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Stresstest: Spaziergang von Strande zum Bülker Leuchtturm

Buelk

Es riecht so gut an der Kieler Förde bei Strande. Nach Miesmuscheln und nach Seegras. In gewaltigen Ballen trocknet es am schmalen Strand. Gibt durchaus Menschen, die mögen das nicht. Ich hingegen fange automatisch an, richtig tief zu atmen.

 

 

Wenn ich ausnahmsweise mal tief atme, merke ich immer erst, wie kurz und flach mein Atem zuvor ging. Grade in hektischen, arbeitsreichen Phasen geht mir das so. Flaches Atmen ist die Ursache für alles Mögliche; von körperlichen Beschwerden zu Übergewicht und emotionaler Düsternis. Krankenkassen bieten daher Kurse zum richtigen Atmen an. Yoga basiert auf dem gleichen Prinzip. Man kann aber auch einfach an einen Strand gehen. Oder überhaupt raus.

 

Strande

 

Grad noch habe ich im geheizten Auto gefroren. So innerlich. Weil mir der Herbst zu schnell gekommen ist. Und sich der Oktober dieses Jahr mehr wie November anfühlt. Verschiedene Untersuchungen in Polen, Schweden und Finnland zeigten, dass es bei Temperaturrückgängen um 5 Grad pro Tag zu körperlichem Stress kommt: Die Blutgefäße verengen sich, die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen.

 

Am Strand von Strande dem Stress davonlaufen

 

Bei mir funktioniert der Kälteschock offenbar auch bei 5 Grad pro Woche, zumindest wenn das 3 Wochen hintereinander so läuft. Nach nur ein paar Schritten am Strand aber, scheint mir alles perfekt. Obwohl ein Wind geht, ist mir nicht mehr kalt. Ich entspanne. Komme endlich dem Herbst hinterher.

 

Kieler Foerde

 

Ganz wichtig die Stille. Stille ist Luxus. Hier draußen hört man nichts als das Rauschen der Wellen und eine Möwe ab und zu. Lärm wirkt auch dann auf Psyche und Körper, wenn wir uns des Lärms gar nicht bewusst sind. Der Mensch kann sich nämlich nicht an Flugzeuge, Autos, Rasenmäher und Blattstaubsauger etc. gewöhnen. Dauerhafter Krach erhöht sogar das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen.

 

zauberwald

 

Stress kann durch alle sinnlichen Wahrnehmungen entstehen. Visuell zum Beispiel durch die Nutzung neuer Medien. Aber auch durch zu starke Kontraste. Insofern ist Schmuddelwetter eigentlich gut. Besonders am Strand, wo alle Farben weich gewaschen wirken.

 

Segelboot

 

Bei Sonnenschein gilt der Spaziergang vom Hafen in Strande zum Bülker Leuchtturm als Klassiker. Die Promenade verläuft gute 3 km immer an der Wasserkante entlang.

 

Hein Bülk, der älteste Türsteher an der Kieler Förde

 

Man wünschte sich den Weg länger, so niedlich ist er. Aber a) kann man eben nicht alles haben. Und b) passt so ein kleiner Spaziergang gut zwischen zwei Regengüsse.

 

Ostsee

 

Es geht durch kleine Zauberwäldchen, mal weiter von der Straße entfernt, mal näher dran. Man könnte also auch mit dem Auto zum Leuchtturm fahren. Es gibt dort einen kleinen Parkplatz. Aber wer seine Mitmenschen nicht unnötig nerven will, lässt das.

 

Promenade

 

Abgase stressen. Während beispielsweise frischgemähte Wiesen entspannen. Olfaktorischen Stress nennt man das, wenn es stinkt. Das könnte hier auch passieren, denn an der Landseite glänzt das Bülker Klärwerk. Doch da gucken wir einfach mal drüber weg, weil wir uns olfaktorisch nicht beeinträchtigt fühlen. Mag sein, der Wind steht günstig.

 

Buelker Leuchtturm

 

Nach einer guten halben Stunde haben wir den Bülker Leuchtturm erreicht, im Volksmund auch Hein Bülk genannt. Weder kann man den Leuchtturm heute besteigen, noch ist das Lokal im Pavillon geöffnet. Es ist nämlich Montag. Ruhetag. Mein Lieblingstag. Also, wenn ich nicht arbeiten muss. Denn Arbeit stresst mich eigentlich am allermeisten. Aber da kann man wohl nix machen.

 

Mole

 

Anreise: Strande grenzt an Kiels nördlichsten Stadteil Schilksee und ist gefühlt ähnlich in den 70ern hängengeblieben. Doch im Gegensatz zum Olympiazentrum auf nette Art. Grad mal so, dass das echte Leben weit weg scheint.

17 Kommentare

  1. Das mit dem flachen Atmen kenne ich auch. Dagegen hilft übrigens auch Segeln gut . ⛵️☀️

    Olfaktorischen Stress gibt es also auch. Das wusste ich gar nicht. Andererseits- wenn man überlegt, was angenehme Gerüche so in einem auslösen können, ist es eigentlich ganz logisch, dass man Stress kriegt, wenn es stinkt.

    Liebe Grüße, Martina

  2. Wunderschöne Bilder wieder mal! Für mich ist Lärm der größte Stress. Ganz weit vorne sind Laubsauger und brüllende Kinder in Flugzeugen…

  3. Schon, wenn man deine herrlichen Bilder anschaut, kommt man zur Ruhe!
    Danke dafür.

    Arbeit stresst mich selten bzw mag ich es, wenn es viel zu tun gibt und ich mich dann selbst ein wenig stresse, das ist für mich positiver Stress.
    Negativer Stress ist für mich immer mehr, der stetig zunehmende Verkehr, die zigtausend Baustellen, das enge Fahren neben nicht enden wollenden Kolonnen von LKWs und wenn dann noch bekloppte Autofahrer von hinten drängeln…..

    • Iiih, drängelnde Autofahrer. Großes Stresspotential. Wobei ich (im Smart) zunehmend auch leicht panisch werde, wenn sich mich jagen.

  4. Ich mag das Wort Langsamzeit. Damit wirbt Angeln, aber ich habe es anektiert. Ich fahre oft nach Strande, parke am Leuchtturm und dann gehts mit dem Hund zur Steilküste, immer weiter. Oft schwimmen wir dort nebeneinander in der Ostsee. Hab eben einen ganz stressbefreiten blonden Seehund. Ja, der nimmt schon viel Stress weg. Viel Platz, wenige Menschen…. So ganz anders als Strande selbst, was ich zwar mag, aber eben auch des Trubels wegen selten besuche. Gerade schreibe ich von genau der gegenüberliegenden Seite, die Förde ist wirklich so facettenreich und spannend.
    Liebe Grüße nach Hamburg oder wo auch immer Ihr gerade wieder seid. Ich freu mich, das zu erfahren.

    • Ein Seehund – wie schön. Ich hätte ja auch gern Meerkatzen. Aber meine sind eher Faultierchen. Ja, die Kieler Förde ist wirklich so toll. Wir hatten nur 24 Stunden und sind auf der östlichen Seite geblieben. Wollte eben langsam bleiben. Die gegenüberliegenden Strände heben wir uns für´s Frühjahr auf. Im Dezember kommen wir noch mal kurz nach Kiel – aber nur, um in See zu stechen. In diesem Sinne: Ahoi und liebe Grüße zurück, Stefanie

  5. Wunderschön geschrieben, wunderschöne Fotos. Dieser Text entstresst schon beim Lesen. Danke für den Impuls, einfach mal wieder die Nase in den Wind zu halten und zu laufen – den brauchte ich gerade dringend.

  6. Die Entspannung überträgt sich beim Lesen und Anschauen deiner Fotos, Stefanie.
    Vielen deiner Anmerkungen zu den Ursachen von Stress, bzw. den Auswirkungen von Lärm, Gerüchen etc. kann ich nur aus vollstem Herzen zustimmen und Stille empfinde ich mittlerweile auch als einen besonderen Luxus, genieße sie dementsprechend ungeheuer und äußerst dankbar.
    Ein sehr schöner Post, jetzt fehlt mir eigentich nur noch das ins Bild hüpfen und mitspazieren zu meinem Glück. ^^

    LG Michèle

    • Freut mich, was Du da schreibst, Michèle. Grüße vom ganz stillen Schreibtisch, den ich Deinem Kommentar sei Dank jetzt mal als Luxus empfinde (auch wenn ich gerade an meiner Buchhaltung sitze). Einen schönen Tag wünsche ich Dir, Stefanie

  7. Liebe Stefanie, das ist ein sehr schönes Plädoyer gegen den Stress. Besonders wichtig finde ich den Satz „Lärm wirkt auch dann auf Psyche und Körper, wenn wir uns des Lärms gar nicht bewusst sind“. Ich denke an die vielen Menschen, die gezwungen sind, da, wo es laut ist, zu arbeiten und zu wohnen, aber auch an all den vermeidbaren Lärm – das ständige Gedudel in Einkaufszentren, Wartezimmern, Restaurants und Cafés. Vor Jahren mußte ich eine langwierige Wurzelbehandlung beim Zahnarzt über mich ergehen lassen. Als ich darum bat, das Radio auszuschalten (die Behandlung war schlimm genug; das gedämpfte Hintergrundgeplärre machte mich vollkommen verrückt), fragte die Zahnarzthelferin ernsthaft: „Mögen Sie keine Musik?“

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