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Der beste Weg durch die Geltinger Birk

Falls man es geschickt anstellt, wird man im Laufe der Zeiten nicht nur älter sondern auch besser. So wie die Geltinger Birk.

Die Landzunge an der nordöstlichen Spitze Angelns steht bereits seit 1934 unter Naturschutz und hat sich mit den Jahren in ein Märchenland verwandelt. Bestehend aus Schilfsümpfen, Salzwiesen, Hohlwegen, Gespensterwäldchen, Lagunen, Weiden und Zauberstränden.

 

Charlotte

Die Mühle Charlotte markiert den Eingang zur Birk

 

Man kann die Birk zum Teil mit dem Fahrrad erkunden. Aber am besten lernt man sie zu Fuß kennen.

Ein Netz von gut ausgeschilderten Wanderwegen unterschiedlicher Länge zieht sich durch das Naturschutzgebiet. Sie  tragen nette Namen wie Eule, Konik, Möwe und Hochlandrind.

Der (für uns) schönste Spaziergang kombiniert den Möwenweg (blau) mit dem Konikweg (grün) und ist knapp 17 km lang.

 

Wanderwege Geltinger Birk

Vom Startpunkt am Parkplatz bei der Mühle Charlotte führt der Möwenweg einmal um die Geltinger Birk herum. In Falshöft gibt es die Möglichkeit zur Einkehr. Bei Niebywesterfeld wechselt man auf den Konikweg, etwa in Höhe der Klapptore. Dass man Beveroe auf dem Rückweg ein zweites Mal umrundet, ist gewollt – weil zu und zu schön.

 

Ist doch seltsam: Wenn man mich als Kind sehr unglücklich machen wollte, musste man mir nur einen Sonntagsspaziergang in der Geltinger Birk vorschlagen. Heute gehört das für mich zu den besten Dingen im Leben.

Ich freue mich jedes Mal wie … ja wie ein kleines Kind. Und ich entdecke auch immer wieder Neues. Denn die Birk verändert sich, dehnt sich aus – sie ist mit mir mitgewachsen, kann man sagen.

Während ich mich normalerweise mit Neuerungen eher schwer tue, scheint mir die Birk immer wundervoller zu werden. Das gilt sogar für den Birk-Kiosk.

 

Birk Kiosk

 

Ein Kiosk im Naturschutzgebiet kann ja leicht zum Sakrileg werden. Aber der Birk-Kiosk direkt am Parkplatz gefällt mir gut.

Man kann sich dort gleich bei der Ankunft mit Infomaterial versorgen. Und schon mal die Tageskarte studieren, auf der sich so supergute Suppen und regionale Kleinigkeiten finden, wie sonst kaum in der Gegend. (Nach geschaffter Wanderung also unbedingt einkehren.)

Aber jetzt erst mal los.

 

Beveroe

Typisch für die Birk ist der Wechsel zwischen Freiflächen und Hohlwegen

 

Ein Naturschutzgebiet am Meer ist generell eine gute Sache. Bombastisch gut wirds auf der Birk bei Zick-Zack-Wetter. Das Wolkenspiel am Himmel lässt die Ostsee in den unglaublichsten Farben leuchten.

 

 

Etwa bei der Nabu-Hütte wird der Weg zum Trampelpfad und der Wind etwas frischer. Die Birk ragt wie eine neugierige Nasenspitze in die Ostsee hinein.

 

 

Die Natur ist unaufgeregt. Zu den spannenden Dingen gehört es, nach den Wildpferden Ausschau zu halten . 2002 wurden 11 Koniks in der Birk angesiedelt. Schon im ersten Jahr wurden ihnen 3 Fohlen geboren. Die Pferde leben hier wirklich wild. D.h. man weiß nie so ganz genau, wo man sie findet.

 

Koniks

 

Koniks sind genügsam. Selbst bei Schnee können sie ohne Zufütterung auskommen. Auf der Birk fühlen sie sich offensichtlich wohl. Ihr Bestand wird bei etwa 50 Tieren gehalten. Das ist nur durch Abgabe von Nachwuchs an andere Naturschutzgebiete möglich.

 

Wildpferde

 

Die Koniks sind nicht nur aus bloßer Tierliebe angesiedelt worden. Sie sollen den Bewuchs der halboffenen Weidelandschaft in Schach halten. Zusammen mit etwa 80 Galloways.

 

Hochlandrind

 

Etwas, das auf der Birk nicht nur in Schach gehalten sondern vollkommen ausgerottet werden soll: Strandrosen. Rosa Rugosa ist ein Einwanderer aus Asien und gilt als invasiver Neophyt. Aus Gründen des Arten- und Biotopenschutzes wird sie an den Küsten mittlerweile vielfach bekämpft. Sie verdrängt vor allem kleine und lichtbedürfitge einheimische Pflanzen wie Sanddorn, Stranddisteln und Bibernellrosen.

 

Strandrosen

 

Ein Jammer. Die Strandrose ist für mich so typisch für Nord- und Ostsee. Ich mag sie sehr. Und ich frage mich, was mit all den gleichnamigen Pensionen und Restaurants wird, wenn es in Norddeutschland keine Strandrosen mehr gibt?!

 

Schwanensee

 

Apropos Strandrosen: Sie schützten ja äußerst zuverlässig Dünenabschnitte, die nicht zertrampelt werden sollen. In der Birk sollte man gleich den gesamten Strand nicht betreten. Mit Ausnahme einer kleine Stelle beim Aussichtsturm ist er ganz für die 200 Vogelarten reserviert, die hier brüten.

 

Strand Geltinger Birk

 

Logischerweise hält sich nicht jeder Besucher daran. Der eine latscht durchs Brutgebiet. Der andere läßt seinen Hund frei laufen. Und der übernächste findet es nicht so schlimm, wenn ein einziges Mal ein einziges Kind (seins nämlich) unten am Wasser spielt.

 

Schafe

 

Ich würde ja verrückt werden, wenn ich Ranger wäre. Vermutlich führt das früher oder später zu Zäunen. Und dann sind wieder alle sauer.

 

Naturschutzgebiet Geltinger Birk

 

Bei Falshöft verlässt man die Ostsee und die absolute Natur für ein paar Kilometer. Aber schon kurz hinter dem Dorf schlägt man sich wieder in die Einsamkeit. Es geht über Weiden, Wiesen und Felder. Das kann matschig werden hier und da. (Ich sprach noch gar nicht von den Schuhen. Also: Es kann matschig werden.)

 

Weizen

 

An der einzigen Weggabelung muss man mal kurz aufpassen, dass man auf den Konikweg wechselt. Und zwar den, der nach rechts führt. Die anderen Wege streifen nämlich früher oder später Wohngebiete.

Auf dem Konikweg bekommt man einen guten Eindruck über die kontrollierte Vernässung der Birk. Das Ganze wirkt irgendwie urzeitlich. Und die Froschkonzerte sind grandios.

 

 

Kurz hinter der kleinen Brücke steht mal wieder eins dieser supersüßen Häuschen, die ich noch gar nicht erwähnt habe. Davon gibts eine Handvoll in der Birk. Sie sind alle entzückend und gehören alle den von Hobes.

Man kann sie mieten. Was cool ist, weil sie wunderschön liegen und zuckerniedlich eingerichtet sind. Anderseits haben speziell Wanderinnen diesen unbezwingbaren Drang, durch die Fenster luschern zu wollen. Und das könnte die Privatheit stören.

 

Ferienhaus

 

Gerade wenn man das Gefühl hat, jetzt reichts auch mit Wandern, hört man wieder die Ostsee rauschen. Man erreicht den Ausgangsweg etwa auf Höhe der Nabu-Hütte und geht die letzten 2 km, wie man gekommen ist.

 

Eichenblatt

 

Den Teil kennt man zwar schon. Aber das macht nichts. Weil das so wunderschön ist. Und darum sollte auch Leute, die überhaupt nicht gerne spazieren, ruhig mal die Birk besuchen. Selbst ein Mini-Spaziergang vom Parkplatz bis zur Nabu-Hütte ist die Anreise wert.

 

Grahlenstein

 

17 Kommentare

  1. Ein gaaanz langgezogenes Aaaach… Hört und sieht sich das wieder toll an! Das macht mir so richtig Lust, mal ein paar Tage Urlaub in Angeln zu machen und dem ein und anderen deiner Ausflugstipps zu folgen, Stefanie – wandernd, radelnd, schlemmend, einfach nur geradeaus guckend…

  2. Ja, Maren, Angeln ist wirklich gut für solche Dinge. Einzig der öffentliche Nahverkehr ist nicht so toll. Leider. Man braucht ein Auto. Aber ansonsten eigentlich nichts. Viel Spaß beim heutigen Geradeaus-gucken 🙂

  3. Schön….so schön!
    Und es geht nicht alles mit dem Fahrrad?? (wäre für uns ja wichtig)
    Was geht denn nicht mit dem Fahrrad?

    Liebe Grüße
    Eva

    • Eva, Ihr könnt natürlich super einmal rundrum sausen. Die gesamte Küstenlinie ist gut befahrbar. Und hier und da kann man auch mal einen Schlenker ins Innere machen. Es lohnt sich in jedem Fall auch total mit dem Fahrrad. Man muss nur ab und zu absteigen, um die kleinen, geheimnisvollen Dinge zu entdecken. Und wegen der Stille. Liebe Grüße, Stefanie

  4. Die Strandrose ausrotten?? Nicht wirklich, oder?? Für mich ist sie auch so typisch für Nord- und Ostsee. Klar habe ich sie auch im Garten und wo sie sich wohlfühlen, breiten Sie sich auch kräftig aus (ganz clever- mit unterirdischen Ausläufern). Tiere fressen diesen stacheligen Gesellen natürlich nicht, aber die Bienen lieben die Blüten.

    • Is´n Ding, nä?! Die irren Ausläufer sind in der Birk weiträumig ausgegraben worden. Der Boden soll nun zwei Jahre abgedeckt bleiben. In Heiligenhafen habe ich das auch so gesehen. Ein ganz schöner Aufwand.

  5. Tamara Weishaupt-Bülk sagt

    Ja, da bekomme ich total wieder Lust drauf. Ich durfte ja auch mal eine Nacht in der alten Försterei schlafen und am frühen Morgen standen da diese Pferde mit ihren Fohlen.
    Es ist einfach wunderschön, toll dass es solche Orte noch gibt!
    Erzähl es niemandem!

    Liebe Grüße
    Mari

    • Ach, wie toll – da habt Ihr geschlafen? Die alte Försterei liegt ja auch am versteckstens, oder? Das muss wunderbar sein, so aufzuwachen. (Ich sags nicht weiter. Wir sind ja unter uns.) Grüße, Grüße, Steffi

    • Ist es. Ich mag Dir die gesamte Region Angeln ans Herz legen. Wenn Du mal wieder in Ostseenähe bist. 🙂 Komm gut in den Tag, Stefanie

  6. Wieder wunderbar! … und zwei neue Worterfahrungen für mich: zuckerniedlich & luschern. Danke auch dafür 😉

    • Luschern? Tatsächlich? Dann wird das wohl norddeutsch sein (wusste ich gar nicht). Zuckerniedlich allerdings ist ein Wort, dass es bis vorgestern noch nicht gab (zu Unrecht wie ich finde :-)) Schönes Wochenende, Stefanie

  7. Pingback: So schön norddeutsch | Von Orten und Menschen

  8. Erika Stumm sagt

    Liebe Steffi,umso älter ich werde ,(und der Zahn der Zeit nagt inzwischen ganz schön an mir)umso lieber fahre ich in die Birk, inzwischen fast einmal im Monat, und alle Freunde, die mich besuchen, müssen mit mir dorthin.Erst neulich war ich mit einer alten Schulfreundin, die seit über 30 Jahren in Australien lebt, dort. Ihr kamen fast die Tränen beim Wiedersehen mit dieser unglaublich schönen Landschaft-wie gut, dass es diese Orte noch gibt!Und das so nahe-danke für Bild und Text-Erika

    • Vielen Dank für diesen Kommentar. Du bist aber auch wirklich viel in der Umgebung unterwegs, was?! Würde ich auch machen, wenn ich da lebte. Liebe Grüße nach Schwansen, Stefanie

  9. Sabine sagt

    Ich bin so erschüttert, dass in diesem wunderschönen Landschaftsschutzgebiet so viele Reethäuser gebaut werden. Wer erlaubt so etwas…Wahrscheinlich geht es wie immer mal wieder ums Geld. Die ersten Häuser stehen schon..haben sie gestern gesehen.

    • Liebe Sabine, ich frag mich auch immer wieder, wie er wohl aussieht, der Mensch, der seinen Genehmigungsstempel auf die Papiere knallt… 🙁

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