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Schaalsee

Für Freunde der Empfindsamkeit: Biosphärenreservat Schaalsee

Ich gehöre noch zu der Generation, die an der Autobahnausfahrt Zarrentin, nicht an den Schaalsee sondern an die DDR denkt. Denn genau hier lag der Grenzübergang nach Berlin. Ich kann mich noch genau an die Monsteranlage erinnern und an die gedrückte Stimmung im Auto und maximal unfreundliche Grenzer. Jüngeren Menschen oder solchen, die damals nicht regelmäßig die Weltreise nach Berlin antraten, kann man das kaum vermitteln.

Selbst mir kommt die jüngere Vergangenheit ganz irreal vor. Oder auch unwichtig. Ein Wimpernschlag nur in der Geschichte. Glücklicherweise ist es ja heute schon so, dass der frühere Todesstreifen mehr als Naturparadies wahrgenommen wird, weil er über Jahrzehnte beinahe unberührt blieb. So auch am Schaalsee, durch den die Grenze etwa mittig verlief.

 

Zarrentin

 

Zarrentin gehört heute zur Metropolregion Hamburg. Und da hätte die kleine Gemeinde leicht das gleiche Schicksal treffen können wie so viele Orte in Brandenburg. Ich meine, den Ausverkauf der Seeufer (an neureiche Berliner). Pläne dafür gab es durchaus. Aber zum Glück ist das hier anders. Wo man an den Schaalsee nicht rankommt, geschieht das meist zum Schutz von Flora und Fauna. Und dafür tritt man ja viel lieber in die zweite Reihe als für Protzvillen.

 

Zarrentin am Schaalsee

 

Der Schaalsee, das sind eigentlich neun miteinander verbundene Seen, ungeheuer tief, unheimlich sauber und von keiner Stelle in Gänze zu überblicken. Möchte man sich einen Gesamteindruck verschaffen, ist eine Radtour die beste Idee. Räder kann man etwa im Pahlhuus leihen, dem Infozentrum des Biosphärenreserverats in Zarrentin.

 

 

Eine ganze Runde um den See beläuft sich auf gute 45 km. Wem das zu viel ist, dem sei Lassahn empfohlen. Das sind nur 9 km; also auch für eine Wanderung ganz gut geeignet. Wer das Auto bemühen möchte, stellt es am kleinen Parkplatz neben der Kirche ab und schlägt sich über einen Trampelpfad wieder an den See hinunter. Denn da wartet etwas ganz Besonderes.

 

Lassan

 

Die Insel der froheren Einsamkeit

 

Die mini-kleine Stintenburginsel ist quasi eine Übergangsinsel zur größeren Insel Kampenwerder. Der Dichter Friedrich Gottlieb Kloppstock hat sie in einer Ode verewigt. Die Lassahner wiederum haben ihm eine Eiche als lebendes Denkmal gesetzt. Die Kloppstock-Eiche befindet sich direkt an dem Dammweg hinüber zur Insel

 

Sommer

 

Insel der froheren Einsamkeit
Geliebte Gespielin des Wiederhalls
Und des Sees, welcher ist breit, dann, wieder versteckt
Wie ein Strom, rauscht an des Walds Hügeln umher…

 

Allee

 

Das Gut Stintenburg befindet sich seit 1740 im Besitz der Familie Bernstorff, mal abgesehen von den Jahren in denen zunächst Nazis, später die Stasi hier hausten. Vor einigen Jahren eröffnete Johann Graf von Bernstorff im alten Brückenhaus ein Restaurant. Es ist wunder-, wunder-, wunderschön und ich wollte mit diesem Artikel eigentlich warten, bis es aus der Winterpause erwacht. Aber wenn ich es richtig interpretiere, steht in den Sternen, ob und wann das passiert. Ich verfolge es mal auf fb.

 

 

Ich nehme an, Kloppstock läge lieber auf der Stintenburginsel begraben als in Ottensen. Als Vertreter der Empfindsamkeit war er für Disziplinierung und Zivilisierung nicht zu haben sondern hielt es mehr mit überschwänglichen Gefühlen und Lesesucht. Und als undiziplinierte, lesesüchtige, überschwängliche Sinnesgenossin kann ich sagen: Stintenburg fühlt sich an wie das Kirschblütental der Gebrüder Löwenherz.

 

 

Das Brückenhaus ist übrigens nicht die einzige Spitzenlocation am Schaalsee. Überall finden sich schöne Einkehrmöglichkeiten, in denen viel Wert auf regionale und fair-trade Produkte gelegt wird. Bio-Qualität ist fast schon selbstverständlich. U.a. auch im Seeblick Lassahn. Dort sitzt man auf dem Dach (!) des Pavillons mit großartiger Aussicht auf den Schaalsee.

 

Pusteblumen
Fazit: Das Biosphärenreservat Schaalsee ist außergewöhnlich. Die Gegend sieht zwar aus wie aus der Zeit gefallen. Geht in Wahrheit aber mit gutem Beispiel vorn.

Snowdonia

Soweit das Auge reicht: die kühle Schönheit von Snowdonia

Als ich zum ersten Mal von Snowdonia hörte (und das ist noch gar nicht so lange her), elektrisierte mich allein der Name augenblicklich. Allerkürzeste Recherche später war der Nationalpark bereits zum Sehnsuchtsziel geworden. Denn auch im virtuellen Wales führt kein Weg vorbei am Snowdon, dem höchsten Berg des Landes, und einer großartigen Art, ihn zu bezwingen: nämlich mit der Snowdon Mountain Railway.

 

 

Wenn die einzige Zahnradbahn Großbritanniens den Wagon den Berg hinaufschiebt, kann man die Anstrengung der alten Lady geradezu spüren. Was ok ist, so lange sie durch kleine Schluchten und über weite Ebenen zockelt. Tun sich direkt neben den Schienen Abgründe auf, fühlt es sich schon etwas ulkiger an (nicht unbedingt im Sinne von witzig).

 

 

Von Mai bis Anfang November lautet die große Frage: Hüllt sich der Gipfel in Wolken, Nebel, Regen, Schnee? Oder hat man etwa freie Sicht vom Panorama Café des visitor centres. Es ist eine Art Glücksspiel. Bei zu schlechten Bedingungen und in der Vorsaison (Mitte März & April) lässt die Mountain Railway es nach etwa 3/4 der Strecke gut sein. Dort befindet sich die „Station“ Clogwyn (ein vermoderter Schuppen) und sonst nichts.

 

 

Snow – Snodown – Snowdonia

 

 

Das ist so eine Eigenart von Snowdonia: obwohl man sich in Clogwyn nur auf 770 Metern befindet, ist die Anmutung regelrecht alpin. Im Winter braucht der weitere Aufstieg definitiv Erfahrung (womit ich nicht dienen kann). Nach Westen zur irischen See exponiert, toben auf dem Snowdon extreme (gern plötzliche) Stürme. Die eigentlich nicht besonders steilen Wege können innerhalb von Minuten vollkommen vereisen.

 

 

Selbst der Abstieg bietet bei Schnee & Eis anfangs ordentlich Schlitterpotential. Bei uns etwa für zwanzig Minuten – um sich dann in etwas Federleichtes und überirdisch Schönes zu verwandeln.

 

Llanberis Path: der Top Trail von Snowdonia

 

Auf den Snowdon zu steigen, gehört für viele Briten zu einem erfüllten Leben dazu. Von allen äußerst beliebten Trails auf das „Dach von Wales“ ist der Llanberis Path der aller-, aller-, allerbeliebteste.

 

 

Im Sommer sollte man keine ruhige Minute erwarten. Im frühen Frühjahr ist man wenigstens streckenweise allein mit der Landschaft, gurgelnden Bächen und der guten, alten Bergmöwe.

 

 

Dafür kann man im Frühjahr nirgends einkehren. Es ist also gar keine schlechte Idee, eine Flasche Wasser einzustecken. (Bisschen neidisch war ich auch auf zwei, die ein Picknick auf halber Strecke zu sich nahmen. Es war kurz nachdem die winterliche Atmosphäre dem Frühlingsgefühl wich.)

 

Snowdonia

 

Ich persönlich fand „festes Schuhwerk“ ganz angebracht. Aber natürlich – in Britannien unvermeidlich – tänzelten einige Damen in Ballerinas an uns vorüber. Und nicht alle Herren trugen Jacken. (Keine Ahnung, ob es wirklich Muggles waren).

 

Llanberis

 

Die Mountain Railway braucht bis Clogwyn ungefähr eine 3/4 Stunde, bis zum Gipfel eine weitere Viertelstunde. Der Aufenthalt beträgt in jedem Fall 30 Minuten. Die Rückfahrt dauert genauso lang wie die Hinfahrt. Geht man zu Fuß runter, benötigt man im Genießertempo etwa doppelt so lang; also 1,5 Stunden.

 

Northwales

 

Schon 1845 schrieb der Reiseschriftsteller George Borrow über den Snowdon sehr treffend vom „Wandern soweit das Auge reicht“. Uns hat der Dreiviertel-Ausflug wirklich wahnsinnig beglückt. Geübten Alpinisten mag der Llanberis Path allerdings zu easy sein. Wer sich dazu zählt, findet alles über alle Aufstiege auf Gabors Blog Wandern in UK.

 

Snowdon Mountain Railway

 

Und wer sich zum ersten Mal überhaupt mit Snowdonia als Reiseziel befasst, sei noch auf unsere Lieblingsplätze im Norden von Nordwales hingewiesen.

 

Ludwigslust

Montagsspaziergang im Schlosspark Ludwigslust

Schon zigmal habe ich mir auf der Bahnfahrt von oder nach Berlin vorgenommen, irgendwann einmal in Ludwigslust auszusteigen. Und schwups – nur zehn oder zwanzig Jahre später – waren wir nun da. Wie immer in Mecklenburg-Vorpommern fährt man ewig durch dünn besiedelte Landschaften, bis man völlig unvermutet auf die allerschönste Schönheit trifft.

 

Ludwigslust

 

Ganz Ludwigslust ist aus einer Laune heraus entstanden und war gute 80 Jahre Hauptresidenz mecklenburgischer Herzöge. Heute gilt die Innenstadt als einmaliges barockes Flächendenkmal. Sie hat sich diesen leicht verschlafenen Charme erhalten, der Mecklenburg-Vorpommern ganz klar von Schleswig-Holstein unterscheidet – jedenfalls im Landesinneren. Die Atmosphäre passt herrlich zu einem Spaziergang durch den Schlosspark.

 

Ludwigslust

 

In der Touristeninformation erhielten wir einen Lageplan und den Tipp, Räder zu leihen. Es handelt sich nämlich bei der Anlage um den größten Landschaftspark Mecklenburg-Vorpommerns. 130 wundervolle Hektar.

 

Ausgezeichnet: der Schlosspark Ludwigslust

 

2016 belegte der Park den zweiten Platz des Europäische Gartenpreises. In der Kategorie „beste Weiterentwicklung eines historischen Parks“ konnten es nur noch die Hestercombe Gardens in Somerset mit Ludwigslust aufnehmen.

 

 

Während ein Besuch der Hestercombe Gardens – ganz üblich für England – elf Pfund fünfzig kostet, ist der Eintritt in den Schlosspark Ludwigslust frei. Man könnte das eingesparte Geld also locker in Rädermiete investieren, wie von der Dame der Touristeninformation vorgeschlagen. Aber uns persönlich schien Radfahren zu schnell. Über eine „Hofdamenallee“ und unter uralten Baumriesen möchte man ja eher wandeln als rasen.

 

Schlosspark Ludwigslust

 

Montage eignen sich hervorragend für den Besuch. Dann hat nämlich das Schloss geschlossen und „wenig los“ wäre die Untertreibung des Jahrhunderts.

 

Johannisdamm Ludwigslust

 

Wie in barocken Gärten üblich, spielen Sichtachsen und Wasser eine große Rolle.

 

Steinerne Brücke

 

Ein Kanalsystem sorgt mit natürlichem Gefälle dafür, dass alle Wasserspiele ohne Pumpen auskommen. Die Wallanlagen wurden 2014 so erneuert, wie es auf alten Stichen überliefert ist.

 

Kanal Ludwigslust

 

Der Weg am Kanal nutzt die Trasse des ehemaligen Jagdweges und kam mir relativ unendlich vor. Was natürlich wunderbar war im Schatten der Bäume. Fontänen und kleine Wasserfälle sorgen im Kanon mit Vogelgezwitscher für die harmonischste aller Geräuschkulissen.

 

Kanal

 

Etwa ab der Hälfte, bei den „24 Wassersprüngen“, wird die Natur sich selbst überlassen. Urwaldartig führt der Pfad weiter zum Jagdstern mit seinen „14 Alleen“.

 

Natur

 

Überhaupt symbolisiert der Park die damalige Sehnsucht nach Ländlichkeit. Nicht so richtig natürlich. Sondern in schick. Wie etwa der Sommersitz der Herzogin; das Schweizerhaus (hier vom Louisenteich gesehen).

 

Schweizerhaus Ludwigslust

 

Ob wir das Schweizerhaus ohne Lageplan gefunden hätten, bin ich nicht sicher. Es versteckt sich abseits der Hauptwege sowieso jede Menge Sehenswertes, das einem ohne Plan durch die Lappen gehen könnte. Das verwunschene Helenen-Paulownen Mausoleum etwa oder die Erholungshalle zum Vergnügen der Bediensteten.

 

Kaisersaal

 

Von einigen Gestaltungselementen hatte ich noch nie zuvor gehört (was nichts zu bedeuten hat; ich kenne mich mit Gärten auch gar nicht aus). Oben: der Kaisersaal, ein Gartenkabinett. Unten: die Grotte, eine künstliche Ruine, die als Kulisse für Feste diente.

 

Ludwigslust

 

Fazit: Da ich kein Gartenspezialist bin, kann ich den Park schlecht charakterisieren sondern nur feststellen, wie er sich für mich anfühlte, nämlich: wie ein wundervolles Freiluftmuseum. Möchte man sich den gesamten Park anschauen, sollte man 4 Stunden Zeit mitbringen.

Dann fehlt natürlich immer noch das Schloss. Und Ludwigslust selbst. Alles ist m.E. unbedingt einen Ausflug wert – an einem Tag aber unmöglich zu entdecken (oder Stress).

 

Teepavillon

 

Der EC von HH nach Ludwigslust braucht übrigens nur 49 Minuten. Mit Meck-Pomm-Ticket für den Regionalverkehr (23 Euro, 4 Personen) dauert die Fahrt eine halbe Stunde länger.

 

Ludwigslust

 

Morgenrot

24 h Wanderlust in Hohwacht: Columbia Hike & Run

Vergangenes Wochenende haben wir an einem 24-h-Wanderevent in Hohwacht teilgenommen. Naja, nicht so richtig teilgenommen. Sondern eher beobachtet, wie so was abläuft und wer da so mitläuft. Und ab und zu sind wir auch mal selbst marschiert. Denn dazu waren wir von den Veranstaltern eingeladen worden. Konkret ins Hotel Hohe Wacht hoch über der Hohwachter Bucht.

Howacht

Wer nur als Begleitung eines Wanderers nach Hohwacht kam, hatte es auch nicht gerade schlecht getroffen

 

Teilnehmer von Columbia Hike & Run konnten – auch am Vortag und in der Folgenacht – zu extrem guten Konditionen im Hotel logieren. Sie konnten es natürlich auch lassen. Schließlich wollten sie durchgehend wandern. Und für Ruhepausen gab es ein Schlafsacklager. Als wir eintrafen, freuten sich besonders mitgereiste Freunde und Angehörige, die nicht 24 h wandern & runnen wollten, über die tolle Unterbringung. Denn im Kurpark vor dem Hotel lässt sich bestens chillen.

 

 

Im Kurpark befand sich auch die Homebase mit Anmeldung, Ruhezone, Massageliegen und den Ständen der Sponsoren, die so gut wie alles zum Ausprobieren anboten, was der 24-h-Wanderer so braucht: etwa Laufschuhe, Isomatten, Rucksäcke oder Stirnlampen für die Nachtetappe.

 

Birke

Nachts wird mit Stirnlampe gewandert

 

Mit dem Starterpaket erhielten wir Wanderkarten, Pflegeprodukte, Essensmarken, Energie-Riegel und eine Wanderfiebel zum Sammeln der KM-Stempel sowie näheren Infos zu Highlights auf der Strecke. Also unterm Strich das Rundrum-Sorglos-Paket – falls man bei 24-h-am-Stück-Wandern von Sorglosigkeit sprechen kann.

 

24 h Wandern in Hohwacht: Wer macht denn so was?

 

Um 10.00 Uhr fiel der Startschuss für die 24-h-Wanderer, die man nicht in bestimmte Schubladen stecken konnte. Sie starteten allein, zu zweit, Freundeskreisweise und einige auch mit Hund. Den Dialekten nach waren sie aus ganz Deutschland angereist. Der Optik nach irgendwo zwischen U20 und Ü60 Jahren, körperlich von extrem fit bis ganz normal.

 

Wandern

Erstaunlich: auf Wanderevents ist es nicht voll

 

Im Kopf gibt’s natürlich schon eine Gemeinsamkeit: Man will das mal erleben. Und man möchte das auch ganz gerne schaffen. Wobei beim Briefing mehrmals darauf hingewiesen wurde: Aussteigen ist kein Problem. Seine Grenzen zu erkennen, jeder Ehre wert. Einfach beim Team anrufen und abholen lassen.

 

Binnensee

Die Strecken waren grossartig ausgearbeitet und setzten die Region so richtig in Szene

 

Gewandert wurde auf drei Schleifen. Die erste führte ins Landesinnere – grob gesagt in einem weiten Bogen um Gut Panker herum. Insgesamt 40 km. Es wird nicht im Pulk gewandert sondern jeder im eigenen Tempo. Einzige Vorgabe: Bis 22.00 Uhr zurück im Basislager sein. An gewissen Punkten hakt das Team ab, ob noch alle Wanderer an Bord sind. Verloren gehen können Nachzügler also nicht.

 

Meanwhile in Hohwacht: Columbia Trail Challenge

 

Am Sonnabend gingen nicht nur Wanderer sondern auch Querfeldein-Läufer an den Start. Sie rannten auf der „kurzen“ Distanz 21 km über Stock und Stein. Auf der mittleren Distanz sogar mehr als 30 km. Ihr Tempo würde ich als Affenzahn beschreiben. Irre. Zumal es sehr heiß war und die Holsteinische Schweiz ja auch nicht gerade mit Hügeln geizt. Dennoch: Alle haben es ins Ziel geschafft.

 

 

Auch die 24-h-Wanderer fanden nach und nach ins Basiscamp zurück. Hier wurden sie von einer Live-Band und Barbecue erwartet. Inzwischen hatten sich jede Menge weitere Wanderer eingefunden. Sie stiegen erst zur Halbzeit von Columbia Hike & Run ein.

 

12 h Wandern durch die Nacht in Hohwacht

 

Die Nachtwanderer absolvierten ebenfalls rund 40 km, aufgeteilt in 2 Schleifen. Zunächst ging es auf die Mondscheintour Richtung Sehlendorf.

 

Flunder Hohwacht

Die Mondscheintour startete in der Abenddämmerung

 

Nach einer Pause und heißer Suppe im Basislager konnte die Sonnenaufgangstour Richtung Behrensdorf in Angriff genommen werden.

 

Flunder Hohwacht

Die Sonnenaufgangstour startete in der Morgendämmerung

 

Und falls es nächstes Jahr wieder ein Columbia Hike & Run in Hohwacht gibt, sag ich nur: Machen. Nachts zu wandern ist ohnehin schon krass. Am Strand ja noch mal hoch zehn. Dass die Temperaturen letztes Wochenende an Südeuropa erinnerten ein enormer Glücksfall.

 

Columbia Hike & Run Hohwacht: Warum das richtig cool ist

 

Alle drei Touren waren wunderbar ausgeklügelt. Und ausgeschildert. Da hat sich jemand richtig Mühe gegeben, den Teilnehmern die schönsten Ein- und Ausblicke der  Hohwachter Bucht zu präsentieren.

 

Reiher

Wenn es Nacht wird am Sehlendorfer Binnensee

 

Unterwegs wurden die Teilnehmer an Versorgungsstationen verpflegt. So servierte etwa ein Butler am Hessenstein Getränke. Und mitten im Wald konnten Pausenbrote, Obst und Gemüse in Liegestühlen genossen werden.

 

 

Meine persönliche Lieblingsstation war der Leuchtturm in Behrensdorf. Den darf man normalerweise nur zu den Leuchtturmtagen besteigen (wenn er völlig überfüllt ist) oder falls man heiratet (was mir etwas aufwändig erscheint). Für die Teilnehmer der Wanderlust öffnete er exklusiv zum Sonnenaufgang. Ein Wahnsinnserlebnis.

 

 

Am Fuß des Leuchtturms gab ein Akkordeonspieler Shanties zum Besten. Der Feuerlachs duftete. Und ich weiß gar nicht, was mich mehr beeindruckt hat: die Wanderer, die da echt schon mehr als 70 km geschafft hatten, das Orga-Team oder die wunderschöne Umgebung.

 

Anders als wir dachten: Wanderevents

 

Uns war 24-h-Wandern kein Begriff, dabei greift es schon seit einiger Zeit um sich. Es gibt sogar 24-h-Blogger-Wandern; hier findet Ihr den Erlebnisbericht von Jessie, die auf Bunterwegs bloggt.

 

Sonnenaufgang

Mit Papa den ersten Sonnenaufgang des Lebens betrachten: Unbezahlbar

 

Wir hatten uns organisiertes Wandern nicht so lässig vorgestellt. Es ist auch alles andere als Massenwandern. Da man zu seltsamen Zeiten marschiert und vielfach abseits ausgetretener Pfade, ist es sogar auf weiten Strecken viel ruhiger als auf gewissen Wanderwegen.

 

Sonnenaufgang

 

Columbia Run & Trail macht diesen Sommer noch Station in Bayern, Österreich und der Schweiz. Falls Ihr Euch also was Gutes tun wollt, leiten wir Euch ausnahmsweise in den weit entfernten Süden weiter: Klick. (Aber hübsch wiederkommen, nech?!)
boot

Offenlegung: Wie eingangs erwähnt wurden wir eingeladen. Ganz herzlichen Dank an Elisabeth von xpert marketing, die so reizend ist, dass man beinahe in Versuchung kommen könnte, einen Beitrag für sie zu schönen. Aber das war zum Glück gar nicht nötig.

das hamburgische Wattenmeer

Das Hamburgische Wattenmeer oder: wie kommt man von Neuwerk weg?

Das Hamburgische Wattenmeer ist das größte Naturschutzgebiet Hamburgs. Ein Nationalpark sogar. Von der UNESCO als Weltnaturerbe geadelt. 90% von insgesamt 13.750 ha sind als Schutzzone deklariert.

Ich bin nicht sicher, ob die Salzwiesen rund um das Badehäuschen von Neuwerk dazu gehören. Einerseits muss man da ja wohl irgendwie hinkommen. Andererseits kann ich keinen speziellen Weg entdecken. Sicherheitshalber bewundere ich den Sonnenaufgang vom Deich aus.

Wir haben ja noch den ganzen Tag. Unser Schiff geht erst in 13 Stunden. Viel Zeit für eine 3qkm kleine Insel. So viel Zeit, dass einen die reine Seelenruhe überkommt. Seit wir gestern angekommen sind, liegt unsere Taktzahl deutlich unter normalem Tempo. Der Himmel wechselt von rot über rosa zu blaugrau.

 

 

Die Ölplattform Mittelplate am Horizont wirkt auf mich wie ein mahnender Zeigefinger. Sie liegt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dort übernehmen gerade Parteien das Ruder, die sich klar für neue Bohrungen ausgesprochen haben. Auch wenn dafür das Gesetz gebeugt werden muss. Und darüber könnte ich trübsinnig werden.

 

Das Hamburgische Wattenmeer: bedrohte Wunderwelt

 

Zwei Jungs in Profi-Outdoor-Outfits erklimmen den Deich. Sie wollen raus auf den kleinen Vogelsand. Nur dort darf das Hamburgische Wattenmeer weitflächig betreten werden. Die beiden zeigen mir den Zaun, der die Grenze zwischen Schutzzone I (Betretungsverbot) und Schutzzone II (Betreten bei gutem Benehmen erlaubt) markiert. So weiß ich nun auch, wie ich zum Badehäuschen komme.

 

Neuwerk

 

Dass ich nicht einfach so durch die Salzwiesen stiefeln wollte, hat mit den Seevögeln zu tun. Für viele ist Neuwerk von existenzieller Bedeutung. Als Tankstelle auf dem Weg in den Norden oder als Brutgebiet. So kommen zum Beispiel mindestens 75% aller europäischen Brandenten in die Elbmündung zur Mauser. Um nur mal die Zahl für eine Art in den Raum zu werfen.

 

Badehaus

 

Ich sitze eine ganze Weile auf einer Bank vom dem Badehäuschen und schaue dem Wind dabei zu, wie er den Himmel blau putzt. Die Vögel scheint meine Existenz nicht sonderlich zu beeindrucken. Nur wenn ein Hase wie wildgeworden durch die Menge rast, fliegen sie in riesigen Wolken auf. Es fühlt sich an, als wäre ich in eine NDR-Doku geraten.

 

 

Es ist witzig mit Neuwerk. Der Insel fehlt eigentlich alles, was die anderen Nordseeinseln ausmacht. Strände, Dünen, niedliche Friesenhäuser: Fehlanzeige. Trotzdem sind mir unsere 2 Tage zu wenig. Ich bräuchte die doppelte Zeit. Mindestens.

 

Das Hamburgische Wattenmeer: Mehr Zeit für Meerzeit

 

Gaaanz langsam schlendere ich zum Hotel, dusche ewig (mache dabei ein bisschen mehr Krach als nötig, damit einer aufwacht, der mich zum Frühstück begleiten kann.) Und alles ist sehr relaxed und entspannt und Kaffeeduft und Brötchen und Tagesplanung … bis unsere Gastgeberin Frau Griebel mit entschuldigendem Lächeln an unseren Tisch tritt und sagt, dass unser Schiff heute leider nicht kommen wird.

 

Hamburgisches Wattenmeer

 

Ich mache ein Gesicht wie eine Fünfjährige, dem die Eiskugel aus der Waffel gefallen ist. Aber da kann man nun mal nix machen. Der Ostwind ist zu stark, das Wasser dementsprechend flach. Nun bleibt nur verlängern oder der Wattwagen – denn Wattwagen geht immer. Heute allerdings schon um 12.00 Uhr.

 

 

Es muss nun alles recht hastig gehen. Was wahnsinnig blöd ist, weil hastig überhaupt nicht zu Neuwerk passt. Für den Leuchtturm und das Ostvorland bleibt uns jetzt noch weniger Zeit als einem Tagesausflügler. Den Friedhof der Namenlosen und das Nationalpark-Haus müssen wir ungesehen zurücklassen. Viel zu schnell sitzen wir auf dem Wattwagen zurück aufs Festland.

 

Sahlenburg

 

Wattwagenfahrt durch das Hamburgische Wattenmeer

 

Wattwagenfahrt Neuwerk

 

Vermutlich hätte ich freiwillig nie eine Wattwagenfahrt gebucht. Doch unser Kutscher versichert, die Pferde würden keine Höllenqualen leiden. Anstrengend sei es allerdings schon, gibt er zu. Deshalb lässt er seine Tiere mindestens ebenso viele Tage ruhen wie arbeiten. Der Wagen rollt im Watt nicht leicht dahin und teilweise sind die Prile so tief, dass den Pferden das Wasser bis zum Bauch steht. Was ich nie gedacht hätte: Auf dem Prickenweg herrscht ein Verkehr wie auf der A7.

 

Wattwagen

 

Gute 1,5 Stunden sind wir unterwegs. Es ist relativ ungemütlich und regnet ab und zu ein bisschen. Die 2 Typen, die auf eine leicht herrische Art die erste Bank für sich beansprucht haben, kriegen am meisten Wind & Wasser ab. Es gibt eben doch Gerechtigkeit auf der Welt.

 

Rettungsinsel

Rettungsinsel für Wattwanderer

 

Und während wir da durch´s Watt traben, ziehe wir unser persönliches Fazit. Wir sind noch nicht fertig mit Neuwerk und kommen hoffentlich noch einmal zurück. Wenn man´s gleich richtig machen möchte, dann unserer Meinung nach in etwa so:

 

Einmal im Leben: das Hamburgische Wattenmeer

 

Schönste An/Abreise: Schiff (falls es nicht fährt: Wattwagen)

Beste Zeit: Mitte/ Ende September

Optimale Dauer: 4 Tage

Davon je einer zum entspannten Ankommen und Verabschieden. Und je einer zum Wattwandern a) auf dem Kleinen Vogelsand (Robben kieken) und b) zur wandernden Düneninsel Scharhörn (Vogelwart vorher informieren).

 

 

Und wer jetzt noch mehr über Neuwerk und das Wattenmeer wissen möchte, kann mal bei Sebastian vorbeischauen. Er lebt (!) auf einem Boot in Cuxhaven und kann wahrscheinlich so ziemlich jede Frage beantworten.

 
Reiten Watt
 

Neuwerk

Hamburgs stillster Stadtteil oder: Wie kommt man nach Neuwerk?

In meiner Vorstellung bin ich immer nach Neuwerk gewandert. Also, wattgewandert – von Cuxhaven über sandigen Boden – bei Sonnenschein versteht sich, mit kühlem Nordseewind im Gesicht.

Aber so einfach ist das gar nicht.

Das hatte ich schon letztes Jahr festgestellt, als ich mir zuerst einen Termin für den Kurztrip nach Neuwerk freischaufelte – und danach den Tidenkalender checkte, um festzustellen: jeden Monat ist die Insel für einige Tage unerwanderbar.

Dieses Jahr stellte ich es schlauer an.

Und wir wären auch ganz bestimmt nach Neuwerk gelaufen, hätte uns nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Regen & Kälte waren angesagt, was nicht so schön ist, weil der Wattwanderweg eben nicht über eine sandige, weite Fläche führt. Sondern durch schlickiges, schlammiges Gluckerwatt und durch Priele, in denen man schon mal bis zum Knie versinken kann. Dazu war ich zu schisserig. Und deswegen nahmen wir das Schiff.

 

Nordsee

 

Die Flipper braucht von Cuxhaven bis Neuwerk etwa 1,5 Stunden. Normalerweise. Bei uns war irgendwas mit dem Wetter. Zunächst bekamen wir davon nichts mit, außer dass es nicht wie angekündigt regnete. Daher war die Laune prächtig. Unsere genau wie die, der etwa 10 anderen Passagiere.

 

Kugelbake

Die Kugelbake markiert die Grenze zwischen Elbe und Nordsee

 

Nach den avisierten 1,5 Stunden waren wir immer noch ziemlich weit von Neuwerk entfernt. Die Motoren der Flipper waren irgendwann gedrosselt worden oder was – jedenfalls kaum mehr zu hören. Was einerseits herrlich war und andererseits die Anreise auf 2,5 Stunden erhöhte.

 

Sandbank

Hier sollten eigentlich Seehunde liegen

 

Es machte einige an Bord nervös. Weil a) keine weitere Info aus der Mannschaft rauszukriegen war und b) die wertvolle Inselzeit zusammenschrumpfte. Umso größer dann die Oh´s und Ah´s, als wir endlich auf die Hafeneinfahrt zusteuerten und die Insel so richtig Gestalt annahm.

 

Neuwerk

Mein Lieblingsplatz auf Neuwerk: davon berichte ich noch mal genauer

 

Zwischen April und Oktober kommen etwa 100.00 Tagesgäste nach Neuwerk – mit dem Schiff, per Pferdekutsche oder zu Fuß. Im Sommer kann es schon mal zu voll (im Sinne von: viel zu voll) werden. Im Frühling und Herbst: nicht.

 

Tagesausflug nach Neuwerk

 

Je nach Verkehrsmittel bleiben Tagesgästen so zwischen ein und drei Stunden Aufenhalt auf Neuwerk. Eine Schiffspassage kostet einfach 20,–; bzw. 28,–, für das Retourbillet. Im Wattwagen zahlt man 22,– pro Strecke. Kombis sind möglich. Natürlich auch für Wattwanderer. Manchmal sogar unumgänglich, weil die Gezeiten nichts anderes zulassen.

 

Neuwerk

 

Auf Neuwerk leben so um die 40 Hamburger. Die Insel gehört nämlich zur Hansestadt. Zur Hälfte bereits seit 1286, als sie noch O hieß und seit 1969 ganz und gar (in den Jahren dazwischen, war´s ab und zu mal anders.) Und es ist irgendwie ganz witzig, nach 5 Stunden Anreise mit der Hamburg-Flagge begrüßt zu werden und sich immer noch im Heimatbezirk zu befinden. Denn Neuwerk ist Teil von Hamburg-Mitte.

 

 

Neuwerk ist recht winzig und platt. Konkret: 3 qkm groß, die höchste Erhebung 7 Meter hoch. Im Normaltempo dauert die Umrundung nicht einmal eine Stunde. Dabei läuft man meistens auf dem Deich. Abgesehen vom Ostvorland, wo ein gekennzeichneter Weg durch die Salzwiesen führt. (Eine wunderschöne Sache, die einen eigenen Bericht verdient).

 

 

Zweiter Pflichttermin für Tagesausflügler ist der Leuchtturm, bei dem es sich um das älteste noch erhaltene Gebäude Hamburgs handelt. Er steht auf der Turmwurt, einer Warft, die als City von Neuwerk gelten kann.

 

 

Auf der Turmwurt befindet sich auch der Inselladen, wo es angeblich alles gibt, was man so braucht. Jedenfalls behauptet das Schild am Eingang: Was es hier nicht gibt, brauchen sie nicht. Dem Angebot nach braucht man auf Neuwerk vor allem „was zu trinken“.

 

 

Der Inselladen scheint der Treffpunkt zu sein. Es saßen dort jede Menge Insulaner in einem Zelt und im Freien sammelten sich einige Schiffspassagiere, um vor der Abreise noch „was zu trinken“. In der Mitte saß der Ladenbesitzer und schnackte mal in die eine, mal in die andere Richtung, wie eine Art Übersetzer.

Wir hatten an einem langen Holztisch Platz genommen, gemeinsam mit einem Mann und zwei Frauen, die wir schon vom Deck der Flipper kannten. Die Frauen erinnerten den Mann immer mal wieder an die Abfahrtzeit, woraufhin der Mann sich cool gab und Sachen sagte wie „ruhig bleiben“ und „das schaffen wir schon“.

Selbst als der Besitzer des Inselladens mahnte: „also, nun müssten Sie aber langsam mal los“, tat er es mit Worten ab – körpersprachlich schien er jedoch langsam nervös. Meiner Interpretation nach wollte er partout nicht hektisch werden, so lange Volko locker blieb. Es gibt ja solche Männer. Die Sache war nur die: Wir mussten überhaupt nicht los. (Als der Mann das hörte, hatte er es auf einmal sehr eilig.)

 

Übernachten auf Neuwerk

 

Auf der Liste meiner Lieblingsgefühle ganz weit oben steht: Auf einer Insel bleiben, wenn die Tagesgäste abreisen. Erst wenn es wieder ruhig wird auf den Inseln, entfalten sie ihren wahren Zauber. Das habe ich auf Helgoland gelernt. Und es bestätigt sich eigentlich immer.

 

Neuwerk

 

Auf Neuwerk gibt es erstaunlich viele Übernachtungsmöglichkeiten. Angefangen von Campingplätzen und Heuherbergen bis zum 4-Sterne Hotel Nige Hus. Und eben dort hatten wir gleich nach Ankunft unser Gepäck abgestellt.

 

 

Unser Zimmer war von der Art, die mich sofort bedauern ließ, dass wir es nur eine Nacht bleiben konnten. Zu gern hätte ich einen ganzen Regentag dort verbracht. Vor allem weil nicht nur das Bett für die Kinder in einem Alkoven untergebracht ist. Sondern auch das für die Erwachsenen. Zwar haben die Erwachsenen nur eine Treppe und keine Leiter wie die Kinder. Aber dafür entschädigt ein Panoramfenster auf Augenhöhe mit dem Blick über weite Wiesen.

 

 

Unsere Gastgeberin, Svenja Griebel, hatte uns auch erklärt, warum das Schiff eine Stunde Verspätung gehabt hatte. Bei bestimmten Wind wird die hier ohnehin superflache Nordsee unpassierbar. Sie nahm an, es sei heute schon einiges Geschick vom Kapitän nötig gewesen, um überhaupt anlegen zu können.

 

Yachthafen Neuwerk

 

Genau darüber wurde jetzt auch am Stammtisch des Inselladens diskutiert. Zwei Segler im kleinen Yachthafen warten am Vortrag nicht weggekommen, mussten heute aber nun unbedingt zurück ans Festland. Einer aus beruflichen Gründen, der andere wegen eines Zahnartztermins. Ein paar Leute machten sich auf den Weg, um mal zu gucken, wie und ob es den Seglern heute glücken würde.

 

 

„Glaub nicht, dass sie es schaffen“, sagte der Besitzer des Inselladens. „Es wird ja schlimmer mit dem Wind. Nicht besser.“ Wir hatten das gar nicht bemerkt, denn man sitzt beim Inselladen so schön geschützt. Doch auf dem Rückweg wurden wir recht famos durchgepustet.

 

Neuwerk

 

Zu Abend aßen wir im Anker. Er gehört zum Hotel Nige Hus bzw. ist er quasi die Urzelle des Ganzen. Eröffnet wurde das Lokal von Herrn Griebel senior, der als letzter Pirat von Neuwerk gilt. Die Spezialität sind Bratkartoffeln. Was muss man mehr sagen?! Vielleicht dass wir nicht eine einzige liegen ließen. Obwohl die Portionen Seebären-gerecht ausfallen.

 

 

Inseltage machen eben hungrig. Und sie vernebeln einem wohl leicht den Kopf. Anders kann ich mir nicht erklären, warum wir beim Nachtspaziergang zwar launig darüber diskutierten, ob der Segler mit dem Zahnarzttermin nun wohl über die Maßen glücklich oder unglücklich sei – dabei aber die wichtigsten Fragen gar nicht stellten …

 

Sonnenuntergang

 

Zum Beispiel ist doch eine sehr interessante Frage diese: Sollten 2, die mit dem Schiff auf eine Insel gekommen sind, darüber lachen, dass 2 andere mit ihren Schiffen nicht mehr von der Insel wegkommen?!

Dazu dann mehr im

 

Teil 2: Wie kommt man von Neuwerk wieder weg?!

 

 

Offenlegung: Wir wurden von den Griebels ins Nige Hus eingeladen. Ganz unabhängig davon können wir das Hotel wärmstens empfehlen. Genau wie ganz Neuwerk. Zur Homepage des Hotels gehts hier lang: Klick.

Friedrichsruh

Frühling in Friedrichsruh: Auf Bismarcks Spuren im Sachsenwald

Frühling in Friedrichsruh ist waldmeistergrün und waldgeisterweiß und Bismarck. Norddeutschland hats ja eigentlich nicht so mit Heldenverehrung. Doch Bismarck ist eine Ausnahme. Man denkt hier über ihn so oder so, kommt aber schlecht an ihm vorbei. Irgendwo findet sich immer ein überlebensgroßes Denkmal. Besonders eben im Sachsenwald, den Bismarck einst vom Kaser geschenkt bekam.

 

 

Den Sitz der Bismarcks, ein ehemaliges Hotel, kann man nicht besichtigen, weil es noch (von Bismarcks) bewohnt wird. Doch das bismärckliche Drumrum reicht locker für zwei Sonntagsausflüge; eher drei. Man braucht dafür keinen großen Plan sondern stolpert einfach von der S-Bahn Aumühle in den größten Wald Schleswig-Holsteins und folgt Wegweisern oder dem eigenen Gespür.

 

 

Friedrichruh ist so ein richtiges Familienausflugsziel. In den alten Gewächshäusern beim Schlossteich führen die Bismarcks den Schmetterlingsgarten; ein Tropenhaus im Wald mit exotischen Faltern. Bestimmt toll, zumal auch ein Teil der Gärten zugänglich ist, mit 8,50 Eintritt allerdings nicht ganz günstig. Vermutlich haben Kinder auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums genauso viel Freude. Das kostet nüscht und man darf auf Loks klettern und historische Speisewagen erkunden.

 

Waldeslu-hu-hust: Friedrichsruh

 

Bismarck war ein Lebemann. Er trank und aß im Überfluss. Er wurde immer dicker und wog 1879 247 Pfund, bei einer Körpergröße von 1,90 Meter. Er litt unter zahlreichen teils chronischen Krankheiten wie Rheuma, Venenentzündungen, Verdauungsstörungen, Hämorrhoiden und vor allem unter Schlaflosigkeit, hervorgerufen durch Völlerei. Neben dem Konsum von Alkohol und Tabak berichteten Zeitgenossen wie die Baronin Hildegard von Spitzemberg auch von der Einnahme von Morphium (Sagt Wiki).  Begraben liegt er gleich gegenüber des Bahnhofs Friedrichsruh.

 

 

Den Platz für das Mausoleum hat Bismarck selbst gewählt. Es befindet sich auf einer kleinen Anhöhe mit fabelhaftem Blick auf Schloss, Wald – und die Bahnstrecke Hamburg – Berlin. Eisenbahnen hatten es dem Reichskanzler angetan. Auf dem Gelände findet sich auch der Familienfriedhof. Die 2 Euro Eintritt lohnen unserer Meinung nach.

 

 

Wer sich inhaltlich für Bismarck und seine Zeit interessiert, hat gleich zwei Anlaufstellen: Das Bismarck-Museum (Eintritt 4 Euro) und die Dauerausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung im ehemaligen Bahnhofsgebäude Friedrichsruh (kostenfrei).

 

 

Ich hab mir die Ausstellungen mal für die Wintermonate notiert. Auch weil ich im wunderbaren Forsthaus Friedrichsruh ganz gern mal am prasselnden Kamin säße. Das Forsthaus wurde 1874 erbaut und ging 1876 in den Bismarck´schen Besitz über. Seit 1895 ist es ein Ausflugslokal; ach was sag ich: es ist der Inbegriff eines Ausflugslokals im Wald. Jetzt im Frühling sitzt man draußen im Garten. Und das ist wirklich traumschön.

 

Forsthaus Friedrichsruh

 

Im Foyer liegen Flyer mit Wanderwegen aus. Den „Eisvogelweg“  habe ich eingesteckt. Er führt zur Bismarckquelle und den gehen wir dann bei unserem nächsten Besuch. Vielleicht wenn uns im Hochsommer mal nach kühlem Waldschatten ist oder wenn die Bäume im Herbst sich färben und falls es in irgendeindem Winter tatsächlich einmal schneien sollte.

 

 

PS.: Volko hat mich gebeten zu erwähnen, was ihn am stärksten am Forsthaus beeindruckt hat („so etwas interessiert Männer, hat er gesagt). Also bitte: Ein Eberkopf und eine Teslatankstelle (falls man das überhaupt Tankstelle nennt?!).

 

 
Tesla-Tankstellen gibt es in Friedrichsruh übrigens extrem viele. Und ich könnte wetten, das hat auch was mit Bismarck zu tun.
 

Apfelbluete

Der geheime Garten alter Obstsorten in Haseldorf

Letzte Woche habe ich eine Wind- und Wettertour zum Garten alter Obstsorten in Haseldorf unternommen. Ich hatte es auf dem Zettel, seit wir vergangenen Sommer auf dem Elberadweg nach Glückstadt gefahren sind.

 

Wedeler Marsch

 

Schon damals wäre ich lieber im Schneckentempo durch die holsteinischen Elbmarschen geschlendert, weil links und rechts vom Deich die verheißungsvollsten Stichwege und Trampelpfade in üppige Natur führen. (Links vom Deich ist hier möglich (und nicht Elbe), weil wir vom Elbvorland sprechen; einer weitläufigen, irre schönen Auenlandschaft, die noch überfluten darf.)

 

Binnenelbe

 

Wirklich geheim ist der Garten alter Obstsorten nicht. Auf Höhe des Haseldorfer Hafens weist binnendeichs sogar ein Schild auf den Spazierweg zum Garten. Nur spazierte doch niemand außer mir und das löst immer so ein Heimlichkeitsgefühl aus, wie ich finde. Spätestens als ich über den Zauntritt in den Garten kletterte, kam ich mir vor, wie im Märchen.

 

Binnenelbe

 

Oder vielleicht nicht wie im Märchen sondern wie in einer Erinnerung. Nicht, dass meine Großeltern eine Plantage besessen hätten, die von Schafen beweidet wurde. Doch die 4 Obstbäume in ihrem Garten durften genauso knorrig und von Moos bewachsen sein wie die 489 Exemplare im Garten alter Obstsorten in Haseldorf.

 

Garten alter Obstsorten

 

Der Garten alter Obstsorten in Haseldorf

 

Apfelbaum

 

Ich kannte vorher weder den Englischen Prinzen noch Stina Lohmann, nicht das Juwel aus Kirchwerder oder die anderen 180 Obstsorten, die aus den Supermärkten so gut wie verschwunden sind. 125 Apfel-, 37 Birnen-, 25 Pflaumen- und 7 Kirschsorten werden in Haseldorf bewahrt. Der Garten ist eine der größten öffentlichen Obstsammlungen in Deutschland.

 

Apfelbaum

 

Öffentlich bedeutet nicht nur, dass jeder jederzeit willkommen ist – sondern auch, dass alle herzlich eingeladen sind zuzugreifen, wenn es an die Ernte geht. Die Pflanzenschilder verraten die Pflückzeiten der Früchte. Los geht’s Ende Juli mit den Kirschen und auch schon ersten Apfelsorten wie dem Stark Earliest. Bis Ende November könnte man jede Woche kommen und eine andere Sorte probieren.

 

Pflaume

 

„Leider gibt es einige Gäste, die so viel pflücken, dass für andere nichts übrig bleibt“, steht auf einem Aushang geschrieben. Daher mussten Regeln festgelegt werden. Nicht mehr als 10 kg pro Person, keine Handwagen, Schubkarren oder ähnliches.

Schubkarren? WTF?  Mal vom Karma ganz abgesehen, stelle ich es mir viel besser vor, von der Hand in den Mund zu rauben. Am liebsten auf einer karierten Decke sitzend, im Schatten eines alten Baumes, umgeben von Schafen.

 

Gartenbank

 

Ich nehme mir also vor, Haseldorf noch einmal zur Erntezeit beehren. Zumal ich schon wieder auf zwei Dinge gestoßen bin, die ich in der Gegend unbedingt noch mal sehen/ machen möchte. Das scheint ein Gesetz der Marschen zu sein.

 

 

PS.: Weil wir das Thema hier ja letztens hatten, habe ich auf dem Rückweg noch mal kurz bei den Schachblumenwiesen in Hetlingen vorbeigeschaut. Das Gelände ist sehr viel kleiner als das Junkernfeld in der Seevetalniederung. Dafür ist nichts eingezäunt. Also: auch empfehlenswert.

 

schachblumen hetlingen

beten scheef, hett gott leef

 

PPS.: Der beste Weg nach Haseldorf führt über Wedel. Vom Bahnhof geht es runter an die Elbe und dann immer am Deich lang. So kommt man aus etwa auf 14 km. Wanderer können von Haseldorf den 598er zurück nach Wedel nehmen. Ich persönlich würde sagen, Radfahrer have more fun, aber das ist Geschmacksache.

 

Wedeler Marsch

Wedeler Marsch

 

Wenn Ihr also den Garten alter Obstsorten mit dem Rad oder zu Fuß ansteuert, habe ich noch einen Tipp, für den es sich unbedingt lohnt, sich vom Elbblick loszureissen. Auch wenn es schwer fällt.

 

Elbe

 

Auf dem Weg liegt ein Ziel: die Carl-Zeiss-Vogelstation

 

Nonnengans

 

Im Moment ist die Carl-Zeiss-Vogelstation nicht zu überhören. Und es ist auch nicht zu übersehen, dass die Wedeler Marsch ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel ist. Das Schutzgebiet des Nabu liegt etwa einen Kilometer hinter der Gaststätte Fährmannsand.

 

 

Am Rande der Wasserzonen befinden sich drei Beobachtungshütten – sogenannte Hides. Echt eine feine Sache.

 

Carl-Zeiss-Vogelstation

und am Ende des Weges liegt ein Hide am See

 
Meinen besten Moment hatte ich, als auf dem Weg zum Hide eine Horde Schwalben über mir tanzte. Ich war viel zu beeindruckt, um zu fotografieren. Hab´s aber als besonderes Erlebnis in meinem Kopf abgespeichert.
 

Jetzt bin ich wohl irgendwie vom Thema abgekommen. Wie ich eben auch in den holsteinischen Marschen gern vom Weg abweiche. Was ich eigentlich sagen wollte:

Im Garten alter Obstsorten in Haseldorf stehen die ersten Bäume in voller Blüte, während andere noch nicht einmal Knospen entwickelt haben. Er hat also von jetzt bis zur letzten Ernte im November seine beste Zeit.

 

Wolken

Llandudno

Als wir uns einmal in alles verliebten: Llandudno

Llandudno wird mit 99%er Wahrscheinlichkeit nicht so ausgesprochen, wie Du gerade denkst. Es sei denn, Du kannst walisisch (wofür ich Dich über die Maßen bewundern würde). Falls nicht: LL wird bei den Walisern zu th-l. Das U meist zu i. Also, Llandudno heißt nicht Landadno sondern Thlandidno und galt bei seiner Entstehung als „finest seasideresort in Western Europe“.

 

Llandudno

 

Das Besondere an Llandudno: Bis heute ist die Promenade vollkommen verschont geblieben von Spielhallen und weiteren Vergnügungsbetrieben, wie man sie sonst so gern in Britanniens Seebädern findet. Es ist auch nicht nur die erste Hotelreihe, die sich Mühe gibt. Sondern der gesamte Ort.

 

 

Nicht alle Hotles und Pensionen halten von innen, was sie von außen versprechen. Allen voran das ehemals erste Haus am Platz.

 

Lundudno Pier

 

Das Grand Hotel Llandudno

 

Das Grand Hotel erscheint Realisten ziemlich auf den Hund gekommen. Für Träumer hingegen als eine Wahnsinnskulisse; nicht umsonst ist der Bau von 1901 ein beliebter Drehort. Also: ruhig mal auf einen Tea (oder eine Partie Bingo am Abend!) vorbeischauen. Es scheint dort niemanden weiter zu stören, wenn man durch die leeren Sääle geistert.

 

 

Die Lage des Grand Hotels ist nicht zu toppen. Allerdings liegt ganz Llandudno ziemlich günstig auf einer Landzunge. Was das betrifft, kann man mit seiner Unterkunft nicht viel falsch machen. Vorn blickt die Stadt auf die Irische See. Im Rücken erheben sich die Berge von Snowdonia vor einer zweiten Bucht, deren Strand sogar noch schöner als der vordere.

 

Llandudno

 

1849 war ein ziemlich guter Zeitpunkt, um ein Seebad auf dem Reißbrett zu entwickeln. Jedenfalls für Menschen, die was für viktorianische Architektur übrig haben.

 

Ein Denkmal für Victoria: Llandudno

 

Victoria, übrigens gleichermaßen Ururgroßmutter von Elisabeth II. wie auch ihrem Ehemann Prinz Philip, ist eine der zwei Frauen, um die sich in Llandudno ziemlich viel dreht. Zu ihrem goldenen Thronjubiläum eröffnete das Happy Valley, ein Park wie aus einem englischen Märchen – im allerwörtlichsten Sinne.

 

Victoria

 

Im Happy Valley startet der Alice-in-Wonderland-Trail. Es ist umstritten, ob Lewis Carroll überhaupt jemals in Llandudno war. Aber Alice Liddell, nach deren Vorbild Carroll die Titelheldin von Alice im Wunderland schuf, verbrachte viele Sommer mit ihrer Familie in der Stadt.

 

Llandudno zweiter Name lautet Alicetown

 

Beinahe an jeder Ecke erinnern überlebensgroße Holzfiguren an den Hutmacher, das Kanninchen, die böse Herzogin et al. Und wer ein phantasiebegabtes Kind hat: hier bist Du richtig.

 

Happy Valley Llandudno

 

In der Hauptsaison führt eine Seilbahn vom Happy Valley hinauf auf´s Plateau des Great Orme, dem Hausberg Llandudnos. Genau wie beim Little Orme am anderen Ende der Bucht, handelt es sich beim Great Orme um eine Kalksandsteinzunge. Nur eben in viel, viel größer.

 

little orme

Little Orme

 

Zieht man die Seilbahn ab (weil sie geschlossen hat), bleiben immer noch drei Arten, den Great Orme zu bezwingen. Und eine ist besser als die andere.

 

1. The Marine Drive Llandudno

 

Die gebührenpflichtige Einbahnstraße (3 Pfund) führt einmal um den Great Orme herum. Es gibt nicht viele Möglichkeiten anzuhalten. Ab und zu eine kleine Parkbucht und etwa auf halber Strecke das „Rest & be thankfull-Café“. Einziger möglicher Abstecher ist die Zick-Zack-Straße zur Kirche St. Tudno.

 

 

2. Great Orme Tramway

 

llandudno

 

Die Great Orme Tramway ist eine der zwei letzten Standseilbahnen auf der Welt, die andere fährt in Lissabon. Seit 1902 verbindet sie die Viktoria Station in Llandudno City mit dem Visitor Center auf dem Great Orme.

 

Great Orme

 

3. Der Wales Coast Path

 

Die Wanderung von Llandudno nach Conwy gehört zu den Sahneschnitten des Wales Coast Path. Der ist so toll, dass er einen eigenen Beitrag braucht; dazu also demnächst mehr.

 

Ginster

 

Fehlt noch das Ober-Highlight von Llandudno. Der Grund, warum sich immer wieder Leute in das Seebad schockverlieben. Zwar haben wir schon berichtet, aber man kann wohl kaum einen Bericht über Llandudno schreiben, ohne sie zu erwähnen:

 

Die Pier von Llandundo

 

Llandudno Pier

 

Mehr über die Schönheit findest Du im Beitrag über unsere Lieblingsplätze in Nordwales. Die sind übrigens alle nicht weit entfernt von Llandudno. Und das ist noch so ein Grund, warum wir „die Perle der Golden Coast“ schwerstens empfehlen können, falls Du mal einen Trip nach Nordwales planst. (Was ohnehin eine Spitzenidee wäre).

In diesem Sinne: Hwyl Fawr (ich glaube, das heißt Tschüß)

Rund um die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld

Einmal im Jahr, irgendwann zwischen Mitte April und Anfang Mai, verwandelt sich das Junkernfeld in Schachbrettblumenwiesen. Oder Schachblumenwiesen. Ich weiß nicht genau, ob die eine Begrifflichkeit „richtiger“ ist als die andere, wie ich überhaupt wenig über Blumen weiß. Aber über das Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung kann ich seit gestern aus eigener Erfahrung sagen, dass ein wirklich schöner Rundwanderweg um das Junkernfeld führt. Er ist 11 km lang, wenn man am Bahnhof Maschen startet. Und 8 km, wenn man sein Auto am Parkplatz bei Hörsten am Junkernfeldsee parkt.

 

Junkerfeldsee

 

Direkt am See steht auf einer Infotafel geschrieben, dass auf dem Junkernfeld die größten Schachblumenbestände der Bundesrepublik Deutschland zu finden sind. Wikipedia allerdings verweist diesbzüglich auf die Sinnwiesen bei Obersinn in Franken. Das Land Niedersachsen wiederum sagt, in Seevetal befindet sich „wahrscheinlich das größte Vorkommen in Mitteleuropa“.

 

Seeve

 

Der Weg führt zunächst entlang der Seeve bis zur Elbe. Die Seeve hat es mir ziemlich angetan, so dass mir möglicherweise ohne Vorabinformationen die Schachblumen gar nicht weiter aufgefallen wären. So zart sind sie und auch weitläufig gestreut.

 

Schachblumenwiese

 

Klickt man sich Junkernfeld-mässig durch´s Netz, stößt man immer wieder auf die Worte „Farbrausch“ und „Blütenmeer“. Deswegen hatte ich mir das Ganze irgendwie krasser vorgestellt. Aber mag natürlich auch sein, dass die Zeit gestern noch gar nicht reif war. Oder dass die Schachblumen sich 2017 insgesamt eher schüchtern geben. Niemand weiß, warum Fritillaria meleagris  auf ein und derselben Fläche in einem Jahr in großer Anzahl auftritt und im nächsten nur wenige Exemplare Blüten ausbilden.

 

Schachbrettblume

 

Die kleine Geheimniskrämerin ist stark bedroht und wird daher rund ums Junkernfeld von Gräben und Zäunen vor Freizeitfotografen geschützt. Es hält nicht alle davon ab, trotzdem über die Wiesen zu latschen. Dabei stehen sie a) unter Naturschutz und sind b) ein wichtiges Brutgebiet. Ich habe mich schon häufig gefragt, was Menschen in Naturschutzgebieten suchen, wenn ihnen Natur im Prinzip schnurz ist. Vielleicht spreche ich demnächst mal einen Banausen drauf an)! Kurz vorm Örtchen Over führt übrigens extra ein kleiner Steg ins Feld. Nicht weit; vielleicht 20, 30 Meter. Aber immerhin.

 

Schachbretttblumenwiesen

 

In Over fließt die Seeve in die Elbe. Spätestens jetzt freut sich, wer ein Getränk und/oder Butterbrot eingesteckt hat. Es gibt auf der Wanderung keinerlei Einkehrmöglichkeit, dafür aber versteckte Ecken am Elbufer und Bänke auf dem Deich.

 

Elbe

 

Nach einigen hundert Metern geht es vom vom Elbdeich wieder landeinwärts auf den Herrendeich. Im ersten Moment dachte ich, der Rückweg sei schlechter als der Hinweg, da man sich den Deich mit Autos teilen muss. Doch dann ist mir gar keines entgegengekommen. Und auch viel weniger Spaziergänger als auf der anderen Seite. Der weite Blick über die Seeveniederung ist phantastisch. Die Schachblumen sieht von der Deichseite aus genauso gut; bzw. schlecht.

 

Schachbrettblumenwiesen

 

Wovon ich auf der ruhigeren Seite nun sehr viel mehr sah als zuvor gegenüber, waren Feldhasen. Sie rasten über die Wiesen und schlugen die heftigsten Haken zwischen den Schachblumen. Oder Schachbrettblumen. Oder Kiebitzeiern. So ein weiterer Name des kleinen Liliengewäches. Der passendste wie ich finde. Das Bild, das ich vom Junkernfeld mitnehme, ist eine überdimensionale Osterwiese, auf der die Osterhasen Überstunden schieben. Vielleicht noch eine Woche oder zwei oder drei.

 

 

Die Wanderung mag ich übrigens auch ohne Schachbrettblumenblüte sehr empfehlen. Ich stelle sie mir zu jeder Jahreszeit schön vor.