Alle Artikel mit dem Schlagwort: Nordsee

Nordnordfriesland: Unsere Landschaft gewordene Bucket-List

Letztens hatten wir erstmals den Eindruck, in einer Gegend ohne jeglichen Charme gelandet zu sein. Das war in Nordnordfriesland (also Südtondern). Ich hatte mich schon häufiger gefragt, wie es sich wohl dort lebt, wo alle immer nur wegwollen. Denn Nordnordfriesland ist das Drehkreuz zu den nordfriesischen Inseln und Halligen und wird daher von vielen Touristen lediglich im Vorbeifahren wahrgenommen. Wir starteten in Klanxbüll. Dort, wo man sich als Syltreisender immer so freut, weil es gleich auf den Hindenburgdamm geht. Dieses Mal aber waren wir gekommen, um die Küste in südlicher Richtung abzufahren.     And equal it goes loose: Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog Koog nennt man Land, das der See abgerungen wurde. Vereinfacht gesagt, errichtet man einen Deich im Meer und entwässert das Land dahinter so lange bis es trägt. Es gibt zauberhafte Kooge. Das sind diejenigen, die für den Küsten- oder Naturschutz errichtet wurden. Und es gibt Kooge, die exzessiv wirtschaftlich genutzt werden. So einer ist der Friedrich-Wilhelm-Lübke Koog. Sein Namensgeber war der ältere Bruder vom tüdeligsten aller Bundespräsidenten und selbst Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. In den …

Westerheversand

Die Sandbank von Westerhever

Zu den 100 Dingen, die man zwischen Nord- und Ostsee mal getan haben sollte, gehört das Fotografieren des Leuchtturms von Westerhever. Das habe ich bei Nine gelesen. Sie hakt die 100-Punkte-Liste des Radiosenders RSH so nach und nach ab. Was ich gespannt verfolge. Nach eineinhalb Jahren in der Nähe haben wir einige Dinge davon natürlich schon erledigt. Zum Beispiel den Leuchtturm von Westerhever fotografiert.     Was wir verpasst hatten, als wir den Leuchtturm von Westerhever fotografierten, wollten wir dieses Jahr unbedingt nachholen. Nämlich den Strand von Westerhever sehen, bei dem es sich um eine galaktische Sandbank handelt. Auf unterschiedlichsten Tourismusseiten wird behauptet, man müsste bei Hochwasser eine halbe Stunde durch knietiefes Wasser waten, um auf die Sanbank zu gelangen. Die Vorstellung fand ich cool, aber wir machten den Anfängerfehler auf den ultimativen ultraheißen Sommertag ohne weitere Verpflichtungen zu warten. Der kam nicht. Zum Glück erinnerte mich Nines Beitrag daran, dass man den Norden eben nehmen muss, wie der Norden eben ist. Unbeständig. Und so machten wir uns vergangenen Sonnabend auf den Weg.     …

Strandkorb

Spätschwimmen in St. Peter-Ording (Ortsteil Bad)

Aktuell ist ordentlich was los im Norden. Alle, alle, alle Bundesländer haben jetzt Sommerferien. Und mit Abstand am liebsten urlauben die Deutschen noch immer in Deutschland. Dabei am allerallerliebsten am Meer. Wer in den kommenden Wochen ein wenig Stille zwischen Nord- und Ostsee sucht, muss sich also antizyklisch bewegen. Sich etwa bei Sonnenschein ins Landesinnere zurückziehen oder gerade bei Wind & Wolken-Wetter an den Strand gehen. Richtig prima ist es im August morgens an der Ostsee, bevor die Hamburger einfallen. Oder abends an der Nordsee, wenn die Hamburger ihre Sachen wieder einpacken. Ein Spitzenplatz dafür: St. Peter-Ording (Ortsteil Bad) ab ungefähr 17.00 Uhr.     Was uns wundert: Während man anderorts an der Nordsee, z.B. auf Sylt oder in Dänemark, den Sonnenuntergang regelrecht zelebriert, wird es in St. Peter-Ording (Bad) gegen 18.00 Uhr unheimlich leer am Strand. Dabei scheint die Sonne noch warm genug, dass es sich wie nachmittags anfühlt. Man zahlt keinen Eintritt mehr und (anders als an der Ostsee) werden die Strandkörbe auch nicht abgeschlossen. Also, man hat alles für sich und umsonst.     Nirgends sind die Tage länger als an der …

Steine im Wasser

Am langen, ruhigen Fluss: NOK Expressroute

Schleswig-Holstein meerumschlungen! In der 4. Klasse beantwortete meine Mitschülerin Iris B. die Frage, von welchen Meere das Land denn umschlungen sei, mit: „Westsee und Ostsee“.  Das war clever. Und für mich der entscheidende Tipp, mit dem ich mir endlich die Himmelsrichtungen merken konnte. Schon immer träumten die Schleswig-Holsteiner davon, ihre zwei Meere miteinander zu verbinden. Damit man nicht ganz außenrum segeln muss. 800 km kann man sich sparen, seit die Kaiser Wilhelms I und II einen knapp 100 km langen Kanal von Brunsbüttel an der Westsee bis Kiel an der Ostsee bauen ließen. Und den wollen wir jetzt mit dem Rad abfahren. Die offizielle Route macht Schlenker über Dörfer und summiert sich so zu 325 Kilomter. Wir wollen aber immer dicht am Wasser bleiben, so wie wir schon bei der Anreise auf dem Elberadeweg nach Brunsbüttel immer dicht am Wasser blieben. Jetzt geht es auf die alte NOK Expressroute.   NOK Expressroute: Los gehts in Brunsbüttel   Auf Anordnung Wilhelms II durfte für die Fähren keine Gebühr erhoben werden. Das ist bis heute so geblieben. Wir nehmen gleich die erste bei KM …

Fahrkarte

Du weißt, Du solltest nach Helgoland, wenn…

Helgoland ist das Piratenschätzchen unter den deutschen Inseln. Noch passt sich der kleine, rote Klotz in der Hochsee dem Zeitgeist nicht an. Windzersaust und sturmerprobt präsentiert er sich im Wirtschaftswunder-Look. Das mag nicht jedem gefallen. Aber das ist ja gerade das Gute. Folgende Personengruppen werden auf Helgoland ganz bestimmt auf ihre Kosten kommen:   Robbenliebhaber & Vogelfreunde   Es gibt wohl keinen zweiten Ort in Deutschland, wo man freilebenden Robben so nah kommen kann, wie auf der Helgoländer Düne. Wer Heuler liebt, sollte zwischen November und Januar nach Helgoland reisen, wenn die Kegelrobben ihre Jungen zur Welt bringen.     Grandios ist das Gekreische  am Lummenfelsen, gleich bei der Langen Anna. In Deutschlands kleinstem Naturschutzgebiet nisten rund 10.000 Seevögel wie Dreizehenmöwen, Basstölpel und Trottellummen. Von Mitte bis Ende Juni kann man den Lummensprung beobachten. Angefeuert von ihren Eltern wagen die Jungen den freien Fall von den 40 m hohen Felswänden.     Wer (wie ich) beim Robben- und Vogel-Watching denkt: „Hier riechts ja wie im Zoo“, hat definitiv zu wenig wilde Tiere in seinem Leben gesehen. Raucher, Trinker, Schnäppchenjäger & Piloten   Ho Ho Ho und ne …

Strandhotel Helgoland

Ist Helgoland schön?

Gestern zur Blauen Stunde vergaß ich kurzfristig zu atmen. Winzige Lämmer bockten und sprangen an der Abbruchkante des Lummenfelsens, als handele es sich um eine sanfte Hügellandschaft. Um sicherzugehen, dass sie die Nacht überlebt haben, laufe ich vor dem Frühstück schnell mal das Oberland ab. Alles in Ordnung. Keine zerschmetterten Schafe in 60 m Tiefe. Dafür schon wieder ein traumhafter Sonnenaufgang über der Düne. Den außer mir niemand sehen will. Ich bin ganz allein.     Dann entdecke ich 200 Treppenstufen unter mir Volko. Er fotografiert am Südstrand. Wusste ich´s doch, dass wir uns nicht verabreden müssen. Schön praktisch so eine Insel mit Aussicht. Jedenfalls wenn man gesehen werden will. In Hamburg sagt man ja „Tschüß“. Auf Helgoland vermutlich „bis später“, weil man sich sowieso irgendwann wieder trifft.     Viel Intimsphäre bleibt den Insulanern nicht. Alles ist winzig. Alles eng. Gerade mal eine Wohnfläche von 20 qm pro Person rechnete man beim Wiederaufbau in den 50er Jahren. So sind auch die Kleingärten genau dies: klein.     Hinter Helgolands Bebauung steckt ein ausgeklügelter Masterplan: Möglichst viel Meerblick für möglichst viele Menschen sollte herausspringen. Möglichst viel Sonne …

Schild

Am Anfang gehen die Touristen: Helgolands beste Stunden.

Ein Kurztrip nach Helgoland gehört zu den absoluten Highlights in Norddeutschland. Ein Tagesausflug hingegen wird Deutschlands einziger Hochseeinsel nicht gerecht. Zur Mittagszeit schwappt ein Tagestouristen-Strom über Ober- und Unterland und zerstört im Grunde jede Stimmung. Die freizeitgekleidete Horde entert Duty-Free Shops, knipst Hummerbuden, pilgert zur Langen Anna, isst schnell noch ein Fischbrötchen und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Bepackt mit Plastiktüten voller Zigaretten, Schnaps und Parfum marschieren sie zu den Anlegern oder lassen sich von Börtebooten auf die Seebäderschiffe bugsieren.     Das ist kein schlechtes Schauspiel. Zumindest wenn man selbst zu den Glücklichen gehört, die auf der sich rasant leerenden Promenade sitzenbleiben dürfen. Gar keine Frage: Man muss wenigstens eine Nacht, besser zwei oder drei, auf Helgoland verbringen. Denn jetzt beginnen die besseren 20 Stunden der Insel.     Die Lady von Büsum tutet zum Abschied, gefolgt von der Funny Girl, der Atlantis und schließlich dem Halunder-Jet und ich fühle mich schon wieder wie in meiner Kindheit. In meiner Geburtsstadt spielten Butterfahrten eine große Rolle. Tagestouristen sind mir vertraut, auch bei uns gabs eine Atlantis und unsere Funny Girl hieß Seute Deern.    …

Robben

Robben Island

Hast Du schon mal einen Schreck vor lauter Glück bekommen? Das kann passieren, wenn Du Deinen ersten Morgenspaziergang auf Helgoland antrittst.  Unser Zimmer liegt dem Meer abgewandt. Darum trete ich relativ nichtsahnend in den Morgen hinaus. Für einen Moment bleibt mir die Luft  weg. Direkt gegenüber blinzelt die Sonne hinter der Düne hervor.     Ursprünglich war die Badeinsel mit der Hauptinsel verbunden. Doch in der Neujahrsnacht von 1721 riss eine Sturmflut die beiden entzwei.  Die nötige Gewalt kann man sich an einem Morgen wie diesem nicht vorstellen.     Friedlich und spiegelglatt liegt die Nordsee vor uns. Selbst die Möwen machen ausnahmsweise keinen Rabatz. Kneife ich die Augen zusammen, erkenne ich Robben auf herausragenden Steinen; gar nicht weit von uns entfernt. Und wenn mir jetzt einer erzählen würde, dass Gott morgens am Südstrand von Helgoland Bernstein sammelt, ich würde es glauben.   A-a-am superweißen Strand von Helgoland: Robben über Robben über Robben     An einem wolkenlosen, windstillem Tag wie diesem,  muss man einfach auf die Düne. Halbstündig setzt von der Promenade eine kleine Fähre über. Hat man schon auf der Hauptinsel das Gefühl, die Zeit sei stehengeblieben, gilt das für die Düne erst recht.   …