Neueste Artikel

Stern

Gegessen wird um Zwölf: der Dithmarscher Gänsemarkt

Als wir zu bloggen begannen, glaubte ich noch, Ausflüge aufs Land würden generell in einem Landgasthof enden. Solche, über die man nach einem ausgedehnten Spaziergang ganz zufällig stolpert und wo einfaches, ehrliches, sauleckeres Essen serviert wird. Im besten Fall wären die Holztische mit rotkarierten Tüchern eingedeckt, dachte ich, es würde nach Rotkohl duften und ein Bullerjan-Ofen sorgte für heimelige Wärme. Aber das war – bis vergangenen Sonnabend – nur eine Phantasie.

 

 

In Wahrheit ist es nämlich so: überlässt man in Norddeutschland die Restaurantwahl dem Zufall, gerät man in der Regel in Touristenfallen und/oder pesthässliche Etablissements im 90er-Look und/ oder isst erstaunlich schlecht. Im Norden muss man einfach wissen, wo es gut ist. Besonders in Schleswig-Holstein. Und vor allem in Dithmarschen. Sonst fährt man an dem grünweißen Gebäude in Gudendorf vielleicht vorbei. Nur wenn man langsam genug ist, um die üppige, liebevolle Dekoration am Eingang der ehemaligen Eierverpackungsfabrik wahrzunehmen, erkennt man schon von Außen dass der Dithmarscher Gänsemarkt ein kleines Schmuckstück ist.

 

Gegessen wird um 12.00: der Dithmarscher Gänsemarkt

 

Wenn Hamburger um die Güte einer Lokalität wissen, wissen es die Dithmarscher natürlich schon lange.  Eine Reservierung ist daher in jedem Fall angebracht. Ein typisches Telefonat liefe so, erzählt Stefan Anders, der den Familienbetrieb gemeinsam mit seiner Frau in vierter Generation führt:

„Gifft dat middachs noch´n Tisch?“

„Wann würden Sie denn gern kommen?“

„Naja, middachs, nech.“

Also, dann um 12.00 weiß Herr Anders. In Dithmarschen tickt man eben noch richtig. Und das ist für alle anderen natürlich super. Denn wer nicht aus Dithmarschen kommt und unter 90 Jahre alt ist, isst ja sowieso nicht um 12.00 Uhr, braucht also auch keinen Tisch zur Hightime.

 

 

Da kann man also schön ausschlafen, entspannt nach Dithmarschen eiern, eine Reservierung für 14.00 Uhr vornehmen und dann erst einmal einen ausgedehnten Spaziergang antreten, irgendwo am Deich, wo die Dithmarscher Gänse aufwachsen.

 

Dithmarschen

 

Dithmarscher Gänse werden nicht in Massen gehalten, sondern quasi als Kostgänger auf den umliegenden Bauernhöfen einquartiert. Lohnaufzucht nennt man so etwas. Und wer sich Gedanken um die Tiere macht, kann sich auf den Seiten des Dithmarscher Gänsemarktes über die Haltung informieren: https://www.gänsemarkt.de/unsere-marke/nachhaltigkeit-tierschutz; etwas, das so gut wie kein Bratwurststand auf den Weihnachtsmärkten bietet.

Es lohnt sich also, einen Ausflug nach Gudendorf zu machen. Das liegt im südlichen Dithmarschen, keine Stunde von Hamburg entfernt. Es ist eine ziemlich entlegene Gegend, umspielt von Nord-Ostsee-Kanal, Elbe und Nordsee und für mich persönlich die schnellste Art, vollkommen zu entstressen. Hier gibt es nämlich so gut wie gar nichts. Davon jedoch jede Menge.

 

Tagesausflug nach Dithmarschen: must-see Trischendamm

 

Wenn man sich auskennt im südlichen Dithmarschen, ist es eigentlich egal, wo man spazieren geht. Man hat dann ja alles, was Dithmarschen ausmacht, im Kopf und im Herzen und lässt sich mit diesen Bildern einfach in die weite, einsame Leere hineinfallen. Als Neuling muss man Dithmarschen erst einmal lieben lernen (jedenfalls ging es mir so) – und dafür eignet sich am allerbesten der Trischendamm. Den muss man sowieso mal gesehen – ach was, erlebt – haben. Warum steht hier. Und falls hier jemand mitliest, der sich vor Weihnachten noch einmal erden möchte: ab nach Friedrichskoog Spitze. Es ist nicht weit vom Gänsemarkt; etwa 20 km.

 

Trischendamm

 

Genauso pünktlich wie die Dithmarscher ihr Mittagessen einnehmen, gehen sie auch wieder ihrer Wege. Um 14.00 Uhr wird es ruhig im Gänsemarkt. Aber es duftet noch immer intensiv nach Rotkohl und während die Auswärtigen jetzt in aller Seelenruhe speisen, trudeln die ersten Dithmarscher Kaffeegäste ein. Eine persönliche Beobachtung: Während zum Mittagessen viele größere Gruppen und Mehrgenerationen-Familien kommen, ist die Kaffeezeit eine typische Angelegenheit unter Freundinnen. Was sicherlich auch an Frau Anders Gespür für hygge liegt.

 

hygge

 

Frau Anders Deko-Laden, die Daunenstube, erinnert an ein begehbares dänischen Interieur-Magazin. Und selbst ich – als konsumuntüchtige Person – habe mich in einiges verliebt. U.a. in die Betten-Manufaktur. Die EU-Ökoprüfstelle hat Kissen und Decken der Familie Anders mit dem Bio-Siegel versehen; d.h. sie bestehen zu 100% aus Biodaunen, Biofedern und Biobaumwolle.

 

biobetten

 

Apropos Schlafen, hygge und Dänen. Der Dithmarscher Gänsemarkt ist ein echtes Smuttur. Wer hätte das denn gedacht? Wer hätte überhaupt gedacht, dass es ein Smuttur gibt! Aber so ist es. Die Deutsche Zentrale für Tourismus betreibt im Auftrag der Bundesregierung sogar eine offizielle Smuttur-Seite. Und eben dort wird der Gänsemarkt als „hyggeliger udflug“ angepiesen – in dänisch. Smuttur nennen die Dänen nämlich ihre Kurztrips, die sie offenbar gern und häufig unternehmen.

 

Hyggeliger Udflug: ein Smuttur in Dithmarschen

 

Ich stehe ja total auf Smutturs. Im Grunde könnte man diesen Blog einen Smuttur-Blog nennen. Darum schnell noch mal zwei weitere Tipps, falls Ihr Lust habt, einen Kurztrip ins südliche Dithmarschen zu unternehmen.

Übernachten: im Burger Fährhaus habe ich mich mal wie in einem Gedicht von Mathias Claudius gefühlt. Es liegt direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Und wenn Ihr schon mal da seid, unternehmt bloß einen kleinen Spaziergang in den Luftkurort selbst, um im Lütten Café einzukehren. Mehr darüber findet Ihr bei Wera von Kultur und Kunst.

Erleben: Wenn Euch der bereits erwähnte Trischendamm gefällt, dann werdet Ihr sicher auch Helmsand lieben. Die ehemalig Hallig ist nur ein Highlight in der unbedingt sehenswerten Meldorfer Bucht. Wobei ich jetzt ins Grübeln komme. Denn eigentlich ist es dort zwischen April und Oktober schöner. Also, verschiebenen wir dieses Smuttur lieber auf den Frühling oder Herbst oder im allerbesten Fall auf einen knallheißen Hochsommertag.

In dunklen Wintertagen eignet sich das Smuttur-Mutterland besser. (Anscheinend kann ich mich ja gar nicht wieder einkriegen, ein neues Wort gelernt zu haben). Und ich finde es irgendwie strange, dass Dänen ein eigenes Wort für Kurtzrip kennen, aber selbst gar nicht so richtig darauf vorbereitet sind. Es ist nämlich gar nicht so leicht, in Dänemark eine gute Unterkunft  für ein, zwei, drei Nächte zu finden. Die wunderschönen, alte Badehotels sind ganz schön hochpreisig, die bezahlbaren Hotels oft furchtbar deprimiernd. Und Ferienhäuser – die klassische Variante des DK-Urlaubs – kosten in der Regel für ein Wochenende genauso viel wie für eine ganze Woche.

Wobei ich überhaupt nichts gegen eine ganze Woche in einem dänischen Ferienhaus gesagt haben möchte. Ganz im Gegenteil. Und weil das so ist, machen wir uns morgen auf den Weg und melden uns – so das W-Lan will – nächstes Mal aus dem vorweihnachtlichen Dänemark. Bis dahin: einen schönen dritten Advent.

 

Staatsoper

Elphis schöne Schwester: die Hamburgische Staatsoper im Advent

Als ich gestern zur Blauen Stunde quer durch Planten un Blomen Richtung Hamburgische Staatsoper stiefelte, kreuzten zwei Ratten meinen Weg. Ich bin keine Expertin, was das betrifft, doch ich nahm an, es wären Wasserratten. Wie sie sich da nämlich direkt vor meinen Füßen in das Bassin gleiten ließen, sah es ganz so aus, als würden sie zum reinen Vergnügen auf die weite Fläche hinauspaddeln. Die Lichter der Schlittschuhbahn spiegelten sich auf dem Wasser wie bunte Monde. Der Schneeregen fiel dicht. Und ich kann jeden verstehen, der die Vorstellung nicht besonders romantisch findet. Aber ich … ja … ich fühlte mich ungeheuer „zuhause“. Etwas, das ich immer dann besonders genieße, wenn ich es eine Weile nicht hatte.

 

 

Ich mag meine Stadt. Auch wenn in Hamburg – das habe ich mal gelesen –  mehr Ratten leben als Menschen. Bei uns gelten sie als eklige Schädlinge, aber in Indien und China stehen Ratten für Kreativität und Ehrlichkeit. Zwei Eigenschaften, die recht gut zum Hafen passen – genau wie Offenheit und Toleranz. Die Bandbreite akzeptierter Lebensformen zieht sich bei uns ja noch in die gediegensten Institutionen.

 

Die Hamburgische Staatsoper: abendliche Atempause

 

In der altehrwürdigen Hamburgischen Staatsoper etwa debütierte Plàcido Domingo ebenso wie Anneliese Rothenberger. Das ist genauso „volle Kanne Hamburg“ wie der welttreueste (wunderschöne, phantastische) Ballettdirektor John Neumeier und der attraktivste Musikdirektor des Universums, Kent Nagano, der ganz nebenbei ein international gefeierter Star ist und dieses Jahr als Dirigent des Jahres ausgezeichnet wurde.

 

 

Wer was für Klassik übrig hat (oder mal reinschnuppern möchte) kann noch bis Weihnachten jeden Abend – kostenfrei – den wunderbaren lebendigen Adventskalender besuchen. Täglich um fünf (sonntags um 12.00 Uhr) nehmen Hamburger und Besucher auf Stufen und Fensterbänken des Foyers Platz, um sich eine halbe Stunde gedanklich entführen zu lassen. Dann darf ein Kind aus dem Publikum das jeweilige Türchen öffnen. Dahinter kann sich Tanz verstecken, Literatur oder Musik. Es wird besinnlich, anspruchsvoll oder fröhlich. Gestern z.B. trug Sopranistin Qiong Wu Lieder der Romantik von Brahms, Strauss u.a. vor, begleitet von Oliver Stapel am Piano.

 

 

Das war eine wunderbare halbe Stunde. Eine Atempause. Ein Freudenfeuerchen. Gerade übrigens in Kombination mit einem Spaziergang durch den stillen Park zuvor bzw hinterher. Und man sollte sich keinesfalls durch Ratten davon abschrecken lassen, denn:

Adventskalender„Durch Fragen, die die Künste aufwerfen, und durch Antworten, die sie herausfordern, erleben wir eine Schönheit, die mit schönem Aussehen nichts zu tun hat. Auch Schwäche, Tragisches oder Abstoßendes kann unglaublich schön sein. Denn schön ist jede Erfahrung, die uns dem Wesenskern der Dinge, dem Urgrund allen Daseins näherbringt. (Kent Nagano)

Der literarisch-musikalische Adventskalender der Hamburgischen Staatsoper findet noch bis zum 23. Dezember täglich um 17.00 Uhr statt (sonntags 12.00 Uhr) statt. Wie es sich für das Bundesland mit den meisten Stiftungen in Deutschland gehört, wird eine Spende gern gesehen. Sie kommt der Regenbogenstiftung zugute.

Blackpool

Kleine Pause – mit Blick aufs Meer

Hätte ich mal das Angebot von Vogts Vermittlungsagentur angenommen. Noch im Sommer schlug mir die Agentur regelmäßig eine nicht näher bezeichnete Tätigkeit zu besten Konditionen vor. Die Bezahlung beträgt durchschnittlich 3600 € im Monat bei ca 4 Stunden Arbeit in der Woche, hieß es. Und weiter: Der Mitarbeiter hat keine eigenen Ausgaben und muss keine speziellen Fähigkeiten mitbringen.

Das hätte eigentlich ganz gut gepasst. Und dann hätte ich mich jetzt ganz entspannt zurücklehnen können – optimaler Weise mit Blick aufs Meer. Aber im Sommer mache ich mir schon aus Prinzip ungern praktische Gedanken. Und als ich endlich soweit war, den Job in Erwägung zu ziehen, hatte ihn mir offenbar jemand Flinkeres vor der Nase weggeschnappt. Jedenfalls höre ich nichts mehr von Vogts Vermittlungsagentur.

 

WM 2014

 

St. Peter-Ording

 

St. Peter-Ording

 

Staberhuk Fehmarn

 

jungemädchen

 

KinderimAquarium

 

Hundefreude

 

Lousiana

 

Schwaene

 

Meereslounge

 

Ist aber dennoch eine gute Stelle

 

 

Tango Travemuende

 

Sonnenuntergang

 

Weltschiffahrtsweg

 

Zwei Schafe

 

Strandgym

 

Wilhelmsburg

 

Sylt im November

 

Sylt bei Regen

 

 

Kiel by night

 

Watt

 
mitblickaufsmeer
 

Was ich eigentlich sagen wollte: Uns hat mal wieder der Jahresendstress erwischt. Das bleibt ja nicht aus. Wie immer sind alle (Kunden, Dienstleister, Heizungsableser, wir) scharf drauf, gewisse noch Dinge im „alten Jahr“ zu erledigen und da nicht alles aufeinmal geht, steht eine Blogpause an. Keine ewig lange. Wir hören das Meer schon in der Ferne rauschen. Bald gehts hier weiter. Macht´s gut derweil!

St. Peter Ording

Kurtaxe in SPO oder: Was ein Sonnenuntergang kostet

Es ist Ende Oktober, kurz vor fünf und der Herr da im Kassenhäuschen an der Promenade von St. Peter-Ording Bad will mir doch tatsächlich 2 Euro Kurtaxe abknöpfen. Für eine Tageskarte. Ich bin schon an einem Sommervormittag irritiert, wenn ich Eintritt in die Natur zahlen soll. An einem Herbstabend verstimmt es mich geradezu.

 

SPO Bad

 

Auf meine Verstimmung ist man in SPO vorbereitet. Jemand hat ellenlange Rechtfertigungen an die Wand des Kassenhäuschens geschlagen wie Luther seine Thesen. Nur das die schlüssiger scheinen als die „Vorteile“ meiner Tageskarte. Darunter so absurde Sachen wie ermässigter Einlass in diversen Dorfmuseen, die bereits seit einer Stunde geschlossen haben oder Preisnachlass für kostenpflichtige Kurveranstaltungen, die irgendwann (jedoch nicht heute) stattfinden. Etwa 7/8 der genannten Vorteile kommen für mich nicht zum Tragen. Genau wie ja auch 7/8 des Tages bereits vergangenen sind.

 

Westerhever

 

Am ehesten überzeugt mich noch der Vorteil gereinigter sanitärer Anlagen. Es ist nur so, stelle ich beim Faktencheck fest, dass die Öffentliche Toilette an der Promenade nicht gerade gereinigt daherkommt. Und weil mich noch immer die ungeheuer popelige Auflistung aller Vorteile für Tageskartenbesitzer verstimmt, habe ich das Bedürfnis zurückzupopeln. Dabei bin ich normalerweise gar nicht so. Doch jetzt werde ich zum Erbsenzähler.

 

Strandzugang

 

Im Sommer geht ein ganz normaler Tagesausflug nach SPO bei uns so:  Wir zahlen 6 Euro Parkplatzgebühr (nur 6 Euro betont die Tourist Info auf ihrer Internetseite, was mich auch schon wieder verstimmt), 3 Euro „Eintritt“ pro Person,  8 Euro für einen Strandkorb. Dann verdrängen wir diese 20 Euro möglichst schnell und gründlich. Man will sich ja den Tag nicht verderben lassen – und später mit gutem Gewissen auch noch irgendwo essen gehen. Und überhaupt wollte ich noch nie wirklich wissen, dass so ein Tagesausflug inklusive Anreise irgendwo bei 100 Euro landet. Weil das ja eigentlich ein Wahnsinn ist. Aber nun weiß ich´s. Werde es vermutlich nie wieder aus dem Kopf kriegen. Werde es nächsten Sommer wohl trotzdem wieder berappen. Aber im Herbst? Eher nicht.

 

Kurtaxe, Tagestaxe, Strandnutzungsgebühr, Fremdenverkehrsabgabe

 

Im Grunde ist Baden-Baden an allem Schuld. Dort wurde bereits 1570 eine Kurtaxe eingeführt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwappte die kommunale Abgabe dann in die Seebäder über. Wie erinnern uns: Es waren die Zeiten als Sommergästen gewaltige Prachtbauten errichtet wurden. Wandel-, Trink- und Lesehallen. Promenandengänge, Strandpavillons und Konzertmuscheln fürs Kurorchester. Also, das war irgendwie mondän damals. Ein anderer Schnack, wie der Norddeutsche sagt. Auch Tourismus-Bosse können das so sehen – z.B. der vom Ostseebad Damp. Strandgebühren nennt er „nicht mehr zeitgemäß“ – und erhebt daher keine. Ob und in welcher Höhe Kurtaxe fällig wird, entscheidet nämlich jede Gemeinde selbst.

 

Duenen

 

In und um Kiel ist die Dichte an kurtaxenfreien Sandstränden am höchsten. Am teuersten sind die ostfriesischen Inseln. 3,50 zahlen Erwachsene etwa auf Juist in der Hochsaison pro Tag. Kinder – besonders verwerflich –  kosten 2,10. Damit kommt die klassische Familie mit 2 Kinder beim klassischen 2-Wochen-Urlaub auf 182 Euro – allein für Kurtaxe. In SPO zahlen Kinder in Begleitung ihrer Eltern nichts. Ohne Eltern aber doch – das wären also die Kinder, die mit Jugendgruppen verreisen. (Sehr unsympathische Regel, die ich ächten würde, wäre ich Königin von Deutschland). In Mecklenburg-Vorpommern müssen an einigen Stränden sogar Hunde ein Ticket kaufen. Man könnte das auch anders regeln. Etwa wie Bispingen in der Nordheide. Dort übernehmen Hotelerie und Gastronomie die Abgabe.

 

Ebbe

 

„Aber wir müssen ja den Strand reinigen und bewachen“, stöhnen die Seebäder. Als wäre der Strand ein Wettbewerbsnachteil. Dabei verkauft  St. Peter-Ording ja gerade wegen des Strandes jährlich 2,5 Mio Übernachtungen.  Kalkuliere ich pro Übernachtung ganz, ganz, ganz (also geradezu unrealistisch) knapp 50 Euro, ergibt das 125 Mio Euro Umsatz.

 

Wenn ich Königin von Deutschland wär´: Kurtaxenreform

 

In meiner sehr, sehr, sehr (geradezu unrealistisch) knappen Kalkulation werden so um die 9 Mio Euro Mehrwertsteuer generiert. Könnte man da nicht 1 Mio für die Strandreinigung abzwacken? Und 1 Mio für die DLRG? Und falls es nicht reicht: da wäre ja auch noch die Mehrwertsteuer der Eisverkäufe, Strandkorbmieten, Mittag- und Abendessen, Souvenirs usw usf. von jährlich 2,5 Mio Übernachtungs- und 500.000 Tagesgästen.

 

Moewe

 

Nur damit die Perspektive stimmt: Es geht nicht um den Küstenschutz. Der wird aus einem anderen (Steuer)topf bestritten. Und apropos Steuern: Alles was Urlauber und Tagesausflügler in SPO bezahlen, bezahlen sie von bereits versteuerten Einkünften. Man hat sich zwar daran gewöhnt, dass alles doppelt und dreifach besteuert wird – mit Ausnahme großer Vermögen. Aber irgendwann ist doch auch mal gut oder nicht?

 

Herbstabend

 

Jedenfalls: Ich werde niemals um 17.00 Uhr im Herbst ein Tagesticket kaufen, um eine Stunde am Strand zu spazieren. Echt nicht. Auch wenn es nur 2 Euro sind. Die würde ich zwar überhaupt nicht im Portemonnaie merken. Doch ich würde mich abgezockt fühlen. Und da stehe ich irgendwie nicht drauf.

 

Abendsonne

 

Muss ich auch nicht. Sagte Catrin Homp vom Tourismusverband in der SHZ. In Schleswig-Holstein sei jede Gemeinde verpflichtet, einen frei zugänglichen Strand vorzuhalten. Ich bin nicht sicher, ob es flächendeckend auch der Fall ist. Hat z.B. Timmendorfer Strand einen kostenfreien?! Ich bin nicht sicher. SPO allerdings hat.

 

Bauarbeiter

 

Ganz, ganz am Ende der Sandbank, im Ortsteil Ording. Biegt man am Deich nicht links zum offiziellen Parkplatz ab sondern rechter Hand zur Strandkorbhalle, kostet das Parkticket auch nicht „nur“ 6 Euro sondern 3,50. Bzw. gar nichts im Herbst um mittlerweile 17.15 Uhr.  Und so soll das sein. (Die Bilder in diesem Beitrag zeigen übrigens den Abendspaziergang von dort aus.)

 

Nordsee

 

Streng genommen dürfte der Strandspaziergänger nur bis zum offiziellen Strand von Ording gehen. Aber weil er ja so einzigartig und gewaltig ist, der Strand von SPO, übertreten wir erst um 18.00 Uhr die Kostengrenze. Da packt der Herr vom Kassenhäuschen gerade seine sieben Sachen.  Denn irgendwann ist ja auch mal Feierabend.

 

Rote Sonne

 

Badestelle Vollerwiek

Badestelle Vollerwiek und was für den November in Norddeutschland spricht

Der November in Norddeutschland ist besser als sein Ruf, dachte ich neulich, als wir jenseits des Eidersperrwerks die erste Abzweigung nahmen, um eine neue Badestelle zu entdecken. Allein dass wir – trotz Himmelsblau und Windstille und ganz kurz von St. Peter Ording – einen Umweg ins Unbekannte wagten, war schon mal bemerkenswert.

 

Vollerwiek

 

Im Sommer bin ich immer unruhig. Ich will so schnell wie möglich zum besten Strandkorb am besten Strand. Und ich checke während der Anfahrt permanent den Horizont, aus lauter Panik dort könnte eine Wolke auftauchen. Doch dafür gibt es ab sofort gar keinen Grund mehr. Mit dem November kommt die Ruhe. Sie nahm uns sofort gefangen, als wir in Vollerwiek den Deich erreichten.

 

November

 

Der schlechte Ruf unterscheidet den November vom März. Dabei ist der März unwirtlicher als der November. Vermutlich wirkt im Frühling das Prinzip Hoffnung. Auch bin ich ja nicht die Einzige, die uralte Vorurteile verinnerlicht hat. Die Vorstellungen gleichen kindlichen Bastelkalendern. Da wird der März mit hellen Farben, evtl. ersten, bunten Blüten visualisiert, in manchen Jahren auch Ostereiern oder jedenfalls ja einem, der die Rösslein anspannt. Es geht los, sagt das. Und der November ist immer nur ein Regenschirm oder das Tor zur Ödnis und Dunkelheit.

 

Besser als sein Ruf: November in Norddeutschland

 

Seit es diesen Blog gibt, weiß ich es besser. Nicht, dass der November eine Trockenperiode wäre – aber es regnet eben auch nicht mehr als im Juli oder Januar. 12 Tage im Schnitt. D.h. an 18 Tagen regnet es nicht. Das Glas ist zu Dreiviertel voll. Gute Sache.

 

Schaf

 

Die Ruhe ist vielleicht das Beste am November in Norddeutschland. Stichwort: innere Einkehr. Dachte ich so, als ich zum Watt runterspazierte. Im Herbst wollen hier einfach nicht so viele sein. Und mit den Blättern fallen die Preise. Selbst für Krabben, habe ich neulich gelesen. Die Herbststürme brachten die Wende. Die Netze sind wieder voll. Und schon kann man sich ein Krabbenbrötchen leisten. Sowie eben auch: Unterkünfte.

 

Deich

 

Ganz Norddeutschland ist im November toll. In den Wäldern von Niedersachsen darf man berechtigter Weise auf einen Indian Summer hoffen, etwa im Wendland. Aber auch die November-Stürme auf den nordfriesischen Inseln in Schleswig-Holstein, z.B. auf Sylt sind eine Kurzreise wert. Oder die Einsamkeit an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern; sogar auf dem beliebten Darß wird es jetzt still.

 

Vollerwiek

 

Immer einen Ausflug wert: November in Norddeutschland

 

Watt

 

Hamburg geht ja sowieso immer – auch im November; sehr gut sogar, weil sich hier viele Outdoor-Locations mit Indoor-Freuden verbinden lassen. Meine persönlichen Top-3-Novembervergnügen:

  1. Der Jenisch-Park ist perfekt in jeder Hinsicht. Das Wichtigste: An- und Abreise in den englischen Landschaftsgarten mit wundervollem Baumbestand erfolgen mit dem Dampfer.  Außerdem warten mit dem Jenisch-Haus und dem Ernst-Barlach-Haus gleich zwei wirklich sehenswerte Museen.
  2. Auch nicht schlecht: Pilgern im Stadtpark – und anschließend ab ins Planetarium. Wenigstens die Innenräume und die Aussichtsplattform sollte man mal gesehen haben. Aber besser ist natürlich ein Ticket für das modernste Sternentheater Deutschlands.
  3. Normalerweise bleibe ich ganz gern in der Zeit und schlage daher um Spekulatius und Weihnachtsmärkte im November noch einen Bogen. Aber für die Skandinavischen Weihnachtsmärkte im Portugiesen-Viertel mache ich gern eine Ausnahme. Die sind nämlich gar nicht wirklich weihnachtlich sondern schön skandinavisch schräg. Dieses Jahr öffnen die Seemannskirchen der Dänen, Norweger, Schweden und Finnen ihre Pforten vom 17. – 19.11. und vom 24. – 26.11.

 

Wer Freistil bevorzugt, geht einfach an die Elbe, irgendwo zwischen den Landungsbrücken und Wedel. Durch die Hänge wirkt das Hamburger Ufer wie ein Südbalkon. Das hat die Elbe mit den besten Nordseedeichen und Ostseesteilküsten gemeinsam.

 

Kuh

 

Wie ich in den letzten Jahren festgestellt habe, muss ich im November nicht frieren. Bis kurz vor Silvester ist mein Wohlbefinden eine Frage der richtigen Jacke. (In Norddeutschland wird es nämlich erst nach Weihnachten kalt; alle 10 Jahre schneit es sogar mal. Aber das ist ein anderes Thema.) Natürlich gibt es  diese 12 Regentage im November, wo selbst ich nicht raus mag. Aber das ist ja ganz herrlich. Denn dann kann man es sich endlich gemütlich machen.

 

Novembertrilogie: Sessel, Leselampe und ein Buch

 

Wie kaum ein Monat eignet sich der November zum Lesen. Noch ist Gemütlichkeit ja etwas Besonderes und ein düsterer Nachmittag im Lesesessel willkommen. U.a. mit diesen Tea-Table-Bänden:

 

  1. Vom Glück am Meer zu sein: Wenn man nicht ans Meer kann, kann man ja jedenfalls davon träumen. Ich will´s mal nicht mit Eigenwerbung übertreiben – wer´s noch nicht mitbekommen hat, findet mehr  zum Bildband Meeresrauschen hier. Und für aufmerksame LeserInnen ein kleines Gewinnspiel; wir verlosen ein Exemplar des Buchs. Wer mag, erwähnt einfach im Kommentarbereich, dass er/sie in die Lostrommel will. Am 7.11. wird gezogen.
  2. Vom Glück auf Møn zu sein: Carmen Wedeland lebt auf einer dänischen Insel – ist also voll im Thema was Handmade Hygge betrift. Super für alle, die gern was mit ihren Händen machen, skandinavische Lebensart schätzen genau wie den entsprechenden Look  und/ oder vielleicht in diesem Jahr mal wirklich frühzeitig an Weihnachtsgeschenke denken wollen.
  3. Vom Glück auf einem Markt zu sein: Der Eine braucht zur inneren Einkehr Einsamkeit, der Andere findet am besten mit geliebten Menschen und gutem Essen zu sich. Für den Bildband „It´s Market Day“ sind ein paar St. Paulianer kreuz und quer durch Europa gedüst, um tolle Geschichten, Rezepte und wundervolle Fotos von den aufregendsten Märkten mitzubringen.

 

Apropos Essen: neulich habe ich irgendwo aufgeschnappt, dass Süddeutsche keinen Grünkohl essen?! Das wundert mich total, denn eigentlich haben die sonnigen Gemüter ja die bessere Küche. Aber ein Herbst ohne Grühkohl scheint mir nicht besonders erstrebenswert.

 

Mahre

 

Kohl gehört in Schleswig-Holstein zum November wie Helmut zu den 80er Jahren. Besonders in Dithmarschen, wo der Kohl sogar gefeiert wird. Die Kohltage Ende September liegen für mich immer etwas zu früh (da bin ich nämlich noch im Sommermodus). Es braucht m.E. einen Herbsttag, um im falunroten Mahre am Katinger Watt einzukehren. Das taten wir nach unserem Spaziergang in Vollerwiek. Die Mini-Speisenkarte gab auf den ersten Blick nicht recht was her. Doch da köchelte noch was nebenbei in den Töpfen der polnischen Köchin. Nämlich grandioses Bigos und Kohlrouladen. Und falls Ihr mal in der Gegend seid: Fragt bloß nach dem Kohl-of-the-day.

 

Wattwanderer

 

Noch was, das super ist am November: Endlich dürfen wieder alle (auch Hunde) umsonst an den Strand. Selbst die unverschämtesten Kurtaxeneintreiber lassen es jetzt gut sein. Sogar in St. Peter-Ording. Aber das ist auch schon wieder eine ganz andere Geschichte… davon dann demächst mal mehr … und für heute nur noch: kommt gut in den November allerseits!

 

Strandhotel

Ich hatte einen Balkon vor den Ochseninseln: Glücksburg im Herbst

Wir erreichten Glücksburg zeitgleich mit einem Wolkenbruch. Auf dem Förde-Boulevard hasteten die Leute zum nächsten Unterstand und im Strandhotel empfing uns gedämpftes Stimmengewirr. Männer in Anzügen schlängelten sich an Damen in Gummistiefeln vorbei. Hunde schüttelten sich den Regen aus dem Fell. Lobby und Restaurant waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Es dauerte eine Weile, bis wir unsere Schlüsselkarte erhielten und mit dem Fahrstuhl in die Stille des 3. OGs entschwebten. Auf dem Boden neben unserer Zimmertür lagen zwei zusammengeknüllte Faschingskostüme. Die Tür stand halboffen. Drinnen wurde noch allerletzte Hand angelegt.

Als die Dame vom Housekeeping uns bemerkt, rief sie „ach, herrjeh“ und bat dann überschwänglich – jedoch nicht servil – um Entschuldigung. Das Hotel sei zwei Tage komplett von einer Hochzeitgesellschaft belegt gewesen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier alles los war.“

 

Kissen

 

Und ich dachte: „das können Sie zweimal sagen.“ Denn wer kann sich schon vorstellen, was in diesem Haus alles los war, seit 1872 eine Gruppe von 80 Aktionären ein Curhaus mit 6 Gästezimmern am Strand von Sandwig errichten ließ.

 

Das weiße Schloss am Meer: Strandhotel Glücksburg

 

Wer kann sich die Säle und Salons vorstellen, in denen nach der Erweiterung rauschende Feste gefeiert wurden? Das Badehaus und die Badekarren? Wer kann sich die Sommergäste vorstellen, die mit dem Dampfer anreisten und gern mehrere Wochen blieben? Oder dass Kaiser Wilhelm II und Kaiserin Auguste Victoria mit ihrer Yacht „Hohenzollern“ am Anleger festmachten? Und dann den großen Brand, der das Hotel 1912 vollkommen zerstörte?

 

Strandhotel Gluecksburg

 

Die Wiedereröffnung fand 1914 unter dem Namen Kurhotel statt. Ob sich die illustren Gäste aus München, Hamburg und Berlin (etwa Thomas Mann und sein Verleger Samuel Fischer) wohl vorstellen konnten, dass ihre Sommerfrische sich bald in ein Lazarett verwandeln würde? Dass zum Ende des zweiten Weltkrieges 220 Flüchtlinge hier Unterkunft finden sollten? Später eine Kinderheilstätte, dann ein Mutter-und-Kind-Erholungsheim der evangelischen Kirche? Wie könnte man sich so etwas je vorstellen?

 

Balkon Strandhotel

 

Im Jahr 2000 wurde das Traditionshaus wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Doch erst als es in dänischen Besitz wechselte, erhielt es den heutigen fluffig Skandinavienlook, leicht wie ein Sommerbrise. Jedes Zimmer ist anders gestaltet. Jedes etwas ganz Besonderes. Und während ich unseren hellblau-weißen Traumsalon inspizierte, pustete der Wind die Wolken zur Seite.

 

Glücklich in Glücksburg: Dänemark vorm Balkon

 

Nein, natürlich, es muss nicht immer Kaviar sein. Aber hin und wieder (und zwar so selten, dass man es auch wirklich als etwas Besonderes zu schätzen weiß) geht doch nichts über einen windgeschützten Balkon mit Blick auf Dänemark (und die Ochseninseln).

 

Sandvig

von vorn nach hinten: Strandkoebe, Seebruecke, Ochseninseln, DK

 

Glücksburg ist die nördlichste Stadt Deutschlands, fühlt sich aber südlicher an. An wolkenlosen, heißen Hochsommertagen haben wir uns hier schon an Südfrankreich erinnert. Das mag am bekannten Wasserschloss im Stil der Renaissance liegen und den großzügigen Grundstücken in Höhenlage.

 

 

Vor allem aber ist es dieses speziellen Leuchten der Flensburger Förde (von der die Flensburger übrigens behaupten, sie sei die schönste Förde der Welt).

 

Yachthafen

 

Im Herbst fühlt sich Glücksburg zwar nicht unbedingt an wie Nizza. Aber das mit der schönsten Förde der Welt kann schon sein. Wer es genau wissen will, müsste den Fördesteig erwandern. Der vom NABU konzipierte Wanderweg verläuft auf 95 km von Kappeln nach Flensburg und stößt dort auf den 75 km langen dänischen Gendarmenstien, der am jenseitigen Fördeufer nach Sonderborg führt.

 

Angelns Côte d’Azur: der Fördesteig

 

Das Strandhotel liegt direkt am Fördesteig. Er verläuft hier auf der Promenade, dem Förde-Boulevard wie die Glücksburger sagen. Gleich hinter der Hanseatischen Yachtschule, windet sich der Weg über eine weiße Holzbrücke ins Quellental und dann hinauf in den Ruheforst Wille.

 

Forst Wille

 

Forst Wille ist einer von 3 Wäldern, die Glücksburg zum perfekten Herbstziel machen. Wenn die Blätter sich verfärben, wird einem der Wert der Wälder ja immer besonders bewusst und der Glückburger Wald ist eine Wucht. 24 Baumarten wachsen hier bis dicht an den Strand, manche mehr als 200 Jahre alt. An den bizarren, vom Wind geformten Buchen im Ruheforst Wille kann man sich kaum sattsehen. Und dazu noch das Rauschen der Förde…

 

 

Ein erneuter Regenguss ließ mich am Strand Solitüde umkehren. Wäre ich weitergelaufen, hätte ich nach 10 km die Hafenspitze Flensburgs erreicht. Schaut mal bei Ulrike von Watt & Meer – sie hat die „städtische“ Etappe des Fördesteigs neulich absolviert. Wer nicht gern zweimal die gleiche Strecke geht, kann von Flensburg aus mit dem Dampfer zurückkehren. Und dann direkt zur Stärkung ins Bistro Sandwig stolpern.

 

Gluecksburg

 

Das Bistro Sandwig gehört zum Strandhotel und stellt das lockere Pendant zur gehobenen Küche im Restaurant Felix dar. Bistro SandwigBestellt wird am Tresen, serviert wird am Tisch – oder draußen im Strandkorb. Zu den Klassikern gehören gebratene Garnelen und Burger (beides lecker). Demnächst – Ende November – wird das Bistro übrigens für einige Wochen zur nördlichsten Skihütte Deutschlands.

Das erheiterte ein älteres Ehepaar aus Süddeutschland.  Sie hatten sich zu uns an den Tisch gesetzt und waren rundherum begeistert von ihrem ersten Besuch „so hoch oben im Norden“. Nur das Wetter, sagten sie, würde sich in den nächsten Tagen hoffentlich freundlicher zeigen als heute.

Wir verrieten nicht, dass dies einer der freundlichsten Tage seit langem war. Sie hätten sich das vermutlich sowieso nicht vorstellen können. Und wozu auch Hoffnungen zerstören?

Dabei war es ganz deutlich zu spüren. An diesem Abend verabschiedete sich der fast-noch-Spätsommer endgültig von Norddeutschland. Ich schaute ihm vom Balkon aus beim Packen zu. Er hatte es wohl ziemlich eilig. Oder mir war zuvor einfach noch nicht aufgefallen, wie schnell sich mittlerweile die Dämmerung der Nacht geschlagen gibt.

 

Ochseninsel

 

Bald war im Mondlicht das dänische Ufer kaum mehr von der Förde zu unterscheiden. Hin und wieder wanderten dort drüben Lichtpunkte vereinzelter Autos über den Fjordvejen. Ich fror ein wenig, trotz Decke und Kissen. Und am nächsten Morgen war endgültig Herbst.

 

Über Nacht kamen die Wolken: Glücksburg im Herbst

 

Es nieselte, als ich mich zum nördlichsten Leuchtturm Deutschlands aufmachte, der vielleicht auch der schmuckloseste Leuchtturm Deutschlands ist. Aber der Fördesteig ist in dieser Richtung sogar noch herrlicher. Ursprünglicher. Und ich wusste ja, dass jenseits von Schausende die wunderbare Halbinsel Holnis wartet.

 

Herbst

 

Bis Holnis schaffte ich es aber nicht. Es regnete immer stärker und irgendwann begann ich mich nach diesen Dingen zu sehnen, mit denen Norddeutsche versuchen, die Zeit bis zum nächsten Frühling zu überbrücken. Eine heiße Dusche. Ein gutes Frühstück. Ein extrem appetitlicher Obsalat aus winzigklein geschnittener Papaya, Physalis, Mango, Drachenfrucht, Granatapfel. Und ein Flensburger Tageblatt.

Dort las ich etwas sehr Seltsames. Ich hatte mich schon am Vortag gefragt, warum das Geländer der Seebrücke in Pappe eingeschlagen war. Und ich hatte mich gewundert, dass einige (offenbar Wahnsinnige oder Wikinger) sich trotz kühler Temperaturen ins Wasser gewagt hatten.

 

Saisonende

 

Es war so: Als wir und der Wolkenbruch Glücksburg erreichten, wurde gerade das Saisonende zelebriert. Eine Fasssauna diente zum Aufwärmen nach dem Abbaden. Und in der seltsame Pappform auf dem Seebrückengeländer war kurz zuvor das längste Hot-Dog der Welt fabriziert worden.

Der Sinn dahinter wurde mir nicht ganz klar. Doch es war exakt eine dieser Nachrichten, die mich an Regionalzeitungen faszinieren. Genau wie die Tatsache, dass die Glücksburger den Weltrekord Südamerikanern abgejagt hatten. Dass ausgerechnet in Paraquay der längste Hot-Dog der Welt hergestellt worden war, war noch so eine Sache, die ich mir nie hätte vorstellen können. Aber eben dafür geht man ja auf Reisen. Um Unvorstellbares zu entdecken.

 

Gluecksburg

 

Offenlegung: Das Strandhotel hat uns zu Übernachtung und Frühstück eingeladen. Wir bedanken uns ganz herzlich für zwei wundervolle Tage und einen der besten Balkone, die wir je hatten.

Wer am Wochenende noch nichts vor hat: am 28. + 29.10.17 wird mit dem Lichtermeer wieder die dunkle Jahreszeit an der Ostsee eingeläutet. In Glücksburg läuft die Veranstaltung unter dem Motto: Licht & Hygge.

Langballigau

Wanderung von Unewatt durch das Tal der Langballigau

Es ist eine Weile her, dass ich auf Martinas Blog Elbkind on Tour erfuhr, eine Wanderung durch das Tal der Langballigau nach Unewatt gehöre zum Pflichtprogramm an der Flensburger Förde. Logischerweise landete das auf meiner ewigen „unbedingt-mal-machen-Liste“. Vor zwei Wochen haben wir die Wanderung nun endlich unternommen.

Es war dieser extrem verrückte Tag der Deutschen Einheit, als sich Wolkenbrüche und strahlender Himmel im Minutentakt ablösten. Das traf sich bestens. Denn bei solchem Wetter sind nicht viele Leute unterwegs. Da wir – anders als Martina und Thue – nicht von der Seeseite anreisten, sondern von der Autobahn kamen, gingen wir das Ganze umgekehrt an; starteten also in Unewatt.

 

Landschaftsmuseum Angeln/ Unewatt

 

Direkt an der Nordstraße zwischen Kappeln und Flensburg liegt das Landschaftsmuseum Unewatt. Mich hat es ehrlich gesagt nie so irre interessiert – bis ich mal da war, um im Landhaus Unewatt über die Maßen lecker zu speisen. Seitdem gehört Unewatt zu meinen Lieblingsplätzen in Angeln. Aber nicht wegen des Restaurants.

 

 

Das Besondere: Unewatt ist kein reines Museum; hier wird auch ganz normal gelebt. Also, falls man bei einem Idyll von „ganz normal“ sprechen kann. Das Dorf empfängt seine Besucher mit wunderbarer Abgeschiedenheit und – jetzt im Herbst – dem geradezu berauschenden Duft herabgefallener Äpfel. Man hat wirklich das Gefühl, zurück in die Vergangenheit zu spazieren.

 

 

Die Ausstellungsflächen sind quer durchs Dorf gestreut und mit einem knapp 2 km langen Rundweg verbunden. In 5 historischen Gebäuden, sogenannten Museumsinseln, wird das frühere Leben und Arbeiten in der Region Angeln bewahrt. Der Besuch lohnt sich!

 

TalderLangballigau

 

Mitten durch das Dorf rauscht die Langballigau. Sie strömt im weiteren Verlauf durch ein wundervolles Bachtal, das seit 1990 unter Naturschutz steht und von Wanderwegen durchzogen ist. Etwa 5 km mäandert sie durch Wiesen, Wälder und Schilfmeere, bis sie in die Ostsee mündet.

 

Das Tal der Langballigau

 

Die Wege sind ausgeschildert und viel falsch machen kann man nicht. Biegt man mal falsch ab, findet man immer wieder zum Hauptweg zurück. Möchte man der Langballigau möglichst nah bleiben, kommt man bei der Rundwanderung (die eher eine Elipsenwanderung ist) auf bummelig 10 km. Hier gehts zum Flyer mit Karte.

 

Wanderweg

 

Das Tal der Langballigau ist mit zahlreichen Nebenbächen und Quellbereichen  – man kann es sich denken – feucht. Besonders im Wald auch mal matschig. Gummistiefel sind also ein gute  Idee.

 

Wald

 

Etwa nach 5 km öffnet sich der Wald dem Strand von Langballigau. Bzw. dem Hafen. Das trägt hier alles den gleichen Namen. Und ist noch so ein Lieblingsort von mir an der Flensburger Förde.

 

 

Ein Strand und ein Hafen zur Halbzeit sind immer gut auf einem Spaziergang; besonders aber in Langballigau, weil da alles so winzig und unkapriziös und fluffig-entspannt ist – dass es sich direkt wie Dänemark anfühlt.

 

Hafen und Strand von Langballigau

 

Obwohl nicht groß, hat Langballigau alles, was der Mensch so braucht: Sandstrand & Strandkörbe, Segelboote & Kutter, Soft-Eis & Pølser, Andenkenläden & richtig frischen Fisch.

 

 

Die vielfältigen Eindrücke auf der Wanderung vom Dorfidyll durch Buchenwälder an den Strand sind echt einmalig. Ich stimme Martinas Informanten also zu: das Tal der Langballigau gehört zum Pflichtprogramm eines Aufenthalts in Angeln.

 

Regenbogen

 

Bis Monatsende hat das Landschaftsmuseum noch geöffnet. Danach hält es Winterschlaf bis April. Falls Ihr also an einem der nächsten beiden Wochenenden in der Gegend seid: mehr Infos zu Unewatt gibt´s hier.

 

Meeresrauschen

Meeresrauschen – vom Glück, am Wasser zu sein

Normalerweise freue ich mich über Jobs ins Berlin (wer tut das nicht). Doch in den vergangenen Tagen fiel es mir schwer, die Hauptstadt zu schätzen. Vielleicht sehnte ich mich beinahe so nach Meeresrauschen wie der Nordsee-Maler Emil Nolde, als er 1902 in Berlin schrieb:

 

Lass mich fliehen, fort von hier, weit fort! Mich sehnt nach der Natur reinem Leben. Nach Sonnenschein, nach dem Westwind, der die Wellen gegen das Land peitscht. Gewitterwolken. Ich will, dass die Gischt mir ins Gesicht fegt und durchnässte Kleidung will ich haben.

 

Um mein Sehnen zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Es erscheint mir im Grunde noch immer irreal, aber vor Monaten und Monaten geschah wirklich dies: im indernaehebleiben-Postfach poppte die freundliche Anfrage einer Redakteurin des DuMont-Reiseverlags auf. Ob wir uns vorstellen könnten, einige Geschichten für einen Bildband über das Meer beizusteuern?!

Ich hätte nie für möglich gehalten, dass Redakteurinnen von Reiseverlagen im Netz nach Autoren Ausschau halten. Ich dachte vielmehr, ihr halber Arbeitstag bestünde darin, unaufgefordert eingesandte Manuskripte mit einem höflichen Absageschreiben zurück an die Absender zu schicken. Aber da kann man mal sehen.

 

Vom Glück (übers Meer) zu schreiben

 

Wie ein Buch entsteht, hat mich schon immer interessiert. Und dann auch noch Teil des Ganzen zu sein! Und dann auch noch bei einem Bildband übers Meer! Das war ja einfach ganz wunderbar.

Aber es wurde noch besser. Da Verlage nicht hübsch ein Buch nach dem anderen produzieren, sondern viele, viele Bälle zugleich jonglieren, hatten wir noch vor dem Startschuss des ersten Projekts die Verträge für zwei weitere in der Tasche. Dieses Mal ganze Bücher.

So sind wir in den vergangenen 10 Monaten in die Welt der Reisebuchautoren eingetaucht. Aktuell stehen wir kurz vor der Abgabe des dritten Buchs. Das Zweite befindet sich im Lektorat. Und das Erste – an dem wir wie gesagt nur einen kleinen Anteil haben – ist TATATATA, Trommelwirbel, Tusch: ab Montag im Buchhandel.

Gewisse online-Versandhändler lieferten allerdings schon Donnerstag aus. Und so erreichte mich „Fanpost“ (ehrlich gesagt von meiner Mama und meiner Tante), obwohl ich selber das Buch noch gar nicht gesehen hatte. Mein Belegexemplar war erst nach meiner Abreise nach Berlin eingetroffen. Und deswegen sehnte ich mich eben noch mehr als sonst zurück an die Waterkant.

Und da bin ich nun wieder. Und das Buch endlich auch.

 

Meeresrauschen – vom Glück am Wasser zu sein

 

Monique Sorban vom DuMont-Reiseverlag hat mit feinem Händchen Blogger und ReiseschriftstellerInnen ausgewählt, die im Bildband von ihrer Beziehung zum Meer zu berichten. Wer hier regelmäßig liest, kenn sicher einige von ihnen, etwa Elke vom Meerblog, Jutta von 6 Grad Ost oder Anke und Thorsten von Moose around the World. Und darum gehts:

Warum das Meer eine so große Anziehungskraft auf die Menschen hat, ist nicht zu erklären. Doch die Sehnsucht nach Entschleunigung und das damit verbundene Meerweh kennen viele. Und jeder hat einen eigenen Grund, warum uns das Meer glücklich macht.

Im Bildband Meeresrauschen kommen in 35 reich bebilderten Kurzepisoden bekannte Reiseschriftsteller/innen und Blogger/innen zu Wort und bieten in vier Kapiteln Reiseinspiration. Ob sie sich nur eine kleine Auszeit am Meer nehmen oder das große Abenteuer wagen, eines haben sie alle gemeinsam: es geht um Sehnsucht, es geht um das Meer, die beeindruckende Natur und die große Freiheit.

Die Autoren und Autorinnen erkunden das Meer an der Ostsee, an der Nordsee, am Atlantik und am Mittelmeer und lernen dabei sowohl die stillen als auch die wilden Seiten kennen. Für malerische Buchten, Strände und Klippen muss man dabei gar nicht unbedingt weit reisen, vieles erlebt man schon ganz in der Nähe.

 
Meeresrauschen
 

Nach jedem Essay werden die besten Tipps für eigene Entdeckungen vor Ort gegeben. Außerdem gibt es noch mehr Meer mit dem Meeres ABC sowie dem Kapitel Sachen machen, das Essays über außergewöhnliche Aktivitäten im, am und auf dem Wasser bietet wie das Klippen springen und Yoga auf einem Stand Up Paddling Brett.
(Auszug Pressetext DuMont)

 

Wer sich interessiert: bei Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen. Wobei die größere Freude ja immer der Buchhandel ums Eck ist. Besonders wenn man morgen noch einen in der Nähe haben möchte. Dort ist der Bildband ab Montag erhältlich.

Meeresrauschen – Vom Glück, am Wasser zu sein
272 Seiten
DuMont Reiseverlag
Format 21,5×27,5cm
Preis: € 26,90 (D) / 28,90 (A) / 35,90 (CH)
ISBN: 978-3-7701-8221-3

Heiligenhafen

Wie St. Pauli – bloß eben am Meer: Bretterbude Heiligenhafen

Gar nicht so oft habe ich das Bedürfnis einem Hotel einen ganzen Beitrag zu widmen, aber die Bretterbude Heiligenhafen muss ich einfach ausführlich vorstellen. Es gibt nämlich gar nicht so viele Häuser in Norddeutschland, wo man sich a) wie im 21. Jahrhundert und b) auch noch willkommen fühlt.

Häufig muss man sich zwischen a) + b) entscheiden. So jedenfalls mein Eindruck. Er mag trügen. Oder vielleicht liegt meine Latte auch sehr hoch.

Denn ich lebe auf St. Pauli, einem Viertel, in dem man ausgesprochen freundlich miteinander umgeht. Geradezu englisch höflich (auch wenn man das als Orstunkundiger nicht für möglich halten sollte).

Wenn wir unseren Heile-Welt-Mikrokosmos verlassen, zucken wir oft genug zusammen, weil der Ton da draußen sehr viel rauer ist. Und wie ist es dann nur herrlich, die Lobby der Bretterbude zu entern und vom ersten Moment zu spüren: hier sieht es nicht nur gut aus; hier fühlt es sich auch gut an.

 

 

„Die Holzklasse“ lautet der Untertitel der Bretterbude. Es schwingt der gleiche Subtext mit wie bei St. Paulianern, die zugeben: logisch ist in Berlin mehr los. Oder wenn Fans des 1. FC St. Pauli sagen: klar können die anderen besser Fußball spielen. So etwas lässt sich immer am besten selbstbewusst aussprechen, wenn man gleichzeitig überzeugt ist: ist trotzdem am nettesten bei uns.

 

 

Nehmen wir nur mal die Lage: die Bretterbude liegt exakt vor der Seebrücke von Heiligenhafen. Besser geht es nicht. Schon gar nicht, wenn man eine „große Butze mit Meerblick“ ergattert. Da sind die Holzbadewannen nämlich geräumig genug für 2 und die Aussicht unbezahlbar.

 

 

Apropos unbezahlbar: Genau das will die Bretterbude eben nicht sein. Jeder Student soll sich hier ein Zimmer leisten können. Wer nächsten Sonntag eine kleine Butze mit Landblick bucht, zahlt z.B. 39,50 Euro. Für Zwo. Ehrlich wahr, siehe selbst. Zwar sind die kleinen Butzen nur 13qm groß. Aber dennoch ist alles untergebracht, was man braucht (laut Eigenauskunft der Bretterbude: eine Meisterleistung wie bei Tetris).

 

Bretterbude Heiligenhafen

 

Das Preisniveau ist auch deshalb zu halten, weil in der Bretterbude mancher Service extra gebucht werden muss. So kann man das Zimmer gegen Aufpreis reinigen lassen – oder man fegt eben selbst mal durch. Sehr gute Idee, – erst darüber ist mir überhaupt klar geworden, wie unnötig für mich persönlich eine tägliche Zimmerreinigung ist.

 

 

Was ich noch gemerkt habe: Ich dachte immer, mir wäre der Style eines Hotelzimmers nicht besonders wichtig. Aber das lag vielleicht eher daran, dass der übliche Landlust-Look nicht meinem Meergefühl entspricht. Es ist mir oft zu niedlich und verspielt. Da will ich immer schnell raus. Doch in der Bretterbude wäre es mir ganz recht gewesen, wenn es länger als 1 Stunde geregnet hätte. Da hätte ich ewig am Fenster sitzen und lesen können.

 

Regen

 

Wer es noch rougher mag, wäre in der zweigeschossigen Spezial Butze des FC-St. Pauli richtig. Dort schläft es sich dann wie im Millerntor-Stadion – bloß eben am Meer. Übrigens die teuerste Kategorie in der Bretterbude (etwas, das vermutlich am ehesten Hardcore-Fans verstehen).

 

 

Die günstigste Kategorie sind die Bulli-Plätze. Das benachbarte Beach Motel hat sein Konzept aus St. Peter-Ording für Heiligenhafen also an die Bretterbude abgetreten. Die beiden Häuser gehören nicht zusammen, sind aber „befreundet“. Andrea von indigoblau hat neulich dort übernachtet; hier ihr Bericht: Klick.

 

 

Wie alle guten Freunde sind die Bretterbude und das Beach Motel sehr unterschiedlich – und kommen sich nicht groß in die Quere. Das Beach Motel ist etwas schicker, die Bretterbude jünger – schon allein durch die Verbandelung mit der Surfer- und Kitergemeinde. Es hat aber nichts mit dem biologischen Alter der Gäste zu tun. Ich meine, Robby Naish ist ja auch schon fast 60. Es ist mehr eine Frage der inneren Haltung.

 

Strandschuppen

 

Das Restaurant der Bretterbude, der Strandschuppen, konzentriert sich abends auf Fish & Chips & Burger et al, nachmittags lecker Waffeln und morgens wird hier gefrühstückt. Mit Eiern von glücklichen Hühnern. Seit einiger Zeit für mich der wichtigste Gradmesser für ein gutes Frühstück. (Alltagsbeobachtung: Ich kenne superviele Leute, die bei Eiern auf die Lebensbedingungen der Hühner achten. Dennoch sparen selbst hochpreisige Häuser hier gern ein paar Cents ein. Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.)

 

 

Am allerbesten gefiel mir, dass schon morgens auf der überdachten Veranda gespeist werden darf; wer mag lässt sich einen Heizstrahler anknipsen oder lümmelt sich in Felle und Decken. Denn der Blick – ich erwähnte es schon – ist wunderschön.

 

Bretterbude Veranda

 

Problemlos könnte ich dort ein ganzes verregnetes Wochenende verbringen. Ein Vorteil, der an der herbstlichen Ostsee nicht zu unterschätzen ist. Das Wetter an der Ostsee macht einem ja generell einen Strich durch die Rechnung. Und so kann es betrüblicher Weise passieren, dass gar kein Regen fällt. Zum Glück gibts in Heiligenhafen auch bei gutem Wetter jede Menge Erlebenswertes.

 

5 Wege, die Du in Heiligenhafen gehen solltest

 

Erstens: Auf die wunderbare Seebrücke. Hierfür braucht es nur eine 3-minütige Regenpause. Bis dahin ist die verglaste Meereslounge erreicht. Unbedingt ein Buch mitnehmen, um sich in die dicken Polster zu fläzen – und mitten im Meer zu lesen.

 

Seebrücke Heiligenhafen

 

Zwotens: Halbe Stunde kein Regen –  jetzt gilt es den Graswarder zu erkunden. Die zweitexklusivste Adresse Schleswig-Holsteins (getoppt nur von Top-Lagen auf Sylt). Unbedingt anziehen: Gummistiefel. Einige Badevillen sind so dicht ans Wasser gebaut, dass man durch die Wellen waten muss, um sie zu umrunden.

 

Graswarder

 

Drittens: Die Wetter-App zeigt 60 regenfreie Minuten an – Zeit für den Hafen; immer noch das Herz von Heiligenhafen und eine nette Mischung aus echter Arbeit, 70er-Jahre-Flair und heute. Regenklamotten nicht vergessen. Man weiß ja nie.

 

 

Viertens: Alle Wolken haben sich verzogen? Dann an der Wasserkante immer weiter laufen bis zum Leuchtturm von Strandhusen. Eine Kamera ist Pflicht. Der Blick auf den Graswarder ist zum Sterben schön.

 

Graswarder

 

Fünftens: Die Dämmerung bricht an: Schnell zurück zum Strand am Steinwarder. In Heiligenhafen versinkt die Sonne im Meer. Das ist nicht selbstverständlich an der Ostsee. Und ungeheuer romantisch.

 

Sonnenuntergang

 

Und wenn die rote Sonne dann versunken ist, kann man wieder von vorn anfangen. Die Seebrücke ist jetzt z.B. beleuchtet und in der Bretterbude hat die Spelunke geöffnet. Die habe ich bisher noch nicht erwähnt; genau wie Halfpipe, Knetkammer, Sauna, Skateboard-Verleih und, und, und. Dabei (ich weiß ja) habe ich schon längst die „tl;dr“-Grenze überschritten. Am besten ist es ohnehin, die Bretterbude mal selbst auszuchecken.

In diesem Sinne: hang loose – und lass Dich nicht wegwehen.

 
Herbstabend
 

Offenlegung: Wir wurden von der Bretterbude eingeladen. Aber unsere Begeisterung ist in jedem Fall echt!

Fehmarnsundbruecke

Drüber, drunter und durch: die Brücke am Fehmarnsund

Kurz bevor es auf die Brücke über den Fehmarnsund geht, recke ich immer den Hals in alle Richtungen. Der Meeresarm besitzt eine ganz eigene Farbpalette und häufig funkelt die Ostsee hier in den erstaunlichsten Farben – selbst wenn das Wetter insgesamt gar nicht so gut ist.

Besonders wunderbar wird es, wo die A1 endet und nahtlos in die B 207 übergeht. Erstaunlich viele Verkehrsteilnehmer ignorieren das Tempolimit, so dass man grundsätzlich zu schnell auf die Brücke gejagt wird. Und ist man erst mal drauf, gibt es kein Zurück.

Dieses Mal nehmen wir uns daher extra Zeit. Wir biegen an der letzten Abfahrt Richtung Großenbrode ab und folgen der Alten Sundstraße nach Großenbroder Fähre. Die ungewöhnlichen Ortsbezeichnung passt zu dieser seltsamen, kleinen Zwischenwelt. Die äußerste Spitze der Halbinsel Wagrien ist an drei Seiten vom Wasser umgeben, zerschnitten von einer vierspurigen Straße. So haben beinahe alle Wege irgendwo ein Ende. Zum Beispiel am kleinen Parkplatz vor dem Sportboothafen.

 

Bester Fotospot für die Fehmarnsundbrücke: Großenbroder Fähre

 

Bis zum Bau der Brücke im Jahr 1963 war mehr los in Großenbroder Fähre. Damals war der Hafen der wichtigste Knotenpunkt zwischen Europa (wie die Insulaner das Festland nennen) und dem 6. Kontinent (wie die Fehmaraner zu ihrer Insel sagen). Schon um 1900 setzten vom Fährbahnhof Menschen, Autos und Züge nach Fehmarn über.

 

Fehmarnsundbruecke

 

Heute befindet sich hier nur noch ein ruhiger, kleiner Sportboothafen – und der wohl beste Spot, um die Fehmarnsundbrücke zu fotografieren: der Steindamm an der Hafenausfahrt. Wenn er nicht gerade von Anglern besetzt wird.

 

Fehmarn

 

Näher ran an die Brücke dürfen wir nicht. Die Segler weisen jeden schärfsten zurecht, der sich dem Hafen „unbefugt“ nähert. Also schlendern wir in entgegengesetzter Richtung den Strand hinunter.

 

Fehmarnsund

 

Das Wetter meint es ausnahmsweise gut mit uns. Oder vielleicht hat der verregnete Sommer auch nur bescheiden gemacht. In den vergangenen 3 Jahren haben wir Mitte September noch gebadet. Daran wäre heute nicht zu denken. Doch immerhin scheint die Sonne so warm, dass mir schnell viel zu heiß wird in meinem Regenmantel. Denn das ist ja das Witzige hier oben. Man trägt immer die falschen Klamotten.

 

Ostsee

 

Dies wäre eigentlich ein guter Tag für Seehunde. Es heißt, sie sonnen sich gern auf den Findlingen vor Heinrichsruh. Wir entdecken nur Seevögel auf den Logenplätzen. Trotzdem – oder gerade – ist der halbstündige Spaziergang am stillen Sund beinahe zu schön, um wahr zu sein.

 

Besser als Liebesschlösser an Brücken: Heinrichsruh

 

Nahe einer kleinen Holztreppe suchen Kinder nach passenden Steinen. Ihre Mütter sitzen oberhalb auf einer Bank mit fabelhafter Aussicht. Darunter stapeln sich jede Menge Erinnerungen. Lilith war mit Omi hier, ist auf einem Stein zu lesen. Und Wiebke mit Andy und Pimo. Manche Steine wurden für Verstorbene beschriftet. Andere meinen das Leben. Einfach nur die Seele baumeln lassen, steht auf einem geschrieben. Und das machen wir dann auch für eine Weile.

 

Hagebutten

 

Über einen schnurgerade Feldweg geht es vorbei am Ferienhof Heinrichsruh zur Straße. Blaue Pfeile auf dem Asphalt weisen nach links und gleich darauf wieder rechts querfeldein. Es sind Wegzeichen des Sundlaufs, einem etwa 20 km langen Rundweg. Auf diesem Teil führt er direkt unter der Brücke hindurch.

 

Herbst

 

Wer die Brücke erklimmen möchte, muss auf der Westseite einen guten Kilometer zurück marschieren. Es ist nicht besonders idyllisch, da der Königsweg parallel zum Verkehrslärm der B 207 verläuft. Aber aufregend.

 

Als Fußgänger über die Fehmarnsundbrücke

 

Etwa wo der Königsweg zum Strand abbiegt, befindet sich ein Zugang zum kombinierten Rad/Fußweg über die Brücke. Es kann durchaus eng werden 23 Meter über dem Meer. Besonders bei Gegenverkehr. Wie überall am Sund, unterschätzt man auch hier die Entfernung. Vom Zugang auf dem Festland bis zum Abgang auf Fehmarn sind es etwa 2,5 km.

 

 

Auf der Insel angekommen, lässt sich natürlich ewig und wunderbar spazieren. Etwa immer geradeaus nach Puttgarden oder entlang der Wasserkante zum Mini-Leuchtturm von Strukkamphuk. Den schöneren Strand aber findet man am Festland. Also lieber früher umkehren, damit die Puste noch für Orthfeld reicht.

 

Das Licht am Fehmarnsund

 

Auf den Weststrand bei Orthfeld läuft das Wasser sehr flach zu. Das macht ihn unwiderstehlich für Hunde, Kiter, ganz kleine Kinder und visuelle Menschen. Zu denen zähle ich mich seit einigen Jahren, obwohl ich früher ganz klar auditiv veranlagt war. Aber die Zeit scheint meinen Sehsinn zu schärfen (das meine ich nun nicht gerade biologisch sondern mehr emotional).

 

Fehmarnsund

 

Grundsätzlich finde ich es nicht nur prima, älter zu werden. Manches nervt, muss ich feststellen. Doch was mir wirklich ungeheuer gut gefällt, ist die Fähigkeit, Natur immer intensiver zu empfinden. Und Licht zu genießen.

 

Strand

 

Am tollsten finde ich das Licht am Meer. Wo eine Minute reicht, um die Atmosphäre vollkommen zu verändern. Und es gibt nichts Gegenständliches – wirklich gar nichts – das ich lieber hätte als einen Moment der Ruhe am Strand. Wenn man erst einmal angefangen hat, sich über Licht ein Loch in den Bauch zu freuen, scheinen die meisten käufliche Dinge sowieso recht banal.

 

Strand

 

Ich weiß noch ziemlich genau, wann mich Natur und Licht zum allerersten Mal aus den Puschen kippte. Das war im dänischen Henne Strand; ich war schon Ende 20. Seitdem wird mein Gefühl für Licht immer spezieller. Manche Erkenntnis ist mir ganz von selber zugeflogen. Auf andere Nuancen hat Volko mich aufmerksam gemacht. Er hat als Fotograf eine spezielle Beziehung zu Licht & Schatten und sieht die Welt ohnehin anders. (Beispielsweise findet er Menschen mit Falten schöner als glatte Gesichter und Wolken besser als blauen Himmel).

 

Ortsfeld

 

Wie wir uns da immer weiter von der Fehrmarnsundbrücke entfernen und über Licht sprechen, fällt mir ein, dass der Strand von Orthfeld einer der letzten Unbekannten an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein für uns war. Bis auf zwei kleine Seebäder haben wir nun alle Strände besucht. Das Licht ist überall besonders. Am Fehmarnsund aber besonders besonders.

 

Sundlicht

 

Das Licht ist weich und sanft und oft wirkt die Landschaft beinahe irreal. Wie ein Gemälde. Der Fehmarnsund ist eine einzige Freiluft-Galerie. Das Wasser leuchtet aquamarin, helltürkis, jadegrün, geradezu karibisch. Und im nächsten Moment fühlt sich die Umgebung viel nördlicher an als es der Lage entspricht.

 

Ortsfeld

 

Daher empfehlen im Anschluss an eine Brückenexkursion auch keine Einkehr im nahegelegene Großenbrode (mit Blick auf die offene Ostsee). Sondern in Heiligenhafen (mit Blick auf den Fehmarnsund). Wo genau, werde ich ein anderes Mal berichten berichten. Unterm Strich bleibt es ja sowieso Geschmacksache. Und am besten ist immer, sich ein eigenes Bild zu machen.

 

Heiligenhafen