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Strandkorbverleih

In 4 Stränden um die Bucht: Von Timmendorf nach Travemünde

Ich behaupte mal, die Ostseeküste von Schleswig-Holstein kenne ich ganz gut. Doch erst seit ich unter die Wanderer gegangen bin, bekomme ich ein Gefühl für die Entfernungen zwischen den Stränden. Beispielsweise hätte ich nie gedacht, dass es von Timmendorf nach Travemünde nur 12 km sind. So sagt es die Wegbeschilderung.

(Mein eigener Schrittzähler wird am Ende auf 15 km stehen. Aber das wusste ich noch nicht, als ich Mann & Patenkind im Spaßbad abgab und loslief.)

Timmendorfer Strand

Timmendorf Ostseetherme
Meine Liebe zu Timmendorf ist total irrational, doch unzerstörbar. Ich bin weder scharf auf Massenaufläufe noch auf diese spezielle Sorte Cabriofahrer mit Brille im Haar. Beides gehört zu Timmendorf wie Regen zu Hamburg. Genau wie für mich zum Hamburger Sommer ein Tag am Timmendorfer Strand gehört.

Der Strand von Timmendorf ist feinsandig. Genau wie der Meeresboden steinlos. Er fällt flach ab, so dass die Ostsee hier immer etwas wärmer ist als an bewegteren Küstenabschnitten. Ich spaziere zwischen Dünenstreifen und Kieferngürtel. Und träume von einer Villa in der Strandallee. Nach 4,5 km erreiche ich Niendorf.

Luebecker Bucht

Niendorf

Mindestens eine Sache hat der kleine Schnuckelhafen von Niendorf dem Hamburger Hafen voraus. Es gibt fangfrischen Fisch.

Niendorf Hafen

Direkt vom Kutter geht der Fisch in den Verkauf.

Niendorf Fisch

Niendorf steht immer so ein bisschen im Schatten von Timmendorf. Dabei hat der kleine Ort eine viel längere Badetradition. Seit in den 1850er Jahren die ersten Logierhäuser eröffneten, konnte Niendorf zeitweise sogar die Übernachtungszahlen von Travemünde überflügeln. Und ziemlich illustre Gäste begrüßen. Wie beispielsweise den Heidedichter Hermann Löns oder die legendäre Gruppe 47.

Niendorf Promenade

Heute geht es in Niendorf deutlich gelassener zu. Die meisten Gäste scheinen frühjahrsmüde. Gut, dass die Niendorfer Betten aufgestellt haben.

Niendorf City

Die neue Seebrücke hat die Form eines Fisches. Und natürlich Betten.

Niendorf Seebruecke

Da wo Niendorfs Strand endet, habe ich schon 8 km auf dem Schrittzähler. Der Wegweiser nach Timmendorf behauptet, es wären nicht einmal 5. Aber ich bin ja auch Schleifen gelaufen und Zick Zacks und alle Seebrücken bis zum Ende.

Niendorf Badesteg

Nun muss ich eine dieser scheußlichen Entscheidungen treffen: Weiter am Strand gehen? Oder den Weg oben auf der Steilküste nehmen?

Brodtener Strand

Das Brodtener Ufer

Wie man´s macht, macht man´s natürlich verkehrt. Weil beide Varianten toll sind. (So gesehen, macht man´s natürlich auch in jedem Fall richtig.) Jedenfalls: Ich entscheide mich für die Kliffkante (und verweise für das Ufer auf Claudia und Ralph von Meerart).

Brodtener Ufer

Ich bin da oben ganz zufrieden. Der Steilküstenwanderweg ist so schön schleswig-holsteinisch mit seinen geschwungen Feldern und Knicks. Übrigens beginnt der Raps schon zaghaft zu blühen. Ein sicheres Zeichen, dass man in den nächsten Wochen unbedingt nach Schleswig-Holstein muss.

Abbruchkante

Ich höre nur noch die Wellen und die Vögel piepsen und ganz in der Ferne das Tuckern des Bäderdampfers.

Ostsee Brodtener Ufer

4 km mäandert der kleine Wanderweg immer an der Abbruchkante entlang. Man kann ihn übrigens auch direkt anfahren. Beim Ausflugslokal Hermannshöhe befindet sich ein Parkplatz.

Steilkuestenweg

Der letzte Kilometer führt durch den Wald. Bäume direkt am Ostseeufer liebe ich besonders. Im Moment ist der gesamte Waldboden mit Buschwindröschen bedeckt.

Herrmannshoehe

Und dann ist man auch schon in Travemünde.

Travemuende Moewenstein

Travemünde

Travemünde gilt den einen als mondän. Und den anderen als unsäglich; schon allein wegen des Maritim-Klotzes. Der Strand ist aber prima. Da gibt es nichts zu meckern.

So richtig fängt Travemünde erst um die Ecke an. Also an der Mündung der Trave. Da ist es mir aber zu wuselig heute. Doch ich komme wieder, nehme ich mir vor. Mit den Buddenbrooks im Gepäck. Gut zu wissen: Am Strandbahnhof fahren stündlich Busse nach Niendorf, Timmendorf und Scharbeutz. Züge nach Lübeck gehen alle 30 Minuten.

Bahnhof Travemuende

Abends, zurück in Hamburg, habe ich noch mit einem Freund über die Ostsee gesprochen. Er sagte, wann immer er an seinem aktuellen Lieblingsstrand aus dem Bus steigt, flüstern ihm Paul Simon und Art Garfunkel ihren Sound of Silence ins Ohr. Darüber habe ich noch lange nachgedacht. Welche Melodie hat für mich die Ostsee? Ich weiß es noch nicht. Und Du?

 

Blackpool Tower

Knallt mitten ins Herz: Blackpool

Mit Orten ist es wie mit Menschen: Man verliebt sich nicht zwangsläufig in die Schönsten. Manchmal sorgen gerade die Schrammen, Knicke und Unzulänglichkeiten dafür, dass man sein Herz verliert. So ist es uns mit Blackpool gegangen.

 

Blackpool

Alte Liebe Blackpool

 

Blackpool ist die alte Lady unter den englischen Seebädern. Ihr Make-up mag fleckig geworden sein mit den Jahren und ihr Ruf zweifelhaft. Doch ihrem Charme kann man sich nicht entziehen.

 

 

Die Küstenstadt an der Irischen See gilt als Wiege des Massentourismus. Mit Beginn der Industrialisierung kamen Arbeiter aus den umliegenden Textilfabriken in Scharen.

 

Blackpool

 

Über Meilen und Meilen reihen sich die Amüsierbetriebe entlang der Promenande  aneinander. Doch die Arbeiterklasse urlaubt längst (all inclusive) in Südeuropa.

 

 

Der Blackpool Tower ist 158 Meter hoch. Bei seiner Einweihung im Jahr 1894 war er das höchste Bauwerk Englands. Der Boden der größten Aussichtsplattform besteht aus Glas. So kann man 116 Meter in die Tiefe schauen. In der gewaltigen Stahlfachwerkkonstruktion befinden sich  mehrere (wunderschön alte) Ballsäale, ein Kino, ein Aquarium und ein Circus.

 

Blackpool Tower

 

Ein viktorianischer Wasserhahn im Pub. Ein Relief an der Decke im Schnellrestaurant. Überall in Blackpool finden sich Goldstaub aus der Vergangenheit. Doch an vielen Stellen ist die Kulisse schadhaft geworden. Und in altehrwürdigen Tanzhallen und Theatern blättert der Lack von prächtigen Fassaden.

 

 

Wie viele Gebäude stammen auch die drei Piers von Blackpool aus der viktorianischen Zeit. Sie wurden zwischen 1863 (North Pier) und 1893 (South Pier) errichtet. Auf dem Central Pier ist seit 1868 Jahrmarkt.

 

 

Am südlichen Ende der Promenade befindet sich der größte Vergnügungspark Englands. Seine Hauptattraktionen sind die 10 Achterbahnen, teilweise in klassischer Holzbauweise. Die älteste ist seit 1923 in Betrieb.

 

 

Blackpool erreicht man von Manchester oder Liverpool in etwa einer Stunde mit dem Auto. Mit dem Zug ist man in 1,5 Stunden da. Prädikat: Unbedingt sehenswert!

 

Riesenrad

(Fast) alles für die Kunst: Hamburgs Elbphilharmonie

Am Wochenende waren wir eingeladen, Hamburgs Ewigkeits-Baustelle zu besuchen. Und was soll ich sagen? Dieses Gebäude ist ein gewaltiges Kunstwerk – bis in die kleinste Schraube. Zudem ist es doch so: Treibt die Kunst einen in den Ruin, befindet man sich jedenfalls in guter Gesellschaft. Das scheint mir immer noch besser als wegen eines Flughafens oder eines Bahnhofs zugrunde zu gehen. (Fast) genug gejammert also, gemeckert und gehöhnt. Ab sofort freuen wir uns auf die Elbphilharmonie.

 

Großer Konzertsaal

 

Das Herz der Elbphilharmonie ist der große Konzertsaal. 2.100 Menschen werden auf den geschwungen Rängen Platz finden. Ich fasse mal die sehr fachkundige Erklärung mit meinen laienhaften Worten zusammen: Der Konzertsaal ist eine dreistöckige, schalldichte, freischwebende Betonkugel, steiler als das Volksparkstaion, die mit Gummibändern an der Decke befestigt ist. Es ist nicht zu fassen.

 

Großer Konzertsaal

 

Allein der trichterförmige Reflektor wiegt 50 Tonnen. Er verhindert Echos in dem überdimensionalen Raum und ist genau wie die Decke mit der „weißen Haut“ verkleidet. Sie sorgt für ein optimales Klangerlebnis von jedem Platz. Wie Milliarden kleiner Wellen wirkt sie. Wobei kein Milimeter dem Zufall überlassen ist.

 

Reflektor Elphilharmonie

 

Das kniffligste Puzzle der Welt

 

Die „weiße Haut“ besteht aus 10.000 Gipsplatten, von der keine der anderen gleicht. So was kann sich nur ein Japaner ausdenken. Der Akustiker Yashuhisa Toyota hat die Oberflächenstruktur der weißen Haut genau berechnet. Die größte Herausforderung besteht noch nicht einmal darin, die Platten richtig zusammenzufügen. Unter der Haut liegt ein Nervengeflecht von Stahlträgern, das sich der Haut exakt anpassen muss, damit sich die Gipsplatten milimetergenau aneinander schmiegen. Nix von der Stange also.

 

Weiße Haut

 

Und dann wäre da natürlich auch noch die Technik. Also Bühnentechnik, Beleuchtung, Belüftung, Sprinkleranlange, um nur mal einige Dinge zu nenen, für die hier Kabel gezogen werden. Auf dem Foto sieht man einen winzigen Ausschnitt des Gewirrs.

 

Unter der Haut

  Wo wir flanieren werden

 

Baustelle Hamburg

 
Gar nicht mehr lange und dann gehört sie der Allgemeinheit: Die Plaza im 10. Stock. Netterweise haben die Bauarbeiter Gucklöcher in die Knallerbsenfolie geschnitten.

 

Plaza Elbphilharmonie

 

Neues von der Baustelle: Elphilharmonie

 

Speicherstadt

 

Bisschen seltsam wirkt in all dem Durcheinander das Hotel – es ist schon fix und fertig.

 

Hotel Elphilharmonie

 
(Übrigens ich glaube nur, dass sich die Plaza im 10. Stock befindet – kann das aber aufgrund der organischen Bausweise gar nicht 100%ig sagen. Die Etagen fließen irgendwie ineinander.) Jedenfalls ist die Außengaliere da, wo der Rotklinker endet. Angeblich wird sie rund um die Uhr geöffnet sein.

 

Balkon Elphilharmonie

 

Fotofluten wären damit schon mal garantiert.

 
Hafenblick Elbphilharmonie

 
Wo wir nicht wohnen werden
 

wohnen in der Elbphilharmonie

 
In der 23., 24. oder 25. Etage (ich habe längst den Überblick verloren) befinden sich die größten und teuersten der knapp 50 Wohnungen in der Elbphilharmonie. Hier oben liegt der Phantasie-Kaufpreis bei 35.000 Euro pro Quadratmter.

 

Wohnung Elbphilharmonie

 

Das läppert sich, falls man eine 380 qm große Wohnung kaufen möchte.

 

Wohnung Elphiharmonie

 
Vermutlich zuckt der spätere Eigentümer mit den Schulter und sagt: „13 Millionen; was soll´s?  Das habe ich schon wieder drin, weil ich keinen Gerhard Richter für die Schlafzimmerwand benötige.“

 

Michelblick

 

Die Frage ist nur: Wird er (oder sie) den Ausblick so schätzen, wie ganz normale Hamburger es tun?

 

Hafen Hamburg

 

Ich will keine Neiddebatte lostreten. Aber bedeutet es den potentiellen Käufern überhaupt etwas, wenn sie nach vorn raus auf die Elbe schauen und nach hinten auf die Alster? Vermutlich nicht. Wohnungen dieser Preisklasse werden selten bewohnt. Sie werden gehandelt und gesammelt wie Kunstwerke.

 

Ausblick Elbphilharmonie

 

Die 24. Etage stell ich mir später ungefähr so vor wie den Fernsehturm: Öde und verwaist. Der russische Oligarch kommt alle 2 Jahre, wenn sein Schiff in die Werkstatt muss. Der dänische Reeder von nebenan ist auch nur zur Aktionärsversammlung da. Und den Großindustriellen aus China hat noch keiner jemals gesehen.

 
Balkon Elbphiharmonie

 

Hätte man nicht wenigstens eine Wohnung für die Öffentlichkeit herrichten können? Ich meine, 13 Mio sind realtiv viel für eine Wohnung – aber eigentlich ziemlich wenig für einen Ort, der den Bürgern einer Stadt etwas bedeutet. (Die Summe entspricht in etwa den Kosten für 5 km Radweg; das weiß ich seit Eröffnung der Oberhafenconnection). Für den Spottpreis würde ich den besten Blick der Stadt nicht verscherbeln.

 

Dachkonstruktion Elbphilharmonie

 

Aber mich fragt ja mal wieder keiner. Schade eigentlich. Denn ich hätte den sachverständigen Entscheidern aus Politik und Wirtschaft gleich sagen können, dass die gewaltige, besondere, wirklich fazsinierende Elphilharmonie nicht für 70 Mio zu bauen ist. Jedes Kind hätte das gewusst.

Doch ich wollte nicht mehr meckern. Denn ehrlich, ich bin schwer beeindruckt von der Elbphilharmonie und den neuen Ausblicken auf unsere Stadt. Und seis auch nur aus dem 10. Stock.

 

Elbphilharmonie

Willkommhoeft

Zurück in die Nähe: Von Wedel nach Pauli

Mittwoch bin ich mit der S-Bahn nach Wedel gefahren, um zu Fuß nachhause zu laufen. Man muss keine Katze sein, um den Weg zu finden. Vom Bahnhof Wedel folgt man der Ausschilderung zum Schulauer Fährhaus. Ab dort geht es dann immer an der Elbe entlang. Heisst ja nicht umsonst Elbwanderweg. Zu den Landungsbrücken sind es exakt 21,39 Kilometer. Weiterlesen

Wast Water Beitragsbild

Nordengland: Was für Helden

Tag 4 im Lake District. Und leider auch schon unser letzter. Wie an den Tagen zuvor, schauen wir am Morgen kurz auf die Karte, um in etwa den Weg abzustecken. Eigentlich ist es egal, wohin man sich treiben läßt. In den Lakes ist es überall traumhaft schön. Und schöner als gestern kann es ja  sowieso nicht werden.

Allerdings haben wir das gestern auch schon gedacht. Und vorgestern. Und vorvorgesten. Und man will ja wenigstens Dopplungen vermeiden, wenn man schon nicht alles Sehenswerte sehen kann. Unser erstes Ziel ist heute Grasmere, wo der Superheld unter den Lake-Poets begraben liegt – William Wordsworth.

 

Der mit den Narzissen tanzt

 

Wordsworth gilt zusammen mit Coleridge als Begründer der englischen Romantikbewegung. Sein Gedicht über die Narzissen (engl.: Duffodils) am Ullswater kennt quasi jedes englische Kind.

I wandered lonely as a cloud

That floats on high o´er vales and hill

When all at once I saw a crowd,

A host, of golden daffodils;

Beside the lake, beneath the trees,

Fluttering and dancing in the breeze.

 

Das beinahe runde Dorf Grasmere am gleichnamigen See ist weiter nichts Besonderes.

 

 

Nur noch so ein Ort, an dem man denkt: So etwas Süßes habe ich ja noch nie gesehen. Und gerochen. Denn in Grasemere wird der beste der Lebkuchen der Welt gebacken. Ein Besuch von Sarah Nelson´s Gingerbread Shop lohnt unbedingt.

Weiter geht es ins benachbarte Langdale. In dem spärlich besiedelten Tal beginnt laut dem Guardian „Englands most outreagous street“, also

 

Englands empörendste Straße

 

Vielfach liest man, es würde sich um Englands steilste Straße handeln. Aber das ist nicht gesichert. Fest steht nur, dass am Ende des Langdales (wo die Welt nach normalen Maßstäben eigentlich zu ende sein müsste) eine uralte Passstraße ihren Anfang nimmt.

 

LitlleLangdale

 

Gleich zwei Pässe sind zu überwinden. Der Wrynose Pass wie der Hardknott Pass wurden im 2. Jahrhundert von den Römern gebaut. Das Ganze hat ein bisschen was von „mit dem Kopf durch die Wand“.

 

Langdale

 

Gut zu wissen: Es handelt um eine sehr schmale Straße. Sie zieht sich 6,2 Meilen durch die Einsamkeit der Cumbrian Mountains. Wenden und umkehren ist fast überall knifflig. Und irgendwann auch gar keine Option mehr. Weil man sich nicht vorstellen mag, die steilen Stellen, die hinter einem liegen, wieder runterzufahren. Abkürzungen oder Abzweigungen gibt es logischerweise nicht. Man sollte also vorher entscheiden, ob man da durch will.

 

echtschmal

 

Tarn

 

Wrynose

 

Kurz nachdem Volko findet, dass es ja nun so schlimm auch nicht war, beginnt der Wrynose Pass. Er ist nur bei gutem Wetter befahrbar und nach meinem Empfinden wirklich eine Zumutung. Allerdings eine wunderschöne Zumutung.

 

Empörend

 

Falls einem einer entgegenkommt, ist hoffentlich eine Ausweichbucht in der Nähe.

 

Gegenverkehr

 

Gibt es keine Ausweichmöglichkeit, muss einer von beiden rückwärts. Wenn es sich dabei nicht gerade um einen höflichen Engländer handelt, sondern um einen geschocktern Touristen, ist die Lage schon mal etwas angespannt.

 

HardknottPass

 

Aber meistens kommt sowieso keiner.

 

Wrynose Pass Lake District

 

Höchstens mal Mountainbiker. Mir wird einmal mehr klar: Es sind nicht alle Menschen so wie ich. Warum man sich freiwillig eine 30% ig Steigung mit dem Fahrrad antut, kann ich mir noch irgendwie erklären. Stichwort: Herausforderung. Aber warum sollte man da hinunterschießen wollen? Großer Gott!

 

MountainBiker

 

Three-Shire Stone

 

Wrynose - Hardknott

 

Manche behaupten, der Lake District hätte J.R.R. Tolkien als Vorlage für das Auenland gedient. The Shire, wie das Auenland im Original heisst, wäre damit auf dem Wrynose-Pass zuende. „In echt“ markiert der Three-Shire-Stone die Grenzen der ehemaligen Counties Cumberland, Lancashire und Westmorland.

 

ThreeShireStone

 

Auf dem  Hardknottpass läuft alles mal wieder darauf hinaus: Die spinnen die Römer.

 

HardknottPassCumbria

 

Ich meine: Wer solche Straßen baut, der baut auch 117 km lange Mauern im Nirgendwo. Um nur mal eine weitere Sache zu nennen, die Hadrian zuzuschreiben ist. Genau wie das

 

Hardknott Roman Fort

 

 

Anders als bei Tolkien ist man bei George R.R. Martin ja nicht auf Vermutungen angewiesen. Wir wissen, dass der Hadrians Wall ihn zur Mauer inspirierte. Im Hardknott Roman Fort kann man sich ziemlich gut vorstellen, wie sich die Männer der Nachwache fühlen.

Eine Vorstellung, die mich hingegen krank macht: Die britische Regierung prüft derzeit die Eignung des darunter liegenden Eskdale-Tales als Atomendmülllager.

 

Eskdale

 

Eskdale ist richtig dünn besiedelt. Das kleine Dorf Boot hat nur 15 Einwohner – aber zwei Pubs.

 

Warum man Engländer lieben muss

 

BrookHouseInnLakeDistrict

 

In der letzten Zeit hört man ja oft, die englische Küche sei viel besser als ihr Ruf. Dafür findet man auf den Speisenkarten erstaunlich viel Weißbrot und frittierten Fisch. Doch es gibt zwei Dinge, auf die man sich in England verlassen kann: Pubs & Pies. Vermutlich gibt es auch noch eine dritte sichere Sache, nämlich Lamm, aber das kann ich nicht beurteilen. Sie sind mir zu niedlich, um sie aufzuessen. Das soll jedoch kein moralischer Zeigefinger sein. Rinder sind auch niedlich. Und dennoch liebe ich Beef Pie. Blätterteigkunstwerke sind natürlich nichts für Zwischendurch. In England nimmt man zum Lunch ja nur eine Kleinigkeit zu sich (sowie zwei bis drei Bier). Stets eine Empfehlung ist die Soup of the Day, die auf keiner Mittagskarte fehlt. Sie ist in der Regel Gemüse-lastig und schmeckt unserer Erfahrung nach immer und überall. Übrigens bestellt man im Pub direkt am Tresen und gibt kein Trinkgeld.

Nach dem Lunch geht es ein Tal weiter. Im Wastdale liegt

 

Englands tiefster See

 

Wastdale

 

Umschlossen von schroffen Bergwänden ist der 4,6 km lange und 600 m breite Wast Water ein stiller und mystischer Ort. Einer von denen, die man im Herzen behält.

 

 

Der Name Wast Water leitet sich vom altnordischen Vatndalr ab. Ein Zeugnis der Wikinger, die überall im Lake District ihre Spuren hinterlassen haben. Mich hat die Landschaft sehr an Island erinnert. Erst als die Schatten lang werden, können wir uns losreissen.

 

Herdentrieb

 

Während es die Ureinwohner nun allmählich nachhause treibt, steuern wir noch mal Richtung Meer.

 

Bonsoir Tristesse

 

Angelegt wurde Maryport von den Römern als Versorgungsbasis für den Hadrians Wall. Mit dem typisch strengen Raster, diente Maryport angeblich als Vorlage für die Planstadt Manhattan. Das habe ich einem Flyer in irgendeiner Touristeninfo entnommen. Und deswegen habe ich mir Maryport ganz, ganz anders vorgestellt.

 

Maryport

 

Maryport war lange ein industrieller Mittelpunkt Nordenglands. Doch als der Hafen zu klein wurde – bzw. die Schiffe zu groß für den Hafen, ging die Stadt beinahe unter. Die Bevölkerung halbierte sich. Die Arbeislosigkeit lag zeitweise bei beinahe 60%. Heute versucht man, sich ein Stückchen vom Touristenboom der Lakes abzuschneiden. Und Maryport hat auch wirklich Charme. Wenn man, so wie wir, diese typisch britische Traurigkeit liebt.

 

SonnenuntergangMaryport

 

Was absolut für Maryport spricht: Vom Strand kann man bis nach Schottland schauen.

 

Schottland

 

Allerdings ist auf den ersten Blick nicht besonders viel los. Nur im Captain Lord Nelsons brennt noch Licht. Drinnen ist es voll, laut und superdupergemütlich. An den Tischen Familien, an der Bar junge Leute und die freundlichsten Bedienungen der Welt.

 

CaptainNelsonsMaryport

 

Zu und zu schade: Fisch wird mal wieder nur frittiert angeboten. Sogar die Scampis sind in Teig gehüllt. Doch die Beef Pie ist vorzüglich. Ein Mädchen, viel zu jung, um Rod Stewart zu hören, drückt an der Juke Box: „The first cut is the deepest“. Das ist genau der richtige Song für den letzten Abend einer ersten Reise nach Nordengland.

 

Maryportbynight

Im Herzen des Lake Districts

Etwa in der Mitte des Lake Districts schimmert der Derwent Water wie ein Osternest im Frühlingsgarten. Mit seinen Inseln, bewaldeten Uferhängen und Wasserfällen ist er für mich der schönste See im Nationalpark. Man kann ihn umfahren, umwandern oder mit dem Boot entdecken. Man kann sich auch in direkter Nähe einmieten – für größeres oder kleineres Geld – oder einfach nur still an seinem Ufer sitzen. Hauptsache man nimmt sich Zeit für den Derwent Water und das gesamte Borrowdale.

 

DerwentWater

 
Tag 3 im Lake District
 

An einem Sonntag im März machen wir uns relativ früh auf, um den Derwent Water aus der Vogelperspektive zu betrachten. Die Wanderung auf den Mini-Mountain Catbells ist ein echter Klassiker. Reiseliterat Alfred Wainwright beschrieb Catbell in seinem siebenbändigen Standardwerk Pictorial Guide to the Lakeland Fells als

… one of the great favourites, a family fell where grandmothers and infants can climb the hills together. A place beloved.

 

ÜberdemDerwentWaterIm Frühtau zu Catbells

 

Folgt man Wainwrights Beschreibung besteigt man den Catbells von Skelgill aus. Wer mit dem dem Auto kommt, kommt möglichst früh. Der Parkplatz am Fuß des Skelgills fasst maximal 12 Autos. Dafür, dass Wainwright den Aufstieg Großmüttern und Kinder empfiehlt, geht es schon beim vorgelagerten Skelgill relativ steil zur Sache. Finde ich. Doch es kommt wohl auf die Kinder und Großmütter an.

 

Aufstieg zum Skelgill

Tatsächlich wandern Kinder und Großmütter und jede Menge anderer Wanderer mit uns hinauf. Wir stellen fest: Dies ist eine Massenwanderung. Ein Flashmop für Bergsteigerbeginner. Allerdings haben nicht alle die gleichen Ambitionen.

Geschätzt die Hälfte macht auf halber Strecke kehrt. Von den 50%, die bis zur Spitze mitmarschieren, sind wiederum geschätzte 50% nun mit ihrem Tagwerk zufrieden. So befinden wir uns dann doch nicht mehr im Pulk, als wir vom Sattel zur Nose of Skelgill zurückschauen.

Blickzurück

Blick nach Norden. Das liegt hinter uns. In der Ferne der Skiddaw

Blick nach vorn zum Catbells

Liegt noch vor uns: Der Catbells (auf diesem Bild haben sich zwei kleine Wanderer versteckt. Findest du sie?)

Blick hinab

Liegt unter uns und wird immer schöner: Der Derwent Water

Mäh

Die Ureinwohner kennen keine Höhenangst

Höhe ist mir nicht so recht geheuer. Und das letzte Stück kurz vom Gipfel ist meinem Empfinden nach gar nicht ganz ohne. Man muss sogar ein bisschen überlegen, wo denn jetzt der Weg sein soll.

Deswegen guck ich auch ziemlich sparsam, als eine Dame im Jogging-Dress mit Rucksack und Hund volles Karacho über den Gipfel gesprungen kommt. Solche trifft man immer mal wieder in den Fells. Sie rasen die Berge rauf und runter – es ist unfassbar.

WanderungCatbells

Knifflige Stelle kurz vorm Gipfel des Catbells

Warum man Engländer lieben muss

The Greatest: Joss Naylor

The Greatest: Joss Naylor

Briten sind herrlich speziell. Sie machen lauter seltsame Sachen. Und tun dabei, als sei es ganz normal. (Auch wenn jemand anderes seltsame Dinge tut, tun sie, als sei es ganz normal.)

Fell Running ist eine beliebte Sportart im Norden Großbritanniens. Erfunden haben es die Schotten. Wie der Name schon sagt, rennt man dabei über Berge. Und das möglichst schnell.

Den Rekord im „Gipfel sammeln“ hält derzeit Mark Hartell, mit 77 Gipfeln in 23 Stunden und 26 Minuten. Im Lake District findet jährlich ein offener Wettbewerb statt. Auf der sogenannten Bob Graham Route, bei der er 42 Gipfel möglichst schnell errannt werden müssen. Die Besten schaffen das in unter 14 Stunden. Als King of the Fells gilt Schafsfarmer Joss Naylor. 2006, da war Naylor bereits 70 Jahre alt, rannte er auf 70 Gipfel in 21 Stunden.

Zum Vergleich: Wir haben jetzt eine gute Stunde gebraucht, um einen (Mini)-Gipfel zu erklimmen. Es geht jedoch noch langsamer. Diese Lady hat beispielsweise keinen Runner zum Herrchen. Aber die Pausen sind ja sowieso das Schönste, wenn die Aussicht herrlich ist.

DertreusteFreund

Freundschaft ist, wenn du geduldig auf den Schwächeren wartest

Marylins & Munros

Munros werden in Schottland Berge über 3.000 Fuss genannt. Davon abgeleitet bezeichnen die Engländer ihre wesentlich kleineren Berge (für Schotten sind es Hügel) als Marylins. Ich liebe den englischen Humor.

Ich bin mein eigenes Gipfelkreuz

Ich bin mein eigenes Gipfelkreuz

Der Marylin Catbells misst nur 1.480 Fuss. Ist trotzdem cool, dort oben zu stehen.

CatbellsTop

 

Beim Abstieg kommen uns die ersten Wanderer entgegen, die den Catbells von der anderen Seite erobern. Sie pusten und schwitzen. Mittlerweile ist es nämlich ziemlich warm geworden. Und der Aufstieg kommt mir aus dieser Richtung auch steiler vor (= anstrengender).

Wandern

 

Muss toll sein, es hinter sich zu haben, stöhnt ein Herr. Und was soll ich sagen: It is! Es läuft sich so beschwingt hinunter zum Manesty Wood.

AbstiegCatbells

 

Von den 50 Dingen, die man laut National Trust getan habe sollte, bevor man 11 3/4 wird, kann man gleich eine ganze Hand voll im Manesty Wood erledigen. Eine Sache möchte ich (ganz ohne Altersbeschränkung) ergänzen: Picknicke in einer kleinen Bucht am Derwent Water.

FastwieSchären

 

Hier unten am See fühlen wir uns an skandinavische Schären erinnert. Eine kleine Bucht ganz für sich findet man leicht. Was hingegen ziemlich schwer fällt ist, sich wieder loszureissen.

DerwentWaterCumbria

 

Wer nicht gern spazieren geht, kann den See übrigens auch per Boot erfahren. Die Boote laufen auf dem Derwent Water 7 Stationen an, darunter eine Insel. Das Tagesticket des Keswick Launch erlaubt es, überall auszusteigen und mit einem späteren Boot weiterzugondeln.

LakeDistrictDerwentWater

 

Unser Rückweg führt fast bis zum Parkplatz immer am Ufer entlang. Insgesamt haben wir am Ende nur knapp 8 km auf der Uhr. Dennoch brauchten wir 4 (entspannte) Stunden. Während Wainwright den Catbells Großmüttern und Kindern empfiehlt, klassifiziert die Zeitschrift „Cumbrian Life“ ihn als „difficult“. Die Wahrheit liegt wohl – wie so oft – in der Mitte.

UferwegDerwentWater

 

Lieblingsstadt am Lieblingssee: Keswick

Wenn man sich länger in der Natur aufhält, sinkt bei den meisten ja das Bedürfnis, sich wie die Axt im Wald zu benehmen. Da trifft es sich gut, dass am Nordufer des Derwent Water die quirlige Kleinstadt Keswick liegt. Denn Keswick gilt als Fairtrade Town.

CrowPark

 

Rund 150 Geschäfte, Pubs, Restaurants, Hotels bieten ökologische und fair gehandelte Waren und Dienstleistungen an. Besonders lebhaft ist Keswick am Sonnabend, wenn der Markt sich durch die gesamte Stadt zieht.

 

 

Zwischen Keswick und dem Derwent Water liegt der Crow Park. Dort starten die erwähnten Bootstouren.

 

CrowParkKeswick

 

Und von dort hat man auch noch mal einen hervorrangend Blick zum Catbells. Meinem Lieblingsberg.

 

AbendstimmungKeswick

Early Birds & St. Bees

Tag 2 im Lake District: Der erste Morgen an einem fremden Ort, gehört für mich zu den schönsten Momenten auf Reisen. Kein vernünftiger Mensch springt so früh aus dem Bett wie ich. Darum kann ich das Neue meist ganz ungestört auf mich wirken lassen. In Bassenwaithe sieht vorm Fenster schon mal alles recht vielversprechend aus. Nix wie raus also in die Frühlingsfrische. Weiterlesen

Abendstimmung

Ich glaube, hier wurde der Frühling erfunden: Englands Lake District

Nachdem wir ein ganzes Jahr in der Naehe blieben, hielten Volko und ich es beide für wahnsinnig originell, einander zum Geburtstag Reisen in die Ferne zu schenken. So was wird natürlich im Verborgenen geplant, was u.a. zur Folge hat, dass man die Termine nicht abspricht. So reisen wir drei Wochen nach unserem Schweden-Trip schon wieder „weiter weg“. Dieses Mal geht es von Hamburg aus gesehen nur einen Tick weiter nördlich; dafür aber sehr viel weiter westlich – nach Nordengland. Weiterlesen

Mir egal, wenn die streiken (zumindest am Flughafen Kopenhagen Kastrup)

Dürfte ich einen Flughafen wählen, an dem mein Flug storniert, verschoben oder gestrichen wird, würde ich Kopenhagen Kastrup nehmen. Nicht weil es dort irgendwie unterhalsamer wäre als anderswo – sondern weil er so nett gelegen ist. Auf einer Insel im Øresund. Und da Skandinaviens größter Flughafen schön klein ist, kann man ruckzuck mal rüber zum Strand laufen.   Weiterlesen