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Alle Wasser laufen ins Meer

Badehotel

Eine der erfolgreichsten dänischen Fernsehserien ist die Dramedy Badehotellet (Badehotel).  Sie beginnt in den Goldenen Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Kopenhagens High Society die wunderbare Einfachheit des Strandurlaubs entdeckte und hat es mittlerweile auf acht Staffeln gebracht; die neunte wird schon gedreht.

Filsoe

Die Serie Badehotel funktioniert in etwa wie Downton Abbey, ist ebenso liebevoll ausgestattet und wurde längst in alle Welt verkauft. Sehr seltsamerweise allerdings nicht nach Deutschland. Dabei ist keine Nation – mal abgesehen von den Dänen selbst – so verrückt nach den dänischen Küsten wie wir.

Henne Moelle A

Millionen Deutsche träumen das ganze Jahr von ihrem Urlaub in Dänemark. Und für etliche von ihnen, das behaupte ich jetzt einfach mal, wäre der deutsche Winter ein bisschen leichter auszuhalten, könnten sie sich hin und wieder mit dem Stubenmädchen Fie in Andersens Badehotel flüchten.

Henne Moelle A

Leider kenne ich keine Programmverantwortlichen, denen ich es stecken könnte. Aber würde ich welche kennen, würde ich sie vielleicht mal mitnehmen zu einem Badehotel. Vorzugsweise an einem Tag wie vorvorgestern. Nur damit sie mal verstehen, warum manche Menschen gern mal etwas anderes sehen würden als Fußball und die x-te Corona-Diskussionrunde.

Henne Mølle Å Badehotel

Der Henne Mølle Å (Bach bei der Mühle von Henne) fließt südlich von Henne Strand in die Nordsee. Auf seinem Lauf vom See Filsø  zum Meer ist das Flüsschen beinahe in Gänze kanalisiert. Erst kurz vorm Strand, wo sich bei einem kleinen Parkplatz eine Brücke über den Bach spannt, darf er sich sein Bett selbst suchen.

Nordsee

Er tut es mit einer so hinreissenden Anmut, das man beinahe das schlichte Gebäude nebenan übersehen könnte. Und eben das hatte sein Schöpfer gewollt. Entworfen wurde das schmucklose Refugium im Nirgendwo von Poul Henningsen Mitte der 1930er Jahre.

Henningsen war einer der wichtigsten Architekten, Designer, Autoren, Verleger, Sozialkritiker – oder kurz: Denker – Dänemarks. Bekannt ist er vor allem durch die mit Louis Poulsen entwickelten Lampen, die PH Pendelleuchten. Sie hängen im Louvre genauso wie (mindestens als Replica) in jedem dänischen Ferienhaus und natürlich im Badehotel.

Moelle A Henne

Bis heute geht es im Henne Mølle Å Badehotel um die klassischen Freuden: Licht, Luft, Meer und gute Küche. Letztes ist ebenso exzellent wie die Natur rundrum. Die middagsmad – auch middag – was ulkigerweise die abendliche Hauptmahlzeit meint, sollte sich nur leisten, wer Essen auch wirklich genießt. Denn günstig ist es gerade nicht.

DK

Zur frokost, dem dänischen Mittagessen hingegen, muss man nicht übermäßig tief in die Tasche langen. Für den Fisch des Tages bezahlt man etwa 25 Euro. Smørrebrød gibts für 10; und das sind eben keine Butterbrote rømpømpømpøm, sondern Kunstwerke.

Winter

Wer mit dem Auto anreist, rumpelt 2,5 Kilometer durch einsamste Dünenheide, bevor ganz unvermutet das Hotel erreicht ist. Noch schöner ist der etwa ebenso lange Strandspaziergang von Henne Strand aus. Und da muss man sich derzeit entscheiden: will man den Spot mit nur Wenigen teilen, kommt man unter der Woche. Will man die Küche des Badehotels testen, geht das nur am Wochenende. Will man Sonnenschein, braucht man den Zufall.

Henne Moelle A Badehotel

Denn im Winter geht es in Dänemark natürlich viel spannender zu als in einer (wenn auch wunderbaren) Fernsehserie. Es gibt Sonne und Wolken und Schnee und Orkan und manchmal regnet es ganz herrlich von morgens bis abends. Aber das zeige ich dann nächstes Mal.

 

2 Kommentare

  1. Erika Stumm sagt

    Liebe Steffi, da hast du mich mit deinem Artikel und den wunderschönen Bildern in die Zeit vor über 50 Jahren versetzt-damals war ich mit Freunden in diesem Badehotel und wir haben es genossen wenn ich auch nicht wusste, dass Poul Henningsen der Architekt war.Und es scheint ja immer noch so hyggelig zu sein.Es ist immer wieder schön, auf diese Weise von dir zu hören. Eine wunderschöne Adventszeit trotz und mit Corona.Erika

    • Liebe Erika, da kann ich Dich direkt sehen – das passt einfach total, dass Du da schon mal gewesen bist. Ganz liebe Grüße zurück, Steffi

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