Alle Artikel mit dem Schlagwort: Norddeutschland

In Wolfsburg steckt der Wurm

Wolfsburg, ich muss schon sagen, ist unter allen seltsamen Städten Nordeutschlands die allerseltsamste. Nicht nur, weil 95% der Wolfsburger die gleiche Automarke fahren. Sondern vor allem weil 95% der Wolfsburger Gebäude nach 1950 gebaut wurden. Bis dahin hatte die Stadt quasi nichts. Nicht einmal einen richtigen Namen. (Sie hieß: „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“).     Inzwischen steht Wolfsburg so gut wie flächendeckend unter Denkmalschutz. Was man woanders abriss, wurde in Wolfsburg aufwendigst Asbest-saniert. Kosten spielen in Wolfsburg nämlich kaum eine Rolle. Denn die haben´s ja – das allerhöchste Bruttonationaleinkommen pro Kopf in Deutschland. So können sie sich auch ein Museum vom Feinsten gönnen. Das Kunstmuseum Wolfsburg ist wunderbar. Eine Knaller-Ausstellung jagt die nächste, der Einritt ist günstig und meistens ist man ziemlich allein mit den Kunstwerken. Zur Zeit läuft die  Ausstellung „Fichte“ des grandiosen Künstlers Erwin Wurm.     Der Österreicher Erwin Wurm ist witzig; aber nicht nur. Beim Betrachten seiner Werke bleibt das spontane Lächeln oft im Gesicht hängen. Man kommt ins Denken. Und kehrt ertappt zum Grinsen zurück. Wenn man einen bestimmten …

4 Gründe, nicht nach Heiligenhafen zu fahren

Dieser Post richtet sich an alle, die im Prinzip schon lange mal nach Heiligenhafen wollten, es aber irgendwie nicht gebacken kriegen. Ich dachte darüber morgens um 07.00 Uhr nach, als ich einen Filterkaffee im Restaurant Nordpol trank. (Ein seltsamer (absolut empfehlenswerter) Schuppen direkt im Fischereihafen.) Die Sonne schien mir ins Gesicht. An den Nebentischen schnackten Saisonkräfte über ihre Jobs in Cafés, Fischbuden und Souveniershops. Fischer werkelten an Kuttern. Möwen stritten um Fischabfälle. Und mir wurde mal wieder bewusst, wie gut mir Reisen in die Naehe tun. Selbst die allerkürzesten, selbst die allerunspektakulärsten.     Heiligenhafen steht im Folgenden symbolisch für alle Orte in Deiner Naehe. Orte, die Du schwuppsdiwupps erreichen kannst. Orte, an denen Du Kraft tanken und ein bisschen über den eigenen Tellerrand blicken kannst. Solche Orte gibts überall in Deutschland. Aber eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, warum man nicht nach Heiligenhafen fahren sollte. Also:   1. Du hast keine Zeit, nach Heiligenhafen zu fahren   Man kennt das: Das Leben macht manchmal atemlos. Die Arbeit frisst einen auf. Tante Tilly hat Geburtstag. …

Musterhaft: Stein- und Graswarder

Heiligenhafen nennt sich „die Warderstadt“ aufgrund der zwei vorgelagerten Halbinseln Steinwarder und Graswarder. Einmal rundrumgewandert hat man 10 km auf dem Schrittzähler und einen guten Überblick über 100 Jahre Tourismus. Geradezu exemplarisch für die Schleswig-Holsteinische Ostseeküste.     Für Karten-Freaks (wie mich): Der grüne Nehrungshaken im Osten ist der Graswarder. Der Steinwarder ist der orangene Teil der Halbinsel oberhalb des Binnensees. Die Verbindung nach Heiligenhafen entstand erst im Laufe der Jahrhunderte durch angegespülten Sand.   Das Beste was hier je passiert ist: Der Graswarder   1895 gründete die „Deutsche Badegesellschaft Heiligenhafen“ auf dem Graswarder eine erste Ferienkolonie. Damals war er noch eine Insel; erreichbar nur über eine Holzbrücke.     Heute ist der Graswarder zwar über einen Damm zu erreichen, aber immer noch so etwas wie eine Insel der Glückseligen. Denn die Jungs von der Badegesellschaft machten alles, aber auch alles, richtig. Es gibt keine Cafés, keinen Kiosk, nicht einmal eine geteerte Straße. Da sind nur zwei Handvoll Traumhäuser, zwei Jugendherbergen, der NABU und zwei Kühe.     In den Dünen beim Jugendheim hocken zerknitterte …

Am Rande des skandinavischen Sommers: Wassersleben

Liebe Süddeutsche. Wenn ich als Kind mit meinen Eltern nach Italien fuhr, übernachteten wir in der Schweiz. Und ich nehme mal an, dass Ihr Euch auch zwischendrin erholen müsst, wenn Ihr nach Skandinavien reist?! Falls Ihr also diesen Sommer über Jütland nach Norwegen, Schweden, Island oder zu den Faröern wollt, hätte ich da einen Übernachtungstipp für Euch: Wassersleben.     Wassersleben gehört zur Gemeinde Harrisslee und ist a) eine Siedlung, hervorgegangen aus einem Villenviertel von Flensburg und b) ein zuckersüßer Strand – der letzte vor der dänischen Grenze. Die Dänen nennen ihn Sosti, was Schweinepfad bedeutet. Aber die Dänen haben ja auch enorme Ansprüche, was Strände betrifft. Für deutsche Verhältnisse ist die kleine Bucht am Ende der Flensburger Förde eine Perle.     Egal, wie sich Eure Fahrgemeinsschaft zusammensetzt: In Wassersleben sollte jedem etwas in den Schoß fallen, bei dem er optimal runterkommen kann.     Das Wasser ist seicht = warm genug für Kältempfindliche sowie sicher genug zum Rumplantschen für kleine Kinder. Es gibt einen Yachtclub, ein feines Hotel mit gutem Restaurant und Partner-Golfplätzen, …

Und nun zum Wetter

Es gibt viele schreckliche Formulierungen in norddeutschen Wetterberichten. Eine meiner Schlimmsten: Für die Jahreszeit zu kühl. Noch bin ich nicht so weit, mein Geld in praktische Funktionsklamotten zu investieren. Aber ehrlich: ich habe schon mal drüber nachgedacht. Die Bild behauptet nämlich schon seit März: Der Sommer fällt ins Wasser. Das nenne ich unseriös. Denn wie man weiß, weiß im März kein Mensch, wie das Wetter im Sommer werden wird. Aber man kennt das ja: Oft wiederholt die Bild Unseriöses so lange, bis es stimmt. Selbstverfüllende Prophezeiung und so. Und hinterher waschen sie dann ihre Hände in Unschuld, weil sie ja schließlich nur schreiben, was die Leute lesen wollen. Ich kenne zwar keinen, der versessen auf Schlechtwetter-Prognosen wäre. Doch schon haben glaubhaftere Publikationen nachgezogen. Jedenfalls was das Pfingstwetter betrifft. So die SHZ: Pfingsten wird es „verhalten frühlingshaft“  (ein Synoynm für „zu kühl für die Jahreszeit“). Das Hamburer Abendblatt glaubt an „ein Wetter wie im April“ (geschickt; denn damit hat man natürlich immer Recht). Privatradiosender sprechen von „Sonne-Regen-Mix“ (albernste aller Wortschöpfungen). Mmh.     Aprilwetter Ende Mai.  …

Strandkorbverleih

In 4 Stränden um die Bucht: Von Timmendorf nach Travemünde

Ich behaupte mal, die Ostseeküste von Schleswig-Holstein kenne ich ganz gut. Doch erst seit ich unter die Wanderer gegangen bin, bekomme ich ein Gefühl für die Entfernungen zwischen den Stränden. Beispielsweise hätte ich nie gedacht, dass es von Timmendorf nach Travemünde nur 12 km sind. So sagt es die Wegbeschilderung. (Mein eigener Schrittzähler wird am Ende auf 15 km stehen. Aber das wusste ich noch nicht, als ich Mann & Patenkind im Spaßbad abgab und loslief.) Timmendorfer Strand Meine Liebe zu Timmendorf ist total irrational, doch unzerstörbar. Ich bin weder scharf auf Massenaufläufe noch auf diese spezielle Sorte Cabriofahrer mit Brille im Haar. Beides gehört zu Timmendorf wie Regen zu Hamburg. Genau wie für mich zum Hamburger Sommer ein Tag am Timmendorfer Strand gehört. Der Strand von Timmendorf ist feinsandig. Genau wie der Meeresboden steinlos. Er fällt flach ab, so dass die Ostsee hier immer etwas wärmer ist als an bewegteren Küstenabschnitten. Ich spaziere zwischen Dünenstreifen und Kieferngürtel. Und träume von einer Villa in der Strandallee. Nach 4,5 km erreiche ich Niendorf. Niendorf Mindestens eine …

Sylt

Wir sind eins: 12 Nahreisen in 12 Monaten

Tatatata: Bloggeburtstag. Letzte Woche schon. Jetzt haben wir tatsächlich 12 Nahreisen in 12 Monaten unternommen. Irgendwann zur Halbzeit dachte ich mal: „Am Ende wähle ich unsere Top 3.“ Nun kann ich mich aber gar nicht entscheiden. Ich fand alles so toll. Kurz: We ♥ Norddeutschland Das Beste am Norden ist der Norden

Im Haus der Geschichte(n)

Alle 3 bis 4 Jahre zieht es mich ins Hamburg Museum. Gegründet 1908 ist das Haus am Holstenwall eines der größten stadthistorischen Museen Europas. Als wir das letzte Mal dort waren, hieß es noch Museum für Hamburgische Geschichte. Ein Name, der mir besser gefiel. Denn in dem wunderbaren Bau von Fritz Schuhmacher verweben sich historische Ereignisse mit der eigenen (Familien)-Geschichte. Unabhängig übrigens davon, ob man nun in Hamburg aufgewachsen ist oder nicht. 

Sonnenaufgang im Watt

20 Dinge, die man in List machen kann

Nein, dies ist kein reines Sylt-Blog. Aber um die Sache rund zu machen, habe ich noch einen Beitrag, bevor ich mich wieder dem Rest der Welt zuwende. Zu Beginn unseres Sylturlaubs schrieb ich, dass ich locker auf 20 Dinge käme, die man auf Sylt unbedingt erlebt haben sollte. Das war so ins Blaue geschrieben. Und vollkommen daneben. Dieses Jahr sind wir nicht besonders viel über die Insel gegurkt sondern haben uns im Wesentlichen auf Dinge beschränkt, die man ohne Auto unternehmen kann. Und da komme ich schon allein auf 20 richtig gute Sachen in List Also, los.  Wer noch nie da war, aber mal hin will, muss wissen: List ist keine Schönheit auf den ersten Blick. Nicht einmal auf den zweiten. Gewachsen als Garnisonsstadt in den 1930er Jahren präsentiert sich die Zipfelgemeinde nordisch schlicht – also schmucklos bis deprimierend öde.     Leben in die Bude kam erst in den 70er Jahren, als Jürgen Gosch mit einem Bauchladen ins Fisch-Business einstieg. Da ging der Rummel los und List wurde quasi ein Synonym für Goschs nördlichste Fischbude. Oder anders herum. Davon kann …