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Wandern auf dem Grünen Ring

Hamburgs Grüner Ring, Etappe 8

Hamburgs Grüner Ring ist ein 100 km langer Wanderweg. Er zieht sich einmal außen um die Stadt herum und ist in 8 Etappen eingeteilt. Sie sind alle – mal mehr, mal weniger bequem – mit Öffis zu erreichen. So ergibt sich ein Fernwanderweg, den man Stück für Stück laufen kann; immer wenn´s grad passt. Bzw. wenn man sich aufraffen kann. Das fällt mir hin und wieder schwer – obwohl ich´s grün mag und wandernd sowieso. Aber der Mensch ist ja manchmal seltsam. 

Auf die 8. Etappe muss ich mich jedenfalls regelrecht zwingen. Dabei ist das Wetter prima. Und der Tag noch jung. Trotzdem. Ich habe keine Lust, 27 Minuten mit der S-Bahn nach Heimfeld zu fahren. Überhaupt Heimfeld. Dahin habe ich mich noch nie gesehnt.

 

Grüner Ring, Etappe 8, Start: Heimfeld

 

Heimfeld war für mich immer nur eine Autobahnausfahrt. Umso verblüffter bin ich, als ich aus dem Untergrund spaziere. Es sieht hier wie in einer netten Kleinstadt aus. Ich hatte etwas Zersiedelstes erwartet. Stattdessen spaziere ich auf einer Allee mit großzügigen Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende zum Meyers Park. Dort treffe ich – bei der Straße „Am Waldschlösschen“ – auf den Grünen Ring. Er ist mit einer grünen 11 auf weißem Grund ausgeschildert. Und zwar wirklich hervorragend.

 

 

Der hügelige Meyers Park wirkt wie ein verlassener Buchenwald. Selbst die tollen Spielplätze sind verwaist. Es ist herrlich kühl und schattig unter den mächtigen Bäumen. Zu schnell erreiche ich die vielbefahrene Stader Straße und das schockierende Moorburger Panorama. Es schockiert mich etwa einen 1 km lang. Dann schlägt sich der Weg am Ende des Moorburger Bogens linker Hand wieder in die Natur.

 

Grüner Ring, Etappe 8: 10.000 Schritte Verkehrslärm

 

Moorburg ist einer der ältesten Stadtteile Hamburgs. Seit Anfang der 80er liegt er im Hafenerweiterungsgebiet. Da kommt man schon mal ins Grübeln, während man durch eine wirklich schöne Landschaft spaziert. Visuell ist dieser Abschnitt herrlich. Auditiv jedoch gräßlich. Denn Moorburg wird nicht nur vom Kraftwerk dominiert, sondern auch noch von der A7 durchschnitten. Ich sehe die Autos zwar nicht. Doch ich kann sie hören. Es ist laut!

 

 

Es wird ein bisschen besser, nachdem ich die A7 unterschritten habe. Da zeigt mein Schrittzähler schon 10.000 Schritte an. Wirklich still wird es erst jenseits der Waltershofer Straße. Jetzt höre ich nur noch Vögel, den Sand, der unter meinen Schuhen knirscht und den Wind in den Bäumen. Die ersten Häuschen und Plantagen kündigen Francop an. Auch so ein Stadtteil, von dem ich nicht sicher war, ob er wirklich existiert.

 

Grüner Ring, Etappe 8, Einkehrmöglichkeiten: Fehlanzeige

 

Francop gehört zum Alten Land. Das Dorf gefällt mir sogar besser als die Gegend um Jork. Es ist alles viel weniger aufgehübscht. Der Schlickgürtel aus Baggergut des Hamburger Hafens wirkt aus der Ferne wie eine eiszeitliche Endmoräne. Der Deich verläuft nicht schnurgerade, sondern mäandert durch Obstplantagen und -wiesen, wo die Bäume noch schön knorrig wachsen dürfen. Die Bäume am Deich sind so gepflanzt, dass man sich weder bücken noch strecken müsste, um die Früchte zu pflücken.

 

 

Aufgrund der wochenlangen Dürre ist das Gras auf dem Deich verbrannt. Auch heute knallt die Sonne wieder heftig vom Himmel. Die Luft flirrt. Die Grillen zirpen. Und hätte ich gewusst, dass der Francoper Hofladen Mittwochs geschlossen hat, hätte ich mehr Wasser mit auf den Weg genommen. Seit ich vor gut 10 km aus der S-Bahn stieg, bin ich noch an keinem Geschäft oder Lokal vorbeigekommen.

 

Grüner Ring, Etappe 8, das Ziel liegt in Finkenwerder

 

Es folgt eine Durststrecke in jeder Hinsicht – „an der Alten Süderelbe“ entlang. Was ich auf meiner Karte für die echte Alte Süderelbe gehalten habe, erweist sich als Umgehungsstraße gleichen Namens. So bin ich nicht gerade traurig, als ich das Etappenziel Finkenwerder erreiche.

 

Finkenwerder

 

Der Grüne Ring endet mit einem kleinen Sahnestückchen. Dicht an der Elbe geht es über den Gorch-Fock-Park zum Rüschpark; definitiv ein empfehlenswerter Spaziergang. Er lohnt sich auch für diejenigen, die sich nicht in den Kopf gesetzt haben, einmal um Hamburg herum zu laufen.

Ob der Rest der 8. Etappe gefällt?
Dafür würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen!

 

Grüner Ring, Etappe 8

 

Länge: gute 15 km

Anreise:  Bus 141, 146, 241 oder S-Bahn Heimfeld (dann + 1,5 km)

Abreise:  Fähren 62 und 64

Mehr Infos & Karten Grüner Ring

Weiterlesen hier auf dem Blog: Etappe 1 & 2

SPO

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen

In 11 Tagen beginnt der Sommer. Ist das nicht verrückt? Noch verrückter: kein Norddeutscher muss sich in diesem Jahr Gedanken darüber machen, wie er wird, denn er ist ja schon. Gefühlt jedenfalls. Seit Wochen sind die Temperaturen hoch. Der Himmel ist fast immer blau. Müßiggänger lächeln. Gärtner verzweifeln. Schüler hoffen auf Hitzefrei. Und längst habe ich die ersten Punkte der 10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen, abhaken können. Früher als jemals zuvor.

 

Pfahlbauten

 

Eine Freundin von mir stellte mal die Theorie auf, die erste Nektarine des Jahres sei die Allerwichtigste. Erwischt man eine leckere Frucht, wird man im Laufe des Sommers immer wieder zugreifen. Ist die erste Nektarine hart und sauer (oder noch schlimmer: mehlig), wird man zögerlich. Es könnte sogar sein, dass man die Saison vorübergehen läßt, ohne eine weitere Nektarine zu essen. Und diese Theorie kann man nicht nur auf Melonen übertragen. Sondern auch auf´s Anbaden. Der erste Kontakt mit dem Meer ist der allerwichtigste Tag des norddeutschen Sommers.

 

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen: 1. Anbaden

 

Der beste Strand zum Anbaden ist der von St. Peter-Ording Böhl. Ich habe das in den vergangenen vier Sommern ausgiebig studiert und in diesem (der ja eigentlich erst ein Frühling ist) nocheinmal überprüft. Anbaden ist in Böhl durchaus wörtlich gemeint. Das Wasser steht selten höher als in einer Badewanne. Dafür ist es auch fast genauso warm. Da taucht man ganz ohne Zaudern in die Nordsee ein und unter, plantscht lange herum und läßt sich dann irgendwann beim Rückweg zum Strandkorb vom Wind trocken pusten. Ein Handtuch braucht es an warmen Tagen nicht. An warmen Tagen braucht man überhaupt nichts – außer Zeit. Das hat der Strand mit dem Sommer gemeinsam.

 

SPO

 

Ein Tag am Böhler Strand läuft bei uns im Grunde immer gleich ab. Denn es gibt gar nicht so viele Dinge, die man dort machen kann. Die Stunden plätschern dahin wie ein französischer Kinofilm mit Überlänge. Einer, der in provencalischer Hitze spielt und in dem fast gar nichts passiert.  Aber in dem „fast“ liegt das Geheimnis eines ganzen Sommers. Und wer in diesem Jahr noch nicht gebadet hat, dem sei „Das Wunderbare an St. Peter-Ording Böhl“ wärmstens ans Herz gelegt.

 

Der Zauber der Ereignislosigkeit

 

Ereignislose Sommertage sind die besten von allen. Das habe ich in den letzten Wochen sehr deutlich gespürt. Manchmal wusste ich schon gar nicht mehr, was ich mit all dem schönen Wetter überhaupt anfangen sollte. Und so habe ich einfach aufgehört, überhaupt etwas anfangen zu wollen. Gerade das war herrlich. Es erinnerte mich an unendliche Semesterferien.

 

Austernfischer

 

Je mehr man macht, so kommt es mir mittlerweile vor, desto weniger erlebt man. Denn eigentlich sind es die kleinen Dinge, die vermeintlich unspektakulären Kleinigkeiten, die wirklich intensive und bleibende Eindrücke hinterlassen. Lasse ich Revue passieren, was wir so alles erlebt haben, seit wir in-der-Naehe-bleiben, dann sind dies die besten

 

10 Dinge, die den norddeutschen Sommer ausmachen

 

  1. In der Nordsee baden (am besten eben in SPO Böhl)
  2. In der Ostsee schwimmen
  3. In einen See springen (am besten vom Steg)
  4. Einen Tag AUF dem Wasser verbringen
  5. Eine Nacht im Freien verbringen (erledigt)
  6. Eines Nachts früh genau aufstehen, um die Sonne aufgehen zu sehen (irgendwo, wo der Blick bis zum Horizont reicht)
  7. Eine mehrtägige Wanderung unternehmen (erledigt)
  8. Eine mehrtätige Radotur unternehmen
  9. In einen Sommerregen geraten
  10. Eine unbekannte Insel erobern

 

Obwohl wir uns echt oft und viel draußen im Norden rumtreiben, habe ich es noch nie geschafft, alle 10 Dinge in einem einzigen Sommer zu erleben. Doch dieses Jahr bin ich zuversichtlich. Nicht nur, dass ich schon 3 von 10 Dingen „geschafft“ habe. Der Sommer ist ja auch sehr, sehr lang – 3 Monate nämlich, bis zum 23. September.

 

Watt

 

Eigentlich gehört noch ein 11. Punkt auf die Liste. Nämlich Abbaden. Nur um die Sache rund zu machen. Auch dafür würde ich Böhl empfehlen. Aber dort ist das keine Sommersache. Abgebadet wird in Böhl erst im Herbst. Und der fühlt sich da dann noch immer nach Sommer an.

Sleeperoo

Abends auf der Apfelplantage: ein Sleeperoo im Alten Land

Zu den weniger stressigen Berufen gehört der des Testschläfers, das habe ich neulich Nacht in einem Sleeperoo im Alten Land festgestellt. Es war am Pfingstwochenende. Auf den Autobahnen stauten sich Ausflügler in langen Schlangen. So hörten wir es im Radio, als wir – immer schön sudje – über die verwaiste Köhlbrandbrücke nach Jork trudelten. Im Hofladen des Obsthofes Lefers angekommen, erhielten wir zwei, drei Instruktionen, den Schlüssel für unser Testobjekt und die vage Wegbeschreibung: immer geradeaus, Zweite links.

 

 

Man glaubt ja nicht, wie weitläufig so eine Apfelplantage ist. Die schnurgeraden Reihen der schnurgeraden Obststräucher schienen sich bis in die Unendlichkeit zu erstrecken. Wir trafen keine Menschenseele. Und hörten bald nur noch Vögel, Frösche (viele Frösche) und Bienen. Unter dem ebenso end- wie wolkenlosen Himmel kam es mir vor, als wären wir irgendwo in Iowa. Bis in der Ferne ein weißer Cube durchs Grün funkelte wie das Ding aus einer anderen Welt.

 

Sleeperoos sind die Styler unter den Glamping-Unterkünften

 

Auf den ersten Blick wirkt ein Sleeperoo wie ein Designer-Raumschiff aus den späten Sixties; vielleicht eine 2-Mann-Kapsel der Enterprise. Auf den zweiten ist ein Sleeperoo die vermutlich behaglichste Outdoor-Unterkunft der Welt. Beides ist so richtig nach meinem Geschmack. Mir gefällt nämlich die Vorstellung draußen zu schlafen meistens besser, als es tatsächlich zu tun. Ich bedaure das ehrlich. Aber ich stelle mich nun mal wegen aller möglichen Sachen an und habe nicht besonders viel mit Schlafsäcken, Iso-Matten und Krabbeltieren am Hut.

 

 

Das Sleeperoo wurde u.a. für Leute wie mich erfunden. Es besteht im Wesentlichen aus einem echt bequemen Doppelbett mit guten Matratzen, Decken und Kissen aus nachhaltigen Materialien. Sehr geschickt wurde (z.T. abschließbarer) Stauraum für die 7 Sachen geschaffen. Zwei eingebaute LED-Leuchten machen Leseratten glücklich; eine mobile LED-Laterne steht für Nachwanderungen zur Verfügung. Für gutes Klima sorgt ein Netz aus Gaze an der Vorderfront. Man könnte die Panoramafenster mit Stoffbahnen verschließen. Aber wer will das schon?! Es geht ja um das überwältigende Gefühl, mitten in der Natur zu liegen.

 

Übernachtungswunder Sleeperoo: Die Nacht, der Ort und Du

 

Der eigentliche Clou am Sleeperoo ist immer auch der Ort. Man findet die Wohlfühl-Cubes nur an diesen ganz besonderen Plätzen, an denen man normalerweise nicht übernachten kann, die man aber immer schon mal ganz für sich allein haben wollte. Sleeperoos stehen auf Seebrücken im Osten und Burghöfen im Süden, man findet sie in Parks im Westen und Schwimmbädern im Norden oder hoch oben auch auf dem Energiebunker in Wilhelmsburg mit Blick auf den Hamburger Hafen.

 

So kann ein stinknormaler Tag auch ausklingen: Feier-Abend im Alten Land

 

Wer die Nacht auf der Apfelplantage des Obsthofes Lefers verbringt, hat eine Menge Möglichkeiten die Stunden zuvor zu zelebrieren. Mag man sich gar nicht vom Sleeperoo trennen, kann man sich zum Beispiel ein hervorragendes Picknick im großartigen Hofladen der Familie Lefers zusammenstellen. Natürlich kann man auch recht nett in Jork essen gehen. Oder man stiefelt an die Elbe – die finde ich persönlich das Beste am Alten Land.

 

 

Das Café Möwennest fanden wir als Frühstückstipp im Gästebuch des Sleeperoos, aber auch abends ist die Stimmung im Altländer Yachthafen einfach nur zauberhaft. Uns war ein wenig, als würde wir in unsere Kindheit hineinspazieren (obwohl wir aus ganz anderen Ecken stammen). Genauso unergründlich wie die urwaldartige Wildnis am Elbufer scheint nur noch die gegenüberliegende Insel Hanskalbsand und die Tatsache, dass das Möwennest um 18.00 Uhr schließt (Altländer gelten nicht umsonst als etwas eigen).

 

 

Andererseits ermuntert die frühe Sperrstunde des Möwennests zum Deichspaziergang. Etwa 4  km elbabwärts ist immer was los – die vielen bunten Buden am unprätentiösen Lühe-Schulau-Anleger erinnern mich immer an  „List auf Sylt ganz früher“. Dort kann man herrlich am großen Fluss sitzen; mit Fischbrötchen & Flens oder Burger & Brause oder C-Wurst & Cider und Schiffe gucken.

 

 

Wäre ich nicht als professionelle Testschläferin auf die Apfelplantage im Alten Land gekommen, dann am liebsten nach einem stressigen Bürotag. Denn es ist ja so unglaublich toll, wie anders sich ein ganz normaler Feierabend anfühlen kann. Das Beste habe ich allerdings verpasst, sagt V. Als nämlich die Sterne über dem Sleeperoo aufgingen, habe ich schon längst seelig geschlafen. Man nimmt seinen Job eben ernst.

 

 

Offenlegung: Die Vergütung für´s Testschlafen bestand in Logis. Kost gehört normalerweise auch zu diesem wirklich besonderen Nachtvergnügen – in Form einer Chillbox mit Snacks und Getränken. Da wir der Einladung ganz spontan gefolgt sind, war keine Box vor Ort – aber Ihr könnt sie Euch auf der Sleeperoo-Seite ansehen; genau wie alle aktuellen Spots. Unsere Meinung: Tolle Sache, absolut empfehlenswert, klasse auch als Geschenk.

Baum

Dat Ole Hus: der Waffelhimmel im Grünen Herzen Schleswig-Holsteins

Wenn Schleswig-Holsteiner bitten, man möge ihnen um Gottes Willen keine weiteren frischen Waffeln mit Kirschen und Sahne servieren, dann befindet man sich wahrscheinlich im Kaffeegarten von Dat Ole Hus. Die Tischwäsche aus den späten 1970er Jahren stellt hier noch das Modernste dar. Alles andere in und um die reetgedeckten Fackwerkkaten des kleinen Heimatmuseums von Aukrug stammt aus dem 18. Jahrhundert. So auch die historischen Holzöfen und Waffeleisen, mit denen das einzige kulinarische Angebot von Dat Ole Hus über Jahrzehnte perfektioniert wurde.

 

 

Wer an einem Sonnabend, Sonntag oder Feiertag im Schatten knorriger Bäume Platz nimmt, hat seine Bestellung schon aufgegeben. Der Garten von Dat Ole Hus ist kein normales Café. Nur auf ein Tässchen kann man hier nicht einkehren. Hier kommt der Filterkaffee in der Thermoskanne und das Sprudelwasser in Bierkrügen, die nicht zwingend zusammenpassen. Ganz wunderbar hingegen harmoniert rote Grütze aus Kirschen mit süßer Sahne und frischen Waffeln. Sie ruhen auf Kuchen, der selbst lecker schmeckt, aber eigentlich nur dazu dient, die Waffeln schön knusprig zu halten.

 

Waffeln Kirschen

 

Ab einem bestimmten Zeitpunkt, muss man beim „Waffelessen satt“  in Dat Ole Hus ziemlich auf der Hut sein. Artikuliert man sich nicht schnell oder vehement genug, gibts Nachschlag. 3 Mal, 5 Mal, 10 Mal. Ganz egal. Denn wird in Norddeutschland irgendetwas „satt“ angeboten, meint das im Grunde nicht satt, sondern pappsatt – oder besser noch: darüber hinaus.

Dahinter steht die sogenannte „Nötigung“ – eine uralte Tradition, die so manchem gar nicht mehr ausdrücklich als Tradition bekannt sein mag. Aber fast jeder kennt das daraus resultierende „nun nimm doch noch was“ von seiner Oma oder Mutter. Und das ist noch so ein Grund, warum man sich beim Besuch in Dat Ole Hus in die eigene Kindheit zurückversetzt fühlt.

 

Vom Aukruger Weg zu Dat Ole Hus

 

Dat Ole Hus liegt idyllisch im Ortsteil Bünzen der Gemeinde Aukrug, mitten im gleichnamigen Naturpark. Er gilt als das Grüne Herz von Schleswig-Holstein und liegt westlich der A7 auf der Höhe von Neumünster. Eine Besonderheit ist, dass Naturschutz hier ohne staatliche Regelungen betrieben wird. Der sogenannte Aukruger Weg setzt ganz auf Freiwilligkeit. Und eine Gegend in der das klappt, kann ja nur eine gute Gegend sein. Wer sie kennenlernen will:  17 Wanderwege laden rund um Aukrug ein, durch Wälder und Wiesen, über Heideflächen und Hügelketten zu streifen. Schön ist es etwa rund um den Boxberg, der höchsten Erhebung im Naturpark Aukrug.

 

 

 

Von der Ausfahrt Neumünster-Mitte erreicht man Dat Ole Hus nach etwa 9 km und ebenso vielen Minuten. Der Besuch eignet sich auch ganz prima als Zwischenstopp vom oder in den Norden. Vielleicht weil mal wieder Stau angesagt ist auf der A7 oder weil man ohnehin lieber reist als rast. Zur Zeit ist der Abstecher besonders empfehlenswert. Ganz, ganz frischer Spargel in den Aukruger Hofläden, neue Kartoffeln und Holsteiner Schinken sind mindestens ebenso zum Niederknien wie frischen Waffeln in Dat Ole Hus.

 

Dat Ole Hus – Waffelessen

 

Ganzjährig am Wochenende und Feiertagen

von 14.00 – 18.00 Uhr

Im Sommer im Kaffeegarten, im Winter in der guten Stube

Erwachsene 10 Euro (inkl. Getränke)

Jugendliche 6 Euro

ältere Kinder 4 Euro, jüngere 2 Euro

Mehr Infos: Dat Ole Hus

 

Eskapaden Ostsee

52 kleine und große Eskapaden in Schleswig-Holstein an der Ostsee

Ein Buch über 52 kleine & große Eskapaden in Schleswig-Holstein an der Ostsee zu produzieren, hat ziemlich viel mit einem Urlaub ebendort gemeinsam. Es ist 1. eines der besten Geschenke im Leben und 2. egal, was man vorhat: das Wetter spielt nicht mich. Aber gerade das ist ja das Tolle. Für Outdoor Erlebnisse in Norddeutschland braucht es Spontaneität sowie die Bereitschaft und Fähigkeit, die Kontrolle einmal abzugeben; sich auf die Gegebenheiten einzulassen. Man muss sich ein Stückchen aus der eigenen Komfortzone herausbewegen, ein kleines bisschen mutig sein. Wie auch das Konzept der Eskapdenreihe aus dem DuMont Verlag ein kleines Wagnis ist, weil es sich von der vorherrschenden Schönwetterfärberei absetzt.

 

Heiligenhafen

Die Ostsee in Schleswig-Holstein kann wie ein Südseetraum wirken. Betonung auf „kann“.

 

Mich würde mal interessieren, was zuerst da war. Jede Menge Reiseführer mit jeder Menge Schönwetterfotos? Oder all die Leute, die gar nichts anderes sehen mögen? Ich kann beides durchaus verstehen. Die Welt wirkt so viel netter, wenn der Himmel blitzeblau ist. Und seit wir auf allen Social Media Kanälen mit perfekten Postkartenansichten zugeballert werden, haben sich die Sehgewohnheiten wohl auch noch einmal deutlich verändert. Alles muss immer perfekt sein. Doch irgendwie ist Perfektion auf die Dauer ja auch ein bisschen langweilig. Und vor allem: eine Chimäre.

 

52 kleine und große Eskapaden an der Ostsee in Schleswig-Holstein- zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter – Hauptsache: ab nach draußen

 

Sicher, man kann sein Leben so einrichten, dass man die Ostsee nur bei strahlendem Sonnenschein zu Gesicht bekommt. Doch dann müsste man ziemlich oft, „bei ausses Licht und zuem Fenster abbe Knöpfe annähen“, wie man ganz oben in Deutschland sagt. Und darüber würde man so viele wunderbare Momente verpassen. Man denke nur an den Duft von Weiden und Wiesen nach einem sommerlichen Wolkenbruch. An das Hochgefühl beim Eintauchen in die eigentlich unzumutbar eisige Ostsee. Oder sinfonische Klänge, wenn der Sturmwind sein Lied singt und Meer und Wälder um die Wette rauschen.

 

Wackerballig

Und überhaupt: wer hätte je händeringend nach Tipps für die Ostsee bei Kaiserwetter gesucht?

 

52 kleine und große Eskapaden an der Ostsee in Schleswig-Holstein, das sind:

20 Abstecher für ein paar Stündchen, die sich nebenbei typischen Ostseefragen widmen wie: Wo finde ich zur Hochsaison Stille? Was mache ich, wenn das Wetter nicht mitspielt? Und wie zum Henker könnte es bloß gelingen, sich in dieses wundervolle aber eigentlich doch zu kühle Meer zu wagen?

20 Ausflüge für einen Tag, Inselabenteuer und Steilküstenwanderungen, Hinterhoftouren und Schloßparkvergnügen – in Flip-Flops oder Gummistiefeln, mit Sonnenbrille oder Pudelmütze – denn wie jeder Ostseefan weiß: es gibt kein schlechtes Wetter.

12 Miniurlaube zwischen Travemünde und Flensburg, von Wellness für die Seele, über grüne Grenzerfahrungen mit dem Rad bis zu Outdoortrips für Anfänger, die zeigen, dass sich 2 – 3 Tage am Meer wie ganz große Ferien anfühlen können.

Jede Eskapade ist mit einer Orientierungskarte versehen und wird ergänzt durch Tipps für Equipment, bestem Zeitpunkt, Dauer, An- und Abreise. Die Tourenverläufe selbst stehen immer auch als Download zur Verfügung.

 

Suhrendorf

Ein freies Bett zur Hochsaison? Spontan? Und dann auch noch bezahlbar? Winken Hoteliers müde ab, winkt man freundlich zurück und verabschiedet sich auf eine Strandwanderung – die eigene Unterkunft im Gepäck.

 

Während die 7 Metropolen-Bände der Eskapadenreihe durch ungeahnte Naturschätzchen in der City of Hamburg (Berlin, Köln, München, Stuttgart, Leipzig, Dresden) überraschen, bleibt darüber bei den 7 regional ausgerichteten Bänden vermutlich niemandem der Mund vor Verblüffung offen stehen.

 

Überall ist Wunderland: 14 X 52 Mikroabenteuer ums Eck

 

Dass die Eifel, der Harz, der Niederrhein, die Ostseeküste von Schleswig-Holstein, die Insel Rügen, der Schwarzwald, und die Westküste zwischen St. Peter-Ording und Sylt superschöne Gegenden sind, ist kein großes Geheimnis. Deswegen eignen sich diese Bände auch herrlich zum Träumen – bis zum nächsten Urlaub.

 

52 kleine Abenteuer

 

52 kleine und große Eskapaden in Schleswig-Holstein an der Ostsee

232 Seiten, viele, viele bunte Fotos
DUMONT REISEVERLAG
Auflage: 1 (11. Mai 2018)
ISBN: 9783770180868
Preis: 14,99

Erhältlich in der Buchhandlung des Vertrauens, bei den üblichen Verdächtiggen oder direkt beim DuMont Reiseverlag. Und – na klar – verlosen wir auch ein Exemplar. Wer´s gewinnen will, erwähnt das einfach im Kommentar bis zum 4. Juni 2018 – am 5. entscheidet der Zufall.

52 Eskapaden in und um Hamburg

52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg: uns gibts jetzt auch gedruckt

Ich weiß noch ganz genau, wann der DUMONT Verlag anfragte, ob wir ein Buch mit dem geheimnisvollen Titel 52 kleine & große Eskapaden in und um Hamburg machen wollten. Der Anruf erreichte uns vor Urzeiten (so kommt es mir vor) an einem grieselgrauen Tag auf Sylt. Draußen stürmte es und regnete Bindfäden. Was sich daraufhin in mir abspielte, war ziemlich nah dran am Gefühl einer Blitzverliebtheit, denn die Idee schien auf uns zu passen wie der berüchtigte Deckel auf den Topf. Und überhaupt hatte ich mir schon immer und immer gewünscht, so ein Buch zu schreiben.

 

52 kleine und große Eskapaden in und um Hamburg: Ab nach draußen

 

Wie das beim Verlieben so ist, folgte eine kurze Werbephase; Probetexte und Probefotos mussten eingereicht werden und vor allem eine Liste vorgelegt, wie wir das Konzept hinter den Eskapaden mit Leben füllen wollten. Zufällig entsprach das Briefing exakt meiner Vorstellung des besten Puzzles der Welt:

  • 52 Outdoor Erlebnisse,
  • für jedes Wetter, jede Jahreszeit, die möglichst
  • umsonst und möglichst
  • mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu
  • unbekannteren Naturschönheiten führen oder
  • bekanntere Orte in neuem Licht erlebbar machen, das
  • hübsch fächerförmig von Hamburg City ins Grüne ausstrahlt

Ein klassischer Reiseführer ist das Buch also nicht. Es ist mehr eine Aufforderung, die Freiluftvergnügen der Großstadt zu erfahren. Die Naturschätzchen und versteckten Perlen zu entdecken, die oft nur Einheimische kennen und manchmal nicht einmal die. Ich glaube, das kann ich so auch für die 52 kleine und große Eskapaden in und um Berlin, Dresden, Köln, Leipzig, München oder Stuttgart sagen – die 6 anderen Metropolen-Bände, die in der gleichen Reihe erschienen sind.  (Es gibt auch noch 7 Titel mit einer leicht abgewandelten Ausrichtung; davon erzählte ich im nächsten Beitrag mehr.)

 

52 kleine und große Eskapaden: Rausgehen ist das neue Ausgehen

 

Als Autorin sollte ich ja nun an jedem verkauften Exemplar interessiert sein, trotzdem Hand aufs Herz: wer lediglich für den üblichen „alle Highlights in 2,5 Tagen“-Kurtzrip nach Hamburg reist, ist mit einem anderen Buch besser beraten. Unseres enthält beispielsweise 0 (in Worten: null) Shopping- oder Ausgehtipps und die touristischen Hauptattraktionen sind anderswo sicher ausführlicher beschrieben. Aber bei Menschen

  • die in und um Hamburg leben oder Hamburg im Herzen tragen,
  • Lust auf Auszeiten in der Natur haben und eine
  • gewisse Neugier auf das, was hinter der Haustür liegt, verspüren

macht sich das Buch eigentlich ganz gut im Regal. Es ist eines zum immer wieder Hervorholen; gegliedert in drei Kapitel, von denen man sich – je nach akuteller Laune und zeitlichen Möglichkeiten – inspirieren lassen kann.

 

EskapadenHamburg

Die Eskapaden sind reich bebildert – und im Original natürlich nicht mit unserem Wasserzeichen versehen.

 

  • 20 X Stundenglück: Abstecher führen zu den kleinen Freiheiten um´s Eck; sie laden ein zum Zen vorm Frühstück, Mikroabenteuern in der Mittagspause oder (feier)-abendlichen Froschkonzerten.
  • 20 Tagesabenteuer: ausgedehnte Ausflüge – zu Fuß, per Rad, mit dem Schiff oder anderen Öffis – machen Lust darauf, sich die Sinne vom Blütenregen vernebeln zu lassen, im Windschatten der Ozeanriesen zu wandern oder die Kältewellen eines eiskalten Flüsschens zu spüren.
  • 12 Wochenendferien: Miniurlaube bei den besten Nachbarn der Welt, erzählen etwa vom Herbstleuchten in Niedersachsen, der Winterstille in Mecklenburg-Vorpommern oder Sommernachtsträumen in Schleswig-Holstein.

 

Eskapaden Hamburg

Damit man die Eskapaden gut findet gibts Karten, Tipps zur Anreise, besten Zeiten und Equipment

 

Mehr Einblicke ins Buch findet Ihr direkt bei DUMONT. Oder im Handel, wo das Buch seit einer Woche erhältlich ist. Oder (vielleicht) wenn Ihr in den Kommentaren vermerkt, dass Ihr gern ein Exemplar gewinnen würdet. Denn natürlich verlosen wir eins. Mitmach-Ende: 01. Juni 2018. Am Zwoten entscheidet dann das Los.

Fehlen nur noch die hard facts:

52 kleine und große Eskapaden in und um Hamburg

232 Seiten, ultraviele Fotos
DUMONT REISEVERLAG
Auflage: 1 (11. Mai 2018)
ISBN-10: 3770180712
ISBN-13: 978-3770180714
Preis: 14,99 (und dafür liegt es übrigens richtig schön schwer in der Hand)

Schleisteig

Fördesteig, Ostseesteig, Schleisteig, Tag 4

Die Fehlinvestition meines Lebens war die Regenjacke, die ich mir extra für Fördesteig, Ostseesteig und Schleisteig zugelegt habe. Auch am vierten Tag unserer Wanderung ist nicht eine einzige Wolke am Himmel zu entdecken. Aber ich will nicht meckern. Ausgeruht und ausgeschlafen machen wir uns auf den letzten Teil der Reise. Nur knappe 20 km werden es heute.

 

Ostseesteig

So wie die Geltinger Bucht eine Unterbucht der Ostsee ist der Ostseesteig ein Unterwanderweg des Fördesteigs (oder so ähnlich)

 

Warum es die Dreiteilung in Fördesteig, Ostseesteig und Schleisteig überhaupt gibt, ist einerseits logisch, da die Abschnitte eben die Flensburger Förde, die Ostsee und die Schlei begleiten. Andererseits  gehören die Wege zusammen, tragen das gleiche Logo, die gleiche Beschilderung. Nur die Namen ändern sich. Ich kenne überhaupt keinen anderen Langstreckenwanderweg, der es so genau nimmt. Bzw. der es so kompliziert macht. Ich meine, der Heidschnuckenweg führt ja auch nicht ausschließlich durch die Heide. Heißt aber trotzdem von Anfang bis Ende gleich. Das ist für Ortsunkundige leicht zu verstehen. Und für Touristiker leicht zu vermarkten. Aber das nur nebenbei.

 

Ein Weg, drei Namen: Fördesteig = Ostseesteig = Schleisteig

 

Jedenfalls. Den Ostseesteig haben wir gestern schon zur Hälfte erledigt. Es ist im Grunde eine ca. 10 km lange Strandwanderung (die sich auch toll als Tagestour eignen würde). Im Sommer tobt auf halber Strecke das Leben; nicht zuletzt wegen der riesigen Campingplätze von Hasselberg und Oehe-Drecht. In der Nebensaison ist rund um Kronsgaard nicht mit mehr Gesellschaft zu rechnen, als man entspannt ertragen kann. Das erste Gebäude auf dem Ostseesteig ist der Leuchtturm von Falshöft, das vorletzte Gut Oehe. Das gutseigene Café empfiehlt sich unbedingt für eine idyllischen Kaffeestunde und idealerweise Rhabarbar-Baiser-Torte. (Natürlich nicht morgens um 10.00 Uhr.)

 

 

Morgens um 10.00 Uhr auf dem Ostseesteig empfiehlt sich eher, die Aussicht zu genießen. Noch sind nur wenige Radfahrer unterwegs. Aber sie nerven schon wieder ein bisschen. Schilder über Schilder über Schilder weisen darauf hin, dass Radfahrer auf dem Deichverteidigungsweg bleiben sollen. Sie fahren natürlich trotzdem auf der Krone, die eigentlich Spaziergängern vorbehalten ist und gehen davon aus, dass alle Welt zur Seite springt, sobald sie klingeln. Dass  Radfahrer oben bleiben wollen, kann ich verstehen – vom Deich hat man die bessere Sicht auf Ostsee und Schleimünde, einer Landzunge, die das Meer von der Schlei abgrenzt.  Schleimünde steht unter Naturschutz. Hier herrscht Betretungsverbot, mit Ausnahme des äußersten Spitze, der Lotseninsel, die nur per Schiff zu erreichen ist.

 

Lotseninsel

Obwohl nicht wirklich eine Insel, sondern die Spitze einer Landzunge, kommt man nur per Schiff (von Kappeln oder Maasholm) auf die Lotseninsel

 

Den besten Blick auf die Lotseninsel hat man vom allerletzten Haus (und Schlusspunkt) des Ostseesteigs, der Vogelwärterhütte des Vereins Jordsand. Heute ist die Lotseninsel nur schemenhaft zu erkennen. Es ist schon erstaunlich. Seit 4 Tagen zeigt sich der Himmel nun strahlendblau. Aber nie gleich. Heute ist das Licht regelrecht hochsommerlich. Diffus, weich. Gnädig, möchte ich fast sagen. Denn so können wir die bittere Wahrheit drüben auf dem Schwansener Ufer nicht genau erkennen.

 

In Schleimünde wird der Ostseesteig zum Schleisteig

 

Wir sind trotzdem einmal mehr schockiert, wie die wunderschöne Landschaft zugeklotzt wird. Bisher habe ich meinen extremen Widerwillen gegen das Retorten-Ressort Olpenitz zum Teil auch persönlicher Nostalgie zugeschrieben. Ich kenne die Ecke einfach unverletzt. Und es tut mir in der Seele weh. Wir unterhalten uns darüber eine Weile mit den Vogelschützern. Es geht ihnen  ähnlich. Und auch der Urlauber, der sich dazu gesellt, ist erschrocken. Er fragt, ob es sich „da drüben um ein ähnliches Verbrechen handelt wie bei dem Koloss von Prora auf Rügen„. Und ist fassungslos, als er hört, dass es keine Altlast sondern ein Neubaugebiet ist. Man kann das einfach nicht in den Kopf kriegen. Es ist zu krass. Und es hilft nur, sich abzuwenden und den Schleisteig zu betreten.

 

Schlei

 

So wie die Flensburger Förde die schönste Förde der Welt ist, ist die Schlei der schönste Meeresarm der Welt. Sie hat etwa die Länge eines Marathons und zieht sich bis Schleswig. Der Schleisteig begleitet sie lediglich auf 13 Kilometern bis Kappeln. Schnell haben wir Maasholm erreicht. Wer noch nie in dem kleinen Fischerdorf gewesen ist, kann hier eine wunderbare, ausgedehnte Mittagspause einlegen. Wir schnappen uns nur das obligatorische Fischbrötchen von Petersen und folgen dem Weg um´s Wormshöfter Noor.

 

 

Noore sind ganz typisch für die Schlei; große, beinahe vollkommen eingeschlossene Buchten. Dieses hier zieht sich. Das liegt auch an der Radfahrerdichte. Gefühlt müssen wir öfter in die Böschung springen und sie passieren lassen, als dass wir überhaupt gehen. „Guck mal„, ruft einer begeistert seiner Frau zu, „da sind die zwei Fußgängerinnen von gestern.“ Da fällt es mir auch auf: man sieht auf Fördesteig, Ostseesteig und Schleisteig gar nicht besonders viele Wanderer. Spaziergänger schon. Aber ich kann mich nur an zwei weitere Frauen mit Rucksack erinnern, die uns gestern morgen in Steinberghaff entgegen gekommen sind.

 

 

Vielleicht wäre die heutige Etappe auch tatsächlich mit dem Rad schöner? Normalerweise gefällt mir Wandern besser, weil man mehr sieht. Radfahren ist einfach zu schnell. Doch schon seit Maasholm marschieren wir parallel zur Straße, was besonders ab Wormshöft langweilig wird, weil wir dort das Noor verlassen. Und der ewig lange Feldweg, in den wir bei Wulfshagen abbiegen, ist jetzt auch nicht gerade hochspannend. Aber das ist alles vergessen, als wir nach 5 km Gut Buckhagen erreichen.

 

 

Gut Buckhagen ist ein wunderschönes Anwesen mit tollen Sichtachsen auf Maasholm, die Schlei und der Anmutung eines englischens Landschaftsparks. Einziges Manko: es gibt kein Café. Aber die Ferienwohnungen, deren Terassen über einem Burggraben schweben, merke ich mir gedanklich für den Fall vor, dass ich irgendwan mal nicht mehr weiß, wohin mit meinem Zaster.

 

Auch keine schlechte Idee: Urlaub am Schleisteig

 

Jetzt sind es nur noch 2 km zu dem Ort, den meine Wanderpartnerin und ich von allen am sehnlichsten erwartet haben: Rabelsund, bestehend aus 3 weißen Reetdachhäusern, einem kleinen Strand und dem Bootsanleger von Gut Buckhagen. Früher gabs hier ein legendäres Ausflugslokal. Sogar Frank Sinatra hat in dem Gasthof von Rabelsund schon mal Urlaub gemacht.

 

 

Passenderweise angeln zwei ältere Damen in Wathosen Heringe und eine dritte sitzt am Strand und strickt. Von hier hat man nämlich zum ersten Mal freien Blick auf Kappeln, wo man sich gerade auf das größte Ereignis des Jahres vorbereitet, die Heringstage. Sie zelebrieren jährlich den letzten Heringszaun Europas, der sich direkt an der Schleibrücke befindet. Wo auch der Schleisteig endet.

 

Kappeln

 

Von Rabelsund aus ist der Schleisteig für Radfahrer übrigens nicht mehr befahrbar. Nur Wanderer dürfen die letzten Ausblicke auf Ellenberg und Kappeln genießen und sich auf schmalen Pfaden zurück zur Zivilisation durchschlagen. Sie kündigt sich in Form der lauten Nordstraße an. Weil wir die Nordstraße wie auch Kappeln besser kennen als unsere Westentasche, lassen wir´s hier gut sein. Allen anderen seien natürlich auch noch die verbleibenden 2 km empfohlen. Womit man sich in Kappeln typischerweise belohnt, weiß mal wieder Cornelia von „die See kocht“ am besten.

 

Raps

 

Fazit nach 4 Tagen Wandern mit Meerblick: Das Leben ist doch interessant. Hätte mir jemand vor 10 Jahren vorgeschlagen, von Flensburg nach Kappeln zu laufen, hätte ich ihn für einen seltsamen Vogel gehalten. Inzwischen denke ich, dass man sich kaum ein größeres Geschenk machen kann, als diese Wanderung auf dem Fördesteig (Ostseesteig, Schleisteig). Ich finde den Weg einfach perfekt. Nur der Raps hätte noch einige warme Tage mehr gebraucht. Aber irgendwas ist ja immer.

 

Weiterlesen, Nachlesen: Fördesteig

 

Fördesteig Tag 1 von Flensburg nach Holnis

Fördesteig Tag 2 von Holnis nach Norgaardholz

Fördesteig (Ostseesteig) Tag 3 von Norgaardholz nach Hasselberg

Fördesteig Karte und Tour als pdf

Ostseesteig

Vom Fördesteig zum Ostseesteig (Tag 3 Geltinger Bucht)

Heute werden wir das Ende des Fördesteigs erreichen, der seit 2016 nahtlos auf den Ostseesteig übergeht. Die Etappe scheint eigentlich easy. 23 Kilometer direkt an der Wasserkante. Keine Möglichkeit, sich zu verlaufen. Keinerlei Steigungen. Das Wetter ideal. Wir müssen nicht einmal das Auto bemühen, sondern wandern direkt vom Ferienhaus los. Und doch. Schon als wir den Fördesteig am Strand von Steinberghaff erreichen, spüre ich: dieser Weg wird kein leichter sein.

 

Steinberghaff

 

Zunächst kann ich mich noch mit der unfassbar schönen Kulisse ablenken. Die seichte Geltinger Bucht ist so richtig was für Lichtliebhaber. Aber ich merke, dass mit mir nicht alles in Butter ist, da mir viele Dinge verführerischer scheinen als zu gehen (ein Gefühl, das ich eigentlich nicht kenne.)

 

Morgenlicht

 

Dinge, die mir heute z.B. verführerischer scheinen:

  • mich auf einem Boot von der ganz leichten Dünung wiegen lassen
  • in den großartigsten Ruhebänken ever schaukeln
  • ein Pferd spazieren führen (reiten wäre zu krass, selbst wenn ich´s könnte)
  • auf einem Stein sitzen und auf´s Meer starren

Oder anders gesagt: Ich bin schlapp.

 

 

Beim Skilaufen heißt es immer, der dritte Tag sei der Gefährlichste. Die Muskeln sind ermüdet. Zwar ist Wandern im Flachland nicht so anstregend, dass man Muskelkater bekäme. Aber vielleicht ist es ja doch so, dass die gestrige Etappe etwas zu lang war. Vielleicht war es auch nicht hilfreich, dass ich nur 5 Stunden geschlafen habe. Und ganz sicher wäre heute der gute, alte Witz angebracht: eins der Gläser Wein gestern abend war wohl schlecht. War halt so nett beim Sonnenuntergang im Strandkorb. Fällt aber eben auch in die Kategorie: Wie bescheuert kann man eigentlich sein?!

 

Keine gute Idee: Alkohol beim Wandern

 

Es heißt, hinterher wäre man immer schlauer. Bei mir ist es aber auch häufig so, dass ich es eigentlich vorher schon besser weiß. Etwa, wenn ich etwas Zerbrechliches an einem heiklen Punkt abstelle (wo es folgerichtig irgendwann runterfällt). Und dass Alkohol zu den NO-NO´s beim Wandern gehört, ist mir genauso wenig neu wie die Tatsache, dass ich während des Wanderns viel mehr Wasser trinken und häufiger pausieren sollte.

 

 

Ich habe heute genügend Gelegenheit, mein Fehlverhalten zu überdenken. Landschaftlich ist die Geltinger Bucht ganz anders als die Flensburger Förde. Flach. Weit. Über lange Strecken baumlos. Abgesehen von 5 Häusern in Traumlage  und dem relativ verwaisten Seglerhafen in Gelting Mole lenkt nichts den Blick ab. Da wird das Gehen meditativ. Wer tagelang wandert, muss anders pausieren als auf einem Spaziergang. Wanderratgeber empfehlen alle 30 Minuten eine kurze Trinkpause; alle 90 Minuten eine längere Pause + Snack, z.B. eine kleine Banane, ein paar Nüsse oder einen Riegel.

 

Keine Pausen sind auch keine Lösung

 

Unerfahrene Wanderer trinken zu wenig, weil sie glauben, es wäre nicht nötig. Oder weil es ihrer Meinung nach zu sehr aufs Tempo drückt. Oder weil sie nicht ständig nach einer Toilette Ausschau halten mögen. (Letzteres war auf der ersten Hälfte des Fördesteigs übrigens kein Problem. Seit Langballigau aber schon.) Besonders weil heute Montag ist. Kurze Saison hin oder her – in Angeln ziehen echt viele Gastronomen den guten, alten Ruhetag knallhart durch. Einige haben sogar montags und dienstags geschlossen. Dat Strandhuus in Wackerballig zum Glück nicht.

 

 

Die oben erwähnten 90 Minuten haben wir längst rum. Aber ich nehme natürlich keinen Snack zu mir. Genauso wie ich vorher keine Trinkpause eingelegt habe. Ich habe nämlich keinen Durst, denke ich, ich habe Fuß. Vielmehr Füße. Sie sind ganz schwer. Es läuft sich nicht so super. Dass das eine mit dem anderen zusammenhängt, ahne ich (superunwissende Wanderin) nicht.

 

Grahlenstein

 

Jetzt sind es noch gute 5 km bis zu meinem Lieblingsnaturschutzgebiet. Weil die  Geltinger Birk nicht nur mein Lieblingsnaturschutzgebiet ist – und  der Weg von Wackerballig  zur Birk so nett  – wird es deutlich belebter. Es sind jede Menge Radfahrer unterwegs. Nachdem ich das xte Mal auf ein Klingeln hin zur Seite getreten und stehengeblieben bin, um Radler passieren zu lassen, frage ich mich: Warum ist das eigentlich so? Warum müssen Radfahrer nie anhalten – Spaziergänger aber immer? Ist doch eigentlich seltsam.

 

Wo der Fördesteig zum Ostseesteig wird: die Geltinger Birk

 

Der Fördesteig umläuft die Landzunge der Birk an der Wasserkante. Beim „Eingang“ empfiehlt sich hier immer eine Suppe im Birk-Kiosk (heute Erbsen-Minz-Süppchen). Suppe soll sowieso das ideale Mittagessen für Wanderer sein. Besser als Pommes mit C-Wurst. Und der Birk-Kiosk ist die letzte Einkehrmöglichkeit für viele Kilometer.

 

 

Die Birk ist der vielfältigste Abschnitt der heutigen Tour. Auch wenn wir keine Wildpferde oder Robustrinder treffen, die hier zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Wir sehen „nur“ einen schwarzen Schwan, Ziegen mit gewaltigen Hörnern, die eher in die Alpen passen würden und die Kinderstube einer Schafsherde. Und natürlich jede Menge Vögel. Schon an den vorherigen Tagen ist mir der vielstimmige Gesang aufgefallen. Wie still dagegen die Naturschutzgebiete im Hamburger Raum scheinen.

 

Am offenen Meer beginnt der Ostseesteig

 

Bei „Birk Nack“, der Spitze der Birk, endet der Fördesteig, bzw. geht nahtlos in den Ostseesteig über. Jetzt laufen wir richtig, richtig am Meer. Offene Ostsee, sagt man hier. Man spürts. Der Wind ist kühl; im Schatten sogar kalt. Dafür hören wir die Wellen rauschen. Im Duett mit Vogelgesang die allerschönste Klangkulisse. Nach 20 Kilometern kündigt der Leuchtturm von Falshöft die Kaffeepause an. Das Café hat zwar – klar – Ruhetag. Aber wir kriegen einen aus der Thermoskanne beim Campingplatz.

 

Falshoeft

 

Was jenseits des Strandes von Falshöft liegt, wollte ich schon immer mal wissen. Und kanns dann gar nichts fassen. Da ist nichts als Strand und Strand und Strand. Über Kilometer. Feiner, weißer, menschenleerer Ostseestrand. (Nur am FKK-Abschnitt entdecken wir zwei nackte Herren.)

 

Goldsmaas

 

Die Verblüffung hilft mir auf den letzten Metern von insg. 23 km nach Hasselberg. Auf der heutige Etappe gab es nur wenige Teilstücke, die ich nicht kannte. Und das waren dann die besten. Wandern ist doch irgendwie interessanter, wenn man Neues entdeckt.

 

Pottloch

 

Körperlich bin ich heute drüber. Meine Füße schmerzen; sind total geschwollen. Ich lese auf einer Seite für Pilger, dass sich zu viel Salz im Gewebe sammelt, wenn man nicht genügend trinkt. Der Körper hält bei wenig Flüssigkeit so viel wie möglich davon im Gewebe fest, was unter anderem zu geschwollenen Füßen führt. Das Prinzip ist ähnlich wie bei sehr salzreichem Essen.

Wenn ich also weiterhin Spaß am Wandern haben will (und das will ich), lautet die Formel ab sofort: minus Wein plus Wasser = Wanderlust.

Morgen dann also hoffentlich fitter weiter: auf dem Ostseesteig zum Schleisteig.

Wandern auf dem Foerdesteig

Wandern auf dem Fördesteig: Tag 2 Holnis – Norgaardholz

Wandern auf dem Fördesteig Tag 2 von 4. Stimmung: sehr gut. Zipperlein: keine. Himmel: pastellblau. Wolken: 0. Die Kombi „3 Frauen und 1 Ferienhaus“ erweist sich als ideal. (Eine macht Frühstück. Eine geht mit dem Hund. Eine holt Eier beim Bauern.)

 

Luette Huette

 

Die Teilzeitwanderin hat heute andere Sachen zu erledigen. Vorher liefert sie uns in Holnis Drei ab. Die Anreise dauert bummelige 20 Minuten. Für den Rückweg haben wir 8 Stunden eingeplant. Wir werden schließlich nicht auf einer schnurgeraden Straße laufen, sondern Bucht um Bucht um Bucht umrunden.

 

Holnis

 

Das ist heute quasi die Bergetappe des Fördesteigs. Es geht Auf und Ab. Das merken wir schon als wir nach 2 km Bockholm erreichen. Das Ausblicke in der Straße Berglyk sind so prächtig, dass man schon mal den Weg verlieren kann. „Falls Sie uns besuchen möchten, sind sie richtig“, ruft uns ein freundlicher Herr zu. Da stehen wir bereits in seinem Garten. Er ist das sicher schon gewohnt. Der tatsächliche Weg führt zwischen 2 Hecken hindurch, so schmal, dass man im Leben nicht von selbst drauf kommen kann.

 

 

Es ist nicht nur die geschwungene Landschaft, die uns bezaubert und die Flensburger Außenförde, die heute glitzert wie in Südfrankreich. Es sind auch die typischen Knicks, derzeit vor allem der strahlende Weißdorn, der hier mannshoch blüht.

Nunmehr ist wohl nicht leichtlich ein Land zu finden, welches ein so Gartenmäßiges Ansehen hat, als Angeln. … vielleicht wird ein Gartenliebhaber nach dem neusten Geschmack die krumme Wege und Hecken noch höher schätzen, weil das Wilde in dem Künstlichen durchschimmert, und dem Reisenden immer neue Gegenstände dargestellet werden.

(Wer mehr über Knicks wissen will, findet den ganzen tollen Text zu obigem Zitat auf dbrinkschultes Blog „Theorie der Gartenkunst“ )

 

 

Nach einer ausgiebigen Runde über den Glücksburger Golfclub leitet uns der Weg hinunter an den Strand und wieder hinauf nach Bockholmwik und wieder hinunter zum Strand und zumeist über Wege, die allein Fußgängern vorbehalten sind. Was super ist. Denn so können wir den Flügelschlag der Schwäne hören, die ganz dicht über uns hinwegfliegen. Das ist viel besser als auf den Straßen, wo am heutigen Sonntag die Motorradfahrer ausschwärmen.

 

 

Am Strand sind wir für einen Moment nicht mehr sicher, ob wir richtig sind. Die Beschilderung ist heute nicht ganz so üppig gestreut wie auf der gestrigen Etappe von Flensburg nach Holnis. Und es gibt nun auch gar keinen Weg mehr. Erst als wir den Wald erreichen, ist beides wieder da. Ganz verwunschen ist der Wald von Sigum, schwer gebeutelt von den Stürmen im letzten Jahr. Bei Hochwasser oder nach langen Regenfällen, muss ein Umweg genommen werden. Selbst bei prächtigem Wetter ist es hier und da ziemlich matschig. Und traumhaft schön. Nach nochmaligen Aufstieg erreichen wir Langballigau.

 

Wandern auf dem Fördesteig Tag 2: Halbzeit in Langballigau

 

Zwischen den ersten Ferienhöfen ist der Weg ein weiteres Mal so schmal wie in Bockholm. Nur, dass er hier nicht beidseitig von Hecken begrenzt wird, sondern auf einer Seite von einem Elektrozaun. Bisschen blöd bei Gegenverkehr. „Wir machen es jetzt wie im Theater“, schlägt die Mutter einer Familie vor.  Weil Mütter ja immer alles besser wissen,  ziehen wir alle auf Kommando die Bäuche ein – und so gehts.

 

Es ist doch immer wieder interessant, wie unterschiedlich der Blick auf Orte sein kann. Meine Wanderpartnerin ist eigentlich ein geselliger Mensch – und ich nicht. Aber Langballigau gefällt ihr gar nicht – und ich mag den quirligen Hafen total. So voll wie heute habe ich ihn allerdings auch noch nie gesehen. Und weil wir ohnehin noch etwas früh für´s Lunch sind, nehmen wir nur einen Soft-Drink und schlendern über die Promenade weiter nach Westerholz. Hier müssen wir jetzt aber etwas essen. Denn danach gehts in die Einsamkeit. Das Bistro Strandgut sieht aus der Ferne so verführerisch aus, dass ich mir mehr drunter vorgestellt habe als einen Imbiss, wo beinahe alle Gäste Curry-Wurst mit Pommes essen. Wobei ich zugeben muss: das sind extrem gute Pommes mit Curry-Wurst (und günstig dazu; 5 Euro mit Meerblick, das gibts wahrscheinlich auch nur noch in Angeln.)

 

Ver-Wandern auf dem Fördesteig: Achtung in Westerholz

 

Die Wegbeschilderung führt an den Strand. Einen Weg gibt es nicht. Dafür Wackersteine. Alle Treppen die Steilküste hinauf sind als privat gekennzeichnet. Die Karte in meinem sehr unzureichenden Wanderführer ist zu grob, um weiterzuhelfen. Der Text spricht von 3 Alternativrouten. Einer müsste über die Haffstraße führen – oben angekommen, entdecken wir aber keine weitere Beschilderung. Das Handy will uns zurück nach Langballigau schicken, was nun wirklich ganz verkehrt ist und von uns auch schnell – naja, relativ schnell – erkannt wird. Also wieder an den Strand. Nochmal über Wackersteine balancieren. Nochmal alle Treppe checken. Wirklich privat. Einheimische fragen. Schulterzucken. („Ne-Treppe-nö-glaub-nich„) Zurück zum Imbiss. Noch mehr Einheimische fragen. Beide Wegen sollen möglich sein. Es kommt sehr wohl noch eine öffentliche Treppe („büschn versteckt, nech„). Oder man hünert wieder die Haffstraße hinauf, hält sich links bis „Zu den Lücken“; dort setzt die Beschilderung wieder ein. Auf diese Art ist eine – nicht unanstrengende – Dreiviertelstunde vergangen. Jetzt sind wird zum ersten Mal etwas platt.

 

 

Aber wie ist es nur herrlich auf den versteckten Pfaden nach Osterholz. Hier haben verschiedene Vereine Obstbäume gepflanzt. Im Herbst darf man sich an den Früchten sattessen. Jetzt im Frühling blühen sie um die Wette mit den Gärten des Dörfchens hoch über der Steilküste. Ein Grundstück hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Es ist die frühere Sommerresidenz des Brücke-Malers Erich Heckel.

Auf den folgenden 5 km treffen wir keine Menschenseele. Als wir die (wie mein Wanderführer behauptet) „vielbefahrene Fördestraße“ erreichen, warten wir spaßeshalber ab, bis ein Auto kommt. Es dauert einige Minuten. Wir beten, dass die empfohlene Einkehrmöglichkeit (die einzige auf 15 km) nicht der Phantasie des Autoren entsprungen ist.

Ist sie nicht! Auch wenn das Jagdschloß Friedrichstal so aussieht, als sei es 1974 in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die Begrüßung ist herzlich und wir kommen beim Kaffee (Kännchen, versteht sich) ins Plaudern.

 

Kirsche

 

Ob wir passionierte Wanderinnen seien? (Leider nein) Aber ob wir vielleicht dennoch wüßten, ob Wanderer üblicherweise Mehrwegbecher mit sich führten? (Keine Ahnung, leider). Sie (die Wirtin) überlege nämlich, ins Coffee-to-go-Geschäft einzusteigen. Aber das mit dem vielen Müll wolle sie nicht.

Und auch wenn ich nicht sicher bin, dass im Jagdschloss Friedrichtal nun wirklich viele, viele Pappbecher über den Tresen gehen würden, von so viel Haltung könnte sich so mancher Hot Spot eine Scheibe abschneiden.

 

 

Auf den kommenden 5 Kilometern wird der Schritt nun langsam schwer. Für´s Auge ist das auch die erste Durstrecke, denn es geht ab Kalleby durch nackte, braune Felder. Da reißt auch Gut Philipstal nichts mehr raus (zumal es ein Recycling-Hof ist). Erst als wir ins Moor von Habernis eintauchen, ist das Wandern auf dem Fördesteig wieder ein Vergnügen. (Ein sehr rasantes allerdings. Meine Wanderpartnerin zündet auf den Bohlenwegen ein letztes Mal den Warp-Antrieb, denn sie trägt kurze Hosen und in so einem Angeliter Moor scheint die Insektenwelt noch in Ordnung.) Danach sind wir eigentlich im Eimer.

 

Norgaardholz

 

Nach 9 Stunden und 4 Minuten erreichen wir die Seebadeanstalt von Norgaardholz. Eigentlich wollte uns die Teilzeitwanderin entgegenspaziert kommen, aber auf unsere inständige Bitte, hat sie das Auto mitgebracht. Wir können uns einfach nicht vorstellen, die letzten 2,5 km zum Ferienhaus noch zu Fuß zu gehen.

 

Was ich beim Wandern auf dem Fördesteig gelernt habe

 

1. Zu den KM-Angaben einer längeren Wanderung sollte man immer in Gedanken hinzuzählen, dass man vor Ort hier und da einige Schritte zusätzlich macht (sich was anguckt oder sich mal verläuft). Eigentlich standen heute 25 km an – der Schrittzähler zeigt aber 31,2. (Unbedingt bei der Planung einer Langstreckenwanderung beachten.)

2. Man kann gar nicht so viel essen, wie man gehen kann. Auch diese herrliche Tatsache verrät der Schrittzähler: wir haben heute 4.500 Kalorien verbraucht.

3. Um die Bilanz jedenfalls ein bisschen auszugleichen, bietet sich eine sehr leckere gebratene Scholle im Schwarzen Raben in Nordgaardholz an. Mit Bratkartoffeln. Selbstverständlich.

4. Das Schönste ist Angeln im Mai – aber das wusste ich vorher schon. Und ich freue mich auf den dritten Tag auf dem Fördesteig (mit der Überschrift Geltinger Bucht & Birk).

Foerdesteig

Wandern auf dem Fördesteig, Tag 1 Flensburg – Holnis

Für unsere viertägige Wanderung auf dem Fördesteig hätten wir gar keinen besseren Tag wählen können als genau diesen Sonnabend im Mai. Das wird uns schon auf dem ersten Kilometer vom Flensburger Bahnhof bis zur Hafenspitze klar. Das Glück potenziert sich (ist ab sofort eigentlich gar nicht mehr zu fassen), als wir den westlichsten Punkt der deutschen Ostseeküste erreichen. Der wolkenlose Frühlingshimmel in RAL 5012 Lichtblau spannt sich über die dunkle, seidige Flensburger Förde. Meine Wanderpartnerin und ich müssen uns erst einmal innerlich zwicken. Obwohl man beim Wandern natürlich immer das Beste hofft, wagt man (als gebürtige Schleswig-Holsteinerin) niemals, das Allerbeste zu erwarten. Man wills ja nicht beschreien.

 

Flensburg Hafenspitze

 

Eigentlich beginnt der vom NABU konzipierte Langstreckenwanderweg bereits 5,5 km zuvor an der deutschen-dänischen Grenze. Doch dafür hätten wir vom Bahnhof noch einen Bus zum Strand von Wassersleben nehmen müssen – was im Prinzip auch absolut empfehlenswert ist – aber eben nicht nach einer zweistündigen Zugfahrt von Hamburg durch den norddeutschen Frühling. Dann will man nur noch raus in die Herrlichkeit.

 

Der Fördesteig – 95 km Herrlichkeit

 

Die ganze Welt ist heute himmelblau, maigrün, gesprenkelt mit knallgelben Tupfen von Löwenzahn und erstem Raps. Und außerdem haben wir ja auch von der Hafenspitze aus noch genügend Kilometer vor uns. 90 um genau zu sein. Also dann: los jetzt.

 

 

Der Fördesteig begleitet die Flensburger Innen- und Außenförde, führt weiter an der Geltinger Bucht zur offenen Ostsee und knickt bei Maasholm zur Schlei ab, wo er in Kappeln endet. Der gesamte Weg ist unheimlich gut beschildert. Auf der Strecke gibt es eigentlich nur 3 – 4 knifflige Stellen. Die erste befindet sich gleich wenige hundert Meter hinter der Hafenspitze. Dort ist man noch so gefangen vom Zauber der Wasserkante, dass einem leicht der kleine blaue Pfeil nebst Förde-Silhouette entgehen kann, der Fördersteigwanderer am Lautrupsbach in den Volkspark hinaufschickt.

 

 

Was ist das Wunderbarste auf diesen ersten 7 städtischen Kilometern auf dem Fördesteig? Das perfekte Wanderwetter, das uns selbst bei teilweise ordentlichen Auf- und Abstiegen nicht ins Schwitzen bringt? Die prächtigen Ausblicke auf Stadt und Förde, von der die Flensburger (zu Recht!!!) behaupten, sie sei die schönste Förde der Welt? Oder die Ruhe in den Seglerhäfen, an versteckten kleinen Stränden und in den leuchtenden Buchenwäldern? Das hier so wenig los ist, hatten wir nicht erwartet.

 

 

Wir tippen, dass die Flensburger erst einmal ihre Wochenendeinkäufe erledigen. Später wird es sicher pickepacke voll werden. Umso mehr genießen wir, dass jenseits der Badeanstalt von Solitüde noch weniger Menschen unterwegs sind als zuvor. So haben wir den wunderbaren Forst Wille beinahe für uns allein. Frühlingswälder sind ja ohnehin eine Wucht, aber Buchenwälder toppen das Ganze noch einmal. Und wenn sie steil an die Ostsee abfallen, ist maximale Ästhetik erreicht.

 

Wandern auf dem Fördesteig, Tag 1: Halbzeit in Glücksburg

 

Glücksburg erreichen wir pünktlich zum Mittagessen. Tatsächlich herrscht in dem Seebad schon ein wenig Urlaubsstimmung. Hunde tollen am Strand. Segler tüdeln an ihren Booten. Kinder buddeln im Sand. Spaziergänger flanieren auf dem Fördeboulevard. Der ein oder andere Strandkorb ist vermietet. Doch alles recht entspannti-manti. Mein letzter Besuch ist noch gar nicht so lange her. Im Herbst logierten wir im Glücksburger Strandhotel – und wie immer würde ich auch heute gern länger bleiben. Ich mag die nördlichste Stadt Deutschlands einfach (obwohl sie sich gar nicht so nördlich anfühlt).

 

Gluecksburg

 

Fördesteigwanderer, die nicht ständig im äußersten Norden Nordeutschlands unterwegs sind und deshalb alles noch ein bisschen intensiver betrachten möchten als ich, könnten in Glücksburg übrigens ganz gut ihr Nachtlager aufschlagen. 1.) wären hier vom tatsächlichen Startpunkt in Wassersleben aus etwa 16 km geschafft – eine prima Distanz für einen Anreisetag – selbst wenn man erst gegen Mittag loslegen kann. 2) Bietet Glücksburg genügend reizvolle Spaziergänge, die man zusätzlich noch absolvieren könnte, wenn einem 16 km zu wenig erscheinen. Und 3.) findet man in Glücksburg garantiert ein Zimmer für 1 Nacht. Das ist längst nicht überall entlang des Fördesteigs der Fall.

 

Das Schwierigste am Fördesteig sind die Unterkünfte

 

Richtige, echte Fernwanderer – also solche mit Zelten auf dem Rücken – geraten auf dem Fördesteig nie in Schwierigkeiten. Sie müssen nicht einmal vorher die Tour abstecken. Campingplätze finden sich hier alle naselang. Hotels gibt es hingegen nur wenige. Und genau wie die zahlreichen Vermieter von Ferienhäusern und -wohnungen mögen die Hoteliers ihre Betten zwischen Mai und Oktober nicht gern für eine Nacht hergeben. Frühzeitig planen ist also Pflicht (ein Puzzlespiel wird´s trotzdem).

 

 

Wir haben das Übernachtungsdilemma mit einem Ferienhaus gelöst und einer weiteren Teilzeitwanderin, die uns manchmal begleiten, manchmal abends einsammeln und manchmal morgens zur richtigen Stelle kutschieren wird – je nachdem. Es fühlt sich zwar ein bisschen wie Schummeln an. Aber wer hat eigentlich gesagt, dass Fernwanderungen spartanisch sein müssen? Ich schon mal nicht. Außerdem liegt das Ferienhaus (das einen eigenen Beitrag verdient, der demnächst folgt) strategisch perfekt; ziemlich genau auf der Mitte des Fördesteigs, so dass sich die Autofahrerei in Grenzen halten wird.

 

Die beste aller Notlösungen: 3 Frauen und ein Ferienhaus

 

Jedenfalls. Die Teilzeitwanderin stößt mit ihrem Hund (♥) in Glücksburg dazu. Die Stimmung ist prächtig. Die Kartoffelsuppe im Bistro Sandwig enttäuschend. (Sie schmeckt nach Kürbis & Kokos, weiß der Geier, warum. Da man im Sandwig aber am allerschönsten sitzt, mag ich´s trotzdem empfehlen. Mit den Burgern kann man nichts verkehrt machen.) Gemeinsam machen wir uns Richtung Holnis auf.  Der Weg verläuft noch eine Weile weiter am Fördeufer,  knickt dann für zwei knappe Kilometer ins Landesinnere, bevor er in Schausende wieder das Wasser erreicht.

 

 

Seit ich das letzte Mal über Holnis streifte, habe ich sehr häufig gelesen, auf der Halbinsel sei viel zu viel los. Ich hatte schon befürchtet, man dürfte einen Ausflug auf die nördlichste Spitze des deutschen Festlandes gar nicht mehr empfehlen. Aber ich finde, es könnte durchaus voller sein, als auf der Halbinsel Holnis an einem Sonnabendnachmittag im Mai bei Kaiserwetter.

 

 

Keine Ahnung, ob die Flensburger und Glücksburger alle noch beim Einkaufen sind. Oder sich auf ihren Segelbooten rumtreiben. Oder sich in ihre riesigen, riesigen Gärten mit Fördeblick zurückgezogen haben. Und überhaupt die Grundstücke! Addiere ich jedes Mal, an dem ich in meinem Leben „oh, guck mal das Haus da“ gesagt habe, komme ich zusammengenommen vermutlich nicht auf die Frequenz des heutigen Tages. Die Leute leben an der Flensburger Förde geradezu kitischig schön. So was kann es gar nicht geben, denkt man. Tut es aber eben doch.

 

Holnis

Ich habe schon vollere Orte gesehen, als die Halbinsel Holnis an einem Sonnabend im Mai gegen 16.00 Uhr.

 

Holnis streckt sich wie ein Finger weit in die Förde hinein. Fast tippt die Halbinsel dabei die dänische Südküste an. So verlaufen hier gleich zwei Grenzen; die zu unseren Nachbarn und die Grenze zwischen Flensburger Innen- und Außenförde. Man spürt es ganz deutlich, wenn man das (von außen) zauberhafte Fährhaus in Holnis Spitze erreicht hat. Der Wind wird aufeinmal frischer, die Förde schlägt jetzt Wellen und das „echte“ Ostseefeeling setzt ein.

 

Holnis

 

Auf den letzten Kilometern denke ich sogar darüber nach, meine Jacke rauszuholen. Da ich mich mittlerweile in dem Zustand befinde, wo jede zusätzliche Aktivität gut überlegt sein will, bin ich gerade erst soweit, den Rucksack abzunehmen, als unser Tagesziel auftaucht. Das Strandcafé von Holnis Drei. Dort erwarten uns Strandkörbe  – und wenn man sich da hineinkuschelt, braucht man eh keine weitere Klamotten. Es ist überhaupt ein herrliches Gefühl nach 22 Kilometern in einem Strandkorb zu sitzen. Da darf sich das Taxi, das uns zurück zum Auto in Glücksburg bringen soll, ruhig Zeit lassen.

 

Holnis Strand

 

Morgen früh wird die Teilzeitwanderin uns genau hier wieder absetzen, wo jetzt einige Ponys ihren jugendlichen Reiterinnen durchgehen. Ich bin so angenehm erschöpft. Das mag ich besonders am Wandern. Und ich freue mich schon auf die nächste Etappe.  Obwohl es schöner ja gar nicht werden kann. Sagt meine Wanderpartnerin. Aber das wollen wir erst einmal sehen. Wenn wir weiter auf dem Fördesteig wandern; an Tag 2 von Holnis nach Norgaardholz.