt den langen Hals, steckt die Nase ins Gefieder. Der Schwan kuschelt zurück, indem er sanft nach dem Arm des Mannes schnappt. Ganz kleine Bisse, so wie verliebte Katzen es tun. Und wäre ich nicht ohnehin schon hochvergnügt, würde ich jetzt damit beginnen.

Nichts für Jubel-Hanseaten: Hamburg in historischen Bildern

Die erste Voraussetzung für irgendwelche bauliche Schönheit in Hamburg wäre ein großer Brand, soll ein englischer Reisender über die aufsteigende Metropole um 1800 gesagt haben. 40 Jahre später vernichtete ein Feuer weite Teile der Hamburger Innenstadt. Was der Große Brand von 1842 übrig ließ, zeigt eine der ältesten deutschen Fotografien überhaupt. Sie eröffnet den Bilderbogen der aktuelle Ausgabe GEO EPOCHE PANORAMA, das sich ganz und gar der Hansestadt widmet. Pünktlich zum Wochenende mit Schietwedder flatterte uns das Heft gestern zur Berichterstattung ins Haus. (Genau genommen sogar zwei Hefte, denn ein Exemplar wurde uns vom Verlag zu Verlosung überlassen.) Anhand historischer Bilder erzählt es die Geschichte einer Siedlung am sumpfigen Alsterufer bis zur Großen Freiheit im Wirtschaftswunder der 1960er Jahre. Eine Geschichte, die aus Katastrophen und Neuanfängen besteht. Aus Slums und Prachtbauten. Kleinen Vergnügen und großen Verfehlungen.     Keine Ahnung, ob das jeden interessiert. Aber es gibt ja eine ganze Menge Hamburger, die überhaupt nicht genug von ihrer Stadt bekommen können. Auf die können die kraftvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen und colorierten Postkartenansichten einen regelrechten Sog ausüben. Besonders …

Kuestenwache Boltenhagen

Leise rauschen die Wellen: Hideaway in Boltenhagen

Boltenhagen, das westlichste Seebad Mecklenburgs, trug um die Jahrhundertwende den Beinamen Hamburger Kinderstube. Zum einen aufgrund der Nähe zur Hansestadt. Zum anderen wegen des extrem kinderfreundlichen Strandes. Steinlos und feinsandig fällt die Boltenhagenbucht so seicht und sanft ab, dass die Ostsee selbst bei bedecktem Himmel in den erstaunlichsten Farben changiert.

Moewe auf Gasthausschild

Dreieinhalb Stunden Urlaub in Finkenwerder

Zu den (zugegeben überschaubaren) Hamburger Februarfreuden gehören zart- bis knallblaue Tage, an denen die Dampfer nach Finkenwerder ausnahmsweise mal nicht vor Ausflugsreisenden überquellen. So ist das wochentags um 10.00 Uhr, wenn alle Hamburger bereits arbeiten, während alle Gäste noch im Hotel beim Frühstück sitzen.     Von den Landungsbrücken nach Finkenwerder   Der Stadtteil Finkenwerder liegt auf der südlichen Elbseite. Rüber gehts mit den Hadag-Schiffen der Linie 62. Exakt eine halbe Stunde dauert das ab der Landungsbrücke 3. Da Hafenfähren zu den Öffis gehören, ist die Passage nur ein HVV-Ticket teuer.     Der Dampfer hält an den Stationen Fischmarkt, Dockland und Neumühlen. Hamburgbesucher können dabei schon mal einen Blick auf den weiteren Sightseeing-Verlauf werfen, denn das sind die klassischen must-sees an der Elbe.     Hamburger befassen sich spätens ab Oevelgönne mit der Frage: Wieso mache ich das eigentlich nicht häufiger?     An wundervollen Orten frage ich mich oft, wie es sich wohl anfühlt, dort zu leben. Für St. Pauli kann ich sagen: schon schön, aber natürlich auch ganz normal. Auch wer in …

Spiegel Kantine

Unterm Strich: Geniale Utopien im Museum für Kunst und Gewerbe

Das Museum für Kunst und Gewerbe bietet aktuell mal wieder außerordentlich trifftige Gründe, den Hintern hochzukriegen. Und sei´s nur, um den Februar zu überleben, der Norddeutschen ja einiges abverlangt. Selbst überzeugte Nordlichter verlieren allmählich die Lust am öden Einerlei da draußen. Geht man also besser rein; in eines der führenden Museen für angewandte Kunst in Europa, wo es zur Zeit schön bunt, schön laut und ganz schön witzig zugeht. Also, so ähnlich wie im Karneval, bloß etwas feinsinniger.     Ein Museum für fast alles   Das Museum für Kunst und Gewerbe gibt sich ganz den Spitzenleistungen menschlicher Kreativität und Erfindungsgabe hin. Die erste Inventarnummer bezeichnete 1872 eine Bouillontasse. Es folgten 499.000 Werke aus den Bereichen Grafikdesin, Plakatkunst, Fotografie, Medien, Mode, Textil, Möbel, Musikinstrumente, Keramik und den vier Weltreligionen. Im Prinzip ist das Museum für Kunst und Gewerbe also ein Museum für fast alles. Und weil „alles aufeinmal“ irgendwie 90er ist, begrenzen wir uns beispielhaft auf drei feine Ausstellungen.   Jugendstil – die Große Utopie   Geahnt hat man es ja immer: Körperertüchtigung, Vegetarismus und …

Waldorf Astoria Berlin

Aufstrebende Neubauten: Wir geh´n durch Berlin (Tiergarten)

Früher –  als wir Kinder vom Hamburger Speckgürtel noch am Bahnhof Zoo aus dem Zug stiegen – fand ich´s besser, in Berlin anzukommen. Schon der erste Atemzug Berliner Luft war so grundlegend anders, so typisch Berlin. Ewas, das ich heute am Hauptbahnhof kein Stück empfinde. Neulich hab ich´s aber in Ansätzen wieder gespürt. Da hab ich Berlin wieder so gesehen wie früher: Im Grunde hübsch-hässlich. Aber gerade darum so fasznierend. Das war auf einem Streifzug vom Zoo zum Reichstag, knapp 6 km durchs Grüne; gesprenkelt mit Architektur vornehmlich der 50er Jahre.     Los ging´s im ehemaligen Schaufenster des Westens. Wer (wie wir) länger nicht in Charlottenburg gewesen ist, wird staunen. Ku´damm, KadeWe & Kranzler hatten ja ganz schön an Strahlkraft eingebüßt in den letzten Jahren. Inzwischen wird im „Alten Westen“ wieder ordentlich investiert.   Aufstrebende Neubauten: Berlin City West   Mal ganz was Ungewöhnliches für Berlin: Das sieht echt gut aus (nachdem es ein paar Jahrzehnte eigentlich unmöglich aussah). Weithin sichtbares Symbol für die Neuerweckung: das Waldorf Astoria, hier fotografiert vom Bikini Berlin.   …

Schwäne am Strand

Wo schwimmen Ostsee nicht so voll (Mecklenburg-Vorpommern)

Kein Tippfehler. Wo schwimmen Ostsee nicht so voll, hat einer in eine Suchmaschine eingetippt. Die führte ihn auf unseren Blog. (Für Leute, die nicht bloggen: Es gibt da speziellen Ansichten, wo man solche Sachen sehen kann. Das ist interessant für erfolgsorientierte Blogger. Erfährt man doch, welche Formulierungen den eigenen Blog in der Ergebnisliste nach oben spülen. Das kann man nutzen. Auch wirtschaftlich.) Für eher lustorientierte Blogger ist die Liste der Suchbegriffe eins a Dada. „Mann springt vor Zug Einfeld Neumünster“ „Tinkiging Wallpepar“ „Im Harz unbesingt dehen“ „Standard Winkel Verzweigungen 60 Grad“ Ich gehe nicht davon aus, dass alle Suchenden auf unserem Blog fündig geworden sind. Offenbar ist Irren nicht nur menschlich sondern auch Google. Manchmal staunt man, wofür die Menschen sich begeistern. Manchmal tauchen Suchbegriffe in der Suchbegriffs-Liste gleich mehrmals auf, obwohl ich ihnen gar keine Marketing-Power zugetraut hätte. Etwa: „Pferdewurst Altes Land“   Die Liste der Suchbegriffe ist auch soziologisch total spannend. Man lernt, welche Zielgruppen zu Ingroup-Verhalten neigen. Es gibt welche, die wollen:   „Rentner Radtour Angebote Rendsburg“   (Was ich erstaunlich fand. …

Hafen List

Winter auf Sylt: Warum List unsere erste Wahl ist

Sandra von Wortkonfetti fragte uns u.a., welche drei Orte man im Norden unbedingt gesehen haben sollte.  Wir antworteten mal wieder: List. Daran haben zwei Jahre in der Nähe bleiben nichts geändert. Und darum legen wir uns ausnahmsweise fest. Das Beste was man im Januar in Norddeutschland machen kann, ist Urlaub in List. Zum einen ist es schön symbolisch das Jahr ganz oben zu beginnen. Und zum anderen wären da auch noch folgende 5 Großartigkeiten: 1. Die Blidselbucht zwischen Kampen und List   Nördlich von Kampen gibt es auf 8 km nichts als ein paar Reetdachhäuser und die Listlandstraße. Sie verläuft zwischen den höchsten Dünen und der lieblichsten Bucht der Insel – der Blidselbucht – nach List.   Die Häuser liegen in List am Wattenmeer. Das ist friedlicher als an der Brandungsseite. Man kann das Donnern der Nordsee jedoch hören, wenn der Wind aus bestimmter Richtung weht. Ruft sie zu laut, ist man schnell da. Mir gefällt die Wattseite in List besser als in Kampen, Keitum oder Morsum, weil es Strand gibt. Nichts gegen Salzwiesen, aber …

Glimmerton & Kaolinsand: Nationaler Geotop Morsum-Kliff

Wo Sylt für Zugreisende beginnt (nämlich am Ende des Hindenburgdamms) ragt das Morsum-Kliff am Wattenmeer auf. Es ist weder so überwältigend wie das Rote Kliff von Kampen noch so hübsch anzusehen wie das Weiße Kliff in Braderup, erdgeschichtlich jedoch viel bedeutender. Privatinitiativen ist es zu verdanken, dass die Steilküste noch existiert und heute Teil eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands ist. Eigentlich sollte das Kliff beim Bau des Hindenburgdamms in den 1920er Jahren nämlich abgetragen und als Baumaterial verwendet werden. Was äußerst betrüblich gewesen wäre. Denn das Morsum-Kliff ist geologisch gesehen einzigartig in Europa.     Ein Spaziergang am Morsum-Kliff ist prima für Leute, die nicht so gern spazieren gehen. Auf knappen 5 km geht es extrem vielfältig zu. Zum 43 Hektar großen Areal des Naturschutzgebietes gehört neben dem Kliff ein großer Teil der Dünen- und Heidelandschaft oberhalb der Abbruchkante. Sie ist natürlich am schönsten zur Blüte im August. Dafür hat man sie im Januar ganz für sich allein. Genau wie den kostenfreien Parkplatz vom Hotel und Restaurant Morsum-Kliff. Dort wird auf Tafeln ausführlich über das Kliff …