Hamburg
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Cyclassic

Der 18.10.2014 war der wärmste je in Hamburg gemessene Oktobertag. Ein Sonntag. 22,5 Grad. Perfekt für einen Microreisen-Klassiker: Eine Radtour nach Steinwerder.

Los gehts an den Landungsbrücken.

Alter Elbtunnel

Der Alte Elbtunnel von 1911 führt 24 Meter in die Tiefe und ist 426 Meter lang. Und irgendwie ist mir dort unten immer ein bisschen ulkig zumute. In einer kleinen Ecke meines Gehirns freue ich mich jedes Mal, wenn ich´s hinter mir habe. Deswegen fahre ich auch gern mit dem Fahrrad. Weils schneller geht.

Treppenhaus Alter Elbtunnel

Noch schneller ging es bis 2010. Bis dahin durfte man nämlich noch mit dem Auto fahren. Jetzt werden nur noch Fußgänger und Fahrradfahrer von den historischen Fahrkörben hinab und hinauf befördert.

Elbtunnel

Seit vier Jahren wird die Oströhre renoviert. Mag sein, dass Hamburgs schönste Langzeitbaustelle noch bis 2019 existiert. Mag genauso gut sein, dass man´s 2016 gut sein lässt und den zweiten Teil der Renovierung auf später verschiebt. Kein Scherz. Der Plan, die Weströhre erst in fernerer Zukunft in Stand zu setzen, existiert wirklich. 15 Jahre könne sie noch durchhalten, heißt es. (Allerdings heißt es auch, dass in der Stahlhaut der Oströhre deutlich mehr undichte Stellen entdeckt wurden, als vermutet. Eben darum explodieren die Kosten).

Wie gesagt: Ich atme innerlich immer etwas auf, wenn ich Steinwerder erreiche.

97% aller Microreisenden strömen dann zum Aussichtspunkt ums Eck. (Wo´s wirklich schön ist und seit einigen Jahren sogar Erfrischungen erhältlich sind.) Die übrigen 3% haben erstaunlich oft eine Kamera in der Hand und einen extrem relaxten Ausdruck auf dem Gesicht. Jedenfalls Sonntags. Wenn der Freihafen Fofftein macht. Und alles ruhig und menschenleer ist.

Rohrweg

Sobald wir irgendwo eine interessante Fassade sehen, einen besonders verwunschenen Kanal, eine alte Kachel oder einen Fetzen Jugendstil-Tapete, beginnt unser Standardgespräch: Hier könnte ich mir auch vorstellen zu leben. Wobei wir sehr wohl wissen, dass es uns in Steinwerder unter der Woche viel zu laut wäre. Es ist also nur ein Träumen. Und das ist es ja gerade, was Häfen mit einem machen. Sie schicken Deine Gedanken auf Reisen.

Ellerholzdamm2

Noch so ein Sonntagsvergnügen & viel besser als Tatort-Verfolgungsjagden im Fernsehen: Selber durch Containerschluchten radeln.

Ellerholzdamm4

Nur zur Einordnung der eigenen Größe: So ein Container ist 2,5 m hoch.

Container

Blick quer durchs Dock zur Argentinienbrücke.

Argentinienbrücke

Blick von Argentinienbrücke

Aus dieser Perspektive wird einem erst so richtig klar, wie nah die Industrie den Wohngebieten ist. Sehr beruhigend, dass man dort auf Arbeitssicherheit achtet. Hüstel.

Worthdamm

Steinwerders große Zeit begann um die Jahrhundertwende. Noch findet man Erinnerungen an diese Epoche. Die 50er Schuppen beispielsweise sind die letzten Schuppen aus der Kaiserzeit. Einige werden nach wie vor als Lagerraum genutzt. In anderen befindet sich das Hafenmuseum.

50er Schuppen

Das Hafenmuseum ist wirklich ein Glücksfall. Quer über das Areal verstreut, warten etliche Schmuckstückchen darauf, nun endlich Stück für Stück renoviert zu werden. Etwa die alten Beamtenwohnungen in typischer Backsteinbauweise; aber auch die letzten alten Hafenanlagen.

Hamburg Museum

Vielleicht liegt es an den Straßennamen rund um den Winhukkai: Australiaweg, Kamerunweg, Indiaweg…

Indiaweg

… vielleicht liegt es auch an den exotischen Düften der hier lagernden Gewürze …  jedenfalls kurbelt Steinwerder unsere Phantasie an wie kaum ein zweiter Stadtteil. Die Umgebung kommt uns stellenweise geradezu surreal vor.

Kamerunweg

Weil der Hafen immer in Bewegung ist, ganze Straßenzüge verschwinden oder neu entstehen, findet man auch immer wieder neue Lieblingsplätze. Zur Zeit ist die Spitze des Afrikaweges unser Favorit. Da kann man ganz herrlich im hohen Gras sitzen und auf den Trubel in der Hafencity schauen. Während man selbst seine private Top-Location nur mit ein paar Anglern teilt. Herrlich ist das. Wir können es für nächsten Sonntag nur empfehlen.

Afrikastraße

PS.: Touristen müssen auf die Radtour nicht verzichten. Gleich beim Startpunkt an den Landungsbrücken kann man sich ein StadtRad organisieren.

5 Kommentare

  1. ärgerlich – zu spät gelesen, sonst hätte ich deiner Empfehlung für den heutigen Sonntag mal folgen können! 🙁 Wettermäßig wäre es auch gegangen (zwar nicht so warm wie letzten Sonntag, aber 13°C sind auch noch okay), nun hab ich stattdessen eine Wanderung in der Heide gemacht und mich ordentlich verlaufen (ich muss endlich Karten lesen lernen!)

    Wer von euch beiden auch immer die Fotos gemacht hat = wieder ganz großes Kino!!

    • Hach, in der Heide muss es ja auch toll gewesen sein bei dem herrlichen Wetter. (Obwohl ich eigentlich alle Jahreszeiten mag, ist es doch eine komische Vorstellung, dass es so warm erst wieder in sechs Monaten wird. Frühestens.)

  2. Pingback: Zur Erholung auf St. Pauli (für Instagramer & Konsorten) -

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