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Zeit zu fühlen

Eckernfoerde

Der November ist kein klassischer Vorzeigemonat; auch nicht am Meer; auch nicht in Eckernförde. Die Farben wie ausgewaschen, der Sand nass und schwer, haut´s auf den ersten Blick nicht unbedingt aus den Socken. Aber es regnet nicht. Es ist nicht kalt. Und der Wind ein sanftes Streicheln.

 

Eckernfoerde

 

Die Ostsee, die sich in der Eckernförder Bucht an besseren Tagen zu den erstaunlichsten Farbspielen hinreissen lässt, liegt beinahe still. Rostrote Medusen treiben im klaren Wasser; nicht gerade quicklebendig.

 

Feuerquallen

 

Aber wer ist das schon, wenn das Licht sich rar macht. Wenn es selten richtig hell und jeden Nachmittag noch etwas früher dunkel wird. Alles scheint verlangsamt. Selbst an einem Aktiv-Strand, wie die Tourismusagentur Schleswig-Holstein die der Altstadt von Eckernförde vorgelagerte Sandsichel nennt.

 

Sigurdur Gudmundsson

 

Das Paar da vor mir bewegt sich in ähnlichem Schneckentempo wie ich. Wozu auch hetzen? Denke ich. Ob ich nun heute oder morgen, in fünf Wochen oder fünf Monaten um die Ecke biege, macht keinen großen Unterschied. Anders, schöner, besser sieht das alles hier erst wieder im Mai aus. Und das Paar vor mir bleibt stehen.

 

hafen Eckernfoerde

 

Wie versunken stehen sie am Hafenbecken. An ein Geländer gelehnt, mit eigenen Gedanken beschäftigt, Hand in Hand. Und eben dafür ist der November ja da. Langsam werden. Innehalten.

 

Fischkutter

 

Auch ich bin kurz darauf gezwungen, stehen zu bleiben. Auf halber Stecke zum Leuchtfeuer tippelt eine Silbermöwe aufgeregt über die Planken.

 

Möwen

 

Möwen haben keine natürlichen Feinde habe ich mal gelesen. Aber davon hat diese vor mir wohl noch nicht gehört. Sie checkt mich ab. Misstrauisch, bis in die letzte Feder, ob ich sie vom gedeckten Tisch vertreiben will.

 

 

Und ich frage mich, wenn Möwen keine natürlichen Feinde haben – was sind dann wir? Freunde? Unnatürliche Feinde? Fragt man Möwen, gibt es wahrscheinlich solche und solche.

 

 

Mich jedenfalls klassifiziert sie letztlich als eine, die niemandem die Miesmuscheln vermiesen will. Solange ich genügend Abstand halte, darf ihr gern Gesellschaft leisten. Und das Erstaunliche daran ist eben, dass ich darüber genauso froh bin wie sie selbst. Wahrscheinlich noch froher.

 

Lass Dich impfen

 

3 Kommentare

  1. Ich war schon immer langsam,auch bei Sportwettbewerben zu meiner Schulzeit.
    Höher-Schneller-Weiter hat mich schon damals nicht interessiert – und es interessiert mich auch heute nicht.
    Einfach langsam das Leben genießen und entschleunigen,Streß und Hektik sind nicht gesund und es bringt auch nix.
    Ich mag den November und die Einsamkeit an der See-einfach abschalten von allem-gerade jetzt !
    viele Grüße aus Duisburg und bleibt alle gesund.

    • Franz sagt

      Ein anregender Beitrag für den Aufenthalt am Meer!
      Jahreszeiten haben alle ihre eigenen Besonderheiten und Schönheiten. Die Herausforderungen für die Sinne sind unterschiedlich und der eher graue Novembertag ist da sehr anspruchsvoll. Schön, wenn man die Sensibilität fordert und auf Entdeckungsreise geht.

  2. Na Du?
    Eigentlich ist das tragisch, dass der November nicht kalt ist. Wie gern würde ich frieren, den scharfen eisigen Wind im Gesicht spüren.
    Stattdessen blühen bei uns im Garten noch Blumen. Von daher wäre ich wahrscheinlich glücklicher, wenn der November wieder ein typischer November würde:-)

    Liebe Grüße in den Süden.
    Kai

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