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Kalifornien und Brasilien

Vom Suchen und Finden der Liebe zwischen Kalifornien und Brasilien

Manchmal sind die Eckdaten perfekt, dachte ich neulich irgendwo zwischen Kalifornien und Brasilien, und doch will der Funke nicht überspringen. Es war bereits unser zweiter Versuch mit dem Schönberger Strand und wie schon beim Besuch zuvor, fühlte ich im Großen und Ganzen: GAR NICHTS. Dabei stimmte eigentlich: ALLES.

 

schoenberger strand

 

Andersherum kenne ich das auch. Man nehme nur mal Timmendorfer Strand, das Ostseebad, das in fast allen objektiven Kriterien am aller-aller-allerwenigsten meinen persönlichen Vorlieben entspricht und dem ich trotzdem tiefe Zuneigung entgegenbringe. Vielleicht ist das mit den Stränden also ähnlich wie mit den Männern (oder für Männer eben: mit den Frauen)?!

 

Schoenberg

 

Es braucht ein bestimmtes „Irgendwas“, damit es KLICKKLACK macht. Es hat wenig mit rationalen Überlegungen zu tun. Andererseits führen irrationale Entscheidungen auch gern mal in die Irre – emotional gesehen. Ein Dilemma, das jeder kennt, der mal ein paar Jahre als Single verbracht hat. Oder einen Urlaub am falschen Strand.

 

Der Schönberger Strand in der Probstei

 

In meinen wilderen Jahren tauschte ich mich über solche Themen eine Zeitlang mit einer Therapeutin aus. Sie hieß Bärbel, was mir – aus irrationalen Gründen – eine gewisse Distanz verschaffte. Ich fand den Namen einfach nicht so richtig Therapeutinnen-mäßig. Albern von mir. Ich weiß. Und ein Zeichen dafür, dass ich mich nie wirklich auf die Sache einließ. So konnte ich auch Bärbels Beziehungsratschlag Nummer 1 sorglos in den Wind schießen, der da lautete:
Man muss auch mal anderen Männern eine Chance geben. Zum Beispiel dem Martin aus der Buchhaltung.
Ich sagte: Tja.
Und dachte: Also bitte!!!
(Womit ich nichts gegen Martins oder Buchhalter gesagt haben will. Schon gar nichts gegen Buchhalter namens Martin. Aber die meinte Bärbel ja auch gar nicht. Es war nur eine Metapher.)

 

Kalifornien Ostsee

 

Zurück nach Kalifornien und Brasilien und dem Schönberger Strand, wo objektiv gesehen alles „en beurre“ ist. Die Ostsee läuft flach auf feinen, weißen Sand zu. Das ausgedehnte Deichvorland schützt den Strand vor Verkehrslärm und fungiert als endlose Spielwiese. Beim Spaziergang auf der Deichkrone kommt sogar fast ein bisschen Nordseefeeling auf. Und jede Menge Leute, deren Geschmack ich in anderen Fragen teile, schwören auf diesen Küstenabschnitt, an dem vor beinahe 300 Jahren das gute, alte place-dropping erfunden wurde.

 

Kalifornien und Brasilien in 5 Minuten

 

Etwa dort, wo heute das Beach Hotel California steht, strandete 1735 eine amerikanische Schonerbark gleichen Namens. Ein Fischer fand die Holzplanke mit dem Schriftzug am Strand und nagelte sie an seine Hütte. Das erweckte Begehrlichkeiten bei einem Kollegen, der etwas weiter östlich fischte. Da gerade kein zweites Schiffswrack zur Hand war, pinselte er „Brasilien“ auf ein Stück Brennholz, was sich ebenso gut an einer Hüttenwand ausmachte wie echte Planken.

 

Kalifornien

 

Im Laufe der Jahre wurden aus wenigen Hütten erst viele und dann Siedlungen. Und so können Urlauber heute ein Beweisfoto aus Kalifornien in die Welt hinausposten – fünf Minuten nachdem sie Liebesgrüße aus Brasilien verschickten. Feine Sache das.

Es war in unserem Fall nur so, dass sich bei der Anreise nach Kalifornien gewisse Erwartungen aufbauten. Nicht, dass wir glaubten, der Weg würde durch Venice Beach führen oder entlang der Copacabana. Aber es hätte auch nicht unbedingt die Feriensiedlung Holm sein müssen.

 

Holm

 

Beim Anblick des Appartementkomplexes aus der 70er-Jahre-Hölle war ich mir auf einmal sicher: Hier macht er also Urlaub. Der Martin aus der Buchhaltung. Und das war, als wäre eben noch „the girl from Ipanema“ durch die Luft gewabert und nun quietschte die Nadel abrupt über den Plattenteller und das nächste was ich hörte war: Dieter Krebs. Ich bin der Martin, ne (Falls jemand den Song noch kennt). Das Strandgefühl war dahin und kam auch nicht mehr zurück oder um´s mal mit den Sparks zu sagen: Martin, this beach ain´t big enough for both of us.

 

Edeka

 

Allerdings: die breite Meerblickpiste zwischen Dünenbewuchs und Deichgrün am Schönberger Strand ist schon ziemlich prima und kilometerlang. Wir müssen mit dem Rad wiederkommen, ist mir jetzt klar. Und auf gar keinen Fall über Holm. Denn wenn ich eines – ganz ohne Bärbel – gelernt habe: Eine dritte Chance kann sich durchaus lohnen.

 

Ostseeradweg

 

Eine dritte Chance kann natürlich auch genauso gut gar nichts bringen. Dann hilft nur noch der beste Beziehungsratschlag von allen. Eine Jugendfreundin vor mir erhielt ihn mal von der extrem weisen Büroreinigungskraft ihres Arbeitgebers. Er lautet: Lass zischen, gibt nen Frischen.

In diesem Sinne: Schönes Wochenende allerseits – auf dass Ihr den perfekten Strand findet (real oder gedanklich).

Surendorf

Als einmal alles perfekt war: Surendorf

Am 19. Juli 2017 zwischen 12.20 Uhr und 14.10 Uhr hätte ich nirgends lieber sein wollen als am Strand von Surendorf. Denn das war der Moment, als einmal alles perfekt war. (Ich formuliere es so erbsenzählerhaft, weil wir nun seit einiger Zeit die magische 10.000-Klick-Hürde (pro Monat) verlässlich überspringen und manchmal denke ich: Ganz schön viele Leute hier. Hoffentlich sind die nicht enttäuscht, falls sie mal einem unserer Tipps folgen. Denn so ein Blog kann ja nie mehr sein als eine Momentaufnahme und ist dazu noch höllisch subjektiv.)

 

Strand Surendorf

 

Darum grenze ich noch weiter ein: am 19. Juli zwischen zwölf und vierzehn Uhr war für mich der Strand von Surendorf zu 100% so, wie ich mir einen Strand wünsche. Es war weder zu heiß, noch zu kalt. Nicht zu voll, nicht zu leer. Nicht zu trashig, aber auch weit entfernt von irgendwie schick.

 

Strandoase Surendorf

 

Im Grunde hätte ich schon eine Viertelstunde zuvor wissen können, dass mich Großes erwartete. Und zwar als mich an einer etwa 10 km entfernten Tankstelle nach dem Weg zum Surendorfer Strand erkundigte.

 

Wo gehts denn hier nach Surendorf?

 

„Su-ren-dorf?“, echote die nette Dame an der Kasse, als hätte ich nach dem Weg auf den Mount Everest gefragt. „Also … ich war da schon mal … aber wie Sie da jetzt hinkommen … das kann ich Ihnen gar nicht sagen.“  Stattdessen bot sie mir an, den Weg nach Eckernförde zu erklären, was sehr freundlich war. Doch den kannte ich selbst. Er ist auch nicht schwer zu finden – weil es von der Tankstelle nur noch geradeaus geht.

 

Segelboot

 

Nach Surendorf war es auch nicht viel verzwickter, wie wir dann auf eigene Faust feststellten. Wir bogen an der nächsten Kreuzung rechts ab, weil die Ostsee unserem Gefühl nach dort liegen musste und folgten im Weiteren nur noch der Straße, die uns geradewegs nach Surendorf führte. Und allein wegen solcher Erfahrungen möchte ich niemals ein Navi haben.

 

Strand Surendorf

 

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft mir Ähnliches in Schleswig-Holstein schon passiert ist. Und immer wenn es geschieht, landen wir an traumhaften Plätzen. Noch bin ich nicht sicher, welches Konzept dahintersteckt. Ich tendiere zu zwei Erklärungsversuchen:

  1. die Schleswig-Holsteiner wollen den Heuschrecken aus Hamburg einfach nicht die besten Stellen verraten (was ich total verstehen könnte). Oder
  2. die jeweilige Gegend ist gespickt mit phantastischen Orten, so dass Ansässige nur alle Jubeljahre mal ihre – zwar ausgetretenen aber paradiesischen – Pfade verlassen.

Die zweite Variante kommt mir im Fall von Surendorf recht plausibel vor.

 

Ostsee

 

Surendorf gehört zu Schwedeneck, einer weitläufig gestreuten Gemeinde, die geographisch dem Dänischen Wohld zugerechnet wird – eine Art Halbinsel zwischen Eckernförder Bucht und Kieler Förde.

 

Surendorf, Schwedeneck, Dänischer Wohld

 

Isarnho – Eisenwald –  hieß diese Gegend im 3. Jahrhundert, die aufgrund „ungünstiger Lebensbedingungen“ große Siedlungslücken aufwies – was sich bis heute im Grunde durchzieht. Noch immer gibt es keine richtigen Hotels in Schwedeneck. Sondern vornehmlich Campingplätze und  „Fremdenzimmer“ (wie die Schleswig-Holsteiner es charmant ausdrücken, wenn sie privat vermieten).

 

 

An der Küste wechseln sich Buchten mit bewaldeten Steilhängen ab, hört man keinen Verkehrslärm und Kurtaxe wird nur an den Hauptstränden erhoben, die in etwa so gut besucht sind wie Scharbeutz in den 1970er Jahren. Das ist genauso unglaublich wie wunderbar. Zumal es auch ganz anders hätte kommen können.

 

Segeln

 

Im zweiten Weltkrieg schufteten in Surendorf noch Zwangsarbeiter in einer Torpedoversuchsanstalt. Nachdem die Anlage nutzlos geworden war, bemühten sich 1948 verschiedene Firmen um das Gelände mit dem Versprechen, 10.000 nichtmilitärische Arbeitsplätze zu schaffen.

 

Wenn´s mal nicht perfekt läuft: Wer weiß, wozu es gut ist?

 

10.000 Arbeitsplätze, das ist eine gewaltige, gewaltige Menge in einer dünn besiedelten Region. Und sicherlich war es damals fürchterlich für die Menschen, dass die britische Militärregierung blockierte. Zumal wir hier von den Hungerjahren reden. Die Anlage wurde im Zuge der Reparationen gesprengt. Die Trümmer sind bis heute geblieben.

 

 

Und so blieb Schwedeneck unzersiedelt oder von Industrie zerstört. Anstelle nichtmilitärischer Nutzung kehrte einige Jahre später die Bundeswehr zurück, um sich u.a. wieder mit Torpedotechnik zu befassen, was einigermaßen absurd ist und ich weiß natürlich, dass die Trümmer von Torpedoversuchsanstalten und Betonbrücken nicht jedermanns Geschmack entsprechen. Aber ich habe was dafür übrig. Es ist erinnert mich an den Look der Serie Lost, für die ich ebenfalls eine Menge übrig habe.

 

Surendorf

 

Was mich an dem Lost-Look interessiert, ist das Geheimnisvolle. Auch Küstenabschnitte, die ich noch nicht komplett kenne, haben diese Wirkung auf mich. Und ich dachte mir, die beste Art Schwedeneck wirklich kennenzulernen, sei sicher eine Wanderung von Eckernförde nach Kiel – vielleicht mit einer Übernachtung in Surendorf. Da die Touristeninformation dort direkt am Strand sitzt, erkundigte ich mich gleich mal nach den Eckdaten.

 

Ostseesommer

 

Nicht, dass man mir in der Touristeninformation eine Auskunft hätte geben können, etwa wie viele Kilometer es von Eckernförde nach Surendorf sind oder von Surendorf nach Kiel. Auch wusste niemand, wie der Wanderweg beschaffen ist, wo er genau lang führt oder ob es Gastgeber gibt, die ihre Fremdenzimmer für eine einzige Nacht vermieten. Stattdessen bekam ich nur wieder diesen Blick, als sei ich sehr, sehr seltsam und hätte Unglaubliches gefragt. Es traf ziemlich genau mein Humorzentrum. Und das war noch so ein Grund, warum am 19.07.2017 am Strand von Surendorf einmal alles perfekt war.

 

Strandkorb

 

Laboe

Wechselhaft bis veränderlich: Radtour auf dem Fördewanderweg

Der Fördewanderweg ist super für Tage, an denen man nicht sagen kann, ob die Welt untergehen wird oder die Sonne doch noch rauskommt. In beiden Fällen ist man am Ostufer der Kieler Förde fein raus. Kurze Schauer lassen sich jederzeit indoor überbrücken, bei unverhofftem Sonnenschein ist der nächste Strand nie weit und falls es mal wieder zu Unwettern kommt, nimmt man einfach die nächste Fähre zurück zum Ausgangspunkt. Der liegt an der Hafenspitze von Kiel, der Hörn.

 

Hörn Kiel

 

Praktischerweise befindet sich in unmittelbarer Nähe – auf der Rückseite des Hauptbahnhofs – ein Fahrradverleih. Dann braucht Ihr nur noch die Hörnbrücke zu überqueren und Euch auf den anschließenden 30 km immer so dicht wie möglich am Wasser zu halten. Ihr könnt aber auch gleich nach der Brücke einen ersten Stopp einlegen, um am Norwegenterminal die „Skyline“ von Kiel zu bewundern – oder die alten Segelschiffe am Germaniahafen.

 

Auf dem Fördewanderweg sind Sidekicks die Hauptsache

 

Die ersten 5 km scheinen nicht so wahnsinnig spannend. Der Hafenrand ist industriell geprägt. Radfahrer müssen daher über Werftstraße und Schönberger Straße erst einmal durch Wohngebiete düsen, bis es an der alten Schwentinebrücke wieder ans Wasser geht. Spätestens hier wird klar, dass Abstecher auf dieser Tour mindestens das halbe Vergnügen sind.

 

Schwentine

Das Tor zur Schwentine

 

Spazieren und Wandern an der Schwentine hat in Kiel Tradition. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts strömten Ausflügler am Flussufer nach Oppendorf. Wer verstehen will, warum, kann dem Fußweg noch heute folgen, der sich „windet mit sanften Wellenlinien… überall malerisch bis zur Mündung“. Ein Spaziergang zum Ausflugslokal Oppendorfer Mühle ist nicht länger als 15 min. Noch besser wäre eine Kanufahrt; ein Verleih befindet sich direkt neben der Brücke.

 

Der Fördewanderweg: 30 km an der Wasserkante

 

Nur eine kurze (ach, viel zu kurze) Promenadenfahrt weiter gelangt Ihr auf den vielleicht coolsten Campus von allen. Nicht nur weil die Fachhochschule Kiel spitzenmäßig auf einem verlotterten Werftgelände integriert wurde. Sondern auch weil Künstler von Anfang an zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes eingeladen waren/ sind. Für Freunde der Kunst im öffentlichen Raum gibts den (kostenlos) Audioguide „CampusKulTour“.

 

 

Hinter dem Campus verlasst Ihr die Förde ein letztes Mal für einen kurzen Schlenker um das Kraftwerk. Dahinter liegt der erste Strand – Hasselfeld – und eigentlich geht der Fördewanderweg nun erst so richtig los.

 

 

Witzigerweise ist er nun auch richtig ausgeschildert, obwohl man ihn jetzt gar nicht mehr verlieren kann. Was man hingegen von nun an gut kann: einkehren.

 

Strandversorgung

 

Eines des ersten Strandlokale ist das Kiekut in Kitzeberg. Ein wunderbar relaxter Ort. Es folgen noch viele charmante Locations – aber diese ist unserer Meinung nach die Schönste.

 

Kiekut Kiel

 

Schönheit liegt natürlich im Auge des Betrachters. Aber egal, ob man architektonisch mehr auf Jugenstilvillen, Reetdachanwesen oder kleine Kapitänshäuschen fliegt, ab Kitzeberg wird man garantiert sein Traumhaus entdecken. Unseres steht in Altheikendorf: Wem das Strandhaus Schröder bekannt vorkommt, hat es vielleicht mal als Wohnhaus einer TV-Kommissarin (Anna Maria Mühe) gesehen.

 

Strandhaus Schröder

Altheikendorf

 

Gebaut wurde das Haus von einem Kieler Architekten namens Schröder. Leider finde ich über den Mann, der nur knapp dem KZ entging, keine Infos im Netz. Dabei ist er für Kiel nicht ganz unwichtig. Zu seinem Portfolio gehört u.a. die Jugendherberge, die sich als erste in Deutschland vom Konzept riesenhafter Schlafsäle verabschiedete. So erzählte es der sehr (sehr, sehr) nette Besitzer des Strandhauses. Er kaufte es vor einigen Jahren erst – nicht gerade im Top-Zustand – und hat es zu einem echten Diamanten poliert.

 

Strandhaus

 

Nur ein kurzes Stück weiter findet Ihr etwas, von dem ich dachte, dass es so etwas in Schleswig-Holstein gar nicht mehr gibt. Die Seebadeanstalt von 1904.

 

 

Leider passierten wir sie eine halbe Stunde vor Öffnung, so dass wir nur ein bisschen durch Schlitze hineinspähen konnten. Aber das reichte, um die Seebadeanstalt herrlich zu finden. Geöffnet ist sie im Sommer täglich von 13.00 – 18.00 Uhr, Kinder zahlen 60 Cent Eintritt (ist das nicht süß!), Erwachsene 1,80). Mehr Bilder: Klick.

 

Baden am Fördewanderweg

 

In Möltenort versucht die Beschilderung Radfahrer von der Förde wegzulocken. Ihr solltet ihr aber auf keinen Fall folgen, sondern das Rad lieber ein kurzes Stück schieben und das Marine-Ehrenmal besichtigen, von dem ich neulich ja schon berichtet hatte. Genau wie von dem folgenden Strand in Heikendorf.

 

 

Wo am Vorabend das Leben getobt hatte, war am nächsten Mittag kein Mensch. Gar keiner. Dabei war es warm; etwa um die 25 Grad. Vermutlich sind Kieler zu verwöhnt, um bei bedecktem Himmel ins Wasser zu gehen.

 

DLRG

Es gibt stressigere Jobs

 

Ich persönlich fand die Ruhe ja gerade herrlich. Und der bedeckte Himmel war mir auch ganz recht. Der Mann vom Radverleih hatte uns vor Menschenmassen gewarnt – aber davon konnte nun wirklich gar keine Rede sein. Erst ab Laboe wurde es voll. Bis dahin geht es noch durch Wald und ein Militärgebiet. Das klingt zwar nicht besonders schön, ist es aber. Nur kann diese Teilstrecke manchmal gesperrt sein, so dass ein 6 km langer Umweg nötig ist. (Ihr könnt das bei der Info-Hotline der Marine vorher checken: 04343-494 307 200).

 

Laboe: Gefühltes Ende des Fördewanderwegs

 

Bei Laboe öffnet sich die Kieler Förde weit der Ostsee. Gefühlt ist das eigentlich schon Meer. Und weil das ja nicht der einzige Vorzug von Laboe ist, ist es hier auch immer richtig voll. Uns persönlich zu voll. Mit Ausnahme der Lagune. Der Naturerlebnisraum am Ortsausgang ist ein ganz besonderer Platz, für den Ihr Euch Zeit nehmen solltet (falls Ihr auf Natur steht).

 

Lagune Laboe

 
Falls Ihr nicht auf Natur steht, werden Euch die kommenden Kilometer missfallen. Denn davon gibts jetzt reichlich. In dem Fall wäre es also besser, die Sache gut sein zu lassen. Das gilt auch, wenn die Unwetterwahrscheinlichkeit im Laufe der Radtour gleichgeblieben oder sogar gestiegen ist. Laboe ist der letzte Strand am Ostufer, der von der Fördefährlinie angefahren wird; die letzte Möglichkeit also, bei Regen trocken zurückzukommen. So war das bei uns. Und daher haben wir uns erst am nächsten Tag weiter hinausgewagt. (Davon demnächst mehr).

 

Laboe

 

Fazit: Von der Kieler Innenstadt bis zur kleinen Steilküste in Laboe sind es etwa 19 vergnügliche km. Der Fördewanderweg schlängelt sich noch bis zum Schönberger Strand. Wem die insg. 30 km dann noch immer zu wenig sind, kann im Grunde viele Hunderte weiterfahren. Oder er steigt einfach vorher ein – etwa in Holtenau; am anderen Fördeufer. Von dort beschreibt Kai von weites.land die gesamte Strecke sehr schön: Klick.

Heikendorf

Strandlust wie in der Landlust: Heikendorf und Möltenort

Vorvorgestern Abend ließ ich mir an Deck des Fischbratkutters Elke in Heikendorf die Sonne ins Gesicht scheinen und blieb vollkommen lässig, als Volko aus der Kombüse kam und mit seltsamen Lächeln etwas sagte wie „also, Duuuuu hättest da unten wahrscheinlich nichts bestellt“. Normalerweise bin ich mit Essen heikel – besonders mit Fisch. Aber wenn die Sonne scheint und die Förde glitzert und nichts zu hören ist als Möwenschreie und Taue, die gegen Fahnenmasten schlagen, dann mag ich mir wegen Detailfragen keine grauen Haare wachsen lassen. Ich trage derzeit lieber den Farbton sommerverwöhntes Aschblond.

 

Moeltenort

 

Wir waren am späten Nachmittag endlich mal wieder in Kiel angekommen und hatten maximale Lust auf Abendsonne. Daher wählten wir unter den unendlichen Kieler Möglichkeiten den Heikendorfer Ortsteil Möltenort am Ostufer der Kieler Förde. Das Seebad gehört nicht zur Landeshauptstadt, ist aber mit der Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft flugs von der City zu erreichen und bietet alles, was man für einen wunderbaren Feierabend so benötigt.

 

Moeltenort Strand

 

Gleich neben dem Fähranleger schmiegt sich ein kurtaxenfreier kleiner Strand an die Promenade und die Stimmung ist wunderbar relaxed. Ein bisschen wie in den späten 70er Jahren. (Das schreibe ich in Schleswig-Holstein sehr oft. Allmählich halte ich für möglich, dass ich da etwas verwechsle. Vielleicht ist das, was ich immer wieder als Zeitreise empfinde, einfach nur typisch Schleswig-Holstein?!)

 

Gerettet

 

Bekannt ist Möltenort vor allen Dingen wegen des U-Boot-Ehrenmals aus den 1930er Jahren; ein 5 m großer Seeadler auf 15 m hohem Sockel auf der Möltenorter Schanze direkt an der Förde.

 

u-boot-ehrenmal

 

Von der Promenade nicht einsehbar ist ein bogenförmiger Rundgang mit Bronzetafeln auf denen die Namen gefallener Marinesoldaten verewigt sind. Im 1. Weltkrieg wurden beinahe 5.000 Männer mitsamt der U-Boote ins Nirwana gebombt –  im 2. exakt 30.003 (in Worten: dreißigtausendunddrei Menschen). Eine monströse Zahl, über die ich schon aus klaustrophobischen Gründen nicht nachdenken mag. Sollte man aber ab und zu mal. Sollte man.

 

Ehrenhalle

 

Direkt um´s Eck liegt der Hauptbadestrand, eine perfekte kleine Bucht, die sofort verstehen lässt, warum sich in Heikendorf seit den 1920er Jahren jede Menge Künstler niederließen. Heute lässt der Strand vermutlich das Herz jeder Brigitte-Redakteurin hüpfen.

 

Strand Heikendorf

 

Hier ahnt man auch tatsächlich mal, dass man sich in direkter Nähe zu einer Großstadt befindet. Vom Eiswagen bis zum Kleinen Strandhaus gibt sich die Gastronomie lässig durchgestylt wie sonst nur im Magazin Landlust.

 

Strandlust

 

Allerdings ist auch jede Menge los. Zum Rumschlendern ist Heikendorf prima. Für´s Strandvergnügen mir persönlich zu voll. Und daher gingen wir eben über den herrlichen Uferweg zurück…

 

Uferweg heikendorf

 

… zum herrlichen Strandweg, wo nichts frauenzeitschriftenmäßig inszeniert scheint. Schon gar nicht die Gastronomie. Und schon überhaupt gar nicht der Fischbratkutter Elke. Der ist mehr brand eins.

 

Strandweg

 

Allerdings: Wer auf Weltreisen am liebsten typische kleine Garküchen oder entlegene Tavernen aufsucht, ist auf der Möltenorter Elke gar nicht schlecht aufgehoben. Da muss man nur mal locals fragen. Etwa Käptn Muddi vom Blog Kiel am Nil. Oder selber ein typisches Kinderessen bestellen; wie Bratfisch.

 

Bratfisch

 

Jedenfalls: Ich saß da auf dem Kutter sehr glücklich und zufrieden mit dem Fähranleger im Blick. Nähert sich die Fähre vom gegenüberliegenden Falckensteiner Strand, bleibt genügend Zeit, um zu zahlen und sich auf den Weg zu machen. Bis das Schiff anlegt, hat man sogar noch ein paar Minuten zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, wie Hans Christian Andersen wohl auf das Märchen vom hässlichen Entlein kam. Denn etwas Süßeres als Schwanenbabys kann es doch kaum geben.

 

Schwanenbaby

 

Ist eben immer alles Geschmacksache. Unseren Geschmack trifft in Heikendorf übrigens der Ortsteil Kitzeberg sowas von auf den Punkt, dass wir uns kaum einkriegen konnten. Aber das haben wir erst vorgestern entdeckt. Davon dann demnächst mal mehr.

 

Prinzeninsel

Lieblingsplatz der Kaiserin: die Prinzeninsel in Plön

Es gibt nicht viele Ausflugsziele in Schleswig-Holstein, die so super mit der Bahn zu erreichen sind, wie die Prinzeninsel in Plön. Vom Prinzenbahnhof mit der wundervollen Überdachung aus den 1890er Jahren wechselt man einfach auf den Strandweg und spaziert aus der Stadt hinaus. Wobei „Stadt“ gar nicht die richtige Begrifflichkeit scheint, denn Plön besteht nur zu 8,7% aus Landfläche – der Rest sind Seen.

 

Polen

 

16 Seen liegen auf Plöner Stadtgebiet. Allen voran der Große Plöner See, zehntgrößter See Deutschlands und größtes Binnengewässer Schleswig-Holsteins.

 

ruderboot

 

Warum die Promenade selbst bei maximaler Feriendichte schön entspannt bleibt, ist mir ein ewiges Rätsel – andererseits natürlich auch sehr recht. So ist sie eben die Holsteinische Schweiz. Sogar an Hochsommersonntagen. Sogar auf einem traumschönen, vom Autoverkehr abgeschirmten Spazierweg zwischen See und Schlossgebiet.

 

 

Den besten Blick aufs Schloss hat man vom Sommerpavillon im Alten Apfelgarten. Zur Zeit des dänischen Königs Christian VIII wurde er als Küchengarten genutzt. Heute werden hier alte Apfelsorten bewahrt (Baumpatenschaften können übernommen, Fallobst verspeist werden). Es war übrigens König Christian, der dem zuvor roten Schloss den schneeweißen Verputz verpasste. Dänen haben es ja gern nett im Urlaub – und Plön war offizielle Sommerresidenz.

 

Die Prinzeninsel

 

Der alte Alte Apfelgarten liegt auf einer Landzunge, gefühlt schon auf der Prinzeninsel. Doch erst wenn man eine kleine Brücke überquert, ist man wirklich drauf. Knapp 2 km lang und an einigen Stellen nicht einmal 30 m breit, streckt sich das kleine Eiland in den Großen Plöner See.

 

Ploener See

 

Nachdem Plön den Preußen zufiel, wurde das Schloss in eine Kadettenanstalt verwandelt. (Ein charakteristischer Unterschied zwischen Dänen und Deutschen). Kaiser Wilhelm II schickte seine Söhne zur Ausbildung und da ihm landwirtschaftliche Kenntnisse außerordentlich wichtig waren, ließ er auf der Prinzeninsel (die erst jetzt den Namen Prinzeninsel erhielt) einen Lehrbauernhof für seine Söhne einrichten.

 

 

Am kleinen Sandstrand mit DLRG und Kiosk legen heute Kanuten und Stand up Paddler gern eine Rast ein. Um die Jahrhundertwende lernten die Prinzen hier schwimmen. Die letzte deutsche Kaiserin, Auguste Viktoria, litt unter der Trennung von ihren Söhnen und besuchte sie regelmäßig.

 

Der Lieblingsplatz der Kaiserin

 

Am äußersten Inselende soll sich ihr Lieblingsplatz befunden haben. Und das glaube ich auch gern. Die kleine, grüne Triangel mit Pavillon und Ruhebänken ist vermutlich Jedermanns Lieblingsplatz.

 

Lieblingsplatz

 

Ich jedenfalls konnte mich kaum wieder einkriegen – so wunderbar ist der Blick auf den See und die unter Naturschutz stehenden Inseln. So scheint es auch folgerichtig, dass sich die letzte deutsche Stil-Kaiserin, Jil Sander, in etwa gegenüber niedergelassen hat.

 

Ploener See

 

Keine Ahnung, ob es auf der Prinzeninsel immer so idyllisch zugeht wie vergangenen Sonntag. Aber so wie wir sie erlebt haben, scheint sie mir unbedingt einen Besuch wert. Vom Bahnhof ist der Lieblingsplatz der Kaiserin exakt 3,5 km entfernt. Wen das hungrig macht: im Niedersächsischen Bauernhaus gibts gute Holsteiner Küche. Es liegt direkt am Anleger – wer zurück nicht mehr laufen mag, kann von hier den Ausflugsdampfer nehmen.

 

 

Wer den Großen Plöner See vom Wasser aus erleben will: unweit der Prinzeninsel befinden sich Verleiher von Booten, Kanus, SUP-Boards usw.; z.B. hier.

Wer lieber um den See mit dem Rad fahren möchte, kann bei Steffis 100 Lieblingsstücken  einen Eindruck der 37 km langen Tour bekommen.

Wales Coast Path

Wales Coast Path: Wandern mit Meerblick (Abschnitt 1)

Der Fernwanderweg Wales Coast Path bleibt 1.400 km lang konsequent am Meer. Auf acht Abschnitten unterschiedlicher Länge führt er vom äußersten Norden in den Süden des Landes. Der erste Abschnitt ist mindestens 109 km lang. Oder auch um einiges länger, da an verschiedenen Stellen Alternativrouten möglich sind. Jedenfalls eignet sich die Strecke ganz gut für einen Kurztrip nach Wales. Hier unsere – mal wieder voll subjektiven – Tipps für Abschnitt 1:

 

North Wales Coast & Dee Estuary

 

Der Wales Coast Path beginnt in Queensferry an der Mündung des River Dee, durch den die Grenze zwischen England und Wales verläuft. Anfangs ist die Gegend noch durch Industrie geprägt. Das macht die ersten Meilen nicht unbedingt gruselig – aber doch weniger schön, als die folgenden. Wer also nicht aus Prinzip jeden Zentimeter eines Wanderweges beschreiten muss, nimmt vom Flughafen (in Liverpool oder Manchester) besser gleich den Bus nach Mostyn und steigt bei KM 20 ein.

 

River Dee

River Dee

 

Steigt man in Mostyn auf den Weg ein, dann ungefähr beim Geisterschiff Duke of Lancaster. Die Passagierfähre von 1956 wurde 1978 außer Dienst gestellt und sollte eigentlich in ein schwimmendes Hotel, Einkaufszentrum und Museum umgewandelt werden. Daraus ist noch nichts geworden. Innen soll sie erstaunlich gut erhalten sein, außen toben sich Street-Art-Künstler aus.

 

 

An Anreisetagen lege ich persönlich nicht gern einen Gewaltmarsch aufs Parkett. 16 km erscheinen mir ausreichend. Der erste tolle Strand ist schon nach 8 km erreicht: Talacre Beach, der nördlichste Punkt von Wales.

 

Talacre

 

Auf der Stichstrasse zu den Dünen finden sich einigen Cafés und Restaurants zum Pausieren. Übernachten ist allerdings schwierig, es sei denn man hätte schwer was für Trailerparks übrig. Der Leuchtturm ist bereits seit 1844 nicht mehr in Betrieb, doch der Leuchtturmwärter wird bis heute regelmäßig gesichtet. In seiner alten Uniform steht er in dunklen Nächten auf der Galerie und blickt aufs Meer.

 

Lighthouse Talacre

Point of Ayr Lighthouse

 

In Talacre verlässt der Weg den River Dee und führt weiter an der Irischen See. Mit ihrem Rauschen im Ohr ist das Tagesziel Prestatyn nach weiteren 8 km erreicht. Das Städtchen liegt ein wenig ins Land hinein – wo genau, das erkennt man an den knallbunten Gebäuden am Strand. Sie beherbergen (scheußliche) Gastronomiebetriebe – beinahe ausnahmslos ohne Fenster zum Meer.

 

Prestatyn

 

Wer weiß: vielleicht interessiert einen die See nicht mehr so, wenn man 1.400 Küstenkilometer vor der Tür hat?! Mir gehts anders. Daher lobe ich die Möglichkeit, in Prestatyn mit Blick auf´s Meer zu schlafen. (Das ist hier – bei km 36 – zum ersten Mal möglich).

 

 

Tag 2 auf dem Wales Coast Path: Prestatyn to Colwyn Bay

 

Der zweite Tag einer Fernwanderung ist immer gut, um ein bisschen „Strecke zu machen“. Je nach Unterkunft können es heute 24 – 27 km werden. Der Weg bleibt dicht am Strand und ist einfach zu gehen. Aufgrund der Nähe zu Manchester und Liverpool urlauben hier jede Menge Engländer. Insider wissen, was das bedeutet; nämlich: Caravanparks & Amusement-Schuppen. En masse gibt´s die in Rhyl, das nach 6 km erreicht ist.

 

 

Auf der Seite ilivehere.co.uk wurde Rhyl zum „worst place to live in Wales“ gewählt. Und man muss auch wirklich feststellen, dass die besten Tage des Seebades etwas zurückliegen.

 

Bistro

 

Andererseits hat das Morbide ja durchaus Charme (solange man auf der Durchreise ist). Und es sagt viel über Wales, dass der „worst place to live“ an einem Traumstrand liegt. Immer deutlicher sind am Horizont die Gipfel von Snowdonia auszumachen.

 

Rhyl Beach

 

Noch schöner ist der Strand im benachbarten Kinmel Bay, einem beliebten Spot für Kitesurfer. Erhöht in den Dünen finden sich Ruhebänke und Aussichtspunkte: die Wahrscheinlichkeit Delphine und Robben zu entdecken, soll hier besonders hoch sein.

 

Kinmel Bay

 

Die Gegend wird nun ländlicher – was nicht flächendeckend vor Trailern und Amusement schützt. Erst wenn felsigere Küstenabschnitte die Sandstrände ablösen, werden die Dörfer pittoresker. Zur Übernachtung eignet sich der Geburtsort von Paula Yates, Monty Python Terry Jones und Timothy Dalton: Colwyn Bay hoch über der Irischen See. Wer es beschaulicher mag, wandert noch 3 km weiter ins benachbarte Seebad Rhos-on-Sea (insg dann 27 km).

 

 

Tag 3 auf dem Wales Coast Path: schnell nach Llundudno

 

Wer in Rhos-on-Sea übernachtet, ist am dritten Tag klar im Vorteil, weil Ruck Zuck auf dem Little Orme, um den Morgen zu begrüßen und den ersten Blick auf Llandudno zu werfen.

 

 

Schon nach 8 km ist die Pier erreicht – und weiter soll es auch nicht gehen. In Llandudno will man bleiben – und wandern. Ich habe an anderer Stelle bereits ausreichend geschwärmt.

 

 

Für Wales Coast Path-Wanderer ist die Hauptsache an Llandudno die Landzunge Great Orme. Ein Rundwanderweg von 6 km Länge bietet irre Aussichten. Die Wanderung zum Visitor Centre am höchsten Punkt lohnt sich absolut und erhöht das Tagespensum um einige – nicht ganz unanstrengende – Kilometer. Die Krönung wäre eine Übernachtung im Bed & Breakfast im Leuchtturm von 1826.

 

Tag 4 auf dem Wales Coast Path: Conwy

 

Mal angenommen, man hat tatsächlich im Lighthouse übernachtet, erreicht man am vierten Tag nach knapp 14 km die Brücke nach Conwy.

 

Conwy

 

Die Stadt wird dominiert von Conwy Castle, dessen Wehrmauer den alten Kern komplett umschließen. Auf der Mauer lässt sie sich umrunden. Es lohnt sich auch ein Besuch der mittelalterlichen Burg und in der Altstadt jede noch so kleine Gasse.

 

 

Ich würde es daher in Conwy gut sein lassen mit dem 1. Abschnitts des Wales Coast Path. Vielleicht in einem Pub am Hafen; gleich beim kleinsten Haus von Großbritannien.

 

Conwy

 

Zwar führt der Weg noch 13 km weiter nach Llanfairfechan – doch die sind für meinen Geschmack weniger spektakulär und fast ein bisschen düster. Toll sind sie hingegen mit dem Zug – der rattert auch direkt an der Küste entlang – und bringt Euch schnell zum 2. Abschnitt. Alle Abschnitte findet Ihr hier.

 

Die geschenkte Zeit, Teil II: Wanderung nach Behrensdorf

Vor ziemlich genau einem Monat bin ich während des Sonnenaufgangs von Hohwacht nach Behrensdorf gewandert. Es geschah im Rahmen eines 24-Stunden-Wander-Events; darüber habe ich ja neulich schon mal berichtet. Seitdem habe ich eine ganze Menge anderer toller Sachen gesehen und erlebt. Dennoch sind die Erinnerungen an dieser Morgen ganz besonders nachdrücklich. Zum Beispiel die Erkenntnis, was man alles verpasst, wenn man schläft.

 

 

Ich weiß, dass es Leute gibt, die an diesem Blog besonders beeindruckt, dass ich gern früh aufstehe (Hallo, Beas Arbeitskollegin 🙂) Aber so früh wie an diesem Morgen bin ich in der Regel nun auch nicht unterwegs. Ich wusste überhaupt nicht, wie lang ein Sonnenaufgang sein kann.

 

90 Minuten Glück: Sonnenaufgang an der Ostsee

 

Eine ganze Stunde wanderte ich im Zwielicht, bis sich die Sonne über den Horizont schob. Es war warm und windstill und wolkenlos. Und so unheimlich leise. So eine Stunde wünsche ich einfach jedem netten Menschen einmal.

 

 

Mir ist schon klar, dass nicht jeder nette Mensch lachend um 04.00 Uhr aus dem Bett springt und „Hallo Tag“ ruft. Man muss es ja auch nicht immerzu tun. Aber ausnahmsweise, einmal pro Sommer oder so, ist es wirklich so toll, sich aufzuraffen. Allein das Morgenrot ist die Sache wert.

 

 

Den Leuchtturm Neuland erreichte ich nach 1,5 Stunden. Hätte ich mir auch vorher denken können, weil die Strecke von Hohwacht nach Behrensdorf ungefähr einer Alsterrunde entspricht, also etwa 7 km lang ist.

 

Grosser Binnensee Behrensdorf

 

Der klassische Rundweg führt um den Großen Binnensee zurück nach Hohwacht. Was bestimmt auch schön ist. Aber ich hatte ja die Küstenroute noch gar nicht bei Licht gesehen und so konnte ich am Meer zurücklaufen ohne auch nur einen einzigen Moment das Gefühl zu haben, dass ich den selben Weg gerade schon einmal gegangen war.

 

Wanderung von Behrensdorf nach Hohwacht

 

Der Weg von Behrensdorf nach Hohwacht hat nicht nur die Länge mit der Außenalster gemeinsam. Sondern ist auch mindestens ebenso beliebt. Will sagen: voll. Zumal ihn auch viele Radfahrer nutzen. Aber morgens vor 07.00 Uhr ist die Welt noch in Ordnung und der Strand menschenleer.

 

 

Es war übrigens super, allein unterwegs zu sein. Und das ist noch so eine Sache, die ich jedem mal wünsche. Nicht immerzu. Aber mindestens einmal pro Sommer. Weil man dann Landschaften (und sich selbst!) ganz anders erlebt.

 

Bohlende

 

Eine Wegbeschreibung braucht es nicht zwischen Behrensdorf und Hohwacht. Man schlendert einfach immer am Wasser entlang. Auf einem Teilstück geht es durchs Naturschutzgebiet Kronswarder und dem südlichen Ufer des Großen Binnensees. Und dass es wunderschön ist, brauche ich ja eigentlich mehr erwähnen. Nur zur Sicherheit: Der Spaziergang ist die dritte Sache, die ich für einen gelungenen Sommer empfehlen würde. Und zwar allein. Und zwar vor 07.00 Uhr.

 

 

Um 07.00 Uhr hörte ich nämlich das erste Motorboot. Damit war die Stimmung nicht unbedingt kaputt, aber eben doch ganz anders. 07.00 Uhr scheint überhaupt die Zeit zu sein, an dem viele ihren Morgenspaziergang antreten. Viele nicht im Sinne von ultraviele. Sondern eben diese kleine, eingeschworene Frühaufsteherbande, die sehr mit sich und der Welt im Reinen ist.

 

 

Als ich um 07.30 Uhr beim Yachthafen von Lippe wieder in die reale Welt eintauchte, hatte ich dermaßen viele spitzenmäßige Gedanken und Gefühle gehabt wie manchmal in einer ganzen Woche nicht. Dabei fing der Tage gerade erst an. Da war ich recht zufrieden mit mir. Zwar versuche ich immer wieder, meine Zeit intensiv zu erleben – aber ich kriege es nicht ständig hin. Aber hier hatte ich mir mal wieder Zeit geschenkt. Gutes Gefühl.

 

Hohwacht Beach

 

So viel Zeit muss sein: Hohwacht

 

Hochwacht

 

Die Ostseeküste von Schleswig-Holstein ist ja eine special-interest-Urlaubsregion. Der eine schwört auf dieses Seebad, der andere auf das nächste. Und was der eine wundervoll findet, findet der andere scheußlich oder langweilig oder sonstwie blöd. Aber auf Hohwacht können sich irgendwie alle einigen. Jedenfalls habe ich noch nie jemanden kennengelernt, der Hohwacht nicht mögen würde. Daher Tipp Nr. 5: Falls es diesen Sommer bei Dir aus irgendwelchen Gründen nur für einen Ostseestrand reicht – entscheide Dich für Hohwacht. Am besten mit Übernachtung.

 

Reiher

Wenn es Nacht wird am Sehlendorfer Binnensee


 

In die andere Richtung kannst Du dann am zweiten Tag eine gleichermaßen tolle Wanderung zwischen Meer und Binnensee unternehmen. Dieses Mal dann vielleicht vom Sonnenuntergang in die Nacht hinein. Die Wanderung durch das Naturschutzgebiet Sehlendorfer Binnensee, die wir hier schon mal beschrieben haben, startet und/oder endet ebenso wie die Wanderung nach Behrensdorf an der äußerste Spitze von Alt-Hohwacht.

 

 

Dort sitzt man seit Neuestem ausgesprochen großartig im Alt-Hohwachter Fisch Gourmet und speist mit Blick aufs Meer. Und das ist dann die sechste Sache, die ich jedem netten Menschen für diesen Sommer wünsche. Die letzte für heute (damit Dir Zeit für die Umsetzung bleibt).

 

Ian

 

Und nicht vergessen: These are the days, my friend.

Schaalsee

Für Freunde der Empfindsamkeit: Biosphärenreservat Schaalsee

Ich gehöre noch zu der Generation, die an der Autobahnausfahrt Zarrentin, nicht an den Schaalsee sondern an die DDR denkt. Denn genau hier lag der Grenzübergang nach Berlin. Ich kann mich noch genau an die Monsteranlage erinnern und an die gedrückte Stimmung im Auto und maximal unfreundliche Grenzer. Jüngeren Menschen oder solchen, die damals nicht regelmäßig die Weltreise nach Berlin antraten, kann man das kaum vermitteln.

Selbst mir kommt die jüngere Vergangenheit ganz irreal vor. Oder auch unwichtig. Ein Wimpernschlag nur in der Geschichte. Glücklicherweise ist es ja heute schon so, dass der frühere Todesstreifen mehr als Naturparadies wahrgenommen wird, weil er über Jahrzehnte beinahe unberührt blieb. So auch am Schaalsee, durch den die Grenze etwa mittig verlief.

 

Zarrentin

 

Zarrentin gehört heute zur Metropolregion Hamburg. Und da hätte die kleine Gemeinde leicht das gleiche Schicksal treffen können wie so viele Orte in Brandenburg. Ich meine, den Ausverkauf der Seeufer (an neureiche Berliner). Pläne dafür gab es durchaus. Aber zum Glück ist das hier anders. Wo man an den Schaalsee nicht rankommt, geschieht das meist zum Schutz von Flora und Fauna. Und dafür tritt man ja viel lieber in die zweite Reihe als für Protzvillen.

 

Zarrentin am Schaalsee

 

Der Schaalsee, das sind eigentlich neun miteinander verbundene Seen, ungeheuer tief, unheimlich sauber und von keiner Stelle in Gänze zu überblicken. Möchte man sich einen Gesamteindruck verschaffen, ist eine Radtour die beste Idee. Räder kann man etwa im Pahlhuus leihen, dem Infozentrum des Biosphärenreserverats in Zarrentin.

 

 

Eine ganze Runde um den See beläuft sich auf gute 45 km. Wem das zu viel ist, dem sei Lassahn empfohlen. Das sind nur 9 km; also auch für eine Wanderung ganz gut geeignet. Wer das Auto bemühen möchte, stellt es am kleinen Parkplatz neben der Kirche ab und schlägt sich über einen Trampelpfad wieder an den See hinunter. Denn da wartet etwas ganz Besonderes.

 

Lassan

 

Die Insel der froheren Einsamkeit

 

Die mini-kleine Stintenburginsel ist quasi eine Übergangsinsel zur größeren Insel Kampenwerder. Der Dichter Friedrich Gottlieb Kloppstock hat sie in einer Ode verewigt. Die Lassahner wiederum haben ihm eine Eiche als lebendes Denkmal gesetzt. Die Kloppstock-Eiche befindet sich direkt an dem Dammweg hinüber zur Insel

 

Sommer

 

Insel der froheren Einsamkeit
Geliebte Gespielin des Wiederhalls
Und des Sees, welcher ist breit, dann, wieder versteckt
Wie ein Strom, rauscht an des Walds Hügeln umher…

 

Allee

 

Das Gut Stintenburg befindet sich seit 1740 im Besitz der Familie Bernstorff, mal abgesehen von den Jahren in denen zunächst Nazis, später die Stasi hier hausten. Vor einigen Jahren eröffnete Johann Graf von Bernstorff im alten Brückenhaus ein Restaurant. Es ist wunder-, wunder-, wunderschön und ich wollte mit diesem Artikel eigentlich warten, bis es aus der Winterpause erwacht. Aber wenn ich es richtig interpretiere, steht in den Sternen, ob und wann das passiert. Ich verfolge es mal auf fb.

 

 

Ich nehme an, Kloppstock läge lieber auf der Stintenburginsel begraben als in Ottensen. Als Vertreter der Empfindsamkeit war er für Disziplinierung und Zivilisierung nicht zu haben sondern hielt es mehr mit überschwänglichen Gefühlen und Lesesucht. Und als undiziplinierte, lesesüchtige, überschwängliche Sinnesgenossin kann ich sagen: Stintenburg fühlt sich an wie das Kirschblütental der Gebrüder Löwenherz.

 

 

Das Brückenhaus ist übrigens nicht die einzige Spitzenlocation am Schaalsee. Überall finden sich schöne Einkehrmöglichkeiten, in denen viel Wert auf regionale und fair-trade Produkte gelegt wird. Bio-Qualität ist fast schon selbstverständlich. U.a. auch im Seeblick Lassahn. Dort sitzt man auf dem Dach (!) des Pavillons mit großartiger Aussicht auf den Schaalsee.

 

Pusteblumen
Fazit: Das Biosphärenreservat Schaalsee ist außergewöhnlich. Die Gegend sieht zwar aus wie aus der Zeit gefallen. Geht in Wahrheit aber mit gutem Beispiel vorn.

Snowdonia

Soweit das Auge reicht: die kühle Schönheit von Snowdonia

Als ich zum ersten Mal von Snowdonia hörte (und das ist noch gar nicht so lange her), elektrisierte mich allein der Name augenblicklich. Allerkürzeste Recherche später war der Nationalpark bereits zum Sehnsuchtsziel geworden. Denn auch im virtuellen Wales führt kein Weg vorbei am Snowdon, dem höchsten Berg des Landes, und einer großartigen Art, ihn zu bezwingen: nämlich mit der Snowdon Mountain Railway.

 

 

Wenn die einzige Zahnradbahn Großbritanniens den Wagon den Berg hinaufschiebt, kann man die Anstrengung der alten Lady geradezu spüren. Was ok ist, so lange sie durch kleine Schluchten und über weite Ebenen zockelt. Tun sich direkt neben den Schienen Abgründe auf, fühlt es sich schon etwas ulkiger an (nicht unbedingt im Sinne von witzig).

 

 

Von Mai bis Anfang November lautet die große Frage: Hüllt sich der Gipfel in Wolken, Nebel, Regen, Schnee? Oder hat man etwa freie Sicht vom Panorama Café des visitor centres. Es ist eine Art Glücksspiel. Bei zu schlechten Bedingungen und in der Vorsaison (Mitte März & April) lässt die Mountain Railway es nach etwa 3/4 der Strecke gut sein. Dort befindet sich die „Station“ Clogwyn (ein vermoderter Schuppen) und sonst nichts.

 

 

Snow – Snodown – Snowdonia

 

 

Das ist so eine Eigenart von Snowdonia: obwohl man sich in Clogwyn nur auf 770 Metern befindet, ist die Anmutung regelrecht alpin. Im Winter braucht der weitere Aufstieg definitiv Erfahrung (womit ich nicht dienen kann). Nach Westen zur irischen See exponiert, toben auf dem Snowdon extreme (gern plötzliche) Stürme. Die eigentlich nicht besonders steilen Wege können innerhalb von Minuten vollkommen vereisen.

 

 

Selbst der Abstieg bietet bei Schnee & Eis anfangs ordentlich Schlitterpotential. Bei uns etwa für zwanzig Minuten – um sich dann in etwas Federleichtes und überirdisch Schönes zu verwandeln.

 

Llanberis Path: der Top Trail von Snowdonia

 

Auf den Snowdon zu steigen, gehört für viele Briten zu einem erfüllten Leben dazu. Von allen äußerst beliebten Trails auf das „Dach von Wales“ ist der Llanberis Path der aller-, aller-, allerbeliebteste.

 

 

Im Sommer sollte man keine ruhige Minute erwarten. Im frühen Frühjahr ist man wenigstens streckenweise allein mit der Landschaft, gurgelnden Bächen und der guten, alten Bergmöwe.

 

 

Dafür kann man im Frühjahr nirgends einkehren. Es ist also gar keine schlechte Idee, eine Flasche Wasser einzustecken. (Bisschen neidisch war ich auch auf zwei, die ein Picknick auf halber Strecke zu sich nahmen. Es war kurz nachdem die winterliche Atmosphäre dem Frühlingsgefühl wich.)

 

Snowdonia

 

Ich persönlich fand „festes Schuhwerk“ ganz angebracht. Aber natürlich – in Britannien unvermeidlich – tänzelten einige Damen in Ballerinas an uns vorüber. Und nicht alle Herren trugen Jacken. (Keine Ahnung, ob es wirklich Muggles waren).

 

Llanberis

 

Die Mountain Railway braucht bis Clogwyn ungefähr eine 3/4 Stunde, bis zum Gipfel eine weitere Viertelstunde. Der Aufenthalt beträgt in jedem Fall 30 Minuten. Die Rückfahrt dauert genauso lang wie die Hinfahrt. Geht man zu Fuß runter, benötigt man im Genießertempo etwa doppelt so lang; also 1,5 Stunden.

 

Northwales

 

Schon 1845 schrieb der Reiseschriftsteller George Borrow über den Snowdon sehr treffend vom „Wandern soweit das Auge reicht“. Uns hat der Dreiviertel-Ausflug wirklich wahnsinnig beglückt. Geübten Alpinisten mag der Llanberis Path allerdings zu easy sein. Wer sich dazu zählt, findet alles über alle Aufstiege auf Gabors Blog Wandern in UK.

 

Snowdon Mountain Railway

 

Und wer sich zum ersten Mal überhaupt mit Snowdonia als Reiseziel befasst, sei noch auf unsere Lieblingsplätze im Norden von Nordwales hingewiesen.

 

Ludwigslust

Montagsspaziergang im Schlosspark Ludwigslust

Schon zigmal habe ich mir auf der Bahnfahrt von oder nach Berlin vorgenommen, irgendwann einmal in Ludwigslust auszusteigen. Und schwups – nur zehn oder zwanzig Jahre später – waren wir nun da. Wie immer in Mecklenburg-Vorpommern fährt man ewig durch dünn besiedelte Landschaften, bis man völlig unvermutet auf die allerschönste Schönheit trifft.

 

Ludwigslust

 

Ganz Ludwigslust ist aus einer Laune heraus entstanden und war gute 80 Jahre Hauptresidenz mecklenburgischer Herzöge. Heute gilt die Innenstadt als einmaliges barockes Flächendenkmal. Sie hat sich diesen leicht verschlafenen Charme erhalten, der Mecklenburg-Vorpommern ganz klar von Schleswig-Holstein unterscheidet – jedenfalls im Landesinneren. Die Atmosphäre passt herrlich zu einem Spaziergang durch den Schlosspark.

 

Ludwigslust

 

In der Touristeninformation erhielten wir einen Lageplan und den Tipp, Räder zu leihen. Es handelt sich nämlich bei der Anlage um den größten Landschaftspark Mecklenburg-Vorpommerns. 130 wundervolle Hektar.

 

Ausgezeichnet: der Schlosspark Ludwigslust

 

2016 belegte der Park den zweiten Platz des Europäische Gartenpreises. In der Kategorie „beste Weiterentwicklung eines historischen Parks“ konnten es nur noch die Hestercombe Gardens in Somerset mit Ludwigslust aufnehmen.

 

 

Während ein Besuch der Hestercombe Gardens – ganz üblich für England – elf Pfund fünfzig kostet, ist der Eintritt in den Schlosspark Ludwigslust frei. Man könnte das eingesparte Geld also locker in Rädermiete investieren, wie von der Dame der Touristeninformation vorgeschlagen. Aber uns persönlich schien Radfahren zu schnell. Über eine „Hofdamenallee“ und unter uralten Baumriesen möchte man ja eher wandeln als rasen.

 

Schlosspark Ludwigslust

 

Montage eignen sich hervorragend für den Besuch. Dann hat nämlich das Schloss geschlossen und „wenig los“ wäre die Untertreibung des Jahrhunderts.

 

Johannisdamm Ludwigslust

 

Wie in barocken Gärten üblich, spielen Sichtachsen und Wasser eine große Rolle.

 

Steinerne Brücke

 

Ein Kanalsystem sorgt mit natürlichem Gefälle dafür, dass alle Wasserspiele ohne Pumpen auskommen. Die Wallanlagen wurden 2014 so erneuert, wie es auf alten Stichen überliefert ist.

 

Kanal Ludwigslust

 

Der Weg am Kanal nutzt die Trasse des ehemaligen Jagdweges und kam mir relativ unendlich vor. Was natürlich wunderbar war im Schatten der Bäume. Fontänen und kleine Wasserfälle sorgen im Kanon mit Vogelgezwitscher für die harmonischste aller Geräuschkulissen.

 

Kanal

 

Etwa ab der Hälfte, bei den „24 Wassersprüngen“, wird die Natur sich selbst überlassen. Urwaldartig führt der Pfad weiter zum Jagdstern mit seinen „14 Alleen“.

 

Natur

 

Überhaupt symbolisiert der Park die damalige Sehnsucht nach Ländlichkeit. Nicht so richtig natürlich. Sondern in schick. Wie etwa der Sommersitz der Herzogin; das Schweizerhaus (hier vom Louisenteich gesehen).

 

Schweizerhaus Ludwigslust

 

Ob wir das Schweizerhaus ohne Lageplan gefunden hätten, bin ich nicht sicher. Es versteckt sich abseits der Hauptwege sowieso jede Menge Sehenswertes, das einem ohne Plan durch die Lappen gehen könnte. Das verwunschene Helenen-Paulownen Mausoleum etwa oder die Erholungshalle zum Vergnügen der Bediensteten.

 

Kaisersaal

 

Von einigen Gestaltungselementen hatte ich noch nie zuvor gehört (was nichts zu bedeuten hat; ich kenne mich mit Gärten auch gar nicht aus). Oben: der Kaisersaal, ein Gartenkabinett. Unten: die Grotte, eine künstliche Ruine, die als Kulisse für Feste diente.

 

Ludwigslust

 

Fazit: Da ich kein Gartenspezialist bin, kann ich den Park schlecht charakterisieren sondern nur feststellen, wie er sich für mich anfühlte, nämlich: wie ein wundervolles Freiluftmuseum. Möchte man sich den gesamten Park anschauen, sollte man 4 Stunden Zeit mitbringen.

Dann fehlt natürlich immer noch das Schloss. Und Ludwigslust selbst. Alles ist m.E. unbedingt einen Ausflug wert – an einem Tag aber unmöglich zu entdecken (oder Stress).

 

Teepavillon

 

Der EC von HH nach Ludwigslust braucht übrigens nur 49 Minuten. Mit Meck-Pomm-Ticket für den Regionalverkehr (23 Euro, 4 Personen) dauert die Fahrt eine halbe Stunde länger.

 

Ludwigslust