Hamburg, Norddeutschland
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Das Glück beginnt in der Fischbeker Heide

Es gibt Dinge, die ich allein deshalb nicht tue, weil ich sie auch morgen tun könnte; oder nächste Woche oder irgendwann. Dazu zählen gewisse Arztbesuche, bestimmte Renovierungsarbeiten in meiner Wohnung, das Sortieren von Unterlagen/ Fotos/ Dateien und bisher auch Ausflüge, von denen ich weiß, dass sie mir eigentlich richtig gut tun würden. Jedenfalls letzteres kriege ich nun – dem Blog sei Dank – immer öfter auf die Reihe. Ganz oben auf der Liste: Wandern.        

Wandern

Wie sicher war ich nach dem Jakobsweg, dass ich von nun an regelmäßig wandern würde. Wandern macht nämlich zufrieden wie nur was und geht so gut wie immer.

  • Wandern kann man überall und immerzu. Man kann wie der kleine Hobbit einfach von Zuhause aus loslaufen.
  • Oder eine ausgefeilte Route irgendwo in exotischer Ferne unternehmen.
  • Eine Wanderung ist toll mit Menschen, mit denen man sich viel zu sagen hat.
  • Und genauso toll mit Menschen, mit denen man gut schweigen kann.
  • Allein wandern ist Meditation.
  • Wandern tut gut, wenn man glücklich ist.
  • Aber auch wenn man Kompliziertes im Kopf hin- und herbewegt.

    Auf dem Jakobsweg

    Auf dem Jakobsweg

  • Wer wandert, findet automatisch zum richtigen Maß. Man bewegt sich in seinem ureigensten Tempo. Man isst so viel oder so wenig, wie richtig für einen ist. Man steht mit der Sonne auf und geht auch mit ihr zu Bett. Man schläft wie ein Kind.
  • Wandern macht schlau und bescheiden. Man hat alles auf dem Rücken, was man braucht. Dabei wird man sich bewusst, wie wenig das sein muss. Fast könnte man ja von Demut sprechen.
  • Wer gehen kann, kann glücklich sein. Darauf läuft es hinaus. Ob die Kondition für 5 oder 50 km reicht, ist nebensächlich.

Gar keine Frage: Wer sich etwas Gutes tun will, geht wandern. „Und Du, Du musst unbedingt auch mal wandern gehen.“

So klugscheisserte ich nach dem Jakobsweg. Das war 2008.

Seitdem habe ich es gerade mal auf eine Handvoll Tageswanderungen gebracht. Immer in der festen Überzeugung übrigens, dass ich demnächst mal wieder wirklich wandern gehe. Mit Rucksack und Übernachtungen und so. Irgendwann. Oder nächste Woche. Oder morgen.

Doch „tomorrow never happens, man“. Wusste ja schon Janis Joplin.

Mittlerweile bin ich dermaßen froh über unser Nahreisenprojekt. Endlich mach ich mal, statt aufzuschieben. 

Diesen Monat werde ich also wandern gehen. Volko muss aus Zeitgründen leider aussetzen. Gerade beim Wandern ist das vielleicht aber gar nicht so schlecht.

Mit meiner Mai-Reisepartnerin Mari bin ich schon hunderte von Kilometern gemeinsam spaziert. Vielleicht auch tausende. Wir haben ein ähnliches Schritttempo, finden 25 – 30 km pro Tag genau richtig. Und sie schnarcht nicht. (Höchstens mal auf diese weibliche Art und Weise, die ja mehr ein Schnurren ist.)

Fischbeck_02

Der Heidschnuckenweg

Unser Weg könnte in Hamburg beginnen: Denn hier geht er los, der Heidschnuckenweg. 235 km von der Fischbeker Heide  in Hamburg-Harburg bis Celle. Wir wollen uns ein Sahneteilchen der Strecke ansehen und von Handeloh nach Schneverdingen laufen. Berichten zufolge bietet die Strecke besonders viel Heide-Heimatfilm-Romantik. Und so soll das sein, finden wir.

Der Heidschnuckenweg gehört zu Deutschlands 15 Top-Trails. Die Klassifizierung verspricht wenig Asphalt, gute Beschilderung und Bilderbuchlandschaften. Ich bin schon ganz gespannt.

Überhaupt ist alles so spannend, seit ich unter die Nahreisenden gegangen bin. Ich erlebe diesen Frühling viel intensiver als sonst.

 

Die Fischbeker Heide

Vor 6 Wochen sah es in der Fischbeker Heide noch so aus:

Fischbeck_01

Dem Gefühl nach habe ich seitdem jedem einzelnen Blatt dabei zugesehen, wie es sich entfaltete. Man braucht ja nur mal aus dem Fenster zu gucken, um zu erahnen, wie viel es dabei zu beobachten gab.

Und auch wenn ich noch nicht ganz ohne Wehmut & Fernweh in Bildbänden über Island, Schweden oder Schottland blättern kann – es ist schön, sich mal ein Jahr lang auf die allernächste Nähe zu konzentrieren.

Fischbeck_05

Und wie ist das bei Dir? Bist Du (in diesem Jahr) schon gewandert oder hast es noch vor? Du weißt ja, these are the days.

9 Kommentare

  1. Barbara sagt

    In Schneverdingen gibt es ein schönes buddhistisches Kloster, vielleicht könnt ihr dort übernachten. Milarepa Retreat

    • Danke für den Tipp, Barbara. Allerdings haben wir in Schneverdingen nicht mehr übernachtet, sondern sind von dort mit der Bahn zurück. Ich fand den Link ja schon gleich voll schräg (also, gut schräg). Aber seit ich Schneverdingen gesehen habe, kann ich es noch weniger fassen, dass dort ein buddhistisches Kloster existiert. Bestimmt tue ich Schneverdingen unrecht, aber mir kam es wie der ur-deutscheste (spießigste?) aller Orte vor. Ich muss noch mal einen Tagesausflug dorthin unternehmen. Liebe Grüße, Steffi

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