Alle Artikel in: Schleswig-Holstein

Schleiperle Arnis

In Arnis sagt man: „Atüss, liebe Schleiperle.“

Wer bisher Arnis sagte, musste auch Schleiperle sagen. Doch nun geht eine Ära ihrem Ende entgegen. Die Betreiber des schlüferblauen Pfahlbauten-Restaurants verabschieden sich mit Ende der Saison. Nach 44 Jahren steht die Schleiperle zum Verkauf. Ich könnte drauf wetten, dass die Schleiperle nicht wirklich schließt, sondern im kommenden Frühjahr mit einem neuen Team wieder an den Start geht. Denn sie ist ein echter Klassiker. Von Urlaubern genauso geliebt wie von Einheimischen. Wie ganz Arnis von eigentlich jedem geliebt wird, der mal da war.   (Dieser Beitrag ist aus dem Jahr 2016. In der Zwischenzeit hat sich viel getan. Siehe auch Aktualisierung am Ende des Artikels).     Die schönsten Wege nach Arnis sind die Spazierwege an der Schlei; egal aus welcher Richtung oder von welchem Ufer. Mein persönlicher Favorit schlängelt sich vom Museumshafen in Kappeln knapp 4 km – auf weiter Strecke am Schleiufer – bis nach Arnis. Der Weg beginnt gleich hinter der Cremilk-Fabrik. Alteingesessene Kappler erkennt man übrigens daran, dass sie die Fabrik bis heute die Nestle nennen – mit Artikel ohne Accent. …

Boehler Strand

Der Sommer ist vorbei: Abbaden in Böhl

Vor 13 Tagen bin ich zum letzten Mal in der Nordsee geschwommen, naja, sagen wir ich plantschte, denn es war in St. Peter Ording Böhl, wo das Meer kilometerweit so flach ist, dass man kein Knie unter Wasser bekommt. Es war mein allerletzter Nahkontakt mit dem Meer für 2016. Ich wusste das, da am Tag drauf eine arbeitsreiche Phase begann. Abbaden mit Ansage also. Und so was lässt einen ja immer sehr bewusst werden.     Abbaden ist das Gegenteil von Angrillen. Die erste angekokelte Bratwurst 2016 hielt ich z.B. nicht für ein Wunder. Ich kann mich nicht mal an sie erinnern. Über meinen letzten freien Sommertag hingegen kann ich mich auch 13 Tage später noch nicht einkriegen und weiß genau: es war der 14. September 2016, der Himmel war strahlend blau, es war nahezu windstill und die Temperatur betrug 27 Grad.     Wir trafen etwa mit dem Hochwasser ein; um 11.45 Uhr. Ich muss generell immer sofort zum Wasser, wenn ich an einen Strand komme. An meinem letzten freien Sommertag aber ganz besonders. …

Burger Faehrhaus

Der weiße Nebel wunderbar: eine Nacht im Burger Fährhaus

Ins Burger Fährhaus wollte ich schon seit Urzeiten. Genauer seit 2 Jahren, als ich die Jugendstil-Villa auf unserer Radtour am Nord-Ostsee-Kanal zum ersten Mal sah. Das Burger Fährhaus liegt etwa an KM 15 von Brunsbüttel gesehen. Damals wusste ich noch nicht, dass es das allerniedlichste Gebäude überhaupt auf der Strecke ist. Sonst hätten wir gleich eine Pause eingelegt, um von der großzügigen Veranda „dicke Pötte“ zu gucken.     Zum Glück ist der Nord-Ostsee-Kanal ja nicht unerreichbar für Hamburger; sondern nur 100 Kilometer entfernt. Von Meldorf aus, wo wir heute einen langen, heißen Tag an der Nordsee verbracht haben, sogar nur 20 Kilometer. Und obwohl man ja immer sagt, Dithmarschen sei plattes Land, führen diese fast durchgehend durch Wälder. Angeblich hat Matthias Claudius hier in der Geest Inspiration für sein Abendlied gefunden; etwa 100 Jahre bevor das Burger Fährhaus errichtet wurde.  Wir checken kurz ein und nehmen die nächste Fähre aufs gegenseitige Ufer.     Seit der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahr 1895 bugsiert die Fähre ihre Passagiere kostenlos von Burg nach Aebtissinwisch – an …

Meldorfer Bucht

Mein erster Grünstrand und die Meldorfer Bucht

Die Meldorfer Bucht scheint unter den unzähligen Urlaubsregionen, die mit dem Modewort Entschleunigung werben, die eine zu sein, die es wirklich ernst meint. Wir spüren es sofort, als wir 99 km nordwestlich von St. Pauli aus dem Auto steigen. Ruhig geht es auf dem Markplatz zu. Entspannt. Beim Italiener gibts einen Platz in der Sonne und hervorragenden Kaffee, garniert mit Schnacks. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr neben Jesus sitzen, begrüßt der Inhaber der Pizzeria neue Gäste, und schlägt dabei Volko leicht auf die Schulter, als seien die Beiden seit Urzeiten bekannt. Der Mann, der am Nebentisch lacht, heißt Jürgen und kam gestern aus dem Urlaub zurück. Das wissen wir inzwischen. Und noch einiges mehr. Kleinstadtleben. So wie es sein soll.     Meldorf ragt aus der Masse strukturschwacher Kleinstädte wie der berühmte Meldorfer Dom aus der Marsch. Als einzige Gemeinde Schleswig-Holsteins darf sich Meldorf CittáSlow nennen. Die aus Italien stammende Bewegung steht für die Förderung heimischer Produkte, regionaler Einkaufskultur und Einzelhandel statt Franchise-Ketten. Auch Bildung, Kultur, Freizeitmöglichkeiten und Nachhaltigkeit sind wichtige Bausteine. Kurz: Kleinstädte sollen …

Sonnenschirm

Der letzte Sommertag in der Lübecker Bucht

Für Meteorologen beginnt heute der Herbst, für Hamburger das neue Schuljahr und das Hamburger Abendblatt titelt „Ein voller Erfolg“, mit einem Foto der Lübecker Bucht, so entsetzlich wie ein Hieronymus Bosch. Nie, nie, nie würden wir uns an einen derart überfüllten Strand begeben, wie das Abendblatt ihn heute (leider nicht online) zeigt. Doch gestern waren wir genau da. Und das verbloggen wir heute mal schnell, damit sich keiner den letzten Strandtag aufgrund falscher Vorstellungen durch die Lappen gehen lässt. Denn mit Ferienende beginnt eben auch die beste Zeit der Lübecker Bucht.     (Für hastige Leser; alles was wir sagen wollen, ist: falls Du es irgendwie einplanen kannst, gönn Dir noch mal einen Sommertag am Meer. Am besten wählst Du einen Wochentag. Ehrlich, es lohnt sich, einen Urlaubstag dafür zu „opfern“. Denn das Abendblatt hat schon irgendwie Recht: am Wochenende ist die Lübecker Bucht mittlerweile ganzjährig überlaufen, so dass man kaum die Wellen rauschen hört.)   Die Lübecker Bucht am letzten Mittwoch im August   Wir fuhren gestern nach Timmendorf, dem Epizentrum der Lübecker Bucht, …

Eutin

Stadtgeflüster und Landansichten: Landesgartenschau Eutin

Neulich besuchten wir die Landesgartenschau Eutin. Wir hatten meine Eltern dazu eingeladen, im Juni schon. Und seitdem nach einem Termin gesucht, der allen passte plus gutes Wetter prognostizierte. Unnötig zu sagen, dass es schwierig wurde. Es ist ja generell so, dass Ausflugsgeschenke die Gefahr in sich tragen, ewig aufgeschoben zu werden und am Ende nicht stattzufinden.     Also schraubten wir Mitte August unsere Ansprüche hinsichtlich der einzigen Variablen herunter. Dem Wetter. Wir enterten die Landesgartenschau Eutin bei grauem Himmel in der Hoffnung, die Wolkendecke würde noch aufreißen. Was sie nicht tat. Im Gegenteil. Doch sanfter Landregen passt auch irgendwie zum superromantischen Gelände. Und zum Ausgleich hatten wir ordentlich Platz für uns.     Meine Mutter, die jede Pflanze mit deutschem und lateinischen Namen kennt, begrüßte die Blumen wie alte Bekannte. (Gern auch mitten im Gespräch: Aaaah, da drüben ist Gaura Lindheimerii. Die mag ich so. Und schon hirscht sie davon). Der Rest von uns genoss eher das Zusammensein in wunderbarer Umgebung. So jedenfalls mein Eindruck.     Und ich glaube, zum Teil mag ich …

Sommer in Norddeutschland

Mich wundert, dass ich fröhlich bin: Sommer in Norddeutschland

Den Sommer in Norddeutschland darf man nicht persönlich nehmen. Ich weiß das. Komme damit im Prinzip auch ganz gut zurecht. Abgesehen von diesem einen ätzenden Moment. Der Moment, in dem mir klar wird: Das wird nix mehr für dieses Jahr. Selbst wenn der Sommer ab sofort seine besten Seiten zeigt, wird er unterm Strich doch ein Unsommer bleiben, ein Nicht-Sommer. Diesen Punkt erreichte ich am 3. August in Steinberghaff an der Geltinger Bucht (einer Unterbucht der Flensburger Förde). Ein Tag, wie der Sommer 2016 selbst. Will sagen: Unberechenbar.     Obwohl es regnete, saßen wir vor dem Strandhotel und tranken Kaffee. Ohne Schirm. Einfach so. D.h. wir wurden nass. Was wir nicht über die Maßen merkwürdig fanden. Oder beklagten. Inzwischen scheint mir das Wetter schon in Ordnung, wenn es nicht immerzu regnet sondern nur ab und zu. Vielleicht habe ich mich in gewisser Weise dran gewöhnt, dachte ich. Mich sozusagen aklimatisiert. Aber wir hatten auch keine Lust, ewig im Regen zu sitzen. Daher stiegen wir ins Auto, um uns um die Flensburger Förde treiben zu …

An der großen Kreuzung links: Landhaus Börmoos in Habernis

Mitte der 80er Jahre ließ Klaus Voormann einen hundertjährigen Bauernhof in Habernis herrichten. Voormann ist einer dieser Allround-Künstler, die man nicht unbedingt dem Namen nach kennt, obwohl er tausend Dinge getan hat, die das eigene Leben bereichern. Unter anderem entwarf Voormann das Cover für das Beatles-Album Revolver, produzierte mit Trio Da Da Da, spielte mit Mando Diao das MTV-unplugged-Konzert und schuf eben dieses Idyll an der Flensburger Förde; das Landhaus Börmoos.     Heute lebt Voormann längst woanders. Und Börmoos ist eine tolle Adresse, wenn man mal nichts als seine Seelenruhe will. Das Landhaus liegt uneinsehbar am Ende einer Birkenallee. Wie das mit vielen Künstlerrefugien so ist, schlägt das Herz gleich einen Takt verträumter, sobald man das riesige Grundstück betritt.     8 Ferienappartments befinden sich in Vermietung. Sie sind alle mit einer kleinen Küche ausgestattet und fast alle mit Alkovenbetten. Die große Diele mit Kaminraum darf genauso genutzt werden wie der romantische Garten mit vierlei Sitzmöglichkeiten und das wunderbare Lesezimmer voller Coffee-Table-„Literatur“ (also richtige Bücher selbst mitbringen).     Das perfekte Wochenende im Landhaus …

5SeenFahrt

Kann man mal machen, meint Frau Z.: die 5-Seen-Fahrt

Auf einem Ausflugsbewertungsportal schreibt Frau Z. aus H. über die 5-Seen-Fahrt: „Kann man machen. Die Fahrt dauert zwei Stunden, eine hätte aber gereicht, denn viel gibt es nicht zu sehen, außer: Seen, Wälder, Wasservögel, Anleger und ein paar Villen.“ Dafür verteilt Frau Z. drei von fünf möglichen Sternen. Dem gibt´s auch gar nicht viel hinzuzufügen, denn so ist sie nun mal – die Holsteinische Schweiz. Nichts als Seen…     … Wälder …     … Anleger ….     … und Villen.     Maximale Villendichte herrscht am Edebergsee in Plön. Beim Ausflugslokal Fegetasche startet die Weiße Flotte stündlich auf kleine Fahrt. Die Fegetasche hat ihren Namen einer mittelalterlichen Zollstation zu verdanken; einst wurden Reisenden am Edebergsee die Taschen ausgefegt. Die 5-Seen-Fahrt ist mit 10 Euro allerdings erschwinglich.   Um eine Sache muss ich Frau Z.´s Aufzählung doch noch ergänzen: Bootshäuser. Sie präsentieren sich beinahe ebenso unterschiedlich wie die Seen der 5-Seen-Fahrt: Edebergsee, Höftsee, Behlersee, Langensee und Dieksee. Der flachste See ist 8 m tief, der Tiefste über 40. Der Kleinste erinnert an den …

Elberadweg

Unterelbe und Auenland: Radtour von Wedel nach Glückstadt

Vergangenen Sonntag sind wir auf dem Elberadweg von Wedel nach Glückstadt gefahren; immer am Deich lang, etwa 37 Kilometer. Nach Wedel kamen wir mit der S-Bahn. In Glückstadt nahmen wir den Zug zurück nach Hamburg. Unterm Strich war´s das, was wir einen absolut gelungenen Sonntagsausflug nennen würden. Besonders wenn man sich langsam, langsam treiben lässt.     Die Entscheidung, mit der S-Bahn nach Wedel zu fahren, war super. So sind wir den Touristenmassen zwischen Landungsbrücken und Blankenese ausgewichen – und (noch besser) waren sofort auf dem platten Land.     Wenn man in die Elbmarschen einbiegt ist Ruhe im Karton. Die letzten Spaziergänger hat man bald hinter sich gelassen. Der Blick darf weit werden. Die Gedanken auch.     Auf weiten Strecken kann man beidseitig des Deichs fahren (also buten und binnen). Wobei sich der elbseitige Weg meistens rumpelig darstellt. Hätten wir vorher gewusst, dass uns im weiteren Verlauf noch genügend Elbblick erwartet, wären wir gleich binnendeichs geblieben.     Der Deichverteidigungsweg ist viel besser in Schuss. Asphaltiert und fernab der Straßen mäandert er durch …