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Schwedeneck – Schleswig-Holsteins Aussichtsbalkon

Wandern an der Ostsee

Der zweite Morgen einer Wanderung ist immer der Beste, zumal wenn der erste Tag auf dem E1 nach Schwedeneck führte. Dann erwacht man auf dem Aussichtsbalkon von Schleswig-Holstein –  mit 25 km vor der Nase, die als Inbegriff vom Wandern an der Ostsee gelten können, bietet der Weg doch die unterschiedlichsten Küstenformen.

Auch wer nicht wandert, sollte die Gemeinde Schwedeneck im Kreis Rendsburg-Eckernförde  auf seine Bucket List setzen. Sie schließt sich aus 13 Ortschaften zusammen. Eine der schönsten ist Krusendorf. Und eben da bin ich ja. Herrlich ausgeruht. In aller Herrgottsfrühe. Weil ich gestern so lächerlich früh eingeschlafen bin. Ein weiterer toller Nebeneffekt beim Wandern.

 

 

Noch treibt sich niemand auf der Kirchstraße des Heile-Welt-Dörfchens herum. Nur die Spatzen zwitschern in den Gärten. Später wird die Dreifaltigkeitskirche ihre Waschräume für Wanderer öffnen und eine „stille Ecke“ im Kirchschiff selbst für Gebet und Meditation.

 

 

Wer den E1 absolviert, kommt in Krusendorf nicht zwingend vorbei. Der Fernwanderweg führt 1,5 km entfernt am Strand entlang. Der Schlenker ist aber empfehlenswert. Von Jellenbeck, einer Nur-Dach-Haus-Siedlung am Meer, führt die Strandstraße direkt zur Kirche von Krusendorf. Wer aus Kiel kommt, folgt im Anschluss der Bäderstraße zum Campingplatz Gröhnwohld zurück zum E1. Wer nach Kiel geht, nimmt die Kirchstraße nach Surendorf.

 

Bucket List Schwedeneck: Der Strand von Surendorf

 

Ich tapere also über die Landstraße zum  Strand von Surendorf . Er gehört für mich mindestens unter die Top 5 der schönsten Strände an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein. Er hat alles. Aber nichts zu viel. Wenn bekanntere Strände zur Hochsaison längst überfüllt sind, geht es hier noch immer relativ entspannt zu.

 

Surendorf

 

Der Wetterhahn hat inzwischen von Strandwetter auf Schmuddelwetter gedreht. Der Himmel verheißt nicht unbedingt Gutes. Bei diesem Wetter würde ich normalerweise Hamburg gar nicht erst verlassen. Bisher kannte ich Surendorf auch nur bei strahlendem Sonnenschein. Aber in Muschelfarben gefällt er mir fast noch besser. Und die müde Stimmung hat einen eigenen Reiz.

 

 

Ich betrachte die Szenerie eine Weile in einen Strandkorb gekuschelt. Es ist erst 8 Uhr. Die Geschäfte und Restaurants haben noch geschlossen. Über den Campingplatz schlappen Frühaufsteher mit Brötchentüten. In der Surfschule nebenan rühren einige Kinder schläfrig in ihren Cornflakes. Eine handvoll Kiter saust über die Wellen. Zwei Unerschrockene nehmen ein Bad.

 

 

Als ich weitergehe, beginnt es ganz leicht zu nieseln. Das macht nicht weiter was. Der Weg schlängelt sich nun die Steilküste hinauf. Dort oben bilden Hecken einen schützenden Laubengang. Als ich bei der kleinen Siedlung Fischerberg in den Wald eintauche, besteht die Welt nur noch aus dem Wind in den Bäumen und Meeresrauschen, Vogelgezwitscher und dem Kreischen der Möwen.

 

Bucket List Schwedeneck: Wandern an der Ostsee

 

Man muss nicht unbedingt wandern, um in Schwedeneck glücklich zu werden. Es reichen auch kurze Spaziergänge. In und um Schwedeneck warten verschiedene Routen , oft als Rundwege konzipiert; manchmal auch als Radwege durch weite, wellenartige Felder und Steilküstenwälder. Der E1 bleibt relativ dicht an der Abbruchkante.

 

Daenisch Nienhagen

 

An Steilküsten dicht an den Abgrund zu treten, hat wohl weniger mit Mut zu tun, als mit mangelnder Vorstellungskraft. Dass man wirklich hinabstürzen könnte, glaubt man nicht. Der Natur ist aber natürlich vollkommen egal, was wir uns vorstellen können. Darum wundere ich mich an einer Stelle ein wenig über die Beschilderung. „Durchgang verboten. Lebensgefahr durch Küstenabbrüche“ warnt ein Schild Spaziergänger aus der Gegenrichtung – und zwar vor dem Weg, den ich gerade gekommen bin. Seltsame Sache.

 

Bucket-List Schwedeneck: Das StrandHaus

 

Kurz vor Dänisch-Nienhagen verlässt der E1 das Steilufer. Nach einem kleinen Schlenker tritt er bei einem Parkplatz aus dem Wald. Hier führt ein Stichweg zum StrandHaus, einem der sehr seltenen Glücksorte, wo man in Schleswig-Holstein wirklich direkt am Strand speisen kann. Der Tag ist mittlerweile prädestiniert für eine heiße Schokolade mit Meerblick. Aber es ist noch nicht einmal 10 Uhr, das StrandHaus noch geschlossen.

 

 

Der Weg entfernt sich nun immer weiter von der Küste. Als ich – zum ersten Mal seit Surendorf – eine Straße erreiche, glaube ich kurz, das Andreaskreuz würde mich in die falsche Richtung schicken. Aber dann entdecke ich auf der anderen Straßenseite einen ganz schmalen Pfad, der sich in die Felder schlägt. Der E1 zieht hier einen längeren Umweg ins Land hinein. Es geht durch wogende Ähren begleitet von Mohnblumen, Kornblumen und dem intensiven Duft nach Kamille bis zu einem erhöhten Windrad.

 

 

Es ist ein bisschen gruselig, darunter zu laufen. Man kann sich zu gut vorstellen, wie sich ein mächtiger Flügel aus der Verankerung löst und einem den Kopf abrasiert.

Durch die Ortschaft Stohl geht es wieder zurück an die Steilküste, die hier wirklich gewaltig und untypisch für Schleswig-Holstein ist.

 

Bucket-List Schwedeneck: Die Steilküste bei Stohl

 

Dieses Mal wird auch aus meiner Richtung darauf hingewiesen, dass man sich an der Kliffkante in Lebensgefahr begibt. Wie ich hinterher in den Kieler Nachrichten lese, ist es wohl nicht direkt verboten dort oben zu spazieren. Aber auch nicht besonders empfehlenswert. Es kommt regelmäßig zu Abbrüchen und Unfällen. Der E1 führt jedenfalls seit einiger Zeit sicherheitshalber unten am Strand entlang.

 

 

Es folgt eine geradezu mystische Stunde. Ich bewege mich durch eine fast farblose und sehr stille Welt. Mein Schritt verlangsamt sich. Die Steilküste ist nach landläufigem Geschmack wohl optisch nicht wirklich gefällig. Archaisch trifft die Sache besser. Keine Menschenseele läßt sich blicken. Ich bin ganz allein mit Kormoranen und unzähligen Uferschwalben.

 

Leuchtturm Buelk

 

Kurz vorm Bülker Leuchtturm setzt der Regen ein, den ich schon seit Surendorf erwartet habe. Ich überbrücke einen Schauer im Pavillon-Restaurant. Meine Planung sah vor, den E1 in Strande zu verlassen, um weiter an der Kieler Förde über Schilksee nach Falckenstein zu spazieren. Von dort wollte ich die Fähre zum Hauptbahnhof nehmen. Doch lt. Regenradar ist das keine gute Idee.

 

Bucket List Schwedeneck: Leuchtturm Bülk

 

Also laufe ich in der nächsten Regenpause bloß noch 4 km bis Strande. Und setze mich dort nach insgsamt 20 km in den Bus. Meine Kamera habe ich auf dem letzten Abschnitt nicht mehr rausgeholt. Aber ich war wieder ganz verzaubert von dem Promenandenspaziergang zwischen Strande und dem Bülker Leuchtturm. Er passt prima in eine Regenpause. Und das scheint in diesem Sommer ja nicht ganz unwichtig zu sein.

 

Fakten, Fakten, Fakten: Wandern an der Ostsee

 

Distanz: Von meinem Hostel in Krusendorf bis zur Bushaltestelle in Strande 20 km.

Gehzeit: 5 Std. zzgl. Pausen

Das geht noch besser: Wer nicht in Krusendorf aufwacht, setzt idealerweise in Surendorf ein und wandert auf dem E1 nach Strande und von dort weiter – immer in der Kieler Förde entlang – zum Falckensteiner Strand. Auch das sind ca. 20 km.

Weitergehen: a) Vom Falckensteiner Strand übersetzen nach Laboe, dann weiter auf dem Fördewanderweg. b) Mit der Fähre bis zum Anleger Reventlou – dort führt die nächste Etappe des E1 – immer an der Schwentine entlang –  in die Holsteinische Schweiz.

11 Kommentare

  1. Die Gegend scheint wir toll zu sein. Hab gleich mal geschaut, wo sie liegt. Danke für die Beschreibung und Dir eine schöne Woche! LG Simone

  2. Lange her, dass ich mal da in der Gegend war. Das hat wirklich noch einen „heile Welt“ Charakter. Danke für die schönen Fotos und den Bericht. Wandern macht einfach Spaß. Und Radfahren kann man im Norden auch immer gut.

    Liebe Grüße
    Liane

    • Ich finde ja, für Schleswig-Holstein gilt als Faustregel: Ostsee Wandern, Nordsee Radfahren. (Andererseits mit Deinem E-Bike sähe die Sache natürlich anders aus). Grüße, Grüße, Stefanie

  3. Was für ein idyllisches Fleckchen Erde. Danke für die schönen Bilder und die tolle Beschreibung…..hab ich dann jetzt auch einmal auf meiner Bucket-List 😉

    • Liebe Ilona, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis Du Dich für einen Ausflug von Deinen Kätzchen trennen kannst. Und das kann ich so gut verstehen. Aber Schwedeneck läuft ja nicht weg. Einen schönen Tag wünsche ich Dir, Stefanie

  4. Wenn der zweite Tag einer Wanderung der schönste Ist, dann ist der dritte der allerschönste und der vierte der allerallerschönste. Weiter kenn ich’s noch nicht. 🙂 Entgegen einer verbreiteten Annahme, dass mehrere Tage am Stück wandern irgendwie schwerer ist, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mit jedem Tag leichter wird.

    • Liebe Lotte, meine längste Wanderung dauerte 12 Tage. Das kam mir hinterher sehr kurz vor. Allein war ich noch nie länger als 2 Tage unterwegs. Bei 2 Tagen realisiert man ja noch gar nicht, dass man ganz für sich ist. Müsste ich also mal machen. Liebe Grüße, Stefanie

  5. Ich bin den E1 letztes Jahr gegangen. Dieser Teil an der Ostsee war mit Sicherheit einer der schönsten. Bald kommt dann die Holsteinische Schweiz, die ich auch sehr schön fand. Viel Freude noch auf dem Weg, und ein wenig besseres Wetter wünscht …… Rainer

    • Hallo Rainer, vielen Dank für Deinen Kommentar – ich gehe bloß Stück für Stück den norddeutschen Teil. Aber ich schau gleich mal, was Du so alles erlebt hast. Herzliche Grüße, Stefanie

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