Die Reit in Hamburg Allermöhe ist eines der kleinsten Naturschutzgebiete der Stadt. So klein und abgelegen, dass die weite Anreise aus dem Hamburger Westen, Süden oder Norden im Verhältnis zum Vergnügen vor Ort kaum lohnenswert scheint.
Warum auch sollte man einen weiten Weg auf sich nehmen, wenn man ohenhin eine Handvoll Naturschutzgebiete in direkter Nachbarschaft aufsuchen kann?! So geht es nämlich fast jedem Hamburger. (Prozentual gesehen hat kein Bundesland auch nur annährend so viele Flächen unter Naturschutz gestellt wie Hamburg. Wer hätte das gedacht?!)
Angesichts ihrer geringen Größe und Abgelegenheit könnte man die Reit als nicht weiter relevant für das Wohlbefinden der Hamburger einstufen. Werber, Journalisten und andere Medienmenschen werden das vermutlich tun. Ich glaube, Relevanz ist eine ihrer Lieblingsvokabeln.
Die Reit oder die Frage, was relevant ist
Jedenfalls lese und höre ich ständig, wie Medienleute alles Mögliche auf Relevanz abklopfen – Themen/ Texte/ Bilder und Produkte – sogar Menschen. So urteilte ein Juror in der letzten Staffel von Germanys Next Topmodell über eine Kandidatin: „Sie hat ein total relevantes Gesicht“.
Da fragt man sich natürlich, wie ein irrelevantes Gesicht ausssehen mag. Oder anders: Wer entscheidet eigentlich, was relevant ist?
Bei Germanys Next Top Modell ist es einfach: Heidi Klum. Sie verriet in besagter Folge: „Ich bin ja ständig auf Flohmärkten Sachen am Suchen“.
Und da kann man mal sehen: Relevanz ist eine individuelle Kiste. Mich zum Beispiel interessieren Sachen nicht so. Lieber bin ich „in Naturschutzgebieten Gefühle am Suchen“. Dabei wird die Reit auf einmal ziemlich relevant.
Taucht man in das Dickickt des Birken- und Weidenbruchwaldes ein, fühlt es sich so heimlich an. Der Boden federt unter jedem Schritt. Frösche quaken. Mücken sirren. Und es erwischt einen die Erinnerung daran, wie es mit 5 Jahren war – auf dem Weg zum geheimsten Geheimversteck.
Ist man tatsächlich 5 Jahre alt, empfindet man die Reit ganz sicher auch nicht als „zu klein“ – sondern als unfassbar verschwenderischen Dschungel. Ein tolles Erlebnis für Kinder und kindliche Gemüter.
Dem Wortsinn nach ist etwas relevant, wenn es „in einem wichtigen, bedeutsamen Zusammenhang mit dem Objekt oder Thema steht“. Was die Bedeutsamkeit der Reit betrifft, sind Kammmolch und Tüpfelsumpfhuhn, Uferschnepfe und Moderlieschen sich einig: sie ist überlensbenswichtig.
Beste Zeit für einen Ausflug in die Reit: März – Oktober
Die Reit wird von Dove- und Gose-Elbe umarmt, liegt also ohnehin ganz zauberhaft. Am zauberhaftesten ist die Gegend im Sommer. Dann ist die Deichstraße für den Autoverkehr gesperrt – für Radfahrer und Wanderer ist das superduperrelevant. Einen Tourenvorschlag gibt´s bei Michael wandert.
Wir entdeckten die Reit – und ihre Nachbarin die Hohe – als wir letzten Sommer für unseren Ausflugsführer ganz Hamburg abgrasten. Und obwohl sie so winzig ist, dass sie es nur mit einem Nebensatz ins Buch schaffte, ist sie mir stärker im Gedächtnis geblieben als viele andere grüne Inseln. Womit sich für mich mal wieder bestätigt hat, dass die Größe nicht relevant ist.
Hi Stefanie,
Danke für den schönen Bericht! Die Reit kannte ich auch noch nicht, ich habe gerade das NSG Heuckenlock entdeckt, was auch wahnsinnig schön ist.
Grüße, Alex
Lieber Alex, das Heuckenlock ist ja auch so eine Perle. Ich war letztes Jahr an einem ganz normalen Sommerabend dort und fast ganz allein. Muss man als Hamburger unbedingt mal gesehen haben, finde ich. Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße, Stefanie
Mein Kleingarten ist mein persönlich kleinstes Schutzgebiet und von ungeheuer wichtiger Relevanz 😉 LG Simone
Und da kann man mal sehen, liebe Simone – ich kenne Deinen Kleingarten zwar nicht, aber er ist vermutlich noch kleiner als die Reit (für einen Kleingarten wäre sie enorm groß). Liebe Grüße!!!
355 m2 und damit viel zu viel zum täglichen Gießen 😉
Liebe Stefanie, wie findet ihr/du diese Kleinode immer nur?!
Schön, dass ihr sie mit uns teilt, denn sonst würde vieles nicht gefunden werden/verborgen bleiben – zumindest mir.
Vielen Dank dafür.
Ganz liebe Grüße
Eva
…so, und nun habe ich euren Ausflugsführer endlich bestellt! 🙂
Liebe Eva – wie schön von Dir zu hören. Du stapelst natürlich tief – ich kann mich auf tolle Ausflüge auf Deinem Blog erinnern! Vielen Dank, dass Du das Buch bestellt (es ist für mich immer noch ein ganz seltsames Gefühl.) Liebe, liebe Grüße, Stefanie
Liebe Stefanie, mitgelesen habe ich – auch in letzter Zeit – immer, nur nicht kommentiert. War viel los in meinem Leben dieses Jahr (u.a. sind wir umgezogen) und die Zeit verging wie im Flug. Aber jetzt kehrt wieder Ruhe ein und Zeit fürs Lesen, kommentieren und Ausflüge machen. 🙂
Umgezogen? Meinem Gefühl nach ist der letzte Umzug noch gar nicht lang her.
Schön, dass bei Dir Ruhe einkehrt… vielleicht kommt dann ja auch die Lust zum Bloggen zurück?!
Ein feines Wochenende wünsche ich Dir
Stefanie
So liebevoll dein Bericht, es ist eine Freude! Ja, die Reit ist eine kleine Perle. Ich schaue dort mindestens einmal im Jahr vorbei, auf meiner liebsten Hamburger Fahrradtour durch die Vier- und Marschlande nach Zollenspieker…
Klingt super mit dem Zollenspieker (zumal da ja offenbar eine Fähre übersetzt) – dann könnte man einen ganz anderen Rückweg nehmen. Vielen Dank für den Tipp!
Ja, die Fähre nach Hoopte ist eine Option – oder alternativ über Bergedorf und die Boberger Dünen zurück in die City…
Hallo Stefanie,
schön, dass Die Reit für dich relevant genug ist, einen deiner vielen Ausflüge dorthin zu machen. Und noch schöner, dass auch mein Beitrag über Die Reit relevant genug für einen Link war 😉
Vielen Dank für den Beitrag und den Link.
Viele Grüße
Michael-wandert
Gern geschehen! (Und dito – also vielen Dank für Deinen Beitrag)
[…] schmalen Damm vom Eichbaumsee getrennt. Gleich am gegenüberliegenden des Elbarms wartet zudem noch die Reit, ein ganz entzückendes Naturschutzgebietchen. Ein Ausflug ist also sehr empfehlenswert. Das Baden […]