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Zeit, sich warmzulaufen – von Kellenhusen nach Dahme

Wann, wenn nicht jetzt, wäre ein Spaziergang von Kellenhusen nach Dahme angezeigt?! Noch garantieren selbst die unspektakulärsten Ausflugspläne tagelange Vorfreude. Noch hält sich der Touristentrubel in der Lübecker Bucht in Grenzen. Noch gelangt man entspannt an die Ostsee, ohne auf der A1 in einen Stau zu geraten. Selbst am Wochenende.

 

 

Sonnabend, 11.00 Uhr, Kellenhusen. Erster Gedanke: Endlich.

Endlich, endlich Frühling. Endlich wieder Ostsee.

Zweiter Gedanke: Obwohl ich noch nie hier war, kommt mir Kellenhusen sehr vertraut vor. Sieht alles aus wie in meiner Kindheit. Ich mag das in gewissen Momenten. Selbst die Seebrücke (von 2006!) erinnert an ein Schulzentrum aus den 80ern. Na, dann: let´s do the time-warp again.

 

 

11.45 Uhr, Seebrückentest beendet. Ergebnis: Kellenhusen besitzt die zweitbeste Seebrücke Schleswig-Holsteins (Platz 1 geht an Heiligenhafen, Platz 3 an Grömitz). Besonders schön sind die windgeschützten Sonnenplätze am Brückenkopf – an der Ostsee ist es deutlich kälter als in Hamburg. Im Schatten friere ich sogar (trotz Winterjacke).

V. braucht einen Kaffee. Ich Auslauf.

Wir verabreden vage ein Wiedersehen in anderthalb Stunden an der Promenade von Dahme. Zwar sind es von Seebrücke zu Seebrücke gerade einmal 6 km. Doch die will ich ja nicht runterratzen, sondern genießen.

 

Wanderweg Kellenhusen

Auf einer Wanderung von Kellenhusen nach Dahme kann man nichts falsch machen.

 

12.00 Uhr auf dem Weg von Kellenhusen nach Dahme.  Spaziergängerdichte lachhaft. Stimmung ausgezeichnet. (Alltagsbeobachtung: Wege, die sich allein durch gesunden Menschenverstand erschließen, etwa weil sie stets so nah am Wasser bleiben wie möglich, werden in Schleswig-Holstein großzügig beschildert. Wege, die man leicht verlieren kann, nicht.) Rechts rauscht die Ostsee. Linker Hand zwitschern unsichtbare Vögel um die Wette, verborgen in Knicks. Und so soll das sein.

 

Verboten

Der Weg ist hervorragend ausgeschildert

 

12.15 Uhr Dahmeshöved. Beim Leuchtturm knickt der öffentliche Weg ins Landesinnere ab. Der kleine Küstenvorsprung kurz vor Dahme befindet sich offenbar in Privatbesitz. Aus Prinzip bin ich dafür nicht besonders zu haben. Doch ich will nicht meckern. Der Moment, wenn Wind und Wellenrauschen in den Hintergrund treten, ist wunderbar friedlich. Still. Und ich höre auf zu frösteln.

 

 

Auf ewig mag ich mich jedoch nicht von der Ostsee trennen, wenn ich schon mal da bin. Der nächste (einzige) Zugang zum Strand – schräg gegenüber vom Leuchtturm – ist meiner.

 

 

12.30 Uhr am Strand der Steilküste: Ich ahne, dass alle vor mir liegenden Treppen zu Privatgrundstücken führen. Früher oder später werde ich an den Punkt gelangen, wo Weitergehen beschwerlich bis unmöglich wird. Eine gewisse kindliche Neugier gepaart mit kindischem Trotz verbietet es mir umzukehren. Das wird mit traumhaften Eindrücken und Aussichten belohnt.

 

Steilkueste Dahme

 

Warnung: Verantwortungsvolle Menschen bleiben logischerweise auf dem ausgeschilderten Weg. Sie wissen: balanciert man über nasse Wackersteine, bleibt es eine Frage des Zufalls, ob man aus der Sache mit heilen Knöcheln und/oder trockenen Füßen herauskommt. (Allerdings haben sich oben an der Straße einige Hausbesitzer verbarikadiert wie sonst nur an der „dänischen Riviera“ in Sjælland. Z.T. verstellen meterhohe Holzwände den Blick auf die Ostsee. Und hätte ich  unbedingt hohe Holzwände sehen wollen, wäre ich gleich in Hamburg geblieben.)

 

 

12.45 Uhr. Ankunft in Dahme. Erster Eindruck: Dahme scheint ähnlich aus der Zeit gefallen wie Kellenhusen – vielleicht sogar noch einen Tick schmuckloser.

 

 

Zweiter Eindruck: stimmt gar nicht. Zwar dominieren auch in Dahme Bausünden aus den 60ern, 70ern und 80ern. Aber daneben findet sich (anders als Kellenhusen) doch die eine oder andere alte Badevilla. Und es gibt sogar Anzeichen für das „neue“ Jahrtausend.

 

 

13.00 Uhr auf der Promenade in Dahme. Es geht ein bisschen lebendiger zu als in Kellenhusen. Aber nicht so lebendig, als dass mir V. nicht schon von Weitem ins Auge fallen würde. Sehr praktisch, wenn einer vorausfährt und schon mal die Lunchmöglichkeiten checkt (im „Saftladen“ gibts – ja, klar – frische Säfte (lecker) und (vegane) Suppen (auch lecker)).

 

Drachen

 

14.00 Uhr. In Dahme findet heute ein Drachenfest statt. Die Phantasiefiguren schaukeln träge in der Luft; wie eben auch ein Tag am Meer sanft dahinplätschert, wenn die Sonne prächtig scheint und der eigene Schritt ganz langsam wird (man also vom Gehen zum Promenieren umschaltet.)

 

 

Zeit vergessen. Die Sonne hat inzwischen so viel Kraft, dass ich nicht einmal einen Strandkorb brauche, um mich wohlzufühlen. Es reicht auch eine Bank. Irgendwo am Promenadenende, wo die Spaziergänger immer weniger werden, der Strand aber weiß und wunderbar bleibt.

 

 

Dass es noch eine ganze Weile so herrlich weitergeht, habe ich auf Finjas Blog Nordziele gelesen. Sie empfiehlt eine Radtour Richtung Süssau und zeigt, dass selbst zur Hochsaison die folgenden Strände alles andere als überlaufen sind. Ein großartiger Plan für den Sommer. Aber zunächst will ja der Frühling gespürt und ausgekostet werden. Und dafür eignet sich der Spaziergang von Kellenhusen nach Dahme wirklich perfekt.

 

Dahme

 

Yorkshire

Dem Frühling entgegen: Tipps für die Yorkshire Coast

Yorkshire?, echote meine Lieblings-Budni-Verkäuferin und das Lächeln, mit dem sie eben noch die Shampoo- und Duschgelfläschen in Handgepäcksgröße über den Scanner gezogen hatte, bekam etwas Ratloses. Sie zögerte einen winzigen Augenblick, so als hätte sie zunächst nach einer netteren Formulierung gesucht, sich dann aber doch für die Wahrheit entschieden. Also, da beneide ich Dich jetzt ehrlich gesagt nicht. Denn wer möchte den März schon in Nordengland verbringen; konkret an der Yorkshire Coast – wo der Ostwind ungebremst auf Großbritannien trifft? Nicht die Masse, so viel ist klar.

 

Der Nordosten im Nordwesten: Yorkshires wilde Küste

 

Zwar behauptet ein englischer Wikipedia-Eintrag, es würde sich bei der Yorkshire Coast um einen weltberühmten Küstenabschnitt handeln, aber ich habe den Löwenanteil meines Lebens verbracht, ohne überhaupt von seiner Tauglichkeit als Urlaubsziel zu ahnen. Mit knapp 100 km Länge eignete sich die Yorkshire Coast eigentlich super für einen Kurztrip, wäre sie nicht so gespickt mit Highlights. Wer alles sehen will, braucht mindestens eine Woche. Wer weniger Zeit hat, muss sich entscheiden.

 

Saltburn Pier

 

Tipp für Melancholiker: Abgesehen von Oscars "award winning" Fish & Chips gibt 
es außerhalb der Saison wenig Zerstreuung in Saltburn-by-the-Sea. Da die Klippen 
steil an Yorkshires Küste fallen, befördern Cliff Lifts aus den Zeiten der 
ersten Seebäder bis heute Badegäste vom Strand zum früheren Hotel Zetland. 
Leider wurden die Fahrkabinen des "Wunders von Cleveland", wie die nördlichste 
Pier Englands stolz genannt wird, bei unserem Besuch gerade renoviert.

 

 

Anders als Irland oder Schottland ist Nordengland nicht gerade ein allgemeines Sehnsuchtsziel. Erzählt man im Frühjahr von diesbzüglichen Reiseplänen, reagieren 70% der Gesprächspartner sogar beinahe bestürzt. Weitere 25% sagen etwas wie: Ich wollte ja auch schon immer mal was anderes von England sehen als London. Aber lieber im Sommer. Vielleicht Cornwall oder Somerset. (Wo die Sonne hoffentlich so schön scheint wie in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung des ZDF.) Wer von der Vorstellung des nordenglischen Vorfrühling nicht geschockt ist, war meistens selbst schon einmal da und weiß: nicht nur das englische Wetter ist besser als das Image.

 

Yorkshire im Frühling: Das Wetter

 

Nordengland ist nicht Spanien. Selbstverständlich muss mit Regen, Wolken und Sturm gerechnet werden. Jedoch nie im Sinne norddeutscher Hoffnungslosigkeit. Tagelangen Regen gibt es hier nicht. Bleigrauen Himmel über Wochen schon gar nicht. Das Wetter zeigt sich veränderlich – meist zum Positiven.

 

Cayton

Cayton Bay: wenig Wolken, noch weniger Menschen, viel Sonne und die Nordsee.

 

Tipp für Surfer: Wer einsame Traumbuchten mag, ist in Yorkshire 
richig. Am besten folgt man diesbezüglich Tipps von Surfern;
denn Secret Spots liegen gern etwas versteckt, wie Cayton Bay. 
Mehr davon auf: da trip.

 

Alltagsbeobachtung: Der Trend geht in Yorkshire zum Dritthund.

 

Menschen mit einer gewissen Disposition zur Verfrorenheit  – bei gleichzeitiger Sehnsucht nach dem Norden (generell eine missliche Kombi, im März aber besonders unerträglich) sind in diesem Teil des britischen Inselreichs bestens aufgehoben. Als Faustregel gilt: die Temperaturen liegen in Nordengland immer ein bisschen höher als in Hamburg (und damit viel höher als in Skandinavien). Die Natur ist stets schon ein bisschen weiter als in Norddeutschland (und damit viel weiter als im Baltikum). Der Golfstrom hat soweit nördlich zwar nicht den großen Einfluß wie im Süden des Landes, dennoch kommt der Frühling früher an als bei uns.

 

 

Tipp für Fossiliensammler und Birdwatcher: Yorkshire ist ein Naturparadies und
nicht umsonst die einzige Region im UK, die es in die weltweite Top Ten des
Lonley Planet geschafft hat. Die wilde Küste gilt als Jurassicpark und Refugium
für Seevögel. Die Fotos zeigen die Klippen von Flamborough Head.
Mehr dazu hier: Klick.

 

 

Falls das Wetter mal nicht stimmt, wartet die Yorkshire Coast auch noch mit anderen Vorzügen auf. Als da zum Beispiel wären: Nostalgische Seebäder, ein idyllisches Hinterland, pittoreske Fischerdörfer und Geschichte(n) hinter jedem Stein.

 

Staithes

 

  
Tipp für Freunde der Einsamkeit: Im ehemaligen Fischernest Staithes ging einst
Captain Cook in die Lehre. Das Cook Heritage Center und die spektakuläre
Klippenlage ziehen während der Sommermonate Touristen in Scharen an. Im 
Vorfrühling genießt man Aus- und Einblicke beinahe allein. Das gilt übrigens
für die gesamten Yorkshire Coast. 

 

 

Nostalgische Seebäder und pittoreske Fischerdörfer locken im März nicht gerade viele Engländer hinterm Ofen hervor. Und offenbar schon gar keine Touristen aus dem Ausland. Das wirkt sich auf die Preise aus (genau wie der Niedergang der großen Seebäder und des Pfunds). England ist längst kein teures Urlaubland mehr. Unterm Strich kommt man in etwa auf die gleichen Kosten wie beim Ostseeurlaub in Deutschland. Wobei die Kostenstruktur eine andere ist.

 

Die Yorkshire Coast kann unheimlich günstig sein

 

Manche Dinge kosten in England mehr als bei uns. Der Eintritt in die großen Gärten und Herrenhäuser etwa schlagen ganz gut zu Buche. Auch Parkgebühren können happig ausfallen. Und falls man sich für einen uncharmanten Appartmentkomplex aus den 00er Jahren als Unterkunft entscheidet, blättert man Preise wie in Timmendorfer Strand auf den Tisch. Ausgesprochen günstig sind hingegen großzügige Zimmer in Viktorianischen Prachtbauten mit Meerblick. Fangfrische Meeresfrüchte und Fisch. Flüge von Hamburg nach Manchester (mit Eurowings) und Mietwagen. Wobei Mietwagen in England natürlich so eine Sache sind…

 

Linksverkehr: Muss das sein? (Nö)

 

Das im Grunde sanfte ansteigende Plateau der Yorkshire Coast ist durch tiefe, steile Einschnitte gekennzeichnet. 15% Gefälle sind auf den gewundenen, teils schmalen Landstraßen recht normal, 20% nicht selten; und es können auch schon mal 30% werden.

Der Unterschied zum Fahren in Irland oder Schottland liegt darin, dass Nordengland nicht so leer ist. Hier leben und arbeiten Leute, d.h. sie habens hin und wieder mal eilig. Und auch wenn Engländer sehr gut und rücksichtsvoll fahren, kann man schnell mal derjenige sein, der eine ewig lange Schlange verursacht. Wer das nicht so prickelnd findet, schlägt sein Basislager am besten in einer Kleinstadt auf. Denn gerade weil hier Leute leben und arbeiten, ist der Nahverkehr recht gut ausgebaut.

 

Whitby

 

Tipp für Nahverkehrsnutzer: Die in diesem Beitrag gezeigten Orte sind alle 
mit den typischen Doppeldeckerbussen von Whitby aus zu erreichen, einem Ort, der
in sich vereinigt, was die Yorkshire Küste ausmacht. Dort erdachte übrigens
Bram Stoker die Figur des Grafen Dracula und siedelte hier auch einen Teil der 
Romanhandlung an. Stokers Beschreibung des Whitby der 1890er 
Jahre passt bis heute besser, als ich es ausdrücken könnte.

 

Pier Whitby

 

„Das ist ein schöner Ort. Der kleine Fluss, der Esk, läuft durch ein tiefes Tal, der weitet sich, wenn er in die Nähe des Hafens kommt. Ein großer Viadukt läuft darüber, mit hohen Pfeilern, blickt man durch diese hindurch erscheint es irgendwie weiter weg, als es wirklich ist.

 

Lighthouse Whitby

 

Das Tal ist schön grün und es ist so steil, dass, wenn Sie auf dem Hochland auf beiden Seiten sind, Sie es direkt darüber sehen können, es sei denn, Sie sind nahe genug sind, um runter zu sehen…

 

Whitby Abbey

 

[…] direkt über der Stadt ist die Ruine von Whitby Abbey, die von den Dänen zerstört wurde, […] Es ist eine sehr edle Ruine, von immenser Größe und voller schöner und romantischer Stellen; es gibt eine Legende, die besagt, dass eine weiße Dame in einem der Fenster zu sehen sei.

 

 

Zwischen ihr [der Ruine] und der Stadt gibt es eine andere Kirche, die der Gemeinde, um die sich ein großer Friedhof schließt, voll von Grabsteinen. Das ist, meiner Meinung nach, die schönste Stelle in Whitby, denn es ist direkt über der Stadt gelegen, und hat die volle Sicht auf den Hafen und über die Bucht, wo die Landzunge- die Kettleness genannt wird, sich ins Meer erstreckt.“

 

Whitby

 

Mit Amusement am Pier und Dracula-Museum ist Whitby ein tolles Ziel, wenn Kinder mit von der Partie sind. Nicht zuletzt weil in Whitby der Hogwarts Express nach Hogsmeade startet, bzw die North Yorkshire Moors Railway nach Goathland. Harry Potters Schulbahnhof befindet sich mitten in einem wunderbaren Nationalpark.

 

Das Hinterland: die North Yorks Moors

 

Die Hochebene der North York Moors ist von Wäldern, weiten Heideflächen und Mooren gekennzeichnet. Die Heide wechselt sich hier mit riesigen Farnflächen ab (was sicherlich im Spätsommer besonders schön ist). Wer gern wandert, dem sei der (kostenpflichtige) Dalby Forest ans Herz gelegt – und dort insbesondere der Rundweg entlang der bizarren Bridestones.

 

 

Tipp für Moutainbiker: Der Dalby Forest lässt sich prima mit dem Rad erkunden. 
Wenn man ein bisschen trainiert ist. Manche Trails habens echt in sich. 
Bikes können im benachbarten Thornton-Le-Dale ausgeliehen werden.
Das kleine, lebendigen Dorf in Inspector-Barnaby-Optik ist ohnehin einen Stopp 
wert - etwa für eine köstliche Pie in einem der schönen Pubs.

 

 

Wandern ist überhaupt die beste Art, sich in Yorkshire fortzubewegen. Das wusste ich schon seit ich Steffi Röfke auf dem Cleveland Way (lesend) gefolgt bin. Der 177 km lange Wanderweg zieht sich quer durch North Yorkshire bis an die Nordsee und folgt im weiteren Verlauf der Küste. Ich setze den Link mal genau dorthin, wo Steffi ans Meer gelangt, nämlich im eingangs erwähnten Saltburn-by-the-Sea (einfach weil ich ein Meer-Freak bin und sie mich spätestens dort an der Angel hatte), empfehle aber ausdrücklich auch die Berichte über die Etappen zuvor.

 

Die beste Art North Yorkshire zu entdecken, der Cleveland Way

 

Bei Steffi habe ich zum ersten Mal von der Yorkshire Coast gelesen. Ich wusste sofort, dass ich da mal hin will und ich wusste auch, was für mich das Großartigste werden würde. (D.h. ich dachte, es zu wisssen; ich fand dann aber etwas, dass ich noch großartiger fand – aber dazu später mehr). Jedenfalls liegt ein besonders schönes Wanderstückchen in der Robin Hoods Bay.

 

Ravenscar

Blick von Ravenscar zum Schmugglernest Robin Hoods Bay

 

Zum Schmugglernest Robin Hoods Bay führen von Ravenscar gleich zwei Mega-Wanderwege. So entsteht ein Rundkurs der Spitzenklasse. Der bereits erwähnte Cleveland Way bleibt dicht an der Küste, was großartige Ausblicke verspricht. Der Cinder Track entlang der alten Bahntrasse schlenkert minimal ins Land, wo die Ausblicke immer noch atemberaubend sind und außerdem einige Bilderbuchdörfchen durchschlendert werden können. Das märchenhafteste Bilderbuchdorf ist das Ziel bwz. Dreh- und Angelpunkt.

 

Beach Robin Hoods Bay

Robin Hoods Bay

 

Tipp für alle: Robin Hoods Bay ist ein Ort, den man zwar als touristisch 
wahrnimmt, aber dessen Charme man dennoch verfällt. Das Gewirr der Gassen, 
die spektakuläre Lage und die Tatsache, dass doch noch ein paar Originale dort 
ihr Auskommen finden (etwa ein Kellner ohne Zähne im Pub), ist einfach 
hinreissend. Ein absolutes must-see würde ich sagen - und für sich genommen 
schon die Reise nach Yorkshire wert.

 

 

Das Wichtigste über eine Reise an die nur 100 km lange Yorkshire Coast muss ich noch einmal herausstellen: Es ist uns in 5 Tagen nicht gelungen, alle Ort zu besuchen, die wir gern besucht hätten. Und von dem, was wir gesehen haben, habe ich für diesen Bericht auch nur unsere persönlichen Highlights ausgewählt. Dabei fehlt noch unser ganz spezieller Lieblingsort. Der bekommt aber einen eigenen Beitrag. Demnächst.

 

Scarborough

Are you going to Scarborough Fair? Viel mehr als einige Songzeilen war uns über das größte und älteste Seebad Englands nicht bekannt. Vielleicht fühlte ich mich deshalb von Anfang an wie in einem Märchen?!

 

Flamborough

Die weißen Klippen von Flamborough Head

Einer Theorie (unter vielen) nach leitet sich der Name Flamborough vom sächsischem Begriff Flaen – für Pfeil – ab. Folgte man diesem in geradem Flug von der charakteristischen Landspitze 700 km über die Nordsee, würde man auf Helgoland treffen.

 

Flamborough Kliff

 

Obwohl ich das erst später im Hotelzimmer nachlesen werde, fühlen wir uns schon an Deutschlands einzige Hochseeinsel erinnert, als wir dem Pfad vom Leuchtturm zur alten Nebelsignalstation folgen. Natürlich, die Klippen von Flamborough Head sind etwa drei Mal höher; auch sind sie nicht rot sondern weiß. Und so ist es wohl eher das Gefühl von Abgeschiedenheit und Weite, das uns an Schleswig-Holsteins Außenposten denken lässt.

 

Flamborough Head Nebelsignalstation

 

Es ist nicht viel los auf dem Wanderweg zwischen den Seebädern Filey und Bridlington, der die Kreideklippen auf einer Länge von 13 km begleitet. Dabei werden jetzt jeden Tag die ersten Papageientaucher erwartet. Nirgends in Britannien brüten sie in größerer Zahl als bei den höchsten Klippen des Landes.

 

Lighthouse Flamborough

 

Flamborough Outer Headland: Puffins Paradise

 

moewennest

 

Papageientaucher sehen zwar drollig aus, gehören aber zu den geheimnisvollsten Vögeln überhaupt. Die meiste Zeit des Jahres verbringen sie auf hoher See. Wo und wie die Kolonien genau leben – das ist bis heute weitgehend unbekannt. Nur zur Brutzeit kommen sie an Land. Die beginnt Ende März und dauert bis Anfang Juli. Wer ganz sicher gehen will, Papageientaucher zu entdecken, kommt im Mai. Es heißt, man würde seine erste Sichtung nie vergessen. Und obwohl ich schon an vielen Orten war, wo ich theoretisch welche hätte sehen können, ist es mir praktisch noch nie gelungen. Außer im Aquarium von Kopenhagen. Aber das zählt ja nicht.

 

Yorkshire Coast

 

So könnte ich beinahe bedauern, dass wir eine Woche – oder zwei – zu früh nach Yorkshire gekommen sind, wäre dieser Teil Englands nicht so atemberaubend, würde die Sonne nicht so prächtig scheinen und die Lerchen nicht so wunderbar singen. Lerchengesang. Auf der Liste meiner Lieblingsklänge ganz weit oben. Wie habe ich das vermisst.

 

Flamborough Beach

 

Ein mechanisches Geräusch stört meine Gedanken. Eine Drohne surrt über meinen Kopf hinweg. Das ist so eine Sache, an der ich merke, dass ich älter werde. Zukunft scheint mir in immer mehr Fragen nicht nur verheißungsvoll, sondern häufig eher befremdlich. Ich will Vieles auch gar nicht mehr verstehen oder mögen. Ein Himmel ohne Drohnen wird für mich immer die bessere Variante bleiben.

 

Yorkshire

 

Etwas anderes, das ich für eine Alterserscheinung hielt, hat sich allerdings nach nur 2 Tagen in Yorkshire erledigt. Es zwickt es nicht mehr im Rücken. Auf steilen An- und Abstiegen scheint sich alles wieder zurecht gerüttelt zu haben. Dabei hatte ich schon nach Bandscheibenvorfällen gegoogelt. Doch es lag wohl nur an zu vielen Stunden am Schreibtisch. An zu vielen dunklen Tagen, an denen ich mich gar nicht vor die Tür begeben habe. Aber jetzt fällt der Winter von mir ab. Und wie immer nehme ich mir vor, von nun an jeden Tag auszukosten – mindestens bis Dezember. (Wie immer werde ich das nicht schaffen – aber ich werde doch jedes Jahr ein bisschen besser.)

 

Beach

 

Die Ostküste Nordenglands: ein Jurassic Park

 

Seetang

 

Wie viele erstaunliche Orte im UK ist auch Flamborough Head den einschlägigen Tourismusseiten lediglich eine kurze Erwähnung wert. Aber wie ich nach mittlerweile vier Nordengland-Reisen weiß, lohnt es sich immer, auch noch den unauffälligsten Empfehlungen des National Trust zu folgen. Am Ende wartet verläßlich ein Wunder. Das heutige erleben wir nur zufällig. Dass man unbedingt zur Ebbe nach Flamborough kommen sollte, stand nirgendwo geschrieben.

 

Flamborough Beach

 

Nur bei Ebbe kann man über steile, ewig lange Treppen hinunter an den Strand. Schilder warnen vor Springtiden. In Windeseile kann die Nordsee den Rückweg abschneiden. Es ist vielleicht einen Tick zu beschwerlich, als dass jeder Lust auf den Abstieg hätte. Oder vielleicht ist es auch einfach nichts Besonderes in diesem Land, das vor Besonderheiten nur so strotzt. Jedenfalls bleiben die meisten – der ohnehin nicht besonders zahlreichen – Spaziergänger oben am Klippenrand. Was umso besser ist, weil sich so das Gefühl von Ewigkeit schneller einstellt.

 

Kliff Flamborough

 

Die Yorkshire Coast ist der Jurassic Park von England. Geformt während des Jura sind hier Abdrücke von Dinosauriern keine Seltenheit. Statt Muscheln sammeln die Menschen Ammoniten am Strand. Je weiter nördlich man sich befindet, desto größer die Wahrscheinlichkeit uralte Fossilien zu entdecken.

 

Kliff Flamborough

 

Da ich kein Sammlergen besitze, kann ich mich ganz auf die Landschaft einlassen. Durch Felsenkathedralen und Höhlen klettern. Mich soweit und vorsichtig zur Brandung vortasten, wie es auf dem glitschigen Untergrund möglich ist. Mich auf einen perfekten Stein setzen. Ein kleiner Wasserfall rauscht die Klippen hinunter. Ich ziehe meine Jacke aus. Dies ist mein erster Frühlingstag. Ich hätte mir keinen besseren Platz dafür denken können.

 

Kreideklippen

Altonaer Balkon

Rundwanderung & Sightseeing zugleich: der Altonaer Balkon

Wenn Hamburger im Frühling (oder überhaupt) Besuch von auswärts erwarten, ist der Altonaer Balkon ein gutes Ziel. Denn Besucher von auswärts sagen ja immer das Gleiche. Sinngemäß: „Hamburg ist wirklich schön, aber das Wetter…“ Und da haben die Besucher natürlich Recht. Das Hamburger Wetter ist im Grunde unzumutbar. Wenn überall sonst im Land linde, laue Lüfte den Frühling einläuteten, ist es hier ehrlich gesagt noch immer ziemlich kalt.

 

Hafenblick

 

Genau besehen, kann in Hamburg nur zufrieden existieren, wer einen Südbalkon besitzt. So einen geschützten Ort, an dem es – selbst bei niedrigen Temperaturen – wohlig warm wird. Und weil nicht jeder einen eigenen Balkon zur Sonnenseite hat, sind die Geesthänge an der Elbe eine feine Sache. Denn die funktionieren ganz genauso.

 

Atlona

 

Der größte Sommersalon ist der Altonaer Balkon. Ich hatte ihn neulich schon im Beitrag über das Altonaer Museum erwähnt. Von dort aus (oder dem Bahnhof Altona) geht man einfach nur durch die Grünanlagen Richtung Rathaus, um an der Palmaille die Straßenseite zu wechseln. Der Blick auf den Köhlbrand ist von hier ganz fantastisch. Noch fantastischer ist der Spazierweg, der jenseits einer Fußgängerbrücke durch die Parks der Elbchaussee führt.

 

Altonaer Balkon

 

Der Schopenhauerweg schlängelt sich am Elbhang über Heine Park, Donners Park und den Rosengarten bis nach Oevelgönne. Das ist im Sommer – wie alles – noch schöner als im Winter, aber selbst in der kalten Jahreszeit nicht übel; absolut nicht übel. Das liegt einerseits an den vielen historischen und modernen Aussichtsbalkonen – andererseits am Hafenpanorama.

 

DonnersPark

 

Also 2 Fliegen mit einer Klappe. Die Besucher von auswärts sehen alles, was sie so von Hamburg erwarten. Und finden gleichzeitig eine Antwort auf die Frage, wie man bloß mit dem hiesigen Klima zurechtkommt. (Ist ja gar nicht so schlimm, werden sie vielleicht sogar denken. Und das ist zwar nicht wahr, aber natürlich lassen Hamburger ihre Gäste auch gern in dem Glauben. Man wird ja schon wegen wegen der Tragödie um den HSV genügend bemitleidet. Da muss nicht auch noch das mit dem Wetter zu realistisch aufs Tablett.)

 

Elbhoehen

 

Wer am Ende des Schopenhauerweges zur Elbe hinunter spaziert, steht ziemlich genau vorm Museumshafen von Oevelgönne. Passenderweise hat gerade vorgestern Michèle einer ihren lesenswerten Gedankensprünge dazu ins Netz gestellt.

Vom Museumshafen sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Strand mit der bekannten Strandperle und den Fischrestaurants – noch so eine Sache, die Hamburger Gäste in der Regel ganz gut finden. Genau wie den Rückweg.

 

Elbuferpromenade

 

Eine Promenade führt dicht an der Wasserkante über Neumühlen und das Dockland zum Fischmarkt. (In der letzten Zeit sackt allerdings immer mal wieder ein Teil der sogenannten Perlenkette ab, so dass Schlenker nötig werden. Es hat vielleicht was mit den massiven Regenfällen der vergangenen Sommer zu tun; genau weiß es wohl keiner. Aber das Problem findet sich überall zwischen Landungsbrücken und Wedel. Und ich sag mal so: Ich bedauere gar nicht mehr so sehr wie früher, dass ich dort keine Wohnung besitze.)

 

Docklands Hamburg

 

Wer sich am Altonaer Holzhafen auf Höhe der Haifischbar über eine Treppe wieder zu den Elbhöhen hinaufschwingt, macht den Rundweg nach knapp 6 km perfekt und kann noch einen Kaffee im Altonas Balkon am Altonaer Balkon und ein letztes Sonnenbad nehmen. Das geht wirklich – selbst bei Minusgraden.

 

Elbhoehenweg Altona

 

Wer nicht aus Hamburg kommt und auch niemanden hier besucht, der ihn rumführt, sondern sich auf eigene Faust in der Stadt rumtreibt, dem sei noch mit auf den Weg gegeben: Es gibt eine Menge Logenplätze auf den Hamburger Balkonen. Sie beginnen auf dem Stintfang oberhalb der Landungsbrücken und ziehen sich stadtauswärts/ elbabwärts bis nach Schleswig-Holstein.

 

Altonaer Balkon

 

Meine liebsten Balkone sind die Promenade bei der Erholung, Park Fiction am Schauermannspark, der Altonaer Balkon, Oevelgönne, die Wiese im Jenischpark, der Aussichtplatz im Hirschpark, das Treppenviertel in Blankenese, der Bismarckstein am Waseberg, der Römische Garten, der Waldpark Falkenstein, Wittenbergen und schließlich der Wanderweg oberhalb von der Schiffsbegrüßungsanlage in Wedel. Aber das ist nur eine subjektive Auswahl.

Überall an den Elbhängen lassen sich längere oder kürzere Rundwanderungen unternehmen. Und bis man die alle durch hat, ist der Frühling auch in Hamburg angekommen. Hoffe, ich jedenfalls.

Inselhopping für Microabenteurer: Best of Nordfriesische Inseln

Echtes Inselhopping ist in Deutschland nur an der Westküste Schleswig-Holsteins möglich, wo vier Nordfriesische Inseln, zehn Halligen sowie einige Nachbar-Eilande erobert werden wollen.

Anders als die großen Ostseeinseln sind die Nordseeinseln nicht mit dem Auto zu erreichen. Den Ostfriesischen Inseln wiederum haben sie voraus, dass zwischen ihnen Fähren pendeln.

Nur in Nordfriesland kann man also von einer Insel zur anderen hüpfen, ohne je das Festland zu betreten und gleichzeitig das wunderbare Gefühl erleben, zeitweise vom „normalen Leben“ abgeschnitten zu sein.

Wer abends die letzte Fähre (bzw. den letzten Zug auf Sylt) verpasst, kommt nicht mehr runter vom Paradies. Es kommt auch keiner mehr rauf. Die nordfriesischen Inseln sind ein exklusives (wenn auch nicht zwingend teures) Vergnügen.

 

Inselhopping Nordfriesische Inseln – die Basics

 

Inselhopping auf den Nordfriesischen Inseln ist nur im Sommerhalbjahr möglich und nicht mit dem Auto. Am besten läuft es mit dem Rad. Wer kein eigenes besitzt, findet in jedem Inselhafen einen Fahrradverleih. Um Unterkünfte sollte man sich frühzeitig kümmern. Sogar auf Campingplätzen kann in der Hochsaison – etwa in Kampen – kein Zelt mehr spontan untergebracht werden. Die besten Reisezeiten sind Mai – früher Juni bzw. später September  – Oktober (damit möglichst wenig Bundesländer Ferien haben). Bei der Reisedauer gilt als Faustregel :

  1. man erfasst den Charakter einer Insel erst, wenn man einmal über Nacht geblieben ist und
  2. man kann gar nicht lange genug auf einer Insel bleiben.

Selbst wer nur die aller-, aller-, allerwichtigsten Highlights einplant, benötigt mindestens 8 Tage. (Wer einige Highlights schon kennt, könnte den folgenden Tourenvorschlag im Prinzip um die jeweiligen Stunden/ Tage abkürzen – will es vermutlich aber gar nicht.)  Wem 10 – 14 Tage zur Verfügung stehen, ist fein raus. Dann bleibt Raum für eine Verlängerungsnacht am Lieblingsplatz, Luft für Regentage oder abenteuerliche Exkurse (dazu mehr am Ende des Beitrags). Und nun aber genug gesabbelt. Es geht los:

 

Tag 1: Runterkommen auf Nordstrand

 

Inseln und Hektik vertragen sich nicht. Darum ist für den ersten Tag nichts Weiteres geplant, als die beste Startposition zu erreichen. Es geht mit dem Zug nach Husum und dann auf die Halbinsel Nordstrand. Es ist der einzige Tag an dem diejenigen, die ohne Rad anreisen, etwas im Nachteil sind, denn die müssen ab Husum den Bus nehmen. Radfahrer dürfen selber über den 5 km langen Damm strampeln, der die ehemalige Insel mit dem Festland verbindet.

 

Oben Nordstrand

 

Auf Inseln ist fast alles auf die ein oder andere Art begrenzt und daher wunderbar einfach. Am allereinfachsten ist die Orientierung auf Nordstrand, wo die Inselorte Norden, Süden, Westen und Oben heißen. Verkehrt machen kann man da wenig. Aus dem gut durchdachten Namenskonzept fallen nur England und Strucklahnungshörn heraus. Letzeres ist der Hafen, von dem es morgen weitergehen wird. Für den heutigen Tag gibt es hier mehr Infos zu Nordstrand. Wobei die 2 wirklich wichtigen TOPs auf der Liste lauten: Aufatmen. Und Durchatmen.

 

Tag 2: Radtour rund um Pellworm

 

Wichtiger als die erste Fähre nach Pellworm zu erwischen ist, sich nicht zu stressen. Aber nur zur Sicherheit sei erwähnt: es ist um jede Stunde schade, die man nicht auf Pellworm verbringt.  Interessanterweise ist das vielen Leuten gar nicht klar. Pellworm steht im Schatten der anderen Inseln, weil Pellworm keinen Sandstrand besitzt. Und weil das so ist, geht es auf Pellworm ruhiger zu. Viel ruhiger. Unfassbar wunderbar ruhiger.

 

Hundestrand Pellworm

 

Für Radfahrer ist Pellworm großartig. Die Insel ist ein beinahe runder, kleiner Smaragd und kann an der Außenkante umfahren werden. Super Sache. Bei der großen Runde mit dem Rad kommt man auf etwa 27 km. Also genau richtig für einen entspannten Tag am Meer mit Pausen zum Baden, Einkehren, aufs Wasser gucken und Abstecher ins verschwenderisch grüne und natürliche Inselinnere.

 

Tag 3:  2 Tage Strandvergnügen auf Amrum

 

Pellworm ist das Nadelöhr für Inselhopper. Nur einmal in der Woche – freitags um 09.30 Uhr – sticht der Adler Express in See Richtung Amrum. (Man kann auch schummeln und zurück nach Nordstrand gondeln, dort geht es zwischen März und November 2 mal pro Tag weiter. Es ist dann strenggenommen kein Inselhopping mehr; aber man muss es ja niemandem verraten.) Vielen gilt Amrum als schönste Nordfriesin, denn die Kleinste ist die Strandkönigin. Amrum besteht zur Hälfte aus Sand. Und Dünen. Und Seevogelgeschrei. Und Wellen. Und Wind.

 

Amrum

 

Apropos Hälfte: Als Dreh- und Angelpunkt bietet sich Nebel an, das süßeste Friesendorf von allen. Es liegt etwa mittig und läßt auch gastronomisch keine Wünsche offen. So kann am ersten Tag der Inselsüden zwischen dem Fähranleger in Wittdün und Nebel in aller Ausführlichkeit erforscht werden – und am zweiten Tag der Inselnorden. Unbedingt gehört dann die Umrundung der Amrum Odde dazu. Von dort ist das nächste Highlight schon gut zu erkennen. Es liegt auf der Nachbarinsel Föhr.

 

Tag 5: Auf der Traumstraße zum Traumblick von Föhr

 

Föhr wird auch friesische Karibik genannt, was sich vor allem an der Schokoladenseite der Insel festmacht. Der einzige Strand von Föhr zieht sich über 15 km von der Inselhauptstadt Wyk nach Utersum. Praktischerweise verläuft parallel die Traumstraße, auf der Radfahrer durch das Vorzeigedorf Nieblum und am Goting Kliff vorbei zu dem Punkt trudeln können, den sie am Vortag schon von Amrum aus gesehen haben.

 

3 Insel-Blick Foehr. Links Amrum. Rechts Sylt.

 

Ob man für die Nacht in Utersum bleibt, um den Sonnenuntergang zu zelebrieren oder lieber in Wyk Quartier nimmt, wo noch ein Swutsch drin wäre, ist eine Typfrage. In jedem Fall aber sollte man sich am nächsten Tag nach Alkersum aufmachen, um das beste Museum Nordfrieslands zu besuchen. Im Museum Kunst der Westküste dreht sich alles ums Meer (zwischen Bergen in den Niederlanden und Bergen in Norwegen).

 

 

Für den Museumsbesuch sind 2 – 3 Stunden ausreichend. Danach geht es enstpannt zur Fähre. Wirklich, es reicht, wenn man nachmittags nach Sylt aufbricht.

 

Tag 6: Morgens Karibik – abends Sansibar

 

Es gibt ne Menge Vorurteile über Sylt und das Witzige ist: sie stimmen einerseits alle und andererseits stimmen sie kein Stück. Unterm Strich ist Sylt aber vor allem einer der fabelhaftesten Flecken Deutschlands. Hörnum im Inselsüden fasst die Lage zusammen: traumhafte Strände und gewaltige Dünen, Schicki-Micki-Publikum und Gummistiefelgemeinde, Surferspots und Spitzengastronomie. Und alles ist immer ausgebucht. Wer etwa in der bekannten Sansibar dinieren möchte, muss in der Hochsaison weit im Voraus reservieren. Das gilt im Sommer für alle guten Restaurants. Da sind Insider fein raus, denn die wissen, dass ein Picknick an der Hörnum-Odde ebenso exquisit ist wie ein Dinner beim Sternekoch.

 

Tag 7: Von Hörnum über Rantum, Morsum, Keitum nach Kampen

 

Heute werden Kilometer gemacht. Knapp 50. Sylt ist groß und vielfältig. Vom Südzipfel, der zwischen Hörnum und Rantum im Grunde nur aus Dünen besteht, geht es über das herrliche Rantumbecken in den Inselosten zum Morsumkliff. Der Rundweg lohnt sich; ist aber nur zu Fuß machbar. Keitum – das unter Sylturlaubern aufgrund der Kapitänshäuser unter Reet als besonders reizvoll gilt – wird Inselhopper weniger aus den Latschen hauen (weil sie schon Nebel auf Amrum und Nieblum auf Föhr gesehen haben, die m.E. niedlicheren Friesendörfer). Aber nur eine Bucht weiter folgt die wunderschöne Braderuper Heide. Und dann kommt Kampen.

 

Rotes Kliff

 

Kampen ist viel, viel, viel schöner als sein Ruf. Klar, da gibt es schon ein paar unerträgliche Personen. Aber die sind ja so klein im Gegensatz zur überwältigenden Natur; fallen also gar nicht weiter ins Gewicht. Und wenn man es mit Humor nimmt, ist sogar das Nachtleben empfehlenswert.

 

Tag 8: Das Beste kommt zum Schluss – das Listland

 

Deutschland endet in einem wahren Naturwunder. Der Ellenbogen von List ist der nördlichste Punkt des Landes und wer sich für nordische Landschaften begeistern kann, kriegt sich hier gar nicht mehr ein. Die Umrundung kann variabel gestaltet werden, zwischen 20 km und 5 km – je nachdem, wo man einsteigt. Die beste Variante ist etwa 15 km lang.

 

Sylter Koenigshafen

 

Wer Verlängerungstage einrichten kann, in List wär´s nicht schlecht sie zu verbringen. (Nur für den Fall verlinke ich 20 Dinge, die man in List machen kann.) Andererseits sind zwar die Nordfriesischen Inseln nun bereist – aber es fehlen noch ein paar Abstecher, die eigentlich dazugehören, um die Sache rund zu machen. (Mehr dazu weiter unten).

 

Tag 9: Tschüß Nordfriesische Inseln

 

Westerland ist kein Highlight, liegt aber nun mal auf dem Nachhauseweg. Da kann man vor der Abreise schnell noch mal die scheußliche Friedrichstraße hocheiern, um sich vom super-duper Strand zu verabschieden. Und vom Leben als Inselhopper, denn ab Westerland geht es zurück mit dem Zug. Wenn der auf den Hindenburgdamm rollt, steht auch der Abschied von den Nordfriesischen Inseln an. Es ist wahrscheinlich, dass es kein Abschied für ewig wird.

 

Abstecher: Hallig-, Hochsee- und Hej-Hopping

 

Wie aufregend und einzigartig Urlaub in Deutschland sein kann, wird einem erst bewusst, wenn man sich auf die Reise macht. Oder bei Bloggern nachliest. Folgende Abstecher wecken bei mir persönlich besonderes Fernweh:

 

Von Amrum nach Langeneß: Obwohl Sabine es mir nicht glaubt (;-)), habe ich noch nie auf einer Hallig übernachtet. Dass es sich maximal lohnt, könnt Ihr auf Sabines Blog das blaue Gnu nachlesen. Ein Damm verbindet die kleinere Hallig Oland mit Langeneß. So kommt man zu 2 Marschinseln zum Preis von 1.

 

Hallig Hooge

 

Von Pellworm nach Japsand: Besser als der Blick von Pellworm nach Hooge sind nur noch die Bilder von Helmut. In seinen Fotos kann man sich grundsätzlich verlieren. Einer meiner liebsten Beiträge auf seinem Blog Halligbilder, ist der Ausflug zum Japsand, einem der drei großen Außensände Nordfrieslands.

 

 

Von Hörnum nach Helgoland: Nicht mal zwei Stunden braucht der Adler-Katamaran von Sylt auf Deutschlands einzige Hochseeinsel. Trotzdem ist ein Tagesausflug nicht die beste Idee. Unbedingt eine Nacht einplanen! Sonst verpasst man Helgolands beste Stunden.

 

 

Von List nach Dänemark: Wer wissen will, wo all der Sand abgeblieben ist, der auf Sylt Jahr für Jahr verschwindet, nimmt die Fähre nach Rømø. Dort wird der Strand immer breiter. Unfassbare 40 Quadratkilometer aktuell. Das Fahrrad muss also unbedingt mit – oder auf Rømø ausgeliehen werden. Einen Schlafplatz braucht man aber nicht unbedingt in Dänemark. Das kann man sich für den nächsten Urlaub aufheben. Wenn man die dänischen Wattenmeerinseln bereist.

 

Hafen Hamburg

Zur Erholung auf St. Pauli (für Instagramer & Konsorten)

Heute nur was Kleines, denn ich bin zwischen zwei Jobs in der Ferne nur ganz kurz zur Erholung auf St. Pauli. Und genau das möchte ich heute den Instagramern unter Euch empfehlen, wenn Ihr das nächste Mal in Hamburg seid.

St. Pauli ist ja so ein Stadtteil, von dem selbst Menschen, die noch nie hier waren, gewisse Bilder im Kopf haben. Sehr unterschiedliche Bilder. Das wurde mir klar, als ich vor einiger Zeit im DB-mobil-Magazin die Top 5 der St. Pauli-Instagram-Motive entdeckte.

Unter den Top 5 fehlte alles, was ich für typisch St. Pauli halte. Dafür belegte den vierten Platz die Zuckermonarchie; ein kleines, niedliches Café, im hygge-DIY-shabby-chick-Look. Nichts gegen kleine, niedliche Cafés (und schon gar nichts gegen die Zuckermonarchie). Jedoch kann man nicht direkt sagen, dass sie charakteristisch für St. Pauli wären.

Immer mehr Menschen entwickeln ihre Vorstellungen über Orte/ Ereignisse/ Dinge in sozialen Netzwerken. Die älteren Leute bei facebook, die jüngeren auf Instagram, hörte ich neulich im Radio. Und nun finde ich es einigermaßen witzig mir vorzustellen, dass vermutlich überall auf der Welt jüngere Instagram-Heavy-User existieren, die St. Pauli mit Macarons in Pastelltönen verbinden. So sehr ich meinen Stadtteil auch liebe, muss ich doch zugeben: er ist das Gegenteil eines fliederfarbenen Eclairs.

 

Zur Erholung auf St. Pauli

 

Also, liebe Instagramer, falls Ihr für ein realistischeres Bild von St. Pauli sorgen wollt, lasst die Zuckermonarchie erst einmal rechts liegen und geht über den Gebrüder-Wolff-Platz zur Seewartenstraße; haltet Euch dort links, bis zur Kersten-Miles-Brücke – nach insgesamt etwa 350 Schritten seid Ihr schon „Bei der Erholung“ angekommen.

Es handelt sich um eine 600 Meter lange Promenade am Elbhang, die man auch als Instagram-Outdoor-Studio bezeichnen kann. Dort könnt Ihr in nicht einmal 15 min unendlich viele Wahrzeichen von Hamburg einfangen und danach Euer Smartphone zur Seite legen – um das Real-life zu genießen und/oder die Zuckermonarchie.

 

 

Der Spazierweg schlängelt sich von der Seewartenstraße, etwa bei der Kersten-Miles-Brücke, zum Hafen. Schon auf dem ersten Meter könnt Ihr (1.) den ollen Bismarck im Elbpark fotografieren (noch besser wäre hinzulaufen, denn das Denkmal ist ein Scheinzwerg, also das Gegenteil von Herrn Tur-Tur und wird so richtig gewaltig erst, wenn man seinen Sockel erklimmt).

Gleich rechts daneben erkennt Ihr die Elb-Höhe vom (2) Stintfang; mit Aussichtsplatz und Weinberg. Vielleicht mögt Ihr einen Abstecher machen, denn von dort wirkt die (3) Elphie fabelhaft – Ihr könnt sie aber auch von der Erholung aus fotografieren. Bei der (4) Terrasse des Hotel Hafen Hamburg wird die Promande zum Aussichtsbalkon. Vor Euch liegen nun der (5) Hamburger Hafen und die (6) Landungsbrücken, der (7) alte Elbtunnel und die (8) Docks.

 

15 St. Pauli-Motive in 15 min

 

Eigentlich wäre es ratsam, die Treppen runter zu springen, um an den Landungsbrücken ein (9) Fischbrötchen zu schnappen, eine (10) Hafenrundfahrt zu unternehmen, z.B. auf einem Ausflugsdampfer oder mit besserer Musik auf (11) der Barkasse Hedi. Auch nicht schlecht ist,  durch den alten Elbtunnel rüber nach (12) Steinwerder zu laufen. Vom anderen Elbufer fangt Ihr das schönste Hafenpanorama ein.

Die höchsten Fotospots liegen im Rücken. Etwa die Tanzenden Türme mit dem Restaurant Clouds und der (13) Roof Top Bar Heavens Nest. Wunderschön ist auch der Blick vom (14) Twenty up im Empire Riverside Hotel. Und da wir gerade über Gastro sprechen: Wer mit schmalen Budget reist, wird sich über die (15) Kantine im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie freuen. Sie liegt etwa mittig auf der Erholung, direkt neben dem Deutschen Seewetterdienst.

 

Bulli

 

Wie Ihr seht, liebe Instgramer, ist es durchaus möglich, vor dem Besuch der Zuckermonarchie von der Erholung 15 Supermotive in 15 Minuten zu schießen. Die Welt wird denken, Ihr hättet unheimlich viel erlebt.

Ihr könntet auch tatsächlich unheimlich viel erleben – müsstet dann aber einen ganzen Tag dafür einplanen. Und wäret am Ende vermutlich gar nicht erholt – sondern erschöpft. Da trifft es sich prima, dass am Ende der Erholung eine Treppe zum schönsten Beach-Club von Hamburg führt. Im Strand Pauli lässt sich wunderbar im Sand sitzen, bis die Sonne untergeht.

Denn eigentlich ist St. Pauli die Nacht. Und erst wenn die Lichter rund um die Reeperbahn blinken, bekommt man eine Ahnung, was diesen Stadtteil von anderen unterscheidet. Aber das ist einen eigenen Beitrag wert.

Für heute also erst einmal: Schönes Wochenende!
Und erholt Euch gut.

Koppelsberg

Wenn jetzt Sommer wär: Naturerlebnisraum Koppelsberg

Ich hab jetzt genug vom Winter, merkte ich gestern, als ich – trotz strahlendblauem Himmel und (unfassbar) glitzerndem Schnee in Hamburg – lieber zuhause blieb und meine Festplatten aufräumte und dabei auf Fotos vom Koppelsberg stieß. Er liegt auf einem schmalen Landstreifen zwischen dem Kleinen und dem Großen Plöner See und ist ganz typisch für die Holsteinische Schweiz.

 

KoppelsbergTorhaus

 

Wir entdeckten den Koppelsberg vergangenen Sommer auf dem Weg zur Prinzeninsel. Eigentlich treiben hastige Autofahrer einen hier viel zu schnell die Chaussee hinauf. Aber der schnelle Blick auf eine bescheidene weiße Kirche linker Hand und ein Torhaus auf der rechten Seite war verheißungsvoll genug, dass wir umkehrten.

 

Ploener Schloss

 

Von der kleinen erhöhten Kirche, wo es einige Parkplätze gibt, führt ein sandiger Weg in den unberührten Teil des Koppelsbergs. Die Natur wird hier ganz sich selbst überlassen und der Blick von der Aussichtsplattform über den Kleinen Plöner See zum Schloss ist prächtig.

 

Akademie am See

 

Jenseits der Chaussee befinden sich einige Jugend- und Bildungseinrichtungen, etwa die Jugendherberge und die Akademie am See. Und ich weiß auch nicht, warum wir an diesem Hochsommersonntag zur Mittagszeit keine Menschenseele entdeckten. Doch das war natürlich wunderbar. Es war sehr heiß. Und so still, dass ich immerzu dachte, wir dürften hier vielleicht gar nicht sein.

 

Naturerlebnisraum Koppelsberg

 

Andererseits hatte ich an einer Infotafel gelesen: Auf 50 ha bietet der Naturerlebnisraum Koppelsberg ein Gebiet zur Erholung und zum spielerischen und zwanglosen Lernen inmitten der Natur. Die Schönheiten können entdeckt, erlebt und im Detail beobachtet werden. Es wird versucht, jedem Besucher ein positives Verhältnis zur „Schöpfung Natur“ und auch zum Naturschutz näher zu bringen, und ihn anzuregen, stets im Sinne der Natur zu handeln.

 

Herrenhaus Koppelsberg

 

Beim Herrenhaus Koppelsberg entdeckten wir dann doch einige Menschen, die hierher gekommen waren um auf der großen Wiese zu picknicken (sehr gute Idee!). Das Haus wurde 1912 vom Hamburger Makler Wilhelm Moll als Sommersitz errichtet und in den 1950er Jahren der Evangelischen Kirche überlassen. Es thront hoch über dem Plöner See. In Serpentinen zickzackt ein Pfad den bewaldeten, steilen Hang zum Ufer hinunter.

 

Grosser Ploener See

 

Kleine sandige Badestellen, Volleyball-, Fussball- und Basketballfelder, Spielplätze und Lagefeuerstellen, sanitäre Anlagen, all das lag vollkommen verlassen vor uns. Dabei umfasst die Ev. Jugend-, Freizeit- und Bildungsstätte Koppelsberg 7 Gästehauser, mit insgesamt 82 Zimmern und 256 Betten.

 

Himmlische Herberge Koppelsberg

 

Der Koppelsberg gehört zu den fünf himmlischen Herbergen der Vorwerker Diakonie. Gemeinsam haben die Häuser die Top-Wasserlage – in Ratzeburg, Boltenhagen, Kühlungsborn und eben Plön. Ihr Angebot richtet sich an Gruppen genauso wie an Familien und Indvidualreisende.

 

SUP

 

Der Koppelsberg scheint mir das perfekte Etappenziel für Fernwanderer (oder Radfahrer). Selbst wenn das Haus vollkommen ausgebucht wäre und nicht diese Ruhe über der Anlage läge, bliebe ja immer noch der See. Dort könnte man hinauspaddeln, wenn jetzt Sommer wär. Es ist nicht weit zum nächsten Kanu- und SUP-Verleih.

 

Badesee

 

Ich kann es jedenfalls kaum erwarten. Den Sommer und die Seen, die Strände und das Meer, Wander-, Rad- und Kanutouren. Und das Gute ist – auch wenn der Norden akutell unter einer Schneedecke liegt, ist heute meteorologisch gesehen Frühlingsbeginn. Ab jetzt wird es besser. Jeden Tag ein kleines bisschen mehr.

Elbe

Wie ich mich am Strand von Wittenbergen mit dem Februar anfreundete

Nie wieder werde ich den Februar vorverurteilen, dachte ich neulich am Strand von Wittenbergen. Das war 4 blitzeblaue Tage nach meinem Ausflug zum Elbstrand an der Hetlinger Schanze. Über die Kommentare zu diesem Beitrag war mir aufgefallen, dass ich meinen Lieblingselbstrand noch nie hier auf dem Blog gezeigt habe. Dabei ist er ein ganz besonders schönes Stück Hamburg.

 

Linden

 

Auf den schluchtartigen Wegen von Falkenstein hinunter zum Strand bin ich immer wieder hingerissen. Unten angekommen, fällt als erstes eine Gruppe Linden auf. Die Bäume wurden um 1900 gepflanzt und markierten die Sommerterrasse des Fährhauses Wittenbergen. Damals kamen die Hamburger in Scharen mit dem Dampfer. Es gab Badekabinen, Strandkörbe, einen Musikpavillon, Schießbuden und Karussells. Heute gibt es nur noch die Linden. Und die Leuchttürme, die ebenfalls um 1900 in Betrieb genommen wurden. Der erste steht direkt am westlichen Ende des Strandes; das Unterfeuer von Wittenbergen.

 

Leuchtturm Wittenbergen

 

Wittenbergen gehört zu Rissen. Einem Dorf, in dem vielleicht die Gentrifizierung erfunden wurde. Es begann so um 1850, als wohlhabende Kaufleute aus der Stadt in großem Umfang Ländereien aufkauften. In den Goldenen Zwanzigern dann leisteten sich im Rahmen der sogenannten Wochenendbewegung immer mehr Hamburger eine Laube am Elbufer. Und weil irgendwann ohnehin schon alles in Hamburger Hand war, verleibte sich die Stadt am Ende das ganze Dorf ein.

 

Elbuferweg

 

Für Spaziergänger ist es gar nicht so leicht, sich jenseits des Leuchtturms zu entscheiden, ob sie auf dem unteren Weg am Fluss bleiben oder sich zur oberen Etage aufschwingen. Dort befindet sich der zweite Leuchtturm, das Tindsdaler Oberfeuer. Man selbst steht (oder sitzt auf einer feinen Bank) etwa auf der Grenze von Hamburg und Schleswig-Holstein – direkt gegenüber der Elbinsel Neßsand, die schon zu Niedersachsen gehört. Daher spricht man auch vom 3-Länder-Blick.

 

 

Aber zurück an den Strand. Er bitte alles bietet, was einen guten Strand ausmacht. Feinen Sand, einen Anleger, öffentliche Sanitäranlagen, sogar einen hippieesquen Campingplatz und die DLRG. Bloß keine Einsamkeit. Denn ein Geheimplatz ist er gerade nicht. Jedoch auch nicht so überlaufen wie der Strand rund um die Strandperle in Oevelgönne. Von daher wirklich eine gute Alternative, wenn man mal keine Gelegenheit hat, ans Meer zu fahren.

 

Strand von Wittenbergen

 

Am Strand von Wittenbergen habe ich schon oft gebadet, gegrillt, gefeiert, auch geschlafen und einmal ist mir eine Wespe ins Hosenbein gekrabbelt. Vor Schreck wurde ich stocksteif und sprachlos. In Panik reagiere ich immer so. (Zum Beispiel auch als ich vor Jahrzehnten einmal als einzige so saß, dass ich sehen konnte, wie der Weihnachtsbaum zu brennen begann. Aber das ist ein anderes Thema.) Ich wartete also stumm und stocksteif ab, wie die Wespe immer höher krabbelte – ich wusste, auch die Wespe würde früher oder später in Panik bzw. Platzangst geraten und zustechen, nämlich dort wo die Hose enger wurde; etwa am Knie. Und genauso war es dann auch.

 

Strand von Wittenbergen

 

Dieser Stich war ganz anders als mein erster, den ich unverhofft erlebte, als ich auf eine Wespe trat. Da hatte ich gedacht, ich wäre auf eine glühende Zigarette getreten. Das tat auch weh – aber absolut nicht so weh, wie mein zweiter, den ich erwartet hatte und es damit doppelt so schlimm machte. Daran will ich mich erinnern, wenn ich das nächste Mal mit dem Winter und speziell dem Februar hadere.

 

Strand von Wittenbergen

 

Das einzig Negative, was ich am diesjährigen Februar finden kann, sind bisher meine negativen Erwartungen. Die hätte ich mir also auch schenken können. Wenn ein Februar so sein kann wie der Februar 2018 macht es eigentlich keinen Sinn, ihn im Vorwege zu verteufeln.

 

I ♥ Februar 2018 – besonders am Strand von Wittenbergen

 

Selbst wenn ein Februar richtig mies wird, hätte ich nichts gewonnen, schon in der Erwartung darauf zu verzweifeln. Außerdem ist er ja auch immer ziemlich schnell vorbei. Einer Theorie nach bedeutet Hornung (das ist der alte deutsche Name des Februars) möglicherweise „der im Geheimen gezeugte Bastard“. Weil er zu kurz kommmt (an Tagen).

 

Strand von Wittenbergen

 

Ich las das mit dem Bastard einige blass-bis-ultrablaue Tage später an einem Aushang an der Elbe. Es war an einem weiteren Lieblingsplatz, den ich hier noch nie gezeigt habe. Aber davon erzähle ich dann ein anderes Mal.

Altonaer Museum

Montags offen – Dienstag zu: Altonaer Museum

Bevor ich neulich das Altonaer Museum besuchte, saß ich eine Weile auf einer Bank beim monumentalen Stuhlmannbrunnen und beobachtete die Leute. Um 1900 galt die Brunnenanlage als progammfüllendes Sonntagsziel. Die Ausflügler kamen in Scharen, um sich am Kampf der Zentauren, den Wasserspielen von Nixe, Triton, Echsen und anderer Fabelwesen zu begeistern.

 

Stuhlmannbrunnen

 

Heute ist der Springbrunnen auf dem Platz der Republik gerade mal gut für ein schnelles Smartphone-Foto. Aber immerhin. Die Fluktuation war draußen größer als drinnen im Museum. Dabei war Sonntag und das Wetter stand auf der Kippe. Beste Bedingungen eigentlich für Museen. Aber die Strahlkraft des Altonaer Museums ist vielleicht nicht groß genug. Allerdings genau meine Kragenweite.

 

Altonaer Museum

 

Das Altonaer Museum gehört zu den Historischen Museen Hamburgs. Es befasst sich mit „der Kunst- und Kulturgeschichte des norddeutschen Raumes und präsentiert die kulturhistorische Entwicklung der Elbregion um Altona, von Schleswig Holstein und der Küstengebiete von Nord- und Ostsee.

 

 

Die ganz großen Namen, wegen der sich die Massen etwa durch die Kunsthalle schieben, sucht man im Altonaer Museum vergebens. Dafür warten wechselnde Ausstellungen weniger bekannter Künstler und jede Menge Bezüge für Lokalpatrioten aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark. Ich lasse mich alle Jubeljahre ganz gern durch die Säle treiben und stoße dabei immer wieder auf erstaunliche Wissenslücken.  Man ändert ja im Laufe des Lebens seinen Fokus, interessiert sich mal für dieses oder jenes.

 

Semper

Ein Konzerthaus von Weltrang hätten wir früher haben können: Gottfried Semper ist ein echter Hamburger Jung.

 

Dieses Mal fand ich besonders die Facetten der Stadtentwicklung spannend. Aktuell steht Altona einmal mehr vor gewaltigen Veränderungen – der Bahnhof kommt weg, Wohnungen für 10.000 Menschen entstehen, Eimsbüttel rückt näher – und zum ersten Mal seit langer, langer Zeit ändert Altona sein Gesicht nicht aus ultraüblen Gründen – sondern „nur“ aus übler Wohnungsnot. (Ich wünschte, Hasskomentatoren und Protestwähler würden sich den Unterschied einmal klarmachen.)

 

Fischkistendorf

Weltwirtschaftskrise und Wohnungsnot: Fischkistendorf Lurup

 

Den Nazis war Altona als Widerstandsnest stets ein Dorn im Auge. Daher schmiedeten sie Pläne, um die Stadtstruktur vollkommen zu zerschlagen. Eine Skyline wie New York sollte Hamburg hier erhalten, u.a. ein 260 m hohes „Gau Hochhaus“, monströse Plätze zum Aufmarschieren wie Nürnberg und eine Brücke wie San Francisco. Es lief dann ja mehr so wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau. Daher auch all die Leerstellen und hastig hochgezogenen Scheußlichkeiten im Hamburger Stadtbild statt Metropolen-Feeling.

 

Altona

 

Neben ernsten Themen kann das Altonaer Museum nicht verhehlen, dass es in Ottensen liegt, also im Mekka der sogenannten Latte-Macciato-Mütter und -Väter, deren Kinder sich bei meinem Besuch übrigens megagut erzogen zeigten. Es wird auch eine ganze Menge geboten.

 

Der Kinder Olymp liegt im Altonaer Museum

 

Sonntagsmärchen, Sonntagskinder-Kurse, Kinderführungen, Kinderbuchhaus, Wolkentheater in der Optischen Wunderkammer, Kindergeburtstage in den Bauernstuben und die Ausstellungen im Kinder Olymp stehen für hervorragende Kinder- und Jugendarbeit. Die beste in Hamburg würde ich meinen. Noch dazu kostenfrei für alle unter 18 Jahren.

 

 

Ich hätte eigentlich ganz gern mitgemacht bei der ein oder anderen Sache. Dabei habe ich im Dufke-Laden entdeckt, dass ich mittlerweile selbst museal bin. Ich war ja auch schon im Kinder-Olymp-Alter als Magdalena Dufke ihren Landhandel in Altenwerder aufgab und er 1:1 im Altonaer Museum wieder aufgebaut wurde (inkl. Aschenbecher mit zerdrückten Kippen neben der Registrierkasse).

 

 

Es ist eigentlich witzig, dass es immer heißt, die Leute würden heutzutage nicht mehr so gut kochen können. Ich kann mich erinnern, dass in den frühen 80ern Instantsaucen und Dosenwaren sehr viel mehr Platz in den Supermarktregalen einnahmen als heute. Mit Majala-Traumcreme und Ananas aus der Dose braucht man jedenfalls den Ottensener Müttern und Vätern nicht kommen. Lieber verspeisen sie kleine Kunstwerke im instragram-tauglich aufgehübschten Museums-Café Schmidtchen.

 

 

Bei gutem Wetter wäre es meiner Meinung noch stimmungsvoller, den Kaffee am Altonaer Balkon einzunehmen. Der kleine Grünzug mit Ausblick liegt nur einige Schritte vom Altonaer Museum entfernt und begegnet dem Besucher beim Rundgang in verschiedenen Variationen. Nur stand das Wetter – wie eingangs erwähnt- bei meinem Besuch neulich auf der Kippe und als ich fertig war, war es längst hintenübergekippt. Aber das ist eben auch typisch Hamburg. Besonders an Sonntagen.

 

Altonaer Balkon

 

Für diese verhuschten Sonntage, solche mit denen man sonst gar nichts Richtiges anfangen würde, ist das Altonaer Museum wie gemacht. Und für Montage – an denen ja weltweit eigentlich alle Museen geschlossen haben – nicht aber die Historischen Museen in Hamburg. Alles Weitere findet sich hier: Altonaer Museum.

Hetlingen

Die Hetlinger Schanze – ein Winterspaziergang an der Elbe

Jetzt ist er also doch noch nach Hamburg gekommen, der Winter und weil gestern dazu noch die Sonne schien – beinahe so strahlend wie heute und wie es für morgen angesagt ist und für übermorgen – bin ich zur Hetlinger Schanze gefahren. So heißt der 7 km lange Elbstrand zwischen Wedel und Haseldorf gegenüber von Lühesand.

 

Hetlinger Schanze

 

Auf dem Schanzensand befand sich einst ein Bollwerk, das selbst die kriegerischen Schweden trotz mehrmaliger Versuche nicht einnehmen konnten. Heute ist da nur noch ein Bauernhof und ansonsten eigentlich nichts. Außer dem Deich. Und dem Strand.

 

Baum

 

Ich bin keine große Winterfreundin. Was unter anderem daran liegt, dass ich bei Minusgraden recht lange unheimlich schnell gehen muss, bevor ich nicht mehr wie ein Schneider friere. Das passt einfach nicht zu meinem persönlichen Beat. Ich gehe anfangs lieber langsam – um runterzukommen – und mag erst mit zunehmender Zufriedenheit schneller werden. Dazu war es aber gestern zu kalt (für mein Empfinden).

 

Schilf

 

Es half, dass mich verschlungene Trampelpfade durch übermannshohes Schilf führten und alles so urwüchsig und durcheinander schien, als würde ich einen Mangrovenwald erforschen. Die Hetlinger Schanze gehört zum Naturschutzgebiet „Haseldorfer Binnenelbe mit Elbvorland“ und wird in Teilen noch von der Tide beeinflusst.

 

Pril

 

Erst als ich ein Flugzeug hoch am Himmel brummen hörte, schnallte ich, dass es das erste unnatürliche Geräusch seit einer ganzen Weile war. Will sagen: ich war im Flow. Und fror nicht mehr die Bohne.

 

Elbstrand

 

Da war ich schon fast am zweiten der beiden höchsten Strommasten Europas angekommen. Und das ist eben so eine seltsame Sache an der Unterelbe, dass man zur gleichen Zeit mit wunderbarer Natur und dem krassen Gegensatz konfrontiert ist. Direkt am gegenüberliegenden Ufer liegt z.B. das Kernkraftwerk Stade, dessen 1 Milliarde teurer Rückbau eigentlich schon seit 3 Jahren abgeschlossen sein sollte.

 

Elbekreuzung1

 

Die Elbstrände zwischen Wedel und Brunsbüttel habe ich zum ersten Mal gesehen, als wir vor fast 4 Jahren nach Helgoland schipperten. Es erscheint mir inzwischen unglaublich, aber bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es sie überhaupt gibt. Und dass sie so wunderschön sind.

 

Hetlinger Schanze

 

Ganz besonders hatte ich mich damals in den Leuchtturm Julssand verliebt. Er befindet sich in Privatbesitz und man kommt nicht an ihn ran (es sei denn im Rahmen einer sehr seltenen Führung), da er jenseits eines Vogelschutzgebietes liegt. Aber die Unerreichbarkeit passt ja zu Leuchttürmen.

 

Julssand

 

Noch eine Sache, die super an der Hetlinger Schanze ist: Man kann so lange am Wasser laufen wie man mag (im Grunde bis nach Brunsbüttel) und wenn man nicht mehr mag, wechselt man die Deichseite und hat auf dem Rückweg wieder ganz neue Eindrücke vor sich.

 

Deich

 

Man läuft auch binnendeichs durch die reine Natur, sieht Häuser höchstens mal aus der Ferne. Unbedingt lohnt es sich, den 11 Meter hohen Schanzenturm – ein Vogelbeobachtungsturm des NABU – zu erklimmen. Es ist auf andere Art wunderbar als am Strand. Genau wie die Gegend im Winter auf andere Art wunderbar ist als im Sommer.

 

 

Wem ein Spaziergang nicht programmfüllend scheint, kann sich Hetlingen ja mal fürs Frühjahr vormerken – dann blühen hier die Schachbrettblumen auf einem Feld am Ortsrand. Der Rundweg ist dann ausgeschildert – er liegt praktischerweise direkt an der Zufahrt zur Schanze. Mehr darüber – und Tipps für das benachbarte Haseldorf und Wedel findet Ihr hier.