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Halunder Jet

Der Halunder Jet: Männer, die auf Schiffe starren

Die Helgoländer Allee (das ist die Straße, die sich zwischen Reeperbahn und Altem Elbpark runter zum Hafen schwingt) verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie dort endet, wo die Schiffe zu Deutschlands einziger Hochseeinsel aufbrechen. An den St. Pauli Landungsbrücken nämlich. Seit fast 200 Jahren geht das schon so. Anfangs noch mit Raddampfern. Heute mit dem Halunder Jet; einem Motorkatamaran.

 

 

Katamarane sind die Albatrosse unter den Schiffen. Mit ihren 2 Rümpfen wirken sie im Hafen nicht besonders elegant. Erst einmal vom Anker gelassen, scheinen sie jedoch übers Wasser zu fliegen. Und so benötigen Hamburger heute 10 Stunden weniger für die Reise nach Helgoland als noch zu Beginn des Seebäderdienstes. (Es unterscheidet sie von Berlinern. Die brauchen heutzutage nämlich 1 Stunde länger nach Usedom als noch vor 100 Jahren. Das habe ich neulich im Tagesspiegel gelesen. Doch die Bahn ist natürlich ein ganz anderes Thema.) Was ich eigentlich sagen wollte: der Halunder Jet ist schnell.

 

 

Billig hingegen ist die Fahrt mit dem Halunder Jet nicht. Sie ist sogar recht teuer. Etwas für besondere Anlässe also. Wie zum Beispiel Weihnachten. Darüber muss man sich ja ohnehin langsam mal Gedanken machen. Und falls hier jemand mitliest, der einen von diesen entsetzlich zufriedenen Männern beschenken muss (die keine Wünsche haben, weil sie nichts brauchen – als hätte das eine mit dem anderen etwas zu tun): vielleicht wäre ein Billet für den Halunder Jet das Richtige?

 

 

Als wir die Tour neulich unternahmen, war an Deck des Halunder Jets auffällig mehr los, als ich es normalerweise auf Fähren beobachte. Ich wundere mich immer wieder, wie viele Menschen Schiffsreisen unter Deck verbringen. Nicht so auf der Elbe. Hier blieben jede Menge Passagiere an der frischen Luft – interessanterweise vor allem Männer. Es ist aber auch eine besonders spannende Passage.

 

 

Die wunderbaren Elbansichten zwischen Landungsbrücken und Brunsbüttel sind so richtig was für Seeleute und Sehleute und alle Jungs (und Deerns), die gerne „hüpfen und s-pringen und von Hamburch singen“. Daneben werden auch Shipspotter bestens bedient. Denn man kommt den großen und kleinen Pötten wirklich sehr nah.

 

 

Ab und zu gibt der Halunder Jet ordentlich Speed, um einen Containerriesen zu überholen. Dann spürt man den Wumms regelrecht im Körper. 35 Knoten, d.h. 65 kmh, das ist schon eine Ansage.

 

 

Und dann gibt es diesen Punkt, wo die Elbe auf Nordsee umschaltet. Es passiert etwa bei Brunsbüttel. Innerhalb von Minuten ändern sich Licht, Luft, Farben, ach einfach die ganze Atmosphäre. Das ist geradezu verrückt schön.

 

 

Knapp 4 Stunden braucht der Halunder Jet nach Helgoland. Meiner Meinung nach ist ein Tagesausflug auf die Insel aber nicht ideal. Natürlich ist der kleine Klotz im Meer ein großes Abenteuer. Aber nach nur 4 Std Aufenthalt, ist das Bedauern über die Abreise größer als die Freude, dort gewesen zu sein.

 

 

Zwar gehört ein Prise Wehmut zu einer anständigen Schiffsreise dazu. Aber man muss es auch nicht übertreiben. Und Helgolands beste Stunden schlagen sowieso erst, wenn die Tagesgäste wieder abgedampft sind. Also: damit würde ich warten, bis der Sparstrumpf gut genug für (mindestens) eine Übernachtung gefüllt ist.

 

Mit dem Halunder Jet nach Helgoland oder Cuxhaven

 

Wer hingegen schon in Cuxhaven von Bord geht, darf sich bis zu 7 Std an Land rumtreiben. Oder bucht nur eine einfache Fahrt. Dann bleibt man völlig flexibel. Die Bahn fährt stündlich zurück nach Hamburg (und sonstwohin vermutlich auch regelmäßig). Warum sich ein Tagesausflug nach Cuxhaven lohnt, ist hier nachzulesen. Allerdings ist das eher etwas für Pläne & Träume – der Halunder-Jet ist jetzt erst mal in der Winterpause.

 

 

Elbansichten

Elbansichten: zwischen Hamburg und Brunsbüttel

Schiffsreisen sind immer etwas Besonderes. Gerade für Hamburger und Hamburg-Freunde. Selbst eine Hafenrundfahrt lohnt sich und auch die kürzesten Fährverbindungen können zum Abenteuerchen werden, wenn man ausnahmsweise mal woanders aussteigt. Aber richtig großartig wird´s erst, wenn man die bekannteren Elbansichten hinter sich läßt.

 

 

Wir stachen vor 3 Wochen in See. Es war einer der letzten spätsommerlichen Tage. Über Hamburg lag ein Dunstschleier. Die Luft war warm und schwer. Die Fotos wirken dadurch unscharf. Oder wie angestaubte Gemälde. Und das passt eigentlich ganz gut zum Gefühl einer Elbfahrt.

 

 

Die Elbe ist ja nicht nur irgendein Fluss. Die Elbe ist ein Lebensgefühl. Je länger und besser man sie kennt, desto mehr laden sich ihre Ansichten mit Erinnerungen auf. Es ist schon ein Geschenk an diesem Strom zu leben. Denn es gelingt der Elbe doch immer wieder, etwas Wesentliches in einem anzurühren.

 

 

Oben: Die Elbchaussee. (Der Herbst steht ihr sehr gut).

 

Die Elbe ist eine Freiluftgalerie

 

Unten: Blankenese; wo ab sofort – und bis März – wieder der Süllberg ruft.

 

 

Seit es diesen Blog gibt, hat sich unsere Sicht auf die Elbe komplett verändert. Früher stand sie quasi nur für Hafen – Strandperle – Blankenese. Heute kennen wir das nördliche Ufer elbaufwärts aus dem Effeff.

 

Elbansichten: Vom Niemandsland zum Wunderland

 

So ist die Elbe für uns inzwischen wie ein lebendiges Panini-Album. Und es lohnt sich, lohnt sich absolut, noch den letzten Sticker zu sammeln. Da warten so viele wunderschöne Bilder, die der näheren Betrachtung wert sind.

 

 

Gleich hinter Blankenese beginnt zum Beispiel Hamburgs schönster Spaziergang durch den römischen Garten und den Waldpark von Falkenstein.

 

 

Genau wie Hamburgs schönster Spazierweg braucht auch Hamburgs schönster Wanderweg keinen Sommer. Die bewaldeten Elbhöhen zwischen Blankenese, Wittenbergen und Wedel sind selbst im Winter ein Traum.

 

 

Ab Wedel wird das Land platt. Und für den schnellen Blick etwas unspektakulärer. Nur wer sich ab und zu in den Elbmarschen rumtreibt, weiß um die geheimnisvolle Inseln (manchmal) menschenleere Strände, (fast) verborgene Gärten. Und Leuchttürme. Leuchttürme. Und Leuchttürme.

 

 

Die Radtouren auf dem Elberadweg (von Wedel nach Glückstadt und von Glückstadt nach Brunsbüttel) gehören zu meinen schönsten Blog-Erinnerungen. Vielleicht habe ich deshalb auf der Schiffstour nur selten einen Blick nach Niedersachsen geworfen. Niedersachsen ist mir viel fremder als Schleswig-Holstein; geradezu exotisch.

 

 

Erstens sagt der Hamburger: Auf der anderen Seite der Elbe sind die Menschen nicht dasselbe. Und zweitens kommt man da ja auch nicht so leicht rüber. Wie jeder Radiohörer weiß, „beträgt die Wartezeit an der Fähre zwischen Glückstadt und Wischhafen derzeit 2 Stunden“. Und beim Elb-Link (der zweiten von 2 Möglichkeiten) weiß man nie, ob die Fährgesellschaft gerade wieder pleite ist.

 

 

Derzeit liegt der Elb-Link-Anleger einmal mehr verwaist. Atmosphärisch passt das super zur Stille der nördlichen Elbmündung,  die ich wirklich ganz besonders liebe. Und doch gelang es mir etwa hier, mich einem neuen Horizont zuzuwenden.

 
Boje
 

Ab Brunsbüttel nämlich schaltet das Gefühl auf Nordsee. Das Licht ändert sich. Die Luft schmeckt nach Meer. Und die Elbansichten werden so anders, dass sie einen ganz eigenen Beitrag brauchen. Davon dann also demnächst mehr und für heute: ein schönes Wochenende & Ahoi!

Sylt

Sylt im Oktober; vielleicht wird´s ja traumhaft?

Vor einigen Tagen hörte ich einen Mann etwas Verblüffendes zu seiner Frau sagen. Das war auf einem Holzbohlenweg irgendwo zwischen Wenningstedt und Westerland; an einem Tag wie er im Grunde nicht besser sein kann auf Sylt im Oktober. Ganz Heideduft & Schäfchenwolken, Blitzesbläue & Brandungskonzert.

 

 

Meine Mitreisenden und ich hatten schon eine ganze Weile Meeresluft geatment, als wir die verblüffenden Worte aufschnappten. Seit Kampen nämlich. Ein Spaziergang, der sich immer anbietet, wenn man noch nie oder länger nicht auf der Insel war. Denn die knapp 9 km zwischen Kampen und Westerland, bringen auf den Punkt, warum Sylt für eine gar nicht so kleine Gruppe Reisender eine lebenslange Liebe bedeutet. Besonders mit Rückenwind und Sonne im Gesicht.

 

 

Es sind vor allem zwei Dinge, die auf der größten nordfriesischen und nördlichsten deutschen Insel ganz einzigartig sind. 1. der 40 km lange Weststrand mit seinen imposanten Dünen. Am Ausgangspunkt dieser Strandwanderung gekrönt vom roten Kliff und eben dort einem der letzten naturbelassenen Kliffwege der Insel.

 

Was Sylt einzigartig macht: die nordischste Natur im Land

 

So könnte man diesen Spaziergang auch als Rundweg absolvieren; hin gehts am Meeressaum – zurück am oder auf dem Dünenrand. (Die dann insgesamt 18 km sind aber nicht zu unterschätzen. Alternativ bietet sich die Rückreise mit dem Bus an. Er fährt im 20-min-Takt vom Bahnhof in Westerland).

 

Weststrand

 

Das zweite Alleinstellungsmerkmal von Sylt ist bekannterweise Geschmackssache. Die beinahe sagenumwobene Gastronomie findet sich über die gesamte Insel verstreut, weist auf dem beschriebenen Weg aber eine gewisse Verdichtung auf. Das bedeutet jede Menge Einkehrmöglichkeiten zwischen (der immer noch verwaisten Sturmhaube in) Kampen und (der schönsten Aussichtsterrasse im Beach House in) Westerland. Und zwar auch in den Wintermonaten (was ja längst nicht jedes Ferienparadies von sich behaupten kann).

 

Rutsche

 

Auf diesem Blog behaupte ich Jahr für Jahr wieder, die besten Stunden von Sylt würden zwischen Ende Oktober und Anfang März schlagen. Dann kann man im Grunde überall einen Tisch ohne Reservierung finden und selbst die beliebtesten Naturschätzchen sind maximal angenehm belebt. Zwar ist die Rutsche an den Strand von Wennigstedt in den Wintermonaten nicht in Betrieb. Aber irgendwas ist ja immer.

 

 

Und aus all diesen Gründen fand ich eben so verblüffend, was der eingangs erwähnte Mann zu seiner Frau sagte, als er an uns vorüber ging. Meine Mitreisenden und ich standen ans Geländer der Promenade gelehnt. Ich glaube, wir schauten gerade einigen Wellenreitern zu.  Aber möglicherweisen freuten wir uns auch nur gedankverloren über das Licht und das Leben an sich. Das geht auf Sylt oft Hand in Hand.

 

 

„Vielleicht“, sagte der Mann zu seiner Frau, als er etwa auf unserer Höhe war, „vielleicht ist es hier im Sommer ja traumhaft? Der Strand scheint doch zum Beispiel schön zu sein.“

Der Zweifel in seiner Stimme war nicht zu überhören. Und wir hätten ja zu gern gewusst, mit welchen Erwartungen das Paar angereist war und was sie so furchtbar enttäuschte.

 

Sylt

 

Denn auch wenn ich Sylt für die einen der schönsten Orte Deutschlands halte, muss ich doch ehrlich zugeben: viel mehr als das hier Beschriebene, kann die Insel im Winterhalbjahr nicht. Und nur wer denkt „mehr kann man ja auch gar nicht wollen“, ist auf Sylt im Oktober richtig.

(Und da der ja nun vorbei ist, hier noch ein Link zu Sylt im November. Das ist noch spezieller als der Inseloktober – und wenn man mich fragt auch noch besser.)

Cuhaven

Radtour in Cuxhaven: unterwegs im nördlichsten Niedersachsen

1733 wurden in der Hafeneinfahrt von Cuxhaven drei ausgemusterte Schiffe versenkt, um ein Seezeichen zu sichern. Das vorderste Schiff soll den Namen Olivia getragen haben. Im Volksmund bald nur noch Oliv genannt. Genuschelt klingt das in etwa wie ein plattdeusches „old Leev“ – Alte Liebe. Und so heißt die Anlage bis heute.

 

Cuxhaven

Alte Liebe: Von April bis Oktober informiert ein Schiffsansagedienst über vorbeiziehende Meeresgiganten

 

Lange Zeit wurde die hölzerne Schönheit als Anleger genutzt. Heute fungiert sie nurmehr als Aussichtsplattform. Cuxhaven hat sich derweil zum größten deutschen Seeheilbad entwickelt. Keine Destination an der Nordseeküste kann mehr Übernachtungen verbuchen. Schaut man in die Tourismusstatistiken, stellt man jedoch fest: bei Hamburgern steht Cuxhaven nicht gerade hoch im Kurs.

 

Neue Liebe

 

Zu schlecht erreichbar über nicht enden wollende Bundesstraße. Zu dicht das Gedränge an den Stränden. Zu uncharmant die dominierenden Bettenburgen im Stil der 60er, 70er, 80er und dem Schlimmsten von heute. (Sagen vielleicht nicht alle Hamburger; doch man hört das schon von Vielen.)

 

Warum ein Tagesausflug nach Cuxhaven eine gute Idee ist

 

Aber ein paar Gründe sprechen eben doch dafür, sich auf den Weg nach Niedersachsen zu machen. Zum Beispiel: hier befinden sich die einzigen Meeresstrände, die von den Landungsbrücken aus bequem und regelmäßig mit dem Schiff zu erreichen sind. Besser könnte ein Tagesausflug wohl kaum beginnen.

 

 

Wir sind vergangene Woche bereits zum zweiten Mal mit dem Halunder Jet  die Elbe hinunter gebraust – und gingen noch beseelter von Bord als beim ersten Mal (warum, das zeige ich extra; demnächst). Nach zweieinhalb Stunden traumhafter Elbansichten, betraten wir  – historisch gesehen – schon wieder Hamburger Boden.

 

 

Lange gehörte die Hafensiedlung Cuxhaven zu Hamburg. Der Amerika-Hafen sogar bis in die 1990er Jahre. Wer sich für Hamburgensien interessiert, ist daher richtig. Oder man läßt sich einfach von der Ferienstimmung anstecken. Am Anleger Alte Liebe ist immer was los. Hier starten die Ausflugsdampfer nach Helgoland, Neuwerk und Sylt, zu den Bohrinseln oder Seehundsbänken.

 

Dampfer

Bäderdampfer auf dem Weg nach Irgendwo

 

Ebenfalls an der Alten Liebe startet auch ein prima Wasserkantenweg durch Strandbäder von Cuxhaven, Kurteile genannt. Auf der gesamten Strecke wird man nur an 2 Stellen für wenige Meter mit Autos konfrontiert. Cuxhaven ist nicht nur total verbaut, sondern auch schön verkehrsberuhigt, also leise.

 

 

Die Kurteile Döse, Duhnen und Sahlenburg ziehen sich 12 km die Küste hinauf. Das könnte man auf einem Tagesausflug locker laufen (zurück dann ggf. mit dem Linienbus ab Sahlenburg). Mir persönlich scheint es nicht ideal. Teile der Kurteile läßt man lieber schneller hinter sich, als die Füße tragen. Aber das ist Geschmacksache. Genau wie der Spielzeugzug, der durchaus als Verkehrsmittel gemeint ist.

 

Meerstrandbahn Cuxhaven

 

Perfekt ist die Strecke für eine Hop-on-hop-off-Radtour mit Blick aufs Wasser.  (In 800 m Entfernung zur Alten Liebe findet sich ein Radverleih.) Meerblicke werden mir nie langweilig. Schon gar nicht in Cuxhaven. Die Kurteile punkten mit ganz unterschiedlichen Landschaftsformen. Und da ist so manches dolle Ding dabei.

 

 

Der erste Kurteil, Döse, ragt wie eine Speerspitze ins Wasser. Auf der östlichen Seite schmiegt sich der Grünstrand an die Elbe. An der Westseite liegen Dünen und Wattenmeer.

Cuxhaven Döse

Viel hat die Elbmündung bei Döse nicht mehr mit einem Fluss zu tun. An ihrer Mündung ist die Elbe unfassbare 18 km breit. Und von gewaltiger Schönheit. (Sagt die Hamburgerin in mir.)

 

 

An der Spitze von Döse ragt das Wahrzeichen Cuxhavens in den Himmel: die Kugelbake. Das 28 m hohe Seezeichen markiert den nördlichsten Punkt Niedersachsens. Und gleichzeitig die Grenze zwischen Elbe und Nordsee. Selbstverständlich gehört der Pilgerdamm zur Kugelbake zum Pflichtprogramm.

 

Cuxhaven Kugelbake

 

Von dort scheinen die großen Pötte wirklich zum Greifen nah, denn man steht hier dicht an einer der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Eigentümlich und eindrücklich ist das bei Ebbe. Dann scheinen die Strandläufer nur wenige Meter neben den Schiffsgiganten übers Watt wandern.

 

 

Besonders Hamburger tun gut daran, Strand und Watt auf sich wirken zu lassen. Sie sind nämlich nicht ganz unschuldig daran, dass das Cux-Watt von massiver Verschlickung/ Versandung/ Verlandung bedroht ist. Fragt man Auskenner ist die Lage recht dramatisch. (Sehr schön nachzulesen auf Christians Blog Wasser und Eis).

 

 

Der Sandstrand von Cuxhaven ist nicht besonders breit, aber 5 km lang. Wo der Sand am allerhellsten leuchtet, liegt Duhnen, das touristische Epizentrum offenbar. Hier konzentrieren sich etwa die Hälfte der jährlich fast 4 Mio Übernachtungen.

Cuxhaven Duhnen

In Duhnen wurde der für Cuxhaven so typische wilde Architekturmix  auf die Spitze getrieben. In Einzelfällen findet sich Gelungenes. Insgesamt will einem die Bebauung jedoch nicht in den Kopf.

 

 

Die Cuxhavener Städteplanung zu verstehen, fällt doppelt schwer, wenn man sich Zeit für die sehenswerten Infotafeln an der Promenade genommen hat. Historische Aufnahmen belegen, wie viel Erhaltenswertes seit den 1970er-Jahren abgerissen und durch Funktionales ersetzt wurde. Immerhin: das gastronomische Angebot ist breit gefächert. Für´s Lunch eignet sich Duhnen prima. Zumindest außerhalb der Saison. Im Sommer, an Brücken- oder Feiertagen sollen die Restaurants vollkommen überfüllt sein.

 

 

Wenn man Glück hat – so wie wir – knippst irgendeiner den Herbst an, während man speist. Das passt so richtig zum Look der weiten Salzwiesen, die sich an Duhnen anschließen. Ihr Betreten ist weiträumig untersagt. An wenigen Stellen führen jedoch Pfade zum Wasser hinunter. Hier findet man dann tatsächlich Stille – und mit noch mehr Glück eine Bank.

 

 

Oberhalb der Salzwiesen liegen die Cuxhavener Küstenheiden. In ihrer Ausdehnung und Ausprägung sind sie einmalig in Deutschland. An der Beobachtungsplattform in der Duhner Heide startet und endet ein Entdeckungspfad. Der 2 km lange Rundkurs ist Fußgängern vorbehalten und erklärt die Besonderheiten der geschützten Landschaft an 12 Infostationen.

 

 

Geführte Wanderungen durch Salzwiesen und Küstenheide werden im nahegelegenen  Watttenmeer-Besucherzentrum angeboten. Auf 3 Etagen finden sich Dauer- und Einzelaustellungen sowie Veranstaltungsräume und eine Bibliothek.

Cuxhaven Sahlenburg

Die Daueraustellung ist kostenfrei und schon allein aufgrund der tollen Architektur und dem einmaligen Blick aus den Panoramafenstern den Besuch wert. Hier hat man übrigens schon wieder Hamburg vorm Balkon. In Form der Insel Neuwerk.

 

 

Abgesehen vom Wattenmeer-Besucherzentrum ist auch Sahlenburg architektonisch wahrlich keine Perle. Ein Pluspunkt ist allerdings der Wernerwald, der einzige Wald an der deutschen Nordseeküste im direkten Übergang zum Wattenmeer. Deshalb lohnt es sich über den Ort hinaus weiter zu fahren, auch wenn die Teerpiste endet. Dort duftet es herrlich nach Kiefern.

 

 

Oder man setzt sich noch ein bisschen an den Strand. Den letzten von Cuxhaven und der letzte für gute 100 km. Denn eben der ist ja der Grund, warum diese nördlichste Ecke Niedersachsens so überaus beliebt ist. Sich einen Tag für die Schokoladenseite von Cuxhaven Zeit zu nehmen, ist unserer Meinung nach auch wirklich eine gute Idee. Nur den Wunsch, irgendwo zu bleiben, den spürten wir nicht.

 

Lohnt sich eine Übernachtung in Cuxhaven?

 

Interessanterweise meldete sich der Impuls später. Leise wenigstens. Da hatten wir die Räder längst abgegeben und machten auf dem Weg zum Bahnhof noch einen kleinen Umweg über den Fischereihafen. Den hätte ich mir gern mit mehr Zeit angesehen. Alles schien mir so schön schrabbelig und als könnte man noch etwas entdecken. Ob das so ist, werde ich hoffentlich irgendwann einmal erfahren.

 

 

Offenlegung: Der Reiseveranstalter regiomaris organisierte unsere An- und Abreise. Für die Hinfahrt mit dem Halunder-Jet und die Rückfahrt mit dem metronom haben wir nichts bezahlt. Auf der Internetpräsenz findet man noch ganz andere Tipps für Cuxhaven. Denn vielfältig ist Niedersachsens Nordspitze alle Mal.

Holmenkollen

Als wir Pauschaltouristen waren: Städtereise Highlights von Oslo

Zu einer Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo gehören 4 Stunden Landgang in Norwegens Hauptstadt. Viele Passagiere nutzen sie für eine Stadtrundfahrt. Bei Ankunft warten die Busse bereits vorm Terminal. Es geht ziemlich zackig los. Und richtig spät retour. Als Einzelperson würde man sich gar nicht wagen, so kurz vor knapp zurück an Bord zu kommen. D.h. die Stadtrundfahrt reizt die wenige Zeit vor Ort maximal aus.

 

Haakan VII

Ein Glücksburger führte die Norweger 1905 in die Unabhängigkeit: Haakan VII

 

Natürlich ist es unmöglich, die Highlights von Oslo in wenigen Stunden abzuklappern. Und doch können einheimische Guides in dieser Zeit eine Menge Wissenswertes vermitteln. Unsere Stadtführerin hatte die gleiche Zahnlücke wie Morten Harket von a-ha. Ihr Deutsch war fabelhaft. Der leichte Akzent bezaubernd. Während ihre Worte unsere erste innere Skizze von Oslo zeichneten, schraubte sich der Bus hinauf auf den Hausberg, den Holmenkollen.

 

Higlight: High! Light! Das Licht auf dem Holmenkollen

 

Im Rahmen der Stadtrundfahrt werden drei Stopps zwischen 30 und 45 Minuten eingelegt. Wären wir auf eigene Faust losgezogen, hätten wir andere Ziele angesteuert. Ich hätte mich nicht freiwillig vom Wasser entfernt und Volko war – als gebürtiger Schwarzwälder – der Meinung, er hätte in seinem Leben schon weit mehr als genug Skisprungschanzen gesehen. Wie wir uns geirrt hatten!

 

Skisprungschanze

 

Die Holmenkolmenbakken ist die einzige stählerne Skisprungschanze der Welt. Eine kühne, beeindruckende Konstruktion. Noch faszinierender ist die Atmosphäre im Mekka des nordischen Skisports. Die Farben, die klare Luft, der Ausblick auf die Stadt. Das alles ist grandios. Ich hätte sofort querfeldein laufen mögen.

 

 

Obwohl Norweger wahrlich keinen Mangel an menschenleeren Landschaften leiden, darf die boomende Hauptstadt sich nicht unendlich ausbreiten. „Wir wollen, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder noch herrliche Natur vorfinden“, erklärte die Stadtführerin. Direkt jenseits des „Dachs von Oslo“ geht es daher in die Einsamkeit. Im Sommer auf idyllischen Wanderwegen. Im Winter auf Langlaufskiern. Dann werden 200 (!) km Loipen und Rodelbahnen beleuchtet.

 

Holmenkollen

 

Pratkisch sei das mit der Beleuchtung, befand die Stadtführerin. „So müssen wir keine eigene Lampe mitnehmen.“ Sie sprach überhaupt viel von „wir“. Sie sagte niemals „man“. In Norwegen werden Allgemeininteressen stärker betont als Privatinteressen. Auch darum führt das Land in puncto Lebensqualität seit 15 Jahren das weltweite Ranking der UN an.  Viele sollen am Wohlstand partizipieren. Nicht nur einige Wenige, wie bei uns. Einer, der das früh verstand, war der Bildhauer Gustav Vigeland.

 

Highlight 2 – Kunst im Öffentlichen Raum: der Vigeland Park

 

Vigeland war ein Wahnsinninger. Sein Verhältnis zu den Nazis ist beispielsweise nicht unumstritten. Dazu passt auch die Ästhetik der monumentalen Werke. Insbesondere verdient aber seine Schaffenskraft das Prädikat „manisch“. Zu seinem Nachlass gehört der nach ihm benannte Park, für den er sich ausbedingte, er solle kostenfrei für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

 

 

Eigentlich ist der Park nicht wirklich ein Park, sondern eine einzige riesige Kunstinstallation. 212 Skulpturen, Brücken, Brunnen und Wege symbolisieren den Kreislauf des menschlichen Lebens. Es ist die größte von nur einem Künstler geschaffene Anlage der Welt.

 

Vigelandparken

 

Daneben scheint der Vigeland Park auch das bestbesuchte Highlight von Oslo zu sein. Wer mehr Zeit mitbringt, sollte sich den Besuch daher für die Abend- oder Nachtstunden aufheben. Der Park ist 24 h pro Tag geöffnet. 365 Tage im Jahr. Und in der Dunkelheit – natürlich – beleucht.

 

Vigeland Park

 

Oslo strotzt vor Kunst im Öffentlichen Raum. Und zwar nicht erst seit Milliardäre so unfassbare Kunst-Xandus wie den Ekebergparken (unseren Liebingsplatz) finanzieren. Bei Eröffnung des Vigeland Parks etwa galt Norwegen noch als Armenhaus. Bevor das Öl im Jahr 1969 zu sprudeln begann, war in Europa nur noch Albanien klammer. Heute parken die Anwohner der Hafenviertel ihre Motorboote vorm Haus.

 

Oslo

 

Ein eigenes Boot ist auch schon wieder so etwas Praktisches. Denn dann muss man keine öffentliche Fähre benutzen, um auf die Inseln im Oslofjord zu gelangen. Auf der Stadtrundfahrt wird Bygdøy angesteuert.

 

Highlight Bygdøy – der Fjord und die Inseln

 

Bydøy, die Museumsinsel, die eigentlich nur eine Halbinsel ist, besitzt alles, was ein Inselparadies braucht. Das Gefühl von Abgeschiedenheit und kleine Badestrände, Wanderwege und Ausflugslokale, das Sommerschloß des Königs und einige der berühmtesten Museen der Stadt. Der Eintritt zu zwei Museeen ist bereits im Preis der Stadtrundfahrt inkludiert.

 

 

Es ist keine leichte Entscheidung, ob man das Frammusem und/ oder das Kon-Tiki-Museum besucht. Im Frammuseum dreht sich alles um Polarforschungsreisen; insbesondere die Abenteuer der großen Seemänner Friedtjof Nansen und Roald Amundsen. Das Kon-Tiki-Museum ist dem Entdecker und Umweltaktivsten Thor Heyerdahl gewidmet. Beide Häuser sollen super sein.

 

 

Und weil wir uns nicht entscheiden konnten, machten wir gar nichts. Stromerten bloß ein wenig durch die Gegend. Bestaunten das Panorama von Oslo. Ließen uns auf einer Bank vor einem kleinen Leuchtfeuer die Sonne ins Gesicht scheinen. Sprachen kein Wort. Lauschten dem Plätschern der Wellen. Und waren sehr zufrieden, ausnahmsweise das Leben von Pauschaltouristen zu führen. Wir waren nämlich von der Color Line Reederei eingeladen worden, das Themenpaket „Oslo-Städtereise Highlights“ zu testen.

 

Oslo-Städtereise Highlights: 2 Üs an Bord, 1 Ü in Oslo

 

Als der Bus zunächst die Tagesgäste zurück zur Fähre brachte und im Anschluß die restlichen Reisenden in ihre jeweiligen Hotels, fühlte ich mich wie in Palma de Mallorca im Jahr 1988. So lange ist meine letzte Pauschalreise her. Und es war genau wie damals: diese Neugier, wer wo absteigt und die Spannung, was die eigene Unterkunft betrifft. Mit dem modernen, aufgeräumten Stadthotel Thon Europa hatten wir es gut getroffen.

 

 

Das Thon Europa liegt ruhig und dennoch zentral; nur wenige Minuten von der Prachtallee Oslos, der Karl-Johanns-Gate, entfernt. Neben dem wirklich außergewöhnlich liebevollen und verschwenderischen Frühstücksbuffet, begeisterte uns vor allem der geschützte Balkon im 8. OG mit fabelhaftem Blick auf den Schlosspark. Fußläufig liegt im Grunde alles, was ich für die eigentlichen Highlights von Oslo gehalten hatte – an denen wir im Rahmen der Stadtrundfahrt aber höchstens vorbeigerauscht waren.

 

Oper_Oslo

 

Trotzdem ist die Stadtrundfahrt eine echt gute Sache. Egal jetzt, ob man nur 4 Stunden oder einen zusätzlichen Tag in Oslo verbringt. Wer 2 Übernachtungen einplant (was eindeutig die bessere Variante ist), kann sich die Stadtrundfahrt schenken. Nicht jedoch den Holmenkollen. Er ist ein absolutes must-see. Bygdøy und Vigeland Park scheinen mir mehr eine Frage persönlicher Präferenzen. Zu unseren passten sie prima. Wie auch das Pauschalreisen sehr viel besser zu uns passte, als ich angenommen hatte.

 

Offenlegung: Kooperation Highlights von Oslo

 

Wer bucht überhaupt noch Pauschaltrips, hatte ich das Team von regiomaris gefragt, und vor allem: warum?  „Probiert es aus“, lautete die Antwort des Hamburger Reiseveranstalters, der für Ausflüge und Kurzreisen im Norden steht und diese Kooperation für uns eintütete. Es war die beste aller Antworten. Denn es hat mir doch tatsächlich null Komma null gefehlt, Preise zu vergleichen und Verkehrsverbindungen auzuklamüsern. Dafür herzlichen Dank!

 

Steinberghaff

Frühling, Sommer, Herbst und Steinberghaff

Der kleine, verschwiegene Strand von Steinberghaff liegt  – wie viele Strände in Angeln – ein wenig ab vom Schuss. Daher wird er in erster Linie von Eingeweihten angesteuert. Oder von Leuten, die zwanghaft jedem Wegweiser „Zum Strand“ folgen müssen. Es gibt einige solcher Wegweiser „Zum Strand“ entlang der B199, die hier oben „Nordstraße“ genannt wird.

Es lohnt sich immer, ihnen zu folgen, denn alle Strände sind ausgesprochen entzückend; auf diese zurückhaltende Art, die der Gegend zu eigen ist. Der Strand vor Steinberghaff ist der heimeligste. Er befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Kappeln und Flensburg. Von dort geht es 2,5 km durch Felder und Dörflichkeit direkt zum Strandhotel.

 

 

Das Strandhotel markiert das nördliche Ende von Steinberghaff. Das Haus liegt etwas erhöht; nach Norden abgeschirmt von Baumriesen. Es wurde wohl über die Jahrzehnte sukzessive kaputtrenoviert. Alles, was neu ist, schein zu rabiat gegen den zarten Zauber, der an einigen, wenigen Stellen noch durchschimmert. Etwa in Gestalt kleiner Holzpavillons, die einst als Erfrischungsbuden fungierten. Dem Hörensagen nach wird der Pavillon des Biergartens zur Weihnachtszeit als Glühweinausschank genutzt. Aber ich kenne ihn nur verrammelt. Genau wie ich auch noch nie jemanden auf der sogenannten „Sand-Terrasse“ liegen sah, die ausschließlich Hotelgästen vorbehalten ist.

 

 

Meine Lieblingsbank steht unter meinem zweitliebsten Baum von Steinberghaff – direkt neben der Sand-Terrasse des Strandhotels. Es ist eine alte Kastanie, wie sie sich Herr Sumsemann nicht schöner wünschen könnte. Von der Kastanie zu meinen Lieblingsbaum mag es vielleicht 1 km sein. Diesen Kilometer kann ich maximal im Schlendertempo zurücklegen. Denn wenn ein Strand so klein ist wie der von Steinberghaff, werden alle Details bedeutsam. Dann begrüßt man jeden Findling und jedes Seegraskissen wie alte Bekannte und nimmt sich Zeit zu einem kleinen Gedankenaustausch.

 

 

Wo der Weg in den Wald abnickt, sollte man unbedingt noch ein wenig weiter am Strand über Wackersteine balancieren. Bis zu der wunderbaren Eiche, meinem Lieblingsbaum. Er streckt sich ein bisschen schräg in die Welt. Und es ist unmöglich zu sagen, ob er im Frühling, Sommer oder Herbst am schönsten ist. Vielleicht ist auch der Winter seine beste Zeit. Ich werde das hoffentlich irgenwann einmal überprüfen können.

 

 

Im Rücken der Eiche spannt sich ein überdimensionales Holztor über gleichermaßen empfehlenswerte Pfade. Sie führen in den Wald hinein, zum Gut Östergaard hinauf oder die Küste hinunter. Ich weiß nicht, wer das Tor errichtet hat oder warum. Doch ich muss hier immer an das Ende von Susanna Tamaros bekanntestem Roman denken. (Denn das ist ja das Geheimnis von Stränden: auch die kleinsten bieten Platz genug für große Gefühl.)

 

 

„Und wenn sich dann viele verschiedene Wege vor dir auftun werden und du nicht weißt,
welchen du einschlagen sollst, dann überlasse es nicht dem Zufall, sondern setz dich, und warte. Atme so tief und vertrauensvoll, wie du an dem Tag geatmet hast, als du auf die Welt kamst, lass dich von nichts ablenken, warte, warte noch. Lausche still und schweigend auf dein Herz. Wenn es dann zu dir spricht, steh auf, und geh, wohin es dich trägt.“

 

Baum

Oktoberfest in Norddeutschland

 

Gruener Ring

Der Grüne Ring, Etappe 3: partiell nicht übel (der Rest sind Parzellen)

Neulich, als noch nicht Herbst war, war der Grüne Ring wieder einmal mein Ziel. Konkret die 3. Etappe (von insgesamt 8). Ich absolviere die Abschnitte des 100 km langen Rad- und Fahrradweges rund um Hamburg nur, wenn mir nichts Besseres in den Sinn kommt. Denn es stimmt zwar wirklich, dass der Grüne Ring sich fast ausnahmslos durch´s Grüne zieht. Aber es ist eben nicht wirklich Natur und nur partiell erholsam und/ oder spannend.

 

Hauptverwaltung Ohlsdorf

Die 3. Etappe des Grünen Rings startet gegenüber vom Bahnhof direkt an der Hauptverwaltung Ohlsdorf

 

So sind auch die Pluspunkte der 3. Etappe schnell genannt: A) Sie ist super ausgeschildert. B) Es finden sich auf der Strecke einige Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten. C) Es geht richtig gut los.

 

Grüner Ring, Etappe 3, Start am Friedhof Ohlsdorf

 

 

Die Etappe 3 des Grünen Rings ist 14,8 km lang und führt von Ohlsdorf nach Jenfeld. D.h. sie beginnt direkt am Haupteingang des Mega-Friedhofs, Ohlsdorf eben. Der Friedhof Ohlsdorf gehört zu den Dingen, die man in Hamburg gesehen haben muss. Da gibt es gar keinen Zweifel. Ich glaube, man muss ihn sogar mindestens 4 mal gesehen haben; einmal pro Jahreszeit.

 

Wasserturm

So schön wie sonst nur Leuchttürme: der Wasserturm Ohlsdorf

 

Wer auf dem Grünen Ring unterwegs ist, sieht nur einen kleinen Teil des Friedhofs. Viel zu schnell leitet das Wegzeichen (grüne 11 auf weißem Grund)  über versteckte Pfade zum nächsten Highlight  – dem Bramfelder See. Der „Brami“ gehört nicht zu Bramfeld (wie man meinen könnte), sondern zu Steilshoop und stellt in etwa das Gegenteil dessen dar, was man sich so unter Steilshoop vorstellt.

 

Bramfelder See

Der Bramfelder See ist einen eigenen Mini-Ausflug wert: der Rundweg ist 2,9 km lang.

 

Abgeschirmt vom Straßenverkehr, mit lauschigen Uferplätzen und Graureihersichtungen ist der Bramfelder See schon allein einen Ausflug wert.  Der Grüne Ring beschränkt sich auf das Südufer. Ich habe vergessen, wie viele Kilometer der Schrittzähler am Ende des schmalen, lnagen Sees anzeigte. Es werden wohl so 2,5 bis 4 km gewesen sein. Blieben also noch 10 bis 12 km übrig bis Jenfeld. Und die … naja… bestehen im Wesentlichen aus Wohngebieten und Kleingartenvereinen.

 

Schrebergarten

 

Nicht, dass die restliche Strecke gräßlich gewesen wäre. Im Gegenteil: es läßt sich im Osten der Stadt offenbar wunderbar wohnen und kleingärtnern. Doch für Wanderer sind Schrebergärten und Ein- bzw. Mehrfamlienhäuser nicht gerade superspannend. Warum ich die Etappe 3 trotzdem gern ging, hatte a) was mit meiner Wanderbegleitung zu tun. (Es schnackt sich so nett im Unterwegs sein). Und b) mit den Groschen, die fallen, wenn man mal in Stadtteile eintaucht, die man zuvor höchstens auf den Hauptverkehrsstraßen durchquerte oder punktuell mit Öffis ansteuerte.

 

Fazit Grüner Ring, Etappe 3: kann man mal machen (muss man aber nicht)

 

Interessanterweise kann man das Ganze auch ganz anders sehen. Der Wanderfreund etwa, hat auf der 3. Etappe keine Einkehrmöglichkeiten entdeckt, den Weg im Frühling aber als einzigartig erlebt.  Ich hingegen kann diesen Abschnitt des Grünen Rings nur denjenigen empfehlen, die ihre innere Hamburg-Karte mit Leben füllen möchten. Es ist schon faszinierend, wie unterschiedlich Hanseaten leben.

 

Ohlsdorf

 

Was ich hingegen jedem empfehlen kann, ist  ein Knoten im Taschentuch für den Ohlsdorfer Friedhof.  Diesen Ausflug würde ich auch gar nicht auf die lange Bank schieben, denn der Herbst ist eine wundervolle Jahreszeit für den größten Parkfriedhof der Welt. Empfehlenswert sind die drei Themenspaziergänge. Ergänzt durch eine Runde um den Bramfelder See ist man ebenso lang unterwegs wie Wanderer auf der 3. Etappe des Grünen Rings – nur idyllischer.


Grüner Ring, Etappe 3

Länge: gute 14 km

Anreise: U1, S1, S11 Ohlsdorf

Abreise: verschiedene Buslinien ab Jenfeld nach Wandsbek Markt, Bergedorf, Billstedt

Mehr Infos & Karten: Grüner Ring Etappe 3

Weiterlesen auf dem Blog: Grüner Ring Etappe 1 & 2, Etappe 8

Mini-Kreuzfahrt_von_Kiel_nach_Oslo

Schiffsmeldung: auf Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo

Enthält Werbung | Wer sich häufiger in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt herumtreibt, kommt gar nicht drum herum, irgendwann über eine Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo nachzudenken. Die weiß-blauen Mega-Fähren der Color Line Reederei gehören an der Förde zum Stadtbild wie andernorts etwa Rathäuser oder Kirchen. Nur dass sie diese in einigen Städten überragen würden – sind die Gigantinnen doch 15 Decks hoch.

 

Oslo

Was Kiel und Oslo gemeinsam haben: Von 10.00 bis 14.00 Uhr ankert ein Color Line Cruiser mitten in der City

 

Sieht man vom Fördeufer aus die Color Fantasy (mit bis zu 2.700 Passagieren) vorüberziehen oder die Color Magic (die sogar knapp 3.000 Passagiere befördern kann), reisen die Gedanken beinahe zwangsläufig mit aufs offene Meer hinaus. Vorbei an Langeland und durch Dänemarks Großen Belt, vom Kattegat (Katzenloch) ins Skagerrak – das nächtliche Schweden vor der Reling und am Horizont das Land der Trolle, Fjorde und Ölmagnaten.

 

Color Magic

 

Die Schwesternschiffe stellen die einzige Fährverbindung von Deutschland nach Norwegen dar. Sie pendeln im Gleichtakt; den Bauch gefüllt mit Autos, Wohnmobilen, LKW und Omnibussen. Die eine legt um 14.00 Uhr in Kiel ab; die andere in Oslo. Etwa bei der dänischen Insel Anholt treffen sie einander. Nacht für Nacht. Um Vieles verlässlicher als die deutsche Bahn erreichen sie am kommenden Morgen um 10.00 Uhr ihr Ziel.

 

Moewe

 

Die 20stündige Seefahrt ist gerade lang genug, um innerlich mitzukommen und etwa die Hälfte der Zerstreuungsmöglichkeiten an Bord zu nutzen. So kann man sich auf der Rückreise die andere Hälfte vornehmen. Offiziell sind die Schiffe zwar als Fähren klassifiziert. Aufbau, Einrichtung und Ausstattung entsprechen aber Kreuzfahrtstandart. Das kann kein anderer Liniendienst so für sich in Anspruch nehmen.

 

 

Unvorstellbar bleibt, wie das Reinigungspersonal es schafft, bummelig 1.000 Kabinen, 10 Restaurants und Bars, Kinder- und Jugendecken, Shopping-Meile und Show-Theater, Discothek und Casino, Spaßbad und Wellness-Bereich, Außen-, Innen- und Frachtdecks auf Vordermann zu bringen, während die Passagiere einen Landgang unternehmen. Die Liegezeit beträgt nur 4 Stunden.

 

Oslo

Natürlich sind 4 Stunden viel zu wenig, um Oslo gebührend zu bewundern. Zum Verlieben reichts aber!

 

4 Stunden Landgang in Oslo – ich habe mich oft gefragt, ob sich die Mini-Kreuzfahrt dafür überhaupt lohnt. Nun bin ich schlauer. Die kurze Antwort lautet: ja. Ich sage das als eine, die noch nie den Wunsch verspürt hat, eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Die lange Antwort hat mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun und geht so:

 

Kein Typ für Kreuzfahrten? Dann ab auf Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo

 

Ein Grund, warum ich noch nie den Wunsch verspürt habe, eine Kreuzfahrt zu unternehmen, ist meine innere Abwehr gegen a) Massenaufläufe und b) Anstehen. Ich habe es mir immer enervierend vorgestellt, in einem Riesenpulk ein Schiff zu entern oder zu verlassen. Aber da wußte ich ja auch noch nicht, dass die Einschiffung von Tausenden Passagieren nur einen winzigen Bruchteil der Wartezeit eines halbbesetzten Fluges von Hamburg nach München bedeutet.

 

 

Sicher, wenn man gern ansteht, kann man sich Stunden vor Boarding in eine lange Schlange einreihen. Man kann auch versuchen, sich vorzudrängeln, um eine Sekunde früher als die anderen auf die Gangway zu gelangen (was vor allem ältere Damen geradezu professionell betreiben, wobei sie die unschuldigsten Minen aufsetzen). Die Alternative zum Anstehen ist ein ruhiges Plätzchen draußen am Oslokai oder im 1. OG des Terminals. Dort lässt sich in aller Seelenruhe abwarten, bis das Boarding um 13.15 Uhr beginnt. Um 13.25 Uhr haben sich die Schlangen aufgelöst, denn die Pass- und Ticketkontrolle flutscht wie geschmiert. (Genauso läuft das beim Aussteigen; oder zur Öffnung der Buffets.).

 

Mall

Ship-Shopping: die Einkaufsmeile auf Deck 7 kann als Innenstadt der Parallelwelt gelten

 

Gehört man zu den Geduldigen, die „erst“ um 13.30 Uhr an Bord gehen, ist die Parallelwelt, die so ein Kreuzfahrtschiff darstellt, bereits in vollem Betrieb. Man betritt die (beinahe baugleichen) Schiffe über die Mall mit Rezeption und Geldwechselstube, Parfümerie, Geschenkeläden, Boutiquen, Restaurants und einem Pub, wo die ersten Biere über den Tresen wandern. Dort spielt bereits die Live-Musik; wahlweise etwas von den Dire Straits oder „Streets of London“. Es ist ein bisschen überwältigend, wenn man so etwas noch nie zuvor gesehen hat.

 

Fahrstuhl

Lautlos schweben gläserene Fahrstühle Richtung Sonnendeck

 

Von der Mall auf Deck 7 schweben gläserne Fahrstühle lautlos zu den Kabinen, die von Deck 8 bis 12 zu finden sind. Wie man sich bettet, richtet sich nach Geldbeutel und individuellen Bedürfnissen. Am günstigsten sind die 3-Sterne-Innenkabinen. Die teuersten Suiten verfügen über Megaaussicht und zwei 2 Zimmer auf 35 qm. Der wahre Luxus liegt aber nicht in einem Stern mehr oder weniger, sondern im Rückzugsort selbst.

 

 

Vollkommene Privatheit in einem Verkehrsmittel, das man nicht selbst steuern muss! So etwas ist selten. Selbst der krasseste Misanthrop könnte in einer Schiffskabine zufrieden reisen. Auf dem Bett liegen und lesen, sich durchs TV-Programm klicken, dem Herrgott für das eigene Bad danken, ein mitgebrachtes Picknick im Kühlschrank verstauen oder einfach nur aufs Meer schauen (der Aufpreis für eine Außenkabine lohnt sich!).

 

Ostsee

 

Das Meer ist natürlich die Hauptsache auf einer Schiffsreise. Sage ich. Und sagen außer mir erstaunlich wenig Menschen. Das fällt mir jedes Mal auf, wenn ich mit einer Fähre reise. Und da bildet die Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo keine Ausnahme. Nicht einmal zum Auslaufen wird es richtig voll auf den 3 Außendecks. Und wenn nach etwa einer Stunde das Mahnmal von Laboe in den Hintergrund tritt, ist man draußen längst ziemlich für sich.

 

Manhattan Bar

Im Cosmopolitan Restaurant wird à la carte gespeist. Für die richtige Atmosphäre sorgt ein Jazztrio im Barbereich.

 

Überhaupt ist die Outdoor-Fraktion die allerkleinste Gruppe an Bord. Die zweitkleinste stellen die old-fashioned-Kreuzfahrer. Also die, die sich am Abend in Schale werfen und ein Jazztrio zum Whiskey Sour zu schätzen wissen.

 

Oceanic Restaurant

Ob man Luxus braucht, ist im Oceanic Restaurant nicht die Frage. Sondern ob man ihn genießt.

 

Schiffsreisen sollen den Horizont erweitern. Seeluft macht hungrig. Das sind gleich zwei Gründe, warum es eine gute Idee ist, sich ein 3-Gänge-Menue auf der Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo zu leisten. Der dritte Grund ist das 8 m hohe Panoramafenster im Oceanic Restaurant. Der vierte die Abendkarte. Dort stehen pro Gang verschiedene Gerichte zur Auswahl; z.B.

 

So der Herr …

 … und so die Dame
Gratinierte Flusskrebsschwänze mit Sauce Mousseline Jakobsmuscheln mit Reischips, Seetang, Kernmilch, Schnittlauchöl und Lachsrogen
Nüsschen aus der Rentierkeule mit eingelegtem Kürbis, Rahmwirsing, Pancetta und Brombeersauce Heilbutt mit Rote Beete Salat, Erdartischockencreme, Haselnüssen und Sojabutter mit schwarzem Knoblauch
Cheesecake mit Blaubeerkompott Norwegischer Käse garniert mit süßem und salzigem dazu hausgemachtes Knäckebrot

Das Oceanic Restaurant ist nicht unbedingt der Ort, an dem man das Handy zückt, um sein Essen zu fotografieren. Doch ich versichere: es war ein mehr als gelungenes Dinner. Auch atmosphärisch. Inkl. dem Service, den wir als besonders aufmerksam und freundlich erlebt haben. Betrinken wollten wir uns danach nicht. Sowieso war ich noch auf keiner skandinavischen Fähre, wo weniger getrunken wird. Nicht einmal sonderlich viele Alkohol-Hamsterkäufer haben wir gesichtet. Alles scheint ein wenig gediegener zuzugehen als bei den Dänen oder Schweden.

 

Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo: alles kann –  nichts muss

 

Dennoch kann man auf dem Trip von Kiel nach Oslo ordentlich Geld loswerden. Ich hatte das erwartet. Man liest ja ständig von den schrecklich hohen Preisen in Norwegen (und auf den Schiffen ist man quasi schon in Norwegen). Deswegen hat mich mehr überrascht, dass man sich auch sehr günstig verpflegen kann (das gilt übrigens auch für Oslo).

Reling
In der Grill & Burger Bar z.B. legt man für Burger/Pommes/Getränk kaum mehr als 10 Euro auf den Tisch (bei bestem Ausblick auf Deck 12). Ein Kaffee kostet im Promenaden Café gerade mal 2,50. Dieser Kaffee nun ist sehr stark und überaus wichtig am kommenden Morgen. Denn schon um 07.00 Uhr kommt Land in Sicht. Und dann geschieht das Allerbeste der gesamten Mini-Kreuzfahrt: die Color Line taucht in den Oslo-Fjord ein.

 

Oslofjord

 

Oslo liegt in etwa genauso weit von der Nordsee entfernt wie Hamburg. Bummelig 100 km. Oder 3 großartige Stunden an Deck einer Kreuzfahrtriesin. Nur dass ein Fjord kein Fluss ist, sondern 300 Meter tief und dunkelblau und tief eingeschnitten in bewaldete Hänge.

 

 

Unnötig zu sagen, dass längst nicht alle Passagiere von Anfang an (oder gar die ganze Zeit) mit von der Partie sind. Es mögen einfach viele Menschen lange ausschlafen und/oder ausgiebig frühstücken. Umso besser für die anderen. Die haben dann genügend Platz, um von einer Schiffsseite zu anderen zu laufen; vom Auflicht zum Gegenlicht; von Norwegen (backbord) nach Schweden (steuerbord; jedenfalls auf den ersten Seemeilen).

 

 

Für die norwegischen Passagiere ist der Oslofjord nichts Besonderes. 40% der Bevölkerung lebt irgendwo hier in der Nähe. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Norwegen die zweitlängste Küstenlinie der Welt aufweist (mehr gibts nur in Kanada). Aber auch wenn fast die Hälfte aller Norweger in der Gegend wohnt, kann man nicht gerade von Gedränge sprechen. Da ist nur ein Idyll neben dem nächsten.

 

 

Wer jetzt nicht so fanatisch auf einsame Holzhütten reagiert wie ich, darf sich mit dem Deckbesuch vermutlich auch Zeit lassen. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich keine Minute des Fjords hätte missen mögen. Tatsächlich aber wird alles immer schöner, je höher die Sonne steigt und je mehr der Fjord sich verjüngt. Dem einen oder der anderen reicht das vielleicht auch eine Stunde lang. Oder aus dem Bullauge heraus.

 

Insel im Oslofjord

 

Fragt man mich, ist es gerade der Fjord, der die Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo so lohnenswert macht. Es ist eben nicht nur eine lange Seereise mit 4 Stunden Landgang, sondern wird ergänzt von 2 X 3 Stunden an Deck in nordischer Bilderbuchkulisse. So unfassbar schön, dass ich mich auf schon auf der Hinreise auf die Rückreise freute.

 

Leuchtfeuer

 

1 Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo = 10 Std Fjordvergnügen

 

Badeinsel

 

Als wir auf der Rückreise an Bord gingen (wieder 15 min nach den Ersten), war das Sonnendeck mit Liegen gepflastert. Ich weiß nicht, wie die Leute das so schnell geschafft hatten; vielleicht waren sie gar nicht von Bord gegangen. Und das Seltsamste war, sobald das Schiff sich in Bewegung setzte, kam es zu einer Art Flashmob. Innerhalb von Minuten war das Deck wieder leer. Menschen sind eben sehr unterschiedlich.

 

Marina Oslo

Die Color Line Schiffe ankern in direkter Nachbarschaft zur Königlichen Marina

 

Weil Menschen so verschieden sind, tue ich mich immer schwer zu sagen: dies oder das muss man einfach erlebt haben. Für die Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo kann ich aber sagen: uns hat´s echt umgehauen. (Wozu natürlich auch die Extra-Übernachtung in Oslo beitgetragen hat). Was man dort mit nur 4 Stunden anfangen kann, erzähle ich dann demnächst einmal.

 

Rathaus Oslo

 

Offenlegung: Wir wurden von Color Line und regiomaris zu dieser Reise eingeladen. Die Leistungen, die in diesem Artikel zum Tragen kommen, bestanden in der Mini-Kreuzfahrt an sich und einem Abendessen an Bord. Hierfür bedanken wir uns herzlichst bei Color Line. Es ist ein wenig ärgerlich, dass der Artikel aus rechtlichen Gründen mit „Werbung“ überschrieben sein muss. Denn das weckt Vorstellungen von Schaumschlägerei. Unsere Begeisterung ist jedoch echt. 

Egebergparken

Ekebergparken – unser Lieblingsplatz in Oslo

Ich habe mich in einen Park verliebt. Einen Wald voller Skulpturen hoch über Oslo. Mit unfassbaren Ausblicken auf Stadt, Fjord, Badeinseln und Berge ist der Ekebergparken ein Glücksgarant für alle, die es nordisch mögen. Und falls man dazu noch Interesse an Kunst hat, wird ein Besuch dort oben zu einem überwältigenden Erlebnis.

 

Oslo

 

Die Kombination von Kunst und Natur ist ja immer eine feine Sache. Aber der Einklang von Landschaft und Skulpturen im Ekebergpark, ist definitiv eine Klasse für sich. Man muss kein großer Kunstkenner sein, um das zu spüren. Ein wenig Neugier reicht schon. Den Rest macht der Park.

 

Ekeberg_Pavillon

Dan Graham: Ekeberg Pavillon

 

Die bewaldeten Hänge im Südosten von Oslo sind seit Urzeiten ein wichtiger Rückzugsort für die Bevölkerung gewesen. 2013 kam ein norwegischer Milliardär auf die Idee, einen Park mit 30 Kunstwerken anzulegen (und zu finanzieren). Irgendwann einmal sollen es 80 Skulpturen und Installationen werden; derzeit sind es 39. Sie liegen weiträumig verstreut; mal versteckt, mal spektuaklär inszeniert.

 

 

Norweger haben wirklich was übrig für Kunst – im ideellen wie auch monetären Sinne. Darum steht im Ekebergparken auch nicht irgendwas von irgendwem in der Gegend herum. Sondern man wandert von Auguste Rodin zu Auguste Renoir, von Jenny Holzer zu Salvador Dali, von Marina Abramovic zu Markus Lüpertz – oder anders gesagt: durch das who-is-who der Kunstszene.

 

Damien Hirst

Damien Hirst: Anatomy of an Angel

 

Zum Lachen bringt einen der Park, wenn eine Frau sich im Näherkommen als Skulptur entpuppt. Und das, was man bis eben für eine Skulptur hielt, als Mülleimer. Oder der Moment in dem man realisiert, dass die Gesprächsfetzen, die man schon eine ganze Weile im Hinterkopf wahrgenommen hat, gar keine Besuchergruppe ankündigen. Sondern von einer altmodischen Straßenlaterne stammen, die vor sich hinmurmelt und flüstert.

 

Walking Woman

Sean Henry: Walking Woman

 

Das große Dilemma im Ekebergpark: Soll man sich lieber überraschen lassen oder nach Plan vorgehen? (Was, wenn man etwas verpasst?) Soll man auf den Wegen bleiben oder querfeldein spazieren, wo man tatsächlich das Gefühl hat mitten in der Natur zu sein? (Was, wenn man etwas verpasst?)

 

 

Soll man weiter, weiter (damit man nichts verpasst!) oder doch besser eine Weile sitzenbleiben, um den Moment zu genießen? Lieber die Bank mit Blick auf die Stadt? Oder den Felsen mit Blick auf den Fjord? Oder mit Blick auf die Inseln? (Ein Dilemma, das sich wie ein roter Faden durch einen Oslobesuch zieht).

 

 

Schon während man durch den Park stromert, wünscht man sich, noch einmal wiederzukommen. Vielleicht zu einer anderen Jahres- oder Tageszeit. Im Winter, im Sommer, morgens, mittags, abends, an ruhigen Werktagen und trubeligen Wochenenden. Oder mitten in der Nacht.

 

Beste Zeit für den Ekebergpark: Immer

 

Der Ekebergpark ist täglich und rund um die Uhr geöffnet. Nachts sind die Wege beleuchtet. Nur im Dunklen lassen sich Tony Ourslers Projektionen bewundern, die dann in die Baumkronen geworfen werden.

 

 

Der Nebel, der sechs mal pro Tag für 15 min aus dem Wald aufsteigt, sieht jedes Mal anders aus. Abhängig von Wetter und Wind wabert er als schmaler Schwaden auf eine Lichtung und verdichtet sich an anderen Tagen zu einer einzigen Wolke.

 

James Turell: Skyspace – the Colour Beneath

 

James Turells Skyspace glänzt vor allem im Morgengrauen und der Abenddämmerung. Die eigentliche Attraktion liegt aber im Inneren des ehemaligen Wasserreservoirs: das Lichterlebenis Ganzfeld ist nur an Sonntagen begehbar.

 

 

Wer das Museum zum Park besuchen möchte, muss zwischen 11.00 Uhr und 16.00 Uhr kommen. Das benachbarte Restaurant Karlsborg schließt um 17.00 Uhr. Will man später noch etwas speisen, muss man ein paar Kronen mehr auf den Tisch legen. Das Ekeberg-Restaurant ist etwas für besondere Anlässe.

 

 

Die schneeweiße Schönheit von 1929 liegt nicht weit entfernt von der Stelle, die einen Maler zu einem der berühmtesten Gemälde der Welt inspirierte. Und das ist irgendwie ulkig. Denn sollte ich sagen, welches Kunstwerk den Ekebergpark am aller-, aller, allerschlechtesten beschreibt, dann wäre es wohl „der Schrei“ von Edvard Munch.

 

 

Mit Dank an regiomaris und Color Line, die unsere Recherchereise nach Oslo unterstützt haben.

Der Besuch des Ekebergparks ist kostenfrei. Die Anreise mit der Straßenbahn (Linie 18 oder 19) dauert aus der City nur wenige Minuten (und ist für sich genommen schon wieder erlebenswert). Mehr Infos gibts hier.

Nordermeldorf

Mehr Garnichts geht nicht – und wem das jetzt guttut

Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Menschheit es für völlig egal hält, ob man die Badestelle Elpersbüttel südlich des Sperrwerks am Speicherkoog aufsucht – oder die nördlich gelegene Badestelle Nordermeldorf. Sie unterscheiden sich auch wirklich nur in Nuancen. So sind im September beide Badestellen nicht gerade überlaufen und die Kioske meistens geschlossen. Während in Elpersbüttel manchmal (es ist nicht genau zu sagen, wann) Park- und Strandgebühr zu entrichten sind, ist das in Nordermeldorf nicht der Fall.

 

 

Für beide Badestellen gilt: Im Bereich hinterm Deich ist die Natur hier wild und üppig.  Vorm Deich ist dann gar nichts mehr.  Also wirklich gar nichts. Kein Baum. Kein Strauch. Kein Haus. Kilometerweit geht das so. Ob das im klassischen Sinne schön ist? Hand auf´s Herz: auf den ersten Blick nicht zwingend für jeden.

 

 

Dithmarschen kann man nur schwer weiterempfehlen, da es so speziell ist. Man kann Dithmarschen auch nicht recht erklären. Dithmarschen kann man nur fühlen. Und fühlen können das wohl nur Menschen mit einem bestimmten Gemüt. Gehört man zufällig zu dieser Gruppe, wirken Stille und Weite derart intensiv, dass man sich vollkommen eins mit der Welt fühlt. Keine Übertreibung jetzt.

 

Nordermeldorf tut gut, wenn man runterkommen muss

 

In Dithmarschen habe ich immer das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben. Vielleicht ist das so, weil man hier fast nichts machen kann. Für mich ist das großartig, weil ich den seltenen Zustand, gar nichts machen zu müssen, enorm genieße. Ich spüre nicht einmal den Druck, möglichst früh in Hamburg aufzubrechen. So bin ich schon entspannt, bevor ich überhaupt losgefahren bin.

 

 

Aber irgendwas kann man ja selbst am ereignislosesten Ort unternehmen. Z.B. von der Badestelle Nordermeldorf  (wo kein Kiosk geöffnet hat) zur Badestelle Wawerort spazieren. Dort warten ein Strandbistro (das aktuell nur unzuverlässig öffnet) und der Imbiss des Campingplatzes Seeschwalbe (noch bis 15. Oktober). Das eigentliche Ziel ist aber der Spaziergang selbst – durch etwa 3,5 km Garnichts am Stück.

 

 

Wo Garnichts ist, kann einen natürlich auch gar nichts an das Sommerende erinnern. Da die wahnsinnsweite Watt- oder Wasserfläche der Meldorfer Bucht die Sonne ganz erheblich  reflektiert, wird es (bei Windstille) ziemlich schnell warm. Da kann man sich noch einmal wie im Juli fühlen. Das Szenario ist perfekt, um sich bewusst vom Sommer zu verabschieden. So innerlich.

 

Nordermeldorf ist prima, um dem Sommer Tschüß zu sagen

 

Ob man überhaupt der Typ ist, der einen bewussten Abschied vom Sommer braucht, läßt sich leicht herausfinden: einfach den Text „Einmal noch“ von Meertau lesen – dann spürt man schon, ob es für einen persönlich wichtig ist.

 

 

Wenn die Ostsee bereits den Punkt überschritten hat, an dem sie einen zwingend ins Wasser zieht, animiert das Wattenmeer noch einige Wochen länger, ernsthaft übers Baden nachzudenken. Soll ich? Soll ich nicht? Darüber siniert man am besten bei Ebbe.

 

Nordermeldorf: Place-to-be für alle, die noch einmal baden wollen

 

Idealerweise denkt man übers Baden in den warmen Nachmittagsstunden eines himmelblauen Tages nach, wenn die Sonne aufs Watt knallt. Dann läuft man und läuft man dem glitzernden Meer entgegen und wünschte, der Moment würde nie enden.  Ist das matschig? Aber Hallo! Ist das kalt? Kein Stück!

 

 

Während man durch Tümpel und Prile tappst, verliert die Nordsee jeden Schrecken. Sie wird im Gegenteil so wohlig angenehm, dass man gar nicht mehr an Land gehen möchte – selbst wenn die Flut kommt. (Ob man sich am Ende wirklich fallen läßt, ist Nebensache.)

 

 

Noch so ein Vorteil der Westküste: die Tage sind hier am längsten. Bis die Sonne untergeht, scheint sie einem frontal ins Gesicht. Und weil vorm Deich ja Garnichts ist, kann auch nichts Schatten werfen. So läßt sich der letzte Sommertag bis zur letzten Neige auskosten. Und wenn man Lust hat, wagt man zwischen Bad und Sonnenbad eine kleine Vorschau auf den Herbst.

 

Wer Vorfreude auf den Herbst sucht, ist in Nordermeldorf goldrichtig

 

Jenseits des Deichs zwischen Nordmeldorf und Wawerort liegt das Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch. Genau wie das benachbarte NSG Kronenloch im Rücken der Badestelle Elpersbüttel ist es kein verschwenderischer Urwald, indem man sich verlieren könnte, sondern eher eingezäuntes plattes Land mit Wasserstellen. Nur wer sich Zeit nimmt genauer hinzuschauen – vielleicht eine Weile an einem Aussichtspunkt abwartet – wird belohnt.

 

 

Die krassestens Glücksschauer rasen Tierfreunden über den Rücken, wenn Koniks in der Ferne auftauchen oder ein gewaltiger Vogelschwarm aufsteigt. Da beginnt man doch tatsächlich, sich über das Sommerende zu freuen, die Zeit der großen Vogelzüge. Wunderbar (und viel ausführlicher) beschreibt Andrea auf ihrem Blog indigoblau den Zauber des Speicherkoogs.

 

Koniks

 

(Nebenbei gesagt: Ich hätte mir bei Schaffung der Naturschutzgebiete – das war erst im Jahr 1985, nachdem die Meldorfer Bucht eingedeicht war – romantischere Namen ausgedacht. Aber Dithmarscher sind wohl recht pragmatisch. Kronenloch und Wöhrdener Loch hießen die alten Arme des Gezeitenstroms – und so heißt jetzt eben auch das neue Land. Nicht lang schnacken und so.)

 

 

Apropos nicht lang schnacken: Meinen Erfahrungen nach kann man das Sommergefühl in der Meldorfer Bucht noch bis in den Oktober hinein finden. Es braucht aber wolkenlose Windstille. Wenn also demnächst die berühmten zwei südlicheren Tage aus Rilkes Herbstgedicht anstehen, wäre es ratsam, alles stehen und liegen zu lassen und zur Badestelle Nordermeldorf aufzubrechen. Falls man der Typ für Garnichts ist.

 

Wattenmeer

 

PS.: Hier geht´s zu den eingangs erwähnten Nuancen, in denen sich die Badestelle Elpersbüttel von der Badestelle Nordermeldorf unterscheidet: Klick.